TV-Tipp für den 3. Juli: Mr. Holmes

Juli 2, 2019

Arte, 20.15

Mr. Holmes (Mr. Holmes, Großbritannien 2015)

Regie: Bill Condon

Drehbuch: Jeffrey Hatcher

LV: Mitch Cullin: A slight trick of the mind, 2005 (Neuausgabe als „Mr. Holmes“)

TV-Premiere: Sherlock Holmes, inzwischen ein alter Tattergreis, löst seinen letzten Fall.

Überzeugendes, auf mehreren Ebenen spielendes Schauspielerkino, das daran krankt, dass der Protagonist Sherlock Holmes sein soll und dass der Fall ziemlich durchschaubar ist. So durchschaubar, dass der echte Sherlock Holmes ihn innerhalb einer Mikrosekunde gelöst hätte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ian McKellen, Laura Linney, Milo Parker, Hiroyuki Sanada, Hattie Morahan, Patrick Kennedy, Nicholas Rowe

Wiederholung: Freitag, 5. Juli, 13.40 Uhr

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Mr. Holmes“

Metacritic über „Mr. Holmes“

Rotten Tomatoes über „Mr. Holmes“

Wikipedia über „Mr. Holmes“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bill Condons „Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt“ (Inside Wikileaks, USA 2013)

Meine Besprechung von Bill Condons „Mr. Holmes“ (Mr. Holmes, Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Bill Condons „Die Schöne und das Biest“ (Beauty and the Beast, USA 2016)

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Facebook-Seite der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles „Sherlock Holmes – Seine Abschiedsvorstellung“ (His last Bow, 1917)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Der Fall Moriarty“ (Moriarty, 2014)

Meine Besprechung von Mattias Boströms „Von Mr. Holmes zu Sherlock“ (Fran Holmes till Sherlock, 2013)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Horacio Domingues/Davide Fabbris (Zeichner) „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula“ (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Jekyll/Hyde; Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula, 2010/2011)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 1“ (Sherlock, GB 2010)

Meine Besprechung von “Sherlock: Eine Legende kehrt zurück -Staffel 2″ (Sherlock, GB 2012)

Meine Besprechung von „Sherlock – Staffel 3“ (Sherlock, GB 2014)

Meine Besprechung von „Sherlock: Die Braut des Grauens“ (Sherlock: The Abominable Bride, Großbritannien 2016)

Mein Hinweis auf „“Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 4“ (Sherlock, GB 2017)

Meine Besprechung von “Sherlock: Ein Skandal in Belgravia” (A Scandal in Belgravia, GB 2012)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte

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Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: „Die Insel der besonderen Kinder“ und die besonderen Bedrohungen

Oktober 6, 2016

Wenn man durch Ransom Riggs‘ Debütroman „Die Insel der besonderen Kinder“ blättert und sich die vor Jahrzehnten entstandenen, von Riggs auf Flohmärkten gesammelten Bilder ansieht, glaubt man, Bilder aus einem Tim-Burton-Film vor sich zu haben – und Tim Burton verfilmte jetzt auch den Roman, der bis auf das Ende der Vorlage ziemlich genau folgt. Der dritte Akt fällt im Film wesentlich pompöser als im Roman aus.

Als Kind lauschte Jake fasziniert seinem Großvater Abraham und seinen abenteuerlichen Erzählungen von einer Insel mit besonderen Kindern und seinen Kämpfen gegen Monster lauschte. Aber das – schwebende Mädchen, ein unsichtbarer Junge, ein Junge, aus dessen Mund, wenn er ihn öffnet, Bienen fliegen – sind nur Gute-Nacht-Geschichten, die Großvater Abraham mit Vintage-Fotos illustrierte.

Als Jake ein Teenager ist, wird Abraham ermordet. Offiziell wurde er von einem Rudel Hunde getötet, aber Jake sah die Monster. Allerdings hat nur er die Monster gesehen. Kurz darauf erhält er eine mysteriöse Nachricht und er macht sich, begleitet von seinem Vater, einem Vogelbeobachter, auf den Weg nach Cairnholm Island, der walisischen Insel, auf der Abraham während des Zweiten Weltkriegs als Flüchtling einige Zeit in einem Kinderheim war. Und dort trifft Jake in einer Zeitschleife, die immer wieder einen Kriegstag wiederholt, all die Kinder, von denen Abraham ihm erzählte, und die Schulleiterin, Miss Peregrine, die sich – und das ist eine ihrer besonderen Fähigkeiten – in einen Wanderfalken (Falco Peregrinus) verwandeln kann. Eine andere Fähigkeit von ihr ist, dass sie eine Zeitschleife, die eine kleine Verbindung zur Außenwelt und Gegenwart hat, einrichten und so die Kinder vor Gefahren schützen kann.

Riggs‘ Roman, selbstverständlich der Beginn einer Trilogie, dessen letzter Band im November als „Die Bibliothek der besonderen Kinder“ bei Knaur erscheint, ist ein Fantasy-Roman für Jugendliche, geschrieben mit überschaubaren literarischen Ambitionen und einer überschaubaren Spannungskurve. Das und dass sich alles recht langsam entwickelt (so betritt Jacob erst auf Seiten 80 die Insel und erst auf Seite 172, nachdem er einige Seiten vorher von den besonderen Kindern geschnappt wurde, trifft er Headmistress Peregrine) ist in dem Roman nicht so nachteilig.

Aber in dem Film fällt dann auf, dass es ewig dauert, bis Jacob mit seinem Vater Florida verlässt und nach England fliegt. Dort trifft er zwar ziemlich schnell auf Miss Peregrine und ihre besonderen Kinder, aber weil ihre Charakterisierung niemals tiefer als ihre besondere Fähigkeit geht (Wie oft müssen wir den Unsichtbaren sehen? Wie oft muss Fiona Pflanzen wachsen lassen? Wie oft muss Emma schwerelos gen Himmel schweben, bis wir ihre Fähigkeit verstanden haben?), langweilt dieser Teil schnell. Es gibt einfach keinen Konflikt. Alles spielt sich in einer Bilderbuchidylle ab. Nie ist der typische bizarre und schwarze Humor von Burton spürbar. Nie gibt es einen irgendwie produktiven oder verstörenden Austausch zwischen der normalen Welt und den besonderen Kindern. Auch Jakob, der anfangs behauptet, keine besonderen Fähigkeiten zu haben, nimmt die Fähigkeiten der besonderen Kinder und ihrer Betreuerin als gottgegeben hin. Er staunt noch nicht einmal eine Zehntelsekunde, dass die Fotografien seines Großvaters keine Fälschungen waren.

Und beim großen Finale, wenn dann endlich die Bösewichter auftauchen, die sich vorher gut versteckten, scheint Tim Burton sein Storyboard an die CGI-Abteilung mit dem Kommentar „macht mal, wird schon passen“ abgegeben zu haben. Dabei waren gerade in früheren Tim-Burton-Filmen die liebevoll animierten oder mit Puppen in Stop-Motion-Technik nachgestellten Monsterszenen unvergessliche Höhepunkte.

Die namhaften Schauspieler bleiben durchgehend blass. Nur Samuel L. Jackson als Bösewicht Barron hat einen eindrucksvollen Auftritt. Allerdings erst im Finale. Bis dahin tritt er, abgesehen von einem kurzen Moment am Filmanfang, nicht auf.

Die Musik plätschert ohne irgendeinen Eindruck zu hinterlassen vor sich hin. Sie ist auch nicht von Burton-Hauskomponist Danny Elfman, sondern von Michael Higham und Matthew Margeson.

Damit bleibt Tim Burton zwar der Vorlage treu, aber für diesen seelenlosen Film hätte man keinen Tim Burton gebraucht, der uns zuletzt mit „Frankenweenie“ in eine andere Welt entführte und in „Big Eyes“ sogar dem Fünfziger-Jahre-Amerika mild absurde Seiten abgewann.

Die Insel der besonderen Kinder“ ist da nur Malen nach Zahlen. Daran ändert auch das so entstandene farbenprächtige Bild nichts.

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Die Insel der besonderen Kinder (Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children, USA 2016)

Regie: Tim Burton

Drehbuch: Jane Goldman

LV: Ransom Riggs: Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children, 2011 (Die Insel der besonderen Kinder)

mit Eva Green, Asa Butterfield, Samuel L. Jackson, Judi Dench, Rupert Everett, Allison Janney, Chris O’Dowd, Terence Stamp, Ella Purnell, Finlay MacMillan, Lauren McCrostie, Hayden Keeler-Stone, Georgia Pemberton, Milo Parker, Raffiella Chapman, Pixie Davies, Joseph Odwell, Thomas Odwell, Cameron King, Louis Davison, Kim Dickens, O-Lan Jones

Länge: 127 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage (zum Filmstart mit besonderem Cover)

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Ransom Riggs: Die Insel der besonderen Kinder

(übersetzt von Silvia Kinkel)

Knaur, 2016

416 Seiten

12 Euro

Deutsche Erstausgabe

Pan-Verlag, 2011

Taschenbuchausgabe

Knaur, 2013

Originalausgabe

Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children

Quirk Books, Philadelphia 2011

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Insel der besonderen Kinder“

Metacritic über „Die Insel der besonderen Kinder“

Rotten Tomatoes über „Die Insel der besonderen Kinder“

Wikipedia über „Die Insel der besonderen Kinder“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tim Burtons “Frankenweenie” (Frankenweenie, USA 2012, nach einem Drehbuch von John August)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Big Eyes“ (Big Eyes, USA 2014)

Tim Burton in der Kriminalakte

Homepage von Ransom Riggs


Neu im Kino/Filmkritik: „Mr. Holmes“ ist ein alter, vergesslicher Mann

Dezember 24, 2015

Das ist ein einerseits/andererseits-Film. Wobei das größte Problem von „Mr. Holmes“ der Protagonist und der damit zusammenhängende Fall ist. Denn natürlich ist der Film gut gespielt. Ian McKellen in der Hauptrolle überzeugt und die Geschichte entwickelt sich auf drei Zeitebenen konsequent, aber auch wenig überraschend (was nicht unbedingt schlecht ist) und etwas kitschig in der nordisch-herben Variante, auf ihr Ende hin.
1947 lebt Sherlock Holmes, inzwischen biblische 93 Jahre, zurückgezogen mit einer Haushälterin und ihrem Sohn auf einem malerisch gelegenem Landhaus in Sussex. Weil der Hobbyimker langsam sein Gedächtnis verliert, setzt er sich nach einer längeren Japan-Reise (deren Hintergründe wir in Rückblenden erfahren), an seinen Schreibtisch. Er will seinen letzten Fall als Privatdetektiv aufschreiben. Es ist der Fall, der vor dreißig Jahren dazu führte, dass er sich auf dem Privatdetektivgeschäft zurückzog. Dummerweise weiß er nicht mehr, warum er das tat und deshalb schreibt er, chronologisch, den Fall auf.
Das ist natürlich in der Realität eine ziemlich idiotische Idee und das ist einer der Punkte, an denen „Mr. Holmes“ krankt. Denn wenn Sherlock Holmes sich nicht mehr an seinen letzten Fall erinnert, wird er sich auch nicht daran erinnern, wenn er ihn chronologisch, wie eine Fortsetzungsgeschichte, aufschreibt. Sowieso ist das ein ziemlich schwacher Fall. Jedenfalls für Sherlock Holmes. Entsprechend enttäuschend ist dann auch die Lösung. Und, wenn wir uns an den von Sir Arthur Conan Doyle erfundenen Sherlock Holmes erinnern, ist die Konsequenz, die Sherlock Holmes aus der Lösung des Falles zieht, vollkommen unglaubwürdig. Denn der echte Sherlock Holmes niemals so reagiert.
Damit wären wir bei dem zweiten großen Problem des Films. Der Sherlock Holmes in „Mr. Holmes“ ist nicht der Sherlock Holmes, den wir kennen. Daran ändert auch der Hinweis in dieser Sherlock-Holmes-Dekonstruktion nichts, dass der Sherlock Holmes in diesem Film der echte Holmes ist, während wir bislang aus den Aufzeichnungen von Dr. Watson (schon lange vor Filmbeginn verstorben) nur eine idealisierte Version von ihm kennen. In „Mr. Holmes“ hat Holmes jetzt Charaktereigenschaften, die er vorher nie hatte mit einem gegen Null tendierendem Deduktionsvermögen. Das zeigt sich auch an dem in der Gegenwart spielendem ‚Fall‘, in dem es um Bienen und Wespen geht.
Andererseits überzeugt Bill Condons Film als Schauspielerkino und als Drama über das Älterwerden, in dem eine aufkeimende Freundschaft zwischen einem grummeligem alten Mann und einem Kind (ja, das haben wir noch nie gesehen) im Zentrum steht. Das macht „Mr. Holmes“ sehenswert.
Allerdings hätte mir Condons zweite Zusammenarbeit mit Ian McKellen nach dem hochgelobten Biopic „Gods and Monsters“ (USA/GB 1998, über den legendären Horrorfilmregisseur James Whale) viel besser gefallen, wenn sein Protagonist einen anderen Namen hätte.

Mr Holmes - Plakat

Mr. Holmes (Mr. Holmes, Großbritannien 2015)
Regie: Bill Condon
Drehbuch: Jeffrey Hatcher
LV: Mitch Cullin: A slight trick of the mind, 2005 (Neuausgabe als „Mr. Holmes“)
mit Ian McKellen, Laura Linney, Milo Parker, Hiroyuki Sanada, Hattie Morahan, Patrick Kennedy, Nicholas Rowe
Länge: 104 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Mr. Holmes“
Moviepilot über „Mr. Holmes“
Metacritic über „Mr. Holmes“
Rotten Tomatoes über „Mr. Holmes“
Wikipedia über „Mr. Holmes“
Meine Besprechung von Bill Condons „Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt“ (Inside Wikileaks, USA 2013)


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