TV-Tipp für den 1. November: Gänsehaut

November 1, 2018

Vox, 20.15

Gänsehaut (Goosebumps, USA 2015)

Regie: Rob Letterman

Drehbuch: Darren Lemke (nach einer Geschichte von Scott Alexander und Larry Karaszewski)

LV: Charaktere von R. L. Stine

Buch zum Film: R. L. Stine: Goosebumps The Movie: The Movie Novel, 2015 (Gänsehaut – Das Buch zum Film)

Zach, der gerade mit seiner Mutter von der Großstadt in die Kleinstadt gezogen ist, verguckt sich sofort in das Nachbarmädchen Hannah. Aber ihr unhöflicher Vater verbietet ihr den Umgang mit Zach. Als Zach und sein Schulfreund Champ kurz darauf, aufgeschreckt durch seltsame Ereignisse, in das Nachbarhaus einbrechen, entdecken sie einen Schrank voller Bücher von R. L. Stine. Sie öffnen eines der Bücher und all die Monster, die R. L. Stine in seine Bücher verbannte, brechen aus. Zach, Champ, Hannah und ihr Vater, R. L. Stine höchstpersönlich, versuchen, das Schlimmste zu verhindern.

Wenige Tage nach dem Kinostart von „Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween“ gibt es die TV-Premiere des ersten „Gänsehaut“-Spielfilms und weil ich den Gruselfilm für Kinder seit Tagen ständig lobe, gibt es heute Gänsehaut als Tagestipp.

Gänsehaut“ ist eine sehr unterhaltsame Gruselkomödie für ein jüngeres Publikum, eine Liebeserklärung an die klassischen Horror- und Monsterfilme und auch eine kleine Meditation über die Arbeit eines Horrorschriftstellers, garniert mit einigen gut platzierten Witzen, die vor allem Erwachsene verstehen.

Mehr in meiner ausführlichen Filmbesprechung.

mit Jack Black, Dylan Minnette, Odeya Rush, Amy Ryan, Ryan Lee, Jillian Bell, R. L. Stine (Cameo)

Wiederholung: Samstag, 3. November, 22.00 Uhr

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über “Gänsehaut”

Metacritic über „Gänsehaut“

Rotten Tomatoes über „Gänsehaut“

Wikipedia über „Gänsehaut“ (deutsch, englisch) und R. L. Stine (deutsch, englisch)

Homepage von R. L. Stine

Meine Besprechung von Rob Lettermans „Gänsehaut“ (Goosebumps, USA 2015)

Meine Besprechung von R. L. Stines Filmroman „Gänsehaut“ (Goosebumps, 2015)

Bonusmaterial zum Film

Der Soundtrack

Goosebumps - Soundtrack - 4

Danny Elfman: Goosebumps – Original Motion Picture Soundtrack
Sony Classical
64 Minuten

Der Roman zum Film

Gaensehaut - Das Buch zum Film von RL Stine

R. L. Stine: Gänsehaut – Das Buch zum Film
(übersetzt von Christoph Jehlicka)
cbj 2016
160 Seiten
9,99 Euro
empfohlen ab 10 Jahre (also, eigentlich wie der Film)


Neu im Kino/Filmkritik: Halloween für Kinder: „Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween“ für Kinder, für Erwachsene nicht so sehr

Oktober 26, 2018

Wardenclyffe, New York, ist eine beschauliche All-American-Kleinstadt, in der nie etwas passiert. Jedenfalls nichts schlimmes. Das ändert sich, als die beiden Schulfreunde Sonny und Sam, die ihr Taschengeld als „Junk Brothers“ mit Entrümpelungen aufbessern wollen, in einem alten, halb verfallenem Haus, das wie ein typisches Film-Geisterhaus aussieht, eine Kiste entdecken, das in ihr liegende Buch von R. L. Stine öffnen und so die Bauchredner-Puppe Slappy zum Leben erwecken.

Als erstes weist Slappy den Halbstarken Tommy und seine Freunde, die Sonny und Sam schikanieren, in die Schranken. Danach hätte Slappy gerne eine Familie und er denkt, dass Sonny, Sonnys Schwester Sarah und ihre alleinerziehende Mutter Kathy dafür geeignet sind. Die Begeisterung der Familie Quinn hält sich in Grenzen und Slappy macht sich an Halloween (!!!) auf den Weg, einige neue und alte, teils aus dem vorherigen „Gänsehaut“-Film, teils aus den „Gänsehaut“-Büchern bekannte Freunde zu finden. Mit diesen Monstern will er Halloween feiern.

Auch wenn der Titel „Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween“ einen vermuten lässt, dass es sich bei diesem Gruselfilm um die Fortsetzung von „Gänsehaut“ handelt, ist Ari Sandels Film das nicht. Jedenfalls nicht im engeren Sinn. Zwar hat Jack Black, der in „Gänsehaut“ herrlich miesepetrig R. L. Stine spielte, einen kurzen Auftritt. Aber mehr als ein langes Cameo ist das nicht. All die anderen menschlichen Charaktere aus „Gänsehaut“ treten in „Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween“ nicht auf. Drehbuch und Regie wurden von anderen Männern übernommen.

Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween“ knüpft mit seiner extra für den Film erfundenen Geschichte eher an die erfolgreichen „Gänsehaut“-Bücher von R. L. Stine an. Es geht um Kinder und Jugendliche, die sich gegen Monster wehren müssen und die Kinderbücher sollen bei den jungen Lesern vor allem eine wohlige Gänsehaut verursachen. Wenn sie dann einige Jahre älter sind, können sie sich mit Stephen King gruseln.

So ist „Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween“ ein Gruselfilm für Kinder mit sympathischen Kindern, einer taffen großen Schwester, gruseligen, aber nicht zu gruseligen Monstern, einer kurzen Laufzeit und einer einfachen Geschichte, die für Erwachsene etwas zu einfach ist.

Dagegen ist „Gänsehaut“ in jeder Beziehung der bessere Film. Mit R. L. Stine als wichtigen Charakter wird auch mühelos über das Leben eines Schriftstellers und dem Verhältnis von Fiktion und Realität philosophiert, während die Genreregeln kundig und liebevoll bedient werden. Garniert mit einem wahren Best-of-Horrorfilm-Soundtrack von Danny Elfman. Nicht nur wegen ihm hat Rob Lettermans Film ein beständiges Tim-Burton-Feeling.

In Sandels Film fehlt das zugunsten eines, wie gesagt, Gruselfilms für Kinder, die hier etwas Gänsehaut und einen neuen Blick auf Gummibärchen bekommen.

Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween (Goosebumps 2: Haunted Halloween, USA 2018)

Regie: Ari Sandel

Drehbuch: Rob Lieber (nach einer Geschichte von Rob Lieber und Darren Lemke)

LV: „Gänsehaut“-Bücher von R. L. Stine

mit Wendi McLendon-Covey, Madison Iseman, Jeremy Ray Taylor, Caleel Harris, Chris Parnell, Ken Jeong, Avery Lee Jones, Bryce Cass, Peyton Wich, Jack Black, R. L. Stine (Cameo)

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 12 Jahre (gerade so, eigentlich eher bis 12 Jahre)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween“

Metacritic über „Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween“

Rotten Tomatoes über „Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween“

Wikipedia über „Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween“

Meine Besprechung von Rob Lettermans „Gänsehaut“ (Goosebumps, USA 2015)

Meine Besprechung von R. L. Stines Filmroman „Gänsehaut“ (Goosebumps, 2015)


Verursacht R. L. Stines „Buch zum Film“ eine „Gänsehaut“?

Februar 17, 2016

Gaensehaut - Das Buch zum Film von RL Stine

Eigentlich wollte ich R. L. Stines Romanfassung von „Gänsehaut“, Rob Lettermans vergnüglicher Horrorkomödie für Kinder (Danny Elfmans Musik und die vielen filmischen Anspielungen helfen), zum Filmstart besprechen.
Das war der Plan, der natürlich nicht funktionierte, weil das Buch erst einige Tage nach dem Kinostart erschien. Aber so schlimm ist das nicht. Denn schon früher habe ich „Romane zum Film“ mehr oder weniger unabhängig vom Film gelesen. Was manchmal einfach daran lag, dass ich den Film noch nicht sehen konnte oder das Filmerlebnis wiederholen wollte (was in der Prä-DVD-Zeit gar nicht so leicht war, aber dafür liefen einige Filme verdammt lang in den Kinos). Einige Filmromane, wie Colin Higgins‘ „Harold und Maude“ oder mehrere Bücher von Alan Dean Foster (vor allem seine „Alien“-Romanfassungen und, auch wenn ein anderer Name auf dem Cover steht, „Krieg der Sterne“), wurden dann nicht zur zu Bestsellern, sondern auch zu veritablen, immer wieder neu aufgelegten Klassikern. Und auch wenn viele Filmromane einfach nur schnell geschriebene Werke mit einer kurzen Lebensdauer sind, empfinde ich immer noch eine tiefe Sympathie für sie. Denn sie gehörten zu meinen ersten Leseerlebnissen.
Warum die lange Vorrede für ein Kinderbuch, das nicht unbedingt zum Hardcore-Kriminalakte-Zielpublikum gehört?
Nun, weil R. L. Stine schon mit seinen erfolgreichen „Gänsehaut“-Büchern abertausende (Millionen?) Jugendlicher zu Leseratten machte und „Gänsehaut – Das Buch zum Film“ einen ähnlichen Effekt haben könnte. Oder wie Champ (ein wahrer Feigling vor dem Herrn) sagt: „Kinderbücher helfen beim Einschlafen. Diese Bücher sorgen dafür, dass du die ganze Nacht wach bleibst.“
Und wach bleiben die Figuren in dem Film. Und in dem Buch, das von dem sechzehnjährigem Zach Cooper erzählt wird, der gerade mit seiner Mutter von New York in die Kleinstadt Madison, 28.245 Einwohner, zog. Ihr Nachbar, Mr. Shivers, ist ein rechter Stinkstiefel, aber seine Tochter Hannah ist überaus nett. Als Zach glaubt, dass sie in Gefahr schwebt, bricht er mitten in der Nacht mit seinem neuen Kumpel Champ in das Haus ein. Dort entdecken sie ein Bücherregal mit den Originalmanuskripten von R. L. Stine, dem bekannten Kinderbuchautor, der in seinen Büchern Monster auf die Menschheit los lässt. Durch Neugierde und einen dummen Zufall öffnen sie eines der Bücher. Der Schneemensch, der in dem Buch gefangen war, bricht aus. Und kurz darauf brechen, mit der Hilfe der bösartigen Bauchrednerpuppe Slappy, auch die anderen Monster von R. L. Stine, die er in seine Bücher schrieb, aus. Sie beginnen die Kleinstadt zu verwüsten, während Zach, Hannah, Champ und R. L. Stine (so der wahre Name des grummeligen Nachbarn) versuchen, das schlimmste zu verhindern.
Selbstverständlich folgt der Roman bis auf einige kleine Abweichungen der Filmgeschichte.
Aber dank dem selbstironischen Tonfall von Stine (also eigentlich von seinem Ich-Erzähler Zach, der sich für einen gar nicht so gut aussehenden, eher tölpelhaften Teenager hält) und den pointierten Dialogen liest sich der Roman schnell und sehr vergnüglich weg. Die Geschichte bewegt sich in atemberaubendem Tempo auf ihr Ende zu. Für längere Beschreibungen hat Stine da keine Zeit; was auch dazu führt, dass er seine Monster, die wir aus dem Film oder, wenn wir sie gelesen haben, den anderen „Gänsehaut“-Büchern kennen, nicht beschreibt. Der Roman ist nur, in einer einfachen Sprache geschrieben, Handlung.
Das ist absolut empfehlenswert für Kinder, die eine Karriere als Leseratte anstreben. Schließlich hat niemand von uns „Unterm Birnbaum“ mit „Effi Briest“ angefangen.

R. L. Stine: Gänsehaut – Das Buch zum Film
(übersetzt von Christoph Jehlicka) (mit einem Vorwort von R. L. Stine, beendet von Slappy)
cbj 2016
160 Seiten
9,99 Euro
empfohlen ab 10 Jahre (also, eigentlich wie der Film)

Originalausgabe
Goosebumps The Movie: The Movie Novel
Scholastic, New York, 2015

Die Vorlage

Gänsehaut (Goosebumps, USA 2015)
Regie: Rob Letterman
Drehbuch: Darren Lemke (nach einer Geschichte von Scott Alexander und Larry Karaszewski)
LV: Charaktere von R. L. Stine
Buch zum Film: R. L. Stine: Goosebumps The Movie: The Movie Novel, 2015 (Gänsehaut – Das Buch zum Film)
mit Jack Black, Dylan Minnette, Odeya Rush, Amy Ryan, Ryan Lee, Jillian Bell, R. L. Stine (Cameo)
Länge: 104 Minuten
FSK: ab 12 Jahre (aber auch schon für etwas jüngere Kinder geeignet)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über “Gänsehaut”

Metacritic über „Gänsehaut“

Rotten Tomatoes über „Gänsehaut“

Wikipedia über „Gänsehaut“ (deutsch, englisch) und R. L. Stine (deutsch, englisch)
Homepage von R. L. Stine

Meine Besprechung von Rob Lettermans „Gänsehaut“ (Goosebumps, USA 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: R. L. Stine verursacht „Gänsehaut“ und die Monster toben

Februar 4, 2016

Als Autor der „Gänsehaut“/“Goosebumps“-Bücher ist R. L. Stine seit über zwanzig Jahren bekannt und beliebt. Die Kinderbücher wurden in 32 Sprachen übersetzt und die Auflage soll bei 400 Millionen liegen, was etwas schwer beweisbar ist, aber in jedem Fall verrät, dass sie verdammt erfolgreich sind. Trotzdem sind, im Gegensatz zu den Werken von Stephen King, fast keine von R. L. Stines Geschichten verfilmt worden.
Das, und dass King immer als viel besserer Autor gelobt wird, mag R. L. Stines abgrundtiefen Hass auf den König des Horrors erklären. Jedenfalls sollte man, wie wir in „Gänsehaut“ erfahren, den humorlosen Misanthropen R. L. Stine (Jack Black) nicht auf Stephen King ansprechen. Stine lebt unter falschem Namen mit seiner pubertierenden Tochter Hannah (Odeya Rush) in der typischen All-American-Kleinstadt Madison in Delaware. Als der Teenager Zach Cooper (Dylan Minette) ins Nachbarhaus einzieht, geraten die Dinge etwas außer Kontrolle. Denn Zach hält ihn zuerst nur für einen besonders unfreundlichen Menschen, der auch seine Tochter schlägt. Die herbeigerufene Polizei findet nichts und Zach steht als Lügner da.
Also bricht Zach mit seinem neuen Schulfreund Champ (Ryan Lee), ein Außenseiter in der Schule und Feigling vor dem Herrn, in der Nacht in das Nachbarhaus ein, um seine neue Freundin Hannah aus den Klauen ihres harmlos wirkenden Vaters zu retten. In der Bibliothek erkennt Champ anhand der Buchmanuskripte, dass sie im Haus von R. L. Stine sind. Die beiden Jungs fragen sich, warum die Bücher verschlossen sind. Als sie von Hannah erwischt werden, öffnen sie zufällig ein Buch, was ein schwerer Fehler ist. Denn Stine hat in seinen „Gänsehaut“-Büchern die Geister und Monster hineingeschrieben und sie so gefangen genommen. Jetzt brechen sie unter der Führung von Slappy, the Dummy, Stines Alter Ego, aus. Sie wollen sich an Stine rächen und die Stadt verwüsten.
Es sind, für die Fans der Bücher:
The Ghouls aus Attack of the Graveyard Ghouls
Snake Lady aus Escape from the Carnival of Horrors
Bog Monster aus You Can’t Scare Me!
Egyptian Princess aus Return of the Mummy
Cronby the cave troll aus Deep in the Jungle of Doom
The Evil Clown aus When the Ghost Dog Howls
Vampires aus Vampire Breath
The Witch Doctor aus Deep in the Jungle of Doom
Madam Doom aus Help! We Have Strange Powers!
The Executioner aus A Night in Terror Tower
The Pirate aus Creep from the Deep
The Creeps aus Calling All Creeps
The Haunted Mask aus The Girl with the Haunted Mask
Scarecrows aus The Scarecrow Walks at Midnight
Jack O’Lantern aus Attack of the Jack O’Lanterns
The Mummy aus Return of the Mummy
The Abominable Snowman of Pasadena
The Werewolf aus Werewolf of Fever Swamp
The Gnomes aus Revenge of the Gnomes
The Blob aus The Blob That Ate Everyone
Toy Robots aus Toy-Terror: Batteries Included
Bug-Eyed Aliens aus Invasion of the Body Squeezers
Vampire Poodle aus Please Don’t Feed the Vampire!
The Praying Mantis aus A Shocker on Shock Street
Zugegeben, der echte R. L. Stine soll viel netter als der Film-“R. L. Stine“ sein, aber um hundertprozentige Faktentreue geht es in dieser Horrorkomödie nicht. Es ist ein Spaß, der für die Fans der „Gänsehaut“-Bücher, die sich an ein junges Lesepublikum richten, viele vertraute Charaktere und die Atmosphäre des wohligen, aber sicheren Gruselns hat. Stine nennt sie „safe scares“. Sie sollen, wie eine Fahrt auf einer Geisterbahn, nur eine Gänsehaut verursachen.
In Rob Lettermans Film, der nicht auf einem „Gänsehaut“-Buch basiert, sondern viele aus den Büchern bekannte Monster und R. L. Stine in einer neuen und vollkommen frei erfundenen Geschichte versammelt, ist dann auch alles drin, was man als Horror- und Science-Fiction-Fan aus tausenden anderer Filme, in denen Monster Kleinstädte verwüsten, kennt. Hier allerdings in einer jugendfreien Version, die sich, wie Stines Bücher, an Kinder richten. Und gerade diesem jungen Publikum dürfte „Gänsehaut“ als insgesamt harmloser, aber humorvoll erzählter Gruselspaß gefallen. Sie können danach all die Monster- und Horrorfilme noch entdecken, die Stine inspirierten, und die ältere Semester, weil sie diese Monsterfilme schon vor Jahren gesehen haben, schon kennen. Für sie ist „Gänsehaut“ dann zu sehr ein Déjà-Vu-Erlebnis, das eben den schwarzen Humor und die satirischen Spitzen eines Tim Burton, der vor zwanzig Jahren sogar in eine geplante „Goosebumps“-Verfilmung als Produzent involviert war, vermissen lässt.
Immerhin schrieb Tim-Burton-Hauskomponist Danny Elfman einen voluminösen Orchester-Soundtrack, der ohne die Filmbilder sogar besser funktioniert. Denn was im Film arg bekannt nach einem Elfman-Pastiche klingt, lässt ohne die etwas zu glatten Filmbilder und wenn das Orchester schön zackig aufspielt, eine richtig wohlige Tim-Burton-Gruselatmosphäre mit eben dieser gut abgehangenen Mischung aus bekannten Horrorfilmversatzstücken und bizarrem Humor entstehen.

Gänsehaut - Plakat

Gänsehaut (Goosebumps, USA 2015)
Regie: Rob Letterman
Drehbuch: Darren Lemke (nach einer Geschichte von Scott Alexander und Larry Karaszewski)
LV: Charaktere von R. L. Stine
Buch zum Film: R. L. Stine: Goosebumps The Movie: The Movie Novel, 2015 (Gänsehaut – Das Buch zum Film)
mit Jack Black, Dylan Minnette, Odeya Rush, Amy Ryan, Ryan Lee, Jillian Bell, R. L. Stine (Cameo)
Länge: 104 Minuten
FSK: ab 12 Jahre (aber auch schon für etwas jüngere Kinder geeignet)

Der Soundtrack

Goosebumps - Soundtrack - 4

Danny Elfman: Goosebumps – Original Motion Picture Soundtrack
Sony Classical
64 Minuten

Der Roman zum Film
angekündigt für den 10. Februar 2016

Gaensehaut - Das Buch zum Film von RL Stine

R. L. Stine: Gänsehaut – Das Buch zum Film
(übersetzt von Christoph Jehlicka)
cbj 2016
160 Seiten
9,99 Euro
empfohlen ab 10 Jahre (also, eigentlich wie der Film)

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Gänsehaut“
Metacritic über „Gänsehaut“
Rotten Tomatoes über „Gänsehaut“
Wikipedia über „Gänsehaut“ (deutsch, englisch) und R. L. Stine (deutsch, englisch)
Homepage von R. L. Stine

Und ein Interview mit dem echten R. L. Stine

Nachtrag (17. Februar 2016): Meine Besprechung R. L. Stines Filmroman.


Thriller-Autoren betreiben in „FaceOff – Doppeltes Spiel“

Dezember 9, 2014

Baldacci HRSG - FaceOff - 2

Die Idee für den neuesten Sammelband der International Thriller Writers (ITW), der internationalen Vereinigung von Thriller-Autoren hat etwas: bekannte Autoren lassen in einer Kurzgeschichte ihre bekannten Charaktere aufeinandertreffen. Das sind
Patrick Kenzie trifft Harry Bosch (geschrieben von Dennis Lehane und Michael Connelly)
John Rebus trifft Roy Grace (geschrieben von Ian Rankin und Peter James)
Slappy, der Puppenmann trifft Aloysius Pendergast (geschrieben von R. L. Stine, Douglas Preston und Lincoln Child)
Malachai Samuels trifft D. D. Warren (geschrieben von M. J. Rose und Lisa Gardner)
Paul Madriani trifft Alexandra Cooper (geschrieben von Steve Martini und Linda Fairstein)
Lincoln Rhyme trifft Lucas Davenport (geschrieben von Jeffery Deaver und John Sandford)
Michael Quinn trifft Handyman Jack (geschrieben von Heather Graham und F. Paul Wilson)
Sean Reilly trifft Glen Garber (geschrieben von Raymond Khoury und Linwood Barclay)
Wyatt Hunt trifft Joe Troma (geschrieben von John Lescroat und T. Jefferson Parker)
Cotton Malone trifft Gray Pierce (geschrieben von Steve Berry und James Rollins)
Jack Reacher trifft Nick Heller (geschrieben von Lee Child und Joseph Finder)
Und die Idee, das muss ehrlich gesagt werden, ist auch das beste an „FaceOff – Doppeltes Spiel“. Denn was auf dem Papier wie ein Zusammentreffen von James Bond und George Smiley oder von Georg Wilsberg und Frank Thiel/Karl-Friedrich Börne klingt, hat in der Ausführung mit einigen Problemen zu kämpfen. So sind die Romancharaktere nicht so bekannt wie die eben genannten Filmcharaktere, was dazu führt, dass man nicht alle Charaktere kennt. Außerdem sind die Seriencharaktere in Romanen etwas austauschbarer, weil sie vor allem bestimmte Prinzipien und eine Sicht auf die Welt verkörpern. Sie lösen im Roman die Ereignisse aus oder kanalisieren sie in einer bestimmten Form. Aber ein unverwechselbares und für alle sofort erkennbares Gesicht haben sie nicht. So ist die Aufregung über das Gesicht des neuen James-Bond-Darstellers jedesmal sehr laut, aber wenn ein Autor eine bekannte Serie fortführt, ist die Aufregung geringer und, siehe die verschiedenen Post-Ian-Fleming-James-Bond-Romane, anders. Denn es geht darum, wie sehr der neue Autor den Geist, vulgo den Tonfall, des Erfinders bewahrt.
Eben dieser unverwechselbare Erzählton eines Autors fehlt in „FaceOff“, weil hier immer zwei Autoren ihre Geschichten zusammen geschrieben haben. Es kann auch etwas am Übersetzer liegen. Denn während die Autoren normalerweise verschiedene Übersetzer haben, übersetzte hier Leo Strohm alle Geschichten.
Und normalerweise haben die Autoren einen ganzen Roman von oft deutlich über vierhundert Seiten, um ihre Geschichte zu erzählen. In „FaceOff“ haben sie nur so um die vierzig Seiten, was letztendlich ungefähr die Länge einer Action-Szene ist.
Das gesagt, ist „FaceOff“ natürlich für Thriller-Fans ein sehr interessanter Sammelband, weil hier erstmals bekannte Charaktere zusammen auftreten und bekannte Autoren gemeinsam eine Geschichte erzählen. Einige Autoren, wie Lee Child, schreiben fast nie Kurzgeschichten und natürlich ist der Kneipenabend von Jack Reacher und Nick Heller in „Entgeltliche Gegenleistung“ vergnüglich, wenn sie sich blind verstehen und während eines Baseballspiels schnell und handgreiflich für etwas Gerechtigkeit sorgen. Bei Wyatt Hunt und Joe Trona artet ein Angelausflug in eine Schlacht mit einem Drogenkartell aus. Sean Reilly und Glen Garber beginnen nach einem kurzen Stop in einer Raststätte, nachdem ein Bösewicht Glens Tochter entführt, eine halsbrecherische Autoverfolgungsjagd über die Autobahn. Die Begegnung von John Rebus und Roy Grace bewegt sich dann in den ruhigeren Gewässern einer Polizeiermittlung und Michael Quinn und Handyman Jack erleben eine infernalische Nacht.
Für Thriller-Novizen geben die elf Geschichten mit den kurzen Einführungen und den ziemlich ausführlichen Autorenbiographien einen guten Einblick in die derzeitige Thriller-Szene und zeigen auch ihre Bandbreite von traditionellen Detektivgeschichten (vor allem der fast achtzigseitige Auftritt von Lincoln Rhyme und Lucas Davenport) über halbe Gangstergeschichten bis hin zu Action-Thrillern, von rein rationalen Geschichten mit realistischen Protagonisten bis hin zu Begegnungen mit mehr oder weniger übersinnlichen Charakteren.
Und so ist „FaceOff“ eine unterhaltsame Zusammenstellung, die etwas an ein Benefiz-Konzert erinnert: die Stimmung ist gut, auch wenn die Musiker nicht ihr bestes Konzert geben.

David Baldacci (Herausgeber): FaceOff – Doppeltes Spiel
(übersetzt von Leo Strohm)
Goldmann, 2014
448 Seiten
9,99 Euro

Originalausgabe
FaceOff
Simon & Schuster, 2014

Hinweis
Homepage der International Thriller Writers


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