Neu im Kino/Filmkritik: Kevin Hart besucht die „Night School“

November 16, 2018

Als Jugendlicher hatte Teddy Walker (Kevin Hart) keinen Bock auf die Schule. Er verließ sie ohne Abschluss. Jahre später ist er ein erfolgreicher Verkäufer bei „BBQ City“. Der Inhaber bietet ihm sogar an, sein Nachfolger zu werden. Er hat eine gut aussehende und gut verdienende Freundin, die ihn so liebt, wie er ist. Für sie müsste er gar nicht den großen Zampano heraushängen lassen. Als er, während eines Heiratsantrags, durch eine Verkettung unglücklicher Umstände die Firma, die er übernehmen könnte, abfackelt und sie nicht versichert war, steht er vor dem Nichts.

Teddy hat Glück im Unglück. Ein alter Schulfreund bietet ihm in seiner Firma eine Stelle als Finanzberater an. Er müsse dafür nur einen Schulabschluss vorweisen.

Teddy will den Abschluss in der Abendschule nachholen. Also eigentlich will der Schlawiner nur die Bestätigung, dass er die Schule bestanden hat. Aber die Abendschullehrerin Carrie (Tiffany Haddish) verlangt von ihm, dass er den gesamten Kurs und die Prüfungen absolviert. Zusammen mit ‚Big Mac‘ Mackenzie (Rob Riggle), Jaylen (Romany Malco), Luis (Al Madrigal), Theresa (Mary Lynn Rajskub), Mila (Anne Winters) und Bobby (‚Fat Joe‘ Joseph Cartagena) (via Skype aus dem Gefängnis zugeschaltet), einer Gruppe archetypischer Verlierergestalten, drückt er die Schulbank.

Und damit sind alle Zutaten für eine weitere US-Komödie vorhanden. „Girls Trip“-Regisseur Malcolm D. Lee übernahm die Aufgabe, die Improvisationen der Komiker zu einem wenigstens halbwegs kohärenten Film zusammenzufügen, bei dem einzelne Gags zu breit ausgewalzt werden. Wahrscheinlich weil es beim Dreh so witzig war. Denn vor einigen Jahren hat sich in Hollywood die irrige Ansicht durchgesetzt, dass bei Komödien ein Drehbuch nur das beliebig formbare Material ist.

Trotzdem ist die Gagdichte für eine Komödie niedrig. Kevin Hart quasselt in gewohnter Manier mehr als nötig, während er einige Lektionen lernt. Seine Partnerin Tiffany Haddish, die mit „Girls Trip“ in den USA ihren Durchbruch hatte, ist bei uns noch fast unbekannt. Und es ist schön, „24“ Mary Lynn Rajskub mal wieder zu sehen. Sie hat als sich von ihren Selbstzweifeln emanzipierende Hausfrau und Mutter einige grandiose Momente.

Zugunsten eines anvisierten Lachers ist die Story oft nicht durchdacht. Oft ist sie sogar einfach idiotisch. Es geht dabei nicht darum, dass Teddy ausgerechnet an seiner alten Schule die Prüfung ablegen will und auch nicht darum, dass der Schuldirektor (Taran Killam) ausgerechnet sein alter Erzfeind ist, der sich jetzt endlich rächen kann. Das wird vom Drehbuch so gesetzt. Es geht um Probleme innerhalb der Story: So soll jemand, der eine panische Angst vor Zahlen hat und ein schwerer Legastheniker ist, über Jahre der beste Verkäufer der Firma sein? So soll während Teddys gesamter Schulzeit keinem Lehrer seine Lernbehinderungen aufgefallen sein? Das fällt erst Carrie auf.

Ihre Methode, Teddys Lernprobleme zu beseitigen, ist immerhin so absurd, dass sie schon wieder auf eine verquere Art witzig ist: sie verprügelt ihn in einem Käfig, bis er die richtige Antwort sagt. Ihre Schläge taugen nur als Metapher dafür, wie Teddy sich fühlt, wenn er im Unterricht sitzt und versucht, den Stoff zu begreifen. Und da haben wir ein weiteres Problem. Der Satz des Pythagoras ist die zu Aufgabe, die sich durch den gesamten Film zieht. Als Teddy ihn lösen kann, kann er die Prüfung bestehen. Wie ihm das gelingt, erfahren wir nicht. Dabei verwenden andere Filme viel Zeit darauf, dem Zuschauer teilweise sehr komplexe Zusammenhänge so zu erklären, dass man die Zusammenhänge nachher verstanden oder wenigstens eine gute Ahnung über die Zusammenhänge hat. Nicht so „Night School“. Wer vorher keine Ahnung hatte, was der Satz des Pythagoras ist, weiß es auch danach nicht. Da wird sträflich Potential verschenkt.

Am Ende hat „Night School“, wie die gelungeneren „Fack ju Göhte“-Schulfilme, eine sympathische und begrüßenswerte Botschaft über zweite Chancen, den Glauben an sich selbst und dem Wert von Gemeinschaft.

Night School (Night School, USA 2018)

Regie: Malcolm D. Lee

Drehbuch: Harry Ratchford, Joey Wells, Matthew Kellard, Nicholas Stoller, John Hamburg

mit Kevin Hart, Tiffany Haddish, Taran Killiam, Mary Lynn Rajskub, Rob Riggle, Romany Malco, Megalyn Echikunwoke, Al Madrigal, Anne Winters, Ben Schwartz, Fat Joe

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Night School“

Metacritic über „Night School“

Rotten Tomatoes über „Night School“

Wikipedia über „Night School“

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DVD-Kritik: „Dead Rising: Watchtower“ gegen die Zombies

August 3, 2015

Ja, „Dead Rising: Watchtower“ ist eine Spieleverfilmung. Also, teilweise. Zach Lipovskys Film spielt in der „Dead Rising“-Welt der bekannten Computerspiele, die von George A. Romeros Zombie-Welt inspiriert ist (was jetzt nicht schwierig ist, weil eigentlich alle Zombie-Geschichten, die nach 1968 entstanden, von ihm inspiriert sind), und der Journalist Frank West, der in den ersten beiden „Dead Rising“-Computerspielen der Protagonist ist, ist dabei. Er sitzt als zynischer Journalist in einem TV-Studio und er bringt mal etwas mehr, mal etwas weniger gelungenen Humor in diesen vorhersehbaren Film. Rob Riggle spielt ihn. Außerdem sind Dennis Haysbert als Armee-General und Virginia Madsen als Mutter dabei. Aber eigenständige Akzente können sie nicht setzen. Haysbert macht Dienst nach Vorschrift und Madsen ist als nach dem Tod ihrer Tochter verrückt gewordene Mutter, nun, nett, aber auch, rollenbedingt, etwas abwesend.
Im Mittelpunkt des zwischen den Computerspielen „Dead Rising 2“ und „Dead Rising 3“ spielenden Films stehen Chase Carter (Jesse Metcalfe), ein ehrgeiziger TV-Journalist, und Crystal O’Rourke (Meghan Ory), eine Kampfamazone mit dem Zombie-Virus. Sie versuchen in der hermetisch abgeschotteten Stadt zu überleben. Dabei kommen sie einem Komplott mit einem unwirksamen Mittel gegen den Zombievirus auf die Spur.
„Dead Rising: Watchtower“ ist kein wirklich schlechter Film. Es ist nur ein vollkommen durchschnittlicher Film, der immer wie der TV-Film-der-Woche aussieht und dabei, obwohl er ein FSK-18 erhalten hat, nie so grausam und auch emotional berührend wie die TV-Serie „The Walking Dead“ ist.
Er ist schnelles Zwischendurch-Futter für Zombie-Fans, allerdings mit überschaubarem Nährwert.

Dead Rising Watchtower - DVD-Cover - 4

Dead Rising: Watchtower (Dead Rising; Watchtower, USA/Kanada 2015)
Regie: Zach Lipovsky
Drehbuch: Tim Carter
mit Jesse Metcalfe, Meghan Ory, Virginia Madsen, Dennis Haysbert, Rob Riggle, Keegan Connor Tracy

DVD (Ausstattung angekündigt)
Polyband
Bild: 2,40:1 (16×9 anamorph)
Ton: Deutsch, Englisch (Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: The Epic One’er, Making of Bonzo, Weapons of Dead Rising
Länge: 113 Minuten
FSK: ab 18 Jahre

Hinweise
Moviepilot über „Dead Rising: Watchtower“
Rotten Tomatoes über „Dead Rising: Watchtower“
Wikipedia über „Dead Rising: Watchtower“


Neu im Kino/Filmkritik: „Let’s be Cops – Die Party Bullen“ sind keine Zierde

Januar 8, 2015

Das muss für Jüngere angesichts von Filmen wie „Let’s be Cops – Die Party Bullen“ wie ein Märchen aus einer weit, weit entfernten Galaxis klingen: es gab einmal eine Zeit, als man sich auf die nächste Buddy-Cop-Komödie freute. Das waren Filme, in denen es reichlich Humor und Action gab. Ich sage nur „48 Stunden“, „Red Heat“, „Zwei stahlharte Profis“ (Lethal Weapon) und „Bad Boys“. Oft gab es erfolgreiche Fortsetzungen und sogar in schlechteren Buddy-Cop-Komödien, wie „Diese zwei sind nicht zu fassen“ (Running Scared), gibt es reichlich Humor und Action.
In „Let’s be Cops“ gibt es keine nennenswerten Action-Szenen und die, die es gibt, wären schon vor dreißig Jahren in einer TV-Serie verbraten worden. Der Humor bewegt sich konstant auf Blödel-Niveau. Das mag witzig gemeint sein, ist aber nur nervig im Eddie-Murphy-Gedächtnismodus.
Die Story: Ryan (Jake Johnson) und Justin (Damon Wayans Jr.) sind zwei erfolglose Mitt-Dreißiger, die schon vor Ewigkeiten aus der Kleinstadt nach Los Angeles gezogen sind. Der eine arbeitet als erfolgloser Schauspieler, der andere ist nachrangiger Spieleentwickler in einer großen Firma. Eines Tages ziehen sie als Party-Kostüm ein Polizeiuniformen an, werden für Polizisten gehalten und genießen den Respekt der Bevölkerung. Dummerweise legen sie sich mit einem Gangstersyndikat an und, nun, die Dinge laufen etwas aus dem Ruder.
Irgendwann läuft Andy Garcia auf der Suche nach seiner Lohntüte durch das Bild und wahrscheinlich freut er sich, dass dieses Werk nicht mit seinem Namen beworben wird.
Und weil der Film in den USA locker sein Budget einspielte, wird es sicher eine Fortsetzung geben.

Let s be Cops - Plakat

Let’s be Cops – Die Party Bullen (Let’s be Cops, USA 2014)
Regie: Luke Greenfield
Drehbuch: Luke Greenfield, Nicholas Thomas
mit Jake Johnson, Damon Wayans Jr., Rob Riggle, Nina Dobrev, James D’Arcy, Keegan-Michael Key, Andy Garcia, Jonathan Lajoie, Tom Mardirosian
Länge: 105 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Let’s be Cops“
Moviepilot über „Let’s be Cops“
Metacritic über „Let’s be Cops“
Rotten Tomatoes über „Let’s be Cops“
Wikipedia über „Let’s be Cops“ 


Neu im Kino/Filmkritik: Ein Haus weitergezogen zur „22 Jump Street“

Juli 31, 2014

In „21 Jump Street“ wurden vor zwei Jahren einige Meta-Witze über das ideenlose Recycling von Ideen aus den Achtzigern gemacht und damit war nicht nur gemeint, dass in der Polizei ein Programm aus den Achtzigern wieder aufgelegt wird, sondern auch dass eine alte TV-Serie fit fürs Kino gemacht wird. Aber während die vorherigen Wiederbelebungen von mehr oder weniger kultigen und legendären TV-Serien für das Kino (wie „Starsky & Hutch“, „The A-Team“ und „Miami Vice“ [obwohl da sogar Serienerfinder Michael Mann federführend dabei war]) nicht erfolgreich genug für weitere Filme waren, war „21 Jump Street“ ein Überraschungserfolg, der jetzt zur Fortsetzung „22 Jump Street“ führte, die mit einigen Meta-Witzen über ideenlose Fortsetzungen gepflastert ist.

So wurde einfach der Auftrag aus dem ersten Film wieder genommen, aber dieses Mal suchen der unsportliche, aber schlaue Schmidt (Jonah Hill) und der sportliche, aber dumme Jenko (Channing Tatum) den geheimnisumwitterten Drogendealer nicht mehr an der Schule, sondern an der Universität. Natürlich ein anderer Dealer. Aber sie arbeiten wieder Undercover. Jetzt als Studenten. Es gab auch ein höheres Budget, was natürlich ausgegeben wurde für ein größeres Büro des immer noch sehr schlecht gelaunten Chefs (Ice Cube) und größere Waffen und größere Autos. Und ein Finale in Mexiko in der Küstenstadt Puerto, wo die vergnügungsssüchtigen Studentenmassen ihre Mega-Drogenparty, den Spring Break, feiern und die ordentliche Polizeiarbeit von Schmidt und Jenko effektiv behindern.

Bei soviel Selbstironie kann man dem Buddy-Movie natürlich unmöglich als Ideenlosigkeit vorwerfen, was die Macher gerade vollmundig behaupten: nämlich dass sie das gleich noch einmal machen. Nur größer. – Und wenn ich „21 Jump Street“ besprochen hätte, könnte ich einfach meine Kritik wiederveröffentlichen. Sie würde stimmen. Denn wieder ist die Story, über die man nicht länger als zwei Sekunden nachdenken sollte (die Macher haben es auch nicht getan), nur der Aufhänger für die zahlreichen mehr oder weniger treffenden Witze, in denen sich die Macher teilweise etwas zu sehr auf die Schulter klopfen für ihre Smartness, und die oft, wie bei vielen aktuellen Komödien, zu breit ausgewaltzt werden und immer wieder in Blödeleien ausarten.

So ist „22 Jump Street“, wie „21 Jump Street“, eine durchaus witzige, etwas zu lang geratene und zu selbstgenügsame Buddy-Komödie, die auch zeigt, wie Schmidt und Jenko als eingespieltes Team zusammenarbeiten und sie einige Beziehungsprobleme bearbeiten müssen, weil sie an der Universität aus persönlichen Gründen verschiedene Verdächtige haben.

Im Abspann werden schon die nächsten Fortsetzungen angekündigt – und einige haben wirklich Potential.

22 Jump Street - Plakat

22 Jump Street (22 Jump Street, USA 2014)

Regie: Phil Lord, Christopher Miller

Drehbuch: Michael Bacall, Oren Uziel, Rodney Rothman (nach einer Geschichte von Michael Bacall und Jonah Hill, sehr lose basierend auf der TV-Serie „21 Jump Street“)

mit Jonah Hill, Channing Tatum, Peter Stormare, Ice Cube, Wyatt Russell, Amber Stevens, Jillian Bell, The Lucas Brothers, Nick Offerman, Jimmy Tatro, Rob Riggle, Dave Franco

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „22 Jump Street“

Moviepilot über „22 Jump Street“

Metacritic über „22 Jump Street“

Rotten Tomatoes über „22 Jump Street“

Wikipedia über „22 Jump Street“ 


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