TV-Tipp für den 26. März: Frank

März 26, 2018

WDR, 23.20

Frank (Frank, Irland/Großbritannien 2014)

Regie: Lenny Abrahamson

Drehbuch: Jon Ronson, Peter Straughan

LV: Jon Ronson: Oh Blimey! (Reportage, The Guardian, 2006)

Möchtegernmusiker Jon wird als Keyboarder der legendären Avantgardeband „Soronprfbs“ engagiert und das Mitglied einer sehr seltsamen Gemeinschaft, angeführt.

Das ist der Film, in dem Michael Fassbender als Bandleader Frank während des gesamten Films eine Pappmaché-Maske trägt.

Frank“ ist ein herrlich schrulliger Film mit einem liebevollen Blick auf gesellschaftliche Außenseiter, die sich in einer Band einen eigenen, gut funktionierenden Schutzraum geschaffen haben.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung der heutigen TV-Premiere.

mit Michael Fassbender, Domhnall Gleeson, Maggie Gyllenhaal, Scott McNairy, Francois Civil, Carla Azar

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Film-Zeit über „Frank“
Moviepilot über „Frank“
Metacritic über „Frank“
Rotten Tomatoes über „Frank“
Wikipedia über „Frank“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jon Ronsons “Männer, die auf Ziegen starren” (The men who stare at Goats, 2004)

Meine Besprechung von Jon Ronsons “Die Psychopathen sind unter uns – Eine Reise zu den Schaltstellen der Macht” (The Psychopath Test – A Journey through the Madness Industry, 2011)

Meine Besprechung von Lenny Abrahamsons „Frank“ (Frank, Irland/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Lenny Abrahamsons „Raum“ (Room, Irland/Kanada 2015)

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Neu im Kino/Filmkritik: Die Jo-Nesbø-Verfilmung „Schneemann“

Oktober 19, 2017

Als Vorbild taugt Harry Hole nicht. Der Osloer Mordermittler ist ein Trinker, der nur nüchtern wird, wenn er einen neuen Mordfall hat. Je gruseliger, vertrackter und mysteriöser, umso besser. Deshalb ist er auch von seinem neuen, sich langsam, aus einigen eher zufälligen Ereignissen entwickelnden Fall begeistert: junge Mütter verschwinden spurlos, ein Schneemann (ja, ein richtiger, echter Schneemann, weil in Oslo im Winter meterhoher Schnee liegt) steht vor der Tür der Verschwundenen und Harry Hole erhält per Post eine seltsame Nachricht von dem Mörder, nach der er Hole alle Informationen gegeben habe, um die Morde zu verhindern.

Holes Ermittlungen, mit einer jungen, überengagierten Kollegin, führen ihn in die Vergangenheit. Anscheinend hat der Killer in Bergen schon einmal mehrere Frauen ermordet. Der damalige Ermittler, ebenfalls ein Alkoholiker, soll Suizid begangen haben.

Und, – was wäre ein skandinavischer Krimi ohne die Politik? -, Norwegen bewirbt sich gerade als Ausrichter für die olympischen Winterspiele. Die Bewerbung wird von einem Unternehmer vorangetrieben, der während der früheren Morde in Bergen lebte.

Krimifans, vor allem Fans von skandinavischen Krimis, kennen den von Jo Nesbø erfundenen Harry Hole bereits seit zwanzig Jahren. Damals erschien in Norwegen sein erster Harry-Hole-Roman „Der Fledermausmann“. 1999 erschien bei Ullstein die deutsche Ausgabe. Ullstein ist immer noch sein deutscher Verlag.

Damit gehört Nesbø zu den ersten Autoren der immer noch anhaltenden Welle skandinavischer Krimis, von denen auch etliche verfilmt wurden. Manchmal fürs Kino, öfter fürs Fernsehen und, im Fall von Kommissar Wallander, mit vielen verschiedenen Darstellern.

Nur die Fans von Harry Hole mussten sich gedulden.

Mit „Schneeman“ kommt jetzt die erste Harry-Hole-Verfilmung in unsere Kinos und der Blick auf die Credits weckt hohe Erwartungen. Martin Scorsese ist einer der Produzenten. Er war auch einmal als Regisseur im Gespräch. Das Drehbuch ist von Peter Straughan („Eine offene Rechnung“, „Dame König, As, Spion“), Hossein Amini („Drive“, „Verräter wie wir“, „Die zwei Gesichter des Januar“ [auch Regie]) und Søren Sveistrup („Kommissarin Lund“). Tomas Alfredson („So finster die Nacht“, „Dame, König, As, Spion“) übernahm die Regie und Michael Fassbender, Rebecca Ferguson, Charlotte Gainsbourg, J.K. Simmons, Val Kilmer, David Dencik, Toby Jones, James D’Arcy, Adrian Dunbar, Chloë Sevigny und Sofia Helin haben mehr oder weniger große Rollen übernommen. Marco Beltrami schrieb die Musik. Thelma Schoonmaker (alle Scorsese-Filme seit „Wie ein wilder Stier“) und Claire Simpson (Oscar für „Platoon“) waren für den Schnitt zuständig.

Das geht schon auf den ersten Blick eindeutig in Richtung Hollywood-Prestigeprodukt. Wie David Finchers Stieg-Larsson-Verfilmung „Verblendung“.

Alfredsons „Schneemann“ ist trotz seines Potentials aber nie die intendierte große Hollywood-Verfilmung, sondern der typische düstere, humorlose skandinavische TV-Krimi, der sich nur durch die Besetzung von einem TV-Krimi unterscheidet. Er hat auch mit all den Problemen zu kämpfen, die wir aus den skandinavischen Krimis kennen. Es geht um einen Serienmörder. Das Motiv für seine Taten liegt in seiner Kindheit. Die Morde sind bestialisch. Die Ermittler haben mehr persönliche Probleme, als gestandene Hypochonder. Ihr Privatleben nimmt einen großen Teil der Geschichte ein. Meistens ohne den Fall irgendwie voranzubringen Sie sind persönlich in den Fall verwickelt. Es gibt etwas Kapitalismuskritik. In „Schneemann“ ist sie milder als man es von skandinavischen Krimis gewohnt ist. Und der Plot ist so labyrinthisch, dass man besser nicht darüber nachdenkt, ob das alles irgendwie logisch zusammenpasst. Manchmal ist die Identität des Mörders bekannt. Öfter nicht. Dann wird der Serienmörderfall als Whodunit erzählt. Gerne mit Rückblenden zu einem älteren Fall, weil die Morde in der Gegenwart weit in die Vergangenheit zurückreichen. Es gibt einige Verdächtige. In „Schneemann“ sind das vor allem ein vermögender Unternehmer, der eine Kampagne für olympische Spiele in Norwegen organisiert und ein Arzt mit unseriösen Nebeneinkünften.

Deshalb könnte ich auch eine alte Besprechung einer Henning-Mankell/Stieg-Larsson/Arne-Dahl/Jussi-Adler-Olsen-Verfilmung (um nur Einige zu nennen) hervorholen, die Namen anpassen und sie als „Schneemann“-Kritik veröffentlichen. Alfredsons Film wirkt immer wie eine x-beliebige Episode aus einer x-beliebigen Krimiserie.

Angesichts des in diesem Fall versammelten Talents ist dieser durch und durch durschnittliche, niemals beeindruckende Kriminalfilm eine herbe Enttäuschung.

Schneemann (The Snowman, USA 2017)

Regie: Tomas Alfredson

Drehbuch: Peter Straughan, Hossein Amini, Søren Sveistrup

LV: Jo Nesbø: Snømannen, 2007 (Schneemann)

mit Michael Fassbender, Rebecca Ferguson, Charlotte Gainsbourg, Jonas Karlsson, Michael Yates, Ronan Vibert, J.K. Simmons, Val Kilmer, David Dencik, Toby Jones, Genevieve O’Reilly, James D’Arcy, Adrian Dunbar, Chloë Sevigny, Leonard Heinemann, Sofia Helin

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Schneemann“

Metacritic über „Schneemann“

Rotten Tomatoes über „Schneemann“

Wikipedia über „Schneemann“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tomas Alfredsons John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Bonushinweis

Vor wenigen Tagen erschien bei Ullstein Jo Nesbøs neuer Harry-Hole-Roman „Durst“. In seinem elften Fall sucht Harry Hole, der inzwischen an der Polizeihochschule unterrichtet, einen Serienkiller, der seine Opfer über die Dating-App Tinder findet. Unter den Opfern ist eine Kellnerin aus seinem Stammlokal – und der Mörder ist für ihn kein Unbekannter.

Jo Nesbø: Durst

(übersetzt von Günther Frauenlob)

Ullstein, 2017

624 Seiten

24 Euro

Originalausgabe

Tørst

Aschehoug, Oslo, 2017

Hinweise

Deutsche Homepage von Jo Nesbø

Englische Homepage von Jo Nesbø

Meine Besprechung von Morten Tyldums Jo-Nesbø-Verfilmung „Headhunters“ (Hodejegerne, Norwegen/Deutschland 2011)

Meine Besprechung von Magnus Martens‘ „Jackpot – Vier Nieten landen einen Treffer“ (Arme Riddere, Norwegen 2011) (nach einer Geschichte von Jo Nesbø)


TV-Tipp für den 24. Oktober: Ein Abend mit John le Carré: Dame, König, As, Spion/Der Spion, der aus der Kälte kam

Oktober 24, 2016

Arte, 20.15

Dame, König, As, Spion (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Regie: Tomas Alfredson

Drehbuch: Bridget O’Connor, Peter Straughan

LV: John le Carré: Tinker, Tailer, Soldier, Spy, 1974 (Dame, König, As, Spion)

Wer ist der Maulwurf im britischen Geheimdienst? George Smiley sucht den für die Sowjetunion arbeitenden Verräter.

Grandiose Verfilmung des verschachelten Agententhrillers von John le Carré.

mit Gary Oldman, Colin Firth, Tom Hardy, John Hurt, Toby Jones, Mark Strong, Benedict Cumberbatch, Ciarán Hinds, David Dencik, Simon McBurney, Kathy Burke, Stephen Graham, Svetlana Khodchenkova, John le Carré (Komparse bei der MI6-Silvesterfeier; also genau aufpassen)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Dame, König, As, Spion“

Rotten Tomatoes über „Dame, König, As, Spion“

Wikipedia über die Verfilmung „Dame, König, As, Spion“ (deutsch, englisch)

Arte, 22.15

Der Spion, der aus der Kälte kam (GB 1965, Regie: Martin Ritt)

Drehbuch: Paul Dehn, Guy Trosper

LV: John le Carré: The spy who came in from the cold, 1963 (Der Spion, der aus der Kälte kam)

Der britische Geheimdienstler Leamas wechselt zum Schein die Seiten – und gerät in Teufels Küche.

Realistischer, kritischer, kalter Agententhriller über die Suche nach Doppelagenten und Überläufern. Mit le Carrés Buch (ein Welterfolg) und der gelungenen Verfilmung wandelte sich das heroische Bild des Spions zu eines sehr gewöhnlichem. Denn überall sind Spione „eine schmutzige Prozession von hohlen Narren und Verrätern. Ja, auch von Schwulen, Sadisten und Trinkern, von Leuten, die Räuber und Gendarm spielen, im ihrem erbärmlichen Leben etwas Reiz zu geben.“ (John le Carré: Der Spion, der aus der Kälte kam).

Mit Richard Burton, Oskar Werner, Claire Bloom, Peter van Eyck, Rupert Davies, Sam Wanamaker, Cyril Cusack, Bernard Lee

Hinweise

Arte über John le Carré

Rotten Tomaites über „Der Spion, der aus der Kälte kam“

Wikipedia über „Der Spion, der aus der Kälte kam“ (deutsch, englisch)

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

John le Carré in der Kriminalakte

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der gesamten Miniserie

Bonushinweis

le Carre - Der Taubentunnel - 4

Am 9. September erschien „Der Taubentunnel“, die Memoiren von John le Carré, der am 19. Oktober seinen 85. Geburtstag feierte.

Über „Die Memoiren eines Jahrhundertautors“ schreibt der Verlag:

„Was macht das Leben eines Schriftstellers aus? Mit dem Welterfolg „Der Spion, der aus der Kält kam“ gab es für John le Carré keinen Weg zurück. Er kündigte seine Stelle im diplomatischen Dienst, reiste zu Recherchezwecken um den halben Erdball – Afrika, Russland, Israel, USA, Deutschland –, traf die Mächtigen aus Politik- und Zeitgeschehen und ihre heimlichen Handlanger. John le Carré ist bis heute ein exzellenter und unabhängiger Beobachter, mit untrüglichem Gespür für Macht und Verrat. Aber auch für die komischen Seiten des weltpolitischen Spiels.

In seinen Memoiren blickt er zurück auf sein Leben und sein Schreiben.“

John le Carré: Der Taubentunnel

(aus dem Englischen von Peter Torberg)

Ullstein, 2016

384 Seiten

22,00 Euro


Neu im Kino/Filmkritik: Sandra Bullock ist „Die Wahlkämpferin“

Januar 21, 2016

Natürlich ist ein Film, der von George Clooneys und Grant Heslovs Firma Smokehouse Pictures produziert wird, für den „Dame, König, As, Spion“-Autor Peter Straughan das Drehbuch schrieb und bei dem Sandra Bullock und Billy Bob Thornton mitspielen, nicht grottenschlecht. Allerdings bleibt „Die Wahlkämpferin“ weit unter seinen Möglichkeiten und er schöpft noch nicht einmal ansatzweise sein Potential aus. Jedenfalls wenn man etwas mehr als eine letztendlich sehr leichtgewichtige Polit-Satire erwartet.
Sandra Bullock spielt eine zurückgezogen lebende Wahlkampfmanagerin, die sich von einer früheren Kollegin überzeugen lässt, wieder in ihren alten Job zurückzukehren. Als Bonus erhält die natürlich legendäre Jane Bodine die Gelegenheit, sich an Pat Candy (Billy Bob Thornton), mit dem sie eine gemeinsame Vergangenheit hat, zu rächen. Denn Candy, der ein skrupelloses Arschloch sein soll (dabei tut er nur, relativ entspannt und professionell, seinen Job), berät einen anderen Präsidentschaftskandidaten, der in allen Umfragen unangefochten und mit weitem Abstand an erster Stelle steht, während Bodines potentieller Kunde abgeschlagen hinter mehreren anderen Kandidaten liegt. Und Bodine, die zuletzt kaum ihre Berghütte verließ, muss die USA in Richtung Süden verlassen. Denn der Wahlkampf geht um die bolivianische Präsidentschaft.
Das könnte, auch weil „Die Wahlkämpferin“ sich von dem Dokumentarfilm „Our Brand is Crises“ über die Arbeit US-amerikanischer Wahlkampfstrategen 2002 in Bolivien inspirieren ließ, eine klugen Analyse über Wahlkampfstrategien, US-amerikanischen Wirtschaftsimperialismus und die Gegebenheiten in Bolivien werden. Bolivien ist in dem Spielfilm als pittoreske Operettenrepublik nur der austauschbare Hintergrund für den Zickenkrieg zwischen Bodine und Candy. Über die politischen Vorstellungen der Kandidaten und damit auch über die Probleme des Landes erfahren wir nichts. Entsprechend egal ist dann auch der Wahlkampf für die Dramaturgie des Films. Und über Wahlkampfstrategien, also wie Wahlkämpfe in ihrer US-amerikanischen Form (die mit deutschen Wahlkämpfen nicht vergleichbar ist) gemacht werden, erfahren wir absolut nichts. Bodines geniales Talent als Wahlkampfmanagerin beschränkt sich, jedenfalls so weit es uns im Film gezeigt wird, auf banale Erbauungsreden, kindische Intrigen und der lautstark vorgetragenen Forderung, endlich mit einer Schmutzkampagne gegen den potentiellen Sieger zu starten. Denn irgendetwas wird immer hängen bleiben. Vor allem wenn man die Nazi-Keule schwingt.
Dass Bodine, ein psychisch derangiertes Ekel mit dem Mitgefühl einer Topfpflanze (von Sandra Bullock immerhin mit großem Mut zu unvorteilhaftem Aussehen gespielt), am Ende, nachdem die Stimmen ausgezählt sind, einen Moralischen bekommt, kann nur mit dem Befolgen von Drehbuchregeln und der Angst der Macher erklärt werden, dass die Zuschauer die Anklage gegen das Geschäft der Spin-Doktoren und Wahlkampfmanager nicht verstehen werden. Denn aus der vorherigen Geschichte des mutlosen Films, der mehr Klamauk und Sentiment als Satire oder Analyse ist, folgt es nicht.

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Die Wahlkämpferin (Our Brand is Crisis, USA 2015)
Regie: David Gordon Green
Drehbuch: Peter Straughan
mit Sandra Bullock, Billy Bob Thornton, Anthony Mackie, Joaquin de Almeida, Ann Dowd, Scoot McNairy, Zoe Kazan, Reynaldo Pacheco
Länge: 108 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „Die Wahlkämpferin“
Metacritic über „Die Wahlkämpferin“
Rotten Tomatoes über „Die Wahlkämpferin“
Wikipedia über „Die Wahlkämpferin“


Neu im Kino/Filmkritik: „Frank“, das Genie unter der Maske

August 30, 2015

Dass „Frank“ es doch noch in unseren Kinos gezeigt wird (wobei der DVD-Start schon für den 30. Oktober angekündigt ist), ist schon eine kleine, freudige Überraschung. Immerhin hatte der Musikfilm bereits im Januar 2014 seine Premiere auf dem Sundance-Festival. In England startete er am 9. Mai 2014. Die schrullige Komödie wurde allgemein abgefeiert und erhielt einige Preise. Aber von einer deutschen Veröffentlichung war nichts zu hören. Bis jetzt. Dabei sollte doch allein schon der Hinweis, dass Everbody’s Darling Michael Fassbender die Hauptrolle spielt, für Interesse sorgen.
Fassbender spielt Frank, einen genialen, aber auch seltsamen Musiker. Sein Gesicht verbirgt er hinter einem riesigen Pappmaché-Kopf, auf dem ein immer leicht erstaunt wirkendes, kindlich naives Gesicht gemalt ist und die von ihm geleitete Band „Soronprfbs“ ist zwar unter Alternative-Fans beliebt, aber kommerziell vollkommen erfolglos. Außerdem hat die Band genialer Dilletanten ein ständiges Keyboarder-Problem. Der letzte wurde nach einem erfolglosen Suizid-Versuch ins Krankenhaus eingeliefert.
Jon (Domhnall Gleeson), ein introvertierter Möchtegern-Musiker, der seine banalen Alltagsbeobachtungen mit Keyboardklängen abschmeckt, wird als Ersatz-Keyboarder angeheuert. Frank ist von ihm begeistert. Er lädt ihn zu einer Aufnahmesession ein, die nicht, wie Jon erwartet, im Studio um die Ecke an einem Nachmittag, sondern in einer einsam an einem irischen See gelegenen Hütte ist und die achtzehn Monate dauert, in der die Band, die aus merkwürdigen Gestalten und fragilen Beziehungen besteht, dank der ungefragten Social-Media-Arbeit von Jon zu einem Auftritt bei dem Indie-Festival „South by Southwest“ in Austin, Texas führt, was den Durchburch bedeuten könnte.
„Frank“ spielt zwar in der Gegenwart, aber die Musik und die Anspielungen kommen dann doch aus der Vergangenheit. Der Film basiert nämlich sehr lose auf einer Reportage von Jon Ronson, die er und Peter Straughan stark bearbeiteten. Wie schon bei ihrer Bearbeitung von Ronsons Sachbuch „Männer, die auf Ziegen starren“. Denn Ronsons Reportage „Oh Blimey“ ist über Frank Sidebottom, ein von dem verstorbenen Komiker Chris Sievey 1984 erfundener Kunstcharakter, dessen wahre Identität zunächst unbekannt war. Frank Sidebottom tourte Ende der Achtziger und in den Neunzigern durch England, hatte zahlreiche Fernsehauftritte und es gab einen Comicstrip mit ihm. Eine Zeit lang spielte Ronson in Sidebottoms Band Keyboard.
Dieser Charakter, bzw. die Idee eines genialen Musiker, der immer mit einem Pappmaché-Kopf auftritt und einer ihn bewundernden Band, wurde dann in die Gegenwart transferiert und eine neue Geschichte erfunden, bei der das Wissen um die Ursprünge eher stört. Denn „Frank“ ist kein Biopic und von ‚wahren Ereignissen‘ ist er auch nicht inspiriert. Dafür sind die Änderungen dann zu groß.
Trotzdem wirkt Lenny Abrahamsons Film immer wie ein aus der Zeit gefallener Bastard, bei dem die modernen Elemente eher stören. Denn Franks Musik, die absurde Heldenvereherung seiner Mitmusiker für ihn und seine Suche nach dem perfekten Ton als Teil der nur in seinem Kopf vorhandenen depressiven Symphonie und die monatelange Aufnahmesession in einer einsam gelegenen Hütte atmen in jeder Sekunde den depressiven Geist der achtziger Jahre, inclusive dem vom Punk kommenden Hang zum Dilletantismus und einen unbedingten Experimentierwillen.
So nennen die Macher den manisch-depressiven Singer/Songwriter Daniel Johnston, der seit den frühen Achtzigern Platten veröffentlicht, und Captain Beefheart, ein Frank-Zappa-Mitmusiker, der in den frühen Siebzigern seine großen Erfolge hatte (wobei er über Kultstatus nie hinauskam), als Inspiration für ihre Musik.
Sie hätten auch die Residents nennen können. Die bereits 1969 gegründete Band wurde mit seltsamen Cover-Versionen und Aktionen zwischen Musik und Kunst bekannt (naja, ebenfalls primär Kultstatus). Die Musiker halten ihre Identität immer noch geheim und sie treten immer maskiert auf.
Jons deprimierend eintönige, mit spartanischen Keyboarklängen zu Songs verarbeitete Alltagsbeobachtungen erinnern dann an Depeche Mode, eine 1980 gegründete Synthie-Pop-Band, die lange Zeit auf Gitarren verzichtete.
Trotzdem ist „Frank“ ein herrlich schrulliger Film mit einem liebevollen Blick auf gesellschaftliche Außenseiter, die sich in einer Band einen eigenen, gut funktionierenden Schutzraum geschaffen haben.

Frank - Plakat

Frank (Frank, Irland/Großbritannien 2014)
Regie: Lenny Abrahamson
Drehbuch: Jon Ronson, Peter Straughan
LV: Jon Ronson: Oh Blimey! (Reportage, The Guardian, 2006)
mit Michael Fassbender, Domhnall Gleeson, Maggie Gyllenhaal, Scott McNairy, Francois Civil, Carla Azar
Länge: 95 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
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Deutsche Facebook-Seite zum Film
Film-Zeit über „Frank“
Moviepilot über „Frank“
Metacritic über „Frank“
Rotten Tomatoes über „Frank“
Wikipedia über „Frank“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jon Ronsons “Männer, die auf Ziegen starren” (The men who stare at Goats, 2004)

Meine Besprechung von Jon Ronsons “Die Psychopathen sind unter uns – Eine Reise zu den Schaltstellen der Macht” (The Psychopath Test – A Journey through the Madness Industry, 2011)


TV-Tipp für den 21. August: Männer, die auf Ziegen starren

August 20, 2015

3sat, 22.35

Männer, die auf Ziegen starren (USA 2009, Regie: Grant Heslov)

Drehbuch: Peter Straughan

LV: Jon Ronson: The men who stare at goats, 2004 (Durch die Wand; Männer, die auf Ziegen starren)

Ein Journalist hört von einer Armeeeinheit, die ihre Gegner mit gewaltfreien, teils übersinnlichen Methoden bekämpft. Er macht sich auf die Suche nach ihr.

Die Story von „Männer, die auf Ziegen starren“ klingt erfunden, ist aber wahr und der Film folgt dem Sachbuch erstaunlich genau.

Köstlich durchgeknallte Militärsatire (alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung von Buch und Film).

mit George Clooney, Ewan McGregor, Jeff Bridges, Kevin Spacey, Stephen Lang, Robert Patrick, Waleed Zuaiter, Stephen Root, Glenn Morshower

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Männer, die auf Ziegen starren“

Metacritic über “Männer, die auf Ziegen starren”

Rotten Tomatoes über “Männer, die auf Ziegen starren”

Wikipedia über “Männer, die auf Ziegen starren” (deutschenglisch)

Homepage von Jon Ronson

Den of Geek: Interview mit Jon Ronson (5. November 2009)

UGO: Interview mit Jon Ronson (6. November 2009)

Homepage des 1st Earth Battalion

Meine Besprechung von Jon Ronsons “Männer, die auf Ziegen starren” (The men who stare at Goats, 2004)

Meine Besprechung von Jon Ronsons “Die Psychopathen sind unter uns – Eine Reise zu den Schaltstellen der Macht” (The Psychopath Test – A Journey through the Madness Industry, 2011)


TV-Tipp für den 16. September: Dame, König, As, Spion

September 16, 2014

Pro7 Maxx, 20.15

Dame, König, As, Spion (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Regie: Tomas Alfredson

Drehbuch: Bridget O’Connor, Peter Straughan

LV: John le Carré: Tinker, Tailer, Soldier, Spy, 1974 (Dame, König, As, Spion)

Wer ist der Maulwurf im britischen Geheimdienst? George Smiley sucht den für die Sowjetunion arbeitenden Verräter.

Grandiose Verfilmung des verschachelten Agententhrillers von John le Carré.

Und dann läuft die TV-Premiere auch noch zu einer normalen Uhrzeit, während das ZDF um 00.50 Uhr das ebenfalls grandiose Südstaatendrama „The Help“ arg lieblos versendet. Immerhin ist „The Help“ produziert von Disney, starbesetzt, Oscar-prämiert, mehrfach ausgezeichnet und war ein überraschender Kassenhit in den USA.

mit Gary Oldman, Colin Firth, Tom Hardy, John Hurt, Toby Jones, Mark Strong, Benedict Cumberbatch, Ciarán Hinds, David Dencik, Simon McBurney, Kathy Burke, Stephen Graham, Svetlana Khodchenkova, John le Carré (Komparse bei der MI6-Silvesterfeier; also genau aufpassen)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Wikipedia über die Verfilmung „Dame, König, As, Spion“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über „Dame, König, As, Spion“

Rotten Tomatoes über „Dame, König, As, Spion“

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „A most wanted man“ (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014)

John le Carré in der Kriminalakte


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