DVD-Kritik: Über die Arne-Dahl-Verfilmungen „Rosenrot“ und „Tiefer Schmerz“

April 1, 2015

Bei der DVD-Ausgabe der Arne-Dahl-Verfilmungen „Rosenrot“ und „Tiefer Schmerz“, erschienen als „Arne Dahl: Vol. 2“, ging Edel vorbildlich vor, während das die Filme mitproduzierende ZDF eine seltsame Politik verfolgt. Immerhin wurden die beiden Filme bereits 2011 produziert, 2013 synchronisiert und erst vor Kurzem ausgestrahlt in einer auf jeweils zwei Stunden gekürzten Version. Die Originalversion ist jeweils drei Stunden und sie wurde in Schweden als Zweiteiler ausgestrahlt.
Diese rabiate Kürzung kennen die Arne-Dahl-Fans schon von den ersten drei A-Gruppe-Verfilmungen „Misterioso“, „Böses Blut“ und „Falsche Opfer“. Auf DVD wurden „Misterioso“ und „Böses Blut“ in der jeweils etwa zweistündigen deutschen TV-Version und „Falsche Opfer“ in der dreistündigen Originalversion, die auch als Zweiteiler im TV lief, veröffentlicht.
Jetzt veröffentlichte Edel die TV-Version und die dreistündige, ebenfalls synchronisierte Originalversion, die keine spürbaren Längen hat. Allerdings sind in „Rosenrot“ und „Tiefer Schmerz“ die Mordermittlungen eher Nebensache und wir erfahren viel über das Privatleben der Ermittler (was nicht so wahnsinnig spannend ist) und es gibt nicht mehr den einen Protagonisten. In den ersten drei Filmen war es noch Paul Hjelm. Jetzt funktioniert die A-Gruppe als Team und, je nach Bedarf, rücken einzelne Mitglieder in den Fokus.
In „Rosenrot“ ist es Kerstin Holm. Sie war mit dem Polizisten Dag Lundmark vor Jahren liiert. Jetzt soll er, kurz nach einem Entzug, während einer Razzia gegen illegale Einwanderer einen von ihnen auf der Flucht erschossen haben. Die A-Gruppe soll sich den Fall ansehen, weil der Flüchtling der Sohn eines Ministers war. Schnell finden sie heraus, dass Winston Motisane illegal als Putzmann bei einem Pharmakonzen arbeitete. Spätestens jetzt sind wir im bekannten gesellschaftskritischen skandinavishen Krimi-Sumpf.
Apropos Sumpf: Dort suchen die Polizisten, nachdem sie einen Abschiedsbrief entdeckten, die von einem Serienmörder versteckten Leichen.
In „Tiefer Schmerz“ ist es Arto Söderstedt, der Denker der Gruppe. Am Ende des ersten Teils wird er nach Italien geschickt und er verbeißt sich zunehmend, auch aus persönlicher Betroffenheit, in die Ermittlungen. Denn vor kurzem erhielt er von einem Verwandten eine beträchtliche Erbschaft.
Auch hier beginnt der sich über halb Europa erstreckende Fall harmlos. Auf einem Friedhof wird die kopfüber hängende Leiche eines KZ-Überlebenden gefunden. In Verdacht gerät eine Gruppe jugendlicher Neonazis. Zur gleichen Zeit fliehen aus einem schäbigem Hotel einige Migrantinnen, die auch als Prostituierte arbeiteten. Und fast zur gleichen Zeit wird im Zoo eine zunächst unbekannte Leiche gefunden.
In beiden Filmen gibt es mehrere Fälle, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Am Ende doch. Das ist, auch wenn sich bei den Ermittlungen stark auf die Tradition von Ed McBains „87. Polizeirevier“ (der Blaupause für jede Polizeiserie) bezogen wird, dann beide Male doch eine hochgradig konstruierte Geschichte, die, beide Male, eher schlampig und hastig mit vielen Toten aufgelöst wird.
Die Fälle sind eher schwach und plätschern, verzögert durch die privaten Plots, in einem durchaus sympathisch gemütlichen Tempo vor sich hin und weil man dem sympathischen A-Team gerne zusieht, bleibt man bis zum Ende dran.
Nervig ist in „Tiefer Schmerz“ allerdings die als Stilmittel angewandte ständige Überbelichtung und, in beiden Folgen, die damals trendige Wackelkamera. Diese Mode scheint inzwischen ja halbwegs überstanden zu sein.
In Schweden sind bereits die nächsten fünf Geschichten mit dem Stockholmer Ermittlerteam verfilmt. Damit wären dann die zehn ursprünglichen A-Gruppe-Romane von Arne Dahl verfilmt.
Ach ja: Bei den Verfilmungen wurde die Reihenfolge vertauscht. Der fünfte Roman ist der vierte TV-Film und der vierte Roman der fünfte TV-Film, was sich natürlich auf die privaten Subplots, die Ehekrisen und die Sorgen mit den Kindern, auswirkt.

Arne Dahl Vol 2 - DVD-Cover

Arne Dahl – Vol. 2
mit Malin Arvidsson (Kerstin Holm), Irene Lindh (Jenny Hultin), Claes Ljungmark (Viggo Norlander), Shanti Roney (Paul Hjelm), Magnus Samuelsson (Gunnar Nyberg), Matias Varela (Jorge Chavez), Vera Vitali (Sara Svenhagen), Niklas Åkerfelt (Arto Söderstedt), Frida Hallgren (Cilla Hjelm)

enthält
Rosenrot (Arne Dahl: De största vatten, Schweden/Deutschland 2012)
Regie: Tova Magnusson
Drehbuch: Cilla Börjlind, Rolf Börjlind
LV: Arne Dahl: De största vatten, 2002 (Rosenrot)

Tiefer Schmerz (Arne Dahl: Europa Blues, Schweden/Deutschland 2012)
Regie: Niklas Ohlson, Matthias Ohlson
Drehbuch: Cilla Börjlind, Rolf Börjlind
LV: Arne Dahl: Europa blues, 2001 (Tiefer Schmerz)

DVD
Edel
Bild: 1,78:1 (16:9 PAL)
Ton: Deutsch, Schwedisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: –
Bonusmaterial: –
Länge: 594 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage von Arne Dahl

Krimi-Couch über Arne Dahl

Wikipedia über Arne Dahl

Fernsehserien über “Arne Dahl”

ZDF über “Arne Dahl”

Meine Besprechung von „Arne Dahl – Vol. 1“


DVD-Kritik: Zu den „Arne Dahl“-Verfilmungen

März 2, 2013

Ich kenne zwar die Romane von Arne Dahl (das Pseudonym von Jan Arnald) nicht, aber die Verfilmungen seiner ersten drei Romane mit der „A-Gruppe“, Misterioso“, „Böses Blut“ und „Falsche Opfer“, sind eine zwar unterhaltsame, aber auch zwiespältige Angelegenheit, die mich nicht besonders neugierig auf die Vorlagen macht. Denn in den Filmen steht der Kriminalfall gegenüber den persönlichen Problemen und Geschichten der Ermittler, die einem durchaus ans Herz wachsen, im Hintergrund. Die „A-Gruppe“ (wie sie im Film heißt und daher auch nicht mit dem „A Team“ verwechselt werden kann) wurde von Kriminalrätin Hultin eingerichtet, um besonders spektakuläre Fälle aufzuklären und dafür braucht sie ein besonders schlagkräftiges Team. Nun, bei dem Ansehen des Teams bei der Arbeit zweifelte ich öfters, ob sie wirklich so gut sind, wie behauptet. Denn manchmal stellen sie sich doch ziemlich dumm an, unternehmen gefährlich-dumme Alleingänge und so intellektuell brillant, wie es sich für eine Spezialeinheit gehört, sind sie auch nicht. Eher schon angenehm durchschnittlich. Aber sie lösen die Fälle.

In „Misterioso“, dem ersten verfilmten Fall, aber dem zweiten Roman der elfbändigen „A-Team“- oder Paul-Hjelm-Reihe, müssen sie sich als Team finden und herausfinden wer warum schwedische Finanzgrößen ermordet. Weil der Täter ziemlich eifrig beim Morden ist, haben die Polizisten nur wenig Zeit, um die schwedische Elite zu retten.

In „Böses Blut“ scheint ein Serienkiller, der seit Ewigkeiten in den USA mordet, aus den USA nach Schweden gekommen zu sein. Mit etwas Hilfe aus den USA führen die Ermittlungen der „A-Gruppe“ sie in die Hinterhöfe der Politik, wo die schmutzigen und illegalen Umtriebe der Geheimdienste das Leben bestimmen.

In „Falsche Opfer“ sterben in Holland durch eine Autobombe ein schwedischer Polizist, seine Freundin und deren Tochter. Zuerst glauben Hjelm und seine Kollegen, dass der Anschlag dem Polizisten, der Undercover in einem Nobelrestaurant gegen Drogenhändler ermittelte, gegolten hat. Aber das stimmt nicht – und weil Teamkollege Nyberg gerade gegen einen Pädophilenring ermittelt, ahnen wir, in welche Richtung sich der Fall entwickeln wird.

Im Gegensatz zu den ersten beiden „Arne Dahl“-Verfilmungen dauert „Falsche Opfer“ drei Stunden und ist damit auch deutlich ruhiger erzählt als „Misterioso“ und „Böses Blut“, die hier auf DVD jeweils ungefähr zwei Stunden sind. Es sind die vom ZDF ausgestrahlten und auch vom mitproduzierendem ZDF synchronisierten Fassungen. Diese zweistündigen Fassungen wurden, wie bei den Stieg-Larsson-Verfilmungen „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“, wo es auch eine kürzere Kino- und eine längere TV-Fassung gibt, bereits in Schweden für eine Kinoauswertung erstellt. Dort liefen im Fernsehen dann, immer als Zweiteiler, die dreistündigen Fassungen. Aber während bei den Larsson-Verfilmungen die Kinofassungen gut gekürzt und gut ansehbar sind, sind „Misterioso“ und „Böses Blut“ schlecht gekürzt. Die Handlung und die Beziehungen zwischen den Polizisten entwickeln sich sprunghaft, einige Handlungslücken weisen unangenehm deutlich auf die Kürzungen hin und einige Szenen, die viel zu viel storyfernes Füllmaterial enthalten, konnten wegen der in ihnen enthaltenen Informationen nicht gekürzt werden.

Arne Dahl“, wie die Serie betitelt wurde, ist eine gut ansehbare, aber letztendlich unspektakuläre Polizeiserie, die schon von Anfang an viele seriellen Aspekte hat (wie den intellektuellen Putzmann, der immer nachts im Büro der A-Gruppe putzt) und sich mehr den Ermittlern und ihrem Privatleben als den Fällen widmet.

Arne Dahl - DVD-Cover

Arne Dahl – Volume 1

mit Shanti Roney (Paul Hjelm), Malin Arvidsson (Kerstin Holm), Irene Lindh (Jenny Hultin), Claes Ljungmark (Viggo Norlander), Magnus Samuelsson (Gunnar Nyberg), Matias Varela (Jorge Chavez), Niklas Åkerfelt (Aarto Söderstedt)

DVD

Edel

Bild 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Schwedisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 408 Minuten (4 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Die ersten drei Arne-Dahl-Verfilmungen

Misterioso, Schweden 2011

Regie: Harald Hamrell

Drehbuch: Cecilia Börjlind, Rolf Börjlind

LV: Arne Dahl: Misterioso, 1999 (Misterioso)

Böses Blut (Ont blod, Schweden 2012)

Regie: Mani Maserrat Agah

Drehbuch: Cecilia Börjlind, Rolf Börjlind

LV: Arne Dahl: Ont blod, 1998 (Böses Blut)

Falsche Opfer (Upp till tippen av berget, Schweden 2012)

Regie: Jörgen Bergmark

Drehbuch: Cecilia Börjlind, Rolf Börjlind

LV: Arne Dahl: Upp till tippen av berget, 2000 (Falsche Opfer)

Hinweise

Homepage von Arne Dahl

Krimi-Couch über Arne Dahl

Wikipedia über Arne Dahl

Fernsehserien über „Arne Dahl“

ZDF über „Arne Dahl“


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