TV-Tipp für den 19. Oktober: Broadway Therapy

Oktober 18, 2019

ZDFneo, 20.15

Broadway Therapy (She’s funny that way, USA 2014)

Regie: Peter Bogdanovich

Drehbuch: Louise Stratten, Peter Bogdanovich

Ein verheirateter Theaterregisseur bietet einer Prostituierten nach einer Liebesnacht 30.000 Dollar, wenn sie ihren Beruf aufgibt und ihre Träume verfolgt. Etwas später bewirbt sie sich um eine Rolle in einem Stück des Regisseurs – und all die Probleme, die man aus einer alten Screwball-Comedy kennt, tauchen auf.

Wunderschöne, flotte, zitatreiche Liebeserklärung an die alten Screwballkomödien, die im Kino etwas unterging.

mit Imogen Poots, Owen Wilson, Jennifer Aniston, Rhys Ifans, Cybill Shepherd, Will Forte, Kathryn Hahn, Tatum O’Neal, Michael Shannon, Quentin Tarantino

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Broadway Therapy“

Wikipedia über „Broadway Therapy“ (deutsch, englisch)

Peter Bodganovich über den Film

Peter Bogdanovich über den Film und den ganzen Rest

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TV-Tipp für den 17. August: Midnight Special

August 17, 2018

Pro7, 22.55

Midnight Special (Midnight Special, USA 2015)

Regie: Jeff Nichols

Drehbuch: Jeff Nichols

In Texas sind zwei Männer mit einem Jungen, der eine Schutzbrille trägt, auf dem Weg zu einem geheimnisvollen Treffpunkt. Wenn sie nicht vorher von ihren Häschern geschnappt werden.

Ein Film mit einer geheimnisvollen Atmosphäre, texanischen Sonnenauf- und Untergängen, guten Schauspielern und einer „Twilight Zone“-würdigen Prämisse. Trotzdem war ich letztendlich enttäuscht.

Warum verrate ich in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Michael Shannon, Joel Edgerton, Kirsten Dunst, Adam Driver, Jaeden Lieberher, Sam Shepard, Sean Bridgers, Paul Sparks, Bill Camp

Wiederholung: Samstag, 18. August, 03.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „Midnight Special“
Metacritic über „Midnight Special“
Rotten Tomatoes über „Midnight Special“
Wikipedia über „Midnight Special“
Berlinale über „Midnight Special“

Meine Besprechung von Jeff Nichols‘ „Midnight Special“ (Midnight Special, USA 2015)

Meine Besprechung von Jeff Nichols‘ „Loving“ (Loving, USA/Großbritannien 2016)


TV-Tipp für den 22. März: Zeit der Trauer

März 22, 2018

3sat, 22.25

Zeit der Trauer (The Greatest, USA 2010)

Regie: Shana Feste

Drehbuch: Shana Feste

Wie soll man mit Verlusten umgehen? Shana Feste zeigt das am Beispiel von Allan (Pierce Brosnan) und Grace (Susan Sarandon), die ihren 18-jährigen Sohn Bennett (Aaron Taylor-Johnson) durch einen Verkehrsunfall verlieren. Und an Bennetts Bruder (Johnny Simmons) und Bennetts schwangerer Freundin (Carey Mulligan).

Allein schon die Besetzung spricht für „Zeit der Trauer“.

Bewegendes, präzise beobachtendes Familiendrama, das die emotionalen Befindlichkeiten seiner überzeugend gespielten Protagonisten auslotet und seelische Abgründe zeichnet.“ (Lexikon des internationalen Films)

Feste inszenierte danach „Country Strong“ und „Endless Love“.

mit Susan Sarandon, Pierce Brosnan, Carey Mulligan, Aaron Taylor-Johnson, Johnny Simmons, Jennifer Ehle, Zoë Kravitz, Michael Shannon

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Zeit der Trauer“

Wikipedia über „Zeit der Trauer“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 3. März: Tödliche Entscheidung

März 3, 2018

MDR, 00.30

Tödliche Entscheidung (USA 2007, Regie: Sidney Lumet)

Drehbuch: Kelly Masterson

Andy, der für Drogen Geld aus der Firmenkasse nahm, kann seinen Bruder Hank überreden, das elterliche Juweliergeschäft zu überfallen. Der Überfall, auch weil die Mutter gar nicht daran denkt, irgendwelchen hergelaufenen, maskierten Verbrechern die Juwelen zu geben, geht schief – und dann bröckelt die heile Fassade der Familie verdammt schnell ab.

Mit seinem letzten Film drehte Sidney Lumet, nach einigen schwächeren Werken, mit einer Familientragödie noch einmal so richtig voll auf. Er seziert, wieder einmal, die Kehrseite des amerikanischen Traums anhand. Dieses Mal am Beispiel einer ziemlich kaputten, weißen Mittelstandsfamilie.

Der Pitch war vielleicht: „Family Business“, aber ohne Lacher.

„Tödliche Entscheidung“ ist ein feiner Noir und, kein Wunder bei der Besetzung, großes Schauspielerkino. Ein potentieller Klassiker.

mit Philip Seymour Hoffman, Ethan Hawke, Albert Finney, Marisa Tomei, Aleksa Palladino, Michael Shannon, Amy Ryan, Sarah Livingston, Brían F. O’Byrne, Rosemary Harris

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Französische Homepage zum Film

Wikipedia über „Tödliche Entscheidung“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über „Tödliche Entscheidung“

Rotten Tomatoes über “Tödliche Entscheidung”

Die Zeit: Katja Nicodemus trifft Sidney Lumet (12. April 2008)

Mein Nachruf auf Sidney Lumet (25. Juni 1924 – 9. April 2011)


Neu im Kino/Filmkritik: Wie ist die „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“?

Februar 17, 2018

Seine Weltpremiere erlebte Guillermo del Toros neuer Film „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“ in Venedig. Dort erhielt er den Goldenen Löwen als bester Film. Seitdem erhielt der Film über achtzig Preise und fast zweihundertsiebzig Nominierungen. Allein diese Zahlen verraten schon einiges über die Qualität des Films. Der Höhepunkt der Preisverleihungen dürfte die Oscar-Nacht sein. Denn „The Shape of Water“ ist für dreizehn Oscars nominiert, unter anderem in den wichtigen Kategorien bester Film, Regie, Drehbuch, Hauptdarstellerin, Nebendarstellerin, Nebendarsteller und Kamera. Und er hatte gute Chancen, einige Preise zu erhalten. Unter anderem, trotz starker Konkurrenz, den Preis als bester Film des Jahres. Denn wie „The Artist“, der 2012 den Oscar als bester Film des Jahres erhielt, feiert „The Shape of Water“ das alte Hollywood zwischen B-Picture-Monsterheuler und Musical in seiner ganzen Pracht.

Ungefähr 1963, zur Hochzeit des Kalten Krieges, wird ein seltsames Wesen (Doug Jones), das Filmfans beim ersten Anblick sofort als „Der Schrecken vom Amazonas“ (Creature from the Black Lagoon, USA 1954, Regie: Jack Arnold) erkennen, zu Forschungszwecken in eine geheime und hoch gesicherte US-Forschungsanlage in Baltimore gebracht. Es ist eine dieser Anlagen, in der niemand auch nur zwei Schritte gehen kann, ohne sich ausweisen zu müssen. Bis auf die Putzfrauen, die überall Zutritt haben und normalerweise nicht beachtet werden. Es sind ja nur die Putzfrauen. Wie die schüchterne und stumme Elisa (Sally Hawkins). Sie lebt allein in einem Apartment über einem riesigen Kino, das eines dieser alten Filmpaläste ist, die wir nur aus Filmen kennen. Mit einem netten Betreiber und einer überschauberen Kundschaft. Elisas einziger Freund ist ihr Nachbar Giles (Richard Jenkins). Er ist ein erfolgloser, netter, homosexueller Werbezeichner und Musicalliebhaber, mit dem sie im Fernsehen alte Filme ansieht. Ihre beste Freundin ist ihre redselige Arbeitskollegin Zelda (Octavia Spencer). Die Afroamerikanerin ist verheiratet und nie um eine spitze Bemerkung verlegen.

Elisa führt ein einsames, geregeltes Leben, in das nur ihre Träume Farbe bringen. Bis sie den Amphibienmann trifft. Wobei trifft eigentlich nicht das richtige Wort ist. Schließlich ist er in dem Forschungslabor, das sie putzt, in einem Wasserbottich gefangen und angekettet. Sie kann ihn zunächst nur durch eine dicke Glasscheibe schemenhaft sehen.

Der Amphibienmann wurde von dem stahlharten Regierungsagenten Richard Strickland (Michael Shannon) eigenhändig aus dem Amazonasgebiet nach Baltimore geschleppt. Er möchte alles über das Wesen wissen und er will verhindern, dass es den Russen in die Hände fällt. Für ihn ist dieser Fischmensch eine gefährliche Bestie, die mit Schlägen gefügig gemacht werden muss. Der Meeresbiologe Dr. Robert Hoffstetler (Michael Stuhlbarg), der die Lungenstruktur des Amphibienmannes untersuchen soll, behandelt den Amphibienmann besser. Trotzdem ist er auch für ihn nur ein Forschungsobjekt.

Nur Elisa hat Mitleid mit ihm. Sie begegnet ihm unvoreingenommen, bringt ihm Essen mit und verständigt sich wortlos mit ihm. Langsam vertraut er ihr.

Gleichzeitig werden die Experimente für den Amphibienmann immer lebensbedrohlicher und russische Spione versuchen die Anlage zu infiltrieren.

Weil Elisa sich inzwischen in ihn verliebt hat, möchte sie ihn befreien. Aber wie? Und können ihr ihre Freunde, die wie sie gesellschaftliche Außenseiter sind, helfen?

Del Toros neuer Film ist ein überaus gelungener Crossover aus Monsterfilm, Liebesfilm und Thriller, garniert mit ein, zwei kräftigen Musical-Tupfern, der sich ausdrücklich auf die klassischen Fünfziger-Jahre-B-Pictures beruft. Damals gab es jede Woche eine Alien-Invasion, ein wissenschaftliches Experiment ging grotesk schief und natürlich mussten die Amerikaner sich gegen die bösen Russen verteidigen. Es waren und sind höchst unterhaltsame Filme, die auch, mehr oder weniger offensichtlich, Stimmungen aufgriffen. Es waren oft paranoide Fantasien, die das Herz jedes Analytikers erfreuen. Die besten dieser Filme wurden in jede Richtung interpretiert. Auch der Publikumserfolg „Der Schrecken vom Amazonas“ als „Die Schöne und das Biest“-Variante hatte eine Botschaft. Del Toro knüpft an diesen Klassiker an, führt ihn weiter und verändert vieles, bis eigentlich nur noch der Amphibienmann vorhanden ist. Allerdings nicht mehr als Herrscher über seine Welt, sondern als Gefangener und malträtierte Kreatur. Er ist wahrlich kein Biest mehr. Ein verwunschener Prinz ist er auch nicht. Und Elisa ist nicht die Anwärterin für „die Schöne“, sondern für „die Unsichtbare“. Wie ihre Freunde, die damals von der WASP-Gesellschaft, deren Vertreter Richard Strickland ist, nicht wahrgenommen wurden.

Durch diese Veränderungen wird „The Shape of Water“ zu einem subversivem Märchen über gesellschaftliche Außenseiter, die sich respektvoll, human und ohne Vorurteile begegnen.

Durch diese Veränderungen entgeht del Toro der Gefahr, einfach nur eine zweistündige, prächtig gefilmte, detailversessene Retro-Liebeserklärung an die alten B-Picture-Monsterheuler abzuliefern. Das ist „The Shape of Water“ auch. Aber im Gegensatz zu dem letztjährigen Oscar-Liebling „La La Land“ (das dann überraschend doch nicht der beste Film des Jahres wurde) benutzt del Toro die alten Filme und unsere Erinnerungen an sie, um daraus innerhalb und unter Verwendung der bekannten Formen etwas vollkommen Neues zu machen.

Shape of Water – Das Flüstern des Wassers (The Shape of Water, USA 2017)

Regie: Guillermo del Toro

Drehbuch: Guillermo del Toro, Vanessa Taylor (nach einer Geschichte von Guillermo del Toro)

mit Sally Hawkins, Michael Shannon, Richard Jenkins, Octavia Spencer, Michael Stuhlbarg, Doug Jones, David Hewlett, Nick Searcy, Stewart Arnott

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Shape of Water“

Metacritic über „The Shape of Water“

Rotten Tomatoes über „The Shape of Water“

Wikipedia über „The Shape of Water“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Guillermo del Toros „Pacific Rim“ (Pacific Rim, USA 2013)

Meine Besprechung von Guillermo del Toros „Crimson Peak“ (Crimson Peak, USA 2015)

Die TIFF-Pressekonferenz

DP/30 spricht mit Guillermo del Toro über „The Shape of Water“

Peter Travers spricht mit Guillermo del Toro über „The Shape of Water“


Neu im Kino/Filmkritik: „Loving“ – eine Liebe, die Rechtsgeschichte schrieb

Juni 17, 2017

Am 12. Juni war ‚Loving Day‘.

Was?

Ein alljährliches Gedenken an ein Gerichtsurteil, ein Feiertag in einigen Städten und in Caroline County, Virginia, und die größte multirassische Feier in den USA.

Denn am 12. Juni 1967 urteilte der Oberste Gerichtshof einstimmige, dass ein Verbot von Eheschließungen aufgrund von Rassenmerkmalen verfassungswidrig und eine Verletzung des 14. Zusatzes der Gleichstellungsgarantie sei.

In seinem Film „Loving“, der jetzt endlich bei uns anläuft, erzählt Regisseur Jeff Nichols („Take Shelter“, „Midnight Special“) wie es zu dem Urteil kam. Dabei geht es ihm nicht um die juristischen Winkelzüge, sondern um die beiden Kläger: das Ehepaar Loving. Sie heirateten am 2. Juni 1958 in Washington, D. C., weil sie schwanger war und sie in Virginia, ihrer Heimat, nicht heiraten durften. Denn Richard Loving war ein Weißer und Mildred Jeter eine Schwarze. Sie waren schon als Kinder miteinander befreundet, lebten ärmlich auf dem Land in Central Point im Regierungsbezirk Caroline County, einem ländlichen, von Armut gekennzeichnetem Gebiet.

Richard, wahrlich kein Intellektueller, ignorierte einfach, wie andere County-Bewohner, die damals gültigen und allgemein akzeptierten Rassengrenzen. Mit seinen afroamerikanischen Freunden konnte der Maurer besser an Autos herumbosseln. Außerdem arbeitete sowieso die meiste Zeit gemeinsam, lebte nah beieinander und half sich gegenseitig. Warum, so dachte der schweigsame Richard, sollte er also nicht mit den Menschen zusammen sein, mit denen er sich verstand?

Die anderen Weißen in Caroline County sahen das nicht so entspannt und sie erwirkten – mühelos – ein Gerichtsurteil, das die beiden Lovings verbannte. Der Richter verurteilte sie im Januar 1959 zu einer einjährigen Haftstrafe, die er unter Auflagen aussetzte. Sie mussten den Staat Virginia sofort verlassen und durften in den nächsten 25 Jahren nicht gemeinsam zurückkehren oder sich zur gleichen Zeit in Caroline County aufhalten. Das galt selbstverständlich ohne irgendeine Ausnahme, zum Beispiel für Familienfeiern oder Trauerfälle.

Sie fuhren nach Washington, D. C., zu Mildreds Cousin. Trotzdem fühlten sie sich in der Großstadt unwohl.

Über einen Brief an Präsident John F. Kennedy, den Mildred 1963 in ihrem Exil in Washington, D. C., schrieb, kamen sie in Kontakt mit Anwälten von der Bürgerrechtsorganisation ACLU (American Civil Liberties Union), die ihren Fall zu einem Grundsatzstreit machten.

Dabei wollte sie nur zurück zu ihrer Familie nach Central Point und dort auf dem Land mit ihrem Mann und ihren Kindern leben.

Jeff Nichols erzählt diese in den USA bekannte (in jedem Fall bekanntere) Geschichte strikt chronologisch, langsam und mit dem Ehepaar Loving im Mittelpunkt. Joel Edgerton und, vor allem, Ruth Negga wurden, zu Recht, für ihre Interpretation des Ehepaares Loving mehrfach ausgezeichnet und für etliche prestigeträchtige Preise, wie den Golden Globe, nominiert. Ruth Negga war auch für den Oscar nominiert. Sie gibt Mildred eine stille Kraft, die die Familie zusammen hält und die für ihre Rückkehr in ihr Heimatdorf kämpft. Dafür geht sie auch in die Öffentlichkeit. Richard, ein introvertierter Mann, der auch wenn es sein Anliegen befördern würde, nicht in die Öffentlichkeit geht, ist das Gegenteil. Aber sie liebten sich.

Der Film selbst ist klassisches Hollywood-Erzählkino. Dabei erzählt Nichols die Geschichte etwas spröde, indem er bewusst auf Schmalz, große Emotionen, kitschige Taschentuchszenen und Nicholas-Sparks-Sonnenuntergänge verzichtet und sehr naturalistisch, fast wie ein Dokumentarfilm, erzählt. „Loving“ ist auch eine gelungene Geschichtsstunde über einen Sieg der Bürgerrechtsbewegung. In erster Linie ist es aber die Geschichte zweier Menschen, deren Verbrechen es war, dass sie sich liebten, heirateten, Kinder bekamen und in ihrer Heimat leben wollten.

Loving (Loving, USA/Großbritannien 2016)

Regie: Jeff Nichols

Drehbuch: Jeff Nichols

LV: Nancy Buirski: The Loving Story, 2011 (Dokumentarfilm)

mit Joel Edgerton, Ruth Negga, Marton Csokas, Nick Kroll, Terri Abney, Alano Miller, Jon Bass, Christopher Mann, Sharon Blackwood, Michael Shannon

Länge: 124 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „Loving“

Metacritic über „Loving“

Rotten Tomatoes über „Loving“

Wikipedia über „Loving“ (deutsch, englisch)

History vs Hollywood über „Loving“

Meine Besprechung von Jeff Nichols‘ „Midnight Special“ (Midnight Special, USA 2015)

DP/30 unterhält sich mit Jeff Nichols über „Loving“ und den ganzen Rest (Ton wird im Lauf des Gesprächs besser)

DP/30 spricht mit Ruth Negga und Joel Edgerton über den Film

Eine kurze BBC-Reportage über den Fall (BBC World Service – Witness)

 


Neu im Kino/Filmkritik: Über Tom Fords „Nocturnal Animals“

Dezember 22, 2016

Susan Morrow (Amy Addams) erhält von ihrem Ex-Mann Edward Sheffield (Jake Gyllenhaal), von dem sie seit Jahren nichts gehört hatte, ein Exemplar seines noch nicht veröffentlichten Debütromans „Nocturnal Animals“. Während die Kunsthändlerin den Kriminalroman liest, erinnert sie sich an ihre Beziehung zu Edward.

Der zweite Spielfilm des bekannten Modedesigners und „A single Man“-Regisseurs Tom Ford „Nocturnal Animals“ ist ein durchgehend elegantes Werk, das sich formschön und funktionell zwischen den verschiedenen Ebenen bewegt ohne jemals zu verunsichern. Alles, jeder Erzählstrang, jede Szene, jedes Bild, ist sauber voneinander getrennt, eindeutig in jeder Beziehung und es überfordert niemanden. Auch wenn Jake Gyllenhaal eine Doppelrolle spielt. Er ist Susans Ex-Mann und der Protagonist des Romans, was verdeutlicht, dass der Roman aus Susans Sicht (aber auch aus Edwards und der Sicht des Zuschauers) eine literarische Verarbeitung ihrer Beziehung ist.

Edward erzählt in seinem Roman letztendlich eine simple Rachegeschichte, für die Stephen King an einem schlechten Tag zwanzig Seiten benötigt hätte. Während einer nächtlichen Autofahrt durch West-Texas werden Tony Hastings und seine Familie von Ray Marcus (Aaron Taylor-Johnson) und seinen Kumpels bedrängt und zu einem Unfall provoziert. Anschließend entführt Marcus Tonys Familie. Als er sie wieder sieht, sind sie tot und Tony möchte sich rächen.

Dass in der Gegenwart Susans Ehemann fremdgeht und damit ihre Vergangenheit und die Fiktion gespiegelt werden, überrascht dann nicht mehr, bringt aber auch keine neuen Erkenntnisse.

Nocturnal Animals“ ist ein Manufactum-Film, bei dem der Stil, die richtige Geste, die richtige Ausleuchtung und der äußere Schein wichtiger als der Inhalt ist. Alles ist höchst elegant, gut besetzt und in jeder Beziehung gut inszeniert (was ihn unbedingt sehenswert macht), aber auch immer eine Spur zu offensichtlich und zu eindeutig, um wirklich zu verunsichern oder emotional zu bewegen. Im Gegensatz zu den Horrorfilmen von David Cronenberg, zum Beispiel „Crash“ oder sein Hollywood-Film „Maps to the Stars“, und zahlreichen anderen Horrorfilmen, in denen die Protagonisten sich mit ihren Ängsten herumschlagen müssen (Hat Susan überhaupt vor etwas Angst? Will sie überhaupt ihr Leben ändern? Verändert die Lektüre des Romans sie irgendwie?). Man fragt sich auch nie, wie bei Olivier Assayas „Die Wolken von Sils Maria“, wo die Grenzen zwischen den verschiedenen Ebenen verlaufen. In „Nocturnal Animals“ sind Gegenwart und Vergangenheit, Realität und Fiktion sauber voneinander getrennte Schubladen.

Dabei ruft Tom Ford in den ersten Filmminuten mit betont ästhetischen Bildern von in Zeitlupe tanzenden, übergewichtigen nackten Frauen beim Zuschauer genau die Verunsicherung hervor, die er später erfolgreich vermeidet.

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Nocturnal Animals (Nocturnal Animals, USA 2016)

Regie: Tom Ford

Drehbuch: Tom Ford

LV: Austin Wright: Tony & Susan, 1993 (Tony & Susan) (manchmal auch „Tony and Susan“ bzw. „Tony und Susan“, US-Neuausgabe unter „Nocturnal Animals“)

mit Amy Adams, Jake Gyllenhaal, Michael Shannon, Aaron Taylor-Johnson, Isla Fisher, Karl Glusman, Armie Hammer, Laura Linney, Andreas Riseborough, Michael Sheen

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „Nocturnal Animals“

Metacritic über „Nocturnal Animals“

Rotten Tomatoes über „Nocturnal Animals“

Wikipedia über „Nocturnal Animals“ (deutsch, englisch)

DP/30 unterhält sich mit Tom Ford

Im AOL Building wird Tom Ford von Amy Addams, Michael Shannon und Aaron Taylor-Johnson unterstützt


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