Neu im Kino/Filmkritik: „Leberkäsjunkie“ Franz Eberhofer sucht einen Mörder und Brandstifter – und Eva Mattes rastet aus

August 2, 2019

Nachdem der fünfte Eberhofer-Film „Sauerkrautkoma“ bundesweit über eine Million Besucher hatte, läuft auch der sechste Eberhofer-Film „Leberkäsjunkie“ bundesweit. Die ersten vier Eberhofer-Filme wurden, bis auf wenige Ausnahmen, nur in Bayern im Kino gezeigt. Dort waren sie zunehmend erfolgreiche Blockbuster. Schon in den ersten Eberhofer-Film „Dampfnudelblues“ gingen über eine halbe Million Menschen. Dabei sind die Filme auf den ersten Blick ganz normale Provinzkrimis, wie man sie aus allen Städten zwischen Kitzbühel und Wismar kennt.

Da ist das fiktive, von Bestseller-Autorin Rita Falk erfundene Niederkaltenkirchen nur ein weiteres Dorf auf der kriminellen Landkarte. Dort ermittelt Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) immer noch auf dem elterlichen Hof lebend und er denkt immer noch nicht daran, sein großes Jugendzimmer zu räumen. Er denkt auch nicht daran, erwachsen zu werden. Sein Vater (Eisi Gulp) kifft, seine Oma (Enzi Fuchs) kocht, sein Bruder (Gerhard Wittmann) isst öfter mit und auch Eberhofers Dauerfreundin Susi (Lisa Maria Potthoff) sitzt oft in der Küche am Esstisch. Sein Freund Rudi Birkenberger (Simon Schwarz), ein notorisch erfolgloser, aber nie um einen Ratschlag verlegener, enthusiastischer Privatdetektiv, isst ebenfalls oft mit. Nur Eberhofers Sohn Paul muss altersbedingt noch neben dem Tisch im Babysitz sitzen.

Jetzt soll Eberhofer, weil Susi auf einer Fortbildung ist, einige Tage auf seinen Sohn aufpassen. Sie teilen sich die Kindererziehung, weil er sich mit ihr, wieder einmal, zerstritten hat.

Da wird nach einem Brand auf dem Mooshammerhof eine Frauenleiche gefunden. Schnell ist klar, dass die junge Frau ermordet wurde. Eberhofer hat einen neuen Kriminalfall, den er mit seinem gewohnten, an aktive Arbeitsverweigerung grenzenden Elan lösen will.

Die nach dem Brand obdachlose Liesl Mooshammer (Eva Mattes) kommt bei den Eberhofers unter und sorgt mit ihrem herrischen und extrovertiertem Verhalten für Ärger. Die auf den ersten Blick kaum erkennbare Eva Mattes gibt hier dem Affen ordentlich Zucker. Mattes und Bezzel waren von 2004 bis 2016 das Konstanzer „Tatort“-Team.

Weitere Verdächtige werden von Robert Stadlober, Manuel Rubey, Castro Bokyi Affum und Anica Dobrau gespielt.

Selbstverständlich sind auch Eberhofers aus den vorherigen Filmen bekannten Freunde und Vorgesetzten wieder dabei. Gespielt werden sie wieder von Daniel Christensen, Max Schmid, Stephan Zimmer, Michael Ostrowski, Sigi Zimmerschmied und Thomas Kügel.

Ed Herzog, der bereits die vorherigen Eberhofer-Krimis schrieb und inszenierte, inszenierte auch „Leberkäsjunkie“. Das Drehbuch schrieb er wieder mit Stefan Betz. Dabei befolgten sie die alte Weisheit, dass man eine funktionierende Sache nicht verändern solle. Das Team ist gut eingespielt, die bekannten Schrullen der Figuren werden gepflegt, es gibt Situationskomik und neue Witze, die sich dieses Mal vor allem um Eberhofers Essgewohnheiten und seine Folgen drehen. Denn seit der Trennung von Susi hat er sich zu einem richtigen Frustesser mit Wampe entwickelt. Nachdem er auf dem Mooshammerhof nach dem Anblick der Brandleiche ohnmächtig wird, rät ihm der Arzt, künftig auf seine Cholesterinwerte zu achten. Das bedeutet, dass sein geliebter Leberkäse sofort vom Speiseplan gestrichen ist. Seine Oma kocht ihm gesundes, aber auch ungenießbares Essen und Eberhofer stopft bei jeder Gelegenheiten wahre Fleischberge in sich hinein.

Daneben ist der Kriminalfall noch unwichtiger als in den vorherigen Eberhofer-Krimis. Weil der Humor, mal derber, mal anarchistischer, wieder einmal stimmt und weil die Stammbesetzung und die Gastschauspieler spielfreudig harmonisieren, ist „Leberkäsjunkie“ ein gelungener neuer Eberhofer-Krimi, der genau das liefert, was man nach den vorherigen Eberhofer-Krimis erwartet.

Leberkäsjunkie (Deutschland 2019)

Regie: Ed Herzog

Drehbuch: Stefan Betz, Ed Herzog

LV: Rita Falk: Leberkäsjunkie, 2016

mit Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff, Enzi Fuchs, Eisi Gulp, Gerhard Wittmann, Eva Mattes, Robert Stadlober, Manuel Rubey, Anica Dobra, Castro Dokyi Affum, Sigi Zimmerschied, Daniel Christensen, Stephan Zinner, Max Schmidt, Ferdinand Hofer, Thomas Kügel, Frederic Linkemann, Lara Mandoki, Michael Ostrowski, Harry G.

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Leberkäsjunkie“

Moviepilot über „Leberkäsjunkie“

Wikipedia über „Leberkäsjunkie“

Homepage von Franz Eberhofer

dtv über Rita Falk

Meine Besprechung von Rita Falks „Dampfnudelblues – Ein Provinzkrimi“ (2011)

Meine Besprechung von Rita Falks „Sauerkrautkoma – Ein Provinzkrimi“ (2012)

Meine Besprechung von Ed Herzogs Rita-Falk-Verfilmung „Sauerkrautkoma“ (Deutschland 2018)

Werbeanzeigen

Verlosung: Wer sind die glücklichen „Leberkäsjunkie“-Gewinner*innen?

Juli 29, 2019

Während der Franz Eberhofer vor dem Kinostart am Donnerstag noch einige überdimensionierte Leberkäsbrötchen mampft, darf ich verraten, wer die Plakate und Bücher gewonnen hat.

Die Bücher gehen an

Martina G. aus Neufahrn

Reinhold H. aus Waldkraiburg

Die Plakate an

Johann M. aus Wörth

Steffen M. aus Berlin

Viel Spaß beim Lesen der Bücher und Aufhängen der Plakate mit diesen Mannsbildern wünscht die Kriminalakte.

In „Leberkäsjunkie“ müssen die Top-Ermittlern von Niederkaltenkirchen herausfinden, wer im Mooshammerhof eine junge Münchnerin ermordete und anschließend den Hof anzündete. Der tiefenentspannte, essfreudige Dorfkommissar Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel), inzwischen auch in Trennung lebender Vater (mit seiner Susi gab’s Probleme), und sein Freund Rudi Birkenberger (Simon Schwarz), Privatdetektiv und Nervensäge, ermitteln gewohnt zielstrebig. Wie immer sind Ablenkungen willkommen und jede Gelegenheit für eine Esspause wird genutzt. Selbstverständlich sind die Stammfiguren und Schauspieler aus den vorherigen Eberhofer-Filmen wieder dabei. Und Eva Mattes darf als Liesl Mooshammer dem Affen ordentlich Zucker geben.

Auch hinter der Kamera ist das bewährte Team. So bietet Ed Herzogs sechster Eberhofer-Krimi gewohnt witzige Unterhaltung für die Fans der vorherigen Eberhofer-Komödien. Ab dem 1. August im Kino.

Leberkäsjunkie (Deutschland 2019)

Regie: Ed Herzog

Drehbuch: Stefan Betz, Ed Herzog

LV: Rita Falk: Leberkäsjunkie, 2016

mit Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff, Enzi Fuchs, Eisi Gulp, Gerhard Wittmann, Eva Mattes, Robert Stadlober, Manuel Rubey, Anica Dobra, Castro Dokyi Affum, Sigi Zimmerschied, Daniel Christensen, Stephan Zinner, Max Schmidt, Ferdinand Hofer, Thomas Kügel, Frederic Linkemann, Lara Mandoki, Michael Ostrowski, Harry G.

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Leberkäsjunkie“

Moviepilot über „Leberkäsjunkie“

Wikipedia über „Leberkäsjunkie“

Homepage von Franz Eberhofer

dtv über Rita Falk

Meine Besprechung von Rita Falks „Dampfnudelblues – Ein Provinzkrimi“ (2011)

Meine Besprechung von Rita Falks „Sauerkrautkoma – Ein Provinzkrimi“ (2012)

Meine Besprechung von Ed Herzogs Rita-Falk-Verfilmung „Sauerkrautkoma“ (Deutschland 2018)


Verlosung: „Leberkäsjunkie“ – zum Lesen und Hängen

Juli 19, 2019

Wenige Tage bevor der sechste Franz-Eberhofer-Krimi „Leberkäsjunkie“ bundesweit in den Kinos anläuft, startet die Kriminalakte eine Verlosung. Zu gewinnen gibt es zweimal die Filmausgabe des Provinz-Krimis von Rita Falk und zwei Filmplakate mit den Top-Ermittlern von Niederkaltenkirchen.

Dieses Mal müssen sie herausfinden, wer im Mooshammerhof eine junge Münchnerin ermordete und anschließend den Hof anzündete. Der tiefenentspannte, essfreudige Dorfkommissar Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel), inzwischen auch in Trennung lebender Vater (mit seiner Susi gab’s Probleme), und sein Freund Rudi Birkenberger (Simon Schwarz), Privatdetektiv und Nervensäge, ermitteln gewohnt zielstrebig. Wie immer sind Ablenkungen willkommen und jede Gelegenheit für eine Esspause wird genutzt. Selbstverständlich sind die Stammfiguren und Schauspieler aus den vorherigen Eberhofer-Filmen wieder dabei. Und Eva Mattes darf als Liesl Mooshammer dem Affen ordentlich Zucker geben.

Auch hinter der Kamera ist das bewährte Team. So bietet Ed Herzogs sechster Eberhofer-Krimi gewohnt witzige Unterhaltung für die Fans der vorherigen Eberhofer-Komödien. Ab dem 1. August im Kino.

Die Verlosung der zwei Romane und zwei Filmplakate endet am Sonntag, den 28. Juli, um Mitternacht (also um 23.59 Uhr).

In den Betreff müsst ihr „Verlosung Leberkäsjunkie“ schreiben und in der Mail an info@axelbussmer.de muss eine deutsche Postadresse stehen.

Leberkäsjunkie (Deutschland 2019)

Regie: Ed Herzog

Drehbuch: Stefan Betz, Ed Herzog

LV: Rita Falk: Leberkäsjunkie, 2016

mit Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff, Enzi Fuchs, Eisi Gulp, Gerhard Wittmann, Eva Mattes, Robert Stadlober, Manuel Rubey, Anica Dobra, Castro Dokyi Affum, Sigi Zimmerschied, Daniel Christensen, Stephan Zinner, Max Schmidt, Ferdinand Hofer, Thomas Kügel, Frederic Linkemann, Lara Mandoki, Michael Ostrowski, Harry G.

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Leberkäsjunkie“

Moviepilot über „Leberkäsjunkie“

Wikipedia über „Leberkäsjunkie“

Homepage von Franz Eberhofer

dtv über Rita Falk

Meine Besprechung von Rita Falks „Dampfnudelblues – Ein Provinzkrimi“ (2011)

Meine Besprechung von Rita Falks „Sauerkrautkoma – Ein Provinzkrimi“ (2012)

Meine Besprechung von Ed Herzogs Rita-Falk-Verfilmung „Sauerkrautkoma“ (Deutschland 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“, den es nie gab

September 14, 2018

Jeder kennt „Die Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht. Und wer sie nicht kennt, behauptet wenigstens, sie zu kennen. Zum Beweis summt er die „Moritat von Mackie Messer“. Einen der Gassenhauer des Brecht/Weill-Stücks, das immer noch nicht veraltet ist. Jedenfalls wagt Joachim A. Lang in seinem Kinofilmdebüt „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ am Ende den Sprung in die Gegenwart. Bis dahin ist der Film das Making-of zu einem nie gedrehtem Film, gespielt von einem Star-Ensemble, und mit mehr Brecht-Sätzen als Brecht an einem Tag von sich gab. Denn Lars Eidinger als Bertolt Brecht haut einen druckreifen Satz nach dem nächsten raus. Das ist – gewollt – hochgradig künstlich und unterhaltsam. Auf einer intellektuellen Ebene.

Der Intellekt wird während des gesamten Films angesprochen. Joachim A. Lang, der auch das Drehbuch schrieb, ist ein ausgewiesener Brecht-Kenner. Seine Magisterarbeit war über Brechts „Kriegsfibel“. Seine ausgezeichnete Dissertation beschäftigte sich mit der Verfilmung von Brechts epischem Theater, besonders der „Dreigroschenoper“. Er war acht Jahre lang Künstlerischer Leiter des Brecht-Festivals und realisierte etliche Filme, wie die Dokumentation „Brecht – Die Kunst zu leben“, und weitere Projekte über Brecht. All sein Wissen wirft er jetzt in „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“.

Der Spielfilm beginnt 1928 mit der Generalprobe von „Die Dreigroschenoper“ im Theater am Schiffbauerdamm. Das Stück ist ein Erfolg und es soll von der Nero-Film AG verfilmt werden. Brecht will allerdings keine 1-zu-1-Verfilmung des Theaterstücks. Er will sein Stück in das andere Medium übertragen. Er will eine vollkommen neuen Version des Stücks erschaffen, die, zum Entsetzen des Produzenten, unglaublich teuer wird. Sie streiten sich. Zuerst im Büro. Am Ende vor Gericht. Brecht inszeniert den Streit zwischen ihm und der Nero-Film AG, den er öffentlichkeitswirksam verlieren wollten, als einen Konflikt zwischen Künstler und ausbeuterischem, nur an Geld interessiertem Unternehmen. Der Prozess endete in einem Vergleich. Brecht erhielt eine Abfindung und das Recht, die Geschichte später zu verfilmen. G. W. Pabsts Verfilmung kam in die Kinos.

Brechts Vision, für die er auch ein Exposé schrieb, wurde nie verfilmt. Bis jetzt.

Naja, so halbwegs. Denn Lang erzählt in „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ die Geschichte der geplanten Verfilmung und der Gerichtsverhandlung darüber. Gleichzeitig zeigt er das Theaterstück und Brechts filmische Version. So erzählt er die Geschichte der „Dreigroschenoper“. Und, als ob das noch nicht genug wäre, wendet er konsequent Brecht auf seinen Spielfilm an. Deshalb sind auch all die Fehler, die man dem Film vorwerfen kann, Absicht. Wie der nicht professionelle Gesang der Schauspieler (sie sind halt keine ausgebildeten Opernsänger), die immer minimal falschen Bildausschnitte (David Slama war im Kamerateam von „Die letzte Versuchung Christi“ und „Gangs of New York“. Zu seinen letzten Arbeiten gehört „Unsere Mütter, unsere Väter“.) und die krude zerschnittene erste große Tanzszene des Films. Sie ist so inszeniert, dass man die dahinter stehende Absicht, eben keine Hollywood-Tanzszene zu inszenieren, nicht übersehen kann. All diese bewusst gemachten Fehler sollen irritieren. Sie sollen Distanz schaffen.

Auf dem Papier liest sich das wie die Kopfgeburt eines fanatischen Brecht-Fans, die nicht funktionieren kann. Jedenfalls nicht für ein breiteres Publikum, das sich nicht täglich mit Brecht beschäftigt. Und wahrscheinlich auch nicht für andere Brecht-Fans.

Aber das Wagnis gelingt. Lang verliert in seinem Kinofilmdebüt niemals den Überblick über die verschiedenen Handlungsstränge und vielen Ebenen. Die Brecht-Sinfonie „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ ist klar strukturiert, immer verständlich und geistig anregend. Man erfährt sogar vieles über Brecht, sein Umfeld und die späten zwanziger Jahre.

Und Bertold Brecht hat jetzt, neunzig Jahre nach seiner „Dreigroschenoper“, seinen „Dreigroschenfilm“. Mit dem Making-of.

Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm (Deutschland 2018)

Reige: Joachim A. Lang

Drehbuch: Joachim A. Lang

mit Lars Eidinger, Tobias Moretti, Hannah Herzsprung, Joachim Król, Claudia Michelsen, Britta Hammelstein, Robert Stadlober, Peri Baumeister, Christian Redl, Meike Droste, Godehard Giese, Max Raabe

Länge: 136 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“

Moviepilot über „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“

Wikipedia über „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“


Neu im Kino/Filmkritik: Für Doris Dörrie ist „alles inklusive“

März 6, 2014

 

Apple (Nadja Uhl) schickt ihre Mutter Ingrid (Hannelore Elsner) in den spanischen Ort Torremolinos zur Reha. Wobei Reha nicht ganz richtig ist. Denn Ingrids Hotel ist keine mondäne Reha-Klinik, sondern ein All-Inclusive-Hotel, durch das sie sich nach einer Hüft-Operation mit Krücken mehr schlecht als recht bewegt. Den Rest besorgt ihre Laune. Denn, wie schon ihre wallenden Gewänder verraten, ist Ingrid eine Überlebende der Hippie-Ära, die jetzt unter genau den Spießern sitzt, zu denen sie nie gehören wollte. Wie dieser Helmut (Axel Prahl), ein aufdringliches Großmaul, das sich durch das Buffet frisst und mit einer Arschbombe für gute Laune sorgt. Nicht bei ihr. Mit der Transe Tina (Hinnerk Schönemann), die allabendlich dem deutschen Publikum per Playback Schlager serviert, kann sie ebenfalls nichts anfangen. So muss die Vorhölle aussehen.

Dabei war sie schon einmal in Torremolinos: als sie noch jung und schön war, in der deutschen Hippie-Kommune den schönsten Busen hatte, den freien Sex exzessiv praktizierte und ihre Tochter vernachlässigte.

In Doris Dörries neuem Film „alles inklusive“ sind gerade die dokumentarischen Impressionen aus dem All-inclusive-Hotel und die fein aufspielenden Schauspieler, mit einer grandiosen Sexszene zwischen Hannelore Elsner und Axel Prahl (und einer Gitarre als wichtigem Accessoire) äußerst gelungen. Auch die eher impressionistischen Rückblenden in die Vergangenheit, die die Hippie-Kommune als einen alternativen Club Med zeichnen, sind gut. Aber in ihrem episodischen Film verzettelt Dörrie sich schnell zwischen ihren Geschichten und Episoden. Denn sie erzählt auch von Tinas Versuchen, zusammen mit seiner Freundin, mit Betrügereien genug Geld zusammen zu bekommen, um aus Torremolinos zu flüchten. Außerdem ist Tina, also eigentlich Tim, der Sohn von einem ihrer früheren Liebhaber. Tims Vater wohnt, inzwischen ein Rentner, in Torremolinos in einem Seniorenheim – und selbstverständlich begegnen sie sich. Tim, der Ingrid abgrundtief hasst, ist davon natürlich nicht begeistert.

Als ob das noch nicht genug wäre, gibt es noch die Erlebnisse von Ingrids Tochter Apple in München. Im Gegensatz zu ihrer Mutter hat sie ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis und ist überfürsorglich. Auch gegenüber ihrem Hund Dr. Sigmund Freud, den sie solange verhätschelte, bis er sich überhaupt nicht mehr bewegte. Sie verliebt sich auch sofort in Freuds Tierarzt Dr. Fellborn (Fabian Hinrichs), den sie bis zum gehtnichtmehr zuquasselt. Dieser Plot hat, bis auf das Ende, wenn Apple nach Spanien zu ihrer Mutter fährt, mit dem Hauptplot absolut nichts zu tun und könnte genausogut gestrichen werden. Was auch besser gewesen wäre. Denn Apples Geschichte ist erkennbar für die billigen, schnellen Lacher gedacht, die in eine dieser typischen deutschen Komödien (ich sage nur Schweighöfer) passen.

Im dritten Akt fliegt Apple dann nach Spanien – und alle Konflikte lösen sich länglich auf. Denn bevor sie alle friedlich bis an ihr Lebensende zusammenleben dürfen, werden ihnen noch einige Steinchen in den Weg geräumt.

alles inklusive“ ist ein zu lang geratenes, sich verzettelndes, episodisches Werk über Eltern, Kinder, Beziehungen und Sex.

Alles Inklusive - Plakat

alles inklusive (Deutschland 2013)

Regie: Doris Dörrie

Drehbuch: Doris Dörrie

LV: Doris Dörrie: Alles inklusive, 2011

mit Hannelore Elsner, Nadja Uhl, Hinnerk Schönemann, Axel Prahl, Fabian Hinrichs, Peter Striebeck, Maria Happel, Robert Stadlober

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Alles inklusive“

Moviepilot über „Alles inklusive“

Wikipedia über „Alles inklusive“


%d Bloggern gefällt das: