TV-Tipp für den 20. Juni: Mephisto

Juni 19, 2018

RBB, 23.00

Mephisto (Ungarn/Deutschland 1981)

Regie: István Szabó

Drehbuch: Péter Dobai, István Szabó

LV: Klaus Mann: Mephisto, 1936 (erste Veröffentlichung in Deutschland 1966, dann bis 1981 verboten, in der DDR seit 1956 erhältlich)

Hendrik Höfgen ist ein erfolgssüchtiger Schauspieler. Deshalb schmeichelt sich bei den Nazis ein.

Mit dem Oscar als bester ausländischer Film ausgezeichnetes Psychogramm, das auf dem lange verbotenen Roman „Mephisto“ von Klaus Mann basiert. Denn Mann porträtierte, nicht sehr vorteilhaft, Gustaf Gründgens, den er Hendrik Höfgen nannte.

Mit Hilfe der beiden hervorragenden Charakterdarsteller Rolf Hoppe und Klaus Maria Brandauer gelang Szabó ein glutvoller, nicht überlauter Film, kühl in den Emotionen, doch auch voll glanzvoller, reißerischer Rhythmik in der Bewegung der Szenen, in denen sich die Schauspieler und die Schausteller des Dritten Reichs ihre Auftritte liefern.“ (Heiko R. Blum/Sigrid Schmitt: Klaus Maria Brandauer, 1996)

Es ist ein Film, der durch die exemplarische Studie eines exemplarischen Charakters ein wahrhaftiges, ein beklemmendes Bild einer Zeit schafft, die Probleme aufgeworfen hat, die fortdauern – [der Ungar] Szabó weiß, wovon sein Film handelt. (…) Mit dem ‚Mephisto‘ ist ihm sein Meisterwerk gelungen.“ (Fischer Film Almanach 1982)

Am Freitag wird Klaus Maria Brandauer 75. Heute zeigt der RBB den Film, mit dem er seinen Durchbruch als Filmschauspieler hatte. Danach war er in „Sag niemals nie“ der Gegenspieler von James Bond und auch in Hollywood war er „Jenseits von Afrika“ gut beschäftigt. Danach kehrte er wieder, auch als Regisseur, sehr erfolgreich zum Theater zurück. In den vergangenen über zwanzig Jahren spielte er nur in wenigen Filmen mit.

mit Klaus Maria Brandauer, Krystyna Janda, Rolf Hoppe, Karin Boyd

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Mephisto“

Wikipedia über „Mephisto“ (deutsch, englisch)

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TV-Tipp für den 20. März: Schtonk!

März 20, 2018

Tele 5, 20.15

Schtonk (Deutschland 1992)

Regie: Helmut Dietl

Drehbuch: Helmut Dietl, Ulrich Limmer

Äußerst unterhaltsame Satire über die gefälschten Hitlertagebücher, die der „stern“ 1983 begeistert aufkaufte und deren Echtheit das Magazin ewig betonte.

Dietl benutzt die Affäre „als Material für eine frivole Farce über die Anfälligkeit der Deutschen, Fakten zu verdrängen und neue Geschichtswahrheiten zu klittern; viele möchten heute noch Adolf Hitler entlastet sehen.“ (Fischer Film Almanach 1993)

Ich befürchte, dass der fünfundzwanzig Jahre alte Kassenknüller über eine noch länger zurückliegende Affäre heute immer noch aktuell ist.

Heute gibt es bei Tele 5 einen Helmut-Dietl-Abend: anschließend, um 22.25 Uhr, läuft „Rossini, oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“ (Deutschland 1997) und um 00.45 Uhr „Late Show“ (Deutschland 1999).

mit Götz George, Uwe Ochsenknecht, Christiane Hörbiger, Rolf Hoppe, Dagmar Manzel, Veronica Ferres, Rosemarie Fendel, Karl Schönböck, Harald Juhnke, Ulrich Mühe, Martin Benrath, Georg Marischka, Hark Bohm, Wolfgang Menge

Wiederholung: Mittwoch, 21. März, 02.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Filmportal über „Schtonk“

Moviepilot über „Schtonk“

Wikipedia über „Schtonk“


TV-Tipp für den 29. April: Schtonk

April 29, 2017

Phoenix, 20.15

Schtonk (Deutschland 1992)

Regie: Helmut Dietl

Drehbuch: Helmut Dietl, Ulrich Limmer

Äußerst unterhaltsame Satire über die gefälschten Hitlertagebücher, die der „stern“ 1983 begeistert aufkaufte und deren Echtheit das Magazin ewig betonte.

Dietl benutzt die Affäre „als Material für eine frivole Farce über die Anfälligkeit der Deutschen, Fakten zu verdrängen und neue Geschichtswahrheiten zu klittern; viele möchten heute noch Adolf Hitler entlastet sehen.“ (Fischer Film Almanach 1993)

Ich befürchte, der über zwanzig Jahre Kassenknüller über eine noch länger zurückliegende Affäre ist heute kein Jota veraltet.

mit Götz George, Uwe Ochsenknecht, Christiane Hörbiger, Rolf Hoppe, Dagmar Manzel, Veronica Ferres, Rosemarie Fendel, Karl Schönböck, Harald Juhnke, Ulrich Mühe, Martin Benrath, Georg Marischka, Hark Bohm, Wolfgang Menge

Hinweise

Filmportal über „Schtonk“

Moviepilot über „Schtonk“

Wikipedia über „Schtonk“


Neu im Kino/Filmkritik: „Die Blumen von gestern“, die Probleme von heute

Januar 16, 2017

Kurz vor dem Beginn einer wichtigen Tagung über Auschwitz stirbt der hochverehrter Professor Norkus (Rolf Hoppe, der fortan als Standbild im Film präsent ist). Sein Lebenswerk ist ein kleines, staatlich gefördertes Institut in Ludwigsburg, das die Tagung organisiert und den Charme einer seit den Fünfzigern nicht mehr gelüfteten, renovierten oder im Inventar erneuerten Beamten-Bruchbude hat. Alle Beschäftigten sind psychisch mehr oder weniger gestört.

Balthasar ‚Balti‘ Thomas (Jan Josef Liefers), ein verheirateter Karrierist, der schon die Tagung plant, soll jetzt auch die Institutsleitung übernehmen, weil er sich gut mit Öffentlichkeitsarbeit auskennt. Er soll das Institut vor dem Ruin retten. Da sind Sponsoren, auch Mercedes-Benz, und Häppchen okay.

Sein Gegner ist Totila ‚Toto‘ Blumen (Lars Eidinger). Er ist ein frustrierter, ständig schlecht gelaunter, ebenfalls verheirateter (wird später wichtig) Vierzigjähriger, für den die Holocaustforschung auch aus familiärer Betroffenheit seine Lebensmittelpunkt darstellt und der nur an der wahren Forschung interessiert ist. Entsprechend energisch und auch handgreiflich wehrt sich gegen die Karnevalisierung seiner Forschung durch einen wissenschaftlich minderwertigen Kollegen, mit dem ihn eine alte Hassliebe verbindet.

Toto soll, beauftragt von Balti, am Flughafen die neue französische Praktikantin abholen. Toto hasst Zazie Lindeau (Adèle Haenel) vom ersten Augenblick an und befördert sie in die Bruchbude, in der Professor Norkus lebte. Später muss er mit ihr, ebenfalls auf Anweisung von Balti, Holocaust-Überlebende besuchen und von ihnen Geld und Auftritte für die Tagung erbetteln. Dummerweise ist Toto dafür absolut ungeeignet.

Aus dieser etwas weit hergeholten und forcierten Prämisse könnte Chris Kraus („Vier Minuten“, „Poll“) eine Komödie über die unterschiedlichen Formen des Umgangs mit unserer Vergangenheit und die Zunft der Holocaust-Historiker entwickeln. Immerhin entstand der Film, so Kraus, aus seiner Beschäftigung mit seiner Familiengeschichte und der Beobachtung, dass in den Archiven über die NS-Zeit Nachfahren von Opfern und Tätern, friedlich nebeneinander sitzend, Akten lesen. Das ist, zugegeben, eine etwas absurde Situation, die aber per se in keinster Weise witzig oder dramatisch ist.

Auf den ersten Blick ist „Die Blumen von gestern“ eine Komödie über unseren Umgang mit der Nazi-Zeit, welche Art des Umgangs angemessen ist und ihren Aus- und Nachwirkungen auf die Gegenwart, vor allem der Nachgeborenen (deren Eltern und, bei den Hauptfiguren des Films, Großeltern in das System involviert waren) und der Forscher, die sich beruflich an Hochschulen und in Instituten damit beschäftigen und berufsbedingt in einer Forschungsblase leben. Das sind nicht die Menschen und die Probleme mit der deutschen Vergangenheit, die in David Wnendts „Er ist wieder da“ oder in Dietrich Brüggemanns „Heil“ (der mir zwar nicht gefiel, aber bei dem die persönliche Betroffenheit des Regisseurs in jedem Bild spürbar war) im Zentrum der Geschichte standen. Beide Filme sind außerdem Komödien.

Wenn man den Film genauer betrachtet, erzählt „Die Blumen von gestern“ eine Liebesgeschichte. Diese schlecht ausgehende Romantic Comedy zwischen Toto und Zazie wird viel zu lange ignoriert und später lustlos mitgeschleppt. Es dauert ewig, bis sich überhaupt irgendetwas außer gegenseitiger Abneigung zwischen ihnen entwickelt. Daher wirkt die Liebesgeschichte nicht wie das Zentrum des Films, um das sich alles andere dreht, sondern wie die späte Erkenntnis, dass ein Film nicht ohne eine Geschichte funktioniert und weil eine Liebesgeschichte immer funktioniert, gibt es eben in der zweiten Hälfte des Films die aus heiterem Himmel kommende Liebesgeschichte zwischen einem Täter-Enkel und einer Opfer-Enkelin, die schon in Frankreich die Werke des Holocaust-Forschers studierte und damit natürlich auch in den Autor verliebt ist. Trotz anerkannter Teutonen-Phobie und gut verborgenem Interesse an dem Objekt ihrer Begierde. Das ist dann doch mehr als nur etwas verquer, taugt aber vielleicht für die nächste erweiterte Familienaufstellung.

Zwischen der teils schwarzhumorigen, oft klamaukigen Komödie über die Holocaust-Forscher und der Liebesgeschichte pendelt „Die Blumen von gestern“ unentschlossen über zwei Stunden. Dabei nerven die in jeder Beziehung vermurksten Figuren mehr als sie zum Lachen anregen. Das liegt auch daran, dass der Film sich nie entscheiden kann, was er will und wen er warum angreift.

Dabei kann über die Nazi-Diktatur, den Holocaust und die Holocaust-Forschung durchaus in der Form einer Komödie erzählt werden. Charlie Chaplin mit „Der große Diktator“, Mel Brooks mit „Frühling für Hitler“ und Roberto Benigni mit „Ist das Leben nicht schön“ (den Film nennt Kraus im Presseheft als filmisches Vorbild für seinen Film) zeigen das.

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Die Blumen von gestern (Deutschland/Österreich 2016)

Regie: Chris Kraus

Drehbuch: Chris Kraus

mit Lars Eidinger, Adèle Haenel, Jan Josef Liefers, Hannah Herzsprung, Sigrid Marquardt, Bibiana Zeller, Rolf Hoppe, Eva Löbau, Cornelius Schwalm

Länge: 126 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Das Buch zum Film

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Zum Filmstart erschien bei Diogenes „Die Blumen von gestern – Ein Filmbuch“. Es enthält das Shooting Script vom 12. April 2015 (d. h. Szenen, die gedreht, aber nicht im Film enthalten sind, sind im Script vorhanden), den kompletten Abspann, ein dreiseitiges Nachwort von Chris Kraus und einen sechzehnseitigen, farbigen Bildteil.

Chris Kraus: Die Blumen von gestern – Ein Filmbuch

Diogenes, 2017

176 Seiten

20 Euro

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Die Blumen von gestern“

Moviepilot über „Die Blumen von gestern“

Wikipedia über „Die Blumen von gestern“


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