Neu im Kino/Filmkritik: „31 – A Rob Zombie Film“ – muss ich noch mehr sagen?

Oktober 28, 2016

Regisseur Rob Zombie ist auch Heavy-Metal-Musiker und Musikvideo-Regisseur und das sieht man in seinem neuesten Spielfilm „31 – A Rob Zombie Film“ in jeder Sekunde.

1976 werden an Halloween fünf abgebrannte Jahrmarkts-Mitarbeiter entführt. In einer Fabrikruine sollen sie als höchst unfreiwillige Mitspieler in dem Spiel 31 um ihr Überleben kämpfen. Gejagt werden sie dabei von durchgeknallt-teuflischen Wesen aus dem Gruselkabinett des Schreckens, deren Namen – Doom-Head, Sick-Head, Schizo-Head, Psycho-Head, Death-Head und Sex-Head – Programm sind. Die dekadenten Spielmacher Father Murder, Sister Serpent und Sister Dragon betrachten dabei das von ihnen orchestrierte Spiel als einen Zeitvertreib, bei dem nicht auf das Überleben der Opfer, sondern auf den Zeitpunkt ihres Ablebens gewettet wird.

Als Spielfilm mit einer stringenten Geschichte und glaubwürdigen Charakteren, für diem irgendetwas empfindet, funktioniert „31“ nicht, weil beides nicht vorhanden ist und Rob Zombie in seinem siebten Kinofilm daran auch überhaupt kein Interesse hat.

Als grelle Nummernrevue, inszeniert im Stil eines Musikvideos für eine trashige Heavy-Metal-Band, funktioniert „31“ dagegen ziemlich gut. Wie bei einem Musikvideo sind die Bilder oft dunkel und es wird viel mit Gegenlicht gearbeitet, weshalb man die zahlreichen blutigen Details mehr erahnt als sieht.

Für seine Bildtableaus hat Rob Zombie, erweitert um einige persönliche Vorlieben, einfach alles genommen, was es an Konvergenzen zwischen dem Fundus des Horrorfilms und dem Heavy-Metal-Bildreservoir gibt und es liebevoll angeordnet. Fast jede Szene funktioniert als Standbild, als Abruf von bereits in das kollektive Gedächtnis eingebrannten Bildern und Bildfolgen, gut. Nur eine Geschichte ergibt sich daraus nicht.

Allerdings dürfte auch kein Rob-Zombie-Fan wegen der Geschichte ins Kino gehen. Alle anderen können getrost auf das Spektakel verzichten.

31-plakat

31 – A Rob Zombie Film (31, USA/Großbritannien 2016)

Regie: Rob Zombie

Drehbuch: Rob Zombie

mit Sheri Moon Zombie, Meg Foster, Lawrence Hilton-Jacobs, Jeff Daniel Phillips, Kevin Jackson, Malcolm McDowell, June Carr, Judy Geeson, Richard Braker

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „31“

Metacritic über „31“

Rotten Tomatoes über „31“

Wikipedia über „31“ (deutsch, englisch)

Rob Zombie stellt den Film in Sundance vor (mit Wackelkamera und Solala-Ton)

Rob Zombie redet bei Alternative Press über „31“ und seine Filmpläne

und das macht Rob Zombie, wenn er keine Filme macht

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TV-Tipp für den 22. November: Der Smaragdwald

November 22, 2015

Arte, 20.15
Der Smaragdwald (Großbritannien 1985, Regie: John Boorman)
Drehbuch: Rospo Pallenberg
Während der Vater als Ingenieur ein Staudammprojekt im Amazonas überwacht, verschwindet sein siebenjähriger Sohn Tommy spurlos. Bill Markahm sucht ihn und als er ihn nach einer zehnjährige Suche bei einem zurückgezogen lebendem Indiostamm findet, erlebt er eine Überraschung.
Man kann „Der Smaragdwald“ als geglückte und sehr eigenständige Variante von John Fords „Der schwarze Falke“ (mit John Wayne) sehen, oder einfach als ein bildgewaltiges, von einem wahren Fall von 1972 inspiriertes Ökoabenteuer. Während der Dreharbeiten erfuhr Boorman von weiteren ähnlichen Fällen.
In jedem Fall ist „Der Smaragdwald“ ein weiterer lohnenswerter Film von Regisseur John Boorman („Point Blank“, „Beim Sterben ist jeder der erste“, „Der Genera“, „Der Schneider von Panama“). Es ist ein vor Ort gedrehtes, facettenreiches Plädoyer für den Schutz des Regenwaldes und die Rechte der Ureinwohner.
„Ein meisterhafter Abenteuerfilm von mitreisender Schönheit ist dabei entstanden – als geglückte Mischung aus Fantasy- und Actionelementen, aus Mythologie und Anthropologie -, der sich nie in einer idyllisch-heilen Scheinwelt verliert, sondern beiläufig und unaufdringlich an die Gefährdung des Dschungels und seiner Bewohner durch Technik und Zivilisation gemahnt.“ (Fischer Film Almanach 1986)
mit Powers Boothe, Meg Foster, Charley Boorman, William Rodriguez, Yara Vaneau, Estee Chandler, Dira Paes, Rui Polonah, Maria Helena Velasco, Tetchie Agbayani, Claudio Moreno

Wiederholungen

Montag, 23. November, 14.00 Uhr

Freitag, 11. Dezember, 14.00 Uhr

Hinweise
Arte über „Der Smaragdwald“
Rotten Tomatoes über „Der Smaragdwald“
Wikipedia über „Der Smaragdwald“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von John Boormans „Zardoz“ (Zardoz, USA 1973 – Kult mit Sean Connery)
John Boorman in der Kriminalakte


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