TV-Tipp für den 8. Februar: Elle

Februar 7, 2019

3sat, 22.25

Elle (Elle, Frankreich/Deutschland/Belgien 2016)

Regie: Paul Verhoeven

Drehbuch: David Birke

LV: Philippe Djian: Oh…, 2012 (Oh…)

Michèle Leblanc (Isabelle Huppert), die taffe Chefin einer Videogame-Firma, wird vergewaltigt. Danach reagiert sie anders als erwartet. Denn sie verweigert konsequent die Opferrolle.

Grandioser Thriller von „Basic Instinct“ Paul Verhoeven mit einer grandiosen Isabelle Huppert in der Hauptrolle.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Isabelle Huppert, Laurent Lafitte, Anne Consigny, Christian Berkel, Charles Berling, Virginie Efira, Judith Magre, Jonas Bloquet, Alice Isaaz, Vamila Pons

Die Vorlage

djian-oh

Philippe Djian: Oh…

(übersetzt von Oliver Ilan Schulz)

Diogenes, 2017

240 Seiten

12 Euro

Deutsche Erstausgabe

Diogenes, 2014

Originalausgabe

Oh…

Éditions Gallimard, 2012

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Französische Homepage zum Film

Filmportal über „Elle“

Moviepilot über „Elle“

Metacritic über „Elle“

Rotten Tomatoes über „Elle“

Wikipedia über „Elle“ (deutsch, englisch, französisch)

Perlentaucher über Philippe Djian

Wikipedia über Philippe Djian (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Philippe Djians „Die Rastlosen“ (Incidences, 2010 – und der Verfilmung „Liebe ist das perfekte Verbrechen“)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens „Flesh + Blood“ (Flesh + Blood, USA 1985)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens Philippe-Djian-Verfilmung „Elle“ (Elle, Frankreich/Deutschland/Belgien 2016) und der DVD

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TV-Tipp für den 1. September: Elle

September 1, 2018

One, 22.00

Elle (Elle, Frankreich/Deutschland/Belgien 2016)

Regie: Paul Verhoeven

Drehbuch: David Birke

LV: Philippe Djian: Oh…, 2012 (Oh…)

Michèle Leblanc (Isabelle Huppert), die taffe Chefin einer Videogame-Firma, wird vergewaltigt. Danach reagiert sie anders als erwartet. Denn sie verweigert konsequent die Opferrolle.

Grandioser Thriller von „Basic Instinct“ Paul Verhoeven mit einer grandiosen Isabelle Huppert in der Hauptrolle.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Isabelle Huppert, Laurent Lafitte, Anne Consigny, Christian Berkel, Charles Berling, Virginie Efira, Judith Magre, Jonas Bloquet, Alice Isaaz, Vamila Pons

Wiederholung: Montag, 3. September, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Französische Homepage zum Film

Filmportal über „Elle“

Moviepilot über „Elle“

Metacritic über „Elle“

Rotten Tomatoes über „Elle“

Wikipedia über „Elle“ (deutsch, englisch, französisch)

Perlentaucher über Philippe Djian

Wikipedia über Philippe Djian (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Philippe Djians „Die Rastlosen“ (Incidences, 2010 – und der Verfilmung „Liebe ist das perfekte Verbrechen“)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens „Flesh + Blood“ (Flesh + Blood, USA 1985)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens Philippe-Djian-Verfilmung „Elle“ (Elle, Frankreich/Deutschland/Belgien 2016) und der DVD


TV-Tipp für den 22. Januar: Fleisch und Blut

Januar 22, 2018

Arte, 23.50

Flesh + Blood (Flesh + Blood, USA 1985)

Regie: Paul Verhoeven

Drehbuch: Gerard Soeteman, Paul Verhoeven

Verhoevens erster Schritt in Richtung Hollywood ist ein Mittelalterspektakel voller Gewalt, Niedertracht, Triebe, Fleisch und Blut. Nicht umsonst ist der Film von der FSK ab 18 Jahren freigegeben.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Davor, um 21.45 Uhr zeigt Arte mit „Showgirls“ einen weiteren Paul-Verhoeven-Film.

mit Rutger Hauer, Jennifer Jason Leigh, Tom Burlinson, Jack Thompson, Susan Tyreel, Fernando Hillbeck, Ronald Lacey

auch bekannt als „Fleisch und Blut“

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Flesh + Blood“

Turner Classic Movies über „Flesh + Blood“

Wikipedia über „Flesh + Blood“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens „Flesh + Blood“ (Flesh + Blood, USA 1985)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens Philippe-Djian-Verfilmung „Elle“ (Elle, Frankreich/Deutschland/Belgien 2016) und der DVD


DVD-Kritik: Über Paul Verhoevens Meisterwerk „Elle“

Juli 26, 2017

Zum Kinostart im Februar schrieb ich sehr begeistert über „Elle“:

Im Moment ist Paul Verhoeven Präsident der Berlinale-Jury und gleichzeitig läuft sein neuer Film „Elle“ endlich in unseren Kinos an. Seine grandiose Philippe-Djian-Verfilmung wurde bereits 2016 bei den Filmfestspielen von Cannes gezeigt. Seitdem gab es Preise, wie Golden Globes als bester fremdsprachiger Film und für Isabelle Huppert als beste Darstellerin, eine Oscar-Nominierung für Huppert, elf César-Nominierungen und Nominierungen für den Europäischen Filmpreis in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“ und „Beste Darstellerin“, die auf die Qualitäten von Verhoevens neuem Film hinweisen.

Isabelle Huppert spielt Michèle Leblanc, die Chefin einer Videogame-Firma.

Als sie in ihrer Wohnung vergewaltigt wird, kriegt sie keine Panikattacke oder ruft um Hilfe. Stattdessen räumt sie äußerlich ungerührt die Scherben weg. Sie geht zum Arzt und lässt sich auf mögliche Krankheiten und Infektionen testen. Sie kauft sich Pfefferspray. Bei einem Abendessen in einem noblen Restaurant mit ihrem Ex-Mann Richard, einem erfolglosem Schriftsteller, ihrer Geschäftspartnerin und Freundin Anna und deren Mann Robert (mit dem Michèle ein Verhältnis hat), sagt sie ihnen beiläufig, dass sie vergewaltigt wurde. Weiter will sie nicht darüber reden.

Sie ist ein Biest, das sich schon früh einen Panzer zulegte,und ihren Mitmenschen in einer Mischung aus schnippischer Kaltschnäuzigkeit, gnadenloser Ehrlichkeit und offensichtlicher Ungerührtheit über ihre Gefühle begegnet, Sie ist in keinster Weise liebenswert, aber dank Isabelle Hupperts Spiel schließt man sie dann doch ins Herz. Soweit das möglich ist, bei einer Person, die sich nie als Opfer sieht, immer die Kontrolle behält und keine Emotionen zeigt.

Die anderen Menschen und Paul Verhoevens eiskalt-illusionsfreier Blick auf die conditio humana zeichnet ein reichlich misanthropisches Bilder der Menschheit. Kein Mann ist auch nur im Ansatz eine Zierde seines Geschlechts. Es sind Jammerlappen. Robert ist einfach nur ein ständig notgeiler Trottel. Christian Berkel hatte erkennbar seinen Spaß an diesem tumben Mannsbild. Die Frauen sind kaum besser. Michèles Mutter lässt sich ständig liften und hält sich jüngere Liebhaber. Ihre Nachbarin ist eine überzeugte Katholikin, die auf einem Tischgebet besteht und am Ende einen harmlos klingenden Satz sagt, der, weil wir den Hintergrund und die wahre Dimension des Satzes kennen, schlimmer kaum sein könnte. Ob er aus ehrlicher Erkenntnis oder vollkommener Verlogenheit gesagt wurde, bleibt dagegen dem Zuschauer überlassen. Ihre Freundin Anna erscheint da schon fast wie eine moralische Lichtgestalt.

Es sind, wenn auch mit mehr oder weniger großen Abweichungen von der Norm, ganz normale Menschen, die immer ihr Geheimnis bewahren. Das liegt auch an David Birkes Drehbuch, in dem jeder Satz ein Treffer ist, und Paul Verhoevens präziser Regie. Sie haben aus Philippe Djians Roman „Oh…“ vieles übernommen, ihn aber an den entscheidenden Stellen verbessert und Motive und Beziehungen klarer herausgearbeitet. Dem mit dem Prix Interallié ausgezeichneten Roman fehlt die klare Struktur, der ironische Ton und die satirische Schärfe des Films. So ist Michèle im Roman eine Filmproduzentin, die oft zu Hause Drehbücher liest. Im Film ist sie eine Videogame-Produzentin, die vor allem junge Männer angestellt hat, die gerade ein neues, sehr sexistisches und gewaltverherrlichendes Spiel programmieren. Michèles reale Vergewaltigung wird im Spiel mehr als einmal in verschiedenen Facetten reflektiert. Im Roman wird das Verbrechen von ihrem Vater nur angedeutet. Im Film erfahren wir die ganze Wahrheit. Der Katholizismus von ihrer Nachbarin spielt im Film eine größere Rolle. Sowieso wurden etliche Szenen dazu erfunden, die gleichzeitig Konflikte stärker zuspitzen als im Roman, die Charaktere in einem kälteren Licht erscheinen lassen und der gesamten Geschichte eine faszinierende Zwiespältigkeit verleihen. Denn Verhoeven und sein grandioses Ensemble lassen den Charakteren immer einen Hauch ihres Geheimnisses und fast jeder Satz und jede Handlung kann auf mindestens zwei Arten interpretiert werden.

Auch weil Michèle, nachdem sie die Identität ihres Vergewaltigers enthüllte, mit ihm eine Beziehung eingeht.

Elle“ gehört zu den Filmen, die beim zweiten Ansehen besser als beim ersten Ansehen sind. Wie gut wird der Erotik-Thriller dann beim dritten Ansehen sein?

 

Verdammt gut.

Die DVD ist dagegen eine Enttäuschung. Neben der Hörfilmfassung (keine Selbstverständlichkeit!), gibt es kein weiteres Bonusmaterial und das Bild ist, jedenfalls auf dem Screener, den ich bekommen habe, erstaunlich blass und unscharf. Aber da kann auch die Erinnerung an das Kinobild trügen.

Elle (Elle, Frankreich/Deutschland/Belgien 2016)

Regie: Paul Verhoeven

Drehbuch: David Birke

LV: Philippe Djian: Oh…, 2012 (Oh…)

mit Isabelle Huppert, Laurent Lafitte, Anne Consigny, Christian Berkel, Charles Berling, Virginie Efira, Judith Magre, Jonas Bloquet, Alice Isaaz, Vamila Pons

DVD

MFA

Bild: 2.40:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Französisch (Dolby Digital 5.1), Deutsche Hörfilmfassung für Blinde und Sehbehinderte

Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Trailer

Länge: 125 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Blu-ray identisch

Die Vorlage

djian-oh

Philippe Djian: Oh…

(übersetzt von Oliver Ilan Schulz)

Diogenes, 2017

240 Seiten

12 Euro

Deutsche Erstausgabe

Diogenes, 2014

Originalausgabe

Oh…

Éditions Gallimard, 2012

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Französische Homepage zum Film

Filmportal über „Elle“

Moviepilot über „Elle“

Metacritic über „Elle“

Rotten Tomatoes über „Elle“

Wikipedia über „Elle“ (deutsch, englisch, französisch)

Perlentaucher über Philippe Djian

Wikipedia über Philippe Djian (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Philippe Djians „Die Rastlosen“ (Incidences, 2010 – und der Verfilmung „Liebe ist das perfekte Verbrechen“)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens „Flesh + Blood“ (Flesh + Blood, USA 1985)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens Philippe-Djian-Verfilmung „Elle“ (Elle, Frankreich/Deutschland/Belgien 2016)

Und jetzt einige Interviews, die nach der Premiere von „Elle“ entstanden:

Die Cannes-Pressekonferenz

Das Cannes-Interview mit Paul Verhoeven, Isabelle Huppert und Laurent Lafitte

Paul Verhoeven und Isabelle Huppert beim NYFF

Ebenfalls beim NYFF: Paul Verhoeven im HBO Directors Dialogue

BFI Screen Talk mit Paul Verhoeven beim London Film Festival

Isabelle Huppert beim TIFF

DP/30 unterhält sich mit „Elle“ Isabelle Huppert


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: „Oh…“ – Philippe Djians Roman ist jetzt Paul Verhoevens „Elle“

Februar 17, 2017

Im Moment ist Paul Verhoeven Präsident der Berlinale-Jury und gleichzeitig läuft sein neuer Film „Elle“ endlich in unseren Kinos an. Seine grandiose Philippe-Djian-Verfilmung wurde bereits 2016 bei den Filmfestspielen von Cannes gezeigt. Seitdem gab es Preise, wie Golden Globes als bester fremdsprachiger Film und für Isabelle Huppert als beste Darstellerin, eine Oscar-Nominierung für Huppert, elf César-Nominierungen und Nominierungen für den Europäischen Filmpreis in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“ und „Beste Darstellerin“, die auf die Qualitäten von Verhoevens neuem Film hinweisen.

Isabelle Huppert spielt Michèle Leblanc, die Chefin einer Videogame-Firma.

Als sie in ihrer Wohnung vergewaltigt wird, kriegt sie keine Panikattacke oder ruft um Hilfe. Stattdessen räumt sie äußerlich ungerührt die Scherben weg. Sie geht zum Arzt und lässt sich auf mögliche Krankheiten und Infektionen testen. Sie kauft sich Pfefferspray. Bei einem Abendessen in einem noblen Restaurant mit ihrem Ex-Mann Richard, einem erfolglosem Schriftsteller, ihrer Geschäftspartnerin und Freundin Anna und deren Mann Robert (mit dem Michèle ein Verhältnis hat), sagt sie ihnen beiläufig, dass sie vergewaltigt wurde. Weiter will sie nicht darüber reden.

Sie ist ein Biest, das sich schon früh einen Panzer zulegte,und ihren Mitmenschen in einer Mischung aus schnippischer Kaltschnäuzigkeit, gnadenloser Ehrlichkeit und offensichtlicher Ungerührtheit über ihre Gefühle begegnet, Sie ist in keinster Weise liebenswert, aber dank Isabelle Hupperts Spiel schließt man sie dann doch ins Herz. Soweit das möglich ist, bei einer Person, die sich nie als Opfer sieht, immer die Kontrolle behält und keine Emotionen zeigt.

Die anderen Menschen und Paul Verhoevens eiskalt-illusionsfreier Blick auf die conditio humana zeichnet ein reichlich misanthropisches Bilder der Menschheit. Kein Mann ist auch nur im Ansatz eine Zierde seines Geschlechts. Es sind Jammerlappen. Robert ist einfach nur ein ständig notgeiler Trottel. Christian Berkel hatte erkennbar seinen Spaß an diesem tumben Mannsbild. Die Frauen sind kaum besser. Michèles Mutter lässt sich ständig liften und hält sich jüngere Liebhaber. Ihre Nachbarin ist eine überzeugte Katholikin, die auf einem Tischgebet besteht und am Ende einen harmlos klingenden Satz sagt, der, weil wir den Hintergrund und die wahre Dimension des Satzes kennen, schlimmer kaum sein könnte. Ob er aus ehrlicher Erkenntnis oder vollkommener Verlogenheit gesagt wurde, bleibt dagegen dem Zuschauer überlassen. Ihre Freundin Anna erscheint da schon fast wie eine moralische Lichtgestalt.

Es sind, wenn auch mit mehr oder weniger großen Abweichungen von der Norm, ganz normale Menschen, die immer ihr Geheimnis bewahren. Das liegt auch an David Birkes Drehbuch, in dem jeder Satz ein Treffer ist, und Paul Verhoevens präziser Regie. Sie haben aus Philippe Djians Roman „Oh…“ vieles übernommen, ihn aber an den entscheidenden Stellen verbessert und Motive und Beziehungen klarer herausgearbeitet. Dem mit dem Prix Interallié ausgezeichneten Roman fehlt die klare Struktur, der ironische Ton und die satirische Schärfe des Films. So ist Michèle im Roman eine Filmproduzentin, die oft zu Hause Drehbücher liest. Im Film ist sie eine Videogame-Produzentin, die vor allem junge Männer angestellt hat, die gerade ein neues, sehr sexistisches und gewaltverherrlichendes Spiel programmieren. Michèles reale Vergewaltigung wird im Spiel mehr als einmal in verschiedenen Facetten reflektiert. Im Roman wird das Verbrechen von ihrem Vater nur angedeutet. Im Film erfahren wir die ganze Wahrheit. Der Katholizismus von ihrer Nachbarin spielt im Film eine größere Rolle. Sowieso wurden etliche Szenen dazu erfunden, die gleichzeitig Konflikte stärker zuspitzen als im Roman, die Charaktere in einem kälteren Licht erscheinen lassen und der gesamten Geschichte eine faszinierende Zwiespältigkeit verleihen. Denn Verhoeven und sein grandioses Ensemble lassen den Charakteren immer einen Hauch ihres Geheimnisses und fast jeder Satz und jede Handlung kann auf mindestens zwei Arten interpretiert werden.

Auch weil Michèle, nachdem sie die Identität ihres Vergewaltigers enthüllte, mit ihm eine Beziehung eingeht.

Elle“ gehört zu den Filmen, die beim zweiten Ansehen besser als beim ersten Ansehen sind. Wie gut wird der Erotik-Thriller dann beim dritten Ansehen sein?

elle-plakat

Elle (Elle, Frankreich/Deutschland/Belgien 2016)

Regie: Paul Verhoeven

Drehbuch: David Birke

LV: Philippe Djian: Oh…, 2012 (Oh…)

mit Isabelle Huppert, Laurent Lafitte, Anne Consigny, Christian Berkel, Charles Berling, Virginie Efira, Judith magre, Jonas Bloquet, Alice Isaaz, Vamila Pons

Länge: 126 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

djian-oh

Philippe Djian: Oh…

(übersetzt von Oliver Ilan Schulz)

Diogenes, 2017

240 Seiten

12 Euro

Deutsche Erstausgabe

Diogenes, 2014

Originalausgabe

Oh…

Éditions Gallimard, 2012

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Französische Homepage zum Film

Filmportal über „Elle“

Moviepilot über „Elle“

Metacritic über „Elle“

Rotten Tomatoes über „Elle“

Wikipedia über „Elle“ (deutsch, englisch, französisch)

Perlentaucher über Philippe Djian

Wikipedia über Philippe Djian (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Philippe Djians „Die Rastlosen“ (Incidences, 2010 – und der Verfilmung „Liebe ist das perfekte Verbrechen“)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens „Flesh + Blood“ (Flesh + Blood, USA 1985)


TV-Tipp für den 21. November: Tatort: Kressin und der Mann mit dem gelben Koffer

November 21, 2015

HR, 21.40
Tatort: Kressin und der Mann mit dem gelben Koffer (Deutschland 1972, Regie: Michael Verhoeven)
Drehbuch: Wolfgang Menge
Zollfahnder Kressin sucht einen verschwundenen gelben Koffer, in dem Unterlagen über schmutzige Waffendeals sind. Für den Koffer interessiert sich auch der Gentleman-Gangster Sievers, ein alter Bekannter von Kressin.
Damals war Zollfahnder Kressin so etwas wie die deutsche TV-Ausgabe von James Bond. Heute sind die Abenteuer des Jungen mit der lockeren Dienstauffassung immer noch vergnüglich.
Kressin durfte zwischen 1971 und 1973 sieben Mal ermitteln. Vier der Drehbücher sind von Wolfgang Menge, der die besten Kressin-Tatorte schrieb. Und dann gibt es noch, vollkommen außer Konkurrenz, Sam Fullers durchgeknallten Kressin-Tatort „Tote Taube in der Beethovenstraße“, in dem er Zollfahnder sich schnell aus der Handlung verabschiedet.
mit Sieghardt Rupp, Ivan Desny, Paul Verhoeven, Günther Stoll, Friedrich von Thun, Friedrich Nowottny, Ernst Dieter Lueg, Fritz Eckhardt
Hinweise
Tatort-Fundus über Zollfahnder Kressin
Wikipedia über Zollfahnder Kressin


DVD-Kritik: Paul Verhoevens erster Hollywood-Film „Flesh + Blood“

Oktober 16, 2013

Bevor Paul Verhoeven nach Hollywood ging und mit „Total Recall“, „Robocop“ und „Basic Instinct“ zum weltweit bekannten Skandalregisseur wurde, der immer wieder Probleme mit der Zensur hatte und der in seinen Filmen ein veritabler Gesellschaftskritiker ist, war er in seiner Heimat Holland und Europa mit heute fast vergessenen Hits wie „Türkische Früchte“, „Der Soldat von Oranien“ und „Spetters – knallhart und romantisch“ schon bekannt.

Das jetzt mit interessantem Bonusmaterial auf DVD veröffentlichte, nicht mehr auf dem Index stehende Mittelalter-Drama „Flesh + Blood“ ist der Film, der in Verhoevens Karriere das Scharnier zwischen Europa und Hollywood bildet. Damals mit Hollywood-Geld und einem internationalen Cast in Spanien gedreht, war es ein von der Kritik zerrissener Flop, der in den USA nur einen Minimalstart hatte. Die katholische Filmkritik meint im „Lexikon des internationalen Films“ lapidar: „Wir raten ab.“

In dem Film erzählt Verhoeven die Geschichte des Söldners Martin (Rutger Hauer), der von seinem Feldherrn Hawkwood (Jack Thompson) nach der Einnahme einer Stadt verraten wird. Ohne Beute müssen sie abziehen. Kurz darauf kann Martin sich allerdings, mit seiner Bande, an ihrem Auftraggeber, Lord Arnolfini und seinem wissenschaftliche interessiertem Sohn Steven (Tom Burlinson), rächen. Er entführt die Steven versprochene Braut, Prinzessin Agnes (Jennifer Jason Leigh), die kurz darauf beginnt Martin zu becircen. Aus durchaus eigennützigen Motiven.

Sowieso sind in „Flesh + Blood“ die meisten Charaktere vom nackten Überlebensinstinkt und der Gier nach Sex und Reichtum angetrieben. Dafür betrügen und manipulieren sie hemmungslos. So nutzt Martin eine Heiligenfigur und den Glauben seiner Männer an diese Figur aus, um seinen Machtanspruch zu zementieren und Agnes für sich zu behalten. Und Agnes gibt sich Martin willig hin, um nicht von seiner gesamten Bande vergewaltigt zu werden.

In dieser Welt ist Hawkwood dann schon fast eine moralische Instanz. Nachdem er im Gefecht eine junge Nonne irrtümlich schwer verletzt, zieht er sich vom Söldnerhandwerk zurück und wird ein Bauer, bis er von Lord Arnolfini und seinem Sohn, der nach dem Tod seines Vaters ohne zu Zögern dessen Rolle übernimmt, erpresst wird, einen Feldzug gegen Martin zu starten.

Im informativen Audiokommentar, den Paul Verhoeven bereits vor über zehn Jahren aufnahm und der jetzt erstmals auf einer deutschsprachigen Ausgabe des Films erscheint, erzählt er, dass ursprünglich der Konflikt zwischen Martin und Hawkwood, zwei Freunde, die zu Gegnern werden, im Mittelpunkt des Films stehen sollte. Das hätte dann wohlige Erinnerungen an Sam Peckinpah Werks, vor allem natürlich „The Wild Bunch“, heraufbeschwört. Aber die Produzenten wollten, dass die Liebesgeschichte zwischen Steven und Agnes im Mittelpunkt steht. Das tut sie jetzt auch, wobei hier Liebe keinem romantischen Ideal, sondern reinen Zweckbündnissen und Eheversprechen gehorcht. So ist durchaus unklar, ob Steven Agnes unbedingt haben will, weil er in sie verliebt ist (eher unwahrscheinlich; immerhin kennt er sie überhaupt nicht) oder weil Martin ihm etwas gestohlen hat und ein lesekundiger Lord lässt sich nun einmal nichts von einem dahergelaufenem, ungebildeten Söldner stehlen.

Dieser illusionslose Blick auf seine Charaktere verleiht der Geschichte eine düstere Wucht, die von den Bildern unterstrichen wird.

Heute hat der Film, der bis zum März 2013 auf dem Index stand und daher einem Werbeverbot unterlag, nichts von seiner Wirkung verloren hat. Eigentlich hat er, im Gegensatz zu ungefähr zeitgleich entstandenen Filmen wie „Conan, der Barbar“, sogar gewonnen. Denn Verhoevens kompromisslose Version von dem Mittelalter ist düster, pessimistisch, vulgär und, wie der Titel sagt, voller Fleisch und Blut. Er dürfte damit dem wahren Mittelalter als düstere Zeit ziemlich nahe gekommen sein.

Flesh + Blood“ ist ein gnadenlos unterschätzter Paul-Verhoeven-Film, der jetzt in verschiedenen, gut ausgetatteten Ausgaben (wieder)entdeckt werden kann. Wir raten zu.

Flesh and Blood - DVD-Cover

Flesh + Blood (Flesh + Blood, USA 1985)

Regie: Paul Verhoeven

Drehbuch: Gerard Soeteman, Paul Verhoeven

mit Rutger Hauer, Jennifer Jason Leigh, Tom Burlinson, Jack Thompson, Susan Tyreel, Fernando Hillbeck, Ronald Lacey

DVD

Koch Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: Audiokommentar von Paul Verhoeven, Bildergalerie, deutscher und englischer Kinotrailer

FSK: ab 18 Jahre

Länge: 123 Minuten

Flesh and Blood - DVD-Cover Limited Edition

Blu-ray ist identisch. Es gibt auch ein Mediabook mit einer zusätzlichen, gut zweistündigen Bonus-DVD.

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Flesh + Blood“

Turner Classic Movies über „Flesh + Blood“

Wikipedia über „Flesh + Blood“ (deutsch, englisch)


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