Neu im Kino/Filmkritik: „Ouija: Ursprung des Bösen“ – ein sehenswertes Prequel

Oktober 20, 2016

San Francisco, 1967: Alice Zander verdient als Medium ihr Geld und sie ist dabei nicht ehrlicher als Blanche Tyler in Alfred Hitchcocks „Familiengrab“. Ihre beiden Töchter, die neunjährige Doris und die fünfzehnjährige Paulina, helfen der alleinerziehenden Mutter bei ihrem Hokuspokus, den sie als Lebenshilfe verkauft. Immerhin sind ihre Kunden, nachdem sie bezahlt und die beruhigenden Stimmen aus dem Jenseits gehört haben, glücklicher.

Und wie in jedem Geschäft muss auch ab und an in die Ausrüstung investiert werden. Alice hält ein Ouija-Brett für eine gute Ergänzung bei ihren Geisterbeschwörungen.

Aber dieses Ouija-Brett entwickelt schnell ein unangenehmes Eigenleben. Doris ist besonders empfänglich dafür und schnell von einem besonders fiesen Geist besessen.

Zum Glück – oder habt er geglaubt es geht ohne? – interessiert der katholische Geistliche Pater Tom sich für Alice und ihre beiden Kinder.

Wenn die Tricks nicht wären, könnte man „Ouija: Ursprung des Bösen“ für einen verschollenen Horrorfilm aus den Sechzigern halten. Die Ausstattung ist liebevoll im damaligen Stil gehalten; wobei im lauschigen Zander-Haus die Einrichtung schon einige Jahre und Jahrzehnte älter ist. Schließlich richtet man seine Wohnung nicht alle paar Tage neu ein. Die Geschichte wird, wie es sich für einen Geisterhorrorfilm gehört, eher gemächlich bis zum großen Finale erzählt. So lernen wir die Hauptpersonen kennen und der Schrecken kann langsam sein Wirkung entfalten.

Lulu Wilson als vom Bösen besessene Doris, die dann mit ihrem ausdruckslosen Kindergesicht, den geweiteten Augen und der unemotionalen, vom Bösen besessenen Stimme einem nachhaltiger Angst einjagt als die auch irgendwann körperlich in Erscheinung tretenden bösen Geister. Das bemerkt auch Paulinas Freund.

Ouija: Ursprung des Bösen“ ist, – immerhin ist der Film in den USA PG-13 und auch in Deutschland war eine FSK-12-Freigabe beantragt -, eher ein sanfter Grusler, ein Geisterhorrorfilm mit wenig Blut, vielen Schreien und furchterregenden Geräuschen. Er ist auch das Prequel zu dem 2014er Horrorfilm „Ouija“, der an der Kinokasse sein bescheidenes Budget mehr als einspielte und von der Kritik gehasst wurde. Dabei kann der „Ursprung des Bösen“ kann ganz gut für sich alleine stehen als Geisterhorrrorfilm, der gelungen die bekannte Formel ausfüllt und dabei einige eigene Akzente setzt.

P. S.: Es gibt eine Post-Credit-Szene.

P. P. S.: Mike Flanagans bereits 2013 gedrehter, aufgrund diverser Probleme und Startterminverschiebungen erst 2016 der Öffentlichkeit gezeigter Horrorfilm „Before I wake“ läuft am 24. November in unseren Kinos an. Das Drehbuch schrieb er mit Jeff Howard.

ouija-2-plakat

Ouija: Ursprung des Bösen (Ouija: Origin of Evil, USA 2016)

Regie: Mike Flanagan

Drehbuch: Mike Flanagan, Jeff Howard (nach dem Hasbro-Spiel Ouija)

mit Elizabeth Reaser, Annalise Basso, Lulu Wilson, Henry Thomas, Parker Mack, Sam Anderson, Halle Charlton, Alexis G. Zall, Kate Siegel

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Ouija: Ursprung des Bösen“

Metacritic über „Ouija: Ursprung des Bösen“

Rotten Tomatoes über „Ouija: Ursprung des Bösen“

Wikipedia über „Ouija: Ursprung des Bösen“

Ein „Collider“-Gespräch mit Mike Flanagan und seiner Frau und Partnerin Kate Siegel über „Ouija: Ursprung des Bösen“, „Before I wake“ und, vor allem, „Hush“

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Neu im Kino/Filmkritik: Irgendwie Horror: „Devil’s Due – Teufelsbrut“

Mai 8, 2014

Found Footage, nächste Runde und „Devil’s Due – Teufelsbrut“ ist ein würdiger Vertreter seines Genres, das bis jetzt nur wenige sehenswerte Filme und unglaublich viel Schrott hervorbrachte, der allerdings so billig gedreht werden konnte, dass die Macher im Nachgang von „The Blair Witch Project“ immer noch ihren finanziellen Schnitt machten, was auch für „Devil’s Due – Teufelsbrut“ gilt.
In dem Film geht es um ein junges Pärchen, das in der Dominikanischen Republik seine Flitterwochen verbringt und Göttergatte Zach wirklich jeden Moment mit der Kamera festhalten muss. In der letzten Nacht zeigt ihnen ein Taxifahrer das wirklich authentische Inselleben abseits der Touristenpfaden. Für das Pärchen endet der Abend in einen massiven Drogenabsturz. So massiv, dass die Erinnerungen an die seltsame Teufelsanbetung auch Erinnerungsfetzen an einen Discobesuch sein könnten. Immerhin sind die Filmaufnahmen davon sehr lückenhaft, falsch belichtet und noch verwackelter als der restliche Film.
Zurück in ihrer lauschigen All-American-Vorstadt stellt Samantha fest, dass sie schwanger ist und plötzlich einen unheimlichen Hunger auf rohes Fleisch hat. Seltsame Männer schleichen um ihr Haus herum und mit dem Baby stimmt auch etwas nicht. Zach konzentriert sich derweil darauf, mit seiner Kamera möglichst alles für die Nachwelt auf Film festzuhalten.
Das ist, wie man es im Found-Footage-Genre gewohnt ist, mit grenzdebilen Dialogen, schlechten, aber furchtbar spontanen und lebensechten Schauspielern und einer nervigen, billigen Wackelkamera inszeniert, die Drehbuchschwächen mit dem Hinweis auf die Found-Footage-Genrekonventionen entschuldigt. Wobei es auch in „Devil’s Due“ Szenen gibt, die gegen die reine Lehre der Genreregeln verstoßen und es auch teilweise zu einem vollkommen idiotischem Verhalten des Gatten, der alles filmen will, kommt. Denn natürlich muss er in höchster Not erst einmal die Kamera auspacken.
Und wer aufgrund minimaler Ähnlichkeiten und wegen irgenwelcher Werbesprüche „Devil’s Due“ mit Roman Polanskis Horrorfilmklassiker „Rosemarys Baby“ vergleicht, vergleicht auch die ersten Schwimmversuche seines Kindes mit dem mehrfachen Olympia-Medaillengewinner Michael Phelps, weil beide sich ja im Wasser fortbewegen.
„Devil’s Due“ ist ein filmisch trostloses Drama, bei dem es letztendlich nur ein Rätsel gibt: Warum läuft der Film im Kino?

Devil's Due - Plakat

Devil’s Due -Teufelsbrut (Devil’s Due, USA 2014)
Regie: Matt Bettinelli-Olpin, Zach Gillett
Drehbuch: Lindsay Devlin
mit Allison Miller, Zach Gilford, Sam Anderson
Länge: 89 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Devil’s Due – Teufelsbrut“
Moviepilot über „Devil’s Due – Teufelsbrut“
Metacritic über „Devil’s Due – Teufelsbrut“
Rotten Tomatoes über „Devil’s Due – Teufelsbrut“
Wikipedia über „Devil’s Due – Teufelsbrut“


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