TV-Tipp für den 10. Juli: Saving Mr. Banks

Juli 10, 2018

Super RTL, 20.15

Saving Mr. Banks (Saving Mr. Banks, USA/Großbritannien/Australien 2013)

Regie: John Lee Hancock

Drehbuch: Kelly Marcel, Sue Smith

Walt Disney will das Kinderbuch „Mary Poppins“ verfilmen. Dafür braucht er nur das Einverständnis der Autorin P. L. Travers. Die Engländerin hasst ungefähr alles abgrundtief, was Walt Disney verkörpert und mit ihrem Buch machen will.

Das sehr, sehr gelungene und sehr kurzweilige Making of zu dem Klassiker „Mary Poppins“.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung; mit vielen Clips.

mit Emma Thompson, Tom Hanks, Colin Farrell, Paul Giamatti, Jason Schwartzman, Bradley Whitford, Ruth Wilson, B. J. Novak, Rachel Griffiths, Kathy Baker

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Saving Mr. Banks“

Moviepilot über „Saving Mr. Banks“

Metacritic über „Saving Mr. Banks“

Rotten Tomatoes über „Saving Mr. Banks“

Wikipedia über „Saving Mr. Banks“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood untersucht „Saving Mr. Banks“

Das Drehbuch „Saving Mr. Banks“ von Kelly Marcel und Sue Smith

Meine Besprechung von John Lee Hancocks „Saving Mr. Banks“ (Saving Mr. Banks, USA/Großbritannien/Australien 2013)

Meine Besprechung von John Lee Hancocks „The Founder“ (The Founder, USA 2016)

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DVD-Kritik: „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“: Gutes Tun im Stahlgewitter

Juni 20, 2017

Mit „Hacksaw Ridge“ endete für Mel Gibson im Herbst die jahrelange Hollywood-Durststrecke, in der er vor allem mit verschiedenen unappetitlichen Ausfällen Schlagzeilen produzierte und er ab und an, meistens in einer Nebenrolle, in einem Film auftrat. Seine letzte Regiearbeit war vor zehn Jahren „Apocalypto“.

Zum US-Kinostart von „Hacksaw Ridge“ im November 2016 gab es euphorische Kritiken und, in den folgenden Monaten, etliche Preise.

Er erhielt zwei Oscars (Editing, Sound Mixing), war als bester Film des Jahres, für die beste Regie und den besten Schauspieler nominiert.

Bei der IMDB steht er derzeit auf dem 160. Platz der „top rated movies“; – einen Platz vor dem Antikriegsfilmklassiker „Die durch die Hölle gehen“ (The Deer Hunter, USA 1978).

In seinem Kriegsfilm erzählt Gibson die wahre Geschichte von Desmond Doss (1919 – 2006), einem Sieben-Tage-Adventisten, der aufgrund seines Glaubens keine Waffe in die Hand nehmen und keinen Menschen töten wollte. Aber er wollte seinen Teil zur Verteidigung der USA beitragen. Seine Lösung für den Konflikt war, dass er als Sanitäter auf dem Schlachtfeld die verletzten Kameraden versorgt und ihr Leben rettet.

Er war der erste Kriegsdienstverweigerer, der im Oktober 1945 von Präsident Harry Truman die ‚Medal of Honor‘, die höchste militärische Auszeichnung der USA, erhielt. Als unbewaffneter Sanitäter hatte Doss unzählige US-Soldaten gerettet. Auf der Insel Okinawa brachte er 75 schwer verwundete Kameraden in Sicherheit.

Diese Schlacht auf Okinawa im Mai 1945 am titelgebenden Hacksaw Ridge bestimmt die zweite Stunde des Films. Auf dem Plateau einer 122 Meter hohen Felswand kämpfen amerikanische gegen japanische Soldaten, die das Gebiet mit ihrem Leben verteidigen und sich in einem riesigen Höhlensystem versteckt, das sie vor Bombeneinschlägen schützt.

Bei diesem Gefecht; – genaugenommen mehrere, von kurzen Pausen unterbrochene Gefechte -; fährt Gibson das ganze Arsenal des Kriegsfilm auf mit Explosionen, spritzendem Blut, herausquellenden Gedärmen und unzähligen Toten und schwer Verletzten, die von Doss gerettet werden, während die Kugeln links und rechts von ihm einschlagen. Das ist technisch perfekt inszeniert und erfüllt in jeder Hinsicht die voyeuristischen Bedürfnisse der Fans von Kriegsfilmen.

In der ersten Stunde stellt Gibson, in ungefähr zwei gleich langen Teilen, Doss im Kreis seiner Familie und mit seiner Freundin Dorothy Schulte, die er noch vor seinem Kriegseinsatz heiratet, und während der Ausbildung vor. Während seiner Ausbildung beim Militär ist Doss‘ Gewissensdilemma, dass er seinem Land dienen will, aber aufgrund seines Glaubens bestimmte Dinge nicht tun kann, wichtig. Weniger als moralische, ethische oder religiöse Frage, sondern als eine Frage der militärischen Struktur, in der einfach alle Männer gleich behandelt werden und da ist das Nicht-Tragen einer Waffe ein esoterischer Sonderwunsch, der die normalen Abläufe stört.

Dafür, dass Doss ein bekennender Sieben-Tage-Adventist war und dass dieser Glaube sein gesamtes Leben bestimmte, ist „Hacksaw Ridge“ erstaunlich desinteressiert an seinem Glauben. So ist bis zum Beginn von Doss‘ Ausbildung beim Militär, zu dem er sich freiwillig meldete, nicht ersichtlich, dass er besonders gläubig ist und einer besonderen Form des christlichen Glaubens angehört. Damit umschifft Gibson durch Auslassung all die Fallen eines Faith-based-Movie.

Auch der Patriotismus von Doss wird nicht weiter, vor allem nicht als Dilemma zwischen Glaube und Patriotismus, thematisiert.

Das macht „Hacksaw Ridge“ zu einem gewöhnlichen und strunzdummen Kriegsfilm, bei dem sich niemals die Frage stellt, ob der Film ein Kriegs- oder ein Antikriegsfilm ist. In „Hacksaw Ridge“ ist Krieg von der ersten bis zur letzten Minute die sinnstiftende, niemals auch nur ansatzweise hinterfragte Schule, die den Mann zum Mann macht. Auch Doss findet den Sinn des Lebens auf dem Schlachtfeld.

Bei dieser Haltung bleibt keine Zeit für Ambivalenzen, theologische Erörterungen, Gewissenskonflikte oder andere Lösungen für Doss‘ Problem, als Gläubiger seinem Land im Krieg dienen zu wollen. Doss hat auch keine Probleme, beim Töten zu helfen. Er will nur keine Waffe in die Hand nehmen und es direkt selbst tun. Er ist ja kein Pazifist.

Das Herzstück des Bonusmaterials auf der DVD (die Blu-ray hat noch mehr Bonusmaterial) ist die 67-minütige sehr informative Doku „The Soul of War: Making Hacksaw Ridge“, die sehr offen auf alle Aspekte des Films eingeht. Außerdem gibt es einige geschnittene Szenen.

Hacksaw Ridge – Die Entscheidung (Hacksaw Ridge, USA/Australien 2016)

Regie: Mel Gibson

Drehbuch: Robert Schenkkan, Andrew Knight

mit Andrew Garfield, Teresa Palmer, Hugo Weawing, Rachel Griffiths, Luke Bracey, Sam Worthington, Vince Vaughan

DVD

Universum Film

Bild: 2,40:1 (16:9 anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: The Soul of War: Making Hacksaw Ridge, Deleted Scenes, 3 Trailer

Länge: 134 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Hacksaw Ridge“

Metacritic über „Hacksaw Ridge“

Rotten Tomatoes über „Hacksaw Ridge“

Wikipedia über „Hacksaw Ridge“ (deutsch, englisch)

History vs Hollywood über „Hacksaw Ridge“

DP/30 unterhält sich mit Mel Gibson über den Film

Peter Travers unterhält sich mit Mel Gibson

Die Dokumentation „The Conscientious Objector“ (2004) von Terry Benedict über Desmond Doss


Neu im Kino/Filmkritik: „Saving Mr. Banks“ und Mary Poppins vor Walt Disney

März 7, 2014

Mary Poppins kennen wir alle. Jedenfalls das Musical aus dem Hause Walt Disney. Auch die Songs, wie „A Spoonful of Sugar“, „Chim Chim Cheree“, „Feed the Birds“, „Let’s go fly a Kite“ und natürlich „Supercalifragilisticexpialidocious“. Aber den Roman von P. L. Travers, der die Vorlage für „Mary Poppins“ war, dürften nur wenige kennen. Er und auch die anderen „Mary Poppins“-Bücher sind derzeit auf Deutsch nicht erhältlich. Und den Kampf zwischen P. L. Travers und Walt Disney, bevor sie die Verfilmungsrechte verkaufte, kennen wir nicht. Denn Valerie Lawsons Buch „Out of the Sky she came: The Life of P. L. Travers“ und Ian Collies TV-Dokumentation „The Shadow of Mary Poppins“, die sich auch mit der Entstehung des Films damit beschäftigten, sind neueren Datums und wurden nicht in Deutschland veröffentlicht. Sie dienten, neben dem Disney-Archiv, als Quellen für „Saving Mr. Banks“, einer ziemlich wahren Dramedy, die zeigt, wie vor den Dreharbeiten Welten aufeinander prallten. Auf der einen Seite war Walt Disney, ein erfolgreicher Produzent, der seinen Kindern versprach, „Mary Poppins“ zu verfilmen und in seinen Filmen für Kinder alles in Rosarot zeichnete. Zwanzig Jahre lang fragte er Travers immer wieder, ob er „Mary Poppins“ verfilmen dürfe. Die steife Engländerin lehnte standhaft ab, bis sie Anfang der sechziger Jahre Geld benötigte.

1961 fliegt sie für einige Tage nach Hollywood. Disney will ihr zeigen, dass er ihren Charakter ernsthaft und feinfühlig behandeln wird. Er sichert ihr sogar zu, dass sie beim Drehbuch das letzte Wort habe. Travers hasst alles an Hollywood: die fröhliche Mentalität, das mit Disney-Plüschtieren vollgestopfte Hotelzimmer, die ständige Dutzerei („Walt, you gotta call me Walt, ya know.“) und das Wetter, das sie an ihre Jugend 1906 in Australien erinnert. Vor allem an ihre grenzenlose Bewunderung für ihren Vater, einen begnadeten Geschichtenerzähler, Hallodri und Alkoholiker. Ihr so urbritisches Kindermädchen Mary Poppins, das die Banks-Kinder erziehen soll, ist nämlich die verklärte Version ihrer eigenen Kindheit, die sie vom heißen Australien in ihr geliebtes London verlegte. Und weil sie ihre Erinnerungen nicht von Hollywood verunstaltet lassen will, ist ihr typisch britisches Verhalten, gepaart mit Zickigkeit und Rechthaberei, für den Drehbuchautor Don DaGradi und die beiden Komponisten Richard und Robert Sherman eine Tortur, von der – auf ihren Wunsch – Tonbänder existieren. Denn egal was sie tun, es ist falsch. Es wurden die falschen Schauspieler ausgewählt, die Lieder der Sherman-Brüder lehnte sie rundheraus ab, Animationen passten auch nicht zu ihrer Mary Poppins, der Familienvater Mr. Banks sollte in einem positiven Licht erscheinen und sie verbat sich auch die Farbe Rot. Dazwischen korrigierte sie penibel die Grammatik und das Versmaß und selbstverständlich lehnte sie Neologismen ab. Schon bei „responstable“ meinte sie, das sei kein Wort. Das war noch bevor sie „ Supercalifragilisticexpialidocious“ sah. Mit ihrem asozialen Verhalten verstörte sie Walt Disney und seine Angestellten.

Nur ihr Fahrer, ein immer gut gelaunter Familienvater, scheint mit ihr auszukommen. Jedenfalls lässt er sich von ihren schnippischen Bemerkungen nicht die Laune verderben.

John Lee Hancock erzählt, nach einem vorzüglichem Drehbuch von Kelly Marcel und Sue Smith, in „Saving Mr. Banks“ kurzweilig und humorvoll die Geschichte dieses Kampfes zwischen zwei Egos (grandios gespielt von Tom Hanks und Emma Thompson) um widerstreitende künstlerische Visionen. Denn selbstverständlich sind die Charaktere auch ein Teil ihres Erfinders, aber die Leser und Zuschauer eignen sie sich wiederum anders an. So gibt es in dem Film P. L. Travers, die ihre Erfindung beschützen will, Walt Disney, der sie der ganzen Welt geben will und einen anderen Blick auf Mary Poppins hat als P. L. Travers. Und es gibt, als Stellvertreter für ihre Fans, Travers‘ Fahrer, für den die Erlebnisse von Mary Poppins eine ganze besondere Bedeutung haben, die nichts mit der ursprünglichen Intention von Travers zu tun haben. Dabei nimmt Hancock sich, vor allem gegen Ende des Films einige Freiheiten. So war P. L. Travers nicht besonders begeistert von der Verfilmung, an der sie, dank einer prozentualen Beteiligung, prächtig verdiente. Und die Erinnerungen an ihre Kindheit sind auch eher kitschig geraten.

Davon abgesehen ist „Saving Mr. Banks“ prächtiges Schauspielerkino, bei dem viele Interna aus den Disney-Studios, die ihnen von Insidern verraten wurden, verwandt wurden. Auch die Ausstattung entspricht anscheinend genau der Originalausstattung, weil die mitproduzierende Walt Disney Company, Zugang zu ihren Archiven gewährte und auch dafür sorgte, dass ein echter Walt-Disney-Film entstand.

Außerdem sieht man danach, mit einem breiten Lächeln, „Mary Poppins“ mit anderen Augen.

Saving Mr Banks - Plakat

Saving Mr. Banks (Saving Mr. Banks, USA/Großbritannien/Australien 2013)

Regie: John Lee Hancock

Drehbuch: Kelly Marcel, Sue Smith

mit Emma Thompson, Tom Hanks, Colin Farrell, Paul Giamatti, Jason Schwartzman, Bradley Whitford, Ruth Wilson, B. J. Novak, Rachel Griffiths, Kathy Baker

Länge: 126 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Saving Mr. Banks“

Moviepilot über „Saving Mr. Banks“

Metacritic über „Saving Mr. Banks“

Rotten Tomatoes über „Saving Mr. Banks“

Wikipedia über „Saving Mr. Banks“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood untersucht „Saving Mr. Banks“

Das Drehbuch „Saving Mr. Banks“ von Kelly Marcel und Sue Smith

Eine Pressekonferenz mit einem vollen Podium

Academy Conversations zum Film, ebenfalls gut besucht

DP/30 unterhält sich mit Regisseur John Lee Hancock

DP/30 unterhält sich mit Drehbuchautor Kelly Marcel

Die BBC-Doku „The Secret Life of Mary Poppins“


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