TV-Tipp für den 24. August: Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen

August 24, 2018

ZDFneo, 23.30

Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen (Side Effects, USA 2013)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Scott Z. Burns

Psychiater Jonathan Banks will Emily Taylor helfen, indem er ihr nach einem missglückten Suizidversuch ein neues, noch nicht erprobtes Medikament verschreibt. Das hat tödliche Nebenwirkungen Emilys Ehemann und der ehrbare Psychiater muss um seine Existenz kämpfen.

Lässig-verschachtelter Neo-Noir mit einem hübsch zynischem Ende, den Soderbergh damals als seinen letzten Spielfilm ankündigte. Was schon damals nicht glaubwürdig war. Inzwischen ist er nach einem TV-Film (der bei uns im Kino lief) und einer TV-Serie wieder im Kino angekommen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jude Law, Rooney Mara, Catherine Zeta-Jones, Channing Tatum, Vinessa Shaw

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Side Effects“

Metacritic über „Side Effects“

Rotten Tomatoes über „Side Effects“

Wikipedia über „Side Effects“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Unsane: Ausgeliefert“ (Unsane, USA 2018)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte

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TV-Tipp für den 21. August: Carol

August 21, 2018

ARD, 22.45

Carol (Carol, USA/Großbritannien/Frankreich 2015)

Regie: Todd Haynes

Drehbuch: Phyllis Nagy

LV: Patricia Highsmith: The Price of Salt, 1952 (Erstveröffentlichung unter dem Pseudonym Claire Morgan; Wiederveröffentlichung unter ihrem Namen als „Carol“, deutsche Titel „Salz und sein Preis“ und „Carol oder Salz und sein Preis“)

New York, 1950: zwei Frauen verlieben sich ineinander – und verstoßen damit gegen die gesellschaftlichen Konventionen.

Gelungene, sehr stilbewusste und sensible Patricia-Highsmith-Verfilmung, die kein Kriminalfilm (was man bei Highsmith ja erwartet), sondern eine tragische Liebesgeschichte ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Cate Blanchett, Rooney Mara, Sarah Paulson, Carrie Brownstein, Kyle Chandler, Jake Lacy, Cory Michael Smith

Wiederholungen

Mittwoch, 22. August: ARD, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Montag, 27. August: One, 20.15 Uhr

Freitag, 31. August: One, 22.25 Uhr

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Carol“
Moviepilot über „Carol“
Metacritic über „Carol“
Rotten Tomatoes über „Carol“
Wikipedia über „Carol“ und über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )

Meine Besprechung der Patricia-Highsmith-Verfilmung “Die zwei Gesichter des Januars” (The two Faces of January, Großbritannien/USA/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Todd Haynes‘ Patricia-Highsmith-Verfilmung „Carol“ (Carol, USA/Großbritannien/Frankreich 2015)

Kriminalakte über Patricia Highsmith

 


Neu im Kino/Filmkritik: Über Gus Van Sants John-Callahan-Biopic „Don’t worry, weglaufen geht nicht“

August 17, 2018

John Callahan trinkt sich in den frühen Siebzigern in Long Beach, Kalifornien, durch den Tag. Als er mit einer Zufallsbekanntschaft von einer wilden Party zu einer noch wilderen Party will, verändert sich sein Leben für immer. Und das ist jetzt nicht Hollywood-Pathos, sondern bittere Realität: Auf dem Weg zur nächsten Party baut der betrunkene Fahrer einen Unfall, den dieser fast unverletzt überlebt. Callahan, der noch betrunkenere Beifahrer, überlebt schwer verletzt. Ärzte können sein Leben retten, aber er ist fast vollständig gelähmt. Er muss bis an sein Lebensende im Rollstuhl sitzen. Auch seine Arme kann er kaum bewegen.

Callahan zieht zurück in seine Geburtsstadt Portland, Oregon. Er trinkt weiter und beginnt zu Malen. Es sind primitive, sarkastisch-schwarzhumorige und immer wieder politisch inkorrekten Cartoons, die zuerst in der örtlichen Tageszeitung abgedruckt werden. Später in den gesamten USA und weltweit.

Am 24. Juli 2010 stirbt der am 5. Februar 1951 geborene John Callahan. Aber diesen Teil, seine letzten Lebensjahre als erfolgreicher Cartoonist, erzählt Gus Van Sant in seinem neuen Film „Don’t worry, weglaufen geht nicht“ nicht. Er baut seinen konventionell erzählten Feelgood-Film nach dem Zwölf-Schritte-Programm der Anonymen Alkoholiker auf. Er erzählt Callahans Weg vom Trinker zur Enthaltsamkeit und Selbsterkenntnis. Mit dem AA-Programm hat Van Sant eine sehr einfache und dramaturgisch sehr tragfähige Struktur. Er kann in der Zeit hin und her springen, ohne den Fluss der Erzählung zu unterbrechen und so auch etwas widerständiges Indie-Feeling in einen sehr konventionellen Film bringen. Das AA-Programm gibt auch eine klare dramaturgische Richtung vor: von rauschenden Drogennächte über die verschiedenen Versuche, abstinent zu Leben und anschließend sein Leben immer mehr in Ordnung zu bringen. Dazu gehören auch Callahans Umgang mit seiner Behinderung und sein beginnender Erfolg als Cartoonist. In seinen Zeichnungen setzt er sich auch ohne falsche Scheu, mit ätzendem Humor und Selbstironie mit seiner letztendlich selbst verschuldeten, beschissenen Situation auseinander. Auch ohne das Bild zu kennen, sagt der Filmtitel ‚Keine Panik, er wird zu Fuß nicht weit kommen‘ einiges über Callahans Haltung zu sich und seinem Leben aus. Callahans spiritueller Helfer auf dem Weg zur Selbsterkenntnis ist dabei Donnie. Ein vermögender AAler, der eine kleine Schar von Jüngern um sich gescharrt hat und in seiner Nobelvilla nicht arm wie Jesus lebt, aber sich so benimmt und aussieht.

Mit den Musikerinnen Kim Gordon („Sonic Youth“) und Beth Ditto („Gossip“) und Udo Kier ist Donnies AA-Gruppe prominent besetzt. Callahans Sozialarbeiterin Suzanne wird ebenfalls von einer Indie-Musikerin gespielt: „Sleater-Kinney“-Gitarristin Carrie Brownstein.

Und Donnie, gespielt von Jonah Hill, ist auch kein Unbekannter. Auch wenn er unter seinem Vollbart kaum erkennbar ist. Joaquin Phoenix spielt, gewohnt überzeugend, John Callahan.

In Gus Van Sants Filmographie, die munter zwischen Arthaus, Experimenten und Mainstream-Hollywood-Erzählkino hin und her springt, gehört „Don’t worry, weglaufen geht nicht“ eindeutig in die letzte Kategorie. Den Ursprung hatte das Projekt vor mehr als zwanzig Jahren. Robin Williams, mit dem Van Sant bei „Good Will Hunting“ zusammen gearbeitet hatte, hatte sich die Rechte an John Callahans Biographie gesichert und er wollte Callahan spielen. Seitdem traf Van Sant sich öfter mit Callahan und arbeitete mit verschiedenen Autoren an verschiedenen Drehbuchversion. Letztendlich baute er das Buchkapitel, in dem Callahan erzählt, wie er seine Alkoholsucht überwand, zum Film aus.

Don’t worry, weglaufen geht nicht (Don’t worry, he won’t get far on foot, USA 2018

Regie: Gus Van Sant

Drehbuch: Gus Van Sant (nach einer Geschichte von John Callahan und Gus Van Sant & Jack Gibson & William Andrew Eatman)

LV: John Callahan: Don’t worry, he won’t get far on foot, 1989 (Don’t worry, weglaufen geht nicht)

mit Joaquin Phoenix, Jonah Hill, Rooney Mara, Jack Black, Mark Webber, Udo Kier, Carrie Brownstein, Beth Ditto, Kim Gordon

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Don’t worry, weglaufen geht nicht“

Metacritic über „Don’t worry, weglaufen geht nicht“

Rotten Tomatoes über „Don’t worry, weglaufen geht nicht“

Wikipedia über „Don’t worry, weglaufen geht nicht“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Don’t worry, weglaufen geht nicht“

Meine Besprechung von Gus Van Sants „The Sea of Trees – Liebe wird dich nach Hause führen“ (The Sea of Trees, USA 2015)

Don’t worry, das Filmgespräch ist zwar leise aufgenommen, aber die drei Drehbuchautoren sind gut verständlich

Eine Doku über John Callahan


TV-Tipp für den 9. Dezember: Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen

Dezember 9, 2017

ZDFneo, 21.55

Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen (Side Effects, USA 2013)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Scott Z. Burns

Psychiater Jonathan Banks will Emily Taylor helfen, indem er ihr nach einem missglückten Suizidversuch ein neues, noch nicht erprobtes Medikament verschreibt. Das hat tödliche Nebenwirkungen Emilys Ehemann und der ehrbare Psychiater muss um seine Existenz kämpfen.

Lässig-verschachtelter Neo-Noir mit einem hübsch zynischem Ende, den Soderbergh damals als seinen letzten Spielfilm ankündigte. Was schon damals nicht glaubwürdig war. Inzwischen ist er nach einem TV-Film (der bei uns im Kino lief) und einer TV-Serie wieder im Kino angekommen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jude Law, Rooney Mara, Catherine Zeta-Jones, Channing Tatum, Vinessa Shaw

Wiederholung: Sonntag, 10. Dezember, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Side Effects“

Metacritic über „Side Effects“

Rotten Tomatoes über „Side Effects“

Wikipedia über „Side Effects“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „A Ghost Story“ ist kein Horrorfilm; – – – hm, irgendwie schon

Dezember 7, 2017

Direkt nach den Dreharbeiten für „Elliot, der Drache“ begann David Lowery sofort mit dem Dreh von „A Ghost Story“ und dieser Film ist, bis auf einen Punkt, das genaue Gegenteil von seinem Disney-Film. Der gemeinsame Punkt ist, dass beide Filme sehenswert sind. Aber während „Elliot, der Drache“ ein quietschbunter, unterhaltsamer und kurzweiliger Disney-Kinderfilm ist, ist „A Ghost Story“ ein an 19 Tagen im Hochsommer in Texas gedrehter Micro-Budget-Film, in dem Rooney Mara und Casey Affleck, nachdem sie bereits in Lowerys „The Saints – Sie kannten kein Gesetz“ (Ain’t Them Bodies Saints, USA 2013) zusammenspielten, wieder zusammenspielen. Wobei sie dieses Mal mehr nebeneinander her als zusammen spielen.

Denn C (Casey Affleck) stirbt bei einem Autounfall. Seine Freundin M (Rooney Mara) kehrt in die gemeinsame Wohnung zurück. Cs Geist begleitet sie von der Leichenhalle zum Haus und beobachtet sie bei ihren Tätigkeiten und ihrer Trauer. Zum Beispiel wenn sie am ersten Abend nach seinem Tod in einer vierminütigen ungeschnittenen Einstellung einen Schokoladenkuchen in sich hineinstopft. Er muss auch miterleben, wie er für sie unsichtbar ist und wie sie ihn langsam vergisst.

Daran ändern auch seine gelegentlichen Gefühlsausbrüche nichts. Denn wie alle Geister kann er bei Bedarf Dinge bewegen. Aber M erkennt Cs Wirken, seine Trauer und seine unbeholfenen und damit wirkungslose Versuche, sie zu trösten, nicht. Sie bemerkt und sieht ihn nicht. Sie spürt noch nicht einmal seine Anwesenheit.

Wir sehen C wenn er neben seiner Freundin steht und sie ausdrucksstark beobachtet oder durch die Wohnung schwebt, die er durch einen unerklärlichen Bann nicht verlassen kann. Oder will. Und wir bemerken, wie viele Emotionen in einem Bettlaken stecken. Denn das ist Cs Geist: ein Schauspieler unter einem Bettlaken.

Lowery inszenierte „A Ghost Story“ im Format 1:33, das zu einem fast quadratischen Bild führt, in langen, oft stummen Einstellungen, in denen wenig geschieht. Er erzählt, ohne dass das Interesse des Zuschauers erlahmt, seine Geschichte sehr abstrakt, minimalistisch und sehr offen für verschiedene Interpretationen. Diese Offenheit ist für eine Filmbesprechung auch ein Problem. Denn sie führt notgedrungen zu einer Interpretation, die die Offenheit des Films auf eine Sicht verengt. Dabei ist „A Ghost Story“ offen für sehr viele, auch sich widersprechende Interpretationen.

In jedem Fall ist „A Ghost Story“ kein Film für die große Masse, sondern ein kleiner Indie-Film, der fasziniert und ein Angebot zum Nachdenken und für Gespräche über Beziehungen, Liebe, Abschied, Trauer und den Tod ist.

A Ghost Story (A Ghost Story, USA 2017)

Regie: David Lowery

Drehbuch: David Lowery

mit Casey Affleck, Rooney Mara, Will Oldham

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „A Ghost Story“

Metacritic über „A Ghost Story“

Rotten Tomatoes über „A Ghost Story“

Wikipedia über „A Ghost Story“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Lowerys „Elliot, der Drache“ (Pete’s Dragon, USA 2016)


TV-Tipp für den 19. Juli: Her – A Spike Jonze Love Story

Juli 19, 2017

Arte, 20.15

Her (Her, USA 2013)

Regie: Spike Jonze

Drehbuch: Spike Jonze

Seitdem der professionelle Briefeschreiber Theodore (Joaquin Phoenix) von seiner Freundin verlassen wurde, verbringt er seine Abend alleine vor dem Computer. Als er auf seinem Computer seinen persönlichen, virtuellen Begleiter installiert, verliebt er sich sofort in ihre Stimme (Scarlett Johansson im Original) und beginnt eine Beziehung mit ihr.

Abgedrehte, hochgelobte Romanze, die ich damals für etwas überbewertet hielt. „Her“ erhielt etliche Preise, u. a. den Drehbuchoscar. „Her“ war auch als bester Film des Jahres nominiert.

mit Joaquin Phoenix, Amy Adams, Rooney Mara, Olivia Wilde, Scarlett Johansson (im Original), Kristen Wiig (im Original)

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Her“
Moviepilot über „Her“
Metacritic über „Her“
Rotten Tomatoes über „Her“
Wikipedia über „Her“ (deutsch, englisch)
Drehbuch „Her“ von Spike Jonze

Meine Besprechung von Spike Jonzes „Her“ (Her, USA 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: „Song to Song“, Terrence Malick to Terrence Malick

Mai 25, 2017

Seinen neuen Film drehte Terrence Malick in Austin, Texas. Unter anderem bei den dortigen Rockmusikfestivals und neben den Filmstars sind auch etliche Rockmusiker, wie Patti Smith, Iggy Pop und John Lydon (aka Johnny Rotten), dabei. Das macht „Song to Song“ allerdings nicht zu einem Film über die Musikszene von Austin oder die Rockmusik. Sie ist nur der beliebig austauschbare Hintergrund für Malickrismen, die in der richtigen Stimmung ihren Reiz entfalten können, meistens aber nur als Kunstkitsch nerven. Auch in seinem vorherigen Film „Knight of Cups“, in dem Christian Bale einen erfolgreichen Hollywood-Comedy-Drehbuchautor in einer Midlife-Crisis spielte, war es so. Da wurde im Presseheft zwar behauptet, dass Bale einen Autor spielte, aber man sah ihn nie bei der Arbeit und man erfuhr nichts, aber auch absolut nichts über Hollywood. Bale hätte genausogut jeden anderen Beruf ausüben können.

Im Gegensatz zu Malicks vorherigen Filmen ist in „Song to Song“ fast eine Geschichte erkennbar. Wenn man „Geschichte“ als eine weitgehende Übereinstimmung zwischen Synopse, Film und Wahrnahme des Films sieht. Bei „Knight of Cups“ war die Synopse dagegen nur eine mögliche Zusammenfassung des Films. Bei „Song to Song“ geht es um eine junge Musikerin (Rooney Mara), die zwischen zwei Männern steht. Der eine ist ein erfolgreicher Musikproduzent (Michael Fassbender). Der andere ein aufstrebender Songwriter (Ryan Gosling). Sie ist mit beiden mal zusammen, mal getrennt. Mit einem gründet sie dann eine Familie.

An dieser „Geschichte“ hängt Terrence Malick seine Bilder auf, die sich nie um eine nachvollziehbare Chronologie kümmern und bei denen man auch überhaupt nicht versuchen sollte, sie in eine Chronologie zu pressen. Das war schon bei seinen vorherigen Filmen, die er seit 2011 mit „The Tree of Life“ in einem wahren Schaffensrausch heraushaute, so. Es geht Malick nicht um eine Geschichte, sondern nur um eine ästhetisch ansprechende Symphonie von Bildern und Tönen. Und genauso sehr, wie sich die Filme ähneln, könnte man einfach eine alte Besprechung recyclen. Denn wie in Malicks vorherigen Filmen ist der pompös herausgestellte Ort und das achsowichtige Milieu der Geschichte für die Handlung und die Charaktere vollkommen egal. So dürfen die Schauspieler in „Song to Song“ zwar, wie Groupies, im Backstage-Bereich der Bühne herumstehen und über das Festivalgelände streunen, aber sie könnten genausogut beliebige Festivalbesucher oder Freunde der Veranstalter sein. Am Ende der zwei Stunden wissen wir noch nicht einmal, welche Musik Faye, Cook und BV machen; außer dass es keine Klassik ist. Dann wären sie durch ein Opernhaus gestolpert.

Entsprechend beliebig ist der Soundtrack, den wahrscheinlich ein jüngerer Mitarbeiter von Malick als Mix-Tape zusammenstellen durfte, und die Auftritte der teils groß herausgestellten Rockmusiker. Bis auf Patti Smith beschränken sich ihre Auftritte auf Ein-Satz-Statements im Backstage-Bereich. Gedreht wurde während dem 2012er Austin City Limits Festival, dem South by Southwest Festival (SXSW) und dem Fun Fun Fun Fest. Im Film gibt es einige kurze Konzertausschnitte und Backstage-Impressionen mit mehr oder weniger bekannten Musikern und Bands.

Immerhin können die Austin-Festivalmacher sich über einen großen Werbefilm für Austin freuen. Die Weltpremiere des Films war dann auch am 10. März 2017 auf dem SXSW.

Fans der neuen Malick-Filme werden in „Song to Song“ all das finden, was ihnen an seinen in diesem Jahrzehnt gedrehten Filmen gefiel. Die schwebenden Bilder von Kameramann Emmanuel Lubezki; wobei die Festivalimpressionen sich nicht so wahnsinnig von anderen Konzertfilmen und Festivalberichten unterscheiden und sie auch nicht so schön wie Sonnenuntergänge in der Wüste sind. Die bedeutungsschwangeren Off-Texte, die dieses Mal von den verschiedenen Charakteren geflüstert werden und die die Liebesgeschichte etwas strukturieren. Über Kalenderweisheiten kommen sie allerdings nie hinaus. Und alles wird mit religiösem Kitsch zugekleistert.

Wobei es dieses Mal sehr lange dauert, bis der religiöse Kitsch in seiner ganzen Kraft zuschlägt. Dafür ist er am Ende des Films noch penetranter als in seinen vorherigen Filmen. Immerhin sorgte das Ende im Kinosaal für einen ungläubigen halbkollektiven Lacher und Oh-my-god-Stöhner. Denn Ironie, Witz, eine gewisse Doppeldeutigkeit oder ein Interpretationsspielraum bei der Botschaft kommen in Malicks Welt und im gesamten Film nicht vor. Dafür dürfen die Schauspieler, wie in seinen vorherigen Filmen, ohne Drehbuch improvisieren und so die Dreharbeiten als befreiende Selbsterfahrung erleben. Sie hatten sicher ihren Spaß. Für das Publikum ist das Ergebnis dann prätentiöser Quark mit banalreligiöser Beigabe, die immerhin schön aussieht.

Mit seinem grandiosen Frühwerk – „Badlands“ (1973), „In der Glut des Südens“ (Days of Heaven, 1978), „Der schmale Grad“ (The Thin Red Line, 1998) und, wenn auch sehr eingeschränkt, „The New World“ (2005) – hat „Song to Song“ nichts zu tun.

Song to Song (Song to Song, USA 2017)

Regie: Terrence Malick

Drehbuch: Terrence Malick

mit Ryan Gosling, Rooney Mara, Michael Fassbender, Natalie Portman, Cate Blanchett, Holly Hunter, Val Kilmer, Bérénice Marlohe, Lykke U, Tom Sturridge, Patti Smith, Iggy Pop, John Lydon, Florence Welch, The Black Lips, The Red Hot Chili Peppers (die meisten Auftritte bewegen sich im Cameo-Bereich)

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Aus der Freigabebegründung der FSK

Kindern im Grundschulalter bietet die Handlung praktisch keine Anknüpfungspunkte, weshalb sie eine große Distanz zu den Geschehnissen wahren können. Zugleich werden Kinder ab 6 Jahren von den teils mysteriös-poetischen Bilderwelten des Films nicht überfordert oder geängstigt.

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Song to Song“

Metacritic über „Song to Song“

Rotten Tomatoes über „Song to Song“

Wikipedia über „Song to Song“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „To the Wonder“ (To the Wonder, USA 2012)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „Knight of Cups“ (Knight of Cups, USA 2015)

Meine Besprechung von Dominik Kamalzadeh/Michael Peklers “Terrence Malick” (2013)

Terrence Malick in der Kriminalakte

Das Publikumsgespräch bei der Premiere mit Michael Fassbender und Terrence Malick (einer seiner sehr sehr, sehr seltenen öffentlichen Auftritte)

 


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