Vorbereitende Lektüre: James Frys Filmroman „Star Wars: Die letzten Jedi“

Dezember 11, 2019

Wenige Tage vor dem Kinostart von „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“, dem abschließenden Film der aktuellen „Star Wars“-Trilogie und auch, so wird gesagt, dem Abschluss der Skywalker-Geschichte, die 1977 mit „Krieg der Sterne“ begann, sollte man sich schnell auf den aktuellen Stand bringen. Zum Beispiel mit der Lektüre von Jason Frys Filmroman „Star Wars: Die letzten Jedi“, der an einigen Stellen über Rian Johnsons Film hinausgeht und auch einige kleine, sehr kleine, vielfältig interpretierbare Hinweise auf die Geschichte von „Der Aufstieg Skywalkers“ liefert.

Die Geschichte von „Die letzten Jedi“ dürfte inzwischen ja bekannt sein. Jedenfalls gehe ich davon aus.

Nach den Ereignissen von „Das Erwachen der Macht“ ist Rey, ein Waisenkind mit unbekannter Herkunft und einer ungewöhnlich starken Verbindung zur Macht, auf dem Planeten Ahch-To. Dort versucht sie den als Eremiten lebenden Luke Skywalker zu überreden, wieder für den Widerstand zu kämpfen.

Währenddessen kämpft der von Lukes Schwester Leia Organa angeführte Widerstand gegen das diktatorische Regime der Ersten Ordnung. Sie stehen kurz davor, endgültig vernichtet zu werden.

Deshalb werden Finn, ein Ex-Sturmtruppler, und Rose, eine herzensgute Wartungsarbeiterin, die im Roman noch mehr Raum einnimmt als im Film, nach Canto Bight geschickt. Sie sollen den Meister-Codeknacker DJ finden. Er kann ihnen helfen, ein Ortungsgerät, das sich auf einem Raumschiff der Ersten Ordnung befindet und das die Rebellenschiffe jederzeit orten kann, zu zerstören.

Irgendwann sind Rey, Kylo Ren und Snoke, der Oberste Anführer der Ersten Ordnung, gemeinsam in einem Raumschiff der Ersten Ordnung, wo sie sich duellieren. Kylo Ren tötet Snoke. Rey gelingt die Flucht.

Auf dem Planeten Crait kommt es dann zur großen Schlacht zwischen der Ersten Ordnung und dem Widerstand. Luke Skywalker erscheint Kraft seiner Gedanken als eine für alle sichtbare Vision im Schlachtgetümmel. Er verwickelt Kylo Ren in einen Lichtschwertkampf. Damit kann er die Bösewichter so lange ablenken, bis den Guten die Flucht gelingt.

Danach sehen wir, wie auf einem anderen Planeten Lukes Umhang in sich zusammenfällt und uns wird, auch im Roman, nahe gelegt, dass er gestorben sei.

Als Filmroman folgt Jason Fry notgedrungen der Filmgeschichte. Aber er kann immer wieder Szenen vertiefen, Erklärungen einfügen und auch einige Erweiterungen vornehmen, die auf Rian Johnsons verschiedenen Entwürfen beruhen und die selbstverständlich alle von Disney abgesegnet sind. Denn jedes Wort, das Fry schreibt, hat Auswirkungen auf den nächsten Film. Insofern ist er hier noch stärker an den Film gebunden als die Autoren anderer Filmromane, die sich, wenn sie eine Szene einfügen, über die Auswirkungen für künftige Filme keine Gedanken machen müssen. Umgekehrt kann hier davon ausgegangen werden, dass jedes Informationskrümmelchen eine Bedeutung hat.

Das ändert aber nichts an den großen Problemen der Geschichte von „Die letzten Jedi“ als Verbindungsstück zwischen dem ersten und letzten Teil einer Trilogie und an den Problemen, die die Trilogie selbst hat. In meiner Filmbesprechung schrieb ich, dass Rian Johnson viele Angebote und Ideen für den dritten Teil liefere, aber der Regisseur des dritten Teil nach Belieben jedes Angebot und jede Idee umstandslos verwerfen könne. Der Grund dafür ist die Jump-the-Shark-Szene, in der Prinzessin Leia Organa nach einem Torpedoangriff aus dem Raumschiff in den Weltraum geschleudert wird und diesen Raumausflug ohne Hilfsmittel überlebt. Erklärt wird das mit ihrer Beziehung zur Macht. Weil eben diese Beziehung bislang unwichtig war, überzeugt diese Erklärung nicht. Es ist ein billiger Taschenspielertrick, der in diesem Moment benutzt wird. Einmal. Denn auch als Leia Organa sich später wieder am Kampf gegen die Erste Ordnung beteiligt, hat sie keine nennenswerte Beziehung zur Macht. Sie hat nur die sattsam bekannte starke geistige Beziehung zu ihrem Bruder Luke Skywalker.

In dem Moment war mir klar, dass ab jetzt wirklich alles möglich ist. Die Autoren des dritten Teils können alles was vorher geschehen ist, nach eigenem Gutdünken benutzen. Daher gibt es auch keinen Grund, warum Luke Skywalker am Ende von „Die letzten Jedi“ gestorben sein soll.

Ein anderes großes Problem ist, dass auch am Ende des zweiten Teils der Trilogie immer noch unklar ist, was der Hauptkonflikt ist. Also wer der Protagonist und wer der Antagonist ist und worum sie kämpfen.

In der originalen Trilogie war das der Kampf zwischen Luke Skywalker und Darth Vader, seinem Vater.

In der aktuellen Trilogie ist das nicht so klar. Auch wenn immer gesagt wird, dass Rey und Kylo Ren im Mittelpunkt stehen. Immer noch ist unklar, in welcher Beziehung sie genau zueinander stehen und Kylo Ren ist ein wenig charismatischer Bösewicht. Er ist ein Bösewicht, der wenig Macht hat, der von ständigen Selbstzweifeln geplagt ist und der wie ein ungeliebtes, nach Liebe suchendes Kind durch die Raumstation wandelt. Furchterregend ist das nicht.

Aber dieses Dilemma eröffnet die Möglichkeit, wie man die Geschichte abschließen kann. Dann, auch wenn es in „Das Erwachen der Macht“ und „Die letzten Jedi“ nicht so aussieht, wäre Kylo Ren die Hauptfigur der Trilogie. Er hat, im Gegensatz zu Rey und fast allen anderen Figuren, einen Konflikt, der die gesamte Trilogie hätte tragen können, wenn die Macher von Anfang an nicht an einer Nacherzählung der originalen „Star Wars“-Trilogie interessiert gewesen wären. Jason Fry deutet diese Möglichkeit in seinem Filmroman mehrmals an.

Danach ginge es in der aktuellen Trilogie nicht um Rey, sondern um Kylo Ren, einen jungen Mann, der sich von seinen als übermächtig empfundenen Eltern – Prinzessin Leia Organa und Han Solo – und seinem Onkel – dem edlen Luke Skywalker – emanzipieren will. Daher versucht er in die Fußstapfen seines Großvater Darth Vader zu treten. Aber er hadert mit seinem Weg. Er fragt sich, ob er weiter den Weg des Bösen beschreiten soll. Er fragt sich, welcher Mann er sein will. Er versucht seinen eigenen Weg zwischen den übermächtigen Eltern und Großeltern zu wählen. „Der Aufstieg Skywalker“ würde dann die Frage beantworten, welchen Weg Kylo Ren einschlägt.

Wahrscheinlich wird Kylo Ren auch in einer Nebengeschichte geläutert, während Rey und ihre Verbündeten im Mittelpunkt stehen, den Kampf gegen die Erste Ordnung gewinnen, Rey zur Herrscherin über das Universum ausrufen und sie, weil sie viel lieber auf irgendwelchen Wüstenplaneten voller Weltraumschrott herumturnt, wird ihre Macht sofort an das Volk abgeben. Die ersten freien Wahlen erfolgen in der weit, weit entfernten Galaxis ein halbes Jahr nach dem Abspann.

Welche Version dann näher an der Wahrheit liegt, kann ich dann in meiner Filmbesprechung andeuten. Dann habe ich auch den Film gesehen.

Jason Fry: Star Wars: Die letzten Jedi

(übersetzt von Andreas Kasprzak)

Blanvalet, 2019

448 Seiten

9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Penhaligon, 2018

Originalausgabe

Star Wars: The Last Jedi

DelRey, 2018

Die Vorlage

Star Wars: Die letzten Jedi (Star Wars: The last Jedi, USA 2017)

Regie: Rian Johnson

Drehbuch: Rian Johnson

mit Mark Hamill, Carrie Fisher, Adam Driver, Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac, Lupita Nyong’o, Andy Serkis, Domhnall Gleeson, Anthony Daniels, Gwendoline Christie, Kelly Marie Tran, Laura Dern, Benicio Del Toro , Anthony Daniels, Jimmy Vee, Frank Oz

Länge: 152 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Der galaktische „Krieg der Sterne“-YouTube-Kanal

Moviepilot über „Star Wars: Die letzten Jedi“

Metacritic über „Star Wars: Die letzten Jedi“

Rotten Tomatoes über „Star Wars: Die letzten Jedi“

Wikipedia über „Star Wars: Die letzten Jedi“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von J. J. Abrams „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (Star Wars: The Force awakens, USA 2015)

Meine Besprechung von Rian Johnsons „Star Wars: Die letzten Jedi“ (Star Wars: The last Jedi, USA 2017)

Meine Besprechung von Gareth Edwards‘ „Rogue One: A Star Wars Story“ (Rogue One: A Star Wars Story, USA 2016)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Imperium in Trümmern (Journey to Star Wars: Das Erwachen der Macht) (Star Wars: Shatterd Empire # 1 – 4, Disney/Lucasfilm 2015)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Vor dem Erwachen“ (Star Wars: Before the Awakening, 2015)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Der Roman zum Film“ (Star Wars: The Force awakens, 2015)

Meine Besprechung von Michael Kogges „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Jugendroman zum Film“ (Star Wars: The Force awakens, 2016)

Meine Besprechung von James Lucenos „Star Wars – Der Auslöser: Ein Rogue One Roman“ (Star Wars: Catalyst: A Rogue One Novel, 2016)

Meine Besprechung von Alexander Freeds „Rogue One – Eine Star Wars Story“ (Rogue One. A Star Wars Story, 2016) (Filmroman)

Meine Besprechung von Ron Howards „Solo: A Star Wars Story“ (Solo: A Star Wars Story, USA 2018)

Meine Besprechung von J. J. Abrams’ “Super 8” (Super 8, USA 2011)

Meine Besprechung von J. J. Abrams‘ „Star Trek into Darkness“ (Star Trek into Darkness, USA 2013)


Ein schneller „Star Wars“-Rundumschlag: der finale Trailer, der Vorverkauf und ein schon etwas älterer Buchhinweis

Oktober 22, 2019

Pünktlich zum Beginn des Vorverkaufs für „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“ (Star Wars: The Rise of Skywalker) ist jetzt der finale Trailer draußen:

 

Die richtige Begeisterung und Vorfreude will sich bei mir immer noch nicht einstellen.

Über die Geschichte ist immer noch nichts bekannt. Nachdem „Die letzten Jedi“ alles und nichts für das Ende der dritten „Star Wars“-Trilogie vorbereitete und „Der Aufstieg Skywalkers“ auch einen Abschluss zu den vorherigen „Star Wars“-Filmen liefern soll, ist immer noch vollkommen unklar, in welche Richtung sich der Film bewegt.

Meine Vermutung ist, dass Rey (Daisy Ridley) und Kylo Ren (Adam Driver) Geschwister sind. Das verraten ja schon die Namen. Wenn wir bei ‚Kylo Ren‘ einige Buchstaben umstellen, lesen wir „Klon Rey“.

Über irgendwelche komplizierten Verwandtschaftsbeziehungen sind sie mit Leia Organa (Carrie Fisher) und Luke Skywalker (Mark Hamill) verbandelt sind. Die am 27. Dezember 2016 verstorbene Carrie Fisher ist mittels Archivaufnahmen dabei. Luke Skywalker ist zwar offiziell in „Die letzten Jedi“ verstorben, aber nachdem Mark Hamill bei den im Film mitspielenden Schauspielern so prominent genannt wird, dürfte er als Luke Skywalker (der Held der Original-Trilogie) einen größeren Auftritt haben. Zum Beispiel indem er das Ende der Bösewichter besiegelt und, siehe Titel, zum Herrscher der weit, weit entfernten Galaxis wird, ehe er seinen Thron an seine Kinder übergibt, die dann in der nächsten, sich in Planung befindende Trilogie die Galaxie beschützen.

Aber ich kann mich auch vollkommen irren.

Kinokarten können hier gekauft werden.

Zur Vorbereitung lohnt sich ein Blick in Jason Frys Filmroman „Star Wars: Die letzten Jedi“, der inzwischen auch als Taschenbuch vorliegt:

Jason Fry: Star Wars: Die letzten Jedi

(übersetzt von Andreas Kasprzak)

Blanvalet, 2019

448 Seiten

9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Penhaligon, 2018

Originalausgabe

Star Wars: The Last Jedi

DelRey,2018

Und so sieht das Plakat aus:

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers (Star Wars: The Rise of Skywalker, USA 2019)

Regie: J.J. Abrams

Drehbuch: J.J. Abrams, Chris Terrio, Colin Trevorrow (Ko-Autor), Derek Connolly (Ko-Autor) (basierend auf von George Lucas erfundenen Figuren)

mit Carrie Fisher, Mark Hamill, Adam Driver, Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac, Anthony Daniels, Naomi Ackie, Domhnall Gleeson, Richard E. Grant, Lupita Nyong’o, Keri Russell, Joonas Suotamo, Kelly Marie Tran, Billy Dee Williams

Deutscher Kinostart: Mittwoch, 18. Dezember 2019

Hinweise

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Meine Besprechung von J. J. Abrams „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (Star Wars: The Force awakens, USA 2015)

Meine Besprechung von Rian Johnsons „Star Wars: Die letzten Jedi“ (Star Wars: The last Jedi, USA 2017)

Meine Besprechung von Gareth Edwards‘ „Rogue One: A Star Wars Story“ (Rogue One: A Star Wars Story, USA 2016)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Imperium in Trümmern (Journey to Star Wars: Das Erwachen der Macht) (Star Wars: Shatterd Empire # 1 – 4, Disney/Lucasfilm 2015)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Vor dem Erwachen“ (Star Wars: Before the Awakening, 2015)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Der Roman zum Film“ (Star Wars: The Force awakens, 2015)

Meine Besprechung von Michael Kogges „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Jugendroman zum Film“ (Star Wars: The Force awakens, 2016)

Meine Besprechung von James Lucenos „Star Wars – Der Auslöser: Ein Rogue One Roman“ (Star Wars: Catalyst: A Rogue One Novel, 2016)

Meine Besprechung von Alexander Freeds „Rogue One – Eine Star Wars Story“ (Rogue One. A Star Wars Story, 2016) (Filmroman)

Meine Besprechung von Ron Howards „Solo: A Star Wars Story“ (Solo: A Star Wars Story, USA 2018)

Meine Besprechung von J. J. Abrams’ “Super 8” (Super 8, USA 2011)

Meine Besprechung von J. J. Abrams‘ „Star Trek into Darkness“ (Star Trek into Darkness, USA 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: „Child’s Play“ mit der Mörderpuppe Chucky in der 2019er Edition

Juli 18, 2019

1988 erfand Regisseur Tom Holland („Fright Night“), zusammen mit den Drehbuchautoren Don Mancini und John Lafia, die Kinderpuppe, in die ein äußerst rachsüchtiger Dämon fährt und die danach fröhlich mordend durch die Stadt zieht. Der Horrorfilm „Die Mörderpuppe“ (Child’s Play, auch „Chucky – die Mörderpuppe“) war ein Erfolg. Die Puppe wurde, wie jüngst Annabelle, zu einer Horrorikone. In sechs weiteren Filmen mordete sie weiter. Die letzten beiden Chucky-Filme erschienen nur noch als Direct-to-DVD.

Aber Chucky ist immer noch bekannt und mit einem Reboot kann man an die Anfänge anschließen, ohne sich um etwaige Weiterentwicklungen und Irrwege der Mythologie zu kümmern. Das ermöglicht auch Neueinsteigern einen Kinobesuch, ohne sich vorher die anderen Filme ansehen zu müssen.

Bei dem Reboot von „Child’s Play“, in das keiner der ursprünglichen Macher involviert ist, orientieren Regisseur Lars Klevberg und Drehbuchautor Tyler Burton Smith sich unübersehbar an dem Original. Sie verlegen die Geschichte in die Gegenwart, sie verändern Chucky optisch wieder etwas (zu seinem Nachteil), für die Jugendlichen sind Mobiltelefone wichtig und die Wohnung ist vernetzt.

Aber reicht das, um das Franchise wieder zu beleben? Schließlich fallen viele (die meisten?) Reboots nicht besonders überzeugend aus. Eine künstlerische Notwendigkeit ist oft nicht erkennbar. Die Eigenständigkeit des Reboots erschöpft sich in einer schlechten Wiederholungen der bekannten Geschichte. Letztendlich geht es meistens nur darum, mit einer bereits etablierten Figur und einer bekannten Geschichte noch einmal Geld zu machen.

Über „Child’s Play“ kann das nicht gesagt werden. Klevbergs Horrorfilm gehört zu den gelungenen Reboots. Die Geschichte spielt, wie gesagt, in der Gegenwart. Sie folgt dem schon vor über dreißig Jahren gut abgehangenem Minimalplot des Originals. Dabei wird dieser Plot immer wieder gelungen, einfallsreich und auch blutig variiert. Die wichtigste Änderung ist dabei der Grund für Chuckys Handlungen.

Kaslan Corporation stellt die Buddi-Puppen her, die über eine künstliche Intelligenz verfügen. Sie erkennen ihre Bezugsperson, werden zu seinem besten Freund und lernen neue Dinge. Als einer der Arbeiter bei der Produktion in Vietnam bei der Arbeit kurz abwesend ist, wird er entlassen. Bevor er seinen Arbeitsplatz verlässt, programmiert er eine Puppe um. Er entfernt alle Schutzmechanismen.

Über einen kleinen Umweg kommt diese Puppe zu Andy Barclay (Gabriel Bateman). Der Junge lebt mit seiner allein erziehenden Mutter Karen (Aubrey Plaza) in einem heruntergekommenem, um die Jahrhundertwende erbautem Mietshaus. Den neuen Freund seiner Mutter mag er nicht. Neue Freunde muss der Einzelgänger erst noch finden. Bis dahin ist Chucky (im Original von Mark Hamill gesprochen) sein bester Freund, dem er alles anvertraut, während ihn Chucky überallhin begleitet und ihm hilft.

Mit seinen neuen Freunden sieht Andy sich später „The Texas Chainsaw Massacre Part 2“ an. Weil alle Jugendlichen sich über die Massaker im Film köstlich amüsieren, beginnt Chucky den Film nachzuahmen. Denn wenn die Jugendlichen bei den Kettensägenmorden lachen, muss das doch witzig und gut sein. Er beginnt all die Menschen, denen Andy irgendwann einmal den Tod wünschte oder die sich falsch verhalten haben, umzubringen.

Der Haupt-Handlungsort – ein Mietshaus, das in den vergangenen siebzig Jahren nicht mehr umfassend renoviert wurde -, das lange „Texas Chainsaw Massacre“-Zitat in der Filmmitte, das langsame Erzähltempo, das gemächliche Schnitttempo, die sehr blutigen Morde, die in neunzig Minuten gradlinig erzählte Geschichte und der schwarze Humor, zeigen eindeutig, dass Lars Klevberg seinen Horrorfilm in der Tradition des Achtziger-Jahre-Horrrofilms sieht.

Im Gegensatz zum ersten Chucky-Film verzichtet er auf übersinnliche Momente. Bei ihm genügt eine fehlgeleitete Künstliche Intelligenz, um ein wahres Schlachtfest zu veranstalten. Wer will, kann das als galligen Kommentar zur Begeisterung über Künstliche Intelligenz in Kinderspielzeug in der vernetzten Wohnung, lesen. Und das Finale in einem Kaufhaus als oberflächliche Kapitalismuskritik.

Child’s Play“ ist, angesichts der Erwartungen, ein überraschend gelungener Horrorfilm.

Child’s Play (Child’s Play, USA 2019)

Regie: Lars Klevberg

Drehbuch: Tyler Burton Smith (basierend auf von Don Mancini erfundenen Figuren)

mit Gabriel Bateman, Aubrey Plaza, Brian Tyree Henry, Tim Matheson, David Lewis, Trent Redekop, Beatrice Kitsos, Ty Consiglio, Carlease Burke, Mark Hamill (Chuckys Stimme im Original)

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

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Moviepilot über „Child’s Play“

Metacritic über „Child’s Play“

Rotten Tomatoes über „Child’s Play“

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TV-Tipp für den 11. November (+ Buchhinweis): Star Wars: Das Erwachen der Macht

November 11, 2018

RTL, 20.15

Star Wars: Das Erwachen der Macht (Star Wars: The Force awakens, USA 2015)

Regie: J.J. Abrams

Drehbuch: Lawrence Kasdan, J.J. Abrams, Michael Arndt

LV: Charaktere von George Lucas

Dreißig Jahre nach den aus „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ bekannten Ereignissen: Immer noch kämpfen die Rebellen (die sich jetzt „Neue Republik“ nennen) gegen das böse Imperium (das sich jetzt „Erste Ordnung“ nennt). Der böse Kylo Ren (aka Darth Vader) will einen Planetenzerstörer bauen. Nur die junge Waise Rey kann das verhindern. Denn sie hat in diesem Film eine noch ungeklärte Beziehung zur Macht. Währenddessen ist Luke Skywalker schon seit Jahren spurlos verschwunden. Aber dafür sind Han Solo, Chewbacca und Leia Organa dabei.

Die von den Fans heißersehnte, an der Kinokasse unglaublich erfolgreiche und von der Kritik abgefeierte Fortsetzung der „Krieg der Sterne“-Saga.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung dieses sehr unterhaltsamen SF-Films, der an einen anderen SF-Film erinnert.

mit Daisy Ridley, Adam Driver, John Boyega, Oscar Isaac, Andy Serkis, Domhnall Gleeson, Max von Sydow, Carrie Fisher, Harrison Ford, Mark Hamill, Kenny Baker, Anthony Daniels, Peter Mayhew, Gwendoline Christie, Lupita Nyong’o

Wiederholung: Samstag, 17. November, 15.00 Uhr

Hinweise

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Film-Zeit über “Star Wars: Das Erwachen der Macht”

Moviepilot über “Star Wars: Das Erwachen der Macht”

Metacritic über “Star Wars: Das Erwachen der Macht”

Rotten Tomatoes über “Star Wars: Das Erwachen der Macht”

Wikipedia über “Star Wars: Das Erwachen der Macht” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von J. J. Abrams’ “Super 8” (Super 8, USA 2011)

Meine Besprechung von J. J. Abrams‘ „Star Trek into Darkness“ (Star Trek into Darkness, USA 2013)

Buchhinweis

Inzwischen ist die Romanfassung von „Die letzten Jedi“, der Fortsetzung von „Das Erwachen der Macht“ erschienen. Anscheinend gelingt es Jason Fry einige der Lücken des Films zu schließen.

Jason Fry: Star Wars: Die letzten Jedi

(übersetzt von Andreas Kasprzak)

Penhaligon, 2018

448 Seiten

15 Euro

Originalausgabe

Star Wars: The Last Jedi

DelRey,2018

Hinweise II

Meine Besprechung von J. J. Abrams „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (Star Wars: The Force awakens, USA 2015)

Meine Besprechung von Rian Johnsons „Star Wars: Die letzten Jedi“ (Star Wars: The last Jedi, USA 2017)

Meine Besprechung von Gareth Edwards‘ „Rogue One: A Star Wars Story“ (Rogue One: A Star Wars Story, USA 2016)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Imperium in Trümmern (Journey to Star Wars: Das Erwachen der Macht) (Star Wars: Shatterd Empire # 1 – 4, Disney/Lucasfilm 2015)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Vor dem Erwachen“ (Star Wars: Before the Awakening, 2015)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Der Roman zum Film“ (Star Wars: The Force awakens, 2015)

Meine Besprechung von Michael Kogges „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Jugendroman zum Film“ (Star Wars: The Force awakens, 2016)

Meine Besprechung von James Lucenos „Star Wars – Der Auslöser: Ein Rogue One Roman“ (Star Wars: Catalyst: A Rogue One Novel, 2016)

Meine Besprechung von Alexander Freeds „Rogue One – Eine Star Wars Story“ (Rogue One. A Star Wars Story, 2016) (Filmroman)

Meine Besprechung von Ron Howards „Solo: A Star Wars Story“ (Solo: A Star Wars Story, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: „Star Wars: Die letzten Jedi“ kämpfen gegen die dunkle Seite der Macht – ziemlich Spoilerfrei

Dezember 13, 2017

Schon vor dem Kinostart ist klar, dass der neue „Star Wars“-Film „Die letzten Jedi“ an der Kinokasse ein sehr, sehr erfolgreicher Film werden wird. Aktuell wird mit einem globalen Einspiel von über 425 Millionen US-Dollar am Startwochenende gerechnet. Die ersten Statements zum Film nach der Premiere waren auch sehr, sehr positiv. Die ausführlichen Kritiken folgen dem Trend.

Ich fand den Film sehr, sehr enttäuschend. Nicht schlecht. Denn dafür gibt es zu viele positive Punkte. Aber niemals wirklich packend und niemals sein Potential ausschöpfend. Denn „Die letzten Jedi“ erzählt nicht wirklich die in „Das Erwachen der Macht“ begonnene Geschichte weiter und als Vorbereitung für das große Finale der aktuellen „Star Wars“-Trilogie in zwei Jahren taugt der Film nur bedingt. Er ist eher vergleichbar mit einer Folge einer TV-Serie, in der die Macher Zeit schinden, weil sie gerade nicht wissen, wie es weitergehen soll. Also wird halt einfach etwas erzählt. Wie Rey, eine junge Frau unbekannter Herkunft, die auf eine unbekannte Art mit der Macht, den Jedis und Luke Skywalker verbunden ist, auf dem Planeten Ahch-To den vor Ewigkeiten untergetauchten Jedi-Ritter Luke Skywalker findet (am Ende des vorherigen „Star Wars“-Films „Das Erwachen der Macht“). Der letzte Jedi soll sie in die Geheimnisse des Jeditums einführen. Und sie will ihn überzeugen, wieder auf der Seite der Rebellen gegen die Erste Ordnung (die Bösewichter) zu kämpfen.

Gleichzeitig verfolgt die Erste Ordnung die letzten Rebellen. Mit einer Art Peilsender können sie immer sofort herausfinden, wo die Rebellen auf ihrer Flucht durch den Hyperraum gerade hingesprungen sind. Bei den Bösewichtern sind vor allem Supreme Leader Snoke, der Kommandant der Ersten Ordnung, General Armitage Hux und Kylo Ren wichtig. Er ist der abtrünnige Sohn von Leia Organa und Han Solo (verstorben), großer Darth-Vader-Bewunderer, inzwischen von Selbstzweifeln geplagt und telepathisch mit Rey verbunden.

Währenddessen versuchen Finn, ein ehemaliger Sturmtruppler, der zu den Rebellen übergelaufen ist, und die Technikerin Rose Tico auf Cantonica in der Casinostadt Canto Bight einen Mann zu finden, der den Peilsender ausschalten kann.

Und dazwischen laufen viele aus dem vorherigen Film und teilweise der ersten Trilogie („Krieg der Sterne“, „Das Imperium schlägt zurück“, „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“) bekannte und etliche neue Charaktere durch das Bild. Gespielt werden sie von oft sehr bekannten Schauspielern. Es gibt viele mehr oder weniger putzige Tiere (soweit erkennbar: aus dem Computer) und einige Konflikte bei den Rebellen und der Ersten Ordnung. Meistens geht es um das Missachten von Befehlen (oft von dem Rebellen-Piloten Poe Dameron) und Streitigkeiten über die richtige Kampfstrategie.

Es passiert also ständig etwas, aber „Looper“-Regisseur Rian Johnson gelingt es nie, eine sinnvolle Struktur von Haupt- und Nebenplots zu etablieren. Er weiß nicht, wessen Geschichte im Zentrum des Films steht. Daher ist unklar wer der Protagonist dieses Films ist (Luke? Rey? Jemand anderes?) und was der zentrale Konflikt dieses Films ist. Entsprechend zäh gestaltet sich der Film, der immer so wirkt, als habe man die Geschichte gerade beim Erzählen erfunden. Das fällt vor allem beim Finale auf. Denn hätten die Macher von Anfang an auf dieses Ende hinarbeiten wollen, hätten sie große Teile des Films anders strukturieren müssen. So ist es überraschend, aber nicht befriedigend.

Es wird auch nichts wirklich für den Abschluss der Trilogie vorbereitet. Oder anders gesagt: vieles kann J. J. Abrams, der den Abschluss der dritten „Star Wars“-Trilogie inszeniert, verwenden. Oder ignorieren. Zum Beispiel den von Benicio Del Toro gespielten DJ, der in „Die letzten Jedi“ nur eine austauschbare Nebenrolle spielt. Ob er im dritten Teil mitspielt und ob er dann eine wichtige Rolle hat oder ob er sich sang- und klanglos aus dem „Star Wars“-Universum verabschiedet, weiß niemand.

Auf weitere Beispiele, auch eine Diskussion des Endes und was es für den nächsten Film bedeuten kann, verzichte ich, weil sie nur mit mehr oder weniger massiven Spoilern des mit hundertfünfzig Minuten zu lang geratenen Films besprochen werden können.

Die letzten Jedi“ ist das filmische Äquivalent zu einer dieser Füllerepisoden bei einer TV-Serie, in denen nichts entscheidendes geschieht, nichts erkennbar für irgendetwas vorbereitet wird und auch die neuen Charaktere primär eine öffentliche Probe haben. In, je nach Wunsch, 2D, 3D oder IMAX.

Star Wars: Die letzten Jedi (Star Wars: The last Jedi, USA 2017)

Regie: Rian Johnson

Drehbuch: Rian Johnson

mit Mark Hamill, Carrie Fisher, Adam Driver, Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac, Lupita Nyong’o, Andy Serkis, Domhnall Gleeson, Anthony Daniels, Gwendoline Christie, Kelly Marie Tran, Laura Dern, Benicio Del Toro , Anthony Daniels, Jimmy Vee, Frank Oz

Länge: 152 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Der galaktische „Krieg der Sterne“-YouTube-Kanal

Moviepilot über „Star Wars: Die letzten Jedi“

Metacritic über „Star Wars: Die letzten Jedi“

Rotten Tomatoes über „Star Wars: Die letzten Jedi“

Wikipedia über „Star Wars: Die letzten Jedi“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von J. J. Abrams „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (Star Wars: The Force awakens, USA 2015)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Imperium in Trümmern (Journey to Star Wars: Das Erwachen der Macht) (Star Wars: Shatterd Empire # 1 – 4, Disney/Lucasfilm 2015)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Vor dem Erwachen“ (Star Wars: Before the Awakening, 2015)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Der Roman zum Film“ (Star Wars: The Force awakens, 2015)

Meine Besprechung von Michael Kogges „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Jugendroman zum Film“ (Star Wars: The Force awakens, 2016)

Meine Besprechung von Gareth Edwards‘ „Rogue One: A Star Wars Story“ (Rogue One: A Star Wars Story, USA 2016)

Meine Besprechung von James Lucenos „Star Wars – Der Auslöser: Ein Rogue One Roman“ (Star Wars: Catalyst: A Rogue One Novel, 2016)

Meine Besprechung von „Looper“ (Looper, USA 2012 – mit weiteren Bildern, Links und einem 35-minütigem Interview mit Rian Johnson und Joseph Gordon-Levitt) und der DVD


Neu im Kino/Filmkritik: „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ erzählt die Geschichte weiter

Dezember 17, 2015


Zehn Jahre Warten sind vorbei. Wobei nach „Die Rache der Sith“ (dem Abschluss der Vorgeschichte zur originalen „Krieg der Sterne“-Trilogie) eigentlich kein Filmfan und auch kein Science-Fiction-Filmfan wirklich auf einen weiteren „Star Wars“-Film wartete. Denn „Die dunkle Bedrohung“ (1999), „Angriff der Klonkrieger“ (2002) und „Die Rache der Sith“ (2005) waren, obwohl oder weil von „Star Wars“-Erfinder George Lucas inszeniert, auf erzählerischer Ebene einfach zu schlecht, um zu überzeugen. Die Dialoge waren gruselig. Die in anderen Filmen guten Schauspieler agierten hölzern. Dafür waren die Tricks gut. Seitdem konnten die zahlreichen „Star Wars“-Fans sich am ganzen Merchandising, an Bücher, Comics, TV-Serien und den Filmen in verschiedenen DVD/Blu-ray-Ausgaben austoben.
Vor drei Jahren verkaufte George Lucas Lucasfilm und damit „Star Wars“ an Disney. Was ja keine schlechte Entscheidung ist. Die Disney-Filme sind ja durchgehend gelungen und „Star Wars“ ist alles andere als ein düsteres, hochphilosophisches Science-Fiction-Drama. Es ist eine Space-Opera, in der Grautöne auf der Leinwand nur als Farbton existieren.
Schnell wurden Pläne für weitere „Star Wars“-Filme verkündet. In den kommenden Jahren soll es etliche Filme aus dem „Star Wars“-Kosmos geben und die „Krieg der Sterne“-Filmsaga soll, immerhin hat George Lucas schon immer behauptet, dass er ein ganz großes Epos aus neun Spielfilmen plane, in seinem Geist fortgeführt werden. J. J. Abrams, der „Star Trek“ wiederbelebte und mit „Super 8“ seine „E. T.“-Version drehte, wurde zum Regisseur mit klarer Mission ernannt: „Star Wars“ für ein neues Publikum erschließen und die alten Fans befriedigen. Es gab, was in Hollywood nicht ungewöhnlich ist, viele Ideen und Drehbuchversionen, die sich radikal unterscheiden. Am Ende war Lawrence Kasdan, der unter anderem die Drehbücher für „Das Imperium schlägt zurück“ und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ schrieb, wieder an Bord. Ebenso die Stars der originalen Trilogie: Harrison Ford, Carrie Fisher, Mark Hamill undsoweiter, auch wenn sie dank ihrer Masken von anderen Menschen gespielt werden könnten. Es gab Bilder und Trailer, die zeigten, dass die Menschen einer weit, weit entfernten Galaxis ihren Schrott ebenfalls in der Landschaft liegen lassen. Die Fans waren entzückt. Der Hype wurde, mal wieder, kräftig angeheizt und jetzt ist das beworbene Produkt, der siebte „Krieg der Sterne“-Film „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (manchmal auch „Star Wars VII“), der Beginn der dritten und (vielleicht) finalen Trilogie, in den Kinos. Natürlich in 3D (was nicht unbedingt nötig wäre, aber gut aussieht) und auch in einer IMAX-Version.
Um die Geschichte wurde ein großes Geheimnis gemacht, was auch daran liegt, dass sie zwar gut unterhält, aber im Wesentlichen nur eine kleine Episode aus dem Kampf zwischen den Guten (den Rebellen, die sich jetzt Resistance nennen) und den Bösen (die jetzt nicht mehr Imperium, sondern Erste Ordnung [First Order] heißen) erzählt.
Kampfpilot Poe Dameron (Oscar Isaac) soll einen Hinweis beschaffen, der die Rebellen zu dem seit Ewigkeiten spurlos verschwundenen Luke Skywalker (Mark Hamill) führen soll. Diese Mission wird durch das Auftauchen von Darth-Vader-Nachfolger Kylo Ren (Adam Driver) verhindert. Poe versteckt den Hinweis, der sich einer Art USB-Stick befindet, in seinem Roboter. Der kugelförmige BB-8-Droid kann entkommen. Poe wird von den Stormtroopern gefangen genommen. Weil Stromtrooper Finn (John Boyega) bei dem Einsatz, der ältere Zuschauer an Bilder aus dem Vietnam-Krieg erinnert, sein Gewissen entdeckt, flüchtet er mit Poe aus dem Erste-Ordnung-Raumschiff. Sie werden von anderen Raumschiffen verfolgt und legen auf dem nächstbesten Planeten eine Bruchlandung hin.
Inzwischen hat die taffe Rey (Daisy Ridler), die als Schrottsammlerin auf Jakku lebt, BB-8 gefunden. Kurz darauf treffen Rey und Finn aufeinander und, während eines Luftangriffs der Ersten Ordnung, können sie in dem gerade in der Wüste herumstehendem Millenium Falke flüchten und von Jakku flüchten.
Rey, Finn und BB-8 verstecken sich in einem größeren Raumschiff. Dort – Zufälle gibt es – treffen sie auf Han Solo (Harrison Ford) und seinen haarigen Gefährten Chewbacca (Peter Mayhew). Gemeinsam und nach einer weiteren Action-Szene (ja, es gibt viel Action, wenn die Macht erwacht) machen sie sich auf den Weg zu den von Leia Organa (Carrie Fisher) geführten Rebellen. Denn Poes Mission muss beendet werden.
Natürlich ist dieser Weg gefährlich, weshalb es weiterhin viele Kämpfe und wenige Dialoge gibt. Am Ende, auch das ist keine große Überraschung, gibt es wieder eine große Schlacht, in der Lichtschwerter gekreuzt werden und ein Todesstern der Bösewichter zerstört wird. Mein Eindruck war (ich habe den 1977er „Krieg der Sterne“ schon sehr lange nicht mehr gesehen), dass J. J. Abrams sich deutlich von der Schlussschlacht um den damaligen, viel kleineren Todesstern inspirieren ließ.
Sowieso stellt sich Abrams mit seinem Film hundertprozentig, bewusst und freudig in der Tradition der vorherigen „Krieg der Sterne“-Filme. Deshalb ist seine Revitalisierungsmission vor allem ein zurück zu den Ursprüngen, also zu der in „Krieg der Sterne“ (1977), „Das Imperium schlägt zurück“ (1980) und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (1983) etablierten Welt, den Charakteren, dem Humor und auch dem Zeitgeist. Abrams erzählt in „Das Erwachen der Macht“, das dreißig Jahre nach „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ spielt, die Geschichte von Han Solo, Leia Organa, Luke Skywalker und ihren Freunden bruchlos weiter. Dabei sind sie, obwohl Harrison Ford eine überraschend große Rolle hat, nur Nebenfiguren, deren Auftritte oft kaum über größere Cameos hinauskommen. Im Mittelpunkt steht, immerhin ist der Film ein Blockbuster, der sich an ein junges Publikum richtet, Rey (Daisy Ridley), die als taffes Mädchen schnell den Respekt von Han Solo erwirbt. Auch ihr in sie verliebter Begleiter Finn (John Boyega) hat eine größere Rolle.
Die Geschichte, die die Autoren Lawrence Kaskan, J. J. Abrams und Michael Arndt erfanden, ist dann, zwischen all den Reminiszenzen an die originale Trilogie, ähnlich der Geschichte in „Planet der Affen: Revolution“ (2014), eigentlich eine auf Spielfilmlänge gestreckte TV-Serienepisode; naja, von der Länge her ist „Das Erwachen der Macht“ eine Doppel- und eine Einzelfolge. Diese Geschichte bewegt sich, dank des reichlich vorhandenen Humors und der Auftritte der altbekannten Charaktere (die mal mehr, mal weniger pompös inszeniert sind und das Herz des Fans streicheln), zügig von einer gut inszenierten Action-Szene zur nächsten. Die Special-Effects überzeugen. Die Schauspieler ebenso und entsprechend glaubwürdig sind die Charaktere. Die Dialoge sind, nachdem sie in den zwischen 1999 und 2005 entstandenen Filmen gruselig waren, wieder schmerzfrei anhörbar. Die Dialogwitze sind gut und auf den philosphischen Überbau, der uns in früheren Filmen von den Jedis arg verschwurbelt erklärt wurde, wird nicht weiter eingegangen. Inzwischen weiß jeder, was die „Macht“ ist. Sie ist, auch für die Charaktere, ein Teil ihres Lebens und wenn sie sie haben, sind sie nicht erstaunt darüber.
Es gibt viele neue Wesen und die Stormtrooper, diese maskierten Soldaten in ihrer weißen Plastikmontur, werden menschlicher; was auch für einige Lacher sorgt. Dafür hat Kylo Ren die merkwürdige Angewohnheit, während seiner Wutanfälle nicht seine Soldaten und Offiziere zu töten, sondern mit dem Lichtschwert die Einrichtung zu zerstören.
Insgesamt gefällt „Das Erwachen der Macht“ als poppiges Science-Fiction-Abenteuer und als würdige, aber auch nicht besonders eigenständige Fortsetzung von, nun, „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“. Es ist sozusagen „Die Rückkehr der Jedi-Ritter – Dreißig Jahre später“.
P. S.: Ob, wie ich hier vermutete, Rey und Kylo Ren Geschwister sind, wird in „Das Erwachen der Macht“ nicht endgültig geklärt. Das muss dann wohl Luke Skywalker im nächsten „Star Wars“-Film machen, der am 26. Mai 2017 in Deutschland starten soll.

Star Wars - Das Erwachen der Macht - Plakat

Star Wars: Das Erwachen der Macht (Star Wars: The Force awakens, USA 2015)
Regie: J.J. Abrams
Drehbuch: Lawrence Kasdan, J.J. Abrams, Michael Arndt
LV: Charaktere von George Lucas
mit Daisy Ridley, Adam Driver, John Boyega, Oscar Isaac, Andy Serkis, Domhnall Gleeson, Max von Sydow, Carrie Fisher, Harrison Ford, Mark Hamill, Kenny Baker, Anthony Daniels, Peter Mayhew, Gwendoline Christie, Lupita Nyong’o
Länge: 135 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

YouTube-Kanal zum Film

Film-Zeit über “Star Wars: Das Erwachen der Macht”

Moviepilot über “Star Wars: Das Erwachen der Macht”

Metacritic über “Star Wars: Das Erwachen der Macht”

Rotten Tomatoes über “Star Wars: Das Erwachen der Macht”

Wikipedia über “Star Wars: Das Erwachen der Macht” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von J. J. Abrams’ “Super 8” (Super 8, USA 2011)

Meine Besprechung von J. J. Abrams‘ „Star Trek into Darkness“ (Star Trek into Darkness, USA 2013)


TV-Tipp für den 22. März: Krieg der Sterne (heute als „Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung“)

März 22, 2013

Pro7, 20.15

Krieg der Sterne – Special Edition (USA 1977/1997, R.: George Lucas)

Drehbuch: George Lucas

Darth Vader entführt Prinzessin Leia. Der Jüngling Luke Skywalker macht sich auf den Weg, sie aus den Fängen des Bösewichts zu retten.

Heute wird die vor über zehn Jahren von George Lucas himself digital aufgepeppte Version seines Klassikers gezeigt. Naja, immerhin besser als nichts.

Die zeitgenössische Kritik war nicht amüsiert („Ramschladen“ [Der Spiegel], „ein Verbrechen“ [Film und Fernsehen], „Star Wars offenbart sich als ein Film, der den Zuschauer in seinen Ängsten gefangenhalten will, um ihm eine affirmative Haltung zur Macht zu erleichtern.“ [SF-Baustelle], „Star Wars gehört zu jenen zahllosen Filmen, die das Publikum unmündig halten wollen.“ [Science Fiction Times]).

Variety meinte: „An der Kinokasse dürfte der Film, der potentiell alle Altersgruppen anspricht, zauberhafte Ergebnisse erzielen.“

Das Werk wurde ein Blockbuster.

„Im nachhinein ist es einfach, die Schwachstellen in Krieg der Sterne zu finden: Er ist mehr naiv als unschuldig erzählt; er arbeitet nicht mit Andeutungen, sondern mit geklauten Ideen. (…) Kurz gesagt, ist Krieg der Sterne eine durchdacht hergestellte Märchengeschichte, die sorgfältig aus Stücken seiner Hauptinspiration Rocket Ship (Flash Gordon, 1936) und zahlreichen anderen Filmen und Serien zusammengefügt ist, die trotz ihrer herrlichen Verrücktheiten mit einigen Ausnahmen (für die Flash Gordon das beste Beispiel ist) ihre bizarren Plots in eine Moral packten, die weitaus enger gefasst war als die in alten Märchengeschichten. (…) Krieg der Sterne ist ein erheiternder Film.“ (Phil Hardy, Hrsg.: Die Science Fiction Filmenzyklopädie)

Nicht erstaunlich ist, dass „Krieg der Sterne“ 1978 einen Hugo gewann. Erstaunlich ist aber die Drehbuchnominierung der Writers Guild of America. Nicht, dass das Buch nominiert wurde, sondern dass es in der Kategorie „Best Comedy Written Directly for the Screen“ nominiert wurde.

Obwohl – witzig ist der „Krieg der Sterne“ schon. Irgendwie.

Mit Mark Hamill, Harrison Ford, Carrie Fisher, Peter Cushing, Alec Guiness, Anthony Daniels, Kenny Baker, David Prowse, Peter Mayhew, Phil Brown

Hinweise

Homepage zu “Star Wars” (Lucasfilm)

Wikipedia über „Krieg der Sterne“ (deutsch, englisch)

Deutsche “Krieg der Sterne”-Fanseite

Simply Scripts: Drehbuch “Star Wars” von George Lucas (Links zu den verschiedenen Versionen. Die ersten Fassungen unterscheiden sich sehr von dem verfilmten Drehbuch.)


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