DVD-Krititk: Das Ende von „Flashpoint – Das Spezialkommando“

September 2, 2013

Heute stirbt niemand“ ist das Motto von Sergeant Greg Parker und der von ihm in Toronto geleiteten Strategic Response Unit (SRU), dem kanadischen Äquivalent zu einem US-amerikanischem SWAT-Team oder einer deutschen SEK-Einheit. Es ist eine Gruppe von gut trainierten und ausgebildeten Polizisten, die als Team funktionieren und gerufen werden, wenn schnell reagiert werden muss. Meistens werden sie daher bei Geiselnahmen, bei Amokläufen oder auch Attentaten gerufen. Manchmal müssen sie Kollegen bei einer Razzia oder einer Überwachung unterstützen, einen Gefangenen begleiten, eine Veranstaltung oder eine wichtige Person beschützen.

Schon seit, in der deutschen Zählung, fünf Staffeln erzählt die von Mark Ellis und Stephanie Morgenstern erfundene, vielfach ausgezeichnete kanadische Polizeiserie „Flashpoint – Das Spezialkommando“ von der Arbeit des Teams um Greg Parker und Ed Lane. Dabei boten die einzelnen Folgen immer einen guten Einblick in die Polizeiarbeit. Die Fälle waren realistisch und am Ende versteht man den Täter oft viel zu gut. Denn die Polizisten versuchen immer, die Situation friedlich zu lösen. Dafür müssen sie in Verhandlungen mit ihm und Gesprächen mit Betroffenen herausfinden, warum es zu der Geiselnahme gekommen ist und einen emotionale Verbindung zu ihm knüpfen. Entsprechend unblutig enden die meisten der 75 „Flashpoint“-Episoden und, verglichen mit anderen Serien, in denen Beerdigungsinstitute Überstunden schieben müssen, ist das angenehm anders.

Auch dass bis zur letzten Folge der Polizeiserie das Team, die Arbeit und damit der aktuelle Einsatz im Mittelpunkt stehen, unterscheidet die Serie von anderen Krimi-Serien, in denen das Privatleben der Ermittler einen immer breiteren Raum einnimmt oder sie mehr Probleme mit sich herumtragen, als man einem einzelnen Menschen zumuten möchte. Trotzdem gibt es, vor allem bei den späteren Episoden, immer wieder Episoden, in denen wir mehr über einzelne Teammitglieder erfahren.

Die kürzlich erschienene sechste Staffel unterscheidet sich kaum von den vorherigen Staffeln. Aber in der jetzt erschienenen siebten und letzten Staffel der Serie kommt nie das bekannte „Flashpoint“-Feeling auf, das einem von der ersten Sekunde an vermittelt, dass man in den Händen von Profis ist, die wissen, was sie tun und die brenzlige Situation friedlich entschärfen können. Die Auftaktepisode „Zerstörter Frieden“ endet mit einem Schock: Ed Lane muss die Tochter eines Geiselnehmers, der sie und ihre Mutter stalkte, erschießen. Nur so konnte er verhindern, dass sie ihren Vater erschoss. Nach den Regeln eine eindeutige Situation, die allerdings im Konflikt mit dem normalen moralischen Empfinden steht und Ed Lane belastet. Immerhin musste er dieses Mal einen Teenager erschießen.

Von dieser Episode, die eher holprig auf ihr Ende zusteuert, erholte sich die Serie nicht mehr und in fast allen Episoden, bis zum zweiteiligen Staffelfinale, in dem mehrere Bomben in Toronto gezündet werden, wirkt die SRU immer von den Ereignissen getrieben. Meistens hetzt sie, wie bei einer Schnitzeljagd, atemlos dem Täter von einem Ort zum nächsten hinterher. Nie hat sie das Heft des Handelns in der Hand. Anstatt zu agieren und das Geschehen zu bestimmen, reagieren sie immer nur. Das ist dann, auch weil jetzt öfter geschossen wird und damit die Folgen mit einem oder mehreren Toten enden, enttäuschend. Auch werden die Fälle auf dem Papier spektakulärer. Eine einfach Geiselnahme reicht nicht mehr. Damit wird „Flashpoint“ auch unrealistischer; auch weil in den späteren Fällen der Serie öfter auf normaler Thrillerspannung gebaut wird. Dann taucht hinter dem ursprünglichen Täter noch ein Hintermann oder sogar ein zweiter Hintermann auf, der den ursprünglichen Täter zu seinen Verbrechen erpresste. Das kennen wir aber aus zahlreichen anderen Krimiserien, mal mit mehr Action, mal mit mehr Humor und auch mal mit viel Forensik-Zauber.

Davon abgesehen ist „Flashpoint – Das Spezialkommando“ über die gesamte Strecke von 75 Episoden eine sehenswerte Serie, die – abgesehen von der schwachen letzten Staffel – auf konstant hohem Niveau unterhält.

Die Staffeln…

Zum Abschluss noch ein Wort zur Staffelnummerierung: „Flashpoint“ lief zuerst erfolgreich im kanadischen TV, danach in den USA. Ebenfalls erfolgreich. Allein schon die Liste von 20 gewonnenen Preisen und 57 Nominierungen, laut IMDB, ist beeindruckend und verrät einiges über die Qualität der Serie. In den USA wurden die Folgen zwar auch chronologisch gezeigt, aber die Staffeln hatten eine andere Länge. Koch Media folgt bei der deutschen Veröffentlichung der kanadischen Staffeleinteilung, vergibt aber für jede DVD-Box eine eigene Nummer. Danach sieht die Einteilung so aus:

Deutsche Staffel 1 entspricht der ersten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 1 bis 13.

Deutsche Staffel 2 entspricht der ersten Hälfte der zweiten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 14 bis 22.

Deutsche Staffel 3 entspricht der zweiten Hälfte der zweiten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 23 bis 31.

Deutsche Staffel 4 entspricht der dritten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 32 bis 44.

Deutsche Staffel 5 entspricht der ersten Hälfte der vierten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 45 bis 54, aber ohne Folge 52 (Tödliche Zwischenlandung).

Deutsche Staffel 6 entspricht der zweiten Hälfte der vierten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 55 bis 62, inclusive der fehlenden Episode 52.

Deutsche Staffel 7 entspricht der fünften kanadischen Staffel und enthält die letzten dreizehn Episoden, also die Episoden 63 bis 75.

Flashpoint – Das Spezialkommando (Kanada, 2011/2012)

Erfinder: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern

mit Hugh Dillon (Ed Lane), Enrico Colantoni (Sgt. Gregory Parker), Amy Jo Johnson (Julianna ‘Jules’ Callaghan), David Paetkau (Sam Braddock), Sergio Di Zio (Mike Scarlatti), Michael Cram (Kevin ‘Wordy’ Wordsworth), Mark Taylor (Lewis Young), Olunike Adeliyi (Leah Kerns) Clé Bennett (Rafik “Raf” Rousseau)

Flashpoint - Staffel 6

Flashpoint – Das Spezialkommando – Staffel 6

Koch Media

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: –

Länge: 361 Minuten (9 Episoden auf 3 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Die Einsätze des Spezialkommandos in der sechsten Staffel

Alles auf eine Karte (Wild Card)

Regie: Brett Sullivan

Drehbuch: Karen Walton

Ein neues Leben (A new life)

Regie: Kelly Makin

Drehbuch: Adam Barken

Tödliche Zwischenlandung (Grounded)

Regie: David Frazee

Drehbuch: Karen Walton

China Town (A call to Arms)

Regie: Erik Canuel

Drehbuch: Alex Levine

Teamplayer (Team Player)

Regie: Kelly Makin

Drehbuch: Michael MacLennan

Tag der Abrechnung (Day Game)

Regie: Kelly Makin

Drehbuch: Aubrey Nealon

Ein Profi im Netz (Blue on Blue)

Regie: Stefan Pleszczynski

Drehbuch: Adam Barken

Tödlicher Impfstoff (Priority of Life)

Regie: David Frazee

Drehbuch: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern, Alex Levine

Feuerteufel (Slow Burn)

Regie: Kelly Makin

Drehbuch: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern

Flashpoint - Staffel 7

Flashpoint – Das Spezialkommando – Staffel 7

Koch Media

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Abschiedsspecial „Ein letzter Salut“ (22 Minuten)

Länge: 530 Minuten (13 Episoden auf 4 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Die Einsätze des Spezialkommandos in der letzten Staffel

Zerstörter Frieden (Broken Peace)

Regie: Kelly Makin

Drehbuch: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern

Keine Art zu leben (No Kind of Life)

Regie: Kelly Makin

Drehbuch: Aubrey Nealon

Sterne in der Wüste (Run to me)

Regie: Stefan Pleszczynski

Drehbuch: Adam Barken

Fremde Augen (Eyes in)

Regie:David Frazee

Drehbuch: Aubrey Nealon

Söhne des Vaters (Sons of the Father)

Regie: Stefan Pleszczynski

Drehbuch:Larry Bambrick

Unter Wasser (Below the Surface)

Regie: Brett Sullivan

Drehbuch: Daniel Godwin

Die perfekte Waffe (Forget Oblivion)

Regie: Kelly Makin

Drehbuch: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern

Ein sicheres Haus (We take care of our own)

Regie: Stefan Pleszczynski

Drehbuch: Larry Bambrick

Männer des Gesetzes (Lawmen)

Regie: David Frazee

Drehbuch: Alex Levine, Aubrey Nealon (nach einer Geschichte von Aubrey Nealon)

In einer besseren Welt (A World of their own)

Regie: Stefan Pleszczynski

Drehbuch: Alex Levine

Die schwarzen Löcher der Seele (Fit for Duty

Regie: David Frazee

Drehbuch: Adam Barken

Den Frieden bewahren (Teil 1) (Keep the Peace – Part 1)

Regie: Kelly Makin

Drehbuch: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern

Den Frieden bewahren (Teil 2) (Keep the Peace – Part 2)

Regie: David Frazee

Drehbuch: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern

Hinweise

CTV über die Serie

Wikipedia über „Flashpoint“ (deutsch, englisch) und die ETF

Polizei von Toronto über die ETF

Running with my eyes closed: Interview mit Stephanie Morgenstern und Mark Ellis (Oktober 2008, Teil 1, Teil 2)

Complications Ensue: Interview mit Stephanie Morgenstern und Mark Ellis (21. Juli 2009)

Meine Besprechung von „Flashpoint – Das Spezialkommando: Staffel 1“

Meine Besprechung von „Flashpoint – Das Spezialkommando: Staffel 2“

Meine Besprechung von „Flashpoint – Das Spezialkommando: Staffel 3“

Meine Besprechung von „Flashpoint – Das Spezialkommando: Staffel 4“

Meine Besprechung von „Flashpoint – Das Spezialkommando: Staffel 5“

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