Neu im Kino/Filmkritik: Dwayne Johnson besucht einen „Skyscraper“ und…

Juli 12, 2018

Bei einer missglückten Geiselbefreiung verliert FBI-Spezialagent Will Sawyer (Dwayne Johnson) verliert ein Bein. Aber er trifft die Ärztin Claire (Neve Campbell), seine große Liebe und Mutter seiner beiden Kinder. Mit ihnen ist er jetzt in Hongkong. Dort soll er seinen Bericht über die Sicherheit des Hochhauses The Pearl, das demnächst eröffnet werden soll, abliefern. Mit 240 Stockwerken ist es der höchste Wolkenkratzer der Welt, der sich autonom mit Energie versorgt. In den unteren Stockwerken gibt es Geschäfte, darüber Wohnungen und ganz oben hat der Erbauer des Hauses sich ein Apartment eingerichtet. Nach Sawyers Ansicht ist das Gebäude perfekt gegen Brände gesichert.

Mit einem mit seinen biometrischen Daten gesichertem Tablet, mit dem er für seinen letzten Sicherheitscheck alle Sicherheitsmaßnahmen umgehen kann, macht er sich auf den Weg zur Leitstelle macht. Auf dem Weg wird ihm seine Umhängetasche geklaut.

Weil er das Tablet in seiner Jacketttasche hatte, erfährt er früher als geplant, dass eine Gangsterbande etwas sehr wertvolles aus dem Hochhaus stehlen will. In einem anschließendem Kampf können die Verbrecher das Tablet in ihren Besitz zu bringen und anschließend die gesamten Sicherheitsmaßnahmen auszuschalten. Deshalb breitet sich der von ihnen gelegte Brand in dem Gebäude weiter nach oben aus.

Sawyer will den Diebstahl verhindern und, vor allem, seine Familie retten. Sie und Zhao Ming Ji (Chin Han), der Besitzer des Hochhauses, sitzen in dem von den Verbrechern in Brand gestecktem Hochhaus fest.

Und weil die Polizei ihn für den Verursacher des Brandes hält, muss Sawyer vor dem Betreten des von Polizei und Feuerwehr hermetisch abgeriegeltem Gebäude die ihn verfolgenden Polizisten abhängen.

Einen Preis im Erfinden einer noch niemals gesehenen Geschichte wird „Skyscraper“ nicht erhalten. Ebenso wird der Thriller keinen Preis für Logik oder Wahrscheinlichkeit erhalten. „Skyscraper“ ist einer der typischen, für die große Leinwand gemachten Sommer-Blockbuster, die ein Minimum an Story mit einem Maximum an Effekten ausgleichen. Der immer sympathische und unkaputtbare Dwayne Johnson nennt seinen neuesten Film „eine grandiose Mischung aus ‚Stirb langsam‘, ‚Flammendes Inferno‘ und ‚Auf der Flucht’“ . „Auf der Flucht“ können wir getrost aus der Gleichung herausnehmen. Denn der Einsatzleiter der Hongkong-Polizei ist schnell, ungefähr in dem Moment, in dem Sawyer beginnt, den gegenüber dem Hochhaus stehenden Baukran hochzuklettern, überzeugt, dass Sawyer unschuldig ist. „Skysraper“ erzählt, inspiriert vom Action- und Blockbusterkino der siebziger und achtziger Jahre, die Geschichte eines brennenden Hochhauses (noch ohne Bewohner und damit ohne störende Nebengeschichten und Rettungsversuche der Feuerwehrleute) und dem Versuch des Helden, seine Familie zu retten. Dafür muss er auch die Pläne des Verbrechers Kores Botha (Roland Møller) und seiner skrupellosen Schergen durchkreuzen. Und am Ende gibt es, für die Cineasten im Kinosaal, eine Schießerei in einem Spiegelkabinett, das eine moderne Version der legendären Spiegelkabinett-Szene aus Orson Welles‘ Noir-Klassiker „Die Lady von Shanghai“ ist.

Rawson Marshall Thurber erzählt die von ihm geschriebene Geschichte flott in unter zwei Stunden und mit einem Blick auf Bilder, die auf der großen IMAX-Leinwand Schwindelgefühle auslösen können. Zum Beispiel wenn Claire in einem sich über dreißig Stockwerke erstreckendem Jade Park über ein zwei Brückenteile verbindendes Brett läuft, um ihren Sohn vor den Flammen zu retten. Oder wenn Sawyer an einem Kran und an der Außenwand des Wolkenkratzers herumklettert. Im Gegensatz zu Ethan Hunt braucht er dafür kein hochentwickeltes Gerät, sondern nur etwas handelsübliches Klebeband.

Skyscraper“ ist nach „Central Intelligence“ die zweite Zusammenarbeit von Thurber und Johnson. Dieses Mal in einem Thriller, der auf Humor weitgehend verzichtet. Dafür hat er die durchdachtere Geschichte; auch wenn im wesentlichen die bekannten Situationen aneinandergereiht werden. Das geschieht aber mit soviel Erzählfreude, dass man sich gerne auf die Reise mitnehmen lässt.

Sie arbeiten bereits an einem dritten gemeinsamen Film.

Skyscraper (Skyscraper, USA 2018)

Regie: Rawson Marshall Thurber

Drehbuch: Rawson Marshall Thurber

mit Dwayne Johnson, Neve Campbell, Chin Han, Roland Møller, Noah Taylor, Byron Mann, Pablo Schreiber, Hannah Quinlivan

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homeapge zum Film

Moviepilot über „Skyscraper“

Metacritic über „Skyscraper“

Rotten Tomatoes über „Skyscraper“

Wikipedia über „Skyscraper“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Rawson Marshall Thurbers „Central Intelligence“ (Central Intelligence, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: „Free Fire“ oder eine wenig intelligente Art der Konfliktlösung

April 7, 2017

Eine Nacht in Boston in den siebziger Jahren: in einer Lagerhalle im Hafen wollen einige Iren von einigen Amerikanern Schusswaffen kaufen. Natürlich illegal, weil die Waffen in Irland gegen die verhassten Briten eingesetzt werden sollen. Doch bevor der Handel abgeschlossen wird, gibt es ein kleines Missverständnis, etwas gekränkte Eitelkeit und die Waffen werden exzessiv in der verlassenen, abgelegenen Lagerhalle ausprobiert.

Nach der SF-Sozialsatire „High-Rise“ ist Ben Wheatleys neuer Film „Free Fire“ eine mit Einzeilern garnierte Ballerorgie ohne Sinn und Verstand, in der die Schauspieler – immerhin bekannte Namen und gestandene Schauspieler wie Brie Larson (die einzige Frau unter Jungs), Armie Hammer, Cillian Murphy, Sam Riley, Jack Reynor, Michael Smiley und Patrick Bergin – die meiste Zeit auf dem Boden liegen und durch den Dreck kriechen –, etwas eingeschränkt von diversen Schussverletzungen, die sie nicht daran hindern, munter weiter in Richtung Feind zu ballern. Und alle beweisen eine erstaunliche Überlebensfähigkeit.

Das ist durchaus vergnüglich, aber auch etwas blutleer geraten. Denn abgesehen von dem reichlich vorhandenen zeit- und popkulturellen Anspielungen (Die Kleider. Die Frisuren. Die herzliche Abneigung zwischen den verschiedenen Gruppen.) ist „Free Fire“ vor allem eine selbstgenügsame Übung im Schusswaffengebrauch. Auch wenn später noch andere, ähem, Waffen zum Einsatz kommen, ändert sich nichts an dem gnadenlos bis zur letzten Minute durchgezogenen Prinzip des gegenseitigen Tötens.

Die nicht besonders intelligenten Schießbudenfiguren stehen sich während des gesamten Films in zwei klar abgegrenzten Gruppen unversöhnlich gegenüber. Wechselnde Koalitionen oder Loyalitäten, vulgo Überraschungen, gibt es nicht. Nur kurz, als plötzlich eine dritte Partei sie erschießen will, arbeiten sie zusammen. Um die Störung zu beseitigen.

Da waren, weil „Free Fire“ sicher öfter mit Quentin Tarantinos „Reservoir Dogs“ verglichen wird, die Charaktere in „Reservoir Dogs“ deutlich vielschichtiger. Tarantinos mehr redselige als bleihaltige Geschichte ebenso. Die Charaktere hatten keine Einzeiler, sondern Monologe und durch die zahlreichen Rückblenden wurde auch die Einheit von Handlungsort und -zeit aufgebrochen. In „Free Fire“ spielt die gesamte Geschichte in der Lagerhalle, es gibt keine Rückblende, es gibt keinen Versuch, den Charakteren eine größere Tiefe zu verteilen und Einzeiler haben eine begrenzte Halbwertzeit. Vor allem wenn die Loyalitäten betonhart feststehen.

Free Fire“ ist eine hirnlose Retro-Ballerorgie, die nur aus einer Idee besteht. Das ist okay, aber bei Ben Wheatley, dem Regisseur von „Sightseers“, „A Field in England“ und „High-Rise“, hätte ich noch eine zweite Ebene, einen Subtext, erwartet. Der geht hier im Kugelhagel unter.

Free Fire (Free Fire, Großbritannien/Frankreich 2016)

Regie: Ben Wheatley

Drehbuch: Ben Wheatley, Amy Jump

mit Armie Hammer, Brie Larson, Cillian Murphy, Sam Riley, Sharlto Copley, Jack Reynor, Babou Ceesay, Enzo Cilenti, Michael Smiley, Noah Taylor, Patrick Bergin, Mark Monero

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Free Fire“

Metacritic über „Free Fire“

Rotten Tomatoes über „Free Fire“

Wikipedia über „Free Fire“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „Sightseers“ (Sightseers, Großbritannien 2012)

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „High-Rise“ (High-Rise, Großbritannien 2015) und der DVD


DVD-Kritik: Zeitreisen mit einer „Predestination“

März 28, 2015

Es ist eine unglaubliche Geschichte, die John (Sarah Snook) in einer Kneipe in New York 1970 dem Barkeeper (Ethan Hawke) erzählt. Er ist ein Findelkind, das früher ein Mädchen war, das in einem Raumfahrtprojekt als weibliche Stütze für die Raumfahrer mitmachen wollte, und nach einer Schwangerschaft umoperiert wurde. Es ist eine Geschichte, in der ein Unglück von einem noch größerem Unglück gefolgt wird und, so schicksalhaft es sich anhört, so grotesk zufällig wirkt es auch. Denn kein einzelner Mensch kann so viel Pech haben.
Ihr schweigsamer Zuhörer könnte allerdings auch eine ziemlich unglaubliche Geschichte erzählen. Er ist ein Mann aus der Zukunft. Ein Zeitreise-Agent, der einen Terroristen schnappen soll. Und wenn er ihn vor seinem ersten Anschlag unschädlich machen kann, wäre die Welt ein sicherer Ort.
Beide Schicksale sind miteinander verknüpft und die Spierig-Brüder Michael und Peter Spierig, die bereits mit „Daybreakers“ überzeugten, häufen, ohne dass wir jemals den Überblick verlieren, eine Wendung an die nächste, bis die Geschichte durch die Rückblenden und vielen Zeitsprünge wie ein mehrmals gewendetes Möbiusband miteinander und ineinander verflochten ist. Ob sie dabei wirklich einer logischen Überprüfung standhält: wer weiß es und wen kümmert es?
Schließlich sind Zeitreisen auch eine ziemlich paradoxe Angelegenheit, die, wie Science-Fiction-Fans wissen, für viele Probleme sorgen.
Der Film, der wie eine äußerst gelungene spielfilmlange „The Twilight Zone“-Geschichte wirkt, hatte ein niedriges Budget, was in einer seltsamen Weise einerseits ein Nachteil (man sieht die Budgetbeschränkungen), andererseits auch ein Vorteil ist. Denn so kamen die Macher nie in die Versuchung, mit großen Set-Pieces vom Kern der Geschichte abzulenken. Sie konzentrierten sich auf die beiden Hauptdarsteller und wenige Schauplätze, die sie atmosphärisch überzeugend inszenierten.
Ach ja: „Predestination“ ist die Verfilmung der dreizehnseitigen Kurzgeschichte „All you Zombies“ von Robert A. Heinlein, der die Macher ziemlich akkurat folgen. Deshalb sollte man sie auch erst nach dem Filmgenuss lesen.

Predestination - DVD-Cover

Predestination (Predestination, Australien 2014)
Regie: Michael Spierig, Peter Spierig
Drehbuch: Michael Spierig, Peter Spierig (aka The Spierig Brothers)
LV: Robert A. Heinlein: All you Zombies -, 1960 (Kurzgeschichte, Entführung in die Zukunft)
mit Ethan Hawke, Sarah Snook, Noah Taylor, Christopher Kirby, Christopher Sommers

DVD
Tiberius Film
Bild: 2,35:1 (16:9)
Ton: Deutsch (DD 2.0, DD 5.1, DTS), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Trailer
Länge: 93 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Die lesenswerte Vorlage

Heinlein - Predestination - Entführung in die Zukunft - 4

Robert A. Heinlein: Predestination – Entführung in die Zukunft
(übersetzt von Alexander Martin)
Heyne, 2015 (als E-Book)
00,99 Euro

Hinweise
Facebook-Seite zum Film
Moviepilot über „Predestination“
Metacritic über „Predestiantion“
Rotten Tomatoes über „Predestination“
Wikipedia über „Predestination“ (deutsch, englisch) und Robert A. Heinlein (deutsch, englisch)
Homepage von Robert A. Heinlein
Meine Besprechung von Michael und Peter Spierigs „Daybreakers“ (Daybreakers, Australien/USA 2009)

Meine Besprechung von Robert A. Heinleins „Mondspuren“ (The Moon is a harsh Mistress, 1966; Frühere deutsche Veröffentlichungen als „Revolte auf Luna“ und „Der Mond ist eine herbe Geliebte“)

Meine Besprechung von Robert A. Heinleins „Raumjäger“ (Have Space Suit – Will Travel, 1958; Frühere deutsche Veröffentlichungen als „Piraten im Weltraum“, „Kip überlebt auf Pluto“ und „Die Invasion der Wurmgesichter“)


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