Neu im Kino/Filmkritik: „Swans – Where does a body end?“ – and does it matter?

Januar 13, 2020

Die Swans sind das, was man gemeinhin Kultband nennt. Es gibt sie schon seit Jahrzehnten, sie haben eingeschworene Fans, bekannte Bewunderer und sind beim Mainstream-Publikum weitgehend unbekannt. Das liegt an der Musik, mit der sie in den frühen achtziger Jahren bekannt wurden. Sie spielten Noise-Rock, was man am einfachsten als eine infernalisch laute Mischung aus Punk und Heavy Metal, nur noch lauter und schlechter gespielt, beschreiben kann. Wobei die Lautstärke ein integraler Teil der Performance ist. Dieser brutale. kakophonische Lärm, garniert mit nihilistischen, schwarzhumorigen Texten ist eine Reaktion der Musiker auf ihre Umwelt und ihre persönlichen Lebensumstände. Bei den Swans, wie auch bei anderen Noise- und No-Wave-Bands, war das das New York der frühen achtziger Jahre, als die Stadt in Müll und Verbrechen versank. Sänger und Gitarrist Michael Gira verarbeitet das in seiner Musik.

Später veränderte die Band ihre musikalische Richtung, wurde aufgelöst und wieder neu gegründet. Inzwischen ist Gira der alles bestimmende kreative Kopf der Swans.

Für seine sehenswerte Doku „Swans – Where does a body end?“ begleitete Marco Porsia Michael Gira und seine Band über fünf Jahre. Er konnte auch Giras Archiv sichten und er interviewte, neben Gira und früheren und aktuellen Bandmitgliedern, wie die in den Achtzigern für den Bandsound und Gira sehr wichtige Sängerin Jarboe, Fans und Freunde der Band, wie Amanda Palmer (The Dresden Dolls), Blixa Bargeld (Einstürzende Neubauten, Nick Cave and The Bad Seeds), Thurston Moore und Lee Ranaldo (beide Sonic Youth und frühe Wegbegleiter der Swans).

In einer formal konventionellen Mischung aus Bildern, Konzertausschnitten und Interviews erzählt Porsia chronologisch die Geschichte der Swans und ihrer radikalen musikalischen Wandlungen von 1982, als sie eine Noise-Rock-Band waren, bis zur Gegenwart, die melodiöser und folkiger ist. Dabei ist vor allem der Rückblick auf die frühen Jahre in das New York der achtziger und neunziger Jahre und ihren immer am Existenzminimum kratzenden Tourneen sehr interessant.

Gerade weil die Swans so eine extreme Musik machen, dürfte sich „Swans – Where does a body end?“ vor allem an Fans der Band und ihrer Musikrichtung richten. Sehenswert ist die gut gemachte und informative Musikdoku trotzdem.

Swans – Where does a body end? (Where does a body end?, Kanada 2019)

Regie: Marco Porsia

Drehbuch: Rodney Ascher, Marco Bresba, David Hyde, Pedro Orrego, Marco Porsia

mit Michael Gira, Devendra Banhart, Blixa Bargeld, Jehnny Beth, Jarboe, Thurston Moore, Amanda Palmer, Lee Ranaldo, Jim Sclavunos, J.G. Thirlwell

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Swans – Where does a body end?“

Wikipedia über die Swans (deutsch, englisch)

Homepage der Band

Allmusic über die Swans und Michael Gira


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