Neu im Kino/Filmkritik: „Carmine Street Guitars“, wo die Musik spielt

August 29, 2019

Carmine Street Guitars ist ein Geschäft in der Carmine Street 42 in Greenwich Village, New York. In dem Ladenlokal fertigt Rick Kelly seit 1990 seine E-Gitarren. Gitarren baut er seit den späten siebziger Jahren und zu seinen Kunden gehören einige sehr bekannte Gitarristen, wie Lou Reed.

Eines Tages erzählte Jim Jarmusch Ron Mann von Rick Kelly und seinem Geschäft. Mann entschloss sich, einen Film über Kelly, seine Auszubildende Cindy Hulej, ihre Arbeit und ihre Kunden zu drehen.

Dafür wählte er in seinem Dokumentarfilm „Carmine Street Guitars“ die ebenso einfache wie tragfähige Struktur einer Arbeitswoche, in der Rick Kelly täglich seinen Laden öffnet und schließt. Seine Mutter Dorothy Kelly putzt den Laden und erledigt Bürotätigkeiten. Rick Kelly und Cindy Hulej bauen in der Werkstatt Gitarren und im Laden reden sie mit ihren Kunden. Diese Gespräche mit Christine Bougie (Bahamas), Nels Cline (Wilco, aber auch ein erfolgreicher Jazz-Gitarrist), Kirk Douglas (The Roots), Eleanor Friedberger, Bill Frisell, Dallas Good (The Sadies), Travis Good (The Sadies), Dave Hill, Jaime Hince (The Kills), Stewart Hurwood, Lenny Kaye (Patti Smith Band), Marc Ribot (u. a. Tom Waits), Charlie Sexton (Bob Dylan Band) und Regisseur Jim Jarmusch (Sqürl) laufen immer gleich ab. Der Musiker, – meistens ein weißer, etwas älterer Mann -, erzählt etwas über sich, Kelly erzählt etwas über seine Arbeit, manchmal fachsimpeln sie etwas und der Musiker probiert die Gitarre aus indem er einen Song spielt.

Diese Struktur ähnelt Wayne Wang und Paul Austers prominent besetzter, inzwischen auch schon über zwanzig Jahre alter Impro-Komödie „Blue in the Face“. Dort trafen sich in einem fiktiven Tabakladen in Brooklyn unter anderem Jim Jarmusch, Lou Reed, Michael J. Fox, Lily Tomlin und Madonna zu einem Plausch.

In „Carmine Street Guitars“ funktioniert diese Idee ebenfalls ausgezeichnet. Auch wenn Kellys Gespräche mit seinen Kunden mit der Zeit etwas redundant werden. Es ist einfach nur der nächste bekannte Gitarrist, der das urgemütliche Geschäft betritt und über Kellys Gitarren schwärmt. Deren Korpus und Hals ist aus dem Holz alter New-Yorker-Gebäude, die meistens abgerissen wurden. Und so erzählt jede dieser Gitarren auch etwas über die Millionenstadt und ihre Veränderungen.

Carmine Street Guitars“ ist vor allem ein Film für Gitarrenfans, die gute Musik zu schätzen wissen.

Carmine Street Guitars (Carmine Street Guitars, Kanada 2018)

Regie: Ron Mann

Drehbuch: Len Blum

mit Rick Kelly, Cindy Hulej, Dorothy Kelly, Eszter Balint, Christine Bougie, Nels Cline, Kirk Douglas, Eleanor Friedberger, Bill Frisell, Dallas Good, Travis Good, Dave Hill, Jaime Hince, Stewart Hurwood, Jim Jarmusch, Lenny Kaye, Marc Ribot, Charlie Sexton

Länge: 80 Minuten

FSK: ?

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Carmine Street Guitars“

Metacritic über „Carmine Street Guitars“

Rotten Tomatoes über „Carmine Street Guitars“

Wikipedia über „Carmine Street Guitars“

Meine Besprechung von Ron Manns Doku „Altman“ (Altman, Kanada 2014)

Homepage von Carmine Street Guitars (wer nach dem Film eine neue Gitarre kaufen will)

Und ein Q&A mit Ron Mann, Rick Kelly, Cindy Hulej und Musiker G. E. Smith


Belebender „Fat Man Blues“

Januar 15, 2014

Für den gelungenen Tagesanfang: Das Marc Ribot Trio spielt den „Fat Man Blues“.

Die Band:

Marc Ribot, Gitarre

Henry Grimes, Bass

Chad Taylor, Schlagzeug


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