DVD-Kritik: „Unlocked“ – Agentenspielereien in London

Oktober 24, 2017

Nachdem Alice Racine in Paris einen Anschlag nicht verhindern konnte, nimmt die CIA-Verhörspezialistin eine Auszeit vom aktiven Dienst zugunsten eines ruhigen Undercover-Jobs. In London lebt sie jetzt unauffällig als Sozialarbeiterin und trifft sich immer wieder mit ihren Kontaktleuten vom britischen und amerikanischen Geheimdienst.

Eines Tages erhält sie eine Nachricht: sie soll einen Kurier für einen islamistischen Terrorpaten befragen. Die Informationen könnten einen B-Waffen-Anschlag verhindern.

Während des Verhörs erhält sie einen Anruf von der CIA, die sie für genau dieses Verhör haben möchte. In dem Moment ist ihr klar, dass die Londoner CIA-Abteilung von irgendwelchen Bösewichtern unterwandert wurde und die Männer, die das Verhör überwachen, keine CIAler sind.

Racine versucht mit dem Gefangenen, der ihr vertraut, zu flüchten. Er wird auf ihrer Flucht aus dem Verhörzimmer (das in einem Hotel ist) erschossen. Als sie ihren väterlichen CIA-Vertrauten Eric Lasch um Rat fragen will, wird dieser ebenfalls erschossen.

Vor seinem Tod hat er ihr die Adresse eines dem CIA unbekannte, sicheren Wohnung verraten.

Als sie sie betritt, erwischt sie den Einbrecher Jack Alcott auf frischer Tat. Er belauscht ihr Telefonat mit dem Leiter des Londoner CIA-Büros, rettet sie vor einigen schwerbewaffneten Polizisten und will ihr unbedingt helfen, den geplanten Anschlag zu verhindern.

Aber kann sie ihm vertrauen? Und, viel wichtiger, warum sollte sie ihm vertrauen?

Das ist wahrscheinlich der unglaubwürdigste Moment in Michael Apteds Agenten-Thriller „Unlocked“: ein Einbrecher will einer Agentin helfen, anstatt möglichst schnell abzuhauen. Und sie ist, ohne einen ersichtlichen Grund, einverstanden. Sie ist eine ausgezeichnete Kämpferin; – Hey, sie wird von „Lisbeth Salander“ Noomi Rapace gespielt, die, ohne mit der Wimper zu zucken, Computertastaturen und Sandsäcke vertrimmt. Sie kann mehrere Sprachen. Sie kennt sich mit Computern aus. Sie hat immer noch ausgezeichnete Verbindungen in die Geheimdienste. Kurz: Sie braucht Alcott nicht.

Der Plot selbst ist eine dieser sattsam bekannten Agentengeschichten, in der wir überrascht sein sollen, wenn sich der gute Vorgesetzte als Bösewicht entpuppt, der den Anschlag plant, weil er die Politiker in Washington oder London für Weicheier hält und er nur so die nötigen Rechte und Mittel für seinen Kampf gegen den islamistischen Terror erhält. Als müssten Geheimdienste seit 9/11 mit schrumpfenden Budgets und immer weniger Rechten kämpfen.

Trotzdem ist gegen diesen, zugegeben hanebüchenen, Plot nichts einzuwenden, wenn er richtig präsentiert wird. Dann vergisst man gerne, dass diese unglaublich komplizierten Verschwörungen, in denen jeder jeden betrügt, nur im Universum eines Films funktionieren können. Wobei „Unlocked“ auch hier mit einigen bemerkenswerten Plotlöchern zu kämpfen hat, deren Diskussion ich mir jetzt erspare, weil sie zu viel von der Geschichte und den überraschenden Wendungen verraten würde.

Michael Apted, der mit Filmen wie „Gorky Park“, „Gorillas im Nebel“, „Halbblut“, „James Bond: Die Welt ist nicht genug“ und „Enigma“ zeigte, dass er sein Handwerk in ungefähr jedem Genre versteht, inszenierte „Unlocked“ als bräsige Pflichtübung, die, auch wegen des Drehbuchs, niemals auch nur ansatzweise das Potential der Geschichte ausschöpft oder von seinem Cast mehr als Dienst nach Vorschrift verlangt. Und der kann sich sehen lassen. Neben Rapace spielen Orlando Bloom, Toni Collette, John Malkovich und Michael Douglas mit. Ohne erkennbares Engagement auf Autopilot in einem Agententhriller, der ebenfalls auf Autopilot ins Ziel fliegt.

Unlocked (Unlocked, USA 2017)

Regie: Michael Apted

Drehbuch: Peter O’Brien

mit Noomi Rapace, Orlando Bloom, Toni Collette, John Malkovich, Michael Douglas, Matthew Marsh, Makram Khoury, Brian Caspe, Philip Brodie, Tosin Cole, Michael Epp, Tom Reed

Blu-ray

Universum Film

Bild: 2,40:1 (1080p/24)

Ton: Deutsch, Englisch (DTS-HD 5.1 MA)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Trailer

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Unlocked“

Metacritic über „Unlocked“

Rotten Tomatoes über „Unlocked“

Wikipedia über „Unlocked“

Meine Besprechung von Curtis Hanson/Michael Apteds „Mavericks – Lebe deinen Traum“ (Chasing Mavericks, USA 2012)

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TV-Tipp für den 18. März: Gorky Park

März 18, 2016

3sat, 22.35

Gorky Park (USA 1983, Regie: Michael Apted)

Drehbuch: Dennis Potter

LV: Martin Cruz Smith: Gorky-Park, 1981 (Gorki Park)

Im Moskauer Gorki Park werden drei verstümmelte Leichen gefunden. Inspektor Renko kommt bei seinen Ermittlungen einer Staatsaffäre auf die Spur.

Martin Cruz Smith schuf mit dem sowjetischen Ermittler Arkadi Renko eine enorm erfolgreiche Serienfigur. Für „Gorky-Park“ erhielt er den Gold Dagger.

Die Verfilmung missfiel der damaligen Filmkritik: „voller naiver Klischees, in der Charakterzeichnung oberflächlich, ohne Stimmung und Atmosphäre. Auch als Genre-Film spröde und spannungslos.“ (Lexikon des internationalen Films). Oder „Nun sind Klischees…nichts schlimmes, wenn nur alles andere stimmt: eine komplexe, nachvollziehbare Story, spannende Atmosphäre, interessante Charaktere und physische Aktion. Das alles aber hat Gorky Park in zu geringem Maße.“ (Fischer Film Almanach 1985).

Wie so oft wurde aus einem guten Buch ein mittelmäßiger Film.

Dennis Potters Drehbuch erhielt den Edgar.

Mit William Hurt, Lee Marvin, Brian Dennehy, Joanna Pacula, Ian Bannen

Hinweise

AllMovie über “Gorky Park”

Rotten Tomatoes über “Gorky Park”

Turner Classic Movies über “Gorky Park”

Wikipedia über “Gorky Park” (deutsch, englisch)

Homepage von Martin Cruz Smith

Meine Besprechung von Martin Cruz Smiths „Stalins Geist“ (Stalin’s Ghost, 2007)

Meine Besprechung von Martin Cruz Smiths „Die goldene Meile“ (Three Stations, 2010)

Meine Besprechung von Martin Cruz Smiths „Gorki Park“ (Gorky Park, 1981)

Meine Besprechung von Martin Cruz Smiths „Tatjana“ (Tatjana, 2013)


TV-Tipp für den 29. September: James Bond: Die Welt ist nicht genug

September 29, 2014

Nummer Drei der James-Bond-ZDF-Reihe

ZDF, 22.15

JAMES BOND: Die Welt ist nicht genug (USA/Großbritannien 1999, Regie: Michael Apted)

Drehbuch: Bruce Feirstein, Neal Purvis, Robert Wade

LV: Figur von Ian Fleming

Buch zum Film: Raymond Benson: The World is not enough, 1999 (Die Welt ist nicht genug)

Nachdem Öl-Mogul King im Hauptquartier von MI-6 in die Luft gesprengt wurde, wird Bond als Bodyguard für dessen schöne Tochter Elektra abgestellt.

Mit Michael Apted engagierten die Bond-Macher einen renomierten Regisseur (u. a. Gorky Park, Gorillas im Nebel, Halbblut, Nell), der bis dahin nicht durch Action-Filme aufgefallen war. Im Rahmen dieser Produktion wurde er zum willigen Erfüllungsgehilfen einer wie üblich haarsträubenden Geschichte.

Mit Pierce Brosnan, Sophie Marceau, Robert Carlyle, Denise Richards (trotz eines Razzie die beste Werbung für den unbeliebten Job eines Atomphysikers), Robbie Coltrane, Claude Oliver Rudolph, John Cleese, Serena Scott Thomas, Goldie

Wiederholung: ZDFneo, Dienstag, 30. September, 00.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „James Bond: Die Welt ist nicht genug“

Wikipedia über „James Bond: Die Welt ist nicht genug“ (deutsch, englisch)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung des James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Martin Campbells TV-Serie “Am Rande der Finsternis” (Edge of Darkness, GB 1985 – DIE Vorlage für “Auftrag Mord”)

Meine Besprechung von Martin Campbells „Green Lantern” (Green Lantern, USA 2011)


TV-Tipp für den 19. Mai: Gorky Park

Mai 19, 2013

3sat, 22.10

Gorky Park (USA 1983, R.: Michael Apted)

Drehbuch: Dennis Potter

LV: Martin Cruz Smith: Gorky-Park, 1981 (Gorki Park)

Im Moskauer Gorki Park werden drei verstümmelte Leichen gefunden. Inspektor Renko kommt bei seinen Ermittlungen einer Staatsaffäre auf die Spur.

Martin Cruz Smith schuf mit dem sowjetischen Ermittler Arkadi Renko eine enorm erfolgreiche Serienfigur. Für „Gorky-Park“ erhielt er den Gold Dagger.

Die Verfilmung missfiel der damaligen Filmkritik: „voller naiver Klischees, in der Charakterzeichnung oberflächlich, ohne Stimmung und Atmosphäre. Auch als Genre-Film spröde und spannungslos.“ (Lexikon des internationalen Films). Oder „Nun sind Klischees…nichts schlimmes, wenn nur alles andere stimmt: eine komplexe, nachvollziehbare Story, spannende Atmosphäre, interessante Charaktere und physische Aktion. Das alles aber hat Gorky Park in zu geringem Maße.“ (Fischer Film Almanach 1985).

Wie so oft wurde aus einem guten Buch ein mittelmäßiger Film.

Dennis Potters Drehbuch erhielt den Edgar.

Mit William Hurt, Lee Marvin, Brian Dennehy, Joanna Pacula, Ian Bannen

Hinweise

AllMovie über „Gorky Park“

Rotten Tomatoes über „Gorky Park“

Turner Classic Movies über „Gorky Park“

Wikipedia über „Gorky Park“ (deutsch, englisch)

Homepage von Martin Cruz Smith

Meine Besprechung von Martin Cruz Smiths „Stalins Geist“ (Stalin’s Ghost, 2007)


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