TV-Tipp für den 27. März: Wo ist Rocky II?

März 27, 2019

Arte, 23.10

Wo ist Rocky II? (Where is Rocky II?, USA 2016)

Regie: Pierre Bismuth

Drehbuch: Pierre Bismuth, D. V. DeVincentis, Anthony Peckham (Segment „Monument One“)

TV-Premiere. 1976 schuf der US-Künstler Ed Ruscha einen künstlichen Felsen aus Kunstharz und versteckte ihn in der Mojave-Wüste zwischen all den echten Steinen. Im Werkkatalog des bekannten Pop-Art-Künstlers ist das Werk „Rocky II“ nicht gelistet. Aber es gibt eine kurze BBC-Dokumentation darüber. Als Konzeptkünstler Pierre Bismuth davon erfährt, ist seine Neugierde geweckt. Er heuert einen Privatdetektiv an. Er engagiert zwei Drehbuchautoren, die aus dem Stoff eine Filmgeschichte machen sollen. Er inszeniert die Drehbuchentwürfe von Anthony Peckham und D. V. DeVincentis. Und er inszenierte die Doku-Fiktion „Wo ist Rocky II?“, in der er unbekümmert die Grenzen zwischen Fakt, Fiktion und Metafiktion verschwimmen lässt – und wir nach dem Film darüber nachdenken können, ob ein Kunstwerk, das niemand kennt und das niemand sieht, ein Kunstwerk ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit (für „Monument One“) Robert Knepper, Milo Ventimiglia, Richard Edson, Barry O’Rourke, Tania Raymonde, Roger Guenveur Smith, Stephen Tobolowsky

und, als ’sie selbst‘ Michael Scott, Jim Ganzer, D. V. DeVincentis, Anthony Peckham, Mike White, Michael Govan, Philippe Vergne, Eli Broad, Connie Butler, Pierre Bismuth

auch bekannt als „Where is Rocky II?“ (Kinotitel)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Where is Rocky II?“

Rotten Tomatoes über „Where is Rocky II?“ (noch keine Bewertung)

Wikipedia über Pierre Bismuth (deutsch, englisch) und Ed Ruscha (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pierre Bismuths „Wo ist Rocky II?“ (Where is Rocky II?, USA 2016)

Werbeanzeigen

Neu im Kino/Filmkritik: „Where is Rocky II?“ und Warum will Ed Ruscha nicht darüber reden?

Oktober 21, 2016

Regisseur Pierre Bismuth nennt seinen Film „Where is Rocky II?“ „Fake Fiction“ und beim Spiel zwischen verschiedenen Ebenen steht er in der Tradition von „Vergiss mein nicht“ (Eternal Sunshine of the Spotless Mind, USA 2004). Für diesen Film erhielt er, zusammen mit Charlie Kaufman, den Drehbuch-Oscar. Kurz danach erfuhr er durch eine halbstündige BBC-Dokumentation von 1979 über Edward ‚Ed‘ Ruschas Kunstprojekt „Rocky II“, das in Ruschas Werkkatalog nicht gelistet ist. Damals stellte der bekannte Pop-Art-Künstler einen falschen Felsen aus Kunstharz her und versteckte ihn in der Mojave-Wüste. Seitdem ist das Werk verschollen, oder sagen wir ’niemand hat es bewusst gesehen‘. Falls es überhaupt noch existiert.

Für Bismuth ist dieses unauffindbare Kunstwerk der Ausgangspunkt für „Where is Rocky II?“. 2009 fragt er auf einer Ausstellungseröffnung Ruscha nach dem Werk. Der Popart-Künstler gibt eine kryptische Antwort und wünscht viel Spaß bei der Suche. Bismuth, und hier beginnt der Film, der unbekümmert Fakten und Fiktion und Metafiktion miteinander vermischt, beauftragt einen Privatdetektiv mit der Suche. Gleichzeitig befragt Bismuth verschiedene Mitglieder der Kunstwelt nach Ruscha und Rocky II. In diesen Interviews werden ganz konventionell dem Zuschauer Informationen über den Künstler vermittelt; wobei sie vor allem Ruscha als bedeutenden Künstler loben.

Schon in diesen Minuten gibt es mit professionellen Schauspielern inszenierte Szenen, deren Bedeutung und Zusammenhang mit den aktuellen Recherchen unklar ist. Später wird klar, dass das eine Verfilmung des „Drehbuch“, oder genauer der Drehbuchentwürfe und Gedankenspielereien von D. V. DeVincentis und Anthony Peckham ist. DeVincentis ist Autor von „Grosse Pointe Blank“ und „Lady Vegas“. Peckham von „Invictus – Unbezwungen“ und „Sherlock Holmes“. Beide werden in der zweiten Hälfte des Films wichtiger. Bismuth beobachtete sie bei ihren Drehbuchbesprechungen und wie sie gemeinsam eine Geschichte erfinden, die erklären kann, warum Ruscha den riesigen falschen Stein herstellte und vor der Öffentlichkeit versteckte. Es ist eine wahre Räuberpistole, die selbstverständlich von vorne bis hinten erstunken und erlogen ist.

Dieses von Pierre Bismuth angestoßene und inszenierte Spiel macht Spaß, auch wenn die zweite Hälfte des Films schwächer als die erste ist. Denn das Drehbuch ist einfach zu fantastisch, um auch nur irgendeinen Zusammenhang mit dem wahren Ed Ruscha zu haben. Dieser Teil des Spiels zwischen Fakten und Fiktion und wie Autoren Geschichten aufbauen, gerät außerdem arg platt und vorhersehbar in den bekannt-bewährten Hollywood-Erzählkonventionen, über die entweder gesprochen oder deren Anwendung in „Monument One“ (der Verfilmung des Drehbuchs von DeVincentis und Peckham) gezeigt wird.

Dabei hätte wenigstens ich gerne mehr über Ed Ruscha und Rocky II erfahren. Aber da belässt es Bismuth bei den wenigen, in dieser Besprechung in den ersten Zeilen zusammengefassten Fakten, die natürlich auch Fiktion sein könnten. Denn die Kunstszene macht gerne bei einem kleinem Spaß mit.

Dabei gibt es Ed Ruscha und auch die BBC-Dokumentation, aus der im Film einige Ausschnitte gezeigt werden, wirklich.

where-is-rocky-ii-plakat

Where is Rocky II? (Where is Rocky II?, USA 2016)

Regie: Pierre Bismuth

Drehbuch: Pierre Bismuth, D. V. DeVincentis, Anthony Peckham (Segment „Monument One“

mit (für „Monument One“) Robert Knepper, Milo Ventimiglia, Richard Edson, Barry O’Rourke, Tania Raymonde, Roger Guenveur Smith, Stephen Tobolowsky

und, als ’sie selbst‘ Michael Scott, Jim Ganzer, D. V. DeVincentis, Anthony Peckham, Mike White, Michael Govan, Philippe Vergne, Eli Broad, Connie Butler, Pierre Bismuth

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Where is Rocky II?“

Rotten Tomatoes über „Where is Rocky II?“ (noch keine Bewertung)

Wikipedia über Pierre Bismuth“ (deutsch, englisch) und Ed Ruscha (deutsch, englisch)

Pierre Bismuth spricht über seinen Film


Neu im Kino/Filmkritik: Jason Statham spielt die „Wild Card“

Februar 12, 2015

Ein neuer Film, für den William Goldman das Drehbuch schrieb, ist für Filmfans ein Jubelfest. Goldman schrieb, neben einigen Romanen, die teilweise verfilmt wurden, und seinen beiden äußerst kurzweiligen Hollywood-Erinnerungsbüchern „Das Hollywood Geschäft“ (Adventures in the Screen Trade, 1984) und „Wer hat hier gelogen?“ (Which lie did I tell?, 2000), die Drehbücher für „Ein Fall für Harper“, „Butch Cassidy und Sundance Kid“, „Die Unbestechlichen“, „Der Marathon-Mann“, „Die Braut des Prinzen“, „Misery“, „Absolute Power“, „Wehrlos – Die Tochter des Generals“ und „Dreamcatcher“. Seitdem, also seit über zwölf Jahren, schrieb der 1931 geborene Autor kein verfilmtes Drehbuch mehr. Aber für Simon West, der bereits „Wehrlos – Die Tochter des Generals“ verfilmte, kehrte er aus seinem Ruhestand zurück und was auf den ersten Blick gut klingt, wird schon beim allerersten genaueren Hinsehen bedenklich. Denn „Wild Card“ ist ein Remake von „Heat – Nick, der Killer“ (Heat, USA 1986)“, einem Privatdetektiv-Krimi mit Burt Reynolds, dessen Produktionsgeschichte so chaotisch war, dass William Goldman ihn in „Wer hat hier gelogen?“ nur in einem Halbsatz erwähnt.
Auch abseits der chaotischen Produktion ist „Heat“ ein bestenfalls durchschnittlicher Privatdetektiv-Krimi, den niemand mehr kennt.
Aber für ein Remake ist das eigentlich nicht schlecht. Immerhin stehen die Chancen gut, dass alle das Remake als die bessere Fassung der Geschichte loben. Man kann als Autor alte Fehler beseitigen und, immerhin ist „Heat“ gut dreißig Jahre alt, die Geschichte in die Gegenwart verlagern. Man kann sogar eine mehr oder weniger neue Geschichte erzählen.
Aber „Wild Card“ nimmt keine dieser Möglichkeiten wahr. Stattdessen wirkt der Film, als ob William Goldman einfach sein altes Drehbuch aus dem Regal genommen hat, ein, zwei vollkommen unwichtige Details änderte (Heißa, es gibt Mobiltelefone!) und Simon West das Buch gab, der es dann verfilmte als müsse er eine Folge der immer noch vergnüglichen TV-Serie „Vegas“ (die in den späten Siebzigern/frühen Achtzigern in Las Vegas gedreht wurde) inszenieren. Das gewinnt der einfachen Geschichte keinen einzigen neuen Aspekt ab und Themen, die damals neu (naja, halbwegs neu) im Genre waren, sind heute hoffnungslos veraltet. Denn Nick Wild (damals Burt Reynolds, heute Jason Statham) ist ein Spieler. Ein Süchtiger. Ja, das war damals neu. Damals haderten der von Lawrence Block erfundene New-Yorker-Privatdetektiv-ohne-Lizenz Matt Scudder und der von James Lee Burke erfundene Privatdetektiv-Polizist Dave Robicheaux in grandiosen Privatdetektivkrimis mit ihrem Alkoholismus. Heute gehört eine gepflegte Suchtgeschichte zur Grundausstattung eines erfolgreichen Ermittlers.
Ansonsten ist Privatdetektiv und Bodyguard Nick Wild aus der bewährten Klischeekiste des Privatdetektiv-Genres geformt: harte Schale, weicher Kern, großes Ehrgefühl, allseits beliebt, auch bei den Frauen, die er alle ohne Ausnahme respektvoll behandelt und mit guten Freunden in der ganzen Stadt bei der Polizei, den Verbrechern und den Casinobesitzern. Wenn er eine feste Freundin hätte, könnte er fast Spenser sein.
Die Freundin, der Nick Wild hilft, ist eine Prostituierte, die von Danny DeMarco, dem Sohn eines Gangsterbosses, vergewaltigt wurde. Jetzt will sie sich für die Vergewaltigung rächen. Ja, damals war das noch halbwegs innovativ. Heute fällt vor allem auf, dass man eine Rachegeschichte so nicht mehr erzählen kann.
Die Story, ergänzt um einige Episödchen aus dem Privatdetektivleben, plätschert auf TV-Serienniveau vor sich hin (wobei mir „Vegas“ besser gefiel; „Simon & Simon“ und „Magnum“ waren auch besser) und bis auf ungefähr zwei Slow-Motion-Action-Szenen hätte auch alles so vor dreißig Jahren gedreht werden können. Denn das „Wild Card“-Las Vegas sieht nie so geleckt aus, wie wir es aus „Ocean’s Eleven“ oder „C. S. I.“ kennen, sondern, nun, wie das immer leicht schmuddelige Las Vegas aus „Vegas“.
Besonders störend bei dem schleppend erzähltem Krimi, der eine Charakterstudie sein will, aber dafür zu sehr an der Oberfläche bleibt, ist die seltsame Anlage der Hauptrolle von Jason Statham. Er spielt, ohne einen ersichtlichen Grund, den allseits beliebten Nick Wild immer so, als ob er auf Gott und die Welt wütend ist. Ein echter Stinkstiefel eben, mit dem man keine zwei Minuten verbringen möchte.
Da hat Burt Reynolds im Original einen viel lässigeren Charme versprüht. Oder Robert Urich („Spenser“) als Dan Tanna in – Sie ahnen es – „Vegas“.

Wild Card - Plakat

Wild Card (Wild Card, USA 2015)
Regie: Simon West
Drehbuch: William Goldman
LV: William Goldman: Heat, 1985
mit Jason Statham, Sofia Vergara, Milo Ventimiglia, Stanley Tucci, Anne Heche, Hope Davis, Michael Angarano, Dominik Garcia-Lorido, Max Casella, Jason Alexander
Länge: 93 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Film-Zeit über „Wild Card“
Moviepilot über „Wild Card“
Metacritic über „Wild Card“
Rotten Tomatoes über „Wild Card“
Wikipedia über „Wild Card“
Meine Besprechung von Simon Wests „The Mechanic“ (The Mechanic, USA 2011)
Meine Besprechung von Simon Wests „The Expendables 2“ (The Expendables 2, USA 2012)

William Goldman in der Kriminalakte

Ein ausführliches Interview mit William Goldman, aufgenommen im Mai 2010


Neu im Kino/Filmkritik: „Grace of Monaco“, Fürst Rainer und ein Angebot von Alfred Hitchcock

Mai 15, 2014

Wenige Tage bevor das Biopic „Grace of Monaco“ die Filmfestspiele von Cannes am 14. Mai eröffnete, betonte die Fürstenfamilie von Monaco, dass sie nicht zur Premiere kommen werde und auch mit dem Film nicht einverstanden sei. Er sei unnötig glamourös und einige Szenen seinen pure Fiktion.
Nach dem Film fragte ich mich, ob die Fürstenfamilie den Film wirklich gesehen hat. Denn selbstverständlich nimmt er sich zahlreiche Freiheiten, er betont das sogar in einer Texttafel am Filmanfang, aber es ist ein Spielfilm, der als Film funktionieren muss, und kein Dokumentarfilm. Außerdem wird das Königshaus in einem sehr positiven Licht gezeigt. Dagegen sollen die Grimaldis wirklich etwas haben?
Auch bei dem quasi im Zentrum des Films stehendem Konflikt zwischen Frankreich und Monaco sind die Sympathien eindeutig verteilt. Die bösen Franzosen wollen den guten Fürst Rainer erpressen, Steuern zu erheben und diese nach Frankreich zu überweisen. – Nein, auch bei einer Auftragsarbeit hätte das Fürstenhaus, das als Steueroase und Ort der Geldwäsche bekannt ist, nicht besser wegkommen können.
Auch als Spielfilm ist „Grace of Monaco“ gar nicht so schlecht. Verglichen mit „Diana“ und „Yves Saint Laurent“ ist der bieder inszenierte Film sogar ein Meisterwerk. Und der Kitschanteil bewegt sich auf einem erträglichem Maß. Immerhin wird hier ein Märchen, in der Tradition von Filmen wie „Sissi“, bei denen auch niemand mit dem Metermaß die historische Genauigkeit abmisst, erzählt.
Als Grace Kelly im Mai 1955 während der Filmfestspiele von Cannes Fürst Rainer III kennenlernte, verliebte sie sich in den Traumprinzen, heiratete ihn und als Fürstin war ihre Hollywood-Karriere vorbei.
Im Dezember 1961 besucht Alfred Hitchcock sie. Er bietet ihr die Hauptrolle in seinem neuen Film „Marnie“ an. Grace, die zunehmend gelangweilt vom höfischen Protokoll ist und immer noch mit den Monegassen und ihrer Rolle als Landesmutter fremdelt, würde gerne wieder spielen.
Zur gleichen Zeit befindet Monaco sich in einem Wirtschaftskrieg mit Frankreich. Präsident Charles de Gaulle möchte, dass Monaco nicht mehr länger ein Fluchtort für französische Firmen ist, die ihr Geschäft in Monaco anmelden und keine Steuern mehr bezahlen. Fürst Rainer lehnt das ab.
„Grace of Monaco“ konzentriert sich auf das Jahr 1962 in dem sie mit ihrer neuen Rolle als Landesmutter ihren Frieden schließt und den Steuerstreit zwischen Monaco und Frankreich. Dabei nimmt dieser Konflikt und damit verbundene Palastintrigen und Eheprobleme einen erstaunlich großen Raum ein.
Regisseur Olivier Dahan („La vie en rose“) und Drehbuchautor Arash Amel („Die Logan Verschwörung“) zeigen schön – und in schönen Bildern – in welchem Dilemma Grace Kelly steckte. Sie musste sich endgültig zwischen verschiedenen Lebensplänen entscheiden, ihre Rolle als Fürstin finden und auch das Verhältnis zu ihrem Ehemann klären. Dieses Drama spielt sich vor einer prächtigen Kulissen zwischen Palästen und Mittelmeeransichten ab und wird umrahmt von einem höfischen Protokoll, das eine Scheidung nicht vorsah, das schon damals anachronistisch war und heute nach der guten alten Zeit, die so gerne verklärt wird, klingt.
Mit Nicole Kidman als Grace Kelly, Tim Roth als Fürst Rainer und Frank Langella als ihr geistlicher Beistand, Hofkaplan Francis Tucker (der die katholische Kirche in einem sehr positiven Licht erstrahlen lässt) in den Hauptrollen und Parker Posey und Derek Jacobi in wichtigen Nebenrollen ist der Film auch prominent besetzt für den internationalen Markt, weshalb in der Originalversion, bis auf wenige Sätze, nur englisch gesprochen wird.
Mit der Wirklichkeit hat „Grace of Monaco“ sicherlich eher wenig zu tun. So wird der Konflikt mit Frankreich nur aus einer Perspektive geschildert. Dass Grace Kelly in ihm plötzlich eine entscheidende Rolle einnimmt und mit einer Rede beim jährlichen Rotkreuz-Ball den Konflikt besiegelt, ist (auch ohne Wissen der Hintergründe) unglaubwürdig und dass Alfred Hitchcock so verständnisvoll auf die Absage der ultimativen Hitchcock-Blondine reagierte, ist historisch nicht belegt. Im Gegenteil. Er war ziemlich verärgert.
Außerdem sind Nicole Kidman und Tim Roth einige Jahre älter als Grace Kelly und Fürst Rainer.
Aber als Märchen und von wahren Ereignissen inspiriertes Melodrama, das mögliche Untiefen der Geschichte erfolgreich vermeidet, funktioniert „Grace of Monaco“.

Grace of Monaco - Plakat

Grace of Monaco (Grace of Monaco, Frankreich/USA/Belgien/Italien 2014)
Regie: Olivier Dahan
Drehbuch: Arash Amel
mit Nicole Kidman, Tim Roth, Frank Langella, Paz Vega, Parker Posey, Milo Ventimiglia, Derek Jakobi, Robert Lindsay, Roger Ashton-Griffiths
Länge: 102 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Film-Zeit über „Grace of Monaco“
Moviepilot über „Grace of Monaco“
Metacritic über „Grace of Monaco“
Rotten Tomatoes über „Grace of Monaco“
Wikipedia über „Grace of Manaco“ (deutsch, englisch, französisch)


DVD-Kritik: Männlichkeitsrituale in der „Killing Season“

November 29, 2013

 

Ein Duell zwischen zwei Männern in der Wildnis mit Robert De Niro und John Travolta in den Hauptrollen. Das klingt doch ziemlich vielversprechend. Aber „Killing Season“ gehört dann doch eher in die Kategorie „auch für Genrejunkies verzichtbar“ und „nur für Komplettisten“. Denn auch die schönen Landschaftsaufnahmen, die in ihrer epischen Länge dem Werk wahrscheinlich eine tiefsinnige Bedeutung verleihen sollen, aber so tiefsinnig wie Kalenderbilder sind, strecken die dünne Geschichte um mehrere Minuten auf dreiundneunzig Minuten. Ohne Abspann.

John Travolta spielt Emil Kovac, einen Serben mit höchst seltsamer Bartrasur. Yeah, das erinnert an die seeligen Hollywood-Zeiten, als der Deutsche Peter Lorre einen Asiaten spielen musste.

Kovac will sich an Benjamin Ford (Robert De Niro) rächen. Der Soldat gehörte vor achtzehn Jahren zu einer Nato-Einheit, die nach irgendeinem Massaker mehrere ganz böse Serben erschoss. Kovac überlebte allerdings und jetzt, nachdem er weiß, wer ihn damals umbringen wollte, will er ihn umbringen.

Und dann kloppen und jagen die beiden sich durch die Appalachen, schießen mit Pfeil und Bogen und Gewehr aufeinander, benutzen Messer und Fäuste, zerstören auch ein Auto und forcieren ein Pseudo-Macho- und Krieg-ist-doof-Bild, das nie glaubhaft ist. Auch die Gegenüberstellung der beiden Charaktere, der eine hasserfüllt bis zum Gehtnichtmehr, der andere nach seinen Kriegserlebnissen friedfertig fotografierend im selbstgewählten Exil lebend, ist nur verquer. Ebenso die Botschaft des Films, die bestenfalls gut gemeint ist. Aber gut gemeint ist mal wieder das Gegenteil von gut gemacht.

Und dabei hätte „Killing Season“ – was sicher so geplant war – ein in der Gegenwart spielender Western werden können. Aber dafür hätte man ein besseres Drehbuch und einen besseren Regisseur gebraucht.

Sam Peckinpah, Walter Hill und William Friedkin (in dem ungleich gelungenerem „Die Stunde des Jägers“) haben ähnliche Geschichten inszeniert. Besser. Viel besser. Auch John McTiernan („Predator“, „Stirb langsam“, „Last Action Hero“), der ursprünglich als Regisseur im Gespräch war, wäre sogar im Wachkoma ein besserer Regisseur als Mark Steven Johnson gewesen. Seine bekanntesten Filme sind „Daredevil“ und „Ghost Rider“.

Killing Season - DVD-Cover - 4

Killing Season (Killing Season, USA 2013)

Regie: Mark Steven Johnson

Drehbuch: Evan Daugherty

mit Robert De Niro, John Travolta, Milo Ventimiglia, Elizabeth Olin, Diana Lyubenova, Kalin Sarmenov

DVD

Splendid

Bild: 2,40:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bonusmaterial (angekündigt): Interviews, B-Roll

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Metacritic über „Killing Season“

Rotten Tomatoes über „Killing Season“

Wikipedia über „Killing Season“

Mehr Horror gefälig?

Deutscher Kinostart von „Zwei vom alten Schlag“ (Grudge Match) ist am 9. Januar.


TV-Tipp für den 3. August: Armored

August 3, 2013

 

Sat.1, 22.15

Armored (USA 2009, R.: Nimrod Antal)

Drehbuch: James V. Simpson

Die Mannschaft eines Geldtransporters will einen Überfall fingieren und mit der Beute (42 Millionen Dollar) verschwinden. Selbstverständlich geht der Plan schief und die Jungs gehen sich gegenseitig an die Gurgel.

Geradliniges B-Movie, das ohne Überraschungen sein Programm abspult und seinen hochkarätigen Cast vollkommen verschenkt. Sogar für die Die-Hard-Heist-Movie-Fans eine enttäuschende Angelegenheit, weil die Diskrepanz zwischen Besetzung, Anspruch und Wirklichkeit zu groß ist.

mit Matt Dillon, Jean Reno, Fred Ward, Columbus Short, Skeet Ulrich, Laurence Fishburne, Amaury Nolasco, Milo Ventimiglia

Wiederholung: Sonntag, 4. August, 01.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Armored“

Metacritic über „Armored“

Rotten Tomatoes über „Armored“

John Robert Marlow interviewt Drehbuchautor James V. Simpson


%d Bloggern gefällt das: