Neu im Kino/Filmkritik: „The Expendables 3“ – Same procedure as last time

August 21, 2014

In den USA wird derzeit über das maue Einspielergebnis von „The Expendables 3“ diskutiert, weil der Film vor dem Kinostart bereits im Netz in guter Qualität verfügbar war und deshalb so wenige Menschen den Film im Kino ansahen. Immerhin wurde der Film in den USA für eine PG-13-Freigabe verharmlost und damit das potentielle Publikum enorm vergrößert. Das war der Plan.

Aber die Fans der ersten beiden nicht jugendfreien „Expendables“-Filme waren deshalb schon lange vor dem Kinostart verkrätzt. Denn der Charme der ersten beiden „Expendables“-Filme bestand gerade in seiner ungehemmten Glorifizierung der Achtziger-Jahre-Action-Filme mit den von damals bekannten Schauspielern. Sie zeigten noch einmal einfache handgemachte Action.

Für die PG-13-Freigabe wurde in der Originalfassung vor allem auf Schimpfworte, vor allem das immer einsetzbare „Fuck“, verzichtet. Wegen diesem Wort hatten auch „The King’s Speech“ und „Der Ghostwriter“ in den USA Probleme mit der Freigabe. „The King’s Speech“ wurde um einige Schimpfworte gekürzt. Bei „Der Ghostwriter“ führte das zu einer liebevoll erstellten US-Version, die mir sogar besser gefällt, weil es auch im englischen viele schöne Schimpfworte gibt, die nicht mit „f“ anfangen und „k“ enden.

In einem zweiten Schritt wurde dann auf jegliches spritzende Blut verzichtet. Ich habe nicht nachgezählt, aber mehr als drei Blutspritzer habe ich nicht gesehen. Die Action besteht sowieso hauptsächlich auf endlosen Endlosballereien, erledigt von Männern in schwarzen Anzügen. Da sieht man Blut und Einschusslöcher sowieso nicht.

Bei dem Gejammer über das schlechte Einspielergebnis – es reichte immerhin für den vierten Platz – wurde vergessen, dass nicht nur die Kritiker nicht begeistert waren, sondern auch die Begeisterung der Fans sich, wie ein Blick Richtung IMDB und Rotten Tomatoes, in überschaubaren Grenzen hält.

Und sie haben recht: „The Expendables 3“ ist ein überlanger, zugequasselter Action-Film. Der Film dauert epische 127 Minuten, während die beiden Vorgänger ihre Geschichte in hundert Minuten erzählten; also ungefähr der 80er-Jahre-Actionfilm-Länge, was auch für diesen Film eine deutlich bessere Laufzeit gewesen wäre.

Die Story ist noch vernachlässigbarer als in den ersten beiden Filmen. Es beginnt mit einer pompösenen Gefangenenbefreiung von Doctor Death (Wesley Snipes), bei der die „Expendables“-Söldner angführt von Barney Ross (Sylvester Stallone) und Lee Christmas (Jason Statham) einen fahrenden Zug entern, die Wachen töten (meisten erschießen), Doctor Death befreien und schließlich den Zug mit großem Wumm in den Zielbahnhof, ein einsam gelegenes Gefängnis, fahren lassen. Das Gebäude geht in die Luft. Die Bösewichter sind tot. Die Mission ist erfüllt.

Schon bei dieser Action-Szene fällt auf, dass Regisseur Patrick Hughes (Red Hill) so viele Schnitte setzt, dass man nicht mehr richtig nachverfolgen kann, wer was macht. Die weiteren Actionszenen, vor allem in einem Hafen und in einer stillgelegten Fabrik, sind ebenfalls reine Schnittgewitter, die mit Schnitten, Wackelkamera und Nahaufnahmen mal wieder nur ein Gefühl von der Action vermitteln, aber niemals zeigen, was die Stuntmänner wirklich leisten und wie fit die Schauspieler sind. Genau deshalb enttäuscht dann auch das große Action-Finale: es wird endlos geballert, Bomben gehen hoch, Raketen werden abgeschossen und Patrick Hughes schneidet atemlos zwischen den verschiedene Schauplätzen und ungefähr einem halben Dutzen gleichzeitig stattfindender Kämpfe gegen gesichtslose Bösewichter, vulgo „Expendables“-Kanonenfutter, hin und her. Das ist so laut wie langweilig.

In Somalia sollen sie, kurz nach Deaths Befreiung, im Hafen einen Waffendeal verhindern und Conrad Stonebanks (Mel Gibson), hm, ich glaube, in dem Moment noch töten. Bei dem Einsatz, der bombig schiefgeht, entdeckt Expendables-Chef Barney Ross, dass Stonebanks ein alter Kumpel und Gründungsmitglied der Expendables ist. Bis dahin glaubte Ross, dass er Stonebanks vor Jahren, als Stonebanks auf die schiefe Bahn geriet, tötete.

Jetzt will Ross den skrupellosen Stonebanks erledigen, aber CIA-Mann Max Drummer (Harrison Ford) sagt ihm, dass sie Stonebanks lebendig wollen, um ihn als Kriegsverbrecher anzuklagen (Yeah, etwas Suspension of Disbelief ist in dem Moment nötig).

Ross entlässt, weil Stonebanks ein so schlimmer Gegner ist, seine alten Expendables (auch hier ist etwas Suspension of Disbelief hilfreich) und heuert eine Gruppe neuer Expendables an, die dann sofort von Stonebanks gefangen genommen werden.

Also müssen wieder die alten Expendables ran und es kommt zu einer großen Schlacht in einem einsam gelegenem Fabrikgelände, das dem Erdboden gleich gemacht werden kann.

Zwischen den raren Action-Szenen, die eigentlich alles Baller-Szenen sind, gibt es dann, wieder einmal, viele Gespräche der Söldner über ihren Beruf und ihr Leben. Da sind die Rekrutierungen der neuen Expendables fast schon eine willkommene Entspannung.

Wie schon bei den ersten beiden „Expendables“-Filmen beruht ein großer Teil des Charmes der Filme auf der großen Starparade, die dieses Mal aus Sylvester Stallone, Jason Statham, Antonio Banderas, Jet Li, Wesley Snipes, Dolph Lundgren, Kelsey Grammer, Randy Couture, Mel Gibson, Harrison Ford, Arnold Schwarzenegger, Terry Crews, Kellan Lutz, Ronda Roosey, Glen Powell, Victor Ortiz und Robert Davi besteht. Dabei haben die meisten Auftritte ungefähr die Länge eines längeren Cameos und gerade die neuen Expendables (vulgo die Neuzugänge) bleiben vollkommen austauschbar. Auch die aus den vorherigen Filmen bekannten Stars, wie Jason Statham, Dolph Lundgren und Jet Li, kommen kaum über Cameo-Länge hinaus.

Antonio Banderas spielt einen hyperagilen, ewig plappernden und extrem begeisterten Söldner. Das ist anfangs als Comic-Relief witzig, wird aber mit der Zeit nervig. Wenn die Söldner sich durch ein Waldgebiet anschleichen und er dabei endlos plappert, dann ist wieder einmal viel Suspension of Disbelief gefragt.

Mel Gibson als meistens schweigsamer Bösewicht überzeugt; – aber in „Machete Kills“ konnte er ja schon für die Rolle als Bösewicht üben.

Am Ende von „The Expendables 3“ fühlt man sich wie einer der Söldner im Film: man hat die Schlacht überlebt, sie war größtenteils chaotisch und man ist nur froh, noch am Leben zu sein.

The Expendables 3 - Plakat

 

The Expendables 3 (The Expendables 3, USA 2014)

Regie: Patrick Hughes

Drehbuch: Sylvester Stallone, Creighton Rothenberger, Katrin Benedikt (nach einer Geschichte von Sylvester Stallone)

mit Sylvester Stallone, Jason Statham, Antonio Banderas, Jet Li, Wesley Snipes, Dolph Lundgren, Kelsey Grammer, Randy Couture, Mel Gibson, Harrison Ford, Arnold Schwarzenegger, Terry Crews, Kellan Lutz, Ronda Roosey, Glen Powell, Victor Ortiz, Robert Davi (für jeden eine Szene, einmal Ballern, einmal Abtreten)

Länge: 127 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Expendables 3“

Moviepilot über „The Expendables 3“

Metacritic über „The Expendables 3“

Rotten Tomatoes über „The Expendables 3“

Wikipedia über „The Expendables 3“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Simon Wests „The Expendables 2“ (The Expendables 2, USA 2012)

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DVD-Kritik: „Boomer – Überfall auf Hollywood“ lässt es mächtig krachen

September 12, 2013

 

Ein „Cinema Treasure“ ist „Boomer – Überfall auf Hollywood“ wahrlich nicht. Der zerstörungswütige Actionfilm gehört zu den Spätwerken von Sidney J. Furie, der in den sechziger Jahren mit dem Harry-Palmer-Spionagethriller „Ipcress – Streng geheim“ (The Ipcress File, mit Michael Caine) und dem Western „Südwest nach Sonora“ (The Appaloosa, mit Marlon Brando) vielversprechend seine Karriere startete und irgendwann in den achtziger Jahren im Feld von prinzipiell uninteressanten, politisch indiskutablen, teilweise kommerziell erfolgreichen Produktionen wie „Der stählerne Adler“ und den Fortsetzungen landete.

Es ist auch der letzte Film von Ken Wahl, der in den frühen achtziger Jahren ein aufstrebender Star mit Filmen wie „The Wanderers“ und „The Bronx“ war, und der 1992 einen Motorradunfall mit lebensgefährlichen Verletzungen hatte, der seine Filmkarriere (abgesehen von drei weiteren Filmauftritten) beendete. 2004 sagte er in einem Interview, dass die Geschichte mit dem Motorradunfall nicht stimmte, sondern er bei der Freundin von Rodney Dangerfield eine Treppe hinuntergefallen war. An den gesundheitlichen Problemen, die er nach dem Unfall hatte, änderte das nichts.

Das dürften die filmhistorisch wichtigen Punkte bei „Boomer – Überfall auf Hollywood“ sein; einer ziemlich ärmlichen „Stirb langsam“-Variation, die ihr Story-Potential grundlos in einer explosionshaltigen Zerstörungsorgie verschenkt. Denn die Dialoge sind zu einfältig. Die Story ist einfach zu unlogisch. Der Plan der Bösewichter erscheint nicht besonders durchdacht. Und dass Boomer sofort beginnt, gegen die Bösewichter zu kämpfen, ist vor allem dem Drehbuch geschuldet. Es gibt zu viele lose Enden. So verschwindet der Beverly-Hills-Polizeichef aus dem Film, nachdem er sich im Hotel mit einem der Bösewichter, der sich sehr amateurhaft als Polizist ausgab, ein sehr seltsames Gespräch führte, das eigentlich jeden Polizisten in Alarmbereitschaft versetzen sollte.

Also, die Story: In Beverly Hills leben die Schönen und Reichen. Eines Tages beschließen einige ehemalige Polizisten und ein Mastermind im Hintergrund (keine Überraschung: es ist James-Bond-Bösewicht Robert Davi) in einer Nacht den gesamten Ort auszurauben. Dafür inszenieren sie einen Chemieunfall, sperren Beverly Hills ab und evakuieren die Bewohner in ein naheliegendes Hotel. Durch einen dummen Zufall bekommt Football-Spieler und Frauenschwarm Boomer Hayes (Ken Wahl) die Evakuierung nicht mit. Er und ein Polizist (Matt Frewer), der bei dem Überfall mitmachte und plötzlich sein Gewissen entdeckt, versuchen jetzt, weil alle Telefone gekappt sind (und es 1991 noch keine Handys gab), aus Beverly Hills zu flüchten und von draußen Hilfe zu holen. Die Gangster verfolgen sie gnadenlos – und dabei werden jede Menge Gebäude und Luxusautos zerstört. Teils von einem Panzer überrollt, teils fotogen in die Luft gejagt.

Eben diese handgemachten Actionszenen erfreuen dann auch das Herz des Nostalgikers.

Jan Hammer schrieb die Musik.

 

Zwei zeitgenössische Stimmen

Pyromanen-Inferno (…) Eine der größten Materialschlachten des Action-Kino-Jahres, in der ungefähr jede Minute ein Straßenzug in die Luft geht. (Fischer Film Almanach 1993 – und das trotz „Brennpunkt L. A. 3 – Die Profis sind zurück“ [Lethal Weapon 3] und „Terminator II“)

 

Spannungsarm, dafür explosionsreich bleibt der Film lediglich für unbedingte unkritische Fans des Actiongenres unterhaltsam. (multimedia)

Boomer - Überfall auf Hollywood - DVD-Cover

Boomer – Überfall auf Hollywood (The Taking of Beverly Hills, USA 1991)

Regie: Sidney J. Furie

Drehbuch: Rick Natkin, David Fuller, David J. Burke (nach einer Geschichte von Sidney J. Furie, Rick Natkin und David Fuller)

mit Ken Wahl, Robert Davi, Matt Frewer, Harley Jane Kozak, Lee Ving James, Branscombe Richmond, Lyman Ward

DVD

Ascot Elite (Cinema Treasures)

Bild: 2,35:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS 2.0 Stereo, Dolby Digital 2.0 Stereo), Englisch (Dolby Digital 2.0 Mono)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Trailer, Wendecover

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Boomer – Überfall auf Hollywood“

Wikipedia über „Boomer – Überfall auf Hollywood“

 

 


TV-Tipp für den 30. März: James Bond: Lizenz zum Töten

März 30, 2013

ARD, 01.10

James Bond: Lizenz zum Töten (GB 1989, R.: John Glen)

Drehbuch: Richard Maibaum, Michael G. Wilson

LV: Figur von Ian Fleming

Nachdem Drogenbaron Sanchez seinen Freund Felix Leiter während der Hochzeit schwer verletzt und dessen Künftige umbringt, sieht Bond rot. Im Alleingang bringt er Sanchez um seine Existenzgrundlage.

Der zweite Einsatz von Timothy Dalton war realistischer und härter als die vorherigen Bonds. An der Kasse war er damit nicht so erfolgreich – und die Bond-Macher legten eine mehrjährige Pause ein. Pierce Brosnan beendete die Produktionspause 1995 mit dem kommerziell äußerst erfolgreichen „GoldenEye“.

In „Lizenz zum Töten“ ist die Mischung aus klassischem Bond und modernem us-amerkanischen Action-Kino nicht überzeugend. In Erinnerung bleiben vor allem, dass alles viel brutaler als gewohnt ist. Der nächste Versuch eines härteren Bonds gelang mit „Casino Royale“ wesentlich besser.

Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert.

Mit Timothy Dalton, Robert Davi, Talisa Soto, Benicio Del Toro

Hinweise

Rotten Tomatoes über „James Bond: Lizenz zum Töten“

Wikipedia über “James Bond: Lizenz zum Töten“ (deutsch, englisch)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung des James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


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