Neu im Kino/Filmkritik: „Planet der Affen: Survival“ für die Affen, die Menschen oder beide?

August 3, 2017

Im Original heißt der dritte und abschließende Film der aktuellen „Planet der Affen“-Trilogie „War for the Planet of the Apes“. In Deutsch: „Planet der Affen: Survival“.

Ob der Film wirklich das Ende der Vorgeschichte zu dem 1968er „Planet der Affen“-Film ist, werden wir sehen. Bislang gibt es ja schon den Roman von Pierre Boulle, einen Spielfilm von 1968, gefolgt von weiteren Spielfilmen, einer TV-Serie, inzwischen vollkommen vergessenen Romanen und Comics, ein Remake des 1968er Films und die beiden überraschend gelungenen Prequel-Filme, die zeigen, wie es dazu kommt, dass die Erde von Affen beherrscht wird.

Dabei wecken sowohl der deutsche („Survival“) als auch der Originaltitel („War“) Erwartungen, die Matt Reeves in seinem Film nicht einlösen will. Obwohl es um einen Krieg der Menschen gegen die Affen und das Überleben der Affen geht.

Survival“ spielt fünfzehn Jahre nach den Ereignissen von „Prevolution“ und zwei Jahre nach denen von „Revolution“. In „Prevolution“ wird geschildert, wie ein Experiment für ein Alzheimer-Heilmittel schief geht, die Affen gegen die Menschen revolutionieren und die Simian Flu (Affen-Influenza) ausbricht. In der Fortsetzung „Revolution“ sind Milliarden Menschen an der Simian Flu gestorben, die Affen werden intelligenter und es ist unklar, ob es ein friedliches Zusammenleben zwischen Menschen und Affen gibt.

In „Survival“ (Warum nicht „Evolution“?) kämpfen sie immer noch gegeneinander. Die Affen (also jedenfalls die Affen-Gruppe, die wir aus den vorherigen Filmen kennen und deren Schicksal wir verfolgen) haben sich in die Wälder zurückgezogen. Die Menschen bekämpfen sie mit militärischen Mitteln. Inzwischen scheint es nur noch Soldaten zu geben und die Idee eines friedlichen Zusammenlebens zwischen Affe und Mensch hat man endgültig in die Geschichtsbücher verbannt.

Als die Lage für die Affen immer schwieriger wird, entschließt ihr Anführer Caesar sich zum Aufbruch an einen sicheren Ort. Während er die Affenhorde in die Richtung dieses sicheren Ortes schickt, reitet er in eine andere Richtung, um sich an den Soldaten, die seine Familie ermordeten, zu rächen, und die Filmgeschichte wird über weite Strecken zu einer leidlich unterhaltsamen, weil humorfreien Variation von „Der Texaner“. Denn Caesar muss auf seiner Reise immer mehr Gefährten, – Affen und Menschen -, aufnehmen.

Gegen Ende kommt es, wie man schon im Trailer sieht, dann zu dem epischen Gefecht auf einer in den verschneiten Bergen liegenden Militärbasis. Sie ist auch ein von dem Colonel (kein weiterer Name) geführtes Gefangenenlager irgendwo zwischen KZ und Gulag für Affen. Vor dieser Gefangenenbefreiung fragt man sich, wie sehr der von Woody Harrelson gespielte Colonel schon zu einem Nachfolger von „Apocalypse Now“-Colonel Walter E. Kurtz wurde.

Die Anspielungen auf andere Filme und Westerntopoi sind nicht das Problem von Matt Reeves Film. Sie sind für den Cineasten sogar ein Teil des Vergnügens. Das Problem ist die von Mark Bomback, der auch einer der Autoren des vorherigen „Planet des Affen“-Films ist, und Matt Reeves, der den Film inszenierte, erfundene Geschichte. Niemals vermittelt sie ein Gefühl von einer finalen Schlacht zwischen Affen und Menschen und dem endgültigem Beginn der von den Affen beherrschten „Planet der Affen“-Welt.

Reeves‘ Film, der in jedem Bild, in jedem Konflikt und in jedem Charakter unübersehbar vom Western inspiriert ist, wirkt wie zwei voneinander unabhängige Episoden plus Epilog einer langen „Der große Treck“-TV-Serie. Nur dass dieses Mal nicht die Siedler, sondern die Affen die Protagonisten sind.

Die friedlich in und mit der Natur lebenden Affen sind, auch das ist unübersehbar, die neuen Indianer. Aber dieses Mal geht die Geschichte für sie positiver aus. Die in „Planet der Affen: Survival“ gezeigten Gefechte mit den Menschen sind trotzdem eher Scharmützel, wie wir sie von unzähligen Indianer-Western kennen. Das liegt auch daran, dass der Gegner der von Caesar angeführten Affen „eine abtrünnige Spezialeinheit unter dem Kommando eines machtbesessenen Oberst“ (Presseheft) ist. Das liest sich nicht wie ‚Das letzte Gefecht‘.

Trotz der langsamen Bewegungen durch majestätische Breitbildlandschaften (ein Pferd ist halt kein Rennwagen) hat der Film dieses Mal einen sehr schmalen Fokus. Außerhalb der Filmgeschichte gibt es keine Welt. Es gibt nur Caesar, seine Affenhorde auf der einen und den Colonel und seine durchgehend austauschbaren Soldaten auf der anderen Seite.

Ein weiteres Problem neben der doch sehr einfachen Geschichte ist das oft erschreckend zähe Erzähltempo. Um den Film auf 140 Minuten zu bringen, dürfen wir oft minutenlang schweigende und bewegungslose Affen bewundern. Weil wir in diesen Momenten Caesar Gedanken nicht lesen können, ist das nicht so wahnsinnig spannend.

Immerhin können wir in diesen Minuten ungestört die immer realistischer werdende Arbeit der CGI- und der „Motion Capture“-Abteilung, die dieses Mal auch in die Actionszenen involviert war, bewundern. Die Performance Capture ist noch besser als in den vorherigen „Planet der Affen“-Filmen. Die Affen-Massenszenen wirken absolut realistisch. Die Gefühle, die man in den Gesichtern der Affen sieht, die in diesem Film auch viel sprechen, wirken ebenso authentisch. Andy Serkis, der wieder Caesar spielt und der der bekannteste Performance-Capture-Schauspieler ist, sagt: „Meiner Ansicht nach gibt es absolut keinen Unterschied mehr, ob man seine Rolle in einem ‚Performance Capture‘-Anzug oder in einem normalen Kostüm mit normalem Make-up spielt.“

Naja, einen Unterschied gibt es schon: obwohl Serkis ein Star ist, der in zahlreichen Blockbustern wichtige Rollen hatte und oft im Fernsehen auftritt, dürfte er immer noch ziemlich unerkannt einkaufen gehen können.

Planet der Affen: Survival (War for the Planet of the Apes, USA 2017)

Regie: Matt Reeves

Drehbuch: Mark Bomback, Matt Reeves

mit Andy Serkis, Woody Harrelson, Amiah Miller, Steve Zahn, Toby Kebbel, Karin Konoval, Aleks Paunovic, Terry Notary, Michael Adamthwaite, Ty Olsson, Judy Greer

Länge: 140 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Planet der Affen: Survival“

Metacritic über „Planet der Affen: Survival“

Rotten Tomatoes über „Planet der Affen: Survival“

Wikipedia über „Planet der Affen: Survival“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pierre Boulles „Planet der Affen“ (La Planète des Singes, 1963)

Meine Besprechung von Greg Keyes‘ „Planet der Affen – Revolution: Feuersturm“ (Dawn of the Planet of the Apes: Firestorm, 2014)

Meine Besprechung von Matt Reeves‘ „Planet der Affen: Revolution“ (Dawn of the Planet of the Apes, USA 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: Die Affen rasen durch den Wald in „Planet der Affen: Revolution“

August 6, 2014

Als Charlton Heston am Ende von „Planet der Affen“ entdeckte, dass der fremde Planet, auf dem er nach einem ewig langem Flug durch das Weltall gelandet war und auf dem Affen Menschen bestenfalls als Haustiere betrachten, die Erde war, war der Anblick der Freiheitsstatue ein Schock und eines der ikonischen Filmenden. In den nächsten Jahren gab es etliche Fortsetzungen, ehe die Begeisterung für menschliche Affen nachließ.

Als vor drei Jahren mit „Planet der Affen: Prevolution“ (Rise of the Planet of the Apes) die Vorgeschichte, natürlich im Reboot-Modus, zum „Planet der Affen“ erzählt wurde, war Rupert Wyatts Film ein Publikums- und Kritikererfolg. Erzählt wurde die Geschichte des Forschers Will Rodman (James Franco), der nach einem Mittel gegen Alzheimer sucht, das an Tieren ausprobiert, auch an seinem Hausaffen Caesar (Andy Serkis), und dabei ein Mittel findet, das Alzheimer aufhalten kann und das Caesar intelligenter macht. Das Mittel wird dann in der Biotech-Firma GenSys an anderen Affen ausprobiert. Der Affe kann sogar sprechen! Die Versuche haben fatale Nebenwirkungen und am Ende brechen die Affen mit der Hilfe von Caesar aus. Es kommt zu einer Schlacht mit der Polizei auf der Golden-Gate-Brücke und die Affen verschwinden im Redwood-Nationalpark

So gelungen „Planet der Affen: Prevolution“ auch war, es war immer nur die Vorgeschichte zu einer größeren Erzählung mit bekanntem Ausgang. Ein Prolog eben, der jetzt in „Planet der Affen: Revolution“ das erste Kapitel einer größeren Geschichte erzählt. Denn obwohl „Planet der Affen: Revolution“ mit über zwei Stunden ziemlich lang geraten ist, ist es eigentlich nur eine zu lang geratene Episode einer TV-Serie, in der es neben der Geschichte der Woche auch etliche episodenübergreifende Handlungsstränge gibt.

Matt Reeves‘ Film beginnt zehn Jahre nach „Planet der Affen: Prevolution“. Mit dem Ausbruch der Affen aus dem Forschungslabor wurde auch ein Virus, die Simianische Grippe, freigesetzt, der die meisten Menschen tötete. Es gibt weltweit nur noch vereinzelte Enklaven. In San Francisco gibt es eine, die von Dreyfus (Gary Oldman) angeführt wird. Der Ex-Polizeipräsident und Kurzzeitbürgermeister von San Francisco ist ihr ruhig und überlegt handelnder Anführer. Ihm zur Seite steht der besonnene Malcolm (Jason Clarke), der jetzt mit einer handvoll Gefährten den Staudamm im Wald, der ihnen Strom liefern soll, wieder in Betrieb setzen soll.

Dabei treffen sie auf Caesar – und wenn wir uns jetzt an die abertausend Western erinnern, in denen Siedler auf Indianer trafen und sie zu fragilen Abkommen kamen, dann können wir uns den weiteren Plot von „Planet der Affen: Revolution“ in bester Malen-nach-Zahlen-Manier ausmalen. Dass die Dialoge der Affen, ihre Handlungen und natürlich ihre Fortbewegung (wobei ein Affe mit Gewehr auf einem Pferd natürlich cool aussieht) dabei direkt aus dem letzten Western geklaut wurde, verstärkt den Eindruck, eine in die nahe Zukunft verlegte Geschichte von einer gut abgehangenen Endlos-TV-Serie wie „Tausend Meilen Staub“ (Rawhide) oder Filmen wie „Der große Treck“ (The big Trail), in denen Siedler auf ihrem Weg durch den Wilden Westen unzählige Abenteuer erleben, sehen.

Allerdings bleibt diese Indianer-Analogie trotz ihres Potentials für die Geschichte und auch die damit verbundene Frage, wie Affen und Menschen miteinander umgehen, an der Oberfläche. Es ist bestenfalls auf dem Niveau der ersten Indianerwestern aus den Fünfzigern, in denen die Botschaft war, dass Indianer auch Menschen und keine Wilden sind, die von dem tapferen weißen Mann dutzendweise abgeknallt werden. Hier sehen wir sogar die ersten Ursprünge einer sich entwickelnden Affengesellschaft.

In diesen Momenten bleibt die Filmgeschichtesträflich unter ihren Möglichkeiten. Statt den Rassenkonflikts intelligent zu thematiseren und auf die Gegenwart zu beziehen (wie es zum Beispiel die neue Version von „Battlestar Galactica“ tat), bleibt es bei einer rein illustrativen Verwendung, bei der wir zwar Affen und Menschen sehen, es sich aber genausogut um Nachbarn handeln könnte, die ein Wasserproblem mit einigen wenigen Verhandlungen lösen, während in beiden Familien die Söhne etwas Randale machen.

Immerhin wissen wir, wie die Geschichte auf lange Sicht endet; – wenn es nicht dank der Änderung des Ursprungs der Affenherrschaft von einem Atomkrieg in dem Original-Planet-der-Affen-Film zu einer Seuche in diesem Film und des damit verbundenen Reboots, der dann auch, wie in „Star Trek“, auf einer anderen Zeitlinie spielt, in den kommenden Filmen zu einer friedlichen Koexistenz zwischen Affen und Menschen kommt, was immerhin für die Menschen (vulgo: die weißen Siedler) eine gute Nachricht wäre.

Die Tricks sind gelungen, obwohl die Affen sich in den Massenszenen immer noch merkwürdig synchron bewegen, die Proportionen in der 3D-Version öfter falsch sind und einige Bewegungen unnatürlich erscheinen. Aber insgesamt gelingt die Verbindung von realen Drehorten, oft mitten im Wald, und Spezialeffekten. Auch der Sound, der alle Boxen des Kinos, vor allem in den im Dorf der Affen spielenden Szenen, sinnvoll und differenziert ausnutzt gefällt.

Insgesamt ist „Planet der Affen: Revolution“ gelungenes Blockbuster-Kino, bei dem man sein Gehirn nicht am Eingang abgeben muss. Im Gegenteil!

Planet der Affen - Revolution - Plakat

 

Planet der Affen: Revolution (Dawn of the Planet of the Apes, USA 2014)

Regie: Matt Reeves

Drehbuch: Mark Bomback, Rick Jaffa, Amanda Silver

mit Andy Serkis, Jason Clarke, Keri Russell, Gary Oldman, Judy Greer, Toby Kebbell, Kodi Smit-McPhee

Länge: 131 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Affen zum Lesen (und meine Gedanken zu diesen Werken)

Boulle - Planet der Affen - CrossCult

Pierre Boulle: Planet der Affen

(übersetzt von Merle Taeger)

Cross Cult, 2014

272 Seiten

12,80 Euro

Originalausgabe

La Planète des Singes

Editions Julliard, Paris, 1963

Der Roman erschien schon in einer anderen Übersetzung in mehreren Ausgaben.

Keyes - Planet der Affen - Feuersturm

Greg Keyes: Planet der Affen – Revolution: Feuersturm

(übersetzt von Susanne Döpke)

Cross Cult, 2014

384 Seiten

12,80 Euro

Originalausgabe

Dawn of the Planet of the Apes: Firestorm

Titan Books, 2014

Hinweise

Wikipedia über Pierre Boulle (deutsch, englisch, französisch) und  Greg Keyes (deutsch, englisch)

Amerikanische Homepage zum Film „Planet der Affen: Revolution“

Deutsche Facebook-Seite zum Film „Planet der Affen: Revolution“

Film-Zeit über „Planet der Affen: Revolution“

Moviepilot über „Planet der Affen: Revolution“

Metacritic über „Planet der Affen: Revolution“

Rotten Tomatoes über „Planet der Affen: Revolution“

Wikipedia über „Planet der Affen: Revolution“ (deutsch, englisch)

“Planet der Affen”-Wiki

 

Meine Besprechung von Pierre Boulles „Planet der Affen“ (La Planète des Singes, 1963)

Meine Besprechung von Greg Keyes‘ „Planet der Affen – Revolution: Feuersturm“ (Dawn of the Planet of the Apes: Firestorm, 2014)


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