Neu im Kino/Filmkritik: „The Perfect Guy“ ist nicht der Traumprinz

Dezember 3, 2015

Nach einem Streit mit ihrem Freund trifft Leah Vaughn (Sanaa Lathan) in der Schlange eines Cafés auf Carter Duncan (Michael Ealy), einen höflichen und sehr aufmerksamen Mann. Als sie sich kurz darauf von Dave (Morris Chestnut) trennt, weil er sie noch nicht heiraten will, trifft sie wieder, wieder scheinbar zufällig, Carter. Sie verabreden sich zum Essen und eins kommt zum anderen. Carter ist wirklich der titelgebende „Perfect Guy“, der sogar von Leahs knurrigem Vater schnell akzeptiert wird.
Dummerweise, und das ist jetzt keine große Überraschung, hat Carter auch eine dunkle Seite. An einer Tankstelle verprügelt er einen Mann, der sich mit Leah unterhält und als sie sich danach, schockiert von der für sie ungewohnten Gewaltätigkeit, von Carter trennt, beginnt der verschmähte Liebhaber sie zu verfolgen. Denn ein „Nein“ akzeptiert der Stalker nicht.
Wer auch nur einen dieser zahlreichen Thriller gesehen hat, in denen ein Mensch eine verhängnisvolle Affäre hat, kann sich schnell die Geschichte von „The Perfect Guy“ bis zur letzten Minute ausmalen. Auf dieser Ebene gibt es in David M. Rosenthals ansprechend inszeniertem Film keine einzige Überraschung. Auch das Ende, wenn Leah, nach einem Gespräch mit einem verständnisvollem Polizisten, sich eine Schrotflinte besorgt hat, und alles auf die finale und tödliche Konfrontation hinausläuft, ist vorhersehbar. Was schade ist. Denn Leah ist als gut bezahlte Lobbyistin eigentlich eine intelligente Frau, die, wenn sie nur zwei Sekunden nachgedacht hätte, sicher eine viel smartere Lösung gefunden hätte, um Carter zu besiegen. Das hätte dem Thriller dann auch eine interessante Note verpasst.
Überraschend bei dem Film ist allerdings die, bis auf den Polizisten und wenige Nebenfiguren, ausschließlich afroamerikanische Besetzung, die hier alle typische gut gekleidete, gut aussehende, sich gut benehmende, in schönen Häusern lebende WASP-Charaktere verkörpern. Das ist bei Hollywood-Filmen immer noch ziemlich selten.

The Perfect Guy - Plakat

The Perfect Guy (The Perfect Guy, USA 2015)
Regie: David M. Rosenthal
Drehbuch: Tyger Williams (nach einer Geschichte von Alan McElroy und Tyger Williams)
mit Sanaa Lathan, Michael Ealy, Morris Chestnut, Charles S. Dutton, Tess Harper, Kathryn Morris, Rutina Wesley, Holt McCallany
Länge: 100 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Perfect Guy“
Moviepilot über „The Perfect Guy“
Metacritic über „The Perfect Guy“
Rotten Tomatoes über „The Perfect Guy“
Wikipedia über „The Perfect Guy“


Neu im Kino/Filmkritik: Junggesellenabschied in „Last Vegas“

November 15, 2013

Inzwischen sind Filme, in denen alte Säcke Jungspunden (aka Unter-Fünfzigjährige) zeigen, wo der Hammer hängt, ein eigenes Subgenre. Das war anfangs, ungefähr zwischen „The Expendables“ und „R. E. D.“, als Umkehrung der Erwartungen, auch witzig. Inzwischen ist der Witz verpufft. Auch „Last Vegas“, das schon vor dem Filmstart – nicht unzutreffend -, als gerontologische Variante von „Hangover“ und als weitere Ergänzung zu den Filmen, über Männer, die nicht erwachsen werden wollen, beschrieben wurde, ändert das Bild nicht. Wobei die Beschreibung „Hangover für Opas“ Erwartungen weckt, die Jon Turteltaubs „Last Vegas“ nicht erfüllen will, auch wenn Billy (Michael Douglas, Jahrgang 1944) eine dreißigjährige Schönheit heiraten will und er davor mit seinen Jugendfreunden Paddy (Robert De Niro, Jahrgang 1943), Archie (Morgan Freeman, Jahrgang 1937) und Sam (Kevin Kline, Jahrgang 1947) in Las Vegas an einem Wochenende einen zünftigen Junggesellenabschied feiern will.

Dass sie dann eine Menge Spaß haben (wir weniger), versteht sich. Billy und Paddy verknallen sich, wie schon in ihren jungen Jahren, wieder in die gleiche Frau. Damals eine inzwischen verstorbene Jugendfreundin, die Paddy heiratete. Jetzt eine Jazzsängerin, die tagsüber in einer kleinen Bar in einem Casino ihrer Lieder trällern darf. Mary Steenburgen, Jahrgang 1953, spielt sie und lässt die Jungs in ihrer Gegenwart etwas über ihr Leben philosophieren.

Aber, auch wenn Michael Douglas, Robert De Niro, Morgan Freeman und Kevin Kline nie ein bestimmtes Niveau unterschreiten, haben sie – vor allem De Niro in den letzten Jahren mit seinen Komödien – etliche Filme auf ihrem Konto, die höchstens für ihre Fans, Unterabteilung Komplettisten, interessant sind. „Last Vegas“ gehört in diese Kategorie.

Denn Dan Fogelmans Drehbuch ist ein ziemlicher Kladderadatsch, in dem die vier Freunde sich die halbe Zeit grob beleidigen und auch andere Menschen beleidigen, die, völlig unglaubwürdig, die Beleidigungen und Anzüglichkeiten, die ihnen von Wildfremden an den Kopf geworfen werden, ignorieren. Die Frauen verlieben sich bevorzugt nach einer Beleidigung oder vollkommen deplatzierten Anmache in die alten Knacker.

Die Schauspieler selbst genießen ihren Las-Vegas-Ausflug ohne sich sonderlich anzustrengen. Sie spulen einfach ihr Programm ab, was dazu führt, dass Robert De Niro „Wie ein wilder Stier“ ein wenig Schattenboxen mit seinem Spiegelbild machen darf und seine früheren Rollen zwischen „Taxi Driver“ und „GoodFellas“ zitiert. Douglas, der unlängst als „Liberace“ in einem viel besseren Las-Vegas-Film viel besser spielte, Freeman, Kline und Steenburgen bemühen sich erfolgreich, einfach nur entspannt und nett durch die Kulisse zu wandeln. Die jüngeren Schauspieler haben sicher zugesagt, weil sie schon immer in einem Film mit den von ihnen verehrten Stars mitspielen wollten.

Insgesamt gibt es in „Last Vegas“ einige nette Witzeleien, eine schöne Lebensweisheit von Kevin Kline und hübsche Las-Vegas-Bilder. Das ist nichts, wofür man jetzt die Wohnung verlassen muss und es gibt auch eigentlich nichts, wofür man später den Fernseher einschalten muss. „Last Vegas“ ist das filmische Äquivalent zu dem altbekannten, wirklichkeitsfremden, professionell gemachtem Junk-TV, das einen 45 Minuten aus der tristen Wirklichkeit in eine Traumwelt entführte und das Gehirn nicht anstrengte.

Der beste Gag der rundum harmlosen Komödie ist dann auch nicht im Film. Bei uns ist der Film „frei ab 0 Jahre“, was nachvollziehbar ist. In den USA ist er PG 13, also „frei ab 13 Jahre“, was ebenfalls wegen des „Sexual Content and Language“ nachvollziehbar ist. Man sieht zwar keinen nackten Busen, aber die Witze, Tendenz Zote, drehen sich halt alle um Dinge, für die Viagra erfunden wurde. Grotesk ist dagegen die ursprünglich in den prüden USA geplante Freigabe R, also Restricted (Children Under 17 Require Accompanying Parent or Adult Guardian), wegen der Benutzung des Wortes „Blowjob“.

Last Vegas - Plakat

Last Vegas (Last Vegas, USA 2013)

Regie: Jon Turteltaub

Drehbuch: Dan Fogelman

mit Michael Douglas, Robert De Niro, Morgan Freeman, Kevin Kline, Mary Steenburgen, Jerry Ferrara, Romany Malco, Robert Bart, Joanna Gleason, Michael Ealy

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Amerikanische Facebook-Seite zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Last Vegas“

Moviepilot über „Last Vegas“

Metacritic über „Last Vegas“

Rotten Tomatoes über „Last Vegas“

Wikipedia über „Last Vegas“ (deutsch, englisch)


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