Neu im Kino/Filmkritik: „Jumanji: Willkommen im Dschungel“, ihr Luschen

Dezember 21, 2017

Jumanji: Willkommen im Dschungel“ zeigt fast schon exemplarisch, was ein gutes Remake von einem schlechten Remake unterscheidet. Ob es sich um einen guten Film handelt, ist damit noch nicht gesagt.

Ein Remake oder, mehr noch, ein Reboot sollte der alten Geschichte einen neuen Aspekt abgewinnen und eine Idee haben, warum es gedreht wurde. Denn der alte Film ist immer noch da und kann heute müheloser als jemals gesehen werden. Zur Not kauft man sich die DVD. Trotzdem gibt es unzählige Remakes, bei denen man sich fragt: „Warum?“. Zuletzt zeigte „Flatliners“, dass die Macher nicht wussten, warum sie den Film machten. Bei „Mord im Orientexpress“ sah es dann dank der hochkarätigen Besetzung und, in der ersten Hälfte, verspielten Inszenierung, etwas besser aus. Aber einen wirklichen Grund für das Remake lieferte Kenneth Branagh nicht. „Ghost in the Shell“ konzentrierte sich auf die Visuals. Das sah dann gut aus. Und war der einzige Grund, sich den Film im Kino anzusehen.

Bei „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ sieht die Sache anders aus. Jake Kasdans Film ist ein Remake von Joe Johnstons Kassenhit „Jumanji“ (USA 1995), in dem Robin Williams die Hauptrolle spielte. Als Jugendlicher beginnt er mit seiner Freundin das Brettspiel „Jumanji“. Er wird in das Spiel hineingezogen. 26 Jahre später spielen zwei Kinder das Spiel weiter und das Spiel bzw. Teile des Spiels brechen tsunamiartig über eine typische All-American-Vorstadt herein. Affen, Spinnen, Sturzbäche und eine Elefantenhorde stürmen durch das Haus und die Stadt. Das Chaos kann nur gebändigt werden, wenn sie das Spiel beenden.

Diese Idee, dass das Spiel über die Wirklichkeit hereinbricht (obwohl vorher ein Spieler in das Spiel hineingesaugt wurde), fand ich während des gesamten Films unglaubwürdig.

In „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ haben die Macher diese Prämisse und das Thema des Films grundlegend verändert. Letztendlich ist es ein in jeder Beziehung anderer Film, der mit dem ersten Film bis auf einige unwichtige Kleinigkeiten nichts mehr zu tun hat.

Jetzt finden vier Schüler, die Nachsitzen müssen, im Keller der Schule ein altes Computerspiel. Sie suchen sich Spielcharaktere aus, starten das Spiel und werden in es hineingesaugt. Im Spiel sind sie Dr. Smolder Bravestone (Dwayne Johnson), Dr. Shelly Oberon (Jack Black), Franklin ‚Moose‘ Finbar (Kevin Hart) und Ruby Roundhouse (Karen Gillan) und sie müssen das Spiel spielen. Wie es sich für ein Computerspiel gehört, haben sie bestimmte Fähigkeiten, eine Aufgabe und verschiedene, zunehmend schwierigere Spiellevels, die sie erfolgreich durchspielen müssen, ehe sie zum nächsten Level gelangen. Oh, und sie haben jeweils drei Leben. Diese ebenso einfache, wie bewährte Konstruktion gibt die Struktur der Filmgeschichte vor, die von den Machern nur noch ausgefüllt werden muss.

Das tun sie, ohne spürbare Längen, mit einem sympathischen, spielfreudigen Cast, Humor und einer stringent erzählten Geschichte.

Ein großer Teil des Humors entsteht aus dem Umstand, dass die vier Spieler in der Realität anders als im Spiel sind (aber immer noch ihre reale Identität haben). Teilweise sind sie im Spiel das komplette Gegenteil von ihrem früheren Selbst. Sie haben andere körperliche und geistige Fähigkeiten. Sie haben teilweise auch ein anderes Geschlecht. Und während sie in der Schule nichts miteinander zu tun hatten, müssen sie jetzt sich jetzt aufeinander verlassen und zusammenarbeiten. Denn nur gemeinsam können sie die Aufgabe bewältigen. Diese Botschaft, die sich deutlich von der Botschaft des Ur-“Jumanji“ unterscheidet, ist im gesamten Film präsent. Sie ist die Grundlage für jede Szene, jeden Dialog und jede Handlung.

Jumanji: Willkommen im Dschungel“ ist ein rundum gelungenes, grundsympathisches Fantasyabenteuer mit viel Action und Humor für die gesamte Familie. Wobei das Zielpublikum, trotz der für mein Empfinden erstaunlich hohen FSK-12-Freigabe, bei älteren Kindern und jüngeren Jugendlichen liegt.

Jumanji: Willkommen im Dschungel (Jumanji: Welcome to the Jungle, USA 2017)

Regie: Jake Kasdan

Drehbuch: Chris McKenna, Erik Sommers, Jake Kasdan, Scott Rosenberg, Jeff Pinkner

LV: Chris Van Allsburg: Jumanji, 1981 (Kinderbuch)

mit Dwayne Johnson, Jack Black, Kevin Hart, Karen Gillan, Nick Jonas, Bobby Cannavale

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Jumanji“

Metacritic über „Jumanji“

Rotten Tomatoes über „Jumanji“

Wikipedia über „Jumanji“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jake Kasdans „Sex Tape“ (Sex Tape, USA 2014)

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