DVD-Kritik – und viel Rapp-Lesestoff: Der „American Assassin“ entert das Puschenkino

Februar 26, 2018

Zum Kinostart von „American Assassin“ am 12. Oktober 2017 schrieb ich über den Thriller:

Die Verfilmungspläne sind schon etwas älter. Denn selbstverständlich hat Hollywood sich die Verfilmungsrechte für die Mitch-Rapp-Romane von Vince Flynn gesichert. Ein Bestsellerautor, der einen Agententhriller nach dem nächsten abliefert, in denen ein Held die USA vor bösen Terroristen schützt, liefert genug Geschichten für eine langlebige Serie. Dass Vince Flynn dann 2010 mit „American Assassin“ auch den Roman schrieb, der den ersten Einsatz von seinem Helden Mitch Rapp schildert, war natürlich ein fast schon natürlicher Startpunkt für eine Filmserie.

Auch Vince Flynn (1966 – 2013) hält „American Assassin“ für einen guten Einstieg in die Welt von Mitch Rapp, die nach seinem Tod von Kyle Mills fortgeschrieben wird.

Flynns Roman spielt in den frühen Neunzigern. Im Dezember 1988 stirbt Mitch Rapps Verlobte bei dem Lockerbie-Bombenanschlag, bei dem alle 259 Passagiere einer Boing 747 starben. Der Student will sie rächen, wird von der CIA – also einer dieser Abteilungen, die es offiziell nicht gibt – rekrutiert und von Stan Hurley ausgebildet. Weil im Libanon ein US-Geschäftsmann mit guten Kontakten nach Washington entführt wurde und ein CIA-Unterhändler getötet wurde, erhält die Orion-Gruppe ihren ersten Einsatzbefehl, der sie über Deutschland und die Schweiz nach Beirut führt.

Der Film verlegt die Geschichte in die Gegenwart und, sieht man von einigen vernachlässigbaren und austauschbaren Details ab, erzählt der Film eine vollkommen andere Geschichte, die dem Geist des Romans treu bleibt. Das ist in diesem Fall sogar ein Vorteil. Denn Flynns Roman ist mit seine Rückblenden und Handlungssprüngen seltsam unbeholfen erzählt. So erfahren wir, wenn man den Klappentext nicht gelesen hat, erst auf Seite 161, warum Rapp ein Killer werden will. Wobei es ein großer und nicht unbedingt selbstverständlicher Schritt ist, von einem trauerndem Liebhaber zu einem skrupellosen Racheengel zu werden. Flynn überspringt diese Entwicklung einfach. Flynn geht auch nicht auf die Phase der Trauer ein und er erzählt auch nicht, warum Rapp so gut in allem ist. Eigentlich steht Rapp in seiner Ausbildung nur vor einer Herausforderung: Hurley darf nicht erfahren, wie leicht ihm die ganzen Übungen fallen.

Später plätschert der Plot vor sich hin. Erst langsam werden die Verbindungen zwischen den verschiedenen Ereignissen offensichtlich. So sind Rapps Ermordung eines Waffenhändlers in Istanbul (sein erster Mordauftrag) und die von der Orion-Gruppe durchgeführte Ermordung eines Bankers in Hamburg und das Leeren einiger von ihm betreuter Schwarzgeldkonten isolierte Ereignisse. Auch die weiteren Morde erscheinen zunächst willkürlich, ehe Flynn die verschiedenen Handlungsfäden und Ereignisse langsam verknüpft und es zum Finale in Beirut kommt.

Dagegen erzählt der Film chronologisch Rapps Geschichte. Während eines Urlaubs stürmen Terroristen das tropische Ferienressort und schießen wild um sich. Dabei stirbt unter anderem Rapps Freundin. Rapp bildet sich als Kämpfer aus, wird zum Islamisten und versucht die Mörder seiner Freundin zu töten, indem er sich – so sein Plan – eine Terrorzelle nach der nächsten vornimmt.

Für die stellvertretende CIA-Direktorin Irene Kennedy ist das eine fantastische Voraussetzung, um Rapp zu rekrutieren und ihn in das Trainingslager von Stan Hurley zu schicken.

Als 15 Kilo Plutonium und einige Komponenten für den Bau einer Atombombe verschwinden, der totgeglaubte Auftragsmörder und Söldner Ghost auftaucht und der Iran (Wer sonst?) die Bombe kaufen will, muss die Orion-Gruppe zu ihrem ersten Einsatz ausrücken.

An dem in den USA, Großbritannien, Malta, Thailand und Italien von Michael Cuesta gedrehtem Actionthriller gefällt vor allem die handgemachte Action. Sie wirkt, bis auf das bombige Finale im Mittelmeer, realistisch. Dazu trägt auch bei, dass Cuesta in diesen Szenen selten schneidet und man so die Kämpfe gut verfolgen kann.

Auch der Plot gefällt in seinem altmodischen Gestus.

Aber der Film ist, wie die Vorlage, eine reaktionäre Männerfantasie, in der tapfere US-Amerikaner skrupellos böse Menschen töten. Die Terroristen sind allesamt Islamisten der besonders bösen Sorte. Im Film kommt das Böse daher aus dem Iran, dem neuen Hort des Bösen. Im Roman ist es der Nahost-Konflikt. Das ändert aber nichts daran, dass Rapp jedes Recht der Welt hat, die Bösewichter abzumurksen. Er ist, wie Mike Hammer, Ankläger, Jury, Richter und Vollstrecker.

Im Film gibt es aber noch einige gute Iraner und einer der Bösewichter ist schon auf den ersten Blick kein Araber. Und kein Russe; die waren im Roman wichtig, im Film nicht mehr.

Insofern fällt die Verfilmung des Pulp-Romans (und das ist „American Assassin“ trotz seiner fünfhundert Seiten) etwas liberaler und bei den Bösewichtern, durch die Hinzuerfindung von Ghost, differenzierter als die Vorlage aus. Der Held selbst bleibt ein von keinerlei Zweifeln geplagter Racheengel, der die arabisch aussehenden Bösewichter ermordet und, weil er das Richtige tut, gegebenenfalls die Bedenken und Vorgaben der Politiker aus Washington, ignoriert.

Insgesamt ist „American Assassin“ ein durchaus ansehbarer, wenig überraschender Actionfilm, der in jeder Beziehung durchschnittlich ist. „American Assassin“ ist kein Jason-Bourne- oder „Mission Impossible“-Nachfolger und auch keine Reinkarnation von Jack Bauer für die große Leinwand. In „American Assassin“ wird alles eine Nummer kleiner und konservativer gebacken. Aber Dylan O’Brien macht seine Sache als Mitch Rapp gut und Michael Keaton (mit Sonnenbrille) hat auch seinen Spaß.

 

Ob „American Assassin“ der Start für eine Kinoserie ist, ist bis jetzt immer noch unklar. Das liegt sicher auch an dem durchwachsenen Einspielergebnis des harten Thrillers. Danach hat der 33 Millionen Dollar teure Film weltweit 66 Millionen Dollar eingespielt.

Das Bonusmaterial ist mit gut achtzig Minuten erfreulich umfangreich und, wenn auch etwas oberflächlich, informativ ausgefallen. In mehreren neun- bis dreizehnminütigen Featurettes wird auf verschiedene Aspekte des Films eingegangen: die Vorlage und der Weg zum Film, die Hauptdarsteller Dylan O’Brien, Michael Keaton und Taylor Kitsch, die Actionszenen und die verschiedenen Drehorte. Es wurde zwar nicht immer vor Ort gedreht, aber die Macher drehten an verschiedenen Orten rund um den Globus und in Rom wurden nicht die üblichen Touristenattraktionen abgefilmt.

Außerdem gibt es ein vor dem Kinostart, nach einer Filmvorführung entstandenes 26-minütiges Filmgespräch mit Dylan O’Brien und Taylor Kitsch, in dem die beiden Schauspieler vor allem herumblödeln. Entsprechend begrenzt ist der Erkenntnisgewinn.

American Assassin (American Assassin, USA 2017)

Regie: Michael Cuesta

Drehbuch: Stephen Schiff, Michael Finch, Edward Zwick, Marschall Herskovitz

LV: Vince Flynn, American Assassin, 2010 (American Assassin)

mit Dylan O’Brien, Michael Keaton, Taylor Kitsch, Sanaa Lathan, Shiva Negar, David Suchet, Navid Negaban, Scott Adkins

DVD

Studicanal

Bild: 2,40:1 (anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Im Visier: Der Weg zum Killer, Mitch Rapp wird gesucht: Dylan O’Brien, Das Spiel mit der Macht: Stan Hurley und Ghost, Menschliche Waffen: Training und Stunts, Vor Ort im Kampfeinsatz: Die Schauplätze, Interview mit Dylan O’Brien und Taylor Kitsch, Trailer

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Der Film kann auch als Blu-ray, 4K UHD Blu-ray und, bei Amazon, als Blechdose, äh, Blu-ray-SteelBook-Edition gekauft werden. Das Bonusmaterial ist identisch.

Die Vorlage

Vince Flynn: American Assassin

(übersetzt von Alexander Rösch)

Festa Verlag, 2017

512 Seiten

12,99 Euro

Originalausgabe

American Assassin

Atria Books, Simon & Schuster, New York 2010

Noch mehr Mitch Rapp

Inzwischen erschienen bei Festa der letzte von Vince Flynn vor seinem Tod am 13. Juni 2013 geschriebene Mitch-Rapp-Roman und, brandneu aus der Druckerei, der erste von Kyle Mills geschriebene Mitch-Rapp-Roman. Mills schreibt nämlich, auch wenn sein Name auf dem deutschen Cover arg versteckt ist, die Thrillerserie weiter. In den USA sind bereits drei von ihm geschriebene Mitch-Rapp-Romane erschienen. Im Oktober erscheint sein vierter Rapp-Thriller „Red War“. Und er hat bereits einen Vertrag über zwei weitere Rapp-Thriller abgeschlossen.

Von Kyle Mills erschienen in den vergangenen Jahren vor allem im Heyne-Verlag etliche Übersetzungen. Er schrieb, neben mehreren Einzelromanen, fünf Romane mit dem FBI-Agenten Mark Beamon und, beauftragt von Robert Ludlums Erben, drei Covert-One-Romanen.

In Flynns dreizehntem Mitch-Rapp-Roman „The Last Man – Die Exekution“ wird der wichtige CIA-Anti-Terror-Kämpfer Joe Rickman entführt. Rapp reist nach Afghanistan, um Rickman zu befreien.

Mills‘ erster Mitch-Rapp-Roman „The Survivor – Die Abrechnung“ spielt unmittelbar nach den Ereignissen von „The Last Man – Die Exekution“. Nach Rickmans Tod werden mehrere CIA-Agenten enttarnt. Rapp will das Datenleck stopfen. Während er damit beschäftigt ist, entdeckt er Dinge, die ihn befürchten lassen, dass das Datenleck nur die Ablenkungsmanöver ist.

Vince Flynn: The Last Man – Die Exekution

(übersetzt von Alexander Rösch)

Festa Verlag, 2017

544 Seiten

12,99 Euro

Originalausgabe

The Last Man

Emily Bestler/Atria Books, Simon & Schuster, 2012

Vince Flynn/Kyle Mills: The Survivor – Die Abrechnung

(übersetzt von Alexander Rösch)

Festa Verlag, 2018

480 Seiten

13,99 Euro

Originalausgabe

The Survivor

Emily Bestler/Atria Books, Simon & Schuster, 2015

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „American Assassin“

Metacritic über „American Assassin“

Rotten Tomatoes über „American Assassin“

Wikipedia über „American Assassin“ (deutsch, englisch) und Vince Flynn (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Michael Cuestas „Kill the Messenger“ (Kill the Messenger, USA 2014)

Meine Besprechung von Michael Cuestas „American Assassin“ (American Assassin, USA 2017)

Homepage von Vince Flynn

Homepage von Kyle Mills

 


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Mitch Rapp ist der „American Assassin“

Oktober 14, 2017

Die Verfilmungspläne sind schon etwas älter. Denn selbstverständlich hat Hollywood sich die Verfilmungsrechte für die Mitch-Rapp-Romane von Vince Flynn gesichert. Ein Bestsellerautor, der einen Agententhriller nach dem nächsten abliefert, in denen ein Held die USA vor bösen Terroristen schützt, liefert genug Geschichten für eine langlebige Serie. Dass Vince Flynn dann 2010 mit „American Assassin“ auch den Roman schrieb, der den ersten Einsatz von seinem Helden Mitch Rapp schildert, war natürlich ein fast schon natürlicher Startpunkt für eine Filmserie.

Auch Vince Flynn (1966 – 2013) hält „American Assassin“ für einen guten Einstieg in die Welt von Mitch Rapp, die nach seinem Tod von Kyle Mills fortgeschrieben wird.

Flynns Roman spielt in den frühen Neunzigern. Im Dezember 1988 stirbt Mitch Rapps Verlobte bei dem Lockerbie-Bombenanschlag, bei dem alle 259 Passagiere einer Boing 747 starben. Der Student will sie rächen, wird von der CIA – also einer dieser Abteilungen, die es offiziell nicht gibt – rekrutiert und von Stan Hurley ausgebildet. Weil im Libanon ein US-Geschäftsmann mit guten Kontakten nach Washington entführt wurde und ein CIA-Unterhändler getötet wurde, erhält die Orion-Gruppe ihren ersten Einsatzbefehl, der sie über Deutschland und die Schweiz nach Beirut führt.

Der Film verlegt die Geschichte in die Gegenwart und, sieht man von einigen vernachlässigbaren und austauschbaren Details ab, erzählt der Film eine vollkommen andere Geschichte, die dem Geist des Romans treu bleibt. Das ist in diesem Fall sogar ein Vorteil. Denn Flynns Roman ist mit seine Rückblenden und Handlungssprüngen seltsam unbeholfen erzählt. So erfahren wir, wenn man den Klappentext nicht gelesen hat, erst auf Seite 161, warum Rapp ein Killer werden will. Wobei es ein großer und nicht unbedingt selbstverständlicher Schritt ist, von einem trauerndem Liebhaber zu einem skrupellosen Racheengel zu werden. Flynn überspringt diese Entwicklung einfach. Flynn geht auch nicht auf die Phase der Trauer ein und er erzählt auch nicht, warum Rapp so gut in allem ist. Eigentlich steht Rapp in seiner Ausbildung nur vor einer Herausforderung: Hurley darf nicht erfahren, wie leicht ihm die ganzen Übungen fallen.

Später plätschert der Plot vor sich hin. Erst langsam werden die Verbindungen zwischen den verschiedenen Ereignissen offensichtlich. So sind Rapps Ermordung eines Waffenhändlers in Istanbul (sein erster Mordauftrag) und die von der Orion-Gruppe durchgeführte Ermordung eines Bankers in Hamburg und das Leeren einiger von ihm betreuter Schwarzgeldkonten isolierte Ereignisse. Auch die weiteren Morde erscheinen zunächst willkürlich, ehe Flynn die verschiedenen Handlungsfäden und Ereignisse langsam verknüpft und es zum Finale in Beirut kommt.

Dagegen erzählt der Film chronologisch Rapps Geschichte. Während eines Urlaubs stürmen Terroristen das tropische Ferienressort und schießen wild um sich. Dabei stirbt unter anderem Rapps Freundin. Rapp bildet sich als Kämpfer aus, wird zum Islamisten und versucht die Mörder seiner Freundin zu töten, indem er sich – so sein Plan – eine Terrorzelle nach der nächsten vornimmt.

Für die stellvertretende CIA-Direktorin Irene Kennedy ist das eine fantastische Voraussetzung, um Rapp zu rekrutieren und ihn in das Trainingslager von Stan Hurley zu schicken.

Als 15 Kilo Plutonium und einige Komponenten für den Bau einer Atombombe verschwinden, der totgeglaubte Auftragsmörder und Söldner Ghost auftaucht und der Iran (Wer sonst?) die Bombe kaufen will, muss die Orion-Gruppe zu ihrem ersten Einsatz ausrücken.

An dem in den USA, Großbritannien, Malta, Thailand und Italien von Michael Cuesta gedrehtem Actionthriller gefällt vor allem die handgemachte Action. Sie wirkt, bis auf das bombige Finale im Mittelmeer, realistisch. Dazu trägt auch bei, dass Cuesta in diesen Szenen selten schneidet und man so die Kämpfe gut verfolgen kann.

Auch der Plot gefällt in seinem altmodischen Gestus.

Aber der Film ist, wie die Vorlage, eine reaktionäre Männerfantasie, in der tapfere US-Amerikaner skrupellos böse Menschen töten. Die Terroristen sind allesamt Islamisten der besonders bösen Sorte. Im Film kommt das Böse daher aus dem Iran, dem neuen Hort des Bösen. Im Roman ist es der Nahost-Konflikt. Das ändert aber nichts daran, dass Rapp jedes Recht der Welt hat, die Bösewichter abzumurksen. Er ist, wie Mike Hammer, Ankläger, Jury, Richter und Vollstrecker.

Im Film gibt es aber noch einige gute Iraner und einer der Bösewichter ist schon auf den ersten Blick kein Araber. Und kein Russe; die waren im Roman wichtig, im Film nicht mehr.

Insofern fällt die Verfilmung des Pulp-Romans (und das ist „American Assassin“ trotz seiner fünfhundert Seiten) etwas liberaler und bei den Bösewichtern, durch die Hinzuerfindung von Ghost, differenzierter als die Vorlage aus. Der Held selbst bleibt ein von keinerlei Zweifeln geplagter Racheengel, der die arabisch aussehenden Bösewichter ermordet und, weil er das Richtige tut, gegebenenfalls die Bedenken und Vorgaben der Politiker aus Washington, ignoriert.

Insgesamt ist „American Assassin“ ein durchaus ansehbarer, wenig überraschender Actionfilm, der in jeder Beziehung durchschnittlich ist. „American Assassin“ ist kein Jason-Bourne- oder „Mission Impossible“-Nachfolger und auch keine Reinkarnation von Jack Bauer für die große Leinwand. In „American Assassin“ wird alles eine Nummer kleiner und konservativer gebacken. Aber Dylan O’Brien macht seine Sache als Mitch Rapp gut und Michael Keaton (mit Sonnenbrille) hat auch seinen Spaß.

American Assassin (American Assassin, USA 2017)

Regie: Michael Cuesta

Drehbuch: Stephen Schiff, Michael Finch, Edward Zwick, Marschall Herskovitz

LV: Vince Flynn, American Assassin, 2010 (American Assassin)

mit Dylan O’Brien, Michael Keaton, Taylor Kitsch, Sanaa Lathan, Shiva Negar, David Suchet, Navid Negaban, Scott Adkins

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

Vince Flynn: American Assassin

(übersetzt von Alexander Rösch)

Festa Verlag, 2017

512 Seiten

12,99 Euro

Originalausgabe

American Assassin

Atria Books, Simon & Schuster, New York 2010

Festa will alle Mitch-Rapp-Romane veröffentlichen. Einige sind bereits erschienen.

Vor Jahren erschienen im Heyne-Verlag mehrere Mitch-Rapp-Romane, die bis auf zwei Romane (und ein E-Book) nur noch antiquarisch erhältlich sind.

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „American Assassin“

Metacritic über „American Assassin“

Rotten Tomatoes über „American Assassin“

Wikipedia über „American Assassin“ (deutsch, englisch) und Vince Flynn (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Michael Cuestas „Kill the Messenger“ (Kill the Messenger, USA 2014)

Homepage von Vince Flynn


Neu im Kino/Filmkritik: „Hitman: Agent 47“ – zweiter Versuch, wieder mit Anzug und Glatze

August 27, 2015

In der Theorie spricht nichts dagegen, dass man aus einem Computerspiel einen guten Film machen kann. Immerhin dienen Computerspiele auch als Inspirationen für Romane und Comics – und das sind nicht unbedingt die schlechtesten Romane und Comics, die sogar von Menschen genossen werden können, die mit der Vorlage nichts anfangen können.
Außerdem werden ständig Romane und Comics verfilmt.
Und Agent 47 ist für einen Spielfilm eigentlich ein genialer Charakter. Er hat, dank Anzug, Glatze und Strichcode, einen hohen Wiedererkennungswert und ein eiskalter Profikiller ist nicht die schlechteste Ausgangslage für eine spannende Geschichte. Schon sein Beruf „Auftragsmörder“ gibt die Geschichte vor, die mit seiner aus den Spielen bekannten Hintergrundgeschichte beliebig angereichert werden kann.
In der Praxis sind viele Spiel-Verfilmungen nicht gut, sondern schlecht, sehr schlecht oder filmischer Sondermüll. Auch die erste Verfilmung des Spiels „Hitman“, „Hitman – Jeder stirbt alleine“ (Hitman, Frankreich/USA 2007), war nicht gut. Obwohl; rückblickend erscheint Timothy Olyphants Auftritt als Killer gar nicht mehr so schlecht. Denn inzwischen gibt es „Hitman: Agent 47“ mit Rupert Friend („Homeland“) als Agent 47,
Die Story für den neuen Film, wieder geschrieben von Skip Woods (der eine beeindruckende Liste schlechter Filme in seiner Filmographie hat), ist eine verworrene Entschuldigung für die mauen Actionszenen. Irgendwie geht es um eine junge Frau, die Agent 47 umbringen soll, es dann aber doch nicht tut, während andere sie umbringen wollen und irgendwie ist die Dame sehr wichtig für verschiedene Organisationen. Und dann geht es noch ums Klonen und die Vergangenheit von Agent 47.
Diese „der Killer hilft seinem Opfer gegen seinen Auftraggeber“-Geschichte ist zwar nicht neu, aber für einen Actionfilm wäre sie absolut ausreichend, wenn man einfach diese Geschichte erzählen würde. Stattdessen lassen die Macher einfach Szenen aufeinander folgen, die keinen Sinn ergeben und sich widersprechen. Da hilft dann auch nicht die Pseudo-Erklärung, dass der als Retter eingeführte Charakter doch ein Bösewicht ist und dass der Killer dann doch zum Guten mutiert, weil der Autor es so will. Denn die Hälfte dieser Erklärungen wird in der nächsten Szene wieder kassiert und auch das Interesse des gutwilligsten Zuschauer erlahmt schneller als ein Flammkuchen kalt wird, weil man zu keinem Charakter eine emotionale Bindung aufbauen kann.
Dadurch geraten die Actionszenen zu einer langweiligen Angelegenheit, bei der uns ziemlich egal ist, wer wen warum wie besiegt. Immerhin verfolgt man als Berliner die in der Hauptstadt spielende Actionszene gespannt, weil man zuerst die Drehorte erkennen will und danach verzweifelt überlegt, wie die Charaktere von A nach B gekommen sind. Der in Saigon spielende Schlußkampf hat sogar diesen Vorteil nicht mehr.
Etwas Gutes hat „Hitman: Agent 47“, das Spielfilmdebüt des Werbefilmers Aleksander Bach, dann doch. Er kann künftig bei Seminaren wundervoll als ein in jeder Sekunde überzeugendes Lehrbeispiel für vermeidbare Fehler im Erzählen von Geschichten gezeigt werden.

Hitman - Agent 47 - Plakat

Hitman: Agent 47 (Hitman: Agent 47, USA 2015)
Regie: Aleksander Bach
Drehbuch: Skip Woods, Michael Finch (nach einer Geschichte von Skip Woods)
mit Rupert Friend, Hannah Ware, Zachary Quinto, Ciarán Hinds, Thomas Kretschmann, Angelababy, Dan Bakkedahl
Länge: 97 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Hitman: Agent 47“
Moviepilot über „Hitman: Agent 47“
Metacritic über „Hitman: Agent 47“
Rotten Tomatoes über „Hitman: Agent 47“
Wikipedia über „Hitman: Agent 47“ (deutsch, englisch)


DVD-Kritik: Pierce Brosnan ist „The November Man“

März 11, 2015

Mit seinem neuesten Film „The November Man“ kehrt Pierce Brosnan zurück in die Welt der Geheimagenten und, auch wenn die Story ziemlich verwickelt ist, steht der Film eher in der James-Bond- als in der „Der Schneider von Panama“-Tradition.
Brosnan spielt Peter Devereaux, einen Ex-CIA-Agenten, der jetzt in Lausanne als Gastwirt eine ruhige Kugel schiebt. Da bittet ihn sein alter Vorgesetzter Hanley um Hilfe. Natalia Ulanova hat Beweise, die dem zukünftigen russischen Präsidenten Arkady Federov die Macht kosten könnten und die sie an den Westen weitergeben möchte. Wenn sie – Schöne Grüse von „Liebesgrüße aus Moskau“ – von Devereaux aus Moskau herausgeholt wird. Devereaux lehnt ab. Er ist dann aber doch im richtigen Moment in Moskau und kann sie vor ihren russischen Verfolgern retten. Auf ihrer Flucht wird sie allerdings von dem US-amerikanischen Rettungsteam, das ebenfalls vor Ort ist, erschossen.
Weil Natalia eine alte Freundin von Devereaux ist, will er sie rächen und die Hintergründe für den ganzen Schlamassel herausfinden. Seine beste Spur ist Alice Fournier (Olga Kurylenko), eine Sozialarbeiterin, die minderjährigen Prostituierten hilft.
In Belgrad beginnt ein leichengesättigtes Katz-und-Maus-Spiel zwischen Devereaux und der CIA und seinem ehemaligen Schüler David Mason (Luke Bracey) und einem russischen Ein-Frau-Killerkommando, bei dem nicht auffällt, dass Roger Donaldsons Film auf einem dreißig Jahre altem Agenten-Thriller basiert.
Bill Granger schrieb zwischen 1979 und 1993 dreizehn Romane mit Devereaux, einem Agenten für die R Sektion, die von Präsident Kennedy gegründet wurde, um die Überwacher zu überwachen. Für den Film wurde – was ja nicht immer der Fall ist – die Geschichte von „There are no spies“ umfassend modernisiert und in die Gegenwart verlegt. Die Konflikte, die politischen Hintergründe und die Technik ebenso. Denn als Granger den siebten „November Man“-Roman schrieb waren Handys und die modernen Überwachungstechniken noch Science-Fiction. Dafür gab es den Ostblock noch.
Roger Donaldson, der bereits mit „No Way Out“, „Der Einsatz“ und „Bank Job“ (wobei hier der Gangsterfilm im Vordergrund steht) gelungene, im Agentenmilieu spielende Thriller inszenierte und Pierce Brosnan vor „Dante’s Peak“ vulkanös in Szene setzte, hat mit seinem neuesten Film wieder gutes Erzählkino abgeliefert. Es ist grundsolide Genreware, für die sich niemand zu schämen braucht und die vor allem auf die Cleverness des Helden setzt.
An „The November Man“ sieht man aber die verheerenden Folgen von „24“ für solche sich mit mittleren Budgetrahmen bewegende Spionagethriller. Denn „24“ und einige andere hochkarätige TV-Serien sehen so gut aus, dass sie sich vor Kinofilmen nicht mehr verstecken müssen. Im Gegenzug sehen die Kinofilme dann zu sehr nach TV aus und irgendwie erwartet man noch ein, zwei Wendungen, gleichzeitig mehr und weniger Handlung und der Protagonist soll noch etwas zwiespältiger sein. Dabei ist Devereaux, wie man es aus den Siebziger-Jahre-Thrillern kennt, ein eiskalter, illusionsloser Killer, der gnadenlos und ohne Gewissensbisse Gewalt einsetzt. Sein schlechtes Gewissen, falls er überhaupt eines hat, bekämpft er mit Alkohol. Jedenfalls trinkt er Schnäpse wie andere Menschen Säfte. Und er würde niemals zu einem Therapeuten gehen oder sich von seinem Land für deren Politik einspannen lassen. Das unterscheidet ihn von einem Jack Bauer oder einem Jason Bourne.
Auch wenn die Kritiken gemischt waren – vor allem wurde bemängelt, dass der Film nicht mehr als ein solider Genrefilm sein will -, haben die Produzenten bereits einen zweiten Film mit Devereaux ankündigt.
Und das ist eigentlich eine gute Nachricht für den Genrejunkie, der natürlich darauf hofft, dass das Potential des Charakters stärker ausgeschöpft wird.

The November Man - DVD-Cover

The November Man (The November Man, USA 2014)
Regie: Roger Donaldson
Drehbuch: Michael Finch, Karl Gaydusek
LV: Bill Granger: There are no spies, 1986 (Wiederveröffentlichung mit dem Filmtitel „The November Man“; was dummerweise auch der Titel des ersten Devereaux-Romans ist, der dafür jetzt einen anderen Titel hat)
mit Pierce Brosnan, Olga Kurylenko, Luke Bracey, Bill Smitrovich, Will Patton, Lazar Ristovski, Amila Terzimehic, Mediha Musliovic

DVD
Universum Film
Bild: 1,40:1 (16:9 anamorph)
Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch für Horgeschädigte
Bonusmaterial (27 Minuten): Featurettes „Pierce Brosnan ist zurück!“, „Schauplatz Belgrad“, Making Of, Trailer, Wendecover
Länge: 104 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Moviepilot über „The November Man“
Metacritic über „The November Man“
Rotten Tomatoes über „The November Man“
Wikipedia über „The November Man“ (deutsch, englisch) und Bill Granger
SpyGuysAndGals über Devereaux


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