Neu im Kino/Filmkritik: „The Commuter“ Liam Neeson erlebt eine mörderische Zugfahrt

Januar 11, 2018

In diesem Fall sagt der Spruch „Wenn Ihnen ‚Unknown Identity‘, ‚Non-Stop‘ und ‚Run all Night‘ gefallen haben, wird ihnen ‚The Commuter‘ gefallen“ alles. Denn die vierte Zusammenarbeit von Regisseur Jaume Collet-Serra und Liam Neeson liefert, wieder einmal, gut abgehangenes Thriller-Entertainment mit einer ordentlichen Portion Action, einer vertrauten Geschichte, die mit etlichen überraschenden Twists hochenergetisch präsentiert wird und einem beachtlichen, spielfreudigem Ensemble. Neben Liam Neeson sind Vera Farmiga, Patrick Wilson, Sam Neill und Elizabeth McGovern in oft kleinen, aber wichtigen Rollen dabei.

Neeson spielt Michael MacCauley, einen glücklich verheirateten Ex-Polizisten, der seit zehn Jahren in Manhattan als Versicherungsmakler arbeitet und jeden Tag aus den Suburbs in die Millionenstadt pendelt. Diese Monotonie des täglichen Pendelns zeigt Jaume Collet-Serra in den ersten Minuten in einer schönen Montage, die auch als eigener Kurzfilm funktioniert. Am Ende ist klar: MacCauley ist ein ganz gewöhnlicher, unauffälliger Mann mit ganz gewöhnlichen Problemen.

Heute erlebt er allerdings einen echten Scheißtag. Weil er nicht genug Versicherungen verkauft, wird der Sechzigjährige fristlos entlassen. Damit sind auch all seine finanziellen Pläne in Richtung Haus und Uni-Ausbildung seines Sohnes obsolet.

Auf der Heimfahrt sitzt ihm im Pendlerzug eine Frau (Vera Farmiga), die er noch nie in diesem Zug gesehen hat, gegenüber. Denn, und das wissen alle Pendler, mit den Jahren kennt man, jedenfalls vom Sehen, all die anderen Passagiere, die tagtäglich mit einem die Strecke fahren. Sie fragt ihn, was er täte, wenn er für eine kleine Gefälligkeit, die nicht ungesetzlich sei, eine große Menge Geld bekäme. Zum Beispiel die 25.000 Dollar, die im Zug-WC versteckt seien und eine Anzahlung auf die 100.000 Dollar seien, die er am Ende bekäme. Dafür müsse er nur eine Person identifizieren, die ebenfalls im Zug sitzt und an einem bestimmten Bahnhof aussteigt.

Natürlich hält MacCauley Joannas hypothetische Frage zuerst für einen Scherz.

Natürlich sucht er auf der Zug-Toilette das Geld, findet es und steckt es ein. Dass er jetzt auch die andere Seite des Deals ausführen muss und dass Joanna und ihre Hintermänner darauf bestehen, zeigen sie ziemlich schnell. Gleich als Warnung töten sie einen Menschen. Und sie sind bereit, weitere Menschen, auch MacCauleys Familie, zu töten, um MacCauley an seine Seite des Deals zu erinnern. Ein Teil des Deals ist, dass MacCauley niemand über seine Situation und seine Aufgabe informieren darf.

Notgedrungen beginn der auf sich allein gestellte MacCauley in dem Zug die unbekannte Person zu suchen. Gleichzeitig will er herausfinden, warum sie für die Verschwörer so wichtig ist und welche Rolle er in der Verschwörung spielen soll.

Während sich einige Hintergründe der Verschwörung, jedenfalls für den Genrejunkie, ziemlich schnell herauskristallisieren, rätselt man bis zuletzt, wer die Person ist, die MacCauley identifizieren soll und warum sie so wichtig ist. Denn Collet-Serra besetzte den Zug durchgehend mit unbekannten Schauspielern, die sich durch ihr Verhalten mehr oder weniger verdächtig machen. Die bekannten Schauspieler übernehmen dagegen Rollen wie Ex-Kollege und Ehefrau von MacCauley.

The Commuter“ ist ein spannender Verschwörungsthriller mit etwas Old-School-Action, einem zugzerstörendem Finale, viel Suspense von der ersten bis zur letzten Minute und mehr als einem Hauch Hitchcock. Dabei gewinnen die Macher der bekannten Geschichte genug neue Facetten und überraschende Wendungen ab, um bis zum Ende der Zugfahrt glänzend und äußerst kurzweilig zu unterhalten. Das hohe Erzähltempo, die engagiert aufspielenden Schauspielern und die druckvolle Regie, die in hundert Minuten eine ziemlich verwickelte Geschichte erzählt, tragen dazu bei. Dass sie, vor allem natürlich die große Verschwörung, wenn man genauer darüber nachdenkt, wenig plausibel ist, stört nicht in diesem Moralstück.

Und ich werde jetzt garantiert nicht auf die Zugtoilette stürmen, um nach dem Briefumschlag mit Geld zu suchen…

The Commuter (The Commuter, USA/Großbritannien 2017)

Regie: Jaume Collet-Serra

Drehbuch: Byron Willinger, Philip de Blasi

mit Liam Neeson, Vera Farmiga, Patrick Wilson, Sam Neill, Elizabeth McGovern, Jonathan Banks, Florence Pugh, Andy Nyman, Killian Scott, Shazad Latif, Roland Moller, Kobna Holdbrook-Smith, Colin McFarlane

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Commuter“

Metacritic über „The Commuter“

Rotten Tomatoes über „The Commuter“

Wikipedia über „The Commuter“

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Non-Stop“ (Non-Stop, USA 2013; ebenfalls mit Liam Neeson)

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Run all Night“ (Run all Night, USA 2015; dito)

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „The Shallows – Gefahr aus der Tiefe“ (The Shallows, USA 2016)

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Neu im Kino/Filmkritik: „MindGamers“ – Murks, getarnt als Science-Fiction

April 7, 2017

Wow, wer hätte das gedacht? Nach „MindGamers“ erscheint der gerade angelaufene SF-Film „Ghost in the Shell“ als tiefphilosophisches Meisterwerk über die Frage, was den Menschen ausmacht.

In „MindGamers“ geht es dann um eine andere Frage, die ebenfalls zum Nachdenken anregen kann: Was wäre, wenn wir die motorischen Fähigkeiten und das Wissen eines Menschen verlustfrei und in Sekunden auf einen anderen Menschen übertragen könnten? Was wäre, wenn wir so auch einen anderen Menschen dazu bewegen könnten, sich zu töten? Und welches Potential hätten wir, wenn wir einzelne Gehirne miteinander verknüpfen könnten? So wie wir Dateien und Befehle von einem Computer zum nächsten schicken und sie gegebenenfalls zu einem riesigen Netzwerk miteinander verknüpfen. Bei Laborratten hat diese Form der Wissensübertragung anscheinend schon funktioniert.

Das sind interessante Frage mit vielen Implikationen, für die sich der Science-Fiction-Film, abseits der reinen Gimmick-Ebene, nicht weiter interessiert. Er hat sie noch nicht einmal im Ansatz angedacht.

Im Film haben wir den katholischen Geistlichen Kreutz (Sam Neill), der mit Wissenschaft die Menschheit wieder zum Glauben bekehren will. Deshalb bringt er Geistliche, die ihm im Weg stehen, um und forscht in diesem Feld.

Er hat auch entsprechende Forschungen an einer irgendwie kirchlich geführten oder infiltrierten Universität initiiert. Diese Forschungen werden, im Geheimen in riesigen Kellergewölben, von einer Gruppe junger Forscher, alle noch im Studierendenalter, unter der Leitung von Jaxon (Tom Payne, der zweite Promi im Cast) durchgeführt und sie wirken nie wie Naturwissenschaftler, sondern immer wie die stilbewusste Poser-Punkband von nebenan. Sie arbeiten mit Quantencomputern an einem kabellosen neuralen Netzwerk, das motorische Fähigkeiten von einer Person zu einer anderen Übertragen kann. Besonders gerne übertragen sie Parkour-Fähigkeiten; – – – weil Parkour über Häuserdächer einfach toll aussieht.

Außerdem wurde der Film von der Red-Bull-Firma Terra Mater Film Studios produziert.

Und dann läuft noch eine Rothaarige, die irgendwie wichtig ist, immer wieder durchs Bild. Die Macher erklären sie zu einem weiteren Puzzle, das die Zuschauer enträtseln können.

So kann man die vollkommene Unfähigkeit, eine auch nur halbwegs stringente Geschichte zu erzählen, auch verklären. Regisseur Andrew Goth knüpft dabei an seinen surrealistischem Vampir-Western „Gallowwalkers“ (mit Wesley Snipes) an. Schon da nervten die sinnlosen Zeitsprünge, ohne der Geschichte ein größeres Gewicht zu verleihen. Allerdings hatte „Gallowwalkers“ eine so chaotische Produktionsgeschichte, dass es an ein Wunder grenzte, dass überhaupt ein auch nur halbwegs ansehbarer Film entstand.

Bei „MindGamers“ ist dieses Chaos zwischen Gegenwart und Vergangenheit und möglichen Parallelwelten Absicht. Eine nachvollziehbare Geschichte und ebenso klar herausgearbeitete Konflikte fehlen in diesem Kuddelmuddel. Eine Dramaturgie ebenso.

Der Science-Fiction-Film ist ein schön anzusehendes Totaldesasters mit einigen netten Anspielungen und viel verschenktem Potential. Erst am Ende kann man sich, eher weniger als mehr, eine Geschichte zusammenreimen. Bis dahin springt Andrew Goth wild in der Chronologie herum und er macht erschreckend wenig aus seiner Prämisse. Außer, als Höhepunkt, einer großen Tanzszene, in der alle dank Gedankensteuerung spontan synchron tanzen und morden.

MindGamers (MindGamers, USA 2015)

Regie: Andrew Goth

Drehbuch: Andrew Goth, Joanne Reay

mit Tom Payne, Sam Neill, Melia Kreiling, Antonia Campbell-Hughes, Turlough Convery, Oliver Stark, Dominique Tipper, Ryan Doyle, Simon Paisley-Day, Pedja Bjelac, Ursula Strauss

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

alternativer, früherer Titel „DXM“

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „MindGamers“

Rotten Tomatoes über „MindGamers“

Wikipedia über „MindGamers“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Andrew Goths „Gallowwalkers“ (Gallowwalkers, USA/UK 2012)


TV-Tipp für den 21. November: Possession

November 21, 2016

Arte, 21.55

Possession (Frankreich/Deutschland 1980, Regie: Andrzej Zulawski)

Drehbuch: Andrzej Zulawski

Berlin: Marc kehrt nach einer längeren Abwesenheit zu seiner Frau Anna zurück. Sie behauptet, einen Liebhaber zu haben. Als der eifersüchtige Marc mehr herausfinden will, entdeckt er, dass sie sich mit einem krakenhaftem Monster vereint.

Horrrovision einer zerbrochenen Beziehung und zerstörter Identitäten(…) Mit kaltem Licht, bizarren Kameraeinstellungen und Schockeffekten malt er [Zulawski] eine barocke Alptraumwelt aus Ekel und Hysterie.Wenn die Geschichte einen etwas kruden Freudianismus bemüht, so überzeugt die Umsetzung in Bilder und Farbe.“ (Fischer Film Almanach 1994; mit dem Hinweis „Verleih: offen“)

Das im wahren Wortsinne aufopferungsvolle, an die physischen Grenzen gehende Spiel der beiden Hauptdarsteller, die unstete Kamera und die grotesken Spezialeffekte machen aus dem absurden Gewalttheater nachhaltig bewegendes Kunstkino.“ (Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2010, zur DVD-Ausgabe, die anscheinend auch gleichzeitig die Deutschlandpremiere des Skandalfilms war)

Isabelle Adjani erhielt in Cannes den Darstellerpreis.

So hysterisch sie in mancher Szene scheint, so folgerichtig ist dies im Rahmen dieses exaltierten Films, der wie ein Schock wirkte und zahlreiche Kritiker nachhaltig abstieß oder zu Lobeshymnen veranlasste.“ (Meinolf Zurhorst: Isabelle Adjani, 1992)

Damals hatte der 124 minütigen Film (englische Originalfassung) gewaltige Probleme mit der Zensur. Für die US-Auswertung wurde er um 45 Minuten gekürzt, in England gehörte er zu den ‚video nasties‘ und in Deutschland kam er erst gar nicht in die Kinos. Heute ist er ein Kultfilm.

Inzwischen hat er ungekürzt eine FSK-16-Freigabe erhalten.

mit Isabelle Adjani, Sam Neill, Margit Carstensen, Heinz Bennent, Johanna Hofer, Shaun Lawton, Leslie Malton

Hinweise

Arte über Isabelle Adjani

Rotten Tomatoes über „Possession“

Wikipedia über „Possession“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 14. August: Bis ans Ende der Welt

August 14, 2015

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Wim Wenders!

ZDF, 01.10
Bis ans Ende der Welt (Deutschland/Frankreich/Italien 1991, Regie: Wim Wenders)
Drehbuch: Peter Carey, Wim Wenders (nach einer Originalidee von Wim Wenders und Solveig Dommartin)
1999 (also damals in der Zukunft): eine nuklearer Satellit verläßt seine Umlaufbahn und er könnte das Ende der Welt bedeuten. Während die Menschheit auf ihr Ende wartet, verfolgt eine Frau einen Mann über den halben Globus bis nach Australien. Er zeichnet mit einer Spezialkamera Bilder auf, die Blinde sehen können.
Das ist etwas für die Nachteulen (und den Recorder): Wim Wenders Epos „Bis ans Ende der Welt“, das nach der Pressemitteilung des ZDF heute in seiner Langfassung seine Free-TV-Premiere erlebt (nach der OFDB lief der Film allerdings schon einmal im Fernsehen: nämlich vor zehn Jahren auf EinsFestival). In jedem Fall gehört der Film in der Kino- und der Langfassung zu seinen selten gezeigten Werken.
1991 lief im Kino eine dreistündige Fassung, die nicht so gut ankam, die ich aber, bei all ihren Schwächen, faszinierend finde.
„In ‚Bis ans Ende der Welt‘ synthetisiert Wenders zahlreiche traditionelle Filmgenres wie Science-Fiction, Romanze, Abenteuer-, Kriminal- und Musikfilm zu einer Art Gesamtkunstwerk, zu dem prominente Musiker und Bands von Peter Gabriel über Patti Smith und U2 bis zu den Talking Heads Exklusivsongs komponiert haben. Sein Stammkameramann Robby Müller hat dazu wieder brillante Bilder, vor allem von den grandiosen australischen Landschaften, eingefangen. (…) Bei allem Respekt für die enorme Kraftanstrengung bleibt am Ende doch ein zwiespältiger Eindruck, der sich vielleicht durch die Langfassungrevidieren läßt.“ (Fischer Film Almanach 1992)
„Wenders bleibt der Regisseur, der mit jedem neuen Projekt viel wagt. Trotz aller Widersprüche ist ‚Bis ans Ende der Welt‘ ein Film, der sich aus der Kinolandschaft als ein wichtiger Versuch heraushebt, wenn mit ihm auch nicht der erhoffte große Entwurf und Abschluß gelungen ist. Am Ende ist die größte Sensation des Films: daß es ihn tatsächlich gibt.“ (Stefan Kolditz: Bis ans Ende der Welt, in Peter W. Jansen/Wolfram Schütte, Hrsg.: Wim Wenders, 1992)
Immerhin hatte Wenders das Projekt bereits 1977 nach „Der amerikanische Freund“ begonnen. Das Budget betrug 23 Millionen Dollar (sein teuerster Film). Der Film wurde auf vier Kontinenten an 120 Drehtagen gedreht und 600 Menschen waren beteiligt.
Erst zehn Jahre später veröffentlichte Wenders die gut fünfstündige Fassung, die heute gezeigt wird, und die auch die ursprüngliche und schon beim Kinostart angekündigte Fassung ist.
Mit Solveig Dommartin, Chick Ortega, Eddy Mitchell, Ernie Dingo, William Hurt, Sam Neill, Rüdiger Vogler, Elena Smirnowa, Lois Chiles, Jeanne Moreau, Max von Sydow
Hinweise
Filmportal über „Bis ans Ende der Welt“
Rotten Tomatoes über „Bis ans Ende der Welt“
Wikipedia über „Bis ans Ende der Welt“ (deutsch, englisch)

Homepage von Wim Wenders

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Wim Wenders in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 12. März: Peaky Blinders – Gangs of Birmingham: Geschenk des Teufels/Waffenpoker

März 12, 2015

Arte, 20.15
Peaky Blinders – Gangs of Birmingham: Geschenk des Todes/Waffenpoker (Großbritannien 2013, Regie: Otto Bathurst)
Drehbuch: Steven Knight
Birmingham, 1919: Tommy Shelby und seine Straßengang, die Peaky Blinders, sind die ungekrönten Herrscher in ihrem Viertel. Als seine Männer durch Zufall eine Waffenlieferung des Militärs erbeuten, glauben sie, das große Los gezogen zu haben. Aber der skrupellose Chief Inspektor Chester Campbell von der Royal Irish Constabulary wird aus London in die Industriestadt geschickt. Er soll die Waffen finden. Egal wie. Und dabei gleichzeitig unter den Verbrecherbanden, Gewerkschaften, den Linken, der IRA und allen Feinden der Krone aufräumen.
Ab heute zeigt Arte in Doppelfolgen die erste Staffel von „Peaky Blinders“, einer aufwenig produzierten Gangstersaga, die zwar vor gut hundert Jahren spielt, aber in der Wahl ihrer filmischen Mittel und der Musik ist die Serie absolut zeitgenössisch. Der Titelsong „Red Right Hand“ ist von Nick Cave and The Bad Seeds und es gibt noch mehr Alternative Rockmusik. Auch die starke Rolle der Frauen, die während des Krieges die Verbrecherbanden führten, wäre so in älteren Filmen nicht vorgekommen.
Die Story selbst zitiert immer wieder lustvoll Gangsterfilmklassiker und Steven Knight („Eastern Promises“) entwirft ein reichhaltiges Bild der damaligen Zeit und der politischen Wirren, die in den kommenden Jahrzehnten die Geschichte Englands bestimmten. Ich sage nur: IRA.
Und so ist „Peaky Blinders“ gleichzeitig mitreisendes Gangsterepos und Sozialstudie.
Die dritte Staffel ist bereits bestellt.
mit Cillian Murphy, Sam Neill, Helen McCrory, Paul Anderson, Joe Cole, Sophie Rundle, Eric Campbell, Ned Dennehy, Annabelle Wallis, Tony Pitts

Die DVD ist bei Koch Media erschienen
Peaky Blinders - Staffel 1 - DVD-Cover
Koch Media
Bild: 1.78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Making of
Länge: 322 Minuten (3 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
BBC Two über „Peaky Blinders“
Moviepilot über „Peaky Blinders“
Arte über „Peaky Blinders“
Wikipedia über „Peaky Blinders“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 12. Februar: The Hunter

Februar 12, 2015

Servus TV, 22.15

The Hunter (Australien 2011, Regie: Daniel Nettheim)

Drehbuch: Alice Addison, Wain Fimeri (Original Adaptation)

LV: Julia Leigh: The Hunter, 1999 (Der Jäger)

Martin David (Willem Dafoe, grandios!) soll für einen Konzern den sagenumwobenen Tasmanischen Tiger finden und von ihm genetische Proben entnehmen. Allerdings jagen auch andere Menschen das Tier und David gerät in einen Konflikt zwischen Umweltschützern und Einheimischen.

„The Hunter“ ist ein angenehm altmodischer Abenteuerfilm mit Öko-Touch, einem Kopfnicken in Richtung „Mein großer Freund Shane“ und grandiosen Landschaftsaufnahmen.

mit Willem Dafoe, Sam Neill, Frances O’Connor, Sullivan Stapleton, Callan Mulvey, Morgana Davies, Jacek Koman, Dan Wyllie

Wiederholung: Freitag, 13. Februar, 01.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Rotten Tomatoes über „The Hunter“

Wikipedia über „The Hunter

Meine Besprechung von Daniel Nettheims „The Hunter“ (The Hunter, Australien 2011)


DVD-Kritik: Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone haben den „Escape Plan“

April 2, 2014

Wer einmal amoklaufende Fanboys erleben will, muss sich bei Amazon die Kommentare zu „Escape Plan“, dem ersten wirklich gemeinsamen Film von Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone durchlesen. In den beiden „Expendables“-Filmen hatte Arnie ja nur Cameos. Das Problem für die Fanboys bei „Escape Plan“ ist dabei nicht die Story, sondern die deutsche Synchronstimme von Arnie. Denn, was bislang kein Problem war: Arnie und Sly haben den gleichen Synchronsprecher und jetzt hat der deutsche Verleih sich erdreistet, eine der beiden Hauptdarsteller des Films von einem anderen Sprecher synchronisieren zu lassen. Weltuntergang für die Fanboys.
Mir selbst ist es dagegen ziemlich egal, weil ich inzwischen die meisten Filme im Original sehe – und da haben die beiden Action-Recken dann eh eine andere Stimme. Und vielleicht deshalb störte mich – ich habe mir wegen der Fanboy-Stampede die deutsche Fassung angesehen – die deutsche Synchronisation absolut nicht.
Also, liebe Fanboys, seht euch die Originalfassung an – und die ganzen elitären Typen, die immer wieder sagen „Filme muss man im Original sehen, weil die deutschen Synchronisationen so schlecht sind“, sollten sich wenigstens einige dieser Amazon-Kritiken durchlesen, die zeigen, dass die deutschen Synchronisationen wohl doch nicht so schlecht sind.
Nach dieser langen Vorrede kommen wir jetzt endlich zum „Escape Plan“.
In dem Thriller spielt Sylvester Stallone Ray Breslin, der in Gefängnissen Sicherheitlücken aufspürt, indem er sich unter einer Tarnidentität inhaftieren lässt und aus den Hochsicherheitsgefängnissen ausbricht. Ein, wie ein Blick in den Firmensitz zeigt, einträgliches Geschäft.
Jetzt soll er die Lücken in einem geheimen Regierungsgefängnis, das nach seinen Ratschlägen gebaut wurde, aufspüren. Was er nicht weiß: er soll, aus ziemlich unbekannten Gründen, überhaupt nicht ausbrechen, sondern dort bis zu seinem Tod versteckt werden. Im gut gefüllten Gefängnis trifft er den Österreicher Rottmayer (Arnold Schwarzenegger), der mit ihm flüchten will.
„Escape Plan“ ist ein grundsolider Gefängnisthriller, prominent besetzt – Jim Caviezel spielt den hundsgemeinen Gefängnisdirektor, Sam Neill einen Arzt, Vincent D’Onofrio Breslins Geschäftspartner, Curtis ’50 Cent‘ Jackson und Amy Ryan Kollegen von Breslin, Faran Tahir einen Insassen und Vinnie Jones den Oberaufseher – mit einer interessanten, futuristischen Gefängnisarchitektur und einem angenehm verwickeltem Plot, inclusive einer gelungenen Überraschung am Ende.
Schade ist, dass die eigentlichen Ausbrüche von Breslin mehr mit Überraschungen spielen und so nur eine oberflächliche Spannung entwickeln. Da sind die vorherigen Planungen und das Katz-und-Maus-Spiel mit dem aasigen Gefängnisdirektor und seinen weitgehend gesichtslosen Wärtern im Geheimgefängnis deutlich spannender. Denn hier müssen die beiden Muskelprotze ihre kleinen grauen Zellen arbeiten lassen, beobachten und täuschen.
Die beiden Actionhelden der achtziger Jahre hätten für ihren ersten gemeinsamen Film wahrlich ein schlechteres Drehbuch finden können. Sowieso macht Arnold Schwarzenegger bei seiner derzeitigen Last-Farewell-Tour, nach seiner politikbestimmten Auszeit und bevor er altersbedingt als Action-Held in Rente geht, ein erfreulich gutes Bild. In „Escape Plan“ kann er sogar schauspielerisch punkten.

 

Das Bonusmaterial

Mit einem kurzweiligen Audiokommentar von Regisseur Mikael Håfström und Drehbuchautor Miles Chapman und über einer Stunde an Featurettes ist es erfreulich umfangreich und informativ ausgefallen. Es gibt ein zwanzigminütiges „Making of“, das einen guten Einblick in die Dreharbeiten gibt. Ergänzend erzählen die beiden Hauptdarsteller in „Zwei Legenden treffen aufeinander“ von den Dreharbeiten und geben einen kleinen Rückblick auf ihre Karriere. Die gut neun Minuten an „Entfallenen Szenen“ sind nett, aber es ist auch sofort verständlich, warum sie am Ende geschnitten wurden. Sie hätten den Film einfach nur verlangsamt.
Die zwanzigminütige Kurzdoku „Maximale Sicherheit: Die echten Gräber“ gibt einen Einblick in die US-amerikanischen Hochsicherheitsgefängnisse und an ein, zwei Punkten wird auch gesagt, wo der Film sich künstlerische Freiheiten nahm.
Insgesamt ist das ein gut geschnürtes Bonusmaterial-Paket, bei dem eindeutig die Information an erster Stelle steht.

Escape Plan - DVD-Cover

Escape Plan (Escape Plan, USA 2013)
Regie: Mikael Håfström
Drehbuch: Miles Chapman, Arnell Jesko (Pseudonym von Jason Keller) (nach einer Geschichte von Miles Chapman)
mit Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger, Jim Caviezel, Faran Tahir, Amy Ryan, Sam Neill, Vincent D’Onofrio, Vinnie Jones, Matt Gerald, Curtis ’50 Cent‘ Jackson, Caitriona Balfe

DVD
Concorde Home Entertainment
Bild: 2,40:1 (16:9)
Sprachen: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Audiokommentar mit Regisseur Mikael Håfström und Drehbuchautor Miles Chapman, Making of: Der Plan entsteht, Maximale Sicherheit: Die echten Gräber, Zwei Legenden treffen aufeinander, Entfallen Szenen, Kinotrailer
Länge: 111 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Escape Plan“
Moviepilot über „Escape Plan“
Metacritic über „Escape Plan“
Rotten Tomatoes über „Escape Plan“
Wikipedia über „Escape Plan“ (deutsch, englisch)


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