Neu im Kino/Filmkritik: Über Steven Spielbergs Roald-Dahl-Verfilmung „BFG – Big Friendly Giant“

Juli 22, 2016

Ab und an, erstaunlich selten für seinen Ruf, dreht Steven Spielberg einen richtigen Kinderfilm; wie jetzt in seinem erstem Walt-Disney-Film. „BFG – Big Friendly Giant“ über die Freundschaft zwischen einem Waisenmädchen und einem Riesen. Einem freundlichem Riesen, der in einer seltsamen Sprache spricht und Träume sammelt und verteilt.

Der Film basiert auf dem Kinderbuch „Sophiechen und der Riese“ von Roald Dahl, das 1985 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde. Es war – Dahl starb 1990 – seine Lieblingsgeschichte und bevor er sie aufschrieb, erzählte er sie seinen Kindern und Enkeln. Es ist eine kurze, schlichte Geschichte in der ein Mädchen von einem Riesen entführt wird, nachdem es ihn in der Nacht gesehen hat. Schnell befreundet sich Sophiechen mit ihm und erfährt, dass es noch andere Riesen gibt, die vor allem Kinder fressen und die sich wie Schulhofhalbstarke benehmen. Mit dem BFG (Big Friendly Giant) oder, in der deutschen Übersetzung, dem GuRie (Der gute Riese) will sie alle Kinder vor den Menschenfressern retten. Dafür benötigt sie die Hilfe der Queen – und das Frühstück von Sophie und dem Riesen bei der Queen ist im Roman und im Film ein humoristischer Höhepunkt. „Sophiechen und der Riese“ ist auch ein sehr dialoglastiges Buch mit sehr wenigen Beschreibungen. Das meiste wird der Fantasie der jungen Leseratten überlassen.

Für einen Spielfilm ist Dahls Buch, eher eine kurzweilige Ansammlung von Episoden und oft sehr witzigen Dialogen und Wortspielen, allerdings zu kurz geraten. Einige der Dialoge, etwa wenn der BFG sich über die Essgewohnheiten der anderen Riesen auslässt sind für einen Kinderfilm nicht so geeignet.

Die 2015 verstorbene Melissa Mathison, die für Spielberg bereits „E. T. – Der Außerirdische“ (USA 1982) schrieb, musste den Roman zu einem Spielfilm aufpeppen und der Vorlage treu bleiben. So folgt die Verfilmung der Vorlage, baut sie allerdings immer wieder aus, was Steven Spielberg die Gelegenheit gibt, in Bildern und Actionszenen zu schwelgen. Das beginnt schon in den ersten Minuten, wenn Sophie (Sophiechen in der deutschen Übersetzung) von dem Riesen entführt wird und sie sich kurz darauf in der Höhle des Riesen zuerst vor ihm verstecken will (Indiana Jones wäre stolz auf sie) und anschließend vor den bösen Riesen, die durch die Wohnung des BFG randalieren, verstecken muss. Sie tut es in einer Kotzgurke. Die schmecken, in den Worten des BFG, „nach Hurgelgurgel und Würgelrülps“.

Schon in diesen Minuten fällt auf, wie gut das Zusammenspiel von Mark Rylance, der den guten Riesen spielt, und Ruby Barnhill, die die zehnjährige Sophie spielt, ist und wie nahtlos die Verbindung zwischen realen und digital bearbeiteten Bildern ist. Fast nie hat man den Eindruck, dass hier Bilder zusammengefügt wurden. Denn selbstverständlich ist Rylance keine sieben Meter groß und die Schauspieler der anderen, noch größeren Riesen sind auch keine zwölf bis sechzehn Meter groß. Aber die gezeigte Welt ist bis ins letzte Detail stimmig.

Das gefällt, auch wenn die Filmgeschichte immer noch sehr episodisch ist und es eigentlich keinen Konflikt und damit keine Spannung gibt. Denn die Idee, wie die Riesen besiegt werden können, kommt aus heiterem Himmel, die Queen ist sofort überzeugt und der Kampf gegen die Menschenfresser-Riesen ist schnell vorbei.

Es ist auch ein Film, der sich gezielt an Kinder richtet. Die dürften verzaubert sein. Jugendliche und Erwachsene werden sich da, im Gegensatz zu „E. T.“, konsequent unterfordert fühlen.

BFG - Big Friendly Giant - Plakat

BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Melissa Mathison

LV: Roald Dahl: The BFG, 1982 (Sophiechen und der Riese; BFG – Big Friendly Giant)

mit Mark Rylance, Ruby Barnhill, Penelope Wilton, Jermaine Clement, Rebecca Hall, Rafe Spall, Bill Hader

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Die Vorlage

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Zum Filmstart erschien Roald Dahls „Sophiechen und der Riese“ unter dem Filmtitel, mit dem Teaser-Filmplakat als Titelbild und einigen Filmfotos, die nichts von der Bildgewalt des Films verraten.

Lesenswert!

Roald Dahl: BFG – Big Friendly Giant

(übersetzt von Adam Quidam, mit Zeichnungen von Quentin Blake)

Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2016

256 Seiten

9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Sophiechen und der Riese

Rowohlt Verlag, 1984

Originalausgabe

The BFG

Jonathan Cape, London, 1982

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „BFG – Big Friendly Giant“

Metacritic über „BFG – Big Friendly Giant“

Rotten Tomatoes über „BFG – Big Friendly Giant“

Wikipedia über „BFG – Big Friendly Giant“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Steven Spielberg in der Kriminalakte

Homepage von Roald Dahl

Wikipedia über Roald Dahl (deutsch, englisch)

„Behind the Scenes“-Interview mit Steven Spielberg

Die Cannes-Pressekonferenz

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TV-Tipp für den 6. November: The Town – Stadt ohne Gnade

November 5, 2015

RTL II, 20.15

The Town – Stadt ohne Gnade (USA 2010, Regie: Ben Affleck)

Drehbuch: Ben Affleck, Peter Craig, Aaron Stockard

LV: Chuck Hogan: Prince of Thieves, 2004 (Endspiel)

Bankräuber Doug MacRay überfällt mit drei Freunden eine Bank und verliebt sich anschließend in die Filialleiterin, die sie auf der Flucht als Geisel mitgenommen hatten. Jetzt will er aussteigen. Davor muss er allerdings noch seinen letzten Coup durchführen.

Nach der tollen Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone“ blieb Ben Affleck in seiner zweiten Regiearbeit dem Genre und Boston treu. „The Town“ ist gutes altmodisches Erzählkino, bei dem die Story, die Charaktere und ihr Umfeld im Vordergrund stehen. In seinen wenigen Actionszenen und in der Struktur erinnert „The Town“ teilweise an Michael Manns „Heat“ – und das ist durchaus anerkennend gemeint. Ein feiner Gangsterfilm.

Da ist es auch egal, dass die Zahl der Banküberfälle in Boston viel geringer ist, als im Film behauptet wird und dass das Viertel Charlestown in den vergangenen fünfzehn Jahren gentrifiziert wurde. Jetzt sitzen da die anderen Bankräuber.

Chuck Hogan erhielt für seinen Roman „Endspiel“, der Vorlage für „The Town“, den Hammett-Preis und auch Stephen King (ein passionierter Blurber) war begeistert.

Und danach, um 22.35 Uhr, gleich zu 3sat umschalten. Dort läuft „Lawless – Die Gesetzlosen“.

mit Ben Affleck, Rebecca Hall, Jon Hamm, Jeremy Renner, Pete Postlethwaite, Chris Cooper

Wiederholung: Sonntag, 8. November, 03.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Town“

Metacritic über “The Town”

Rotten Tomatoes über “The Town”

Wikipedia über “The Town” (deutsch, englisch)

The Boston Magazine: Interview mit Chuck Hogan (24. August 2010)

The Boston Magazine: Interview mit Chuck Hogan (15. September 2010)

The Boston Phoenix: Eugenia Williamson trifft Chuck Hogan (15. September 2010)

The Boston Globe: Billy Baker über das heutige Charlestown (18. September 2010)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung “Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel” (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Ben Afflecks “Argo” (Argo, USA 2012)


Neu im Kino/Filmkritik: „Transcendence“, das Regiedebüt von Christopher-Nolan-Kameramann Wally Pfister

April 24, 2014

Science-Fiction kann Fragen stellen, kann Entwicklungen aufzeigen, eine positive oder eine negative Utopie entwerfen und zum Nachdenken anregen. „Transcendence“, das Regiedebüt von Christopher-Nolan-Stammkameramann Wally Pfister (nach Lehrjahren in der Roger-Corman-Filmschule), will das, aber weil er sich nicht entscheiden kann, ob er eine Dystopie oder eine Utopie inszeniert und der Film vollkommen antidramatisch, aber sehr trendy in der Gegenwart beginnt und dann zurück in die Vergangenheit springt, wissen wir von der ersten Minute an, wie die Geschichte endet.
Nur der Weg zum Ende ist unklar und auf dem Weg dahin gibt es einige interessante dramaturgische Entscheidungen, die „Transcendence“ vor einer absoluten Vorhersehbarkeit bewahren, aber die Geschichte nicht kraftvoller machen. Im Gegenteil: sie zerfasert immer weiter, bis am Ende dann doch alles mit viel Waffengewalt gelöst werden soll. Und über die im Film gestellten Fragen und Antworten sollte man auch nicht zu genau nachdenken.
Im Mittelpunkt steht dabei die Idee der Künstlichen Intelligenz und – auch – was einen Menschen ausmacht.
Dr. Will Caster (Johnny Depp) ist ein Vordenker, der mit einem neuen Computersystem im Feld der Künstlichen Intelligenz forscht und kurz davor steht, einen Computer zu programmieren, der lernfähig und emotional begabt wie ein Mensch ist. Gleichzeitig möchte er damit die Welt zu einem besseren Ort machen, Krankheiten besiegen und die Armut überwinden. Trotzdem sind nicht alle Menschen von den Visionen des Menschenfreundes überzeugt. Die Terrorgruppe „R. I. F. T.“ (Revolutionary Independence From Technology), die ein zurück zur Natur propagiert, verübt einen gut orchestrierten und erfolgreichen Anschlag auf mehrere KI-Forscher.
Caster überlebt das Attentat, aber weil die Kugel präpariert war, wird er innerhalb weniger Wochen sterben. Casters Frau Evelyn (Rebecca Hall) entschließt sich, Wills Gedächtnis in den von ihm erfundenen Computer zu kopieren.
Das Experiment gelingt und Will, der schnell Zugriff auf alle Computer erhält, wird zu einem gottähnlichen Wesen, das sich in einem verlassenen Wüstenkaff sein weitgehend unterirdisches Reich aufbaut.
Science-Fiction-Fans werden jetzt schon mit der Checkliste begonnen haben und die Filmemacher bemühen sich erfolgreich, wirklich jedes Thema anzusprechen. Bis jetzt haben wir unter anderem „das Verhältnis von Mensch und Maschine“, „Künstliche Intelligenz“ (bzw. durchgeknallte Computer), „verrückte Wissenschaftler“, „Allmachtsphantasien“, die später genauer ausformuliert werden, Fortschrittsglaube und Fortschrittsangst. Zuerst auf rein technischer Ebene. Später mit einem religiösen Touch. Denn Will Caster kann, wie Jesus, Kraft seiner Gedanken in der Wüste Menschen heilen.
Science-Fiction-Fans werden auch eifrig das „Welcher Film wird hier zitiert?“-Trivial-Pursuit spielen und sich ärgern, dass in „Transcendence“ letztendlich so wenig aus der vielversprechenden Prämisse gemacht wurde. „Transcendence“ will zum Nachdenken anregen, spricht wichtige Themen an, aber die Macher haben selbst zu wenig nachgedacht. Denn zwischen all den Zitaten, gepaart mit einem tiefen Griff in die Science-Fiction-Themenkiste, verirrt Wally Pfister sich hoffnungslos zwischen Technikeuphorie, Technikphobie und neureligiösem Sektentum, ohne dass jemals wirklich eine eigene Haltung zur todernst und pathetisch erzählten Filmgeschichte sichtbar wird.
Dabei ist der gesamte Film optisch angenehm zurückhaltend inszeniert. So als habe ein kluger Kameramann erfolgreich mit einem begrenzten Budget und vorhandenen Orten gearbeitet. Dennoch soll der Film 100 Millionen Dollar gekostet haben.
Auch die wenigen offensichtlichen Spezialeffekte passen sich gut in den Film ein, der sich stilistisch am New Hollywood der siebziger Jahre und damals wichtiger sozialkritischer Science-Fiction-Filme orientiert. Pfister selbst nennt als Einflüsse unter anderem „Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All“ (The Andromeda Strain), „Jahr 2022…die überleben wollen“ (Soylent Green), „Der Omega-Mann“ (The Omega Man), „Westworld“ (Westworld), „Der Mann, der vom Himmel fiel“ (The Man who fell to Earth), „2001: Odyssee im Weltraum“ (2001: A Space Odyssey) und „Uhrwerk Organge“ (A Clockwork Orange).
In dieser Liga spielt „Transcendence“ nicht. Denn letztendlich ist Pfister mit seinem gut gemeinten, überfrachteten und unentschlossenen Debütfilm, der zu viel Nolan und zu wenig Corman enthält, gescheitert.
Trotzdem ist die derzeitige Rotten-Tomatoes-Bewertung von neunzehn Prozent im Vergleich zu wirklichen Gurken, wie „Seelen“, „Battleship“, „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ oder „Ride along“, oder dem Werk von Michael Bay zu schlecht. Denn im Gegensatz zu den gängigen Blockbuster-Science-Fiction-Krawallfilmen will Pfister immerhin zum Nachdenken anregen

Transcendence - Plakat

Transcendence (Transcendence, USA 2014)
Regie: Wally Pfister
Drehbuch: Jack Paglen
mit Johnny Depp, Rebecca Hall, Paul Bettany, Morgan Freeman, Kate Mara, Cillian Murphy, Clifton Collins Jr., Cole Hauser, Xander Berkeley, Lukas Haas, Wallace Langham
Länge: 120 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Transcendence“
Moviepilot über „Transcendence“
Metacritic über „Transcendence“
Rotten Tomatoes über „Transcendence“
Wikipedia über „Transcendence“ (deutsch, englisch)

Einige weitere Bilder aus dem Film

Einige Worte von Regisseur Wally Pfister zum Film

Etwas älter: DP/30 unterhält sich mit Wally Pfister über sein Leben und „Inception“

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Lethal Weapon“ Shane Black macht mit Tony Stark in „Iron Man 3“ „Kiss Kiss Bang Bang“

Mai 1, 2013

 

Iron Man, aka Tony Stark, ist sicher der unernsteste Superheld im Kino und Robert Downey Jr. gelingt es diesen eigentlich sehr unsympathischen Charakter als einen coolen Kumpel erscheinen zu lassen und den teilweise doch sehr militaristischen Hintergrund vergessen zu lassen. Naja fast. Denn auch in „Iron Man 3“ geht es um milliardenschwere Rüstungsaufträge.

Im ersten „Iron Man“-Film, der ein Überraschungserfolg war, ist Tony Stark ein skrupelloser, egomanisch-egozentrischer Waffenhersteller und exzentrischer Playboy, der, als er gerade in Afghanistan dem US-Militär sein neuestes Waffensystem verkaufen will, von der internationalen Terroristengruppe „Die zehn Ringe“ gefangen genommen wird. Er baut sich die Iron-Man-Rüstung und kämpft anschließend auch gegen konzerninterne Gegner.

Im zweiten „Iron Man“-Film ist dann Justin Hammer (Sam Rockwell), Chef einer konkurrierenden Rüstungsfirma, sein Gegner. Und Ivan Vanko (Mickey Rourke), dessen Vater von Tonys Vater ausgebootet wurde, will sich an Tony Stark rächen.

Und im dritten „Iron Man“-Film ist Aldrich Killian (Guy Pearce) sein Gegner. Er hat den „Extremis“-Virus, der Menschen quasi unbesiegbar, macht, weiterentwickelt und er möchte mit Stark Industries optimierte Iron Männer herstellen. Weil Tony Stark sich aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen und Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) die Leitung übertragen hat, führt Killian die Gespräche mit ihr und er versucht dabei alte Gefühle wieder wachzurufen. Außerdem wurde er vor Jahren auf einer Silvesterfeier von Tony in dessen typisch arroganter Manier versetzt – und er scheint darüber immer noch serhr verärgert zu sein.

Aber Tonys Hauptgegner ist der Mandarin (Sir Ben Kingsley), ein international gesuchter Terrorist und Anführer der „Zehn Ringe“, der den USA mit seinen Anschlägen Lehren erteilen will und eine Mischung aus Osama bin Laden und Dr. Fu Manchu ist. Ein wahrer Anti-Gandhi, dessen erste Lehrstunde für Tony Stark, nachdem der sich ihm gegenüber unflätig äußerte (es war so etwas wie „ich werde dich vernichten“), die Vernichtung von Tony Starks mondänem Anwesen ist, das ja schon in den vorherigen „Iron Man“-Filmen nicht gerade pfleglich behandelt wurde. Tony kann in seinem neuesten Iron-Man-Anzug entkommen. Nach einer Bruchlandung in dem Ort Rose Hill, Tennessee (nicht gerade Kansas, aber fast), beginnt er, mit der Hilfe des achtjährigen Harley Keener (Ty Simkins), den Anzug zu reparieren und den Mandarin zu suchen. Denn nur Tony Stark hat die Lizenz, das eigene Haus zu zerstören.

Iron Man 3“, standesgemäß und ziemlich überflüssig in 3D, knüpft gelungen an die vorherigen beiden „Iron Man“-Filme an. Die vertrauten Charaktere sind dabei. Es gibt Action, Humor, köstliche Screwball-Dialoge zwischen Tony Stark und Pepper Potts, seiner ehemaligen Privatsekretärin und jetzigen Firmenleiterin und Quasi-Lebensgefährtin (für sie scheinen Wortgefechte der Ersatz für Sex zu sein), und Happy Hogan ist auch wieder dabei. Zuerst als überpenibler und absolut humorloser Sicherheitschef, danach schwer lädiert im Krankenbett.

Happy-Hogan-Darsteller Jon Favreau gab dieses Mal die Regie an Shane Black ab, der in den Achtzigern und Neunzigern als Drehbuchautor von Action-Krachern „Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis“, „Last Boy Scout – Das Ziel ist überleben“, „Last Action Hero“ (auch da spielte ein kleiner Junge mit, der seinem Superhelden begegnet) und „Tödliche Weihnachten“ Geld wie Heu verdiente und einer der wenigen Drehbuchautoren war, dessen Namen einem breiteren Publikum bekannt war. 2005 hatte er mit seinem Regiedebüt „Kiss Kiss Bang Bang“ eine triumphale Rückkehr, die für ihn in den nächsten Jahren trotzdem nicht zu weiteren Filmen in Hollywood führte, aber den Karriereneustart von Robert Downey Jr. einläutete.

Auch in „Iron Man 3“ ist Shane Blacks Handschrift, soweit bei einem Blockbuster und einem Film aus einer Serie davon gesprochen werden kann, zu erkennen. So gibt es für einen Action-Film erstaunlich wenig Action. Dafür widmet Black sich ziemlich ausführlich den Charakteren und auch die Beziehung von Tony Stark zu Harley, der ihn als Helden verehrt, nimmt viel Platz ein. Er wird für ihn zu einem Quasi-Vater.

Die Action, auch wenn die Iron-Man-Anzüge oft genug benutzt werden, erinnert eher an die 80er-Jahre-Action-Filme, in denen es ordentlich im Mann-gegen-Mann-Kampf krachte und wenn am Ende Robert Downey Jr. und Don Cheadle, nur bewaffnet mit ihren Pistolen, auf ein Schiff stürmen, dann sind wohlige Erinnerungen an Mel Gibson und Danny Glover und ihre „Lethal Weapon“-Wortgefechte nicht fern.

Und weil in „Iron Man 3“ Nick Fury und S.H.I.E.L.D. nicht auftreten und die Ereignisse in New York mit den Avengers nicht angesprochen werden (Tony will darüber nicht reden und kriegt, wenn er sich doch daran erinnert oder darauf angesprochen wird, Panikattacken; – hm, wie Martin Riggs in „Lethal Weapon“), knüpft „Iron Man 3“ an den ersten „Iron Man“-Film an und ist deutlich weniger militaristisch als „Iron Man 2“, der teilweise wie eine kaum getarnte Leistungsschau des Militärs aussieht..

Iron Man 3“ ist gutes Blockbuster-Kino mit selbstironischen Tönen, einem altmodischen Erzählduktus ohne 25 überraschende Plotwendungen am Ende und einer bedeutungsschwer vor sich hin getragenen Botschaft. Dafür ist Tony dann doch der falsche Charakter, auch wenn er einige neue Facetten erhält.

Der Film liefert genau das, was man inzwischen von einem „Iron Man“-Film erwartet und nach dem erfreulich kurzen Abspann gibt es noch eine kleine Sequenz und den Hinweis, dass es einen weiteren „Iron Man“-Film geben wird.

Iron Man 3 - Hauptplakat

Iron Man 3 (Iron Man 3, USA 2013)

Regie: Shane Black

Drehbuch: Drew Pearce, Shane Black

mit Robert Downey Jr., Gwyneth Paltrow, Don Cheadle, Sir Ben Kingsley, Guy Pearce, Jon Favreau, Ty Simpkins, Rebecca Hall, James Badge Dale, Stephanie Szostak, William Sadler, Miguel Ferrer, Dale Dickey

Länge: 131 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Iron Man 3“

Metacritic über „Iron Man 3“

Rotten Tomatoes über „Iron Man 3“

Wikipedia über „Iron Man 3“ (deutsch, englisch)

Collider: Interview mit Shane Black und Kevin Feige zum Film

Den of Geek: Interview mit Shane Black zum Film

 

 


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