TV-Tipp für den 6. August: Trash

August 5, 2019

Tele 5, 20.15

Trash (Trash, Großbritannien 2014)

Regie: Stephen Daldry, Christian Duurvoort (Brasilien)

Drehbuch: Richard Curtis, Felipe Braga (zusätzliches Material)

LV: Andy Mulligan: Trash, 2010 (Trash)

Die jugendlichen Müllsammler Raphael, Gardo und Rato finden in Rio de Janeiro auf einer Müllkippe einen Geldbeutel. Als die Polizei ihnen für den Geldbeutel einen unheimlich hohen Finderlohn verspricht, wissen die Slum-Kinder, dass sie etwas sehr Wertvolles gefunden haben. Nur was und wie können sie damit Geld verdienen, ohne vorher zu sterben?

Fabelhafter, mitreisend inszenierter Jugendfilm, der eine spannende Schnitzeljagd durch die Slums erzählt und einen ziemlich realistischen Einblick in das Leben seiner Protagonisten bietet. Für Erwachsene immer wieder etwas zu plakativ. Aber sie sind auch nicht das Zielpublikum des Thrillers, der für mich im Kino eine sehr erfreuliche Überraschung war.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Rickson Tevez, Eduardo Luis, Gabriels Weinstein, Martin Sheen, Rooney Mara, Wagner Moura, Selton Mello

Hinweise
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Moviepilot über „Trash“
Metacritic über „Trash“
Rotten Tomatoes über „Trash“
Wikipedia über „Trash“ (deutsch, englisch)
Homepage von Andy Mulligan

Meine Besprechung von Stephen Daldry/Christian Duurvoorts „Trash“ (Trash, Großbritannien 2014)

Werbeanzeigen

Neu im Kino/Filmkritik: „Trash“ ist nicht Trash

Juni 18, 2015

Als Erwachsener ist man von „Trash“ sicher etwas unterfordert. Die Story, eigentlich eine riesige Schnitzeljagd, ist zu einfach. Die Protagonisten, drei Jugendliche, fast noch Kinder, sind zu jung. Die Bösewichter, vor allem ein Polizist, sind zu böse. Aber das Zielpublikum sind Jugendliche, die einen zünftigen Abenteurer-Thriller sehen dürfen, der in einer fremden Welt spielt, die für ein jugendliches Publikum erstaunlich unverklärt und unromantisch gezeigt wird.
Raphael und Gardo suchen auf einer Müllkippe in Rio de Janeiro nach Abfall, den sie zu Geld machen können. Als sie einen Geldbeutel mit einigen Geldscheinen finden, fühlen sie sich wie die Gewinner eines Jackpots. Als kurz darauf die Polizei auftaucht und eine unglaublich hohe Summe für den Geldbeutel bietet, wissen sie, dass sie etwas viel wertvolleres gefunden haben. Sie behalten den Geldbeutel, der auch ein Blatt mit einem Code enthält.
Gemeinsam mit Rato überlegen sie, wie sie ihren Fund versilbern können.
Schnell ist ihnen der skrupellose Polizist Frederico, der den gesamten Polizeiapparat benutzt, um sie zu jagen, auf der Fährte.
Denn der von der Polizei ermordete Besitzer des Geldbeutels war ein Mann, der brisante Informationen hatte. Der Code führt, entschlüsselt, zu dem Versteck der politisch brisanten Informationen und viel Geld.
Aus dieser einfachen und bewährten Prämisse entwickelt sich eine flotte actionhaltige Hatz, in der die jugendlichen Darsteller, allesamt Laien ohne Schauspielerfahrung, im Mittelpunkt stehen. Die bekannten und erwachsenen Schauspieler, wie Martin Sheen und Rooney Mara, als ein Priester und seine Assistentin, denen die drei Jungs vertrauen, sind nur Nebencharaktere, die die internationale Verkäuflichkeit dieser Geschichte garantieren, die nicht nur wegen ihres Handlungsortes deutlich von „City of God“ (das sich an ein erwachsenes Publikum richtet) beeinflusst ist. Auch mehrere Menschen, die bei „City of God“ und den Folgewerken dabei waren, sind in „Trash“ involviert. Sie wurden engagiert, um der Geschichte ein möglichst authentisches Flair zu geben. Das gelang ihnen.
Die Regie übernahm Stephen Daldry, der bereits „Billy Elliot“ und „The Hours“ inszenierte. Das Drehbuch ist von Richard Curtis, der die Bücher für „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, „Notting Hill“, „Gefährten“ und „Alles eine Frage der Zeit“ (auch Regie) schrieb. Beide sind sicher nicht als die großen klassenkämpferischen Filmemacher oder Actionfilmer (obwohl es genug Aktion gibt) bekannt, aber ihre Namen bürgen für gute Unterhaltung, die ihr Publikum ernst nimmt; was auch auf „Trash“ zutrifft.
Curtis inszenierte den sehenswerten Jugendfilm als Dan-Brown-artige Jagd durch die Hinterhöfe, Slums, Müllhalden, Friedhöfe und Straßen von Rio als Hohelied auf die Freundschaft von Raphael, Gardo und Rato, deren Optimismus und Lebensfreude mitreisen. Trotz ihrer Armut geben sie nicht auf.

Trash - Plakat

Trash (Trash, Großbritannien 2014)
Regie: Stephen Daldry, Christian Duurvoort (Brasilien)
Drehbuch: Richard Curtis, Felipe Braga (zusätzliches Material)
LV: Andy Mulligan: Trash, 2010 (Trash)
mit Rickson Tevez, Eduardo Luis, Gabriels Weinstein, Martin Sheen, Rooney Mara, Wagner Moura, Selton Mello
Länge: 114 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Film-Zeit über „Trash“
Moviepilot über „Trash“
Metacritic über „Trash“
Rotten Tomatoes über „Trash“
Wikipedia über „Trash“ (deutsch, englisch)
Homepage von Andy Mulligan


Neu im Kino/Filmkritik: In „Alles eine Frage der Zeit“ ist nichts eine Frage der Zeit

Oktober 17, 2013

An seinem 21. Geburtstag verrät sein Vater Tim Lake (Domhnall Gleeson) ein Geheimnis: In ihrer Familie können die Männer mit einigen Einschränkungen durch die Zeit reisen.

Während seine Ahnen diese Fähigkeit dazu benutzen, Geld anzuhäufen oder die Werke von Charles Dickens zweimal zu lesen, sucht Tim vor allem die Liebe seines Lebens – und, dank der Zeitreise, kann er sich ihr als der perfekte Liebhaber präsentieren. Vielleicht nicht beim ersten Mal. Aber beim zweiten oder dritten Mal.

Bei Richard Curtis, der das Buch schrieb und Regie führte, entstehen aus dieser Fähigkeit allerdings keine Konflikte oder moralische Dilemmas oder nicht bedachte Folgen. In Curtis‘ Film ist sie nur eine Möglichkeit, das eigene Leben zu verbessern, ohne dass sich in der Welt irgendetwas weltbewegendes ändert. Wenn Tim etwas nicht gelingt, dann versucht er es – wie in einem Labor – einfach noch einmal.

Ziemlich schnell wird deshalb die Zeitreisefähigkeit zu einem Gimmick für einen billigen Lacher, wenn er bei einem Gespräch mit seiner Sommerliebe immer in ein anderes Fettnäpfchen tappt oder er die erste Nacht mit seiner großen Liebe Mary (Rachel McAdams) so lange optimiert, bis er der größte Liebhaber aller Zeiten ist, sie mit ihrem Traummann zusammenbleiben will und sie gemeinsam eine Familie mit vielen Kindern gründen. Denn in „Alles eine Frage der Zeit“ geht es nur um die Verklärung des kleinen häuslichen Glücks mit Frau und Kind. Halt dem konservativen Idealbild einer Familie. Dazu passt auch, dass Tim Anwalt ist und er so schüchtern ist, dass er niemals bei Rot eine Ampel überqueren würde. Die beiden, ihre Eltern und ihre Freunde sind sympathische Menschen, die das tun, was sie in einer RomCom immer tun: sich verlieben und glücklich sein.

Und auf der Ebene ist „Alles eine Frage der Zeit“ als gut besetzte, etwas lang geratene romantische Komödie auch okay. Man muss halt nur die Zeitreise-Idee links liegen lassen (vielleicht hat Tim ja einfach nur eine blühende Fantasie) und sich nicht über die vielen verschenkten Möglichkeiten aufregen. Denn warum gibt es keine Konflikte, wenn Tim durch die Zeit reist? Warum ändert sich die Wirklichkeit nicht in einem größeren Maßstab? Kurz: Warum haben seine Handlungen keine Auswirkungen auf das Weltgeschehen? In „Alles eine Frage der Zeit“ ist Zeitreise das Äquivalent zu einem Laborversuch: wir probieren es einmal und dann ändern wir halt einfach der Reihe nach verschiedene Bedingungen und probieren verschiedene Sachen aus. Nur ist ein Film kein Laborversuch.

Andere Autoren, die sich mit Zeitreisen und den daraus entstehenden Problemen beschäftigten, haben die verschiedenen Paradoxien und unbedachten Auswirkungen ja thematisiert und natürlich fragten sie, ob man, wenn man weiß, dass etwas schreckliches Geschehen wird, das nicht verhindern sollte. Das bekannteste Beispiel ist natürlich die Frage, ob man Adolf Hitler nicht umbringen würde, wenn man es könnte. Stephen Fry schrieb dazu den köstlichen Roman „Geschichte machen“ (Making History, 1996). In Stephen Kings „Der Anschlag“ (11/22/63, 2011) versucht ein Zeitreisender die Ermordung von John F. Kennedy zu verhindern. Um nur zwei literarische Beispiele zu nennen. Genrejunkies können die Liste ja beliebig erweitern.

Das fragt Tim sich nie. Auch Autor und Regisseur Curtis interessiert sich nicht dafür. Außerdem bricht Curtis immer wieder, vollkommen willkürlich die von ihm etablierten Zeitreise-Regeln. So reist Tim irgendwann mit seiner Schwester in der Zeit zurück.

Insofern – und da tue ich wahrscheinlich Richard Curtis, der, nach „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, „Notting Hill“ und „Tatsächlich…Liebe“, einfach nur eine nette romantische Komödie inszenieren wollte, wahrscheinlich Unrecht – ist „Alles eine Frage der Zeit“ ein unappetitlich, bieder-reaktionärer Film, der schamlos einen Rückzug ins Private propagiert.

Alles eine Frage der Zeit - Plakat

Alles eine Frage der Zeit (About Time, Großbritannien 2013)

Regie: Richard Curtis

Drehbuch: Richard Curtis

mit Domhnall Gleeson, Rachel McAdams, Bill Nighy, Lydia Wilson, Lindsay Duncan, Richard Cordery, Joshua McGuire, Tom Hollander, Margot Robbie, Will Merrick, Vanessa Kirby

Länge: 124 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Alles eine Frage der Zeit“

Moviepilot über „Alles eine Frage der Zeit“

Metacritic über „Alles eine Frage der Zeit“

Rotten Tomatoes über „Alles eine Frage der Zeit“

Wikipedia über „Alles eine Frage der Zeit“ (deutsch, englisch)


%d Bloggern gefällt das: