TV-Tipp für den 13. November: Hellboy

November 13, 2018

Nitro, 20.15

Hellboy (Hellboy, USA 2004)

Regie: Guillermo del Toro

Drehbuch: Guillermo del Toro (nach einer Geschichte von Guillermo del Toro und Peter Briggs)

LV: Mike Mignola: Hellboy

Hellboy, ein zum Guten erzogener Dämon, verkloppt im Auftrag einer geheimen FBI-Einheit Dämonen. Jetzt kämpft er gegen den untoten Mönch Rasputin und den SS-Mann Kroenen, die ihr vor sechzig Jahren unterbrochenes Werk vollenden wollen.

„Hellboy“ ist eine der wenigen gelungenen Comicverfilmungen der Prä-Marvel-Cinematic-Universe-Ära. Kein Wunder. Schließlich hat hier ein Fan einen Film für andere Fans (alle mit einem kindischen Gemüt) gemacht.

Mit Ron Perlman, John Hurt, Selma Blair, Rupert Evans, Karel Roden, Jeffrey Tambor

Hinweise:

Homepage von Mike Mignola

Rotten Tomatoes über „Hellboy“

Wikipedia über „Hellboy“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Mike Mignola (Autor)/John Arcudi (Autor)/Guy Davis (Zeichner) „B. U. A. P.: Tödliches Terrain (Band 7)“ (BPRD: Killing Ground, 2008)

Meine Besprechung von Mike Mignola (Autor)/John Arcudi (Autor)/Guy Davis (Zeichner) „B. U. A. P.: Die Warnung (Band 8)“ (BPRD: The Warning, 2009/2010)

Meine Besprechung von Guillermo del Toros „Pacific Rim“ (Pacific Rim, USA 2013)

Meine Besprechung von Guillermo del Toros „Crimson Peak“ (Crimson Peak, USA 2015)

Meine Besprechung von Guillermo del Toros „The Shape of Water – Das Flüstern des Waters“ (The Shape of Water, USA 2017)

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Neu im Kino/Filmkritik: „The Boy“ – eine Puppe mit Bedürfnissen

Februar 18, 2016

Puppen mit einem Eigenleben sind im Horrorfilm natürlich ein uralte Topoi, der gerade wegen dem offensichtlichen Widerspruch zwischen einem leblosen Gegenstand und ihren Taten, die ohne Bewegung unmöglich sind, gruseligen Spaß macht. Außerdem ist es immer wieder erstaunlich, wie lebendig eine Puppe, die sich nicht bewegt, wirken kann. Vor über einem Jahr sahen wir das in „Annabelle“, einem insgesamt nicht besonders gutem Horrorfilm. Der Puppe Annabelle hätte man einen besseren Film gewünscht.
Auch Brahms, so heißt die Puppe in William Brent Bells zitatfreudigem Horrorfilm „The Boy“, hätte man einen besseren Film gewünscht. Brahms ist eine Porzellanpuppe, die in ihrem Anzug und dem akkuraten Seitenscheitel, wie ein Wiedergänger von Damien (aus den „Omen“-Filmen) aussieht. Er ist der Sohn von Mr. und Mrs. Heelshire, die in einem schlossähnlichem Anwesen mitten im englischen Nirgendwo leben und die Puppe wie ihren vor Jahren durch ein Unglück verstorbenen achtjährigen Sohn behandeln. Deshalb engagieren sie, als sie für einige Tag weg fahren wollen, auch ein Kindermädchen.
Die US-Amerikanerin Greta (Lauren Cohan aus „The Walking Dead“), gerade auf der Flucht vor einer desaströsen Beziehung, soll die Aufgabe übernehmen. Sie ist zunächst irritiert, geht dann aber willig auf die Wahnvorstellung der Heelshires ein. Sie werde, während sie weg sind, ihren Sohn wie ein Kind behandeln und sich selbstverständlich an die ihr überreichten Verhaltensregeln halten. Denn Brahms ist nur solange ein braver Junge, solange diese Regeln befolgt werden.
Dummerweise spielen eben diese Regeln im Film dann, abgesehen von ein, zwei fast schon zufälligen Erwähnungen, keine Rolle. Dabei hätten diese Regeln, die von Greta natürlich sofort ignoriert werden, den Fahrplan für einen eskalierenden Konflikt zwischen dem Kindermädchen und dem Jungen sein können. Man hätte auch die Kulturen aufeinanderprallen lassen können. Also US-amerikanische Unbekümmertheit gegen britische Noblesse. Immerhin wirken die Heelshires und ihr Anwesen, als habe sich seit dem viktorianischen Zeitalter nichts geändert.
Stattdessen gibt es im Film zwei überraschende Wendungen. Die erste wird nicht erklärt. Deshalb ist sie psychologisch unplausibel und unlogisch. Die zweite Wendung, kurz vor dem Finale, erklärt dann zwar die Bedeutung des strikten und teils absurden Regelkatalogs, aber sie wird während des gesamten Films nicht vorbereitet, sondern als Überraschung wie ein Kaninchen aus dem Hut gezaubert.
So plätschert „The Boy“ als Ein-Personenstück (wenn wir Brahms und Gretas neuen Freund, einen feschen Dorfburschen, ignorieren) spannungs- und gruselfrei vor sich hin und verschenkt all die schönen erzählerischen Möglichkeiten, die durch seine Prämisse, den Handlungsort und die Lösung auf der Hand liegen.

The Boy - Plakat 4

The Boy (The Boy, USA 2016)
Regie: William Brent Bell
Drehbuch: Stacey Menear
mit Lauren Cohan, Rupert Evans, Jim Norton, Diana Hardcastle, Ben Robson, Jett Klyne
Länge: 97 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „The Boy“
Metacritic über „The Boy“
Rotten Tomatoes über „The Boy“
Wikipedia über „The Boy“


DVD-Kritik: „Fleming“ – mehr Bond-Metafilm als Biopic

November 5, 2014

Manchmal muss man dem Geheimhaltungsbedürfnis des Militärs wirklich dankbar sein. Es ist schon lange bekannt, dass James-Bond-Erfinder Ian Fleming im Zweiten Weltkrieg persönlicher Assistent von Konteradmiral John H. Godrey, dem Chef des Marinegeheimdienstes, war, er gegen die Deutschen kämpfte und später in seinen James-Bond-Romanen auch Erlebnisse aus dieser Zeit verarbeitete. Aber was er genau tat und wie er in welche Missionen involviert war, wissen wir nicht. Als Schriftsteller musste er sich nicht um Fakten kümmern und die Bond-Romane spielen auch nicht während des Zweiten Weltkriegs, sondern danach und so kann man der Behauptung der Serienmacher, dass die Bond-Romane auf seinen damaligen Erlebnissen basieren glauben. Oder auch nicht. Jedenfalls ist es eine gute Story, die sich nicht sonderlich um die Fakten kümmern muss und bislang wurden Flemings Kriegserlebnisse filmisch und literarisch kaum ausgeschlachtet.
Jetzt, nach zwei ziemlich vergessenen TV-Filmen aus den späten Achtzigern, die anscheinend auch grottenschlecht waren, gibt es einen weiteren Versuch, Flemings Erlebnisse während des Krieges als die Blaupause für seine James-Bond-Romane und Filme, die ja seit Ewigkeiten nur noch sehr lose auf den Romanen und Kurzgeschichten von Fleming basieren, zu nehmen.
In der dreistündigen TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ erzählen die Macher die Geschichte von Flemings Jahren beim Militär.
Dabei besteht ein großer Teil des Spaßes beim Ansehen der vier Episoden am Enträtseln der filmischen und literarischen Vorbilder. Denn die TV-Miniserie ist ein James-Bond-Film im Kleinstformat mit Admiral John Godfrey als M, Second Officer Monday als Miss Moneypeney (Tendenz: die aktuelle Ausgabe, die auch mal im Feld arbeitet) und Ian Fleming als James Bond, der zu seinem Missvergnügen an dem Schreibtisch verbannt wird und der zahlreiche Sex-Affären hat. Diese Affären und seine sexuellen Vorlieben nehmen dann auch die meiste Erzählzeit ein, während die Missionen eher kurz gestreift werden, was auch daran liegt, dass Fleming viele unorthodoxe Ideen hatte (die er teilweise direkt aus Spionageromanen klaute), aber nicht im Feld arbeiten durfte, weil er, wie wir in einigen Übungen sehen können, einfach kein Soldat war. Ein kaltblütiger Killer war er auch nicht. Wenn er in der vierten Episode, die während der letzten Kriegstage spielt, doch nach Deutschland darf und hinter die feindlichen Linien gelangt, macht er nicht unbedingt die beste Figur. Aber er erzählt nachher, wie auch Admiral Godrey meint, eine verdammt gute Geschichte, für die es leider keine Beweise gibt.
Obwohl „Fleming“ eine aus vier Episoden bestehende Miniserie ist, spannen die Macher keinen großen erzählerischen Bogen. Sie erzählen strickt im 45-Minuten-Format, immer in einem anderen Kriegsjahr, von Affären und Geheimdienstaktionen, die, so sollen wir glauben fast unverändert in die James-Bond-Geschichten, in denen James Bond alles richtig macht, was Ian Fleming falsch macht, eingeflossen sind. Die Tricks sind mau, aber die Ausstattung – es wurde hauptsächlich in Innenräumen gedreht – gefällt, weil es etwas vom Charme eines Vierziger-Jahre-Films verspürt. Und Ian-Fleming-Schauspieler Dominic Cooper macht auch keine schlechte Figur als spionagebegeisterter Frauenheld und Spieler.

Fleming - DVD-Cover 4

Fleming – Der Mann, der Bond wurde (Großbritannien 2014)
Regie: Mat Whitecross
Drehbuch: John Brownlow, Don MacPherson
mit Dominic Cooper, Lara Pulver, Samuel West, Anna Chancellor, Rupert Evans, Lesley Manville, Pip Torrens, Camilla Rutherford
auch bekannt als „Mein Name ist Fleming, Ian Fleming“ (TV-Titel)

DVD
Polyband
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Englisch
Bonusmaterial: –
Länge: 180 Minuten (4 x 45 Minuten)
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

BBC America über „Fleming“

Rotten Tomatoes über „Fleming“

Metacritic über „Fleming“

Wikipedia über „Fleming“

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung des James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte

 


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