Neu im Kino (naja einigen Kinos in einigen Bundesländern)/Filmkritik: Clint Eastwood erzählt „Der Fall Richard Jewell“

Juni 25, 2020

Am 27. Juli 1996 hatte Richard Jewell seine fünfzehn Minuten Ruhm. Der 34-jährige arbeitete bei einer privaten Wachfirma. Im Centennial Olympic Park entdeckt er bei einem Kenny-Rogers-Konzert, das während der Olympischen Spiele in Atlanta, Georgia, stattfinded, eine unter einer Parkbank versteckte Tasche. Er informiert die Polizei und leitet sofort erste Maßnahmen zum Schutz der Zuschauer ein, indem er sie aus dem Gefahrenbereich trieb. Kurz darauf explodiert die Bombe. Eine Frau stirbt. Ein Mann hat einen Herzinfarkt. Über hundert Menschen werden verletzt. Ohne sein beherztes Eingreifen wären mehr Menschen gestorben.

Die Presse und die Öffentlichkeit feiert ihn als Helden.

Währenddessen fragt das FBI sich, ob der Möchtegern-Gesetzeshüter der Täter sein könnte. Jewell hat anscheinend jede Verfahrensvorschrift der Polizei verinnerlicht, besteht penetrant auf der Einhaltung von Regeln, spielt Computerspiele wie „Defender“ und „Mortal Kombat II“ (das war damals etwas für Kinder und seltsame Nerds), hortet Waffen und lebt bei seiner Mutter. Damit passt der unterwürfige, sich nach Anerkennung von seinen Polizistenkollegen sehnende Jewell perfekt in das Profil des rechten, nach Aufmerksamkeit gierenden Einzeltäters.

Als Kathy Scruggs, eine überaus ambitionierte, 2001 verstorbene Journalistin der Zeitung „The Atlanta Journal-Constitution“, von den Ermittlungen gegen Jewell erfährt, schreibt sie einen reißerischen Artikel, der Jewell zum Hauptverdächtigen macht.

Trotzdem versucht der gutmütige Jewell weiter, den Ermittlern zu helfen. Was ihn nur noch verdächtiger macht. Und seinen Autoritäten verachtenden Anwalt Watson Bryant, der bis zu diesem Zeitpunkt keine Erfahrung mit solchen Strafverfahren hat, verzweifeln lässt. Das hindert ihn aber nicht daran, wortgewaltig für Jewell zu kämpfen.

Mit „Der Fall Richard Jewell“ setzt Clint Eastwood die Reihe seiner auf wahren Ereignissen basierenden Filme fort. Es ist auch eine weitere Heldengeschichte, die von ihren überzeugenden Schauspielern lebt. Die Hauptrolle übernahm Paul Walter Hauser. Bislang spielte er Nebenrollen. Unter anderem in „I, Tonya“, „BlacKkKlansman“ und „Late Night“. Einen größeren Eindruck hinterließ er in diesen Filmen bei mir nicht. Als Richard Jewell zeigt er jetzt, was er kann. Und das ist verdammt viel.

Die anderen Schauspieler – Sam Rockwell als Jewells Anwalt, Kathy Bates als Jewells Mutter, Jon Hamm als FBI-Ermittler (seine Figur basiert auf mehreren realen Ermittlern) – überzeugen ebenfalls. Das liegt am Drehbuch, ihrem Spiel und Eastwoods gewohnt unprätentiöser Inszenierung, die sich auf die Geschichte und die Schauspieler verlässt.

In diesem Umfeld fällt die von Olivia Wilde gespielte Journalistin – auch wenn man den wahren Fall nicht kennt – äußerst negativ auf. Die von ihr gespielte Figur ist eine karrieregeile, für eine Schlagzeile über Leichen gehende Schönheit. Sie ist ein eindimensionaler Watschenmann für primitive Medienkritik; mit telegener und vollkommen unglaubwürdiger Wandlung am Filmende. Die durchaus beunruhigenden und skandalträchtigen wahren Ereignisse in der Redaktion der Provinzzeitung und die Reaktionen der überregionalen Medien hätten diese Dramatisierung nicht benötigt. Der restliche Film bleibt dagegen nah an den Fakten und zeichnet ein differenziertes Bild der Monate nach dem Bombenanschlag.

Der Fall Richard Jewell“ ist eine packende David-gegen-Goliath-Geschichte, in der ein unschuldiger und gegenüber der Polizei überaus naiver Mann um seinen Ruf kämpfen muss. Freunde hat er nur wenige. Seine Gegner sind das FBI, das vorurteilsbehaftet ermittelt und den Ruf eines Unschuldigen irreparabel schädigt, und die Medien, die für eine Schlagzeile schlampig recherchieren. Beide bleiben bei ihrer einmal gefassten Überzeugung. In der Öffentlichkeit war Jewell danach ‚der Bombenleger‘. 2003 wurde der wahre Täter, der christlich-fundamentalistisch Terrorist Eric Rudolph, verhaftet und zu lebenslanger Haft verurteilt.

Richard Jewell starb 2007 aufgrund mehrerer durch seine Diabetes verursachten gesundheitlicher Probleme.

Der Fall Richard Jewell (Richard Jewell, USA 2019)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Billy Ray

LV: Marie Brenner: American Nightmare: The Ballad of Richard Jewell (Vanity Fair, Februar 1997), Kent Alexander, Kevin Salwen: The Suspect, 2019

mit Paul Walter Hauser, Sam Rockwell, Olivia Wilde, Jon Hamm, Kathy Bates, Nina Arianda, Ian Gomez, Niko Nicotera

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Der Fall Richard Jewell“

Metacritic über „Der Fall Richard Jewell“

Rotten Tomatoes über „Der Fall Richard Jewell“

Wikipedia über „Der Fall Richard Jewell“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Der Fall Richard Jewell“

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)

Clint Eastwood in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Kai Blieseners „Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften“ (2020)


TV-Tipp für den 19. Juli: Her – A Spike Jonze Love Story

Juli 19, 2017

Arte, 20.15

Her (Her, USA 2013)

Regie: Spike Jonze

Drehbuch: Spike Jonze

Seitdem der professionelle Briefeschreiber Theodore (Joaquin Phoenix) von seiner Freundin verlassen wurde, verbringt er seine Abend alleine vor dem Computer. Als er auf seinem Computer seinen persönlichen, virtuellen Begleiter installiert, verliebt er sich sofort in ihre Stimme (Scarlett Johansson im Original) und beginnt eine Beziehung mit ihr.

Abgedrehte, hochgelobte Romanze, die ich damals für etwas überbewertet hielt. „Her“ erhielt etliche Preise, u. a. den Drehbuchoscar. „Her“ war auch als bester Film des Jahres nominiert.

mit Joaquin Phoenix, Amy Adams, Rooney Mara, Olivia Wilde, Scarlett Johansson (im Original), Kristen Wiig (im Original)

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Her“
Moviepilot über „Her“
Metacritic über „Her“
Rotten Tomatoes über „Her“
Wikipedia über „Her“ (deutsch, englisch)
Drehbuch „Her“ von Spike Jonze

Meine Besprechung von Spike Jonzes „Her“ (Her, USA 2013)


TV-Tipp für den 5. Februar: Cowboys & Aliens

Februar 5, 2016

Pro 7, 20.15

Cowboys & Aliens (USA 2011, Regie: Jon Favreau)

Drehbuch: Roberto Orci, Alex Kurtzman, Damon Lindelof, Mark Fergus, Hawk Ostby (nach einer Geschichte von Mark Fergus, Hawk Ostby und Steve Oedekerk [klingt nach einer sehr langen Entwicklung])

LV: Scott Mitchell Rosenberg: Cowboys & Aliens, 2006 (Cowboys & Aliens)

Buch zum Film: Joan D. Vinge: Cowboys & Aliens, 2011

Wilder Westen: Aliens versuchten schon damals, die Erde zu besetzen. Aber dieses Mal legen sie sich mit „James Bond“ und „Indiana Jones“ an. Klarer Fall, wer die besseren Karten hat.

Vergnüglicher, starbesetzter, etwas unterschätzter Western, der gerade in seinen traditionellen Teilen gefällt, und viel besser als die Box-Office-Bombe „Lone Ranger“ ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Films und der Vorlage.

mit Daniel Craig, Harrison Ford, Abigail Spencer, Buck Taylor, Olivia Wilde, Sam Rockwell, Clancy Brown, Paul Dano, Adam Beach, Noah Ringer, Keith Carradine, Walton Goggins

Wiederholung: Samstag, 6. Februar, 23.25 Uhr

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

You Tube: der Kanal zum Film und der Kanal mit den Interviews (Jon Favreau unterhält sich mit den Beteiligten)

Film-Zeit über „Cowboys & Aliens“

Metacritic über “Cowboys & Aliens”

Rotten Tomatoes über “Cowboys & Aliens”

Wikipedia über “Cowboys & Aliens” (deutsch, englisch) und über die Vorlage (deutsch, englisch)

Go into the Story: Interview mit den Drehbuchautoren Roberto Orci und Alex Kurtzman über “Cowboys & Aliens”

Platinum Studios: Homepage zum Comic

Meine Besprechung von Jon Favreaus „Cowboys & Aliens“ (Cowboys & Aliens, USA 2011)

Meine Besprechung von Jon Favreaus „Kiss the Cook – So schmeckt das Leben“ (Chef, USA 2014)


TV-Tipp für den 22. Oktober: 72 Stunden – The Next Three Days

Oktober 22, 2015

Vox, 20.15

72 Stunden – The next three days (The next three days, USA 2010)

Regie: Paul Haggis

Drehbuch: Paul Haggis (nach dem Drehbuch von Fred Cavayé und Guillaume Lemans für den Spielfilm „Pour Elle“)

Ein Lehrer will seine unschuldig als Mörderin im Knast sitzende Frau befreien.

Paul Haggis („L. A. Crash“, aber auch „Ein Mountie in Chicago“ und „Walker, Texas Ranger“) braucht 133 Minuten für seine Geschichte. Das Original, der französische Thriller „Pour elle“ (Ohne Schuld) von Fred Cavayé mit Vincent Lindon und Diane Kruger braucht nur 96 Minuten.

Trotzdem ist „72 Stunden“, dank Russell Crowe als verliebter und treusorgender Ehemann und Papa, ein unterhaltsamer Thriller für Zwischendurch. Das ist nicht immer logisch und bis dann endlich die Befreiung (vulgo Action nach der schier endlosen Planung und Vorbereitung) beginnt, vergeht viel zu viel Zeit, die einen zwar mit herzigen Bildern aus dem Familienleben des Lehrers erfreut, aber auch ein auffälliges Desinteresse an dem Mordfall zeigt. Und die Wandlung von dem leicht tapsigen Lehrer zu dem eiskalten Planer, der bedenkenlos gegen Gesetze verstößt, geht auch überraschend schnell.

Mit Russell Crowe, Elizabeth Banks, Olivia Wilde, Brian Dennehy, Liam Neeson (nur eine Szene)

Wiederholung: Freitag, 23. Oktober, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „72 Stunden“

Rotten Tomatoes über „72 Stunden“

Wikipedia über „72 Stunden“ (deutsch, englisch)

Cinema Blend: Interview mit Paul Haggis

Indie London: Interview mit Paul Haggis

Meine Besprechung von Paul Haggis‘ „Dritte Person“ (Third Person, Großbritannien/USA/Deutschland/Belgien 2013)

Paul Haggis in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 29. Mai: Cowboys & Aliens

Mai 28, 2015

Vor „Kiss the Cook“ war „Cowboys & Aliens“

Pro 7, 20.15

Cowboys & Aliens (USA 2011, Regie: Jon Favreau)

Drehbuch: Roberto Orci, Alex Kurtzman, Damon Lindelof, Mark Fergus, Hawk Ostby (nach einer Geschichte von Mark Fergus, Hawk Ostby und Steve Oedekerk [klingt nach einer sehr langen Entwicklung])

LV: Scott Mitchell Rosenberg: Cowboys & Aliens, 2006 (Cowboys & Aliens)

Buch zum Film: Joan D. Vinge: Cowboys & Aliens, 2011

Wilder Westen: Aliens versuchten schon damals, die Erde zu besetzen. Aber dieses Mal legen sie sich mit „James Bond“ und „Indiana Jones“ an. Klarer Fall, wer die besseren Karten hat.

Vergnüglicher, starbesetzter, etwas unterschätzter Western, der gerade in seinen traditionellen Teilen gefällt, und viel besser als die Box-Office-Bombe „Lone Ranger“ ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Films und der Vorlage.

mit Daniel Craig, Harrison Ford, Abigail Spencer, Buck Taylor, Olivia Wilde, Sam Rockwell, Clancy Brown, Paul Dano, Adam Beach, Noah Ringer, Keith Carradine, Walton Goggins

Wiederholung: Samstag, 30. Mai, 22.35 Uhr

Hinweise

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Deutsche Homepage zum Film

You Tube: der Kanal zum Film und der Kanal mit den Interviews (Jon Favreau unterhält sich mit den Beteiligten)

Film-Zeit über „Cowboys & Aliens“

Metacritic über “Cowboys & Aliens”

Rotten Tomatoes über “Cowboys & Aliens”

Wikipedia über “Cowboys & Aliens” (deutsch, englisch) und über die Vorlage (deutsch, englisch)

Go into the Story: Interview mit den Drehbuchautoren Roberto Orci und Alex Kurtzman über “Cowboys & Aliens”

Platinum Studios: Homepage zum Comic

Meine Besprechung von Jon Favreaus „Cowboys & Aliens“ (Cowboys & Aliens, USA 2011)


Neu im Kino/Filmkritik: Paul Haggis sucht die „Dritte Person“

Dezember 4, 2014

Die spoilerfreie Kurzkritik: In seinem neuen Film „Dritte Person“ erzählt „L. A. Crash“-Regisseur Paul Haggis mit einem tollen Cast parallel drei Hauptgeschichten mit einem guten Dutzend Charaktere, die in Paris, Rom und New York spielen und am Ende auf überraschende Weise zusammengefügt werden. Leider ist der Weg dahin mit seinen unglaubwürdigen Charakteren nicht sonderlich interessant.
Wir raten ab.

So. Und jetzt erkläre ich euch, warum ich von „Dritte Person“ enttäuscht war, obwohl am Ende alles einen Sinn ergibt und auch die Idee hinter dem Film interessant ist, aber die Ausführung dann doch nicht. Obwohl sogar diese schlechte Ausführung, als ein weiteres Spiel mit dem der Plotkonstruktion, gewollt sein kann; was aber dann schon mindestens in die Meta-Meta-Ebene geht.
In den ersten Minuten führt Paul Haggis in kurzen Szenen und flüssig geschnitten die Charaktere und die Handlungsorte ein. Im Zentrum steht dabei der in Paris in einer Hotelsuite residierende Michael (Liam Neeson), ein mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneter Schriftsteller, der an einem neuen Roman arbeitet und sich mit seiner deutlich jüngeren, in einer festen Beziehung lebenden Freundin Anna (Olivia Wilde), die ihn als Autor bewundert, trifft.
In Italien erhält Scott (Adrien Brody) die noch geheimen Entwürfe für eine neue Bekleidungslinie, die er an einen Konkurrenten verkaufen will.
In New York kämpft der ehemalige Soap-Opera-Star Julia (Mila Kunis) mit ihrer Anwältin Theresa (Maria Bello) um das Sorgerecht für ihr Kind.
Ebenfalls in New York (wie wir später erfahren) versucht der bekannte Maler Rick (James Franco) seinen Sohn für seinen primitiven Malstil zu begeistern. Erfolglos.
Und in einer Küche steht Elaine (Kim Basinger), die traurig in den Garten ihres Anwesens blickt.
Alle diese Charaktere und ihre Geschichten sind, wie wir es auch aus anderen Episodenfilmen kennen, miteinander verbunden. Nur wissen wir in diesem Moment noch nicht genau, wie.
So waren Julia und Rick vorher ein Paar und er möchte sie unbedingt von ihrem Kind fernhalten. Allerdings erfahren wir nicht, warum der Maler so unbedingt das Sorgerecht möchte. Denn schon in der ersten Szene erfahren wir, dass er überhaupt keine Beziehung zu seinem Kind hat und er das auch nicht ändern will. Für ihn steht seine Arbeit an erster Stelle. Dann kommt seine anscheinend nach dem Aussehen ausgewählte Freundin und sein Sohn kommt, als Haustierersatz, erst viel später.
Julia dagegen scheint eine wirklich liebevolle Mutter zu sein, die sogar einen Job als Zimmermädchen in einem Nobelhotel annimmt. Hauptsache, sie kann für ihr Kind sorgen. Dass sie ein kleines Zeitproblem hat, erscheint da vernachlässigbar.
Scott, der sich nach seiner in den USA lebenden Familie zurücksehnt und sich immer wieder eine Nachricht von seinem Sohn auf seinem Telefon anhört, geht in Rom, anstatt möglichst schnell die Unterlagen zu übergeben und den Ort seines Verbrechens zu verlassen, in eine schummerige Bar und er lässt sich mit einer, ähem, sehr italienischen Frau ein, die das Wort „Probleme“ mit Leuchtbuchstaben auf ihre Stirn tätowiert hat. Und „Probleme“ bekommt er. Auch wenn unklar bleibt, warum er sich mit dieser Bordsteinschwalbe, die ihn nur ausnutzen will, einlässt.
Währenddessen starrt Elaine weiter traurig in den Garten und wir fragen uns, wie ihre Geschichte mit den anderen Geschichten zusammenhängt.
Immerhin hat Michael in der Stadt der Liebe seinen Spaß, bis er seinem Verleger das neue Manuskript gibt und dieser überhaupt nicht begeistert von den ausgedachten Charakteren und der gekünstelten Geschichte ist. Das habe nicht mehr die Kraft und Ursprünglichkeit von Michaels früheren Werken; was durchaus auch als Kommentar von „L. A. Crash“-Regisseur Paul Haggis zu seinem neuen Film gesehen werden kann.
Denn während man sich über zwei Stunden durch einen Film voller ausgedachter, sich unvernünftig verhaltender Charaktere quält und sich fragt, wie diese Geschichten irgendwie miteinander zusammenhängen und Unstimmigkeiten, wie Blumen und Zettel, die gleichzeitig in einem Hotelzimmer in New York und Paris sind, bemerkt, bereitet Paul Haggis die Lösung vor, die genau das erklärt und auch, auf dem Papier, ein spannendes Spiel zwischen Kunst und Realität ist.
Denn alle Geschichten spielen sich im Kopf von Michael ab, der so seine Trennung von Elaine und den Unfalltod ihres Sohnes verarbeitet. Er erzählt, in fiktionalisierter Form, wie er Elaine kennenlernte, sie sich um ihr Kind stritten, es verloren und jetzt mit dem Verlust und den gegenseitigen Schuldzuweisungen leben müssen. Das ist, vom Ende betrachtet, interessant konstruiert und erklärt auch, warum sich einzelne Charaktere vollkommen irrational verhalten. So ist am ersten Ansehen unklar, warum Scott in Italien bleibt und sich in die falsche Frau verliebt oder warum Rick unbedingt das Sorgerecht will.
Allerdings interessiert, wenn man das Ende nicht kennt, kein Charakter wirklich. Keines ihrer Probleme ist glaubhaft. Alles wirkt ausgedacht und künstlich und langweilt deshalb. Letztendlich ist „Dritte Person“ nur eine deutlich zu lang geratene Versuchsanordnung.

Dritte Person - Plakat

Dritte Person (Third Person, Großbritannien/USA/Deutschland/Belgien 2013)
Regie: Paul Haggis
Drehbuch: Paul Haggis
mit Liam Neeson, Maria Bello, Mila Kunis, Kim Basinger, Adrien Brody, Olivia Wilde, James Franco, Loan Chabanol, Olivier Crouch, Moran Atias
Länge: 137 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
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Film-Zeit über „Dritte Person“
Moviepilot über „Dritte Person“
Metacritic über „Dritte Person“
Rotten Tomatoes über „Dritte Person“
Wikipedia über „Dritte Person“
Paul Haggis in der Kriminalakte

Die Pressekonferenz beim TIFF 2013


TV-Tipp für den 6. Juli: Cowboys & Aliens

Juli 5, 2014

Pro 7, 20.15

Cowboys & Aliens (USA 2011, Regie: Jon Favreau)

Drehbuch: Roberto Orci, Alex Kurtzman, Damon Lindelof, Mark Fergus, Hawk Ostby (nach einer Geschichte von Mark Fergus, Hawk Ostby und Steve Oedekerk [klingt nach einer sehr langen Entwicklung])

LV: Scott Mitchell Rosenberg: Cowboys & Aliens, 2006 (Cowboys & Aliens)

Buch zum Film: Joan D. Vinge: Cowboys & Aliens, 2011

Wilder Westen: Aliens versuchten schon damals, die Erde zu besetzen. Aber dieses Mal legen sie sich mit „James Bond“ und „Indiana Jones“ an. Klarer Fall, wer die besseren Karten hat.

Vergnüglicher, starbesetzter, etwas unterschätzter Western, der gerade in seinen traditionellen Teilen gefällt, und viel besser als die Box-Office-Bombe „Lone Ranger“ ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Films und der Vorlage.

mit Daniel Craig, Harrison Ford, Abigail Spencer, Buck Taylor, Olivia Wilde, Sam Rockwell, Clancy Brown, Paul Dano, Adam Beach, Noah Ringer, Keith Carradine, Walton Goggins

Wiederholung: Montag, 7. Juli, 00.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

You Tube: der Kanal zum Film und der Kanal mit den Interviews (Jon Favreau unterhält sich mit den Beteiligten)

Film-Zeit über „Cowboys & Aliens“

Metacritic über “Cowboys & Aliens”

Rotten Tomatoes über “Cowboys & Aliens”

Wikipedia über “Cowboys & Aliens” (deutsch, englisch) und über die Vorlage (deutsch, englisch)

Go into the Story: Interview mit den Drehbuchautoren Roberto Orci und Alex Kurtzman über “Cowboys & Aliens”

Platinum Studios: Homepage zum Comic

 Meine Besprechung von Jon Favreaus „Cowboys & Aliens“ (Cowboys & Aliens, USA 2011)


Neu im Kino/Filmkritik: „Her“ – verliebt in eine Computerstimme

März 28, 2014

Theodore (Joaquin Phoenix) schreibt als Ghostwriter für andere Menschen anrührende Briefe. Er selbst verbringt seine Abende, nachdem seine Freundin ihn verlassen hat, allein in seinem fast leeren Loft mit gelegentlichem Telefonsex und einem Computerspiel. Da entdeckt er eine Anzeige für ein Computerprogramm, das ihm einen virtuellen, aber persönlichen Begleiter zur Seite stellt. Leicht amüsiert – wir wissen ja alle, wie beschränkt diese menschlichen Computerstimmen sind – meldet er sich an und Samantha (im Original die Stimme von Scarlett Johansson) begrüßt ihn. Theodore beginnt sich mit ihr zu unterhalten und das lernfähige Programm wird immer mehr zu seiner Vertrauten und Freundin, mit der er über alles reden kann. Denn Samantha ist immer für ihn da, ist geduldig, humorvoll, versteht ihn und kritisiert ihn nicht. Sie ist wirklich die perfekte Freundin.
Für eingefleischte Science-Fiction-Fans ist die Idee, dass sich ein Mensch in einen Computer verliebt nicht neu und dass Theodore zunehmend seinen restlichen Kontakt zur Wirklichkeit verliert, weil er immer mehr Zeit mit Samantha verbringt, ist nicht überraschend.
Dennoch ist „Her“, der neue, mit dem Drehbuch-Oscar und etlichen weiteren wichtigen Preisen ausgezeichnete Film von Spike Jonze („Adaptation“, „Being John Malkovich“), eine sehr interessante Beschäftigung mit dem Verhältnis von Mensch zu Maschine, wie immer bessere Computerprogramme unser Leben beeinflussen und was das Wesen einer Beziehung ist. Denn Samantha ist die perfekte Partnerin. Sie ist allerdings auch eine Projektionsfläche und überhaupt nicht real.
Jonze erzählt seine Geschichte in einem leicht futuristischen Los Angeles, in dem Fußgänger sich die Stadt zurückerobert haben. Und mit diesen kleinen Veränderungen im Stadtbild, der Mode und der Technik, beweist Jonze, dass man keine Trilliarden ausgeben mus, um einen zum Nachdenken anregenden Science-Fiction-Film zu drehen. Eine gute Idee genügt.
Mit über zwei Stunden ist das Quasi-Ein-Personenstück, das vor allem in Theodores Apartment spielt, allerdings eindeutig zu lang geraten. Denn früher wäre es eine halbstündige Geschichte aus der „Twilight Zone“ gewesen.

Her - Plakat

Her (Her, USA 2013)
Regie: Spike Jonze
Drehbuch: Spike Jonze
mit Joaquin Phoenix, Amy Adams, Rooney Mara, Olivia Wilde, Scarlett Johansson (im Original), Kristen Wiig (im Original)
Länge: 126 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Her“
Moviepilot über „Her“
Metacritic über „Her“
Rotten Tomatoes über „Her“
Wikipedia über „Her“ (deutsch, englisch)
Drehbuch „Her“ von Spike Jonze

Das Filmgespräch beim 51. NYFF mit Spike Jonze, Joaquin Phoenix, Amy Addams, Rooney Mara und Amy Adams

Der Kurzfilm „I’m Here“ von Spike Jonze, den er vor „Her“ drehte und der als Vorstudie gesehen werden kann


TV-Tipp für den 25. Dezember: Cowboys & Aliens

Dezember 25, 2013

 

Pro 7, 20.15

Cowboys & Aliens (USA 2011, R.: Jon Favreau)

Drehbuch: Roberto Orci, Alex Kurtzman, Damon Lindelof, Mark Fergus, Hawk Ostby (nach einer Geschichte von Mark Fergus, Hawk Ostby und Steve Oedekerk [klingt nach einer sehr langen Entwicklung])

LV: Scott Mitchell Rosenberg: Cowboys & Aliens, 2006 (Cowboys & Aliens)

Buch zum Film: Joan D. Vinge: Cowboys & Aliens, 2011

Wilder Westen: Aliens versuchten schon damals, die Erde zu besetzen. Aber dieses Mal legen sie sich mit „James Bond“ und „Indiana Jones“ an. Klarer Fall, wer die besseren Karten hat.

Vergnüglicher, starbesetzter, etwas unterschätzter Western, der gerade in seinen traditionellen Teilen gefällt, und viel besser als die Box-Office-Bombe „Lone Ranger“ ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Films und der Vorlage.

mit Daniel Craig, Harrison Ford, Abigail Spencer, Buck Taylor, Olivia Wilde, Sam Rockwell, Clancy Brown, Paul Dano, Adam Beach, Noah Ringer, Keith Carradine, Walton Goggins

Wiederholung: Donnerstag, 26. Dezember, 22.55 Uhr

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

You Tube: der Kanal zum Film und der Kanal mit den Interviews (Jon Favreau unterhält sich mit den Beteiligten)

Film-Zeit über „Cowboys & Aliens“

Metacritic über „Cowboys & Aliens“

Rotten Tomatoes über „Cowboys & Aliens“

Wikipedia über “Cowboys & Aliens” (deutsch, englisch) und über die Vorlage (deutsch, englisch)

Go into the Story: Interview mit den Drehbuchautoren Roberto Orci und Alex Kurtzman über “Cowboys & Aliens”

Platinum Studios: Homepage zum Comic

Meine Besprechung von Jon Favreaus „Cowboys & Aliens“ (Cowboys & Aliens, USA 2011)


Neu im Kino/Filmkritik: „Rush“: das Duell zwischen James Hunt und Niki Lauda

Oktober 4, 2013

 

Die Formel 1 interessiert mich höchstens peripher. Aber von „Rush“, einem Film über zwei Formel-1-Fahrer, bin ich begeistert. Denn Peter Morgan, der auch die Bücher für „Die Queen“, „Frost/Nixon“, „Hereafter – Das Leben danach“ und die David-Peace-Verfilmung „The Damned United“ schrieb, stellt die beiden gegensätzlichen Charaktere James Hunt (Chris Hemsworth) und Niki Lauda (Daniel Brühl) und ihren Kampf um die Weltmeisterschaft 1976 in den Mittelpunkt der Geschichte, die auch ein Porträt des damaligen Formel-1-Rennzirkusses und der frühen siebziger Jahre ist.

Die Saison ging in die Geschichte ein, weil der damalige Formel-1-Weltmeister Niki Lauda auf dem Nürburgring verunglückte, sich lebensgefährliche Verbrennungen zuzog und wenige Wochen später wieder Rennen fuhr. Hunt gewann damals die Weltmeisterschaft mit einem Punkt Vorsprung und zog sich 1979 ohne einen weiteren Weltmeistertitel aus dem Renngeschäft zurück. Er wurde BBC-Sportmoderator und starb 1993, 45-jährig, an den Folgen eines Herzinfarkts.

Niki Lauda wurde danach noch zweimal, 1977 und 1984, Weltmeister, zog sich ein Jahr später aus dem aktiven Rennsport zurück und ist auch heute noch ein, wenigstens dem deutschsprachigem Publikum bekannter, Teilnehmer des Formel-1-Zirkusses.

James Hunt war ein impulsiver Playboy, der das Leben in vollen Zügen genoss, weil jedes Rennen seinen Tod bedeuten könnte. Denn damals war die Formel 1 mit ihren tödlichen Unfällen lebensgefährlich.

Niki Lauda ist dagegen der kühle Planer, der undiplomatische Stratege, der Kosten und Nutzen abschätzt und alles seinen Zielen unterordnet. Ihm würde niemals einfallen, vor einem Rennen eine Party zu veranstalten und Alkohol zu trinken. Auch die Siegesfeiern sind für ihn eher ein lästiges Pflichtprogramm, das er schnell absolviert, während Hunt jeden Sieg auskostet.

Ron Howard, der die auf wahren Ereignissen basierenden Filme „Apollo 13“, „A Beautiful Mind“ und „Frost/Nixon“ inszenierte, inszenierte den Kampf zwischen den beiden Männern, der auch von den Medien öffentlichkeitswirksam gepusht wurde und so den Rennen eine zusätzliche, persönliche Dimension gab, mit einer gehörigen Portion 70er-Jahre-Feeling und einer angenehm ambivalenten Zeichnung der beiden Charaktere, die sich gegenseitig ergänzen und in einer innigen Hassliebe miteinander verbunden sind. Dabei ist Hunt zwar der offensichtliche Sympathieträger, auch weil Lauda, der den Film unterstützte, immer wieder sehr unsympathisch gezeichnet wird, aber Lauda ist auch der Erzähler des Films, der den ersten und den letzten Satz hat. Und gerade weil sich der Film nie entscheidet, wer jetzt der Protagonist und wer der Antagonist ist, ist „Rush“ als Drama gelungen.

Dagegen enttäuschen die Rennszenen. Denn sie sind so zerschnitten, dass man das Renngeschehen nie überblickt. Es ist nur noch ein hektisches Geschnipsel von Autos, Helmen und Straße, das manchmal unsanft neben der Fahrbahn endet.

Da waren die damals spektakulären Rennszenen in John Frankenheimers starbesetzter „Grand Prix“ (1966) über eine Rennsaison, James Goldstones „Indianapolis“ (1969) über das gleichnamige Rennen mit Paul Newman, Frank Simon und Roman Polanskis fast vergessene Dokumentation „Weekend eines Champions“ (1971) über Jackie Stewart und das Rennen von Monaco, Lee H. Katzins „Le Mans (1971) über das gleichnamige Rennen mit Steve McQueen schon weiter. Aber in diesen Filmen war die Filmgeschichte meistens höchstens eine drittrangige Entschuldigung für die Rennszenen. In „Rush“ steht dagegen die Story und damit die Schauspieler an erster Stelle. Die Rennszenen sind dagegen das uninteressanteste am Film und deshalb gehört Ron Howards großartiger Schauspielerfilm schon jetzt zu den besten Rennfahrerfilmen.

Rush - Plakat

Rush – Alles für den Sieg (Rush, USA/Großbritannien/Deutschland 2013)

Regie: Ron Howard

Drehbuch: Peter Morgan

mit Chris Hemsworth, Daniel Brühl, Olivia Wilde, Alexandra Maria Lara, Pierfrancesco Favino, Christian McKay

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Rush“

Moviepilot über „Rush“

Metacritic über „Rush“

Rotten Tomatoes über „Rush“

Wikipedia über „Rush“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Rush“

 

 

 

 


DVD-Kritik: Stefan Ruzowitzkys US-Debüt „Cold Blood“ entzückt auch auf DVD

Mai 5, 2013

 

Als „Cold Blood“, das US-Debüt von Stefan Ruzowitzky, vor einem halben Jahr im Kino zur richtigen Jahreszeit anlief, habe ich den Thriller bereits abgefeiert und weil ich meine damalige Besprechung (nach kritischer Lektüre) immer noch gut finde, gibt es zuerst die Besprechung:

Der Überfall auf das Casino ging glatt über die Bühne und auch die Flucht in Richtung Kanada gelang, bis die drei Verbrecher auf der einsamen Landstraße einen Unfall bauen und Addison (Eric Bana) einen zufällig vorbeikommenden Polizisten erschießt. Addison sagt seiner Schwester Liza (Olivia Wilde), dass sie sich trennen müssen. Ihr dritter Mann starb bei dem Unfall.

Während sie sich zu Fuß, auf getrennten Wegen, durch das winterliche Michigan auf den Weg zur Grenze machen, erschlägt der gerade aus dem Gefängnis entlassene Ex-Boxer Jay Mills (Charlie Hunnam) seinen Ex-Manager während eines Streits. Er macht sich auf den Weg zu seinen Eltern Chet (Kris Kristofferson) und June (Sissy Spacek) und dem Thanksgiving-Dinner. Auf dem Weg zu ihnen gabelt er Liza auf. Er verliebt sich in die geheimnisvolle Schönheit.

Ihr Bruder schlägt sich währenddessen skrupellos durch die einsame Landschaft und hinterlässt, verfolgt von der Polizei, eine Spur von Leichen. Da schickt ihm Liza eine SMS, in dem sie ihn in das Haus der Mills einlädt.

Diese Gangstergeschichte erzählt Stefan Ruzowitzky („Anatomie“, „Die Fälscher“) in seinem gelungenem US-Debüt nach einem Drehbuch des Debütanten Zach Dean, geradlinig und ohne große Erklärungen. So dürfen wir uns die Hintergründe der seltsamen Abhängigkeit zwischen Addison und Liza, die Gründe für die große Enttäuschung von Chet über seinen Sohn Jay und, als dritte Familiengeschichte, die übergroße Besorgnis von Sheriff Marshall Becker (Treat Williams) über seine ebenfalls als Polizistin arbeitende Tochter Hanna (Kate Mara) aus Halbsätzen und Gesten zusammenreimen. Sowieso wird in „Cold Blood“ die alte Weisheit, dass sich in ihren Taten der Charakter eines Menschen zeigt, eisern befolgt.

Cold Blood“ (doofer deutscher Titel) ist ein gut gespielter, flott erzählter, traditionsbewusster Gangsterthriller mit glaubwürdigen Charakteren und auch glaubwürdiger Action, der einfach nur neunzig Minuten, ohne aufgesetzten Humor und Hypergewalt, aber dafür mit der Lakonie eines Western oder alten Gangsterfilms (wie „Entscheidung in der Sierra“/“High Sierra“), gut unterhalten will und dabei auch einiges über die Beziehungen von Kindern zu ihren Eltern, vor allem Väter, und Werte sagt.

Das Bonusmaterial

Das Bonusmaterial ist nicht besonders umfangreich geraten und eine durchwachsene Angelegenheit. Es gibt zwei kurze Featurettes, „Schnee & Western“ und „Familie“, die in insgesamt etwas über fünf Minuten fast nichts über die Hintergründe des Films verraten und Interviews mit Eric Bana, zweieinhalb Minuten, und Stefan Ruzowitzky, die für die Featurettes produziert wurden und okay, aber arg kurz sind. Wobei Ruzowitzky hier schon fünf Minuten redet und auch einiges über den Film verrät.

Der wirklich lohnende Teil des Bonusmaterials ist ein über zehnminütiges Interview mit dem Regisseur, das wohl exklusiv für die deutsche DVD produziert wurde. Denn Ruzowitzky erzählt auf deutsch von den Dreharbeiten, was ihm an dem Drehbuch gefiel und der übergroßen Bedeutung von Familie, vor allem dem Bild der perfekten Familie, die sich einträchtig beim jährlichen Thanksgiving-Dinner trifft, bei den US-Amerikanern und in dem Film.

Cold Blood - DVD-Cover

Cold Blood – Kein Ausweg, keine Gnade (Deadfall, USA/Frankreich 2012)

Regie: Stefan Ruzowitzky

Drehbuch: Zach Dean

mit Eric Bana, Olivia Wilde, Charlie Hunnam, Kate Mara, Kris Kristofferson, Sissy Spacek, Treat Williams

DVD

Studiocanal

Bild: 2,35:1 (anamorph)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1, Dolby Surround), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of „Schnee & Western“, Making of „Familie“, Über den Film: Eric Bana, Über den Film: Stefan Ruzowitzky, Interview mit Stefan Ruzowitzky, Trailer (deutsch, englisch)

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

 

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Cold Blood“

Metacritic über „Cold Blood“

Rotten Tomatoes über „Cold Blood“

Wikipedia über „Cold Blood”


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