Neu im Kino/Filmkritik: „Gemini Man“ – Will Smith trifft sein jüngeres Ebenbild

Oktober 3, 2019

Seit der ersten Idee für den Film bis zum Film vergingen über zwanzig Jahre, weil die Tricktechnik damals noch nicht weit genug war. Jetzt können wir gleichzeitig einen alten und einen fast dreißig Jahre jüngeren Will Smith sehen, ohne dass der Jüngere vollkommen unnatürlich aussieht.

Die Story entwickelte sich allerdings nicht weiter. Henry Brogan (Will Smith) ist ein 51-jähriger Profikiller für einen US-Geheimdienst, der scheinbar unmögliche Morde begeht. Zum Beispiel erschießt der Scharfschütze bei seinem 72. Auftragsmord aus großer Entfernung einen in einem schnell fahrendem Zug sitzenden Passagier. Nach diesem Mord will er sich zur Ruhe setzen. Denn wenn er nur einen kleinen Fehler gemacht hätte, hätte ein Kind sterben können.

Da erfährt er durch einen Freund, dass sein letztes Opfer kein gefährlicher Bio-Terrorist, sondern ein harmloser Wissenschaftler war. Er will jetzt herausfinden, warum er von seinen Vorgesetzten belogen wurde.

Zur gleichen Zeit setzen seine Vorgesetzten einen Killer auf ihn an. Und dieser Killer ist – Überraschung! – sein dreiundzwanzigjähriges Ebenbild.

Während die nun folgende Hatz überraschungsfrei innerhalb der bekannten Genrekonventionen über den halben Globus geht, kann man die Bildqualität bewundern. Ang Lee drehte seinen neuen Film „Gemini Man“ wie seinen vorherigen Film „Die irre Heldentour des Billy Lynn“ in 3D mit 120 Bildern pro Sekunde. Üblich sind 24 Bilder pro Sekunde. In den Kinos läuft der Film mit 60 Bilder pro Sekunde als HFR 3D („High Frame Rate 3D“, bzw. „3D+“).

Das Bild ist atemberaubend scharf und klar. Sogar bei den Nachtaufnahmen ist alles zu erkennen. Letztendlich sehen die Nachtaufnahmen, die immer an besonders helle Vollmondnächte erinnern, wie alte Day-for-Night-Aufnahmen aus. Und das sieht dann halt oft auch etwas unnatürlich aus.

Gleichzeitig hat man als Zuschauer genug Zeit, über die verschiedenen Plotlöcher, Unwahrscheinlichkeiten und Implausibilitäten nachzudenken. So soll der Mord an einem geachtetem Wissenschaftler, der in Belgien in einem fahrenden Zug aus großer Entfernung erschossen werden, nicht für weltweite Schlagzeilen gesorgt haben? So soll ein Profikiller plötzlich sein Gewissen entdecken? Als habe er in den vergangenen Jahren immer nur sehr, sehr böse Menschen getötet. Um nur zwei zu nennen.

Sowieso ist der Plot nur eine Wiederholung altbekannter Action-Politthrillertopoi, die hier lieblos globetrottend abgehandelt werden.

Die Actionszenen sind erschreckend langweilig inszeniert. Fast so als seien sie eine lästige Pflichtübung, die man halt erledigen muss, während man an etwas vollkommen anderem interessiert ist. Nur an was bleibt in „Gemini Man“ unklar. Denn die Verschwörung, also die Zusammenarbeit zwischen Geheimdiensten und privaten Firmen, wie hier der Gemini-Firma, was deren Ziele sind und warum sie Brogan umbringen wollen, ist unklar gezeichnet.

Die für die Filmgeschichte zentrale Idee, dass Klone sich in jeder Beziehung exakt gleichen, die exakt gleichen Fähigkeiten haben und das exakt gleiche tun, wirkt heute nicht mehr überzeugend. Als Darren Lemke 1997 die Story verkaufte, war er sicher von den Meldungen über das erfolgreiche Klonexperiment an dem Hausschaf Dolly und den damit zusammenhängenden Ängste und Hoffnungen beeinflusst. Damals dachte man, dass ein Klon in jeder Beziehung eine hundertprozentige Kopie sei. Heute weiß man, dass das so nicht stimmt. Unterschiede in der Zellteilung, Erziehung und dem Umfeld spielen, wie bei Zwillingen, auch eine Rolle.

Und dass eine Privatfirma für das Militär/Geheimdienst einen (oder mehrere) Kampfklone entwickelt, ist denkbar unglaubwürdig, wenn sie gleichzeitig etwas in Richtung ‚Universal Soldier‘ oder ‚Robocop‘ oder Drohnen und explodierender Smartphones entwickeln können. Wobei sie das, siehe den Kampf am Ende des Films, auch in Teilen getan haben.

Bei der Darstellung der Verbindung zwischen militärischer Macht und privaten Firmen, dem Militärisch-industriellem Komplex, und den daraus folgenden Gefahren für die Gesellschaft war zuletzt, um nur ein aktuelles Beispiel zu nennen, „Angel has fallen“ deutlich weiter. Und das ist ein B-Actionfilm, der nicht mehr sein will, während „Gemini Man“ immer behauptet, mehr zu sein als ein 08/15-Actionfilm, der ohne Ang Lee und Will Smith sofort auf DVD veröffentlicht worden wäre.

Am Ende von „Gemini Man“ bleibt eine Frage: Was hat Ang Lee an dieser lahmen Geschichte interessiert?

Gemini Man (Gemini Man, USA 2019)

Regie: Ang Lee

Drehbuch: David Benioff, Billy Ray, Darren Lemke

mit Will Smith, Mary Elizabeth Winstead, Clive Owen, Benedict Wong, Douglas Hodge, Ralph Brown, Linda Emond

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „Gemini Man“

Metacritic über „Gemini Man“

Rotten Tomatoes über „Gemini Man“

Wikipedia über „Gemini Man“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ang Lees „Die irre Heldentour des Billy Lynn“ (Billy Lynn’s long Halftime Walk, USA/Volksrepublik China/Großbritannien 2016)

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TV-Tipp für den 1. September: 10 Cloverfield Lane

August 31, 2019

Pro7, 22.40

10 Cloverfield Lane (10 Cloverfield Lane, USA 2016)

Regie: Dan Trachtenberg

Drehbuch: Josh Campbell, Matthew Stuecken, Damien Chazelle

Nach einem Autounfall mitten im Nirgendwo erwacht Michelle in einem Bunker und der gewohnt grandios von John Goodman gespielt durchgeknallte (?) Hausherr erklärt ihr, dass die Erde von Außerirdischen überfallen wurde. Sie müsse daher bei ihm bleiben.

Spannender Psychothriller

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Mary Elizabeth Winstead, John Goodman, John Gallagher Jr.

Wiederholung: Montag, 2. September, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „10 Cloverfield Lane“

Metacritic über „10 Cloverfield Lane“

Rotten Tomatoes über „10 Cloverfield Lane“

Wikipedia über „10 Cloverfield Lane“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Dan Trachtenbergs „10 Cloverfield Lane“ (10 Cloverfield Lane, USA 2016)


TV-Tipp für den 3. Juni: 10 Cloverfield Lane

Juni 3, 2018

Pro7, 22.40

10 Cloverfield Lane (10 Cloverfield Lane, USA 2016)

Regie: Dan Trachtenberg

Drehbuch: Josh Campbell, Matthew Stuecken, Damien Chazelle

Nach einem Autounfall mitten im Nirgendwo erwacht Michelle in einem Bunker und der gewohnt grandios von John Goodman gespielt durchgeknallte (?) Hausherr erklärt ihr, dass die Erde von Außerirdischen überfallen wurde. Sie müsse daher bei ihm bleiben.

Spannender Psychothriller

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Mary Elizabeth Winstead, John Goodman, John Gallagher Jr.

Wiederholung: Montag, 4. Juni, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „10 Cloverfield Lane“

Metacritic über „10 Cloverfield Lane“

Rotten Tomatoes über „10 Cloverfield Lane“

Wikipedia über „10 Cloverfield Lane“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Dan Trachtenbergs „10 Cloverfield Lane“ (10 Cloverfield Lane, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: „10 Cloverfield Lane“ – eine Adresse, ein paranoider Gastgeber und eine spoilerfreie Besprechung

März 31, 2016

10 Cloverfield Lane ist zuerst einmal nur eine Anschrift. Eine Adresse mitten im ländlichen Amerika. Es ist auch der Ort, an dem Michelle (Mary Elizabeth Winstead) von Howard (John Goodman) nach einem Autounfall gefangen gehalten wird. Er versorgt sie in seinem Bunker, verlangt etwas Dankbarkeit und erzählt ihr etwas von einer Außerirdischen, die die Erde mit Giftgas unbewohnbar gemacht haben. Natürlich hält seine Gefangene das für ein Hirngespinst.

Auch dass Emmett (John Gallagher Jr.), der ebenfalls, allerdings freiwillig, in dem Bunker lebt, das Gerede von Howard bestätigt, überzeugt sie nicht. Denn Alien-Invasionen gibt es nicht in der Realität. Oder doch?

10 Cloverfield Lane“ ist das Spielfilmdebüt von Dan Trachtenberg, produziert von J. J. Abrams und seiner Firma Bad Robot, die auch „Cloverfield“ produzierte und, wer „Cloverfield“ gesehen hat, fragt sich natürlich, ob es eine Verbindung zwischen den beiden Filmen gibt.

Doch auch abgesehen von dieser Frage zieht das Drei-Personen-Stück, dank seines klugen Drehbuchs und der guten Schauspieler, eine beträchtliche Spannung aus der Frage, ob Howard jetzt der durchgeknallte Paranoiker von Nebenan ist oder ob seine Geschichte (siehe „Cloverfield“) wahr ist. John Goodman spielt ihn mit dieser beunruhigenden Ruhe und Selbstgewissheit, die diesen Menschen inne wohnt. Denn sie zweifeln überhaupt nicht an ihrer Weltsicht. Schließlich kennen sie die Wahrheit und irgendwann werden auch die anderen sie erkennen. Dass es keinen Beweis für seine Behauptung gibt, stört ihn nicht. Auch in „10 Cloverfield Lane“ müssen wir einfach nur darauf vertrauen, dass er die Wahrheit sagt und dass er Michelle helfen will. Nur: kann man jemand vertrauen, der einen mit einer fadenscheinigen Begründung gefangen hält und der sich einen bestens ausgestatteten Bunker mit Lebensmitteln für mehrere Jahre baute? Michelle jedenfalls plant schon einmal ihre Flucht aus dem hermetisch abgeriegeltem Bunker.

Das in jeder Beziehung äußerst gelungene Debüt macht wirklich neugierig auf die nächsten Filme von Dan Trachtenberg. Wobei allein schon John Goodman, endlich mal wieder in einer Hauptrolle, das Dreipersonenstück sehenswert macht.

10 Cloverfield Lane - Plakat

10 Cloverfield Lane (10 Cloverfield Lane, USA 2016)

Regie: Dan Trachtenberg

Drehbuch: Josh Campbell, Matthew Stuecken, Damien Chazelle

mit Mary Elizabeth Winstead, John Goodman, John Gallagher Jr.

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „10 Cloverfield Lane“

Metacritic über „10 Cloverfield Lane“

Rotten Tomatoes über „10 Cloverfield Lane“

Wikipedia über „10 Cloverfield Lane“ (deutsch, englisch)

Ein Interview mit Dan Trachtenberg über seinen Film

Und eines mit Dan Trachtenberg und den Schauspielern

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Kill the Messenger“, vor allem wenn’s ein Journalist ist

September 10, 2015

Was geschieht, wenn ein Journalist die größte Enthüllungsgeschichte seines Lebens und seiner Tageszeitung während des größten Umbruchs der Zeitungsgeschichte schreibt? Das fragte sich Gary Webb nicht, als er zufällig, bei einer Gerichtsverhandlung gegen einen Drogenhändler, die Verbindung zwischen aus Südamerika kommendem Crack in South Central Los Angeles und der Mitwisserschaft der CIA entdeckte. Das fragte er sich auch nicht, als er seine Story auch in Washington, D. C., und Nicaragua recherchierte. Denn vor zwanzig Jahren hatten nur wenige Menschen einen Internetanschluss. Und als er im August 1996 in der San Jose Mercury News, bei der er angestellt war, seine Recherchen in einer dreiteiligen Artikelserie veröffentlichte, war die Online-Publikation ein netter Zusatznutzen, um den Lesern weiterführende Informationen und Dokumente zu präsentieren. Im Film wird das nicht erwähnt. Denn wenn sie es getan hätten, hätten sie in der zweiten Hälfte andere Schwerpunkte setzen müssen.
Damals verschaffte die Online-Publikation (was damals noch ungewöhnlich war) dem Lokalblatt und der Reportage eine weit eine über die normalen Leser der Tageszeitung hinausgehende Leserschaft und Aufmerksamkeit. Dabei war einges von Webbs Recherchen schon vorher (unter anderem durch die Iran-Contra-Affäre) bekannt, aber jetzt wurden die ihm veröffentlichten Fakten über die Finanzierung der nicaraguanischen Contra-Rebellen durch den Schmuggel von Drogen in die USA (während die USA gleichzeitig einen „war on drugs“ führte) zu einem Skandal. Die Bewohner von South Central waren empört, dass die Regierung (vor allem die CIA), mindestens Mitwisser, vielleicht sogar Mithelfer, bei der Crack-Epidemie, dem steigenden Verbrechen und der desolaten Lage ihres Viertels war. Auch in anderen Großstädten sah es oft nicht besser aus.
Damals wusste niemand, dass Webb seine Enthüllungsgeschichte am Vorabend des US-Zeitungssterbens und des Aufstiegs des Internets zu einem Massenmedium schrieb. Dieser historisch wichtige Umbruch wird im in zwei Teile zerfallenden Film „Kill the Messenger“ zwar nicht weiter angesprochen, aber er verleiht ihm einen beunruhigenden Subtext. Jedenfalls wenn man „guten Journalismus“ nur mit „Zeitungsjournalismus“ verbindet.
Michael Cuesta („Dexter“, „Homeland“) erzählt, nach einem Drehbuch von „New York Times Magazine“-Journalist Peter Landesman, in seinem Film Gary Webbs Geschichte. In der ersten Hälfte, wenn wir Webbs Recherchen verfolgen, steht der Film fest in der Tradition der Thriller, die investigative Journalisten und ihre Arbeit feiern und die sogar Präsidenten, siehe „Die Unbestechlichen“, zu Fall bringen können. Das ist spannend und, auch wenn die Tatsachen heute allgemein anerkannt sind, schockierend.
In der zweiten Hälfte erzählt er, was nach der Enthüllung geschah: wie Webb seine Recherchen verteidigt, er von seinen Vorgesetzten nicht gegen Angriffe verteidigt wird und er sich, auch aufgrund seiner Persönlichkeit, zunehmend isoliert. Dieser Teil ist dann weniger spannend, teilweise schrecklich misslungen, aber thematisch interessanter. Denn er zeigt, wie sehr das Bild des edlen, wahrheitssuchenden, von seiner ebenso edlen, nur der Wahrheit verpflichtenden Redaktion, die ihn bis zum Tod und darüber hinaus beschützt und gegen alle Angriffe verteidigt, eine gut gepflegte Chimäre ist. Jedenfalls für viele Redaktionen. Und, weil die Geschichte gerade an der Schwelle zum Internetzeitalter spielt, zeigt der Film unterschwellig auch, wie sich, ohne dass die Beteiligten es wissen, ein seit Jahrzehnten gepflegtes Modell von Zeitung, von Lokaljournalismus und von Tageszeitung in den USA gerade verabschiedet. In Deutschland ist die Situation nicht vergleichbar, weil hier Tageszeitungen vor allem Abo-Zeitungen sind und daher die Einnahmesituation vollkommen anders aussieht.
Allerdings ist die zweite Hälfte auch weniger gelungen als die erste. Er zerfasert etwas zwischen der Rufmordkampagne durch die Regierung und die Hauptstadtjournalisten, die dem Nobody von dem Provinzblatt nicht die sensationelle Story gönnen, Webbs Kämpfe in der Redaktion und seinem Privatleben. Der Film versucht uns jetzt mehr für den Journalisten und seine beruflichen und privaten Probleme zu interessieren, während davor die Story im Mittelpunkt stand. Jetzt wird der Bote zur Story – und der Film verliert seine Geschichte. Dabei spricht er viele Punkte an, ohne wenigstens einen konsequent in den Mittelpunkt zu rücken. Er geht auch nicht darauf ein, wie sehr Webbs Persönlichkeit seinen Fall vom geachteten Journalisten zum Outsider begünstigte. Webb beging, was auch nicht vom Drehbuchautor angezweifelt wird, am 10. Dezember 2004 Suizid. Aber der Film endet schon Jahre früher mit einer die Tugenden des Journalismus hochhaltenden Rede, die gleichzeitig ein Abgesang auf sie ist.
So ist „Kill the Messenger“ nicht so gut, wie er hätte sein können. Aber er spricht interessante und wichtige Fragen über die Rolle des Journalismus in einer freien Gesellschaft, das Verhalten von Journalisten untereinander, dem Verhalten von Vorgesetzten gegenüber ihren Angestellten und zum Wandel der Medien durch das Internet an. Er drückt sich allerdings um Antworten herum.

Kill the Messenger - Plakat

Kill the Messenger (Kill the Messenger, USA 2014)
Regie: Michael Cuesta
Drehbuch: Peter Landesman
LV: Gary Webb: Dark Alliance – The CIA, the Contras and the Crack Cocaine Explosion, 1998; Nick Schou: Kill the Messenger – How the CIA’s Crack-Cocaine Controversy destroyed Journalist Gary Webb, 2006
mit Jeremy Renner, Rosemarie DeWitt, Tim Blake Nelson, Barry Pepper, Oliver Platt, Andy Garcia, Michael Sheen, Paz Vega, Michael Kenneth Williams, Mary Elizabeth Winstead, Ray Liotta, Robert Patrick
Länge: 112 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Film-Zeit über „Kill the Messenger“
Moviepilot über „Kill the Messenger“
Metacritic über „Kill the Messenger“
Rotten Tomatoes über „Kill the Messenger“
Wikipedia über „Kill the Messenger“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „Kill the Messenger“


Neu im Kino/Filmkritik: Oh my God, das soll „Charlies Welt“ sein?

Mai 2, 2013

 

Die ersten Minuten sind nicht schlecht: animiert wie in einem alten Monty-Python-Cartoon wird uns ein Blick in den Kopf von Charles Swan III gewährt und ein Psychiater diagnostiziert, dass sich siebzig Prozent seiner Hirntätigkeit um Sex drehen, zwanzig um Geld verdienen und die restlichen zehn Prozent um den ganzen Rest. Damit ist klar, dass dieser Charles Swan III ein wahrer Lebemann ist, der als gut verdienender Grafikdesigner in den frühen siebziger Jahren in Los Angeles ein wahrhaft fürstliches Leben führt – und eine Reise durch seine Welt dürfte ein wahres, durchaus schlüpfriges Retro-Fest werden.

 

Tja, großer Irrtum. Denn schneller als ein Soufflee fällt „Charlies Welt“, inszeniert von Roman Coppola (yep, der Daddy ist „Der Pate“ Francis Ford Coppola), in sich zusammen und verkommt zu einer chaotischen Nummernrevue, in der ein Mann im Mittelpunkt steht, der ein toller Hecht sein soll, aber nur als absolut uninteressanter, weinerlicher Softie durch den Film schlurft, der seiner großen Liebe hinterhertrauert und an dem höchstens bemerkenswert ist, dass alle über ihn sagen, dass er bemerkenswert sei. Kurz: dieser Charlie Swan III ist ein Nullum, eine erzählerische Leerstelle, die hier im Mittelpunkt eines Films steht, der zwar nicht so lärmend wie ein Blockbuster ist, aber ungefähr genauso sinnentleert ist und sich absolut nicht um sein Publikum kümmert.

 

Denn die Familie Coppola hat inzwischen genug Geld, um ihre Homemovies, die nur für sie und ihre Verwandtschaft interessant sind, auch in die Kinos zu bringen. Denn Roman Coppola schert sich einen Dreck um die Zuschauer und auch als künstlerisches Statement ist „Charlies Welt“ gescheitert. Da helfen auch nicht die schönen Retro-Designs und die Musik. Der Blick in „Charlies Welt“ ist praktizierte Publikumsverachtung, den Roman Coppola einen „Jux“ nennt.

 

Immerhin hat diese American-Zoetrope-Produktion den Chuzpe, im Abspann einen Besuch des kalifornischen Weinguts der Familie Coppola zu empfehlen.

 

Charlies Welt - Plakat

 

Charlies Welt – Wirklich nichts ist wirklich (A glimpse inside the Mind of Charles Swan III, USA 2012)

 

Regie: Roman Coppola

 

Drehbuch: Roman Coppola

 

mit Charlie Sheen, Jason Schwartzman, Bill Murray, Katheryn Winnick, Patricia Arquette, Aubrey Plaza, Mary Elizabeth Winstead, Dermot Mulroney, Stephen Dorff

 

Länge: 88 Minuten

 

FSK: ab 0 Jahre

 

 

Hinweise

 

Amerikanische Homepage zum Film

Amerikanische Facebook-Seite zum Film (Ach, herrje, die Werbung für den Film ist tausendmal besser als der Film. Das erinnert mich an den letzten Blockbuster…)

 

Film-Zeit über „Charlies Welt“

 

Metacritic über „Charlies Welt“

 

Rotten Tomatoes über „Charlies Welt“

 

Wikipedia über „Charlies Welt“ (deutsch, englisch)

 

 

 


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