Neu im Kino/Filmkritik: Über Thomas Vinterbergs U-Boot-Tatsachendrama „Kursk“

Juli 11, 2019

Nach einer Explosion eines Torpedos sinkt im August 2000 das russische Atom-U-Boot K-141 Kursk auf den Grund der Barentssee. Als kurz darauf bekannt wird, dass es Überlebende gibt, beginnen die Rettungsaktionen. Weil Russland noch dem Denken des Kalten Kriegs verhaftet ist und Angst vor westlicher Spionage hat, wird über mehrere Tage ausländische Hilfe abgelehnt. Auch später verlaufen die internationalen Rettungsversuche, aufgrund der zahlreichen russischen Restriktionen, sehr schleppend.

Die Weltöffentlichkeit verfolgte, soweit es mit den spärlichen offiziellen Informationen möglich war, die Rettungsversuche. Am 21. August bestätigen die norwegischen Rettungstaucher, dass kein Besatzungsmitglied das Unglück überlebte. Damit gehört der Untergang der Kursk mit 118 Toten zu den größten U-Boot-Unglücken.

2002 veröffentlicht Robert Moore das Sachbuch „A Time to Die“ über die erfolglose Rettungsaktion. Das Buch ist die Grundlage für Thomas Vinterbergs Survivaldrama „Kursk“, das sich, teils notgedrungen, künstlerische Freiheiten nimmt. Er konzentriert sich dabei auf die die Explosion überlebenden 23 Besatzungsmitglieder und ihre Angehörigen. Die Marinesoldaten warten in der Kursk in einer vom restlichen U-Boot abgeschlossenen Kammer auf Rettung, während sie um ihr Überleben kämpfen. Von Anfang an sind Nahrung und Luft Mangelware, das kalte Ozeanwasser dringt in das havarierte U-Boot ein und sie können sich nur durch Klopfzeichen bemerkbar machen. Zur gleichen Zeit versuchen ihre Frauen, Kinder und Eltern im Marinestützpunkt herauszufinden, was passiert ist. Auch sie sind zur Untätigkeit verdammt. Und das russische Militär mauert. Zunächst gibt es keine Informationen, später falsche. Auch die Hilfsangeboten verschiedener westlicher Staaten werden aus ziemlich ausführlich geschilderten politischen Motiven abgelehnt.

Vladimir Putin, der damals seit Mai Präsident der Russischen Föderation war, hat allerdings keinen Auftritt in dem Spielfilm. Noch vor den Dreharbeiten wurde seine Rolle aus dem Drehbuch gestrichen zugunsten des menschlichen Dramas im U-Boot und auf dem Marinestützpunkt.

Kursk“ ist keine patriotische Heldensaga. Das liegt auch daran, dass der Film von Luc Bessons EuropaCorp produziert wurde (Keine Panik. Mit den üblichen Actionfilmen hat er nichts zu tun) und dass es keine russische Beteiligung gibt. Gedreht wurde vor allem in Belgien. Auf Englisch. Deshalb ist auch nichts gegen die deutsche Synchronisation einzuwenden, in der konsequent Deutsch gesprochen wird.

Die Schauspieler kommen aus ganz Europa. Trotzdem spielen erstaunlich viele uns sehr vertraute deutsche Schauspieler mit. Meistens in kleinen Rollen und weil sie international unbekannter sind, erleiden einige von ihnen einen überraschend schnellen Filmtod. Matthias Schweighöfer, August Diehl, Martin Brambach gehören zur U-Boot-Besatzung. Peter Simonischek spielt Admiral Gruzinsky, den russischen kommandierenden Offizier der Marineübung an der die Kursk teilnahm. Er trauert dem Kalten Krieg hinterher. Damals war die Flotte größer und die Übungen imposanter.

Dazu kommen etliche Stars des europäischen Kinos. Matthias Schoenaerts als Mikhail Averin, den kommandierenden Offizier der Kursk. Léa Seydoux als seine schwangere Frau Tanya. Max von Sydow als Admiral Petrenko, der auch das Gesicht der russischen Regierung ist und der die Bedürfnisse des Staates über das Überleben der Soldaten stellt. Und Colin Firth als britischer Commodore David Russell, der den Russen Hilfe bei der Rettung der Kursk-Besatzung anbietet. Der echte David Russell beriet auch das Filmteam und Colin Firth.

Allein schon diese äußeren Umstände sprechen gegen das patriotische Hohelied auf den tapferen russischen Soldaten.

Am wichtigsten ist allerdings Vinterbergs betont nüchterne Erzählweise. Sie bereitet einen schon lange vor dem Ende auf das düstere Ende vor. Sie verhindert allerdings auch einen zu großen emotionalen Überschwang. Die Taschentücher müssen bei diesem Überlebensdrama nicht ausgepackt werden. Pulstreibend spannend wird es bei den zahlreichen russischen Rettungsversuchen, die alle aufgrund des maroden und veralteten Materials scheitern, auch nicht. Gleichzeitig verschont Vinterberg einen vor dem überbordenden Pathos der Michael-Bay-Schule.

Kursk (Kursk, Belgien/Frankreich/Norwegen 2018)

Regie: Thomas Vinterberg

Drehbuch: Robert Rodat

LV: Robert Moore: A Time to Die: The Untold Story of the Kursk Tragedy, 2002 (aktualisierte Neuausgabe unter „Kursk“)

mit Matthias Schoenaerts, Léa Seydoux, Peter Simonischek, August Diehl, Max von Sydow, Colin Firth, Bjarne Henriksen, Magnus Millang, Artemiy Spiridonov, Joel Basman, Matthias Schweighöfer, Pernilla August, Martin Brambach

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Kursk“

Metacritic über „Kursk“

Rotten Tomatoes über „Kursk“

Wikipedia über „Kursk“ und die Kursk (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Thomas Vinterbergs „Am grünen Rand der Welt“ (Far from the Madding Crowd, USA/Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Thomas Vinterbergs „Die Kommune“ (Kollektivet, Dänemark 2016)

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Neu im Kino/Filmkritik: „100 Dinge“ und Matthias Schweighöfer und Florian David Fitz

Dezember 8, 2018

Wer sich nach einem Blick auf Plakat und Trailer fragt, wie oft man die Herren Schweighöfer und Fitz in einem ab 6 Jahren freigegebenem Film nackt sieht, muss nicht weiterlesen: man sieht sie oft. Vor allem Matthias Schweighöfer läuft erstaunlich oft nackt durch das Bild und er hat irgendwann vor dem Dreh ein umfangreiches Muskelaufbauprogramm absolviert. Das fällt vor allem am Ende des Films auf; nach einer Szene, die jeder Berliner sofort als Fantasie erkennt.

Wer wissen will, ob sich der Film „100 Dinge“ lohnt, kann weiterlesen.

Matthias Schweighöfer und Florian David Fitz (auch Drehbuch und Regie) spielen die Jugendfreunde Toni Katz und Paul Konaske, die kaum gegensätzlicher sein könnten. Während Paul (Florian David Fitz) mühelos jedes Weckerklingeln ignoriert, eine riesige Auswahl nie getragener, brandneuer Sneakers hat und gerade, wie in „Her“, in die Stimme der künstlichen Intelligenz seines Smartphones verliebt ist, ist Toni (Matthias Schweighöfer) das komplette Gegenteil. Er ist schon vor dem ersten Weckerklingeln wach, steckt mehr Zeit und Arbeit in sein Aussehen als jede Frau und er ist der perfekte aalglatte Verkäufer. Sie könnten kaum unterschiedlicher sein. Trotzdem gründeten sie gemeinsam eine Firma. Ihr Start-Up entwickelte eine App, die ihren Kunden mit lieblicher Stimme und persönlicher Ansprache bei der täglichen Lebensgestaltung hilft und Kauftipps gibt. Diese App, die Paul gerade testet, präsentieren sie dem US-Internet-Milliardär David Zuckermann (Artjom Gilz, der wie eine schlechte Mark-Zuckerberg-Kopie aussieht).

Also die beiden Firmengründer präsentieren ihre Idee nicht dem großen Boss, sondern einem Kuratorium gelangweilter Angestellter. Aber weil Zuckemann zuhört und er in ihrer Idee Potential sieht, gibt er ihnen einen millionenschweren Entwicklungsauftrag und er will demnächst Berlin besuchen.

Am Abend feiern Paul und Toni mit ihren Angestellten das Riesengeschäft. Während der Büroorgie beginnen Paul und Toni sich zu streiten. Denn Toni behauptet, Paul sei viel zu konsumsüchtig und unbeherrscht, um nur einen Tag auf etwas zu verzichten. Er sei das perfekte Opfer für ihre App. Ein Wort gibt das nächste, bis Paul eine Wette vorschlägt: er und Toni verzichten jetzt sofort auf alles. In den kommenden 100 Tagen darf jeder sich jeden Tag einen Gegenstand aus einem Lagerraum, in dem ihre persönliche Habe deponiert ist, zurückholen. Wer als erster gegen die Regeln verstößt, hat die Wette verloren. Der Wetteinsatz ist die eigene Hälfte der Firma.

100 Dinge“ ist eine der Komödien, bei der man viel Zeit auf vollkommen unwichtige Fragen verwenden kann, wie warum einmal Schnee in Berlin liegt und einmal nicht. Es sind Fragen, die in einem besseren Film egal wären. Aber im zweiten gemeinsamen Film von Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer stimmt so wenig, dass solche Fragen wichtig werden.

Das beginnt schon mit ihren durchgehend unglaubwürdigen, meist hoffnungslos überdreht agierenden Charakteren. Sie sind so verschieden, dass ihre jahrzehntelange Freundschaft nie auch nur einen Hauch von Glaubwürdigkeit hat. Dazu kommt, dass sie, wie Erzfeinde, ständig versuchen, sich zu betrügen. Sie sind Kunstfiguren mit Problemen, die in diesem Licht auch künstlich erscheinen. So müssen wir einfach glauben, dass Paul sich in die Stimme seiner von ihm programmierten App verliebte. Warum und wieso ist in „100 Dinge“ egal. In Spike Jonzes „Her“ verstanden wir intellektuell und emotional, warum der einsame Theodore Twombly sich in die liebliche Computerstimme verliebte.

Die um Paul und Toni und ihre Wette herumgesponnene Geschichte, in der sie selbstverständlich auch eine Frau kennenlernen und auch einige persönliche Problemchen verarbeiten, streift dann etliche aktuelle und wichtige Themen, ohne sie jemals zu vertiefen. Stattdessen darf ein Kapitalismusjunkie die Liebe seines Lebens entdecken und am Ende wird alles gut, weil der Drehbuchautor es so will. Besser wäre es gewesen, weil die Figuren es so wollen. Garniert wird das ganze mit begrüßenswerter, aber wohlfeiler und nicht besonders glaubwürdiger Konsumkritik.

100 Dinge“ ist eine langweilig-vorhersehbare Komödie, deren Halbwertzeit schon auf dem Weg vom Kino zum gegenüberliegenden Konsumtempel überschritten wird.

100 Dinge (Deutschland 2018)

Regie: Florian David Fitz

Drehbuch: Florian David Fitz

mit Florian David Fitz, Matthias Schweighöfer, Miriam Stein, Hannelore Elsner, Wolfgang Stumph, Maria Furtwängler, Katharina Thalbach, Artjom Gilz

Länge: 111 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „100 Dinge“

Moviepilot über „100 Dinge“

Wikipedia über „100 Dinge“


Neu im Kino/Filmkritik: „Robinson Crusoe“, werkfern interpretiert in 3D

Februar 4, 2016

Die Geschichte von Robinson Crusoe dürfte allgemein bekannt sein. Immerhin ist Daniel Defoes Roman oft genug wieder veröffentlicht und verfilmt worden. Auch als auf dem Mars spielendes Science-Fiction-Abenteuer, das bei uns „Notlandung im Weltraum“, im Original „Robinson Crusoe on Mars“ heißt.
Jetzt erzählen Vincent Kesteloot und das belgische Studio nWave („Das magische Haus“, „Sammys Abenteuer“ und zahlreiche IMAX-Filme) die Geschichte als Animationsfilm und aus der Sicht eines Papageien. Warum auch nicht? Immerhin ist ihre „Robinson Crusoe“-Version ein Kinderfilm und eine altbekannte Geschichte kann neu interpretiert werden. Wobei, und das ist ein Problem des Films, die Filmgeschichte nichts mehr mit Defoes Geschichte zu tun hat. Außer, dass ein Mann auf einer einsamen Insel strandet. Der Rest ist dann freie Erfindung der Macher.
Auf der Insel befreunden sich, nach anfänglichem Misstrauen, die einheimischen Tiere und der Schiffbrüchige. Sie kämpfen gegen zwei biestige Schiffskatzen, die ebenfalls die Katastrophe überlebten, und gegen Piraten, die auf der Insel ein Feuer bemerken und deshalb die Insel ansteuern. Diese Geschichte, und das ist das große Problem des Films, ist nur die Ausgangssituation für nicht enden wollende und schnell ermüdende Slapstick-Actionszenen, die von etwas Klamauk (in der betont norddeutschen Synchronisation besonders klamaukig) unterbrochen werden. Das unterhält über die Filmlänge höchstens sehr kleine Kinder, denen, solange die Pixel sich bewegen, so etwas wie Charakterentwicklung, Plot, Thema und Subtext egal sind
So unbefriedigend „Robinson Crusoe“ auf der erzählerischen Ebene ist, so gelungen sind die Animationen in 3D. Da stimmt jedes Detail. Das Schiff, die Insellandschaften, sich bewegende Blätter und das Wasser, egal, ob es sich um einen Ozean oder eine Pfütze handelt, sind absolut realistisch. Auch die Figuren und ihre Bewegungen sind, innerhalb des Slapstick-Universums, absolut realistisch. Das hat in den 3D-Animationen eine atemberaubende Qualität, die locker mit den Spezialeffekten von Hollywood-Blockbustern mithalten kann.
Nur: wer will sich im Kino eine neunzigminütige Produktwerbung ansehen?

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Robinson Crusoe (Robinson Crusoe, Belgien/Frankreich 2015)
Regie: Vincent Kesteloot
Drehbuch: Lee Christoper, Domonic Paris, Graham Welldon (nach einer Idee von Chris Hubbell, Sam Graham, Domonic Paris und Ben Stassen)
mit (in der deutschen Fassung den Stimmen von) Matthias Schweighöfer, Kaya Yanar, Cindy aus Marzahn, Dieter Hallervorden, Aylin Tezel
Länge: 90 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
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Moviepilot über „Robinson Crusoe“
Wikipedia über „Robinson Crusoe“


Neu im Kino/Filmkritik: „Vaterfreuden“ für Matthias Schweighöfer

Februar 6, 2014

Ich erwartete wirklich kein Meisterwerk, keine hohe Filmkunst, aber „Vaterfreuden“, der neue Film des so sympathisch verpeilt in die Kamera guckenden Schwiegermutterlieblings Matthias Schweighöfer ist dann doch ungefähr so unterhaltsam wie ein Zugunglück; – was vielleicht die Zuschauerzahlen erklärt.

Denn die Macher erwischen zielsicher in fast jeder Szene den falschen Ton und es gelingt ihnen nie, den gar nicht so komplexen Stoff, immerhin will „Vaterfreuden“ nie mehr als eine RomCom sein, in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen.

Dabei werden die größten Fehler in den ersten Minuten gemacht und der gesamte restliche Film leidet dann an diesen grundlegenden Story-Problemen. Dabei gab es, laut Abspann, fünf Drehbuchautoren, eine Drehbuch-Mitarbeit, einem Script Consultant und eine dramaturgischen Beratung.

Vaterfreuden“ beginnt nämlich mit einer dieser heißen Sexszenen, in denen sie jugendfrei-züchtig ihren BH anbehält (Oder wird das neuerdings so gemacht?). Während des Geschlechtsverkehrs sagt sie ihm, dass sie ihren Eisprung habe und jetzt ein Kind will. Felix (Matthias Schweighöfer) kriegt eine Panikattacke und versucht sie möglichst schnell aus dem Bett zu werfen. Es gelingt ihm und sie faselt nachher, seltsamerweise überhaupt nicht wütend, etwas von Rodeo-Sex. Später erfahren wir, dass seine Freundin verheiratet ist. Jetzt erscheint ihr Kinderwunsch in einem anderen und die Panikattacke von Felix in einem arg irrationalem Licht.

Jedenfalls wissen wir nach der ersten Szene: Felix will keine Kinder haben.

Danach geht es etwas rein ins schöne Junggesellenleben und der immer wieder – glaubhaft – betonten Freude, kein Vater zu sein und keinen Beziehungsstress zu haben.

Felix wird von seinem blöden, älteren Bruder Henne (Friedrich Mücke) besucht, der auch gleich sein Haustier, ein Frettchen, mitbringt und Felix von einem seiner Jobs erzählt: Samenspender. Felix, chronisch pleite, aber in einer dieser loftartigen Dachwohnungen, hier in der Ausführung mit viel Holz, die in München wohl für ein Taschengeld zu bekommen sind, lebend, spendet ebenfalls seinen Samen. Der Klinikleiter ist begeistert von der hohen Qualität von Felix‘ Samen.

Unsere Lehre nach dieser Szene: Felix hat einen exorbitant guten Samen und, nach anfänglichem Zögern, gefällt ihm diese Arbeit. Denn Samenspenden ist viel Geld für wenig Arbeit und garantiert ohne Verantwortung.

Kurz darauf startet seine Freundin einen zweiten Rodeo-Reiten-Versuch. Sie fesselt Felix, träufelt eine Flasche Honig auf seinen Bauch und geht auf den Balkon, um mit ihrem Freund zu telefonieren. Anschließend verschwindet sie aus der Geschichte.

Während des Telefonats beißt sich das Frettchen in Felix‘ honigverschmiertem Geschlechtsteil fest – und er ist danach impotent.

Eigentlich müsste Felix sich jetzt freuen. Ihm ist zwar eben eine Verdienstmöglichkeit abhanden gekommen (die er eh etwas suspekt beurteilte), aber ab jetzt kann er jederzeit Sex haben und muss sich nicht mehr um die Folgen kümmern.

Aber weil das Drehbuch es so will, will er jetzt unbedingt Vater werden und weil sein gespendeter Samen bereits im Körper der „Sky“-Moderatorin Maren (Isabell Polak) ist, versucht er ihr Herz zu gewinnen. Die ist schon in festen Händen und hält Felix für einen vollkommen unmöglichen Trottel.

Ab jetzt folgt der Film den ausgetretenen RomCom-Pfaden, in denen die Szenen mit den Kindern ganz nett sind und das Product-Placement ungeahnte und oft peinliche Höhen erreicht. Besonders unangenehm wird es, wenn zweimal schamlos im Stil eines Werbeclips für eine Fast-Food-Kette geworben wird. Das ist Werbung als Teil des Films und nicht als Unterbrechung des Films.

Ach, ja: später, viel später, erfahren wir, dass Felix vor zehn Jahren eine schwangere Freundin hatte, die bei einem Autounfall starb. Seitdem fährt er Fahrrad und trauert ihr immer noch nach. Dieses traumatische Erlebnis könnte wirklich als Erklärung für seine Bindungsscheu und seine Panik, als er von seiner Impotenz erfährt, erklären. Aber wenn die Macher dieses Erlebnis wirklich als Erklärung für sein jetziges Leben hätte nehmen wollen, dann hätten die vielen Drehbuchautoren und dramaturgischen Berater die im Abspann genannt werden, das doch sicher am Anfang des Films gesagt.

Eine Komödie hätte es danach immer noch werden können. Wobei „Vaterfreuden“ eine ziemlich witzarme Komödie voller Klischees ist. So sind alle Frauen, die nicht gerade Playmate-taugliche Maße haben, dumm. Bei dem Entsetzen über dieses unstimmige Werk mit Fünfziger-Jahre-Moral und biederem Humor (garniert mit einigen Schimpfworten) blieb mir das Lachen im Hals stecken.

Dabei gehöre ich wirklich nicht zu den Menschen, die einen Film schon allein wegen des Hauptdarstellers ablehnen.

Vaterfreuden - Plakat

Vaterfreuden (Deutschland 2013)

Regie: Matthias Schweighöfer, Torsten Künstler (Co-Regie)

Drehbuch: Sebastian Wehlings, Christian Lyra, Andrea Willson, Murmel Clausen, Matthias Schweighöfer, Simon Verhoeven (Script Consultant), Sarah Altmann (Drehbuch-Mitarbeit)

LV: Murmel Clausen: Frettsack, 2012 (wegen der Verfilmung jetzt „Vaterfreuden“)

mit Matthias Schweighöfer, Isabell Polak, Friedrich Mücke, Tom Beck, Katharina Schüttler, Luise Bähr, Alexander Khuon, Moritz Grove, Margarita Broich, Detlev Buck, Michael Gwisdek

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 6 Jahre (erstaunlich)

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Vaterfreuden“

Moviepilot über „Vaterfreuden“

Wikipedia über „Vaterfreuden“

Homepage von Murmel Clausen


TV-Tipp für den 14. Mai: Night Train

Mai 14, 2013

 

Tele 5, 22.20

Night Train (USA 2009, R.: Brian King)

Drehbuch: Brian King

Weihnachten: in allerletzter Sekunde kann ein Mann, der ein Holzkästchen bei sich hat, irgendwo im Nirgendwo einen Zug besteigen. Kurz darauf ist er tot. Seine Mitreisenden erblicken in dem Kästchen Juwelen – und die Gier nach ihnen bestimmt fortan das Handeln der Reisenden.

Night Train“ ist einer der kleinen Filme, die auf einem begrenzten Raum und mit wenigen Schauspielern eine ordentliche Portion an Thrill herausholen. Früher wäre „Night Train“ als eine Folge der „Twilight Zone“ oder von „Alfred Hitchcock präsentiert“ durchgegangen.

mit Danny Glover, Steve Zahn, Leelee Sobieski, Matthias Schweighöfer, Takatsuna Mukai, Togo Igawa, Richard O’Brien, Jo Marr, Constantine Gregory, Geoff Bell

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Night Train“

Wikipedia über „Night Train“

Meine Besprechung von Brian Kings „Night Train“ (Night Train, USA 2009)


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