TV-Tipp für den 25. Januar: Verleugnung

Januar 24, 2020

RBB, 23.30

Verleugnung (Denial, USA/Großbritannien 2016)

Regie: Mick Jackson

Drehbuch: David Hare

LV: Deborah E. Lipstadt: History on Trial: My Day in Court with a Holocaust Denier, 2005

Damit hat die Historikerin Deborah E. Lipstadt nicht gerechnet, als sie in ihrem neuesten Buch den Holocaust-Leugner David Irving scharf angreift. 1996 reicht Irving beim höchsten englischen Zivilgericht eine Verleumdungsklage gegen sie ein. Jetzt muss sie vor Gericht beweisen, dass es den Holocaust wirklich gab.

Eine sehr gute, sehr ehrenwerte und in jeder Sekunde honorige, aber auch etwas bieder geratene Geschichtsstunde.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Rachel Weisz, Timothy Spall, Tom Wilkinson, Andrew Scott, Jack Lowden, Caren Pistorius, Alex Jennings, Harriet Walter

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Verleugnung“

Metacritic über „Verleugnung“

Rotten Tomatoes über „Verleugnung“

Wikipedia über „Verleugnung“ (deutsch, englisch)

Wer gerade Zeit hat: die Dokumentation des Prozesses

Meine Besprechung von Mick Jackson „Verleugnung“ (Denial, USA/Großbritannien 2016)


TV-Tipp für den 13. Januar: The Lobster: Eine unkonventionelle Liebesgeschichte

Januar 13, 2020

Arte, 22.30

The Lobster (The Lobster, Irland/Griechenland/Großbritannien/Frankreich/Niederland 2015)

Regie: Yorgos Lanthimos

Drehbuch: Yorgos Lanthimos, Efthymis Filippou (als Efthimis Filippou)

45 Tage hat David Zeit, um in einem Paarungshotel seine künftige Frau zu finden. Wenn nicht, wird er in einen Hummer verwandelt. Als er kein Glück hat, flieht er und trifft im Wald auf eine Gruppe radikaler Einzelgänger, die mindestens genauso streng-absurde Regeln befolgen.

Köstliche Satire, die in Cannes den Preis der Jury erhielt.

mit Colin Farrell, Rachel Weisz, John C. Reilly, Léa Seydoux, Ben Whishaw, Olivia Colman, Jessica Barden

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Lobster“

Wikipedia über „The Lobster“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Yorgos Lanthimos‘ „The Killing of a sacred Deer (The Killing of a sacred Deer, Großbritannien/Irland 2017)

Meine Besprechung von Yorgos Lanthimos‘ „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ (The Favourite, USA 2018)


TV-Tipp für den 10. September: Verleugnung

September 9, 2019

ARD, 22.45

Verleugnung (Denial, USA/Großbritannien 2016)

Regie: Mick Jackson

Drehbuch: David Hare

LV: Deborah E. Lipstadt: History on Trial: My Day in Court with a Holocaust Denier, 2005

Damit hat die Historikerin Deborah E. Lipstadt nicht gerechnet, als sie in ihrem neuesten Buch den Holocaust-Leugner David Irving scharf angreift. 1996 reicht Irving beim höchsten englischen Zivilgericht eine Verleumdungsklage gegen sie ein. Jetzt muss sie vor Gericht beweisen, dass es den Holocaust wirklich gab.

Eine sehr gute, sehr ehrenwerte und in jeder Sekunde honorige, aber auch etwas bieder geratene Geschichtsstunde.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung der heutigen TV-Premiere, die einen besseren Sendeplatz verdient hat.

mit Rachel Weisz, Timothy Spall, Tom Wilkinson, Andrew Scott, Jack Lowden, Caren Pistorius, Alex Jennings, Harriet Walter

Wiederholung: Mittwoch, 11. September, 02.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Verleugnung“

Metacritic über „Verleugnung“

Rotten Tomatoes über „Verleugnung“

Wikipedia über „Verleugnung“ (deutsch, englisch)

Wer gerade Zeit hat: die Dokumentation des Prozesses

Meine Besprechung von Mick Jackson „Verleugnung“ (Denial, USA/Großbritannien 2016)


TV-Tipp für den 16. März: Confidence – Coup in L. A.

März 15, 2019

One, 21.45

Confidence – Coup in L. A. (Confidence, USA/Kanada/Deutschland 2003)

Regie: James Foley

Drehbuch: Doug Jung

Weil Profidieb Jake zufällig einen Mafiosi beklaut hat, bietet er ihm bei seinem nächsten Trickbetrug einen Teil der Beute an. Nur: wer kann hier wem trauen und wer betrügt wen?

Gelungener Neo-Noir-Gangsterkrimi mit einer prächtig gelaunten Starbesetzung, die sich gegenseitig übers Ohr haut.

„mehr David Mamet als Ocean’s Eleven“ (Gerald Jung, Zitty 2/2004)

mit Edward Burns, Rachel Weisz, Andy Garcia, Dustin Hoffman, Paul Giamatti, Donal Logue, Luis Guzmán, John Carroll Lynch, Morris Chestnut, Robert Forster

Wiederholung: Montag, 18. März, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Confidence“

Wikipedia über „Confidence“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 6. Februar: The Lobster

Februar 6, 2019

3sat, 22.25

The Lobster (The Lobster, Irland/Griechenland/Großbritannien/Frankreich/Niederland 2015)

Regie: Yorgos Lanthimos

Drehbuch: Yorgos Lanthimos, Efthymis Filippou (als Efthimis Filippou)

45 Tage hat David Zeit, um in einem Paarungshotel seine künftige Frau zu finden. Wenn nicht, wird er in einen Hummer verwandelt. Als er kein Glück hat, flieht er und trifft im Wald auf eine Gruppe radikaler Einzelgänger, die mindestens genauso streng-absurde Regeln befolgen.

Köstliche Satire, die in Cannes den Preis der Jury erhielt.

mit Colin Farrell, Rachel Weisz, John C. Reilly, Léa Seydoux, Ben Whishaw, Olivia Colman, Jessica Barden

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Lobster“

Wikipedia über „The Lobster“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Yorgos Lanthimos‘ „The Killing of a sacred Deer (The Killing of a sacred Deer, Großbritannien/Irland 2017)

Meine Besprechung von Yorgos Lanthimos‘ „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ (The Favourite, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: Neid und Missgunst in königlichen Gemächer: „Maria Stuart, Königin von Schottland“ und „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ bei Königin Anne

Januar 24, 2019

Für die Fans des britischen Königshauses, die es gerne mit der rosaroten Brille haben, dürften beide Filme nichts sein. Einmal wird Maria Stuart durch die feministische Brille neu betrachtet, einmal gibt es Neid und Missgunst am Hofe von Königin Anne und die Männer stehen, hübsch geschminkt und kostümiert, am Spielfeldrand. Yorgos Lanthimos‘ „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ ist eine grandiose, tiefschwarze Komödie. Josie Bourkes „Maria Stuart, Königin von Schottland“ wirkt dagegen wie ein Lore-Roman.

Als Achtzehnjährige kehrt Maria Stuart (Saoirse Ronan) 1561 als Witwe aus Frankreich nach Schottland zurück. Sie präsentiert sich als freigeistige Herrscherin. Anstatt ihrem Volk die Religion vorzugeben, dürfen sie Protestanten bleiben, während sie Katholikin ist. Für sie ist Schottland nur eine Station auf dem Weg nach London. Denn sie ist, nach der Erbfolge, die rechtmäßige Herrscherin des englischen Königreichs. Ein Anspruch, der während des gesamten Films nie ernsthaft bestritten wird.

Trotzdem will Königin Elizabeth I (Margot Robbie) die Krone nicht abgeben.

Während in den kitschigen Adelsschmonzetten die Liebe im Mittelpunkt steht, geht es in „Maria Stuart, Königin von Schottland“ um die weltliche Macht. Heirat ist dabei nur ein Arrangement, um einen Thronnachfolger zu zeugen. Dafür braucht Maria Stuart einen Mann (den sie als Friedensangebot gegenüber Königin Elizabeth heiratet) und seinen Samen. Dass er homosexuell ist, ist ihr egal. Sowieso geht es an ihrem Hof in jeder Beziehung sehr leger zu.

Das sind in einem Kostümdrama schon einige neue Töne. Aber Theaterregisseurin Josie Rourke gelingt es in ihrem Filmdebüt nicht, daraus mehr als eine längliches Drama zu machen. Der Konflikt zwischen Maria Stuart und Königin Elizabeth stagniert, die Intrigen zwischen weltlicher und geistlicher Macht (bzw. Mächten) und die Heiratspolitik interessiert höchstens Historiker, die diesen Historienstreifen zum Anlass genommen haben, über die richtige Interpretation von Maria Stuart zu streiten. Die können sicher auch sofort erklären, ob der Hofstaat von Mary Stuart wirklich ethisch so divers wie im Film war.

The Favourite“ ist dagegen grandioses Schauspielerkino, das den Königshof als einziges Intrigantenstadl zeichnet und fröhlich die historische Korrektheit ignoriert. Im Gegensatz zu anderen Filmen, in denen ständig die historische Genauigkeit betont und dann von Fachleuten bestritten wird, werden die Macher von „The Favourite“ nicht müde zu betonen, dass sie sich viele Freiheiten erlaubten. Dem Film schadete es nicht. Es ist ein sehr zeitgenössisches Werk, in dem zwei Frauen um ihre Stelle bei der Königin kämpfen.

Königin Anne (Olivia Colman, grandios!!!) ist die Herrscherin des Königreichs, als es zum Königreich Großbritannien wird und zur Weltmacht aufsteigt. Sie ist kränklich, hat schwere Gicht und ist übergewichtig. Trotz 17 Geburten zeugt sie keinen Thronfolger. Sie war die letzte Regentin aus dem Hause Stuart.

Sie gilt als schwach und manipulierbar. Ihre Cousine und Vertraute Lady Sarah Churchill, Herzogin von Marlborough (Rachel Weisz), übernimmt dagegen die Regierungsgeschäfte.

Ungefähr um 1700 taucht Abigail Masham (Emma Stone) am königlichen Hof auf. Also genaugenommen wird sie mit einem Tritt aus der Kutsche in den Matsch vor dem Palast gestoßen. Schon in dem Moment ist klar, dass Lanthimos Film kein Heile-Welt-Film wird. Mit Abigail ändert sich das Machtgefüge am Hof. Zunächst muss die arme Verwandte der Königin als Magd den Küchenboden schrubben. Doch schnell schleimt sie sich bei der Königin ein.

Lanthinos („The Lobster“, „The Killing of a sacred Deer“) inszeniert einen herrlich dekadenten Zickenkrieg, in dem immer wieder unklar ist, wer hier gerade wen manipuliert und drei Schauspielerinnen brillieren dürfen.

In den vergangenen Wochen wurde der Film zu recht mit Lob, Nominierungen und Preisen überschüttet. Der aktueller Höhepunkt sind die zehn Oscar-Nominierungen in den Kategorien „Bester Film“ (Ceci Dempsey, Ed Guiney, Yorgos Lanthimos, Lee Magiday), „Beste Regie“ (Yorgos Lanthimos), „Bestes Originaldrehbuch“ (Deborah Davis, Tony McNamara), „Beste Hauptdarstellerin“ (Olivia Colman), „Beste Nebendarstellerin“ (Emma Stone), „Beste Nebendarstellerin“ (
Rachel Weisz), „Beste Kamera“ (Robbie Ryan), „Bester Schnitt“ (Yorgos Mavropsaridis), „Bestes Szenenbild“ (Fiona Crombie, Alice Felton) und „Bestes Kostümdesign“ (Sandy Powell).

The Favourite“ ist ein früher Höhepunkt des diesjährigen Kinojahrs.

Maria Stuart, Königin von Schottland (Mary, Queen of Scots, Großbritannien 2018)

Regie: Josie Rourke

Drehbuch: Beau Willimon

LV: John Guy: Queen of Scots: The True Life of Mary Stuart, 2004

mit Saoirse Ronan, Margot Robbie, Jack Lowden, Joe Alwyn, David Tennant, Guy Pierce, Gemma Chan, Martin Compston, Ismael Cruz Cordova, Brendan Coyle, Ian Hart, Adrian Lester

Länge: 125 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

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Moviepilot über „Maria Stuart, Königin von Schottland“

Metacritic über „Maria Stuart, Königin von Schottland“

Rotten Tomatoes über „Maria Stuart, Königin von Schottland“

Wikipedia über „Maria Stuart, Königin von Schottland“ (deutsch, englisch)

The Favourite – Intrigen und Irrsinn (The Favourite, USA 2018)

Regie: Yorgos Lanthimos

Drehbuch: Deborah Davis, Tony McNamara

mit Olivia Colman, Emma Stone, 
Rachel Weisz, Nicholas Hoult, Joe Alwyn, Mark Gattis, James Smith

Länge: 120 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Moviepilot über „The Favourite“

Metacritic über „The Favourite“

Rotten Tomatoes über „The Favourite“

Wikipedia über „The Favourite“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Yorgos Lanthimos‘ „The Killing of a sacred Deer (The Killing of a sacred Deer, Großbritannien/Irland 2017)

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Vor uns das Meer“ – die Geschichte des Einhandseglers Donald Crowhurst

April 1, 2018

Für alle, die die wahre Geschichte von Donald Crowhurst und seiner in der englischen Küstenstadt Teignmouth begonnenen Weltumseglung nicht kennen und jetzt nicht den Wikipedia-Artikel durchlesen wollen: diese Filmkritik enthält Spoiler.

 

Am 31. Oktober 1968 begibt sich der 1932 geborene Donald Crowhurst, ein glücklich verheirateter Vater, Wochenendsegler und Erfinder, auf eine Weltumseglung. Er hofft auf das von der Sunday Times ausgelobte Preisgeld für die erste Nonstop-Weltumseglung eines Einhandseglers.

Später kommt heraus, dass seine nach England gesendeten Erfolgsberichte über seine Reise gefälscht waren. Er hatte es noch nicht einmal bis zum Kap Horn geschafft.

Aus dieser wahren Geschichte eines Betrugs könnte man eine Komödie über einen Schlawiner, der alle an der Nase herumführt, oder eine bittere Anklage gegen eine kapitalistische Gesellschaft, die einen Idealisten in den Ruin treibt oder das Überlebensabenteuer eines Mannes auf hoher See machen. James Marsh geht, nach einem Drehbuch von Scott Z. Burns (u. a. die Steven-Soderbergh-Filme „Der Informant!“, „Contagion“ und „Side Effects“), in „Vor uns das Meer“ einen anderen Weg.

Crowhurst, ein verheirateter Mann mit drei Kindern und eher erfolgloser Unternehmer, ist von der Seefahrt fasziniert. Jedes Wochenende schippert er ein wenig herum. Segler, wie Francis Chichester, der als erster Einhandsegler die Welt umrundete, sind seine Helden. Als die Sunday Times den mit 5000 Britischen Pfund dotierten Preis für die erste nonstop Einhandweltumseglung auslobt, will er an dem Golden Globe Race teilnehmen. Warum er sich auf diese gefährliche Reise begeben will, wird im Film nie so richtig deutlich. Es ist letztendlich eine Mischung aus Abenteuerlust, einer Midlife-Crisis, der Hoffnung auf das Preisgeld und den späteren Einnahmen durch Werbeverträge und Vorträge, die ihn finanziell sanieren würden. Es ist auch eine Werbemaßnahme für seine Firma Electron Utilisation und seine Erfindungen, und der Wunsch, endlich einmal ein gefeierter Held zu sein.

Schon vor der Fahrt verschuldet er sich allerdings immer mehr. Als Sicherheit bietet er sein Haus und seine Firma an. Er lässt in kürzester Zeit ein vollkommen neues Boot, ein Trimaran, bauen. Am letzten Tag des von der Sunday Times vorgegebenen Zeitfensters für die Teilnahme an dem Wettbewerb startet er am 31. Oktober 1968 in Teignmouth in einem Boot, das in keinster Weise hochseetauglich ist. Es sieht aus, als habe vorher eine Gruppe Jugendlicher eine Party gefeiert. In dem Moment, der im Film ungefähr in der Mitte ist, hätte Crowhurst seine Fahrt mit der Teignmouth Electron abbrechen müssen. Er tat es nicht. Ein Abbruch in dem Moment hätte für ihn den sicheren Ruin bedeutet hätte. Also startet er allein die Weltumseglung, die im Film immer wieder von Szenen aus England über die Nöte seiner Frau Clare und den einsetzenden, von seinem PR-Berater Rodney Hallworth befeuerten Presserummel, unterbrochen wird.

Vor uns das Meer“ basiert auf einer wahren Geschichte, die wahrscheinlich nur Seebären und Briten kennen und die – unbestritten und auch ohne all die Hintergründe, die in mehreren Bücher und Filmen verarbeitet wurden, zu kennen – das Potential für einen spannenden Film hat. Marshs Film ist es nicht.

Er spricht vieles an, vertieft aber nichts und er kann sich nicht entscheiden, welche Geschichte er erzählen will. Am Ende ist „Vor uns das Meer“ die schlecht endende Geschichte einer selbstbetrügerischen Selbstüberschätzung, die im Wahnsinn und Tod, möglicherweise Suizid, endet. Am 10. Juli 1969 entdeckt ein britisches Postschiff 1800 Meilen von England entfernt im Atlantik die Teignmouth Electron. Von Donald Crowhurst fehlt jede Spur. Er gilt seitdem als tot.

Bei dem vor und hinter der Kamera versammelten Talent hätte ich mehr erwartet als eine brave, niemals packende und an den entscheidenden Punkten oberflächliche Chronik der Ereignisse.

Vor uns das Meer (The Mercy, Großbritannien 2017)

Regie: James Marsh

Drehbuch: Scott Z. Burns

mit Colin Firth, Rachel Weisz, David Thewlis, Ken Stott, Jonathan Bailey, Adrian Schiller, Oliver Maltman, Kit Connor, Eleanor Stagg, Andrew Buchan, Geoff Bladon

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

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Moviepilot über „Vor uns das Meer“

Metacritic über „Vor uns das Meer“

Rotten Tomatoes über „Vor uns das Meer“

Wikipedia über „Vor uns das Meer“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von James Marshs David-Peace-Verfilmung „1980“ (Red Riding: In the Year of Our Lord 1980, Großbritannien 2009)

Meine Besprechung von James Marshs „Shadow Dancer“ (Shadow Dancer, Großbritannien/Irland/Frankreich 2012)


Geboxt: Die Spielfilme des Herrn Sorrentino

November 28, 2017

Il Divo“, „Cheyenne“, „La grande Bellezza“ und „Ewige Jugend“ – vier von der Kritik hochgelobte Filme, die auch bei uns im Kino liefen und Paolo Sorrentino weltbekannt machten. So erhielt „Ewige Jugend“ den Europäischen Filmpreis in den Kategorien Bester Film, Regie und Schauspieler (Michael Caine). „La grande Bellezza“ erhielt den Oscar als bester fremdsprachiger Film. „Cheyenne“ erhielt in Cannes den Preis der ökumenischen Jury. Und „Il Divo“ erhielt in Cannes den Preis der Jury. Um nur einige der zahlreichen Preise zu nennen, die diese vier Filme erhielten, die jetzt als „Paolo Sorrentino – Director’s Collection“ erschienenen.

Bei den Filmen fällt auf, wie sehr sie sich, trotz vollkommen verschiedener Geschichten und Genres, ähneln. Alle vier Filme sind geprägt von einem zutiefst melancholischen Blick auf das Leben. Alle Protagonisten verkörpern eine große Ennui, die sich auch durch den gesamten Film zieht. Sie haben schon alles gesehen. Sie wollen nichts mehr erreichen. Sie sind von ihrem Leben und den Menschen gelangweilt. Sie sind milde desinteressiert am Leben. Immer wieder flanieren sie ziellos durch die Stadt. Sie sind, auch wenn sie noch jung sind, alte Männer, die in einer Welt leben, die nur noch für Abgesänge taugt.

Mit „Il Divo“ wurde der 1970 in Neapel geborene Paolo Sorrentino international bekannt. In diesem satirischen Mix aus Polit-Thriller und Biopic porträtiert er den „Democrazia Cristiana“-Politiker Giulio Andreotti (1919 – 2013). Er war zwischen 1947 und 1992 an 33 Regierungen beteiligt, davon sieben Mal als Ministerpräsident. 1992 wurde er zum Senator auf Lebenszeit ernannt. Er wurde immer wieder beschuldigt, Verbindungen zur Mafia zu haben.

In dem vor allem in den frühen Neunziger spielenden Film ist Andreotti bereits ein alter Mann, der keine Miene verzieht und der sich durch ein Panoptikum ebenso versteinerter Gestalten bewegt. Formal knüpft „Il Divo“ sehr gekonnt an die Tradition des italienischen Polit-Thrillers an. Vor allem den Filmen von Francesco Rosi. Beide scheuen sich nicht, den Zuschauer in jeder Beziehungen zu fordern und das italienische politische System bis in seine feinsten Verästelungen zu analysieren.

Cheyenne – This must be the Place“ ist Sorrentinos Ausflug in die USA. Im Mittelpunkt steht der sich im finanziell gut gepolsterten Ruhestand befindende Gothic-Sänger Cheyenne, den anscheinend nichts aus seiner Lethargie reißen kann. Und das will schon etwas heißen bei einem Musikstil, in dem schon pubertierende Musiker eine Weltmüdigkeit und Todessehnsucht verkörpern, die auch Hundertjährige kaum erreichen. Durch die Nachricht vom nahenden Tod seines Vaters, den er seit Ewigkeiten nicht gesehen hat, wird er aus seiner Lethargie gerissen. Er reist zurück in die USA und beginnt nach der Beerdigung seines Vaters einen Roadtrip durch das Land. Er sucht den Mann, der seinen Vater im KZ folterte.

Mit „La grande Bellezza“ kehrt Sorrentino zurück nach Rom. Er porträtiert den von seinem Leben zu Tode gelangweilten Klatschkolumnisten Jep Gambardella, der seinen 65. Geburtstag feiert und sich fragt, was er aus seinem Leben gemacht hat.

In der Box erscheint der Film auf DVD (bzw. Blu-ray) in der nur hier erhältlichen dreißig Minuten längeren166-minütigen „Extended Version“ mit „neuen Szenen, Figuren, Orten und neuem Schnitt“ (Covertext). Sorrentino meint zur neuen Fassung: „Bei meiner ersten Fassung war es noch notwendig, Kompromisse einzugehen und einige Szenen zu opfern. Diese erweiterte Version liefert den Film nun aber in seiner ursprünglichen Gesamtheit, so dass alle Figuren voll zur Geltung kommen.“

Vor allem badet diese Version noch länger in Jep Gambardellas Ennui, den anscheinend nichts mehr begeistern kann, weil er schon alles gesehen hat und das rauschhafte Leben der High Society nur eine Flucht vor der eigenen Bedeutungslosigkeit ist. Die meisten Änderungen sind – wenn ich mich noch richtig an die fabelhafte Kinoversion erinnere – Verlängerungen von Szenen und eine nächtliche Begegnung von Gambardella mit Fanny Ardant, die sich selbst spielt. Das ist schön anzusehen und überzeugt auch in der längeren Fassung, aber im Gegensatz zu Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now Redux“ sind die Veränderungen nicht so gravierend und auffällig, dass man ad hoc, eindeutig eine Fassung gegenüber der anderen bevorzugt.

Diese überbordende Liebeserklärung an Rom und Federico Fellinis Werk dürfte Sorrentinos populärster Film sein.

In seinem letzten, mal wieder top besetztem Spielfilm „Ewige Jugend“ sind die Protagonisten, deren besten Jahre schon einige Jahrzehnte zurückliegen, nicht mehr vom Leben gelangweilt. Sie verbringen den Sommer in der Schweiz in einem edlen Wellness-Tempel. Sie genießen die Ereignislosigkeit. Wobei gerade der Komponist Fred Ballinger und sein Freund, der Drehbuchautor Mick Boyle wehmütig auf ihre früheren Jahre zurückblicken und milde desinteressiert die anderen Hotelgäste beobachten und sich auch manchmal mit ihnen unterhalten. Ab und an wird Ballinger, – weil es doch nicht vollkommen ohne Story geht -, von einem Gesandten der Queen gefragt wird, ob er sein bekanntestes Stück für eine Feier dirigieren möchte. Ballinger lehnt diese Unterbrechung seines Ruhestandes zunächst ab.

In „Ewige Jugend“ gibt es noch nicht einmal die Scheinaktivitäten von Sorrentinos früheren Filmen. Handlungstechnisch passiert nichts. Visuell passiert nichts. Das hat, gerade wegen der Altersweisheit der Charaktere, durchaus seinen Reiz. Wenn man für gepflegte Langeweile und Schönheit empfänglich ist.

Die jetzt von DCM veröffentlichte 4-DVD/Blue-ray-Box enthält die Filme von Sorrentino, die bei uns im Kino liefen. Seine vor „Il Divo“ inszenierten Filme wurden bislang offiziell in Deutschland noch nicht gezeigt. Insgesamt ist die Box eine gelungene Werkschau und ein tolles Weihnachtsgeschenk für Filmfans.

Hinweis für Berliner und Berlin-Besucher: Im Rahmen einer „Hommage an Toni Servillo“ wird der Director’s Cut von „La grande Bellezza – Die große Schönheit“ am Mittwoch, den 20. Dezember, um 20.00 Uhr im Lichtblick Kino, am Freitag, den 22. Dezember, um 17.30 Uhr im Bundesplatz Kino und am Sonntag, den 24. Dezember, um 16.00 Uhr im Il Kino als OmU gezeigt.

Paolo Sorrentino – Director’s Collection

DCM

Bild: 2,35:1 (16:9 anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch, Italienisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interviews mit Paolo Sorrentino, Interviews mit Cast & Crew, Making-of, Trailer

Länge: 513 Minuten (4 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Blu-ray identisch)

enthält

Il Divo – Der Göttliche (Il Divo, Italien/Frankreich 2008)

Regie: Paolo Sorrentino

Drehbuch: Paolo Sorrentino

mit Toni Servillo, Anna Bonaiuto, Piera Degli Espositi, Paolo Graziosi, Giulio Bosetti, Flavio Bucci

Cheyenne – This must be the Place (This must be the Place, Italien/Frankreich/Irland 2011)

Regie: Paolo Sorrentino

Drehbuch: Umberto Contarello, Paolo Sorrentino

mit Sean Penn, Frances McDormand, Judd Hirsch, Eve Hewson, Harry Dean Stanton, David Byrne, Kerry Condon, Joyce van Patten, Heinz Lieven

La grande Bellezza – Die große Schönheit (La grande Bellezza, Italien/Frankreich 2013)

Regie: Paolo Sorrentino

Drehbuch: Paolo Sorrentino, Umberto Contarello

mit Toni Servillo, Carlo Verdone, Sabrina Ferilli, Carlo Buccirosso, Iaia Forte, Pamela Villoresi, Fanny Ardant

Ewige Jugend (Youth, Italien/Frankreich/Schweiz/Großbritannien 2015)

Regie: Paolo Sorrentino

Drehbuch: Paolo Sorrentino

mit Michael Caine, Harvey Keitel, Rachel Weisz, Paul Dano, Jane Fonda, Mark Kozelek, Robert Seethaler, Alex Macqueen

Hinweise

Rotten Tomatoes über Paolo Sorrentino

Wikipedia über Paolo Sorrentino (deutsch, englisch, italienisch)

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „Cheyenne – This must be the Place“ (This must be the Place, Italien/Frankreich/Irland 2011)

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „La grande Bellezza – Die große Schönheit“ (La grande Bellezza, Italien/Frankreich 2013)


TV-Tipp für den 23. September: Confidence – Coup in L. A.

September 23, 2017

One, 21.35

Confidence – Coup in L. A. (USA/Kanada/Deutschland 2003, Regie: James Foley)

Drehbuch: Doug Jung

Weil Profidieb Jake zufällig einen Mafiosi beklaut hat, bietet er ihm bei seinem nächsten Trickbetrug Teil der Beute an. Nur: wer kann hier wem trauen und wer betrügt wen?

Gelungener Neo-Noir-Gangsterkrimi.

mehr David Mamet als Ocean’s Eleven“ (Gerald Jung, Zitty 2/2004)

mit Edward Burns, Rachel Weisz, Andy Garcia, Dustin Hoffman, Paul Giamatti, Donal Logue, Luis Guzmán, John Carroll Lynch, Morris Chestnut

Wiederholung: Montag, 25. September, 03.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Confidence“

Wikipedia über „Confidence“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Rachel Weisz ist „Meine Cousine Rachel“

September 10, 2017

Daphne du Mauriers 1951 erschienener, bereits zweimal verfilmter Roman „Meine Cousine Rachel“ spielt irgendwann im 19. Jahrhundert, als Briefe langsam befördert wurden und eine Reise von England nach Italien drei Wochen dauerte. Im Film spielt die Geschichte dann in den späten 1830er Jahren.

Nach einigen kryptischen Briefen, in denen Ambrose Ashley von einem Mordkomplott gegen ihn schreibt, macht sich der 24-jährige Philip Ashley auf den Weg nach Florenz. Aber er kommt zu spät an. Ambrose, der für ihn wie ein Vater und älterer Bruder ist, ist bereits tot und seine Frau, die titelgebende Cousine Rachel, ist verschwunden. Sie war Ambroses späte und plötzliche Liebe. Bis dahin war er ein überzeugter Junggeselle.

Philip reist zurück nach Cornwall und betreibt Ambroses Hof weiter. Gegenüber Rachel, die er für Ambroses Mörderin hält, kennt er nur ein Gefühl: Hass. Am liebsten würde er sie töten. Aber er hat keine Ahnung, wo sie ist und wie er sie finden kann.

Da taucht sie in Cornwall auf und er verliebt sich auf den ersten Blick in die schöne Unbekannte. Aber kann er ihr trauen oder belügt sie ihn? Und sollte er nicht besser die patente Nachbarstochter Louise, die er seit Ewigkeiten kennt und wie einen Freund behandelt, heiraten? Immerhin wäre ihr Vater Nick Kendall damit einverstanden. Er ist Philips Patenonkel und, qua Testament, durch Ambroses Tod Philips Vormund bis zu seinem 25. Geburtstag. Dann gehört ihm das große Landgut mit seinen Ländereien.

Notting Hill“-Regisseur Roger Michell inszenierte nach seinem Drehbuch (sein erstes) eine biedere Romanverfilmung, die sich vor allem an Schnulzenfans richtet, die bei ihrem Romantic Thrill gerne ein gewisses Niveau haben wollen. So ist an den Schauspielern, der Ausstattung und der Inszenierung nichts auszusetzen. Gediegenes Handwerk eben. Das Drehbuch und die Regie belassen es bei einer bloßen Bebilderung des Romans. Jede Gelegenheit, dem schon fast siebzig Jahre altem Roman und der noch weiter in der Vergangenheit spielenden Geschichte, eine irgendwie moderne Lesart zu verpassen, wird ignoriert. Dabei hätten gerade der von Ambrose und Philip, den er nach dem Tod seiner Eltern als Sohn adoptierte, geführte Männerhaushalt, Philips Beziehung zu der deutlich älteren Rachel, die mühelos seine Mutter sein könnte, und die mehr oder weniger inzestuösen Beziehungen zwischen Philip, Ambrose und Rachel, die als Cousinen und Cousins alle eng miteinander verwandt sind, die Möglichkeit für eine Neuinterpretation der Geschichte geboten. Eine solche Interpretation hätte die Geschichte auch in ungeahnte psychologische Tiefen führen können.

Jetzt sind alle Figuren recht eindimensional geraten und die Geschichte ist, wie es sich für einen Romantic Thriller gehört, arg vorhersehbar. Je mehr der naive Philip sich in Rachel verliebt und, ab und an, an ihren lauteren Absichten zweifelt, umso deutlicher wird, dass „Meine Cousine Rachel“ im Kern „Rebecca“ mit vertauschten Rollen ist.

Die brave, arg längliche Romanverfilmung hat immerhin einige, von Roger Michell wahrscheinlich nicht intendierte Lacher. Das gilt vor allem für die erste Begegnung zwischen Philip und Rachel und, später, einer Erklärung zur Herkunft von Anwalt Rainaldi, zu dem Rachel eine besondere Beziehung hat.

Im Roman wird die Frage, ob Rachel ihren Ehemann ermordete, schon auf der fünften Seite beantwortet. Im Film erfolgt die viel Spannung nehmende Antwort ebenfalls in den ersten Minuten. Aber gestandene Kinogänger können da immer noch einen Final Twist erhoffen. Er kommt nicht, weil Roger Michell möchte, dass die Zuschauer nachher darüber reden. Wenn man sich dann noch für dieses Rätsel interessiert.

Meine Cousine Rachel (My Cousin Rachel, USA/Großbritannien 2017)

Regie: Roger Michell

Drehbuch. Roger Michell

LV: Daphne du Maurier: My Cousin Rachel, 1951 (Meine Cousine Rachel)

mit Rachel Weisz, Sam Claflin, Holliday Grainger, Iain Glen, Simon Russell Beale, Vicki Pepperdine, Tim Barlow, Bobby Scott Freeman, Pierfrancesco Favino

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Die Vorlage

Daphne du Maurier: Meine Cousine Rachel

(neue, vollständige Übersetzung von Brigitte Heinrich und Christel Dormagen)

Insel Taschenbuch, 2017

416 Seiten

12 Euro

Originalausgabe

My Cousin Rachel

Victor Gollancz Ltd., London, 1951

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Meine Cousine Rachel“

Metacritic über „Meine Cousine Rachel“

Rotten Tomatoes über „Meine Cousine Rachel“

Wikipedia über „Meine Cousine Rachel“

Meine Besprechung von Roger Michells „Morning Glory“ (Morning Glory, USA 2010)

Meine Besprechung von Daphne du Mauriers “Der Apfelbaum” (The Appletree, 1952)


Neu im Kino/Filmkritik: „Verleugnung“ – Als Holocaust-Leugner David Irving dagegen klagte, ein Holocaust-Leugner genannt zu werden

April 15, 2017

Damit hat Deborah E. Lipstadt, heute Dorot Professorin für Moderne Jüdische Zeitgeschichte und Holocaust-Studien an der Emory Universität in Atlanta, nicht gerechnet, als sie 1993 in ihrem neuesten Buch „ Denying the Holocaust“ (Betrifft: Leugnen des Holocaust) David Irving als Holocaust-Leugner scharf angriff. Schon damals war Irving, dessen erste Werke in den sechziger Jahren durchaus positiv aufgenommen wurden, höflich formuliert, umstritten. Seit den achtziger Jahren suchte er sein Publikum hauptsächlich in geschichtsrevisionistischen bis rechtsextremen Kreisen. Von 1993 bis 2013 bestand in Deutschland für Irving ein Einreiseverbot.

Nachdem Lipstads „Denying the Holocaust“ in England erschien, reichte er am 5. September 1996 am High Court of Justice, dem höchsten englischen Zivilgericht, eine Verleumdungsklage gegen sie und ihren britischen Verlag Penguin Books ein. Und weil im englischen Recht die angeklagte Partei beweisen muss, dass ihre Behauptung stimmt, müssen jetzt Lipstadt und ihre Verteidiger beweisen, dass Irvings Klage haltlos ist. Also dass es den Holocaust wirklich gab und dass sie den Holocaustleugner Irving nicht verleumdete.

Der Prozess war, an 32 Verhandlungstagen, zwischen dem 11. Januar und dem 11. April 2000 und, ich verrate jetzt hier wirklich kein großes Geheimnis, er endete mit einem grandiosen Freispruch für Lipstadt und ihren Verlag.

In seiner 333-seitigen Urteilsbegründung stellte Richter Charles Gray unter anderem über Irving fest: „Er ist ein rechtsextremer Pro-Nazi, Polemiker, Antisemit und Rassist, der sich mit Rechtsextremisten zusammentut, um den Neonazismus zu fördern.“

2002, nachdem eine Revision des Urteils abgewiesen wurde und Irving die Gerichtskosten hätte tragen müssen, meldete er Konkurs an. Als Sachbuchautor war er nach diesem Urteil ebenfalls ruiniert.

In seinem Film „Verleugnung“ zeichnet Mick Jackson („Bodyguard“), nach einem Drehbuch des renommierten Dramatikers David Hare, die Geschichte von Irvings Klage gegen Lipstadt bis zur Urteilsverkündung als spannendes Justizdrama nach, das sich auf seine wahre Geschichte,die in ihr wohnende Spannung und Dramatik, das pointierte Drehbuch und die grandiosen Schauspieler verlässt. Rachel Weisz spielt Lipstadt, die plötzlich in einem ihr in jeder Beziehung fremden Gerichtsverfahren gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse und ihre wissenschaftlich fundierten Meinungen verteidigen lassen muss. Denn es gehört zur Verteidigungsstrategie, sie und Holocaust-Opfer nicht in den Zeugenstand zu rufen. Tom Wilkinson und Andrew Scott ihre beiden schlauen Hauptverteidiger. Und Timothy Spall spielt David Irving, den Bösewicht des Films. Bei diesen schauspielerischen Hochkarätern muss Mick Jackson nur noch die Kamera aufstellen und sie beobachten.

Der so entstandene Film ist dann eine sehr gute, sehr ehrenwerte und in jeder Sekunde honorige, aber auch etwas bieder geratene Geschichtsstunde. Auch bei dem Besuch von Lipstadt mit ihren Verteidigern in Auschwitz-Birkenau behält Jackson eine wohltuende Distanz, die auf platte Dramatisierungen oder Visualisierungen verzichtet. Im Film wird nur das gezeigt, was jeder Besucher der Gedenkstätte bei seinem Besuch sehen kann.

Verleugnung“ ist ein guter und wichtiger Film, der hoffentlich nicht nur von den Menschen gesehen wird, die sowieso schon überzeugt sind. Denn er ist genau diese Art Film.

Verleugnung (Denial, USA/Großbritannien 2016)

Regie: Mick Jackson

Drehbuch: David Hare

LV: Deborah E. Lipstadt: History on Trial: My Day in Court with a Holocaust Denier, 2005

mit Rachel Weisz, Timothy Spall, Tom Wilkinson, Andrew Scott, Jack Lowden, Caren Pistorius, Alex Jennings, Harriet Walter

Länge: 111 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Verleugnung“

Metacritic über „Verleugnung“

Rotten Tomatoes über „Verleugnung“

Wikipedia über „Verleugnung“ (deutsch, englisch)

Wer gerade Zeit hat: die Dokumentation des Prozesses


TV-Tipp für den 23. Oktober: Der ewige Gärtner

Oktober 23, 2016

Arte, 20.15

Der ewige Gärtner (GB/D 2005, Regie: Fernando Meirelles)

Drehbuch: Jeffrey Caine

LV: John le Carré: The constant gardener, 2001 (Der ewige Gärtner)

Der in Kenia lebende Diplomat Justin Quayle will herausfinden, wer seine politisch aktive Frau Tessa umbrachte.

Gute le-Carré-Verfilmung, die auch dem Autor gefällt.

Mit Falph Fiennes, Rachel Weisz, Danny Huston, Peter Postlethwaite, Anneke Kim Sarnau

Wiederholung: Mittwoch, 26. Oktober, 13.45 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der ewige Gärtner“

Wikipedia über „Der ewige Gärtner“ (deutsch, englisch)

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

John le Carré in der Kriminalakte

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der gesamten Miniserie

Bonushinweis

le Carre - Der Taubentunnel - 4

Am 9. September erschien „Der Taubentunnel“, die Memoiren von John le Carré, der am 19. Oktober seinen 85. Geburtstag feierte.

Über „Die Memoiren eines Jahrhundertautors“ schreibt der Verlag:

„Was macht das Leben eines Schriftstellers aus? Mit dem Welterfolg „Der Spion, der aus der Kält kam“ gab es für John le Carré keinen Weg zurück. Er kündigte seine Stelle im diplomatischen Dienst, reiste zu Recherchezwecken um den halben Erdball – Afrika, Russland, Israel, USA, Deutschland –, traf die Mächtigen aus Politik- und Zeitgeschehen und ihre heimlichen Handlanger. John le Carré ist bis heute ein exzellenter und unabhängiger Beobachter, mit untrüglichem Gespür für Macht und Verrat. Aber auch für die komischen Seiten des weltpolitischen Spiels.

In seinen Memoiren blickt er zurück auf sein Leben und sein Schreiben.“

John le Carré: Der Taubentunnel

(aus dem Englischen von Peter Torberg)

Ullstein, 2016

384 Seiten

22,00 Euro


Neu im Kino/Filmkritik: Über Derek Cianfrances „The Light between Oceans“

September 8, 2016

Australien, nach dem Ende des Ersten Weltkriegs: der Kriegsveteran Tom Sherbourne (Michael Fassbender) nimmt eine Stelle als Leuchtturmwärter auf Janus Rock an. Er genießt die Einsamkeit, verliebt sich in Isabel Graysmark (Alicia Vikander) und heiratet sie. Sie zieht zu ihm auf die Insel, hat mehrere Fehlgeburten, eine, sehr symbolisch, in einer sturmumtosten Nacht, und – inzwischen läuft der Film schon eine Stunde – eines Tages wird ein Boot mit einem Toten und einem Baby an die Insel gespült. Tom will das Ereignis melden. Isabel überzeugt ihn, das Baby als ihr Kind auszugeben.

Jahre später, ihre Tochter ist inzwischen ein lebenslustiges Kind, entdeckt Tom, dass Hannah Roeennfeldt, die Mutter des Kindes (Rachel Weisz), auf dem Festland lebt und immer noch um ihr Kind trauert.

Bis es soweit ist, läuft „The Light between Oceans“ schon über neunzig Minuten und all das wird auch im offiziellen Kurzinhalt verraten. Im Trailer wird noch mehr verraten. Das wäre kein Problem. Ein langes Vorspiel kann die Vorbereitung für ein großes Finale sein. Dafür müssen die Ereignisse, die dorthin führen, nur interessant genug sein. Auch bei Derek Cianfrances Bestsellerverfilmung sind die emotionalen Konflikte und Trauma, mit denen Tom und Isabel und später Hannah sich auseinandersetzen müssen, groß genug, um locker ein halbes Dutzend Filme zu füllen.

Allerdings können wir sie in diesem Film nur intellektuell erfassen, während Michael Fassbender unbewegt aufs Meer blickt und die Treppe zum Leuchtturm hinauf- und hinabschreitet. Mal schneller, mal langsamer, mal mit aufgehender, mal mit untergehender Sonne. Das sieht zwar schön aus, wie alles in dem Film schön aussieht mit schönen Menschen in einer schönen Landschaft, aber es berührt emotional nicht. Es interessiert nicht. Das Drama, die Gefühle, die Sehnsüchte, die Ängste und Gewissenskonflikte entfalten sich sich nur im Kopf des Zuschauers, der sich dann auch noch sagen muss, ob er jetzt betroffen sein soll. Oder nicht.

Und wir erfahren über die Charaktere auch nicht mehr als nötig. So wissen wir über Tom nur, dass er Kriegsveteran ist. Über seine Kriegserlebnisse schweigt er sich aus. Auch ob sie ihn irgendwie berührten. Über sein früheres Leben erfahren wir auch nichts. Er könnte also schon immer ein introvertierter, verantwortungsbewusster, etwas steifer Einzelgänger gewesen sein. Auch über Isabel und Hannah erfahren wir nicht viel mehr. Das ist, weil wirklich nicht alles psychologisiert werden muss und nicht alles mit irgendwelchen Kindheitserlebnissen erklärt werden muss, nicht schlecht. So erfahren wir alles, was wir über Tom, Isabel und Hannah wissen müssen, aus ihren Taten.

Dummerweise tun sie während der gesamten Geschichte erschreckend wenig und zwischen den wichtigen Ereignissen – Heirat, Aufnahme des Findelkindes, zufällige Entdeckung der echten Mutter, die Entscheidung, ob die Mutter über den Aufenthaltsort ihres Kindes informiert werden soll und die Folgen dieser Entscheidung –, die ungefähr im Halbstundentakt passieren, passiert auch nichts, was wir nicht schon nach zwei Minuten wissen. Derek Cianfrance dehnt das dann auf halbe Stunden. Sein neuer Film, nach „Blue Valentine“ und „The Place beyond the Pines“, ist das filmische Äquivalent zum elend langen, schweigsamen Warten auf den nächsten Gang in einem Nobelrestaurant.

The Light between Oceans“ ist langweiliger, todernster, tieftrauriger, von seiner eigenen Bedeutsamkeit eingenommener Kitsch mit einem entsprechend kitschigem Ende, das auch Nicholas Sparks so hinbekommen hätte. Wobei die Sparks-Verfilmungen nie behaupten, wirklich gute und wichtige Filme zu sein, und so einen gewissen Unterhaltungswert haben, den ich hier nie entdeckte.

the-light-between-oceans-plakat

The Light between Oceans (The Light between Oceans, USA 2016)

Regie: Derek Cianfrance

Drehbuch: Derek Cianfrance

LV: M. L. Stedman: The Light between Oceans, 2012 (Das Licht zwischen den Meeren)

mit Michael Fassbender, Alicia Vikander, Rachel Weisz, Bryan Brown, Jack Thompson, Leon Ford

Länge: 134 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „The Light between Oceans“

Metacritic über „The Light between Oceans“

Rotten Tomatoes über „The Light between Oceans“

Wikipedia über „The Light between Oceans“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Derek Cianfrances „The Place beyond Pines“ (The Place beyond the Pines, USA 2012)


TV-Tipp für den 6. August: The Fountain – Quell des Lebens

August 5, 2016

Eins Festival, 20.15
The Fountain – Quell des Lebens (USA 2006, Regie: Darren Aronofsky)
Drehbuch: Darren Aronofsky
Nach „Pi“ und „Requiem for a Dream“ war das ambitionierte, auf drei Zeitebenen spielende Fantasydrama „The Fountain – Quell des Lebens“ über die Suche nach dem Sinn des Lebens eine herbe Enttäuschung.
In der Gegenwart sucht ein Krebsforscher ein Heilmittel für seine kranke Frau. In der Vergangenheit sucht ein Konquistador den Baum des Lebens. In der Zukunft reist ein Astronaut zu einem Sternennebel und dem Baum des Lebens, um seiner Geliebten ein zweites Leben zu schenken.
Das war dann doch in erster Linie schön bebilderter getretener Quark. Auch wenn das Lexikon des internationalen Films“ meint: „Ein komplexer, bildstarker Versuch, das menscheitsbewegende Thema [vom Sinn des Lebens und der Fortexistenz nach dem Tod] durch die Allegorien und Symmetrien der ineinander verwobenen drei Geschichten auf sehr individuelle Weise für ein an Fantasy-Filmen geschultes Publikum aufzubereiten.“
Mit den Dramen „The Wrestler“ und „Black Swan“ versöhnte er dann wieder seine mit den Filmen beträchtlich gewachsene Fangemeinde.
Sein neuester Film, die Bibelverfilmng „Noah“ mit Russel Crowe in der Hauptrolle, war sein katastrophales 3D-Big-Budget-Projekt.
Mit Hugh Jackman, Rachel Weisz, Ellen Burstyn, Mark Margolis, Stephen McHattie
Hinweise
Rotten Tomatoes über „The Fountain“
Metacritic über „The Fountain“
Wikipedia über „The Fountain“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Darren Aronofskys “Black Swan” (Black Swan, 2010)

Meine Besprechung von Darren Aronofskys „Noah“ (Noah, USA 2014)

Darren Aronofsky in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 17. März: Das Urteil – Jeder ist käuflich

März 17, 2016

Kabel 1, 20.15

Dar Urteil – Jeder ist käuflich (USA 2003, Regie: Gary Fleder)

Drehbuch: Brian Koppelman, David Levien, Rick Cleveland, Matthew Chapman

LV: John Grisham: The runaway jury, 1996 (Das Urteil)

Die Witwe eines bei einem Amoklauf erschossenen Geschäftsmannes verklagt die Waffenhersteller. Die Angeklagten engagieren Rankin Fitch, ihnen die passenden Geschworenen herauszusuchen. Aber der Geschworene Nick Easter spielt sein eigenes Spiel.

Der erste gemeinsame Film der seit Jahrzehnten befreundeten Stars Gene Hackman (in seinem vorletztem Film vor seinem selbstgewählten Ruhestand) und Dustin Hoffman ist ein spannender Verschwörungsthriller über die Käuflichkeit des us-amerikanischen Justizsystems. Während des Drehs bemerkten die Macher, dass sie zwar einen Hackman/Hoffman-Film drehten, aber keine Hackman/Hoffman-Szene hatten. Also wurde die Toiletten-Szene geschrieben.

Das Drehbuch zu dieser gelungenen Grisham-Verfilmung war 2004 für den Edgar Allan Poe-Preis als bestes Drehbuch nominiert.

Mit John Cusack, Gene Hackman, Dustin Hoffman, Rachel Weisz, Bruce Davison, Jennifer Beals

Wiederholung: Freitag, 18. März, 00.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Das Urteil”

Homepage von John Grisham

Wikipedia über John Grisham (deutsch, englisch) und “Das Urteil” (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über John Grisham

John-Grisham-Fanseite

John Grisham in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Gary Fleders “Homefront” (Homefront, USA 2013)


TV-Tipp für den 18. Februar: My Blueberry Nights (+ Buchtipp: „Die Sünden der Väter“ von Lawrence Block)

Februar 18, 2016

Eins Plus, 23.10

My Blueberry Nights (China/USA 2007, Regie: Wong Kar-wai)

Drehbuch: Wong Kar-wai, Lawrence Block (nach einer Geschichte von Wong Kar-wai)

Elizabeth hat Liebeskummer. In einem kleinen New Yorker Café schüttet sie dem Kellner ihr Herz aus. Der verliebt sich in sie, aber sie macht sich auf eine Reise durch die USA. Auf ihrem Selbstfindungstrip begegnet sie anderen einsamen Seelen.

Lawrence Block war zwar irgendwie am Drehbuch beteiligt, aber letztendlich ist es ein Wong-Kar-wai-Film geworden.

Mit Norah Jones, Jude Law, Rachel Weisz, David Strathairn, Natalie Portman

Wiederholung: Freitag, 19. Februar, 03.25 Uhr (Taggenau!)

Bonushinweis/Buchtipp

Block - Die Sünden der Väter

Eine erfreuliche Fans für Lawrence-Block-Fans: der Grandmaster höchstselbst hat jetzt veranlasst, dass seine Romane mit dem Ex-Polizisten Matthew Scudder, der in New York als Privatdetektiv ohne Lizenz arbeitet, wieder auf Deutsch erscheinen. Jedes Jahr sollen, so ist der Plan, mindestens zwei Scudder-Romane erscheinen. Dazwischen soll es Scudder-Kurzgeschichten geben.
(Einschub: genau der Scudder, der vor kurzem von Liam Neeson in Scott Franks „Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones“ verkörpert wurde.)
In dem ersten Scudder-Roman, der in den USA 1976 erschien, will ein Vater wissen, wer seine Tochter warum ermordete. Denn er glaubt nicht an die offizielle Version und er will wissen, wie sie die vergangenen Jahre lebte. Scudder, der damals noch ein Trinker war, sucht den Mörder der Prostituierten.
Als Lawrence Block Mitte der siebziger Jahre schnell hintereinander die ersten Matt-Scudder-Romane schrieb, unterschieden sie sich nicht sehr von vielen anderen Privatdetektiv-Romanen. Vor allem die Länge (oder besser Kürze) und der damit verbundene Handlungsaufbau entsprachen den Konventionen. Trotzdem setzt Lawrence Block, wie schon in seinen vorherigen Romanen und der witzigen Evan-Tanner-Serie, eigene Duftnoten.
Einige Jahre später, nachdem Scudder sich zu seinem Alkoholismus bekennt, Mitglied der Anonymen Alkoholiker wird und versucht, seine Sucht zu bekämpfen, nehmen die Romane, die dann auch länger wurden, die entscheidende Wende, die Matt Scudder zu einem der großen Privatdetektive des 20. Jahrhunderts machte.
Aber diese Geschichte wird erst später erzählt. Bis dahin kann noch einmal tief in das New York der siebziger Jahre eingetaucht werden.

Lawrence Block: Die Sünden der Väter
(übersetzt von Stefan Mommertz)
CreateSpace Independent Publishing Platform, 2016
200 Seiten
10,69 Euro (auch als E-Book erhältlich) (via Amazon)

Originalausgabe
The Sins of the Fathers
Dell, 1976

Deutsche Erstausgabe als „Mord unter vier Augen“

Hinweise

Homepage von Lawrence Block

Unbedingt kaufen müssen Sie das von mir herausgegebene Buch „Lawrence Block – Werkschau eines New Yorker Autors“ (KrimiKritik 5, Nordpark-Verlag)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Telling Lies for Fun and Profit – A Manual for Fiction Writers” (1994)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Spider, spin me a web – A Handbook for Fiction Writers” (1995)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks: “All the flowers are dying” (2005)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Lucky at Cards” (2007)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Abzocker“ (Grifter’s Game, 2004; frühere Ausgaben: Mona, 1961; Sweet slow death, 1986)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Verluste” (Everybody dies, 1998)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Killing Castro“ (Originalausgabe unter dem Pseudonym Duncan Lee als „Fidel Castro Assassinated“, 1961)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Falsches Herz“ (The Girl with the long green Heart, 1965)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „A drop of the hard stuff“ (2011)

Meine Besprechung von Hal Ashbys Lawrence-Block-Verfilmung „8 Millionen Wege zu sterben“ (8 Million Ways to die, USA 1986)

Meine Besprechung von Scott Franks Lawrence-Block-Verfilmung „Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones“ (A Walk amont the Tombstones, USA 2014) (und die DVD-Kritik)

Lawrence Block in der Kriminalakte

Wikipedia über „My Blueberry Nights“ (deutsch, englisch)

Deutsche Homepage zum Film

Französische Homepage zum Film (nicht so umfangreich)

Film-Zeit über „My Blueberry Nights“

Rotten Tomatoes über “My Blueberry Nights”

Meine Besprechung von Wong Kar-wais “The Grandmaster” (Yi Dai Zong Shi, Hongkong/China 2013)


TV-Tipp für den 25. Februar: Das Urteil – Jeder ist käuflich

Februar 25, 2015

Kabel 1, 20.15

Dar Urteil – Jeder ist käuflich (USA 2003, Regie: Gary Fleder)

Drehbuch: Brian Koppelman, David Levien, Rick Cleveland, Matthew Chapman

LV: John Grisham: The runaway jury, 1996 (Das Urteil)

Die Witwe eines bei einem Amoklauf erschossenen Geschäftsmannes verklagt die Waffenhersteller. Die Angeklagten engagieren Rankin Fitch, ihnen die passenden Geschworenen herauszusuchen. Aber der Geschworene Nick Easter spielt sein eigenes Spiel.

Der erste gemeinsame Film der seit Jahrzehnten befreundeten Stars Gene Hackman (in seinem vorletztem Film) und Dustin Hoffman ist ein spannender Verschwörungsthriller über die Käuflichkeit des us-amerikanischen Justizsystems. Während des Drehs bemerkten die Macher, dass sie zwar einen Hackman/Hoffman-Film drehten, aber keine Hackman/Hoffman-Szene hatten. Also wurde die Toiletten-Szene geschrieben.

Das Drehbuch zu dieser gelungenen Grisham-Verfilmung war 2004 für den Edgar Allan Poe-Preis als bestes Drehbuch nominiert.

Mit John Cusack, Gene Hackman, Dustin Hoffman, Rachel Weisz, Bruce Davison, Jennifer Beals

Wiederholung: Donnerstag, 26. Februar, 02.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Das Urteil”

Homepage von John Grisham

Wikipedia über John Grisham (deutsch, englisch) und “Das Urteil” (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über John Grisham

John-Grisham-Fanseite

John Grisham in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Gary Fleders „Homefront“ (Homefront, USA 2013)


TV-Tipp für den 18. August: My Blueberry Nights

August 18, 2014

Eins Festival, 20.15/23.40

My Blueberry Nights (China/USA 2007, Regie: Wong Kar-wai)

Drehbuch: Wong Kar-wai, Lawrence Block (nach einer Geschichte von Wong Kar-wai)

Elizabeth hat Liebeskummer. In einem kleinen New Yorker Café schüttet sie dem Kellner ihr Herz aus. Der verliebt sich in sie, aber sie macht sich auf eine Reise durch die USA. Auf ihrem Selbstfindungstrip begegnet sie anderen einsamen Seelen.

Lawrence Block war zwar irgendwie am Drehbuch beteiligt, aber letztendlich ist es ein Wong-Kar-wai-Film geworden.

Mit Norah Jones, Jude Law, Rachel Weisz, David Strathairn, Natalie Portman

Hinweise

Homepage von Lawrence Block

Unbedingt kaufen müssen Sie das von mir herausgegebene Buch „Lawrence Block – Werkschau eines New Yorker Autors“ (KrimiKritik 5, Nordpark-Verlag)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Telling Lies for Fun and Profit – A Manual for Fiction Writers” (1994)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Spider, spin me a web – A Handbook for Fiction Writers” (1995)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks: “All the flowers are dying” (2005)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Lucky at Cards” (2007)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Abzocker“ (Grifter’s Game, 2004; frühere Ausgaben: Mona, 1961; Sweet slow death, 1986)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Verluste” (Everybody dies, 1998)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Killing Castro“ (Originalausgabe unter dem Pseudonym Duncan Lee als „Fidel Castro Assassinated“, 1961)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Falsches Herz“ (The Girl with the long green Heart, 1965)

Lawrence Block in der Kriminalakte

Wikipedia über „My Blueberry Nights“ (deutsch, englisch)

Deutsche Homepage zum Film

Französische Homepage zum Film (nicht so umfangreich)

Film-Zeit über „My Blueberry Nights“

Rotten Tomatoes über “My Blueberry Nights”

Meine Besprechung von Wong Kar-wais „The Grandmaster“ (Yi Dai Zong Shi, Hongkong/China 2013)


TV-Tipp für den 26. März: The Fountain – Quell des Lebens

März 26, 2014

Arte, 20.15
The Fountain – Quell des Lebens (USA 2006, Regie: Darren Aronofsky)
Drehbuch: Darren Aronofsky
Nach „Pi“ und „Requiem for a Dream“ war das ambitionierte, auf drei Zeitebenen spielende Fantasydrama „The Fountain – Quell des Lebens“ über die Suche nach dem Sinn des Lebens eine herbe Enttäuschung.
In der Gegenwart sucht ein Krebsforscher ein Heilmittel für seine kranke Frau. In der Vergangenheit sucht ein Konquistador den Baum des Lebens. In der Zukunft reist ein Astronaut zu einem Sternennebel und dem Baum des Lebens, um seiner Geliebten ein zweites Leben zu schenken.
Das war dann doch in erster Linie schön bebilderter getretener Quark. Auch wenn das Lexikon des internationalen Films“ meint: „Ein komplexer, bildstarker Versuch, das menscheitsbewegende Thema [vom Sinn des Lebens und der Fortexistenz nach dem Tod] durch die Allegorien und Symmetrien der ineinander verwobenen drei Geschichten auf sehr individuelle Weise für ein an Fantasy-Filmen geschultes Publikum aufzubereiten.“
Mit den Dramen „The Wrestler“ und „Black Swan“ versöhnte er dann wieder seine mit den Filmen beträchtlich gewachsene Fangemeinde.
Sein neuester Film, die Bibelverfilmng „Noah“ mit Russel Crowe in der Hauptrolle, läuft am 3. April an. Das ist dann, nachdem er für viele, teils sehr interessant klingende Projekte im Gespräch war, sein 3D-Big-Budget-Projekt. Die Besprechung gibt es zum Kinostart.
Mit Hugh Jackman, Rachel Weisz, Ellen Burstyn, Mark Margolis, Stephen McHattie
Wiederholung: Freitag, 4. April, 01.05 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „The Fountain“
Metacritic über „The Fountain“
Wikipedia über „The Fountain“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Darren Aronofskys “Black Swan” (Black Swan, 2010)

Darren Aronofsky in der Kriminalakte

 

 


Neu im Kino/Filmstart: Sam Raimis Kinderfilm „Die fantastische Welt von Oz“

März 7, 2013

Sodele. Jetzt hat auch Sam Raimi seinen Kinderfilm gedreht. Genau, der Sam Raimi, der mit dem bei uns bis heute indizierten Horrorfilm „Tanz der Teufel“ die Filmwelt betrat und mit „Spider-Man“ zu Everybody’s Darling wurde. Denn das war eine Comicverfilmung, die auch als Film überzeugte. Im Gegensatz zu älteren Superheldencomicverfilmungen, die oft sehr kindisch und schlecht waren, überzeugte „Spider-Man“ als Big-Budget-Film mit tollen Effekten, Action, Witz und einer guten Geschichte, die wichtige Themen und Fragen ernsthaft verhandelte. Das konnte man sich als Über-Zwanzigjähriger Nicht-Comicfan ohne schlechtes Gewissen ansehen.

In seinem neuesten Film „Die fantastische Welt von “ erzählt Raimi in 3D die Vorgeschichte zu L. Frank Baums in Oz spielenden Geschichten und damit auch von „Der Zauberer von Oz/Das zauberhafte Land“ (The Wizard of Oz, USA 1939, Regie: Victor Fleming), dem Filmklassiker mit Judy Garland, in dem sie am Ende dem sagenhaften Zauberer von Oz gegenübertritt und sein Geheimnis enthüllt.

Bevor er zum Zauberer von Oz wurde, tourte Oscar Diggs (James Franco) als selbstsüchtiger, ständig in Finanznöten steckender, auf eine billige Art charmanter Magier mit arg begrenztem Talent um die Jahrhundertwende durch Kansas und versucht das Publikum zu verzaubern. Als er mal wieder Ärger hat, kann er in einem Ballon entkommen. Er gerät in einen Wirbelsturm und landet in dem Fantasieland Oz. Von dort will er, nachdem er den sagenhaften Goldschatz (auf den sogar der im Gold badende Dagobert Duck neidisch wäre) geklaut hat, möglichst schnell verschwinden. Aber dann wird er in den Kampf zwischen den drei wunderschönen Hexen Theodora (Mila Kunis), Evanora (Rachel Weisz) und Glinda (Michelle Williams) hineingezogen. Die böse Hexe hält ihn für einen Schwindler. Die gute Hexe sieht in ihm den lange angekündigten Zauberer von Oz, der sie von der bösen Hexe befreit. Und Diggs muss sich entscheiden, ob er den Menschen von Oz hilft oder seine Gier nach Gold befriedigt.

Die überdeutliche Inspiration für „Die fantastische Welt von Oz“ ist natürlich das Musical „Der Zauberer von Oz“, das inzwischen ein Klassiker ist, immer noch regelmäßig im Fernsehen läuft (obwohl die letzte Wiederholung einige Zeit zurück liegt) und kaum gealtert ist. Denn in dem Film war schon immer alles eine Spur übertrieben, die Schauspieler agierten, als hätten sie einen akuten Zuckerschock, die Tricks und Matte Paintings haben heute einen liebevoll altmodischen Charme und die Songs sind Evergreens.

Raimi folgt dem Musical, ohne die Songs, in großen Teilen. So sind die ersten, in Kansas spielenden Minuten in SW und der in Oz spielende Rest in Farbe (und in einem anderen Bildformat) erzählt. Raimis Oz sieht, abgesehen von der besseren Tricktechnik (Dem Computer sei Dank!), wie Flemings Oz aus. Die Charaktere sind recht eindimensional geraten. Aber in Flemings Film wurde das durch die Songs und das Spiel der Schauspieler aufgefangen. In einem Musical mit einer sprechenden Vogelscheuche, einem ständig einrostendem Zinnmann und einem ängstlichen Löwen erwartet auch niemand tiefgründige Charakterstudien.

In Raimis Film wird mit zunehmender Laufzeit allerdings auch deutlich, dass „Die fantastische Welt von Oz“ nicht für ein erwachsenes Publikum gedacht ist. Es ist ein mit über zwei Stunden zu lang geratener Kinderfilm, dem genau das fehlt, was Tim Burtons „Frankenweenie“ oder Martin Socrseses „Hugo Cabret“ hatten: eine zweite Ebene, in die Erwachsene und Filmfans sich vertiefen konnten.

Bei „Die fantastische Welt von Oz“ ist einfach alles platt offensichtlich und der gesamte Film bleibt im musealen stecken. Denn anstatt ein neues Land zu erkunden, wird der Gang durch „Die fantastische Welt von Oz“, obwohl in echten Sets gedreht wurde, wie ein Gang durch ein Museum. Alles ist sauber. Alles ist gut ausgeleuchtet und man bestaunt die Ausstellungsstücke. Aber lebendig ist das nicht, sondern unangenehm historisierend. Anstatt in neue Welten vorzustoßen, wird ein Prequel gedreht. Ein Film, in dem wir erzählt bekommen, wie einige Charaktere zu den Charakteren wurden, die wir schon seit langer Zeit kennen. Nur: wollen wir das wirklich wissen? Und wie zukunftsweisend können Charaktere und Welten sein, die in diesem Fall bereits vor über hundert Jahre erfunden wurden und natürlich Kinder ihrer Zeit sind?

In Raimis Film ist höchstens die Tricktechnik zukunftsweisend.

Davon abgesehen: Als Sechsjähriger wäre ich wahrscheinlich begeistert gewesen von der fantastischen Welt von Oz.

P1.43 (OZTGP_004C_G - Triptych (Center) Cast)

Die fantastische Welt von Oz (Oz, the Great and Powerful, USA 2013)

Regie: Sam Raimi

Drehbuch: Mitchell Kapner , David Lindsay-Abaire

LV/Inspiration: L. Frank Baum: The Wonderful Wizard of Oz, 1900 (Der Zauberer von Oz)

mit James Franco, Mila Kunis, Rachel Weisz, Michelle Williams, Zach Braff, Bill Cobbs, Joey King, Tony Cox, Stephen R. Hart, Abigail Spencer, Bruce Campbell

Länge: 130 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Die fantastische Welt von Oz“

Metacritic über „Die fantastische Welt von Oz“

Rotten Tomatoes über „Die fantastische Welt von Oz“

Wikipedia über „Die fantastische Welt von Oz“ (deutsch, englisch)

Und noch einige Teaser-, Film- und Charakterplakate, die mir wegen ihrer, hm, altmodischen Gestaltung gut gefallen

Oz - Teaserplakat

Oz - Plakat L

Oz - Plakat R

P1.43 (OZTGP_019R_G - Banner (Wizard - Darkened))

P1.43 (OZTGP_018Q_G - Banner (Glinda - Darkened))

P1.43 (OZTGP_016O_G - Banner (Theodora - Darkened))

P1.43 (OZTGP_017P_G - Banner (Evanora - Darkened))


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