TV-Tipp für den 28. April: Inferno

April 27, 2019

RTL, 20.15

Inferno (Inferno, USA 2016)

Regie: Ron Howard

Drehbuch: David Koepp

LV: Dan Brown: Inferno, 2013 (Inferno)

Als Harvard-Symbologe Robert Langdon (Tom Hanks) in Florenz in einem Krankenhaus erwacht, kann er sich an nichts erinnern. Als kurz darauf Heerscharen bewaffneter Bösewichter ihn umbringen wollen, flüchtet er. Schnell kombiniert er, dass das alles etwas mit Dantes Prophezeiung von einem weltvernichtenden Inferno zu tun hat. Langdon hat nur keine Ahnung, ob er mit seinem Wissen die Prophezeiung verhindern kann oder erfüllen wird.

Ron Howards dritte Dan-Brown-Verfilmung ist eine flotte, ziemlich durchgeknallte Räuberpistole voller Schauwerte, die in der richtigen Stimmung ein herrlicher Spaß ist. Die in „The Da Vinci Code“ und „Illuminati“ so länglichen Geschichtsstunden werden in „Inferno“ im Sauseschritt oder gleich in einer Actionszene abgehandelt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung der bislang besten und kürzesten Dan-Brown-Verfilmung.

mit Tom Hanks, Felicity Jones, Irrfan Khan, Omar Sy, Ben Foster, Sidse Babett Knudsen, Anna Ularu

Wiederholung: Montag, 29. April, 00.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Inferno“

Metacritic über „Inferno“

Rotten Tomatoes über „Inferno“

Wikipedia über „Inferno“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ron Howards „Rush – Alles für den Sieg“ (Rush, USA/Großbritannien/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Ron Howards „Im Herzen der See“ (In the Heart of the Sea, USA 2015)

Meine Besprechung von Ron Howards „Inferno“ (Inferno, USA 2016)

Meine Besprechung von Ron Howards „Solo: A Star Wars Story“ (Solo: A Star Wars Story, USA 2018)

Homepage von Dan Brown

Krimi-Couch über Dan Brown

Perlentaucher über Dan Brown


TV-Tipp für den 22. Juli: Im Herzen der See

Juli 22, 2018

Sat.1, 20.15

Im Herzen der See (In the Heart of the Sea, USA 2015)

Regie: Ron Howard

Drehbuch: Charles Leavitt (nach einer Geschichte von Charles Leavitt, Rick Jaffa und Amanda Silver)

LV: Nathaniel Philbrick: In the Heart of the Sea: The Tragedy of the Whaleship Essex, 2000 (Im Herzen der See: Die letzte Fahrt des Walfängers Essex)

Anstatt noch einmal „Moby Dick“ zu verfilmen, wurde dieses Mal die Geschichte verfilmt, die Herman Melville zu seinem Roman „Moby Dick“ inspirierte.

Mehr Malen nach Zahlen als saftiges Seemannsgarn, aber für einen warmen Sommerabend gut geeignet.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Chris Hemsworth, Benjamin Walker, Cillian Murphy, Ben Whishaw, Tom Holland, Brendan Gleeson, Charlotte Riley

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
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Film-Zeit über „Im Herzen der See“
Moviepilot über „Im Herzen der See“
Metacritic über „Im Herzen der See“
Rotten Tomatoes über „Im Herzen der See“
Wikipedia über „Im Herzen der See“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ron Howards „Rush – Alles für den Sieg“ (Rush, USA/Großbritannien/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Ron Howards „Im Herzen der See“ (In the Heart of the Sea, USA 2015)

Meine Besprechung von Ron Howards „Inferno“ (Inferno, USA 2016)

Meine Besprechung von Ron Howards „Solo: A Star Wars Story“ (Solo: A Star Wars Story, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: Kreative Titelwahl, Folge ichhabeschonlangeaufgehörtzuzählen: „Solo: A Star Wars Story“

Mai 24, 2018

Nach der Pressevorführung nannte ich den Film „unterhaltsam“, was rückblickend etwas despektierlich klingt. Schließlich hat mir „Solo“ besser als „Rogue One“ und „Die letzten Jedi“ gefallen. Im Gegensatz zu diesen „Star Wars“-Filmen erzählt „Solo“ eine stringente Geschichte, in denen die Charaktere sich so verhalten, wie es ihrem Charakter entspricht und ihre Handlungen immer verständlich sind.

Solo: A Star Wars Story“ erzählt, wie Han Solo zu seinem Nachnamen kommt, wie er Chewbacca trifft, den Millenium Falken in seinen Besitz bringt und wie er seine Laserpistole erhält. Nur woher seine Kleider kommen, erfahren wir nicht. Nichts davon hat uns auch wirklich interessiert. Immerhin war der von Harrison Ford erstmals in „Krieg der Sterne“ (Star Wars, 1977) gespielte Weltraumbandit, Hasardeur und Glücksritter Han Solo schon bei seinem ersten Auftritt eine der mythischen Figuren, die keine Vergangenheit brauchen, um in der Gegenwart zu leben. Schon kurz nach dem Kinostart erschienen mehrere Romane mit Han Solo als Protagonisten, in denen er seiner Profession nachging. Insofern war es naheliegend, auch einen Film mit ihm als Protagonisten zu drehen und ihn eines der Abenteuer erleben zu lassen, die man mit ihm assoziiert.

Alden Ehrenreich übernahm für den Film die Rolle des jungen Han Solo. Einige haben ihn vielleicht in „Blue Jasmine“, „Hail, Caesar!“ oder „Regeln spielen keine Rolle“ bemerkt. Als Han Solo muss er jetzt vor allem immer optimistisch in die Kamera blicken und tödliche Gefahren mit einem Schulterzucken, Lächeln und flotten Spruch meistern. Das verlangt von einem Schauspieler vor allem Charisma. Bei Ehrenreich ist es noch ausbaufähig.

In „Solo“ will Han Solo mit einigen anderen Weltraumbanditen für den zwielichtigen Geschäftsmann Dryden Vos (Paul Bettany) einen besonders wertvollen und seltenen Rohstoff (halt der MacGuffin) stehlen.

Die Geschichte wird interessanter, weil Han Solos erste und große Liebe Qi’ra (Emilia Clarke) in die Geschichte verwickelt ist. Sie ist jetzt die, ähem, Gespielin und Vertraute von Dryden Vos. Außerdem ist Solo hier noch der Rookie im Outlaw-Team, das von Beckett (Woody Harrelson) angeführt wird. Aber das ist nicht weiter wichtig. Denn Han Solo ist schon in der ersten Szene, als er auf seinem Heimatplaneten in großen Schwierigkeiten steckt und mit Qi’ra flüchten will, der Han Solo den wir kennen. Er erlebt mehrere Abenteuer, in denen er einige Accessoires erhält und sich mit Chewbacca und Lando Calrissian befreundet. Er macht dabei keine Entwicklung durch. Er hat, wie auch die anderen Charaktere, keinen Character Arc. Sie sind am Ende immer noch die Personen, die sie am Anfang waren. Deshalb ist „Solo“ auch keine Origin Story, sondern ein unterhaltsames, von Ron Howard professionell inszeniertes Weltraumabenteuer, das zwischen Fan-Service und Auftragsarbeit genau so ist, wie man es erwartet.

Die Geschichte bewegt sich angemessen flott vorwärts. Man verliert nie den Überblick. Die Action sieht gut aus. Es gibt genug Momente für die Fans und ein Überraschungscameo, um sie zu befriedigen. Die Nicht-Fans und alle die nichts über die „Star Wars“-Welt wissen (falls das in dieser Galaxie überhaupt möglich ist) werden in diesem Weltraumwestern trotzdem alles verstehen. Und obwohl der Film in sich abgeschlossen ist, gibt es genug Anknüpfungspunkte für weitere Filme mit Han Solo. Die sollten dann – wenn sie kommen – eigenständiger als „Solo“ sein.

Ron Howard übernahm während der Dreharbeiten die Regie von Phil Lord und Chris Miller („Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“, „21 Jump Street“, „The LEGO Movie“). Es heißt, das Arbeitstempo und der Stil des Regieduos hätten Produzentin Kathleen Kennedy nicht gefallen. Sie wacht über die ihr anvertraute „Star Wars“-Welt wie eine Helikoptermutter und veranlasste auch bei den anderen „Star Wars“-Filme in verschiedenen Stadien der Produktion Regiewechsel und Nachdrehs. Am Erfolg bei der Kritik (bei Rotten Tomatoes sind alle Filme weit im grünen Bereich) und an der Kinokasse änderte das Drama hinter den Kulissen nichts. Und vielleicht gibt es irgendwann eine große Reportage oder ein Buch, in dem wir alles darüber erfahren. Dann erfahren wir auch, ob Ron Howard wirklich, wie man hört, fast nichts von Lord und Miller übernahm.

Bis dahin gibt es den Film, der nichts wirklich falsch macht, vieles richtig macht, ohne dass man jemals wirklich begeistert und mitgerissen ist von der doch sehr vorhersehbaren Geschichte. Am Ende ist man dann doch etwas unbeeindruckt.

Solo: A Star Wars Story (Solo: A Star Wars Story, USA 2018)

Regie: Ron Howard

Drehbuch: Jonathan Kasdan, Lawrence Kasdan (nach Charakteren von George Lucas)

mit Alden Ehrenreich, Woody Harrelson, Emilia Clarke, Donald Glover, Thandie Newton, Phoebe Waller-Bridge, Joonas Suotamo, Paul Bettany

Länge: 135 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

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Moviepilot über „Solo“

Metacritic über „Solo“

Rotten Tomatoes über „Solo“

Wikipedia über „Solo“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ron Howards „Rush – Alles für den Sieg“ (Rush, USA/Großbritannien/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Ron Howards „Im Herzen der See“ (In the Heart of the Sea, USA 2015)

Meine Besprechung von Ron Howards „Inferno“ (Inferno, USA 2016)

Meine Besprechung von J. J. Abrams „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (Star Wars: The Force awakens, USA 2015)

Meine Besprechung von Rian Johnsons „Star Wars: Die letzten Jedi“ (Star Wars: The last Jedi, USA 2017)

Meine Besprechung von Gareth Edwards‘ „Rogue One: A Star Wars Story“ (Rogue One: A Star Wars Story, USA 2016)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Imperium in Trümmern (Journey to Star Wars: Das Erwachen der Macht) (Star Wars: Shatterd Empire # 1 – 4, Disney/Lucasfilm 2015)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Vor dem Erwachen“ (Star Wars: Before the Awakening, 2015)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Der Roman zum Film“ (Star Wars: The Force awakens, 2015)

Meine Besprechung von Michael Kogges „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Jugendroman zum Film“ (Star Wars: The Force awakens, 2016)

Meine Besprechung von James Lucenos „Star Wars – Der Auslöser: Ein Rogue One Roman“ (Star Wars: Catalyst: A Rogue One Novel, 2016)

Meine Besprechung von Alexander Freeds „Rogue One – Eine Star Wars Story“ (Rogue One. A Star Wars Story, 2016) (Filmroman)


Neu im Kino/Filmkritik: „Inferno“ – Professor Langdon muss wieder die Welt retten

Oktober 13, 2016

Harvard-Professor Robert Langdon wacht in Florenz in einem Krankenhauszimmer auf. Der Symbologe kann sich an nichts erinnert. Auch nicht, wie er nach Italien gekommen ist. Als kurz darauf eine wild um sich schießende Polizistin auftaucht, weiß er, dass er flüchten sollte. Dabei hilft ihm seine Ärztin Sienna Brooks (Felicity Jones) – und ungefähr jetzt muss man sich als Zuschauer entscheiden, ob man die dritte Dan-Brown-Verfilmung „Inferno“ rational-kritisch begleiten möchte (und, ja, man wird seine helle Freude am Kritisieren haben) oder ob man „Inferno“ in erster Linie als eine Achter- und Geisterbahnfahrt genießen möchte. Denn selbstverständlich gibt es überhaupt keinen in diesem Moment nachvollziehbaren Grund, warum die hübsche Ärztin den verletzten und vollkommen erschöpften Patienten, nachdem sie ihn vor der schießwütigen Polizistin rettete, aus dem Krankenhaus in ihre Wohnung schleppt.

Dort kann Langdon in einen Anzug von ihrem Ex-Freund schlüpfen und schon tauchen Heerscharen bewaffneter Bösewichter und die schon aus dem Krankenhaus bekannte Polizistin auf. Sie gehören zu mehreren, eher verfeindeten und mächtigen Organisationen, die alle über eine gut gefüllte Kriegskasse verfügen. Anscheinend wollen sie alle Langdon mehr oder weniger schnell töten. Anscheinend verfügt Langdon über Informationen, die irgendetwas mit Dantes Prophezeiung zu tun haben und die die Menschheit vernichten könnten. Unklar ist nur, ob Langdons Wissen das titelgebende Inferno verhindern oder befördern soll.

Langdon reagiert rein instinktiv, während er mit Brooks eine sportliche Sightseeing-Tour durch die historischen Schönheiten von Florenz, Venedig und Istanbul veranstaltet, als sei er eine jugendliche Ausgabe von Jack Bauer. Dabei vermitteln sie uns, wahrscheinlich brav aus der Romanvorlage übernommen, in hölzernen Erklärungen zwischen Fremdenführerlatein, Proseminar und Lexikonartikel das nötige historische Wissen zum Verständnis der Geschichte.

Und wie Jack Bauer nur von Kiefer Sutherland gespielt werden kann, kann Robert Langdon, der Indiana Jones im Anzug, nur von Tom Hanks gespielt werden. Er übernahm, nach „The Da Vinci Code“ (USA 2006) und „Illuminati“ (Angels & Demons, USA 2009) zum dritten Mal die Rolle des Professors, der Dank seines Wissens über alte Symbole, Geheimbünde und Verschwörungen die Welt vor großem Unheil bewahren kann. Ron Howard übernahm wieder die Regie und David Koepp, der bei „Illuminati“ nur Co-Autor war, ist jetzt der einzige Drehbuchautor. Koepp schrieb auch die Bücher für „Jurassic Park“, „Mission: Impossible“, „Spiel auf Zeit“, „Panic Room“, „Spider-Man“ und „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“. Auch das Drehbuch für den nächsten Indiana-Jones-Film hat er geschrieben. Massentaugliche Action mit Hirn kann er. Auch wenn bei „Inferno“ das Hirn aus der Vorlage, dem gut siebenhundertseitigem Schmöker von Dan Brown stammt.

Mit seinem zweiten Langdon-Roman „Sakrileg“ (The Da Vinci Code) landete Brown 2003 einen internationalen Bestseller, der eine Geschichtsstunde mit viel Verschwörungstheorie, – mit sehr viel Verschwörungstheorie -, und Action verband. Ein Erfolgsrezept, das Dan Brown auch nicht für „Inferno“, seinen vierten Langdon-Roman, änderte. Sein nächster Langdon-Roman „Origin“, der für den 26. September 2017 angekündigt ist, wird sicher ebenfalls dem bewährtem Rezept folgen. Der Thriller erscheint gleichzeitig in den USA und in Deutschland. Natürlich wieder bei Bastei Lübbe.

Da bleibt Koepp, wie es sich heutzutage für eine Bestsellerverfilmung gehört, nur noch die Aufgabe, den Wälzer in ein Drehbuch zu übersetzen ohne allzu viel von der Romangeschichte zu ändern. Das gelang ihm, in dem er sich auf die Action konzentriert, die Erklärungen knapp hält, etwas dringend notwendigen Humor integriert und mit knapp zwei Stunden (ohne Abspann) die kürzeste Brown-Verfilmung ablieferte. Angesichts der abstrusen Geschichte, die mehr Wendungen als zwei Sebastian-Fitzek-Romane hat, eine kluge Entscheidung. Denn im Gegensatz zu den Auflösungen in den Fitzek-Romanen ist in „Inferno“ der Plan des Bösewichts größenwahnsinnig, unglaublich kompliziert und vollkommen bescheuert. Er trägt das eigene Scheitern schon in seiner DNA.

Inferno“ ist eine durchgeknallte, aber auch, wenn man in der richtigen Stimmung ist, äußerst unterhaltsame Räuberpistole, die mit den Schauwerten der historischen Gebäude und Gärten, guten Schauspielern, etwas Humor und einem flotten Erzähltempo punkten kann. Es ist auch die bislang beste Dan-Brown-Verfilmung. Allerdings waren „The Da Vinci Code“ und „Illuminati“ überlange, vor Ehrfurcht gegenüber der Vorlage erstarrte, betuliche Verfilmungen, in denen sich viel zu viel Zeit für die Erklärungen der historischen Hintergründe genommen wurde.

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Inferno (Inferno, USA 2016)

Regie: Ron Howard

Drehbuch: David Koepp

LV: Dan Brown: Inferno, 2013 (Inferno)

mit Tom Hanks, Felicity Jones, Irrfan Khan, Omar Sy, Ben Foster, Sidse Babett Knudsen, Anna Ularu

Länge: 122 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

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Moviepilot über „Inferno“

Metacritic über „Inferno“

Rotten Tomatoes über „Inferno“

Wikipedia über „Inferno“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ron Howards „Rush – Alles für den Sieg“ (Rush, USA/Großbritannien/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Ron Howards „Im Herzen der See“ (In the Heart of the Sea, USA 2015)

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Krimi-Couch über Dan Brown

Perlentaucher über Dan Brown

Die Vorlage

Leider ohne Filmfotos (das gab es früher öfter in den Filmausgaben), aber mit einem neuen Cover und selbstverständlich nur kurze Zeit im Handel

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Dan Brown: Inferno

(übersetzt von Axel Merz und Rainer Schumacher)

Bastei Lübbe, 2016

688 Seiten

11 Euro

Deutsche Erstausgabe

Lübbe, 2013

Originalausgabe

Inferno

Doubleday, 2013

Das Teaserplakat, das mir besser gefällt

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Neu im Kino/Filmkritik: „Im Herzen der See“, wo die großen Wale Schiffe versenken

Dezember 3, 2015

Wahrscheinlich dachten die Macher, sie seien furchtbar clever, als sie für „Im Herzen der See“ eine Rahmengeschichte erfanden, die ihren Film zum Making-of von „Moby Dick“ macht. Nicht dem Film von John Huston, sondern dem Roman von Herman Melville. 1850 trifft Herman Melville (Ben Whishaw) den Ex-Matrosen Tom Nickerson (Brendan Gleeson – und allein schon diese Besetzung verrät, dass er mehr als zwei Minuten Leinwandpräsenz am Anfang und Ende des Films bekommen wird), einen Kneipier und Trinker, der mit niemandem über seine Erlebnisse während der letzten Fahrt mit der Essex reden will. Aber seine taffe Frau und finanzielle Nöte lassen ihn dann doch seine Geschichte erzählen.
Vor über dreißig Jahren, im August 1819, heuerte er als 14-jähriger auf dem Walfangschiff Essex als Schiffsjunge an. Kapitän war der unerfahrene George Pollard (Benjamin Walker), der allerdings über das richtige Blut verfügte. Erster Offizier Owen Chase (Chris Hemsworth), ein waschechter und erfahrener Seeman, der eigentlich Kapitän werden sollte, aber den falschen Stammbaum hat. Er ist glücklich verheiratet mit einer hochschwangeren Frau. Die beiden Männer verbindet gleich eine tiefe Abneigung und ein gemeinsames Ziel: möglichst schnell mit möglichst viel Walöl zurückzukommen. Da hören sie von einer großen Herde Wale viele Seemeilen vor der südamerikanischen Küste. Unter diesen Walen soll sich auch ein besonders großer Wal, eben jener Moby Dick, befinden.
Melville ließ sich für seinen Roman „Moby Dick“, der zu seinen Lebzeiten kein Erfolg war, von der Katastrophe der Essex, anderen katastrophalen Begegnungen von Walfängern mit Walen und eigenen Erlebnissen inspirieren.
Die Fahrt der Essex ist daher nicht die Fahrt von Kapitän Ahab und seiner besessenen Jagd nach dem Riesenwal; was eines der Probleme des Films ist. Denn natürlich erwartet man durch die Rahmenhandlung eine Geschichte, die möglichst nah an der bekannten „Moby Dick“-Geschichte ist. Aber die wahre Geschichte der Essex verlief anders und sie hat mühelos das Potential für einen vollkommen eigenständigen Film. „Im Herzen der See“ ist nicht dieser Film. Es ist, auf der Story-Ebene, immer der Film, der gerne „Moby Dick“ wäre, es aber nicht ist.
Auch ohne diese unglückliche gewählte und vollkommen überflüssige Rahmenhandlung (die immer wieder die in der Vergangenheit spielende Haupthandlung unterbricht), hat „Im Herzen der See“ einige Probleme.
Das eine sind die kaum entwickelten Charaktere. Das fällt vor allem auf, nachdem der große Wal die Essex zu Kleinholz zerlegt hat. Die überlebenden Besatzungsmitglieder flüchten auf die Ruderboote und kämpfen auf hoher See viele Wochen und Monate um ihr Überleben. Bis dahin verbrachten wir zwar schon einige Zeit mit der Essex-Besatzung, aber letztendlich lernten wir bis dahin kein Besatzungsmitglied näher kennen. Deshalb berühren ihre Leiden und damit auch ihr Sterben oder Überleben uns nicht. Für kein Besatzungsmiglied empfinden wir irgendetwas, weil wir, bis auf Chase, nichts über sie wissen.
Der Konflikt zwischen Chase und Pollard ist so schlecht entwickelt, dass er immer nur behauptet bleibt, während wir mühelos die Lücken mit Szenen aus besseren Filmen ausfüllen. Immerhin haben wir schon genug Seefahrerfilme mit schwachen Kapitänen und entscheidungsstarken, klugen, erfahrenen, von der Mannschaft respektierten Ersten Offizieren gesehen. Auch wenn es auf der Essex keine Meuterei auf der Bounty gibt.
Das andere große Problem ist die Sucht nach vermeintlich spektakulären Bildern, die allerdings zunehmend langweilen, weil sie erkennbar aus dem Computer stammen. Während früher die Seefahrerfilme im Schwimmbassin gedreht wurden, werden sie jetzt vor dem Blue Screen gedreht und zu einem 3-D-Spektakel aufgeblasen, das von der ersten bis zur letzten Minute künstlich wirkt. Die vermeintlich beeindruckenden Szenen auf hoher See und bei der Waljagd (eine damals ziemlich gefährliche Angelegenheit für die Menschen in ihren kleinen Ruderbooten) wirken sogar noch künstlicher als die Studioaufnahmen aus älteren Filmen. Während man schon im Trailer zu John Hustons „Moby Dick“ das Salzwasser auf den Lippen spürt, entdeckt man bei „Im Herzen der See“ nur Pixel. Das gleiche gilt für die schönen Panorama-Aufnahmen von Nantucket im frühen 19. Jahrhundert. Früher wurde gezeichnet. Heute erledigt ein Programmierer das, ohne dass die Panorama-Aufnahmen auch nur einen Deut realistischer wirken.
„Im Herzen der See“ ist, nachdem Ron Howard zuletzt mit dem grandiosen Rennfahrerfilm „Rush – Alles für den Sieg“ (ebenfalls mit Chris Hemsworth) sogar Formel-1-Verächter begeistern konnte, eine ziemliche Enttäuschung, die mehr Malen nach Zahlen als saftiges Seefahrergarn ist.

Im Herzen der See - Plakat

Im Herzen der See (In the Heart of the Sea, USA 2015)
Regie: Ron Howard
Drehbuch: Charles Leavitt (nach einer Geschichte von Charles Leavitt, Rick Jaffa und Amanda Silver)
LV: Nathaniel Philbrick: In the Heart of the Sea: The Tragedy of the Whaleship Essex, 2000 (Im Herzen der See: Die letzte Fahrt des Walfängers Essex)
mit Chris Hemsworth, Benjamin Walker, Cillian Murphy, Ben Whishaw, Tom Holland, Brendan Gleeson, Charlotte Riley
Länge: 122 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Im Herzen der See“
Moviepilot über „Im Herzen der See“
Metacritic über „Im Herzen der See“
Rotten Tomatoes über „Im Herzen der See“
Wikipedia über „Im Herzen der See“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Ron Howards „Rush – Alles für den Sieg“ (Rush, USA/Großbritannien/Deutschland 2013)

Ach ja: „Moby Dick“


TV-Tipp für den 1. November: Der letzte Scharfschütze

November 1, 2014

RBB, 23.05

Der letzte Scharfschütze (USA 1976, Regie: Don Siegel)

Drehbuch: Scott Hale, Miles Hood Swarthout

LV: Glendon Swarthout: The Shootist, 1975 (Der Superschütze)

Revolverheld Books will seine letzten vom Krebs gekennzeichneten Tage in Ruhe verbringen. Aber so einfach ist das nicht.

Einer der besten Spätwestern – und John Waynes letzter Film.

„Don Siegel unterzog in ‚The Shootist – Der Scharfschütze’ den Mythos einer distanzierten Würdigung, die noch einmal dem Western zurückgab, was ihm in den letzten Jahren abhanden gekommen war: Ruhe. Und vielleicht exakt diese Botschaft ist es, die endgültig dem Genre ein friedvolles Ende bescheren hätte können: nämlich, die, dass der Western tot, die Grenze erschlossen, die Gesellschaft korrupt ist und dass man sich darüber nicht besonders aufregen muss.“ (Georg Seesslen: Western)

Die Western Writers of America verliehen Swarthouts Buch den Spur-Award als bester Western-Roman des Jahres 1975. Später nahmen sie „The Shootist“ in die Liste der 21 besten Western, Swarthout in die Liste der besten Western-Autoren und die Verfilmung in die Liste der zehn besten Western des zwanzigsten Jahrhunderts auf.

Mit John Wayne, Lauren Bacall, James Stewart, Ron Howard, Richard Boone, John Carradine

Auch “The Shootist – Der Scharfschütze”

Hinweise

Homepage von Glendon Swarthout

Meine Besprechung von Don Siegels „Der Tod eines Killers“ (The Killers, USA 1964 – Ronald Reagans letzter Film)

Meine Besprechung von Don Siegels „Der letzte Scharfschütze“ (The Shootist, USA 1976 – John Waynes letzter Film)

Kriminalakte über Don Siegel


TV-Tipp für den 4. Mai: Kopfgeld

Mai 4, 2014

 

RTL II, 20.15

Kopfgeld – Einer wird bezahlen (USA 1996, Regie: Ron Howard)

Drehbuch: Richard Price, Alexander Ignon (nach einer Geschichte von Cyril Hume und Richard Maibaum)

Als der Sohn von Selfmade-Millionär Tom Mullen entführt wird, setzt er das geforderte Lösegeld als Kopfgeld für die Entüfhrer ein. Eine Idee mit Folgen.

Spannender Thriller, der seine Idee von dem ebenso spannenden Thriller „Menschenraub“ (USA 1956, Regie: Alex Segal, mit Glenn Ford, Donna Reed und Leslie Nielsen) hat. Während das Remake ungefähr im Jahresturnus im TV läuft, wurde das ebenso spannende Original seit Ewigkeiten nicht mehr gezeigt.

mit Mel Gibson, René Russo, Gary Sinise, Brawley Nolte, Delroy Lindo, Lili Taylor, Liev Schreiber, Donnie Wahlberg, Evan Handler, Paul Guilfoyle, Dan Hedaya, Richard Price

Wiederholung: Montag, 5. Mai, 00.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Kopfgeld“

Wikipedia über „Kopfgeld“ (deutsch, englisch)

Richard Price in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Ron Howards „Rush – Alles auf Sieg“ (Rush, USA/Großbritannien/Deutschland 2013)

 


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