Neu im Kino/Filmkritik: „Ready or Not“, das tödliche Spiel beginnt

September 26, 2019

Jede Familie hat so ihre Macken. Das bemerkt Grace in der Hochzeitsnacht auf dem noblen Anwesen der Familie Le Domas. Hier sieht noch alles wie zur Jahrhundertwende aus, als die Familie ein Vermögen mit Brettspielen machte. Und ein Spiel möchte die Familie ihres Bräutigams Alex Le Domas um Mitternacht mit ihr spielen. Es sei, so sagt ihr Alex, eine lächerliche Aufnahmezeremonie, die jedes neue Mitglied der Familie machen müsse.

Aus dem Kartenstapel mit den Spielvorschlägen zieht sie die Karte für das Spiel „Verstecken“. Diese eng mit einem Familiengeheimnis verbundene Karte wird nur sehr selten gezogen und sie ist der Auftakt für eine Menschenjagd auf Grace, die in dem Moment noch nicht ahnt, in welcher Gefahr sie schwebt.

Sie versteckt sich in dem riesigen Anwesen, während die Le Domas‘ sich, entsprechend den Spielbedingungen mit historischen Waffen ausrüsten. Danach jagen sie Grace durch das riesige, einsam gelegene Haus, das sie nicht verlassen darf.

Als zusätzlichen Motivationsschub für die Le-Domas-Sippe heißt es, dass sie das Opfer vor Sonnenaufgang töten müssen. Sonst sterben sie. Falls Grace das nicht schon vorher erledigt hat.

Die Grundidee für „Ready or Not“ ist natürlich schamlos von Richard Connells mehrmals verfilmter Kurzgeschichte „The most dangerous Game“, die auch zahlreiche weitere Bücher und Filme über eine Jagd auf Menschen inspirierte, geklaut. Wobei in dem von Matt Bettinelli Olpin und Tyler Gillett inszeniertem Film die Jagd in einem Haus stattfindet, das auch als Spukschloss taugen würde und in dem die Zeit stehen geblieben ist.

Mit einem prächtig aufgelegten Ensemble und nicht immer jugendfreien Gags und Tötungen entstand eine blutige Horrorkomödie, in der sich Splatter und Spaß abwechseln. Jedenfalls meistens. Dank des Handlungsortes und der Spielbedingung, dass nur die Waffen benutzt werden dürfen, die es gab, als das Spiel zum ersten Mal gespielt wurde, könnte der Film auch vor fünfzig, hundert oder sogar hundertfünfzig Jahren spielen. Dann hätte man auf die wenigen Gags mit der modernen Technik verzichten müssen. Und die Mitglieder der Le-Domas-Familie wären nicht so tollpatschig im Umgang mit den alten Tötungsgerätschaften.

Mit etwas über neunzig Minuten ist die überzeugende Warnung vor dem Einheiraten in traditionsbewusste Familien auch angenehm kurz geraten.

Ready or Not – Auf die Plätze fertig tot (Ready or Not, USA 2019)

Regie: Matt Bettinelli-Olpin, Tyler Gillett

Drehbuch: Guy Busick, R. Christopher Murphy

mit Samara Weaving, Adam Brody, Mark O’Brien, Henry Czerny, Andie MacDowell, Melanie Scrofano, Kristian Bruun, Nicky Guadagni, Elyse Levesque, John Ralston

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepoage zum Film

Moviepilot über „Ready or Not“

Metacritic über „Ready or Not“

Rotten Tomatoes über „Ready or Not“

Wikipedia über „Ready or Not“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Matt Bettinelli-Olpin/Tyler Gilletts „Devil’s Due -Teufelsbrut“ (Devil’s Due, USA 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: Irgendwie Horror: „Devil’s Due – Teufelsbrut“

Mai 8, 2014

Found Footage, nächste Runde und „Devil’s Due – Teufelsbrut“ ist ein würdiger Vertreter seines Genres, das bis jetzt nur wenige sehenswerte Filme und unglaublich viel Schrott hervorbrachte, der allerdings so billig gedreht werden konnte, dass die Macher im Nachgang von „The Blair Witch Project“ immer noch ihren finanziellen Schnitt machten, was auch für „Devil’s Due – Teufelsbrut“ gilt.
In dem Film geht es um ein junges Pärchen, das in der Dominikanischen Republik seine Flitterwochen verbringt und Göttergatte Zach wirklich jeden Moment mit der Kamera festhalten muss. In der letzten Nacht zeigt ihnen ein Taxifahrer das wirklich authentische Inselleben abseits der Touristenpfaden. Für das Pärchen endet der Abend in einen massiven Drogenabsturz. So massiv, dass die Erinnerungen an die seltsame Teufelsanbetung auch Erinnerungsfetzen an einen Discobesuch sein könnten. Immerhin sind die Filmaufnahmen davon sehr lückenhaft, falsch belichtet und noch verwackelter als der restliche Film.
Zurück in ihrer lauschigen All-American-Vorstadt stellt Samantha fest, dass sie schwanger ist und plötzlich einen unheimlichen Hunger auf rohes Fleisch hat. Seltsame Männer schleichen um ihr Haus herum und mit dem Baby stimmt auch etwas nicht. Zach konzentriert sich derweil darauf, mit seiner Kamera möglichst alles für die Nachwelt auf Film festzuhalten.
Das ist, wie man es im Found-Footage-Genre gewohnt ist, mit grenzdebilen Dialogen, schlechten, aber furchtbar spontanen und lebensechten Schauspielern und einer nervigen, billigen Wackelkamera inszeniert, die Drehbuchschwächen mit dem Hinweis auf die Found-Footage-Genrekonventionen entschuldigt. Wobei es auch in „Devil’s Due“ Szenen gibt, die gegen die reine Lehre der Genreregeln verstoßen und es auch teilweise zu einem vollkommen idiotischem Verhalten des Gatten, der alles filmen will, kommt. Denn natürlich muss er in höchster Not erst einmal die Kamera auspacken.
Und wer aufgrund minimaler Ähnlichkeiten und wegen irgenwelcher Werbesprüche „Devil’s Due“ mit Roman Polanskis Horrorfilmklassiker „Rosemarys Baby“ vergleicht, vergleicht auch die ersten Schwimmversuche seines Kindes mit dem mehrfachen Olympia-Medaillengewinner Michael Phelps, weil beide sich ja im Wasser fortbewegen.
„Devil’s Due“ ist ein filmisch trostloses Drama, bei dem es letztendlich nur ein Rätsel gibt: Warum läuft der Film im Kino?

Devil's Due - Plakat

Devil’s Due -Teufelsbrut (Devil’s Due, USA 2014)
Regie: Matt Bettinelli-Olpin, Tyler Gillett
Drehbuch: Lindsay Devlin
mit Allison Miller, Zach Gilford, Sam Anderson
Länge: 89 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Devil’s Due – Teufelsbrut“
Moviepilot über „Devil’s Due – Teufelsbrut“
Metacritic über „Devil’s Due – Teufelsbrut“
Rotten Tomatoes über „Devil’s Due – Teufelsbrut“
Wikipedia über „Devil’s Due – Teufelsbrut“


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