TV-Tipp für den 26. Oktober: Lola rennt

Oktober 25, 2019

Tele 5, 20.15

Lola rennt (Deutschland 1998)

Regie: Tom Tykwer

Drehbuch: Tom Tykwer

Ihr Freund Manni hat es mal wieder vermasselt. Jetzt hat seine Freundin Lola zwanzig Minuten, um 100.000 Mark zu besorgen und zum Treffen von Manni und den Autoschiebern zu bringen. Um das Geld zu besorgen läuft sie los. Quer durch Berlin.

Und weil Tom Tykwer keinen 08/15-Thriller, sondern ein filmisches Experiment inszenierte, muss Lola dreimal loslaufen. Jedes Mal verändern sich dabei Kleinigkeiten, die die folgenden Ereignisse beeinflussen.

Dieser heftig pulsierende Berlin-Film war damals der Film der Stunde und der erfolgreichste deutsche Film des Jahres 1998.

mit Franka Potente, Moritz Bleibtreu, Herbert Knaup, Nina Petri, Joachim Król, Armin Rohde, Heino Ferch, Suzanne von Borsody, Lars Rudolph, Ludger Pistor

Hinweise

Filmportal über „Lola rennt“

Rotten Tomatoes über „Lola rennt“

Wikipedia über „Lola rennt“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tom Tykwer/Lana & Andy Wachowski „Cloud Atlas“ (Cloud Atlas, USA/Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Tom Tykwers Dave-Eggers-Verfilmung „Ein Hologramm für den König“ (Deutschland/Großbritannien 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Das Udo-Jürgens-Musical „Ich war noch niemals in New York“ jetzt in der Kinoversion

Oktober 17, 2019

Nachdem seine Lieder jahrzehntelang aus jedem Radio ertönten und seit seiner Premiere 2007 fast fünf Millionen Besucher das aus seinen bekanntesten Hits bestehende Musical „Ich war noch niemals in New York“ gesehen haben, müssen Udo Jürgens und seine Lieder wahrscheinlich nicht mehr vorgestellt werden. Seine Lieder sind so bekannt und beliebt, dass damit auch ein großes Kinopublikum angesprochen wird.

Das war wohl die Überlegung der Macher des Film-Musicals „Ich war noch niemals in New York“, das sich sehr, sehr locker an den Figuren und der Geschichte des Musicals orientiert. Wer also das Musical kennt, wird über die fast vollkommen neue Geschichte etwas erstaunt sein.

Als Maria Wartberg (Katharina Thalbach) in ihrer Wohnung unglücklich stürzt, verliert sie ihr Gedächtnis. Sie erinnert sich nur daran, dass sie noch niemals in New York war. Um sich diesen Wunsch zu erfüllen, schleicht sie sich auf den luxuriösen Ozeandampfer „Maximiliane“.

Ihre Tochter Lisa (Heike Makatsch), eine zickige TV-Moderatorin, eilt ihr hinterher. Bevor sie ihre Mutter gefunden hat, legt das Schiff ab und die Filmgeschichte fräst sich durch den Fundus altmodischer Gesangs- und Verwechslungskomödien, die immer den Muff deutscher Schlagerfilme, verströmt. Da sind der nette Vater Axel Staudach (Moritz Bleibtreu) und sein zwölfjähriger Sohn Florian (Marlon Schramm), die an eine Mischung aus e. o. plauens „Vater und Sohn“-Bildergeschichten (plauen lebte von 1903 bis 1944) und der Heinz-Rühmann-Komödie „Wenn der Vater mit dem Sohne“ (1955) erinnern. Die beiden ‚Unterhalter‘ Otto (Uwe Ochsenknecht) und James (Mat Schuh) sind ölige Casanovas für älteren Damen, die nicht den Mumm haben, echte Heiratsschwindler zu sein. Costa (Pasquale Aleardi) ist, abgefüllt mit „Griechischer Wein“, der hyperpotente Südländer, der, immerhin Leben wir nicht mehr in den fünfziger Jahren, homosexuell ist. Bis er sich dazu bekennt, vergeht viel Filmzeit. Der zweite Schwule ist Lisas Maskenbildner Fred (Michael Ostrowski), der sich erfolgreich bemüht, alle Klischees über Schwule herunterzuspielen, als habe es die „Bullyparade“ und „Der Schuh des Manitu“ noch nicht gegeben.

Der Humor ist altbacken. Die Klischees über Geschlechter und Berufe scheinen direkt aus den Fünfzigern zu kommen.

In dieser quietschbunten Retro-Kunstwelt singen die Schauspieler die bekannten Udo-Jürgens-Hits und tanzen dazu. Beides natürlich nicht so gut, wie es echte Sänger und Tänzer getan hätten, aber dafür authentisch.

Die Tanznummern zitieren dabei immer wieder bekannte Vorbilder. Nur wenn es in Hollywood ein Pool war, in dem mindestens eine halbe Hundertschaft Schwimmerinnen ein atemberaubendes Wasserballett präsentierten, ist es in der deutschen Version ein kleiner Pool auf einem Ozeandampfer, der schon mit einer Skatrunde übervoll ist.

Die Lieder von Udo Jürgens, die immer deutlich besser als das übliche deutsche Schlagergedöns waren (und sind), erfahren eine Retro-Bearbeitung, die ihre Botschaft ins Gegenteil verkehren. Anstatt dem Aufbruch nach New York wird gleich nach Klein-Kleckersdorf abgebogen.

Ich war noch niemals in New York“ reanimiert die gruseligen Schlagerfilme, die vor allem in den fünfziger und sechziger Jahren von deutschen Produzenten in Serie hergestellt wurden. An der Kinokasse waren diese Schlager- und Heimatschnulzen erfolgreich, weil sie dem Publikum eine heile Welt zeigten, die nichts mit der aktuellen Realität und der deutschen Vergangenheit zu tun hatte.

Ich war noch niemals in New York (Deutschland 2019)

Regie: Philipp Stölzl

Drehbuch: Alexander Dydyna, Philipp Stölzl, Jan Berger (Mitarbeit), Karsten Dusse (Dialog Polish)

mit Heike Makatsch, Moritz Bleibtreu, Katharina Thalbach, Uwe Ochsenknecht, Michael Ostrowski, Pasquale Aleardi, Marion Schramm, Mat Schuh, Andreja Schneider, Stefan Kurt, Frank Zander

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Facebook-Seite zum Film

Filmportal über „Ich war noch niemals in New York“

Moviepilot über „Ich war noch niemals in New York“

Wikipedia über „Ich war noch niemals in New York“

Meine Besprechung von Philipp Stölzls „Der Medicus“ (Deutschland 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: „Roads“ zu einer Freundschaft

Mai 31, 2019

Es dauert lange, sehr lange, für meinen Geschmack viel zu lange, bis wir mehr über Gyllen (Fionn Whitehead) erfahren. Das erste Mal begegnen wir dem 18-jährigen Engländer in der ersten Filmminute von „Roads“, als er mitten in der Nacht in Marokko an einer Straße steht und alle in seinem Telefon gespeicherten Freunde und Bekannte anruft, die ihm helfen könnten. Denn sein Wohnwagen ist mitten in der Einöde liegen geblieben.

William (Stéphane Bak) beobachtet ihn. Später kommen sie ins Gespräch miteinander und nachdem William Gyllens Wohnwagen wieder flott gemacht hat, bietet Gyllen ihm eine Mitfahrgelegenheit an. Beide wollen nach Europa. Vor der Grenze versteckt Gyllen William in der Toilette des Wohnwagens. Denn William ist ein Flüchtling.

Dass Gyllen ebenfalls ein Flüchtling ist, erfahren wir erst viel später. Der Londoner Gyllen hielt den Urlaub mit seiner Mutter und seinem Stiefvater (beide sehen wir niemals) nicht mehr aus. Jetzt will er nach Frankreich zu seinem auf dem Land lebendem Vater.

Der aus dem Kongo kommende William will nach Calais. Von dort erhielten er vor einem halben Jahr er und seine Familie die letzte Nachricht seines Bruders.

Sebastian Schipper erzählt, basierend auf einem Drehbuch, das er zusammen mit Oliver Ziegenbalg („25 km/h“) schrieb und während des chronologischen Drehs weiterentwickelte, wie sich seine beiden jugendlichen Protagonisten auf ihrer Fahrt quer durch Europa miteinander befreunden. Dass Schipper dabei nicht die Formel seines Debütfilms „Absolute Giganten“ oder seines in einer Einstellung gedrehten Überraschungserfolg „Victoria“ wiederholt, ist ihm hoch anzurechnen. Aber wirklich überzeugen kann das schön aussehende, formal gut gemachte und gut gespielte, aber primär gut gemeinte Road-Movie nicht.

Neben den typischen Erlebnissen, die Jugendliche auf ihrer ersten Reise haben (Drogen!), geht es auch um die Flüchtlingsfrage, die hier anhand einer Freundschaft zwischen zwei Jungen erzählt wird. Oder besser gesagt: nicht erzählt wird. Sie ist das durch Williams Biographie gewählte Hintergrundrauschen, das auch dazu führt, dass Gyllen immer wieder anderen Flüchtlingen begegnet, ohne dass hier thematische Vertiefungen stattfänden. Überraschende Einsichten fehlen ebenfalls.

Dafür verläuft die Begegnung zwischen Gyllen und William zu sehr in den Bahnen einer jugendlich unschuldigen Coming-of-Age-Geschichte, in der aus einer Zufallsbekanntschaft eine kurzzeitige Freundschaft wird. Dabei ist es ziemlich egal, ob der eine Junge aus London und der andere aus dem Kongo kommt, oder beide aus Berlin kommen.

Roads (Deutschland/Frankreich 2019)

Regie: Sebastian Schipper

Drehbuch: Sebastian Schipper, Oliver Ziegenbalg

mit Fionn Whitehead, Stéphane Bak, Moritz Bleibtreu, Ben Chaplin, Marie Burchard, Josue Ndofusu

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

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Filmportal über „Roads“

Moviepilot über „Roads“

Rotten Tomatoes über „Roads“

Wikipedia über „Roads“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sebastian Schippers „Victoria“ (Deutschland 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „Abgeschnitten“ – ein Thriller von Sebastian Fitzek und Michael Tsokos, ein Film von Christian Alvart

Oktober 11, 2018

Die Thriller von Sebastian Fitzek sind echte Pageturner. Es sind Thriller, die man innerhalb weniger Stunden oder einer kurzen Nacht bis zum Morgengrauen durchliest.

Die bisherigen Fitzek-Verfilmungen „Das Kind“ und „Das Joshua-Profil“ waren nicht so gelungen.

Abgeschnitten“ ist daher nicht nur die bislang beste Fitzek-Verfilmung, sondern auch ein ziemlich gelungener Thriller. Wenn man über einige Unwahrscheinlichkeiten und schlechte Dialoge hinwegsieht. Und über den zähen Anfang, in dem die Hauptpersonen in jeder Beziehung arg umständlich und ziemlich verkrampft vorgestellt und einige Plots angedeutet werden, die später vollkommen unwichtig sind. Hier hätte ruhig einiges abgeschnitten werden können.

Letztendlich beginnt die Geschichte in der Gerichtsmedizin in Berlin. Rechtsmediziner Paul Herzfeld (Moritz Bleibtreu) entdeckt in einer grausam zugerichteten Leiche in einer kleinen, gut im Körper versteckten Kapsel einen Zettel mit der Telefonnummer seiner Tochter. Durch einen Anruf bei ihr erfährt er, dass sie entführt wurde und er unter keinen Umständen mit der Polizei reden soll.

Er macht sich in sturmumtoster Nacht (mit wunderbar stabiler Handyverbindung) auf den Weg nach Helgoland, um dort eine in einer Leiche eine weitere Spur zur Rettung seiner Tochter zu finden. Weil er nicht schnell genug auf der Insel sein kann, überzeugt er die aus Berlin vor ihrem Stalker nach Helgoland geflohene Comic-Zeichnerin Linda (Jasna Fritzi Bauer) die Leiche zu obduzieren. Unter seiner telefonischer Anleitung. Diese Szene, die im Buch und im Film durch ihre Detailgenauigkeit beeindruckt, ist im Kino dann auch ein schwarzhumorig-absurder Comic-Höhepunkt.

Für diese Detailgenauigkeit bei den gerichtsmedizinischen Details war im Roman Michael Tsokos zuständig. Er ist der Leiter des Instituts für Rechtsmedizin der Charité und des Landesinstituts für gerichtliche und soziale Medizin in Berlin. Die von ihm und Sebastian Fitzek dazu erfundene Geschichte ist dann eine ziemlich vorhersehbare Serienkiller-Geschichte, in der der durchgeknallte Killer den tapferen Helden auf eine Schnitzeljagd schickt. Das kennt man aus unzähligen US-Krimis und will es eigentlich seit Jahren nicht mehr lesen.

Im Film nimmt Christian Alvart sich dann zugunsten einer Thriller-Filmdramaturgie Freiheiten. Es gibt immer noch etliche irrwitzige Wendungen, aber alles erscheint organischer und nicht so formelhaft wie im Roman. Die Schauspieler harmonisieren und schnell entsteht eine ordentliche Thriller-Spannung, die man so in deutschen Filmen selten sieht. Aufgelockert wird sie durch etliche witzige Szenen. Wobei der Witz sich meistens aus der Situation ergibt. Denn die verschiedenen Charaktere müssen immer wieder Dinge tun, die sie unter keinen Umständen tun wollen. Zum Beispiel eine Leiche befördern oder sie aufschneiden.

Das ist spannend, wenn man die zahlreichen Unwahrscheinlichkeiten und Zufälle hinnimmt. Ohne sie würde der Plan des Bösewichts nicht funktionieren. Allein schon, dass Herzfeld die erste Botschaft findet, dass er dann niemand von seinen zahlreichen Polizistenfreunden informiert und dass auf Helgoland jemand ein herrenlos bei einer Leiche herumliegendes Handy findet und gleich die Anrufwiederholung ausprobiert, sind Zufälle, die so unwahrscheinlich sind, dass in der Realität der grandios ausgetüftelte Plan des Bösewichts schon an der ersten Hürde gescheitert wäre. Denn damit sein Plan funktioniert, muss Herzfeld die Kapsel finden und das Telefon bedienen.

Auch die Dialoge, vor allem am Anfang, sind teils peinlich, teils reinstes Schriftdeutsch und die Charaktere sind arg eindimensionale Funktionsträger.

Das kann alles – zu Recht – gegen Christian Alvarts Thriller eingewandt werden. Aber das kann auch gegen die Romane von Sebastian Fitzek gesagt werden. Und die machen Spaß. Wie der Film.

Abgeschnitten (Deutschland 2018)

Regie: Christian Alvart

Drehbuch: Christian Alvart

LV: Sebastian Fitzek/Michael Tskokos: Abgeschnitten, 2012

mit Moritz Bleibtreu, Jasna Fritzi Bauer, Lars Eidinger, Fahri Yardim, Enno Hesse, Christian Kuchenbuch, Urs Jucker, Barbara Prakopenka, Michael Tsokos, Sebastian Fitzek (beide, in verschiedenen Szenen, mit einem Cameo, ziemlich am Filmanfang)

Länge: 132 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Der Roman

zum Filmstart mit einem neuen Cover

Sebastian Fitzek/Michael Tsokos: Abgeschnitten

Knaur, 2018 (Filmausgabe)

400 Seiten

9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Droemer, 2012

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Abgeschnitten“

Moviepilot über „Abgeschnitten“

Meine Besprechung von Christian Alvarts „Banklady“ (Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Christian Alvarts „Halbe Brüder“ (Deutschland 2015)

Meine Besprechung von Christian Alvarts „Steig. Nicht. Aus!“ (Deutschland 2018)

Homepage von Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Kind“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Splitter“ (2009)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augensammler” (2010)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augenjäger” (2011)

Meine Besprechung der Sebastian-Fitzek-Verfilmung “Das Kind” (Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzek/Michael Tsokos‘ „Abgeschnitten“ (2012)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Nachtwandler“ (2013)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Joshua-Profil“ (2015)

Meine Besprechung von Max Rhodes (Pseudonym von Sebastian Fitzek) „Die Blutschule“ (2015)

Meine Besprechung von Michael Tsokos‘ „Dem Tod auf der Spur“ (2009)


Neu im Kino/Filmkritik: „Nur Gott kann mich richten“ und das wird er auch tun

Januar 26, 2018

Vor fünf Jahren bejubelten etliche Filmkritiker die „Lust am Genre“ im deutschen Film. Damals kamen parallel mehrere Kriminalfilme in unsere Kinos, die gelungen waren. Danach erlosch die Lust am Genre schneller als ein Strohfeuer. Der letzte deutsch(sprachig)e Kriminalfilm im Kino, der nicht Totalgrütze war, ist schon eine Weile her.

Özgür Yildirims „Chiko“ fällt einem ein. Inzwischen inszenierte er auch drei „Tatorte“ mit Wotan Wilke Möhring als Kommissar Thorsten Falke (Der Dritte wird dieses Jahr ausgestrahlt.). Bei seinem ersten „Tatort“ „Feuerteufel“ begann er auch an der Idee für seinen neuen Film „Nur Gott kann mich richten“ zu arbeiten. Es handelt sich dabei um ein waschechtes Gangsterdrama das Frankfurt am Main von einer sehr unglamourösen Seite zeigt. Es ist das Milieu der Klein- und Berufsverbrecher, die Stammgast im Knast sind, weil ihre Pläne größer als ihr Intellekt sind.

Ricky (Moritz Bleibtreu) ist so einer. Er wird nach fünf Jahren aus dem Knast entlassen. Bei einem grandios an der eigenen Unfähigkeit gescheitertem Überfall mit seinem Kumpel Latif (Kida Khord Ramadan) und seinem Bruder Rafael (Edin Hasanovic) nahm er die Hauptschuld auf sich. Jetzt will er ein ehrliches Leben führen. Er braucht dazu nur eine kleine Anschubfinanzierung für seinen Traum von einer Bar auf Cabrera.

Sein alter Kumpel Latif, inzwischen Besitzer einer schlecht gehenden Bar, vermittelt ihm einen Job. Er soll, mit einem zweiten Mann, die Albaner Branko und Fuad bei einem Drogendeal überfallen. Branko möchte nämlich die Drogen haben, ohne dafür zu bezahlen. Das ist ihm 50.000 Euro wert.

Vor dem fingierten Überfall wird Latif allerdings von der Polizei verhaftet. Ricky muss seinen nicht gerade zuverlässigen Bruder Rafael, der nichts mehr mit ihm zu tun haben will, um Hilfe bitten. Weil Rafael den ihn in Aussicht gestellten Teil des Geldes gut gebrauche kann, ist er einverdanden.

Der Überfall geht glatt über die Bühne, aber als Ricky und Rafael danach von der Polizei kontrolliert werden, gerät Rafael in Panik und es kommt zu einer Verfolgungsjagd durch Frankfurts Hinterhöfe, bei der Rafael die Beute verliert.

Die Tasche wird – wenn’s schon schiefgeht, dann geht alles schief – von einer Polizistin entdeckt, die die mit dem Heroin gefüllte Tasche nicht abgibt, sondern gewinnbringend verkaufen will. Sie könnte das Geld gut für ihre todkranke Tochter gebrauchen.

Weil der Albaner die spurlos verschwundenen Drogen haben will, erpresst er Ricky und Latif, der das Geschäft vermittelte. Also müssen sie die Drogen finden oder das nächste Verbrechen begehen, das nach Murphys Law nicht funktionieren kann.

Natürlich erfindet „Nur Gott kann mich richten“ das Genre nicht neu. Das will Özgür Yildirim auch nicht. Er will nur eine tief im Milieu verwurzelte Geschichte erzählen, in der ein Malheur dem nächsten folgt und alles etwas größer als das Leben ist. Natürlich mit den bekannten Klischees, Dialogen, Überhöhungen und wenigen Brechungen. So kümmert sich Ricky um seinen zunehmend dementen Vater (Peter Simonischek), der Rickys Bruder vergöttert.

Sowieso ist Ricky zwar der Vernünftigste unter den im Film agierenden Verbrechern. Aber Parkers Fußstapfen (der von Richard Stark erfundene eiskalte Profigangster) sind für ihn mehrere Nummern zu groß. Entsprechend wenig Illusionen hat man als Zuschauer über sein Schicksal. Das ist schon von der ersten Minute an vorgezeichnet.

Für Genrejunkies ist „Nur Gott kann mich richten“, trotz kleiner Schwächen, ein feiner Film.

Nur Gott kann mich richten (Deutschland 2017)

Regie: Özgür Yildirim

Drehbuch: Özgür Yildirim

mit Moritz Bleibtreu, Birgit Minichmayr, Edin Hasanovic, Kida Khodr Ramadan, Franziska Wulf, Peter Simonischek, Lilly Wagner, Cem Öztabakci, Blerim Destani, Marie-Lou Sellem, Alexandra Maria Lara

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Nur Gott kann mich richten“

Moviepilot über „Nur Gott kann mich richten“

Rotten Tomatoes über „Nur Gott kann mich richten“

Wikipedia über „Nur Gott kann mich richten“

Meine Besprechung von Özgür Yildirims „Boy 7“ (Deutschland 2015)


TV-Tipp für den 7. Januar: The Cut

Januar 7, 2018

ARD, 00.05

The Cut (Deutschland/Frankreich 2014)

Regie: Fatih Akin

Drehbuch: Fatih Akin, Mardik Martin

Türkei, 1915: der armenische Schmied Nazaret sucht viele Jahre seine beiden Töchter, die den Völkermord der Türken an den Armeniern überlebtet haben sollen. Dafür reist er um die halbe Welt bis in die USA.

Gelungenes, episches Unterhaltungskino, das seine TV-Premiere zu einer wahrhaft unchristlichen Zeit erlebt.

Mehr in meiner epischen Besprechung.

mit Tahar Rahim, Simon Abkarian, Makram J. Khoury, Hindi Zahra, Kevork Malikyan, Bartu Kücükcaglayan, Trine Dyrholm, Moritz Bleibtreu, Akin Gazi, George Georgiou

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Cut“
Moviepilot über „The Cut“
Rotten Tomatoes über „The Cut“
Wikipedia über „The Cut“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Fatih Akins „Müll im Garten Eden“ (Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Fatih Akins „The Cut“ (Deutschland/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Fatih Akins „Tschick“ (Deutschland 2016)

Meine Besprechung von Fatih Akins „Aus dem Nichts“ (Deutschland 2017)


TV-Tipp für den 27. September: Die Frau in Gold

September 26, 2017

RBB, 23.00

Die Frau in Gold (Woman in Gold, GB/USA 2015)

Regie: Simon Curtis

Drehbuch: Alexi Kaye Campbell

Die im Zweiten Weltkrieg in die USA geflohene Jüdin Maria Altmann hätte gerne wieder das titelgebende Klimt-Gemälde von ihre Tante Adele. Dummerweise ist das Jugendstilgemälde inzwischen zu einer Ikone der österreichischen Identität geworden und Österreich denkt gar nicht daran, Altmann das Gemälde zurückzugeben.

Gutes, gefällig inszeniertes, auf einem wahren Fall basierendes britisches Schauspielerkino mit entsprechend pointierten Dialogen und einem noblen Anliegen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Max Irons, Elizabeth McGovern, Katie Holmes, Tatiana Maslany, Antje Traue, Justus von Dohnányi, Tom Schilling, Charles Dance, Jonathan Pryce, Frances Fisher, Moritz Bleibtreu

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Die Frau in Gold“
Moviepilot über „Die Frau in Gold“
Metacritic über „Die Frau in Gold“
Rotten Tomatoes über „Die Frau in Gold“
Wikipedia über „Die Frau in Gold“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „Die Frau in Gold“
Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „My Week with Marilyn“ (My Week with Marilyn, GB 2011)

Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „Die Frau in Gold“ (Woman in Gold, GB/USA 2015)


TV-Tipp für den 27. August: Der Baader Meinhof Komplex

August 27, 2017

ARD, 23.30

Der Baader Meinhof Komplex (Deutschland 2008, Regie: Uli Edel)

Drehbuch: Bernd Eichinger

LV: Stefan Aust: Der Baader Meinhof Komplex, 1985 (danach mehrere überarbeitete Neuausgaben)

Buch zum Film: Katja Eichinger: Der Baader Meinhof Komplex – Das Buch zum Film, 2008

Von der Länge her epische, vom Tempo her hektische Verfilmung der Geschichte der RAF von ihren Anfängen bis zu ihrem Ende. Da stimmt die Ausstattung, aber für die Vertiefung der einzelnen Charaktere bleibt wenig Zeit.

Mit Martina Gedeck, Moritz Bleibtreu, Johanna Wokalek, Bruno Ganz, Simon Licht, Jan Josef Liefers, Alexandra Maria Lara, Heino Ferch, Nadja Uhl, Hannah Herzsprung, Niels-Bruno Schmidt, Stipe Erceg, Daniel Lommatzsch, Volker Bruch, Bernd Stegemann, Tom Schilling, Katharina Wackernagel, Anna Thalbach, Jasmin Tabatabai, Hans Werner Meyer

Wiederholungen

3sat, Montag, 28. August, 22.25 Uhr

3sat, Mittwoch, 30. August, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Filmportal über „Der Baader Meinhof Komplex“

Film-Zeit über „Der Baader Meinhof Komplex“

Wikipedia über „Der Baader Meinhof Komplex“ (deutsch, englisch)

Hollywood Interview: mit Uli Edel üer den Film


TV-Tipp für den 16. Juli: Die Frau in Gold

Juli 15, 2017

Wer den Film am Mitwoch verpasste

One, 20.15

Die Frau in Gold (Woman in Gold, GB/USA 2015)

Regie: Simon Curtis

Drehbuch: Alexi Kaye Campbell

Die im Zweiten Weltkrieg in die USA geflohene Jüdin Maria Altmann hätte gerne wieder das titelgebende Klimt-Gemälde von ihre Tante Adele. Dummerweise ist das Jugendstilgemälde inzwischen zu einer Ikone der österreichischen Identität geworden und Österreich denkt gar nicht daran, Altmann das Gemälde zurückzugeben.

Gutes, gefällig inszeniertes, auf einem wahren Fall basierendes britisches Schauspielerkino mit entsprechend pointierten Dialogen und einem noblen Anliegen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Max Irons, Elizabeth McGovern, Katie Holmes, Tatiana Maslany, Antje Traue, Justus von Dohnányi, Tom Schilling, Charles Dance, Jonathan Pryce, Frances Fisher, Moritz Bleibtreu

Wiederholung: Samstag, 22. Juli, 10.00 Uhr

Hinweise
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Rotten Tomatoes über „Die Frau in Gold“
Wikipedia über „Die Frau in Gold“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „Die Frau in Gold“
Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „My Week with Marilyn“ (My Week with Marilyn, GB 2011)

Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „Die Frau in Gold“ (Woman in Gold, GB/USA 2015)


TV-Tipp für den 12. Juli: Die Frau in Gold

Juli 11, 2017

ARD, 20.15

Die Frau in Gold (Woman in Gold, GB/USA 2015)

Regie: Simon Curtis

Drehbuch: Alexi Kaye Campbell

Die im Zweiten Weltkrieg in die USA geflohene Jüdin Maria Altmann hätte gerne wieder das titelgebende Klimt-Gemälde von ihre Tante Adele. Dummerweise ist das Jugendstilgemälde inzwischen zu einer Ikone der österreichischen Identität geworden und Österreich denkt gar nicht daran, Altmann das Gemälde zurückzugeben.

TV-Premiere. Gutes, gefällig inszeniertes, auf einem wahren Fall basierendes britisches Schauspielerkino mit entsprechend pointierten Dialogen und einem noblen Anliegen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Max Irons, Elizabeth McGovern, Katie Holmes, Tatiana Maslany, Antje Traue, Justus von Dohnányi, Tom Schilling, Charles Dance, Jonathan Pryce, Frances Fisher, Moritz Bleibtreu

Wiederholung: Donnerstag, 13. Juli, 00.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
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Metacritic über „Die Frau in Gold“
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Wikipedia über „Die Frau in Gold“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „Die Frau in Gold“
Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „My Week with Marilyn“ (My Week with Marilyn, GB 2011)

Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „Die Frau in Gold“ (Woman in Gold, GB/USA 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Sam Garbarskis neuen Film „Es war einmal in Deutschland…“

April 8, 2017

Frankfurt am Main, 1946: die Stadt liegt in Trümmern. Die amerikanischen Besatzer überprüfen die Nazi-Vergangenheit der Deutschen. Der Jude David Bermann (Moritz Bleibtreu), der die Nazi-Zeit im KZ überlebte, will jetzt, mehr oder weiger schnell, in die USA, das gelobte Land. Dafür braucht er Geld, das er sich mit dem Handel von feinster Wäsche an deutsche Frauen verdienen will. Das hat er schon vor dem Krieg in dem seiner Familie gehörendem, noblen Wäschehaus gemacht.

Allerdings verweigert die US-Militärregierung ihm die Geschäftslizenz. Im Transitlager, in dem er lebt, bequatscht er einen anderen Juden, die Lizenz zu beantragten. Dann scharrt er einige Juden um sich, die mit ihm das Geschäft eröffnen. Als Wäscheverkäufer reisen sie, höchst erfolgreich, durch das vom Krieg zerstörte Land.

Zur gleichen Zeit muss Bermann, was er vor seinen Geschäftspartnern verschweigt, immer wieder in das US-Hauptquartier. Dort verhört ihn US Special Agent Sara Simon (Antje Traue). Sie glaubt, dass Bermann mit den Nazis zusammenarbeitete. Das würde sein Überleben im KZ, seinen Besuch auf dem Obersalzberg und seine beiden Pässe erklären

Also beginnt Bermann ihr seine Geschichte, die wir in Rückblenden sehen, zu erzählen. Und dass der Überlebenskünstler es dabei mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, wissen wir schon bevor er seinen Mund aufmacht.

Es war einmal in Deutschland..“ hat eine schöne Idee – Juden, die nach dem Krieg in Deutschland ihr Glück versuchen -, die auf zwei semi-autobiographischen Romanen von Michael Bergmann (Jahrgang 1945) basiert. Zusammen mit Regisseur Sam Garbarski (Jahrgang 1948) schrieb er das Drehbuch, das aus der schönen Ausgangsidee wenig macht.

Die viel zu ausführlichen Rückblenden in die Nazi-Zeit, in denen Berman Simon von seinen Erlebnissen im KZ und wie er es überlebte, erzählt, stören nur die in der Gegenwart spielende Geschichte. Sie bringen sie nicht voran. Sie steigern auch nicht die Spannung. Schon bei der ersten Begegnung von Bermann und Simon ist klar, dass er ihr irgendetwas vorflunkern und so seinen Hals aus der Schlinge ziehen wird. Schließlich ist Bermann ein Schlawiner. Ein geborener Verkäufer, der aus einer Händlerdynastie stammt. Bis jetzt überlebte er, weil er, immer auch auf seinen eigenen Vorteil bedacht, den Menschen das erzählte, was sie hören wollten.

Entsprechend wenig steht für ihn während des gesamten Films auf dem Spiel. Da hilft es auch nichts, dass Moritz Bleibtreu sich hundertfünfzigprozentig in die Rolle wirft und Bermann als sympathischen Schlawiner, dem man gerne zuhört, porträtiert.

In der Gegenwart verschenkt Garbarski die wenigen Ansätze für ein Sittengemälde des Nachkriegsdeutschlands. Bermanns Verkäufer bleiben, obwohl es ein Ensemblefilm ist, austauschbare Nebenfiguren. Die Verkaufstouren und -gespräche bleiben im anekdotenhaften stecken. Und das gezeigte Kriegs- und Nachkriegsdeutschland hat immer den Flair einer sauber hergerichteten Kulisse.

Garbarski erzählt das alles recht gemütlich-bräsig mit einem biederen Fünfziger-Jahre-Humor, der niemand weh tut und sich mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner begnügt. Bekanntes wird lediglich bestätigt, während der Film, zwischen Gegenwart und Vergangenheit wechselnd, eine Anekdote an die nächste reiht.

Insofern bewegt sich der neue Film des „Irina Palm“-Regisseurs in den gleichen altmodischen Gewässern wie sein vorheriger Film „Vijay und ich“. Der war ebenfalls mit Moritz Bleibtreu und er war auch damals der Grund, sich den Film anzusehen.

Es war einmal in Deutschland… (Deutschland/Luxemburg/Belgien 2017)

Regie: Sam Garbarski

Drehbuch: Michael Bergmann, in Zusammenarbeit mit Sam Garbarski

LV: Michael Bergmann: Die Teilacher, 2010; Machloikes, 2011

mit Moritz Bleibtreu, Antje Traue, Tim Seyfi, Mark Ivanir, Anatole Taubman, Hans Löw, Pál Mácsai, Václav Jakoubek

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

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Filmportal über „Es war einmal in Deutschland…“

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Meine Besprechung von Sam Garbarskis „Vijay & ich – Meine Frau geht fremd mit mir“ (Vijay and I, Deutschland/Belgien/Luxemburg 2012)


Neu im Kino/Filmkritik: „Lommbock“ ist „Lammbock II“

März 23, 2017

2001 war Christian Züberts Debütfilm „Lammbock“ mit über 900.000 Zuschauern ein Überraschungserfolg. Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz kifften sich durch den Tag, redeten, redeten und verkauften etwas Gras. Als Tarnung hatten sie einem Pizza-Lieferservice, den es so nur in Filmen gibt.

Jetzt kehrt Zübert mit „Lommbock“ in diese Welt zurück. Die Jungs und Mädels aus dem ersten Film sind wieder dabei. Die Pizza mit Drogen-Spezialbelag ebenso. Auch wenn Kai (Moritz Bleibtreu) aus dem damaligen Pizza-Lieferservice „Lammbock“ den Asia-Lieferservice „Lommbock“ machte, indem er das Schild austauschte. Er hat eine feste Freundin und versucht ihren pubertierenden Sohn zu erziehen.

Stefan (Lucas Gregorowicz) steht in Dubai kurz vor seiner Hochzeit mit der Tochter eines schwerreichen Scheichs und der Eröffnung einer von der Familie der Braut finanzierten urigen Karibik-Strandbar; – auf dem Dach eines Hochhauses und in Übereinstimmung mit den dortigen Gepflogenheiten und Gesetzen. Vor der Hochzeit muss er, nach fünfzehn Jahren, schnell zurück in die alte Heimat, um sich dort auf dem Amt seine amtlich beglaubigte Geburtsurkunde ausstellen zu lassen.

Nach der Ankunft in Würzburg geht dann alles schief und „Lommbock“ wird endgültig zu einer Wiederholung von „Lammbock“ mit kleinsten Variationen, die „Lommbock“ zu einem etwas besseren Film machen. Denn jetzt hängen die Charaktere nicht mehr vollkommen im luftleeren Raum. Sie haben wenigstens einen Hauch von Biographie und sozialer Erdung. Sie haben sich in den vergangenen Jahren auch etwas verändert. Die einzelnen Szenen und Witze sind etwas pointierter; wobei Moritz Bleibtreus endlose pseudotiefsinnigen, absurd-abstrusen Weltbetrachtungen immer noch grandios sind. Im Rahmen des Kifferhumors, der mal wieder Programm ist und der immer noch deutlich von Kevin Smiths „Clerks“ und seinen entsprechenden Folgefilmen inspiriert ist.

Auf eine tragfähige Geschichte wurde, wie schon bei „Lammbock“, zugunsten einer vor sich hinplätschernden Nummernrevue verzichtet. Auch der Humor bewegt sich durchgehend auf dem unwitzigen, peinlich bemühten „Lammbock“-Niveau. Nur dass es dieses Mal auch um Salafisten, YouPorn, Kindererziehung und drogenfreie Urinproben geht.

Insofern funktioniert „Lommbock“ vor allem als rundherum ambitionsloser Fan-Service.

Lommbock (Deutschland 2017

Regie: Christian Zübert

Drehbuch: Christian Zübert

mit Lucas Gregorowicz, Moritz Bleibtreu, Louis Hofmann, Mavie Hörbiger, Alexandra Neldel, Wotan Wilke Möhring, Antoine Monot Jr., Melanie Winiger, Dar Salim

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Facebook-Seite zum Film

Filmportal über „Lommbock“

Moviepilot über „Lommbock“

Wikipedia über „Lommbock“

Meine Besprechung von Christian Züberts „Ein Atem“ (Deutschland 2015)


TV-Tipp für den 7. September: Der Baader Meinhof Komplex

September 6, 2016

RBB, 22.45

Der Baader Meinhof Komplex (Deutschland 2008, Regie: Uli Edel)

Drehbuch: Bernd Eichinger

LV: Stefan Aust: Der Baader Meinhof Komplex, 1985 (danach mehrere überarbeitete Neuausgaben)

Buch zum Film: Katja Eichinger: Der Baader Meinhof Komplex – Das Buch zum Film, 2008

Von der Länge her epische, vom Tempo her hektische Verfilmung der Geschichte der RAF von ihren Anfängen bis zu ihrem Ende. Da stimmt die Ausstattung, aber für die Vertiefung der einzelnen Charaktere bleibt wenig Zeit.

Mit Martina Gedeck, Moritz Bleibtreu, Johanna Wokalek, Bruno Ganz, Simon Licht, Jan Josef Liefers, Alexandra Maria Lara, Heino Ferch, Nadja Uhl, Hannah Herzsprung, Niels-Bruno Schmidt, Stipe Erceg, Daniel Lommatzsch, Volker Bruch, Bernd Stegemann, Tom Schilling, Katharina Wackernagel, Anna Thalbach, Jasmin Tabatabai, Hans Werner Meyer

Hinweise

Filmportal über „Der Baader Meinhof Komplex“

Film-Zeit über „Der Baader Meinhof Komplex“

Wikipedia über „Der Baader Meinhof Komplex“ (deutsch, englisch)

Hollywood Interview: mit Uli Edel üer den Film

 


Neu im Kino/Filmkritik: Helen Mirren ist nicht „Die Frau in Gold“

Juni 4, 2015

Wem gehört das Bild „Adele Bloch-Bauer I“ (auch „Goldene Adele“) von Gustav Klimt? Viele Jahre war es in Wien in der Österreichischen Galerie Belvedere ausgestellt. 1998 behauptete eine alte, in Kalifornien lebende Dame, die rechtmäßige Besitzerin des Gemäldes zu sein. Die 1916 geborene Maria Altmann war während der Nazi-Diktatur mit ihrem Mann Fritz Altmann, einem Opernsänger, aus Wien in die USA geflüchtet.
Als ihre Schwester stirbt, findet sie in ihren Briefen Hinweise, dass ihr, neben weiteren Klimt-Werken, das Bild, ein Porträt ihrer über alles geliebten Tante Adele, gehört.
Zusammen mit dem jungen Anwalt Randy Schoenberg (ein Enkel von Arnold Schönberg) nimmt sie den Kampf auf. Dabei will er, weil er gerade am Anfang einer Karriere als Anwalt in einer großen Kanzlei steht, mit dieser alten und auf den ersten Blick hoffnungslosen Geschichte nichts zu tun haben. Dennoch verbeißt er sich zunehmend in den Fall; ohne zu ahnen, dass er über mehrere Jahre und durch alle Instanzen und mit allen juristischen Finessen um die Rückgabe der Kunstwerke an ihre rechtmäßige Besitzerin kämpfen muss. Denn der österreichische Staat spekuliert in einer perfiden Hinhaltetaktik auf den Tod der betagten Klägerin. Immerhin geht es für Österreich nicht nur um ein wichtiges Werk von Klimt, sondern auch um eine Ikone der österreichischen Identität und die gibt man nicht so einfach weg in die Hände einer im Ausland lebenden Privatperson.
Simon Curtis‘ „Die Frau in Gold“ erzählt diese wahre Geschichte als David-gegen-Goliath-Kampf, in dem die Rollen entsprechend klar verteilt sind. Mit den elegant in die Erzählung eingefügten Rückblenden verleiht er der Geschichte eine zusätzliche emotionale Dimension. So erfahren wir, welche Erinnerungen Maria Altmann an dieses Bild hat, wie wohlhabend sie als Tochter einer kunstinteressierten Großbürgertumfamilie war und wie begeistert die Österreicher sich Hitler-Deutschland anschlossen und bei der Unterdrückung und Verfolgung der Juden mitmachten.
Vor diesem historischen Hintergrund wird die Politik Östereichs, die in der Öffentlichkeit vollmundig behauptete, Raubkunst ihren rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben, noch unmoralischer. Denn Österreich will aus rein egoistischen Motiven so ein wertvolles und identitätsstiftendes Gemälde keinesfalls ihrer Besitzerin zurückgeben, von der ein sehr altruistisches Bild gezeichnet wird.
Getragen wird der Film von den vielen guten, teilweise nur in kleinen Rollen auftretenden Schauspielern. Im Zentrum stehen dabei die beidne Hauptdarsteller: Ryan Reynolds als junger, pausbäckiger Anwalt und Helen Mirren als resolute alte Dame, die ihn zurecht weist und ihm auch schon einmal ungefragt die Brille putzt, wenn sie nach ihrer Ansicht schmutzig ist.
Das ist gutes, gefällig inszeniertes britisches Schauspielerkino mit entsprechend pointierten Dialogen und einem noblen Anliegen. Allerdings ist „Die Frau in Gold“ auch, in bester Hollywood-Tradition, immer einen Tick zu eindeutig und damit ist die Geschichte zu fein säuberlich in Gut und Böse getrennt.
P. S.: Ich empfehle die Originalfassung. In ihr wird deutsch (bei den in der Vergangenheit in Wien spielenden Teilen) und englisch (fast durchgängig bei den in der Gegenwart spielenden Teilen) gesprochen. Diese Zweisprachigkeit macht die Geschichte authentischer.
P. P. S.: Ja, es wurden einige Details geändert. „Die Frau in Gold“ ist ein Spielfilm, der von der BBC-Dokumentation „Stealing Klimt“ inspiriert ist.

Die Frau in Gold - Plakat

Die Frau in Gold (Woman in Gold, GB/USA 2015)
Regie: Simon Curtis
Drehbuch: Alexi Kaye Campbell
mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Max Irons, Elizabeth McGovern, Katie Holmes, Tatiana Maslany, Antje Traue, Justus von Dohnányi, Tom Schilling, Charles Dance, Jonathan Pryce, Frances Fisher, Moritz Bleibtreu
Länge: 110 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Die Frau in Gold“
Moviepilot über „Die Frau in Gold“
Metacritic über „Die Frau in Gold“
Rotten Tomatoes über „Die Frau in Gold“
Wikipedia über „Die Frau in Gold“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „Die Frau in Gold“
Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „My Week with Marilyn“ (My Week with Marilyn, GB 2011)

Die Doku „Art of the Heist: The Lady in Gold“ (2007) über die wahren Hintergründe

Ein Intervies mit Simon Curtis über den Film (bescheidener Ton)


TV-Tipp für den 20. Januar: Ein Freund gewisser Damen – The Walker

Januar 19, 2015

3sat, 22.25

The Walker – Ein Freund gewisser Damen (USA 2007, Regie: Paul Schrader)

Drehbuch: Paul Schrader

Carter Page III ist ein schwuler Südstaatenschönling und Begleiter der Damen der politischen High Society von Washington, D. C.. Er hält sich aus allem heraus, bis er seiner besten Freundin, der Senatorengattin Lynn Lockner ein Alibi gibt. Denn sie ist gerade über die Leiche ihres ermordeten Geliebten gestolpert.

In der grandiosen Charakterstudie „The Walker“ spielt Woody Harrelson den Charakter, den Schrader-Fans bereits aus „Taxi Driver“ (damals Robert De Niro), „American Gigolo – Ein Mann für gewisse Stunden“ (Richard Gere) und „Light Sleeper“ (Willem Dafoe) kennen: der Drifter, der die Gesellschaft von außen betrachtet und wegen einer für ihn unerreichbaren Frau seine Position als Beobachter aufgibt. Wie diese Filme ist „The Walker“ auch eine Analyse einer bestimmten Gesellschaftsschicht: hier der politischen Kaste in Washington, D. C., die sich in Räumen bewegt und verhält, als ob die Zeit kurz nach dem Bürgerkrieg stehen geblieben wäre.

Ein toller altmodischer Film, der seine deutsche Premiere auf der Berlinale erlebte, später, trotz der namhaften Besetzung, nur auf DVD veröffentlicht wurde und seine TV-Premiere im Ersten zur Geisterstunde (senderinterne Sprachregel: Prime-Time für gute Filme) erlitt.

Mit Woody Harrelson, Kristin Scott Thomas, Lauren Bacall, Ned Beatty, Moritz Bleibtreu, Mary Beth Hurt, Lily Tomlin, Willem Dafoe

Hinweise

Wikipedia über „The Walker“

Film-Zeit über “The Walker“

Rotten Tomatoes über “The Walker”

Movies Online: Interview mit Paul Schrader über „The Walker“

Close-Up Film: Interview mit Paul Schrader über „The Walker“


Neu im Kino/Filmkritik: Über Fatih Akins „The Cut“

Oktober 17, 2014

Wer sich Fatih Akins neuen Film „The Cut“ ansieht, weil er etwas über den Völkermord an dem Armeniern erfahren will, wird enttäuscht werden. Auch wer eine Neuauflage von „Gegen die Wand“ mit seinen hochschwappenden Emotionen erwartet, wird mit „The Cut“ wenig anfangen können. Denn „The Cut“ ist in erster Linie ein ruhig und mit überschaubarer emotionaler Wucht erzähltes Epos über die jahrelange Suche eines Vaters nach seinen beiden Töchtern, das vor gut hundert Jahren spielt. Es ist ein Fest für das Auge, das ein breites Publikum ansprechen soll. Auf der ganzen Welt. Deshalb wurde der Film auf Englisch gedreht, was auch die Suche nach den richtigen Darstellern erleichterte. Obwohl der von Tahar Rahim (Ein Prophet, Black Gold, Le Passé – Das Vergangene) gespielte Protagonist Nazaret Mannoogian, nach einem Mordversuch, die meiste Zeit stumm ist.
Der Film beginnt 1915 in Mesopotamien in Mardin, als der junge, nette Schmied Nazaret von seiner Familie getrennt wird. Die türkische Gendarmerie treibt alle armenischen Männer zusammen. Fortan müssen sie in der Wüste Frondienste leisten. Die meisten sterben. Nazaret überlebt. Allerdings hört er, dass alle Bewohner seiner Heimatstadt tot sind. Erst später erfährt er, dass seine beiden Töchter die Massaker doch überlebten. Er beginnt, sie zu suchen. Seine Reise, die den Hauptteil des Filmes ausmacht, führt ihn immer weiter nach Westen, bis er, via Havanna, in den USA, in North Dakota, ankommt, wo er – das dürfte jetzt wirklich niemand überraschen – nach einer fast zehnjährigen Suche seine Töchter findet.
Akin erzählt, basierend auf einem von ihm und Mardik Martin („Hexenkessel“, „New York, New York“, „Wie ein wilder Stier“) geschriebenem Drehbuch, eine private Geschichte vor einem historischen Hintergrund, der immer nur die austauschbare Kulisse für die Filmgeschichte bleibt. Akins Film ist eine episodische Reiseerzählung mit vielen gelungenen Episoden, Die verzweifelte Suche von Nazaret nach seinen Kindern erinnert an die manische Suche von Ethan Edwards (John Wayne) nach seiner Nichte in John Fords „Der schwarze Falke“. Auch optisch ist „The Cut“ vom Western inspiriert. Immerhin spielen große Teile des Films in der Wüste, in menschenleeren Landschaften, an und auf Eisenbahngleisen (in den USA ist Nazareth auch Gleisbauarbeiter und er hilft einer Indianerin) und die Cinemascope-Aufnahmen erinnern natürlich an die klassischen Westernbilder.
Es ist auch ein Film, der Akins direkte emotionale Betroffenheit vermissen lässt. „The Cut“ ist kein kleiner, persönlicher Film. Er will es auch in keiner Sekunde sein. Er will ein breites Publikum ansprechen und dafür bedient er sich gelungen der Erzähltopoi und Erzählmechanismen des klassischen Hollywood-Kinos, wie es zuletzt Philipp Stölz mit „Der Medicus“ tat.
„The Cut“ ist gelungenes Unterhaltungskino. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

The Cut - Plakat

The Cut (Deutschland/Frankreich 2014)
Regie: Fatih Akin
Drehbuch: Fatih Akin, Mardik Martin
mit Tahar Rahim, Simon Abkarian, Makram J. Khoury, Hindi Zahra, Kevork Malikyan, Bartu Kücükcaglayan, Trine Dyrholm, Moritz Bleibtreu, Akin Gazi, George Georgiou
Länge: 139 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Cut“
Moviepilot über „The Cut“
Rotten Tomatoes über „The Cut“
Wikipedia über „The Cut“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Fatih Akins „Müll im Garten Eden“ (Deutschland 2012)


Neu im Kino/Filmkritik: „Stereo“ für den Genrefan

Mai 15, 2014

Die Prämisse des deutschen Films „Stereo“ – ein Mann wird von einem nur für ihn sichtbarem „Schutzengel“ heimgesucht – klingt nach einer weiteren unsäglichen deutschen Komödie, die „Mein Freund Harvey“ ohne Sinn und Verstand für Klamauk plündert.
Aber schon der überhaupt nicht heimelig-rosarote Anfang irritiert. Erik (Jürgen Vogel) betreibt auf dem Land eine kleine Motorradwerkstatt, sammelt Strafzettel für zu schnelles Fahren mit seinem Motorrad und ist hoffnungslos in Julia (Petra Schmidt-Schaller) verliebt. Sogar ihre kleine Tochter hat den tätowierten Ersatzdaddy akzeptiert. Es könnte das Paradies sein, wenn Erik nicht einen Mann mit Kapuzenpullover und Armeejacke sehen würde, der für alle anderen unsichtbar ist. Während Erik noch überlegt, ob er wahnsinnig wird, mischt der unsichtbare Mann sich immer mehr in sein Leben ein. Teils proletenhaft, teils besserwisserisch mit destruktiven Ratschlägen. Nein, Henry (Moritz Bleibtreu) ist kein „Freund Harvey“ und kein netter Schutzengel, sondern ein Geistesverwandter von Marshall, dem bösen Alter Ego von Earl Brooks in „Mr. Brooks – Der Mörder in dir“.
Obwohl Henry Erik rät, sich nicht mit einigen halbseidenen Gestalten einzulassen, die behaupten, ihn von früher zu kennen, sind Henrys Ratschläge so schräg, dass unklar ist, ob er Erik vor dem Weg ins Verderben bewahren oder diesen Weg beschleunigen will.
Das ist wirklich nicht der Stoff, aus dem die normalen deutschen Komödien gestrickt sind. Autor und Regisseur Maximilian Erlenwein („Schwerkraft“) will auch überhaupt nicht witzig sein. Jedenfalls nicht auf die oberflächlich harmlose Art. „Stereo“ tendiert schon früh in Richtung Krimi, garniert mit einigen wenigen sich aus der Prämisse ergebenden Witzen, wenn Henry Bier-trinkend Beziehungsratschläge gibt oder Erik vor jemand warnt, der gerade ebenfalls im Raum ist.
Es gibt auch am Ende eine psychologisch stimmige Erklärung für Henrys Auftauchen. Man hätte diese Erklärung auch an den Anfang des Films setzen können (was wohl auch einmal geplant war), was „Stereo“ zu einem anderen, aber ebenso gelungenem Film gemacht hätte.
Letztendlich stört bei „Stereo“ nur das altbackene Bild der Verbrecher, die anscheinend direkt aus einem Siebziger-Jahre-Krimi importiert wurden und eine erschreckende Mischung aus Proletentum, Einfalt und Dummheit sind.

Stereo - Plakat

Stereo (Deutschland 2014)
Regie: Maximilian Erlenwein
Drehbuch: Maximilian Erlenwein
mit Jürgen Vogel, Moritz Bleibtreu, Petra Schmidt-Schaller, Georg Friedrich, Rainer Bock, Mark Zak, Helena Schönfeleder, Fabian Hinrichs
Länge: 94 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Stereo“
Moviepilot über „Stereo“


Neu im Kino/Filmkritik: „Nicht mein Tag“ ist nicht mein Film

Januar 17, 2014

 

Vor fünfzehn Jahre drehte Peter Thorwarth „Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding“. Vor acht Jahren drehte er „Goldene Zeiten“, den Abschluss seiner Unna-Trilogie und seinen bislang letzten Spielfilm.

Mit „Nicht mein Tag“ kehrt er zurück und ist, mit leicht veränderten Vorzeichen, wieder in der Welt von „Bang Boom Bang“, der kultigen Ruhrpott-Kleingangsterkomödie, gelandet. Nappo Navroki (Moritz Bleibtreu) war einige Jahre im Bau. Das liefert sofort die Vorlage für einen „im Bau“/“auf dem Bau“-Witz, der das Niveau des Films gleich ziemlich tief legt. Mit einem Bankkredit will er sein neues Auto, einen Ford Mustang Fastback GT, Baujahr 1968, finanzieren. Sein Bankberater Till Reiners (Axel Stein) gibt ihm, wegen fehlender Sicherheiten, das Geld nicht. Ach ja: Reiners Name wird öfters mit Til Schweiger verwechselt. Das ist, bis der andere Til kurz auftaucht, der Running Gag des Films.

Nappo der unbedingt den Ford Mustang will, um dann mit seiner Freundin nach Cherbourg zu fahren (den Gag könnt ihr euch denken), raubt kurzentschlossen und gänzlich improvisiert die Bank aus und nimmt, weil alles schief geht, Till als Geisel.

Jetzt könnte ein flottes Road-Movie beginnen, in dem Geisel und Geiselnehmer sich näher kommen, während sie von der Polizei verfolgt werden. Nappo und Till kommen sich zwar näher, entdecken Gemeinsamkeiten (wie die Liebe zur Rockband Donar [gespielt von „Cowboys on Dope“]), aber die Verfolger spielen keine Rolle. Auch Tills Frau steckt gerade, wegen Beziehungsstress, in einem Mega-Nachrichtenloch und bekommt, weil der Drehbuchautor es so will, absolut nichts von der Geiselnahme mit. Damit hat die Geiselnahme dann auch ungefähr die Spannung eines Landausflugs. Immerhin verbringen Nappo und Till in einer Gartenlaube einen bierseligen Abend mit Klampfenmusik und Lagerfeuer.

Nach dem ersten Drittel lässt Nappo seine Geisel frei – und damit ist die Filmgeschichte eigentlich zu Ende. Der Konflikt ist gelöst und beide könnten wieder getrennte Wege gehen.

Nur weil Nappo von einem Verbrecherkumpel das Angebot für ein illegales Geschäft in Amsterdam erhält, bei dem auch ein „Zivilist“ zwecks Studium der Papiere benötigt wird (weil der Drehbuchautor es so will), und Till, als er in sein Reihenhaus zurückkehrt einen fremden Mann im Ehebett entdeckt und glaubt, dass seine Frau gerade duscht (es ist ihre Freundin, die den Irrtum allerdings nicht aufklärt; ebenfalls weil der Drehbuchautor es so will), dann Nappo nach Amsterdam begleitet, geht der Film in einer sich endlos hinziehenden Abfolge von Episoden und Episödchen weiter, in der beste Witz im Trailer verraten wird: „Das ist wie Osten. Nur im Westen.“ Ansonsten sind die Witze und der Humor aus dem letzten Jahrhundert.

Axel Stein, der bislang als Schauspieler noch nicht wirklich auffiel, überzeugt als biederer und begriffsstutziger Bankbeamter. Jedenfalls am Anfang. Nachdem er sich freiwillig mit Nappo auf den Amsterdam-Ausflug begibt, gibt es dann das Standardprogramm von Alkohol, Drogen, Ausfällen, Action, Chaos und entsprechenden Witzen. Moritz Bleibtreu, der zuletzt in „Inside Wikileaks“ und „Vijay und ich – Meine Frau geht fremd mit mir“ schauspielerisch überzeugte, liefert hier nur das Klischees eines Proll-Gangsters mit überschüssiger Macker-Allüre und arg beschränktem Verstand, das schon zu „Bang Boom Bang“-Zeiten anachronistisch war und seine wahre Heimat in deutschen Kriminalfilmen aus den Siebzigern und Achtzigern hat, die manchmal im Spätprogramm laufen.

Nicht mein Tag - Plakat

Nicht mein Tag (Deutschland 2014)

Regie: Peter Thorwarth

Drehbuch: Stefan Holtz

LV: Ralf Husmann: Nicht mein Tag, 2008

mit Axel Stein, Moritz Bleibtreu, Jasmin Gerat, Anna Maria Mühe, Nele Kiper, Ben Ruedinger, Kasem Hoxha, Ralf Richter

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Nicht mein Tag“

Moviepilot über „Nicht mein Tag“

Wikipedia über „Nicht mein Tag“

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: Wie sieht es „Inside WikiLeaks“ aus?

Oktober 31, 2013

 

Inside WikiLeaks – Die fünfte Gewalt“, der erste Spielfilm über die Enthüllungsplattform, ist kein guter Film und dennoch ist es ein sehenswerter Film.

Die Geschichte von WikiLeaks dürfte in großen Zügen ja bekannt sein: der australische Hacker Julian Assange (grandios gespielt von Benedict Cumberbatch) gründet eine Plattform, auf der er Geheimdokumente online stellt. Daniel Domscheit-Berg (damals Daniel Berg, ebenfalls grandios von Daniel Brühl gespielt) wird sein Vertrauter. Mit ihren Enthüllungen bringen sie die Julius-Bär-Bank in die Bredouille (im Film übergibt ein von Axel Milberg gespielter Banker Domscheit-Berg bei seiner ersten Übergabe von Geheiminformationen im Januar 2008 das Material), leaken Informationen über die isländische Kaupthing Bank, veröffentlichen das „Collateral Murder“ genannte Video über einem US-Militäreinsatz, bei dem mehrere Zivilisten und zwei Reuters-Angestellte ermordet wurden, und stellen Tonnen von US-Regierungsdokumenten online. Diese vom US-Soldaten Bradley Manning beschafften Dokumente werden auch, zeitgleich zur WikiLeaks-Veröffentlichung im Juli 2010 in mehreren Zeitungen, wie „The Guardian“ und „Der Spiegel“, veröffentlicht. Die US-Regierung beginnt gegen den Störenfried vorzugehen. Die Wege von Assange und Domscheit-Berg trennen sich. Fast gleichzeitig werfen zwei Schwedinnen Assange vor, sie vergewaltigt zu haben. Assange will nicht in Schweden aussagen und sitzt seit über einem Jahr, als politischer Flüchtling, in der ecuadorianischen Botschaft in London fest.

Bill Condons Film folgt dieser Geschichte, erzählt dabei von der Freundschaft zwischen Assange und Berg, die als platonische Liebesgeschichte mit all ihren Verwerfungen und Problemen quasi im Mittelpunkt des Films steht, entwirft ein Psychogramm von Assange als charismatisches, von seiner Mission überzeugtes Arschloch und erzählt von der großen Enthüllung der US-Regierungsdokumente und damit der Beziehung zwischen Assange und dem Guardian. Die New York Times und der Spiegel, die daran auch beteiligt waren, bleiben Zaungäste – und den anonymen Whistleblowern gebührt während des gesamten Films kaum ein Halbsatz.

Das ist viel Stoff für einen Film und mit über zwei Stunden ist „Inside WikiLeaks“ auch zu lang geraten. Er franst an allen Ecken und Enden aus, weil Regisseur Bill Condon („Gods and Monsters“, „Kinsey“, „Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht“) und Drehbuchautor Josh Singer („The West Wing“, „Lie to me“, „Fringe“) alles erzählen wollen; jedenfalls soweit die Geschichte bis jetzt bekannt ist und das innerhalb von zwei Stunden. Man merkt daher auch immer, dass in diesem mit entsprechend heißer Nadel gestricktem Film eine ordentliche Überarbeitung des Drehbuchs, die zu einer eindeutigen erzählerischen Perspektive geführt hätte, fehlt. Ein Mangel, den „Inside WikiLeaks“ mit anderen Filmen, die unmittelbar nach den Ereignissen gedreht wurden, teilt. Denn der historische Abstand, der dazu führt, dass man Fakten von Fiktion trennen kann und dass man die Ereignisse und ihre Bewertung in Ruhe einsortieren kann, fehlt. Die Reflektion über das Ausmaß des Umbruchs fehlt noch. Die Zeit und der Wille, sich für eine Geschichte zu entscheiden fehlt und wahrscheinlich wäre „Inside WikiLeaks“ in der jetzigen Form als drei- oder vierstündiger TV-Film, in dem dann die Zeit gewesen wäre, tiefer in die Materie einzusteigen und man auch ganz anders zwischen Haupt- und Nebenplots wechseln kann, gelungener.

Dennoch und trotz seiner üppigen Laufzeit bleibt „Inside WikiLeaks“ oberflächlich und ist, soweit das bei den sich widersprechenden Statements der mehr oder weniger in die Ereignisse verwickelten realen Personen, die in herzlicher Abneigung miteinander verbunden sind und ihren Streit öffentlich austragen, eindeutig gesagt werden kann, sicher oft historisch nicht besonders akkurat. So ist, um nur ein Beispiel zu nennen, Daniel Domscheit-Bergs damalige Freundin und heutige Ehefrau in Wirklichkeit zehn Jähre älter als er; im Film ist sie deutlich jünger und sie wirkt wie eine x-beliebige, unpolitische Studentin. Julian Assange, dem wahrscheinlich nur ein vom ihm geschriebener und inszenierter Film mit ihm in der Hauptrolle gefallen könnte, hat schon mehrmals sein Missfallen über den Film geäußert und auch andere in die WikiLeaks-Geschichte involvierte Menschen zählen in liebenswerter Genauigkeit die Fehler des Films auf. Als gäbe es nur eine Wahrheit. Als sei ein Spielfilm ein Dokumentarfilm, wie Alex Gibneys kürzlich im Kino gelaufene und demnächst auf DVD erscheinende sehr gelungene Dokumentation „We steal Secrets: Die WikiLeaks-Geschichte“ (We steal Secrets: The Story of WikiLeaks, USA 2013), die auch dem Whistleblower Bradley Manning, der WikiLeaks die zahlreichen US-Dokumente gab, seinen gebührenden Platz gibt. In „Inside WikiLeaks“ wird er nur in einem Halbsatz erwähnt und die Vergewaltigungsvorwürfe, die in Gibneys Doku ausführlich geschildert werden, werden in „Inside WikiLeaks“ mit einer Texttafel abgehandelt, weil er letztendlich die gemeinsame Zeit von Julian Assange und Daniel Domscheit-Berg von Dezember 2007 bis zu ihrer Trennung im Spätsommer 2010 schildert.

Nachdem Condon zunächst die üblichen Bildern von jungen Männern, die enthemmt die Tastatur malträtieren und Buchstaben und Zahlen über den Bildschirm flackern, zeigt, gelingen ihm später zahlreiche sehr gelungene Visualisierungen des Cyberspace. Das erste Privatgespräch von Assange und Domscheit-Berg, nachdem sie sich Ende Dezember 2007 in Berlin auf dem Chaos Commmunications Congress (24C3) kennen lernen, ist so grotesk, dass es wahrscheinlich wahr ist: Assange und Domscheit-Berg ziehen sich im nicht mehr existierendem alternativen Künstlerhaus „Tacheles“ in ein Nebenzimmer, in dem sie allein sind, zurück, um sich, an einem Tisch sitzend, via Computer zu unterhalten. Treffender wurde das Lebensgefühl dieser Computernerds wahrscheinlich noch nie gezeigt. Später springt Condon in den Cyberspace und findet für komplexe Vorgänge grandios einfache und eindrückliche Bilder. Zum Beispiel wenn Domscheit-Berg erkennt, dass hinter den vielen WikiLeaks-Mitarbeitern, mit denen er in den vergangenen Monaten eifrig elektronisch kommunizierte und von denen er nur die Namen kannte, immer Assange steckte. Dann erscheint hinter jedem Schreibtisch und hinter jedem Namen, die in einem anonymen, raum- und fensterlosem Großraumbüro stehen, das Gesicht von Assange.

Trotz aller Fehler, die „Inside WikiLeaks“ hat, gelingt es dem Film, vor allem im letzten Drittel, wenn es um die Veröffentlichung von Dokumenten im Guardian und auf WikiLeaks geht, zum Nachdenken über den Wert und die Gefahren von Transparenz anzuregen. Er erzählt auch von den persönlichen Verwerfungen, die es in Projekten immer wieder gibt und wie ein Charismatiker Menschen begeistern kann.

Damit bietet der sich an ein breites Publikum richtende Film, der definitiv kein Anti-WikiLeaks-Film ist, genug Stoff für eine ordentliche Diskussion nach dem Filmende – und das ist dann wieder mehr, als andere Filme liefern.

Inside Wikileaks - Plakat

Inside WikiLeaks – Die fünfte Gewalt (The Fifth Estate, USA 2013)

Regie: Bill Condon

Drehbuch: Josh Singer

LV: Daniel Domscheit-Berg (mit Tina Klopp): Inside WikiLeaks: Meine Zeit bei der gefährlichsten Webseite der Welt, 2011; David Leigh/Luke Harding: WikiLeaks: Inside Julian Assange’s War on Secrecy, 2011 (WikiLeaks: Julian Assanges Krieg gegen Geheimhaltung)

mit Benedict Cumberbatch, Daniel Brühl, Anthony Mackie, Laura Linney, Stanley Tucci, David Thewlis, Peter Capaldi, Alan Rusbridger, Alicia Vikander, Carice van Houten, Moritz Bleibtreu, Axel Milberg, Ludger Pistor, Lisa Kreuzer, Edgar Selge, Alexander Siddig (viele bekannte Namen, aber viele haben nur kurze Auftritte)

Länge: 128 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Inside WikiLeaks“

Moviepilot über „Inside WikiLeaks“

Metacritic über „Inside WikiLeaks“

Rotten Tomatoes über „Inside WikiLeaks“

Wikipedia über „Inside WikiLeaks“ (deutsch, englisch), WikiLeaks (deutsch, englisch) und Julian Assange (deutsch, englisch

Homepage von Wikileaks

Meine Besprechung von Alex Gibneys „We steal Secrets: Die WikiLeaks-Geschichte“ (We steal Secrets: The Story of WikiLeaks, USA 2013)

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Vijay & ich – Meine Frau geht fremd mit mir“ und das ist gar nicht witzig

September 9, 2013

Auf den ersten Blick wirkt die Geschichte von „Vijay & ich“ nicht besonders vielversprechend: nachdem man den Protagonisten für tot hält, geht er verkleidet zu seiner Beerdigung und bringt danach das Leben der Hinterbliebenen durcheinander. Gleichzeitig wird es für ihn immer schwieriger, die Charade aufzudecken.

Das ist uralter Verwechslungskomödienstoff.

Auf den zweiten Blick könnte „Vijay & ich“ durchaus ein sehenswerter Film sein. Denn Sam Garbarski inszenierte den Film nach seinem Drehbuch. Er drehte auch den märchenhaften Berlinale-Liebling „Irina Palm“ mit Marianne Faithfull als ältliche Hausfrau, die in einem Soho-Sex-Club das dringend benötigte Geld für eine lebensrettende Operation ihres Enkels erarbeitet, zum Star des Clubs wird und sich mit den Vorwürfen ihres Sohnes, der mit ihrer Arbeit durchaus nachvollziehbare Probleme hat, auseinandersetzten muss. Garbarski inszenierte damals sehr geschmackvoll Anzügliches und gewann der Geschichte von der Mutter, die für ihre Kinder über sich hinauswächst, einige neue Aspekte ab.

Warum also nicht auch jetzt?

Aber nach der hübsch atmosphärisch animierten Titelsequenz im Stil von Komödien aus den fünfziger und sechziger Jahren gelingt es dem Film dann nie, einen auch nur annähernd zeitgenössischen oder auch nur halbwegs originellen Zugriff auf die Geschichte zu entwickeln.

Moritz Bleibtreu spielt den deutschen Schauspieler Wilhelm ‚Will‘ Wilder, der in New York in einer Kinderfernsehsendung das „Grüne Pechkaninchen“ spielt. An seinem vierzigsten Geburtstag hofft er auf eine große Geburtstagsfeier. Aber niemand gratuliert ihm und beim Dreh wird er von den kryptischen Vorschlägen der Regie zu seinem Spiel weiter gedemütigt. Entnervt verlässt er den TV-Sender, bekommt daher nichts von der pompös geplanten Überraschungsgeburtstagsfeier mit, und an einer Tankstelle wird ihm sein Auto geklaut. Wilder hat das Leben gründlich satt und als er bei seinem Freund Rad (Danny Pudi) übernachtet, erfährt er aus den Nachrichten, dass der Autodieb in seinem Auto tödlich verunglückte und bis zur Unkenntlichkeit verbrannte.

Wilder will sich nun an all denen, die ihm nicht zum Geburtstag gratulierten, rächen. Er klärt den Irrtum nicht auf, sondern verkleidet sich als Vijay Singh, einem angeblichen Freund von Wilder, und geht zu Wilders Beerdigung. Daraus entwickelt sich eine Beziehung zu seiner Frau Julia (Patricia Arquette), die sich natürlich sofort in den geheimnisvollen Inder verliebt.

Dieser hoffnungslos veraltete und klischeetriefende Komödienstoff – Garbarski hat wahrscheinlich kein verzopftes Indien-Klischee ausgelassen – könnte unterhaltsam sein, wenn er die Klischees wenigstens ironisch brechen oder ihnen irgendetwas neues hinzu fügen würde. Aber er tut es nicht. Auch Situationskomik gibt es höchstens in homöopathischen Dosen.

Vijay und ich“ sieht wie ein Heinz-Erhardt-Film aus den fünfziger Jahren aus. Aber während man diese Filme und ihre Klischees, Vorurteile, Unwahrscheinlichkeiten und schlecht verkleideten Schauspieler inzwischen durch die nostalgische Brille betrachten kann, trifft das auf „Vijay & ich“ nicht zu. Garbarskis Films ist banal-biederes, witzloses Retrokino, dessen Zeit vor einem guten halben Jahrhundert war.

Vijay und ich - Plakat

Vijay & ich – Meine Frau geht fremd mit mir (Vijay and I, Deutschland/Belgien/Luxemburg 2012)

Regie: Sam Garbarski

Drehbuch: Philippe Blasband, Matthew Robbins, Sam Garbarski (nach einer Idee von Sam Garbaski)

mit Moritz Bleibtreu, Patricia Arquette, Danny Pudi, Catherine Missal, Michael Imperioli, Jeannie Berlin, Moni Moshonov, Hanna Schygulla, Michael Gwisdek

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Vijay und ich“

Moviepilot über „Vijay und ich“

Rotten Tomatoes über „Vijay und ich“ (derzeit leer)


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