TV-Tipp für den 27. November: Amokspiel

November 27, 2018

Sat.1, 20.15

Amokspiel (Deutschland 2018)

Regie: Oliver Schmitz

Drehbuch: Christian Busche

LV: Sebastian Fitzek: Amokspiel, 2007

Berlin: ein Geiselnehmer kapert die Radiomitmachshow „Cash Call“. Seine Forderung: er will mit seiner Verlobten sprechen. Dummerweise starb sie bei einem Autounfall. Kriminalpsychologin Ira Samin fragt sich, was für ein Spiel der Geiselnehmer treibt, während dieser fröhlich Menschen anruft und, wenn die Angerufenen die Parole nicht kennen, Geisel tötet.

Vor Jahren beschwerte Sebastian Fitzek sich, dass seine Thriller zwar Bestseller seien, aber niemand sie verfilmen wolle. Inzwischen hat sich das geändert. „Abgeschnitten“ läuft noch im Kino und jetzt läuft „Amokspiel“, mit Werbepausen, im Puschenkino. Mal sehen, ob’s ein spannender Thriller oder ein Desaster wird.

Tittelbach.tv ist jedenfalls zufrieden: „Als Spannungsspektakel funktioniert der weitgehend als Kammerspiel inszenierte Film…gut.“

P. S.: die Buchvorstellung in einem Radiosender in Berlin war jedenfalls ziemlich denkwürdig mit allem, was zu einem SEK-Einsatz gehört.

mit Franziska Weisz, Kai Schumann, Eko Fresh, Manuel Mairhofer, Christian Tramitz, Johann von Bülow

Wiederholung: Sonntag, 2. Dezember, 03.30 Uhr (Taggenau!)

Die Vorlage

Sebastian Fitzek: Amokspiel

Knaur, 2007

448 Seiten

9,99 Euro

Hinweise

Sat.1 über den Film

Homepage von Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Kind“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Splitter“ (2009)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augensammler” (2010)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augenjäger” (2011)

Meine Besprechung der Sebastian-Fitzek-Verfilmung “Das Kind” (Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzek/Michael Tsokos‘ „Abgeschnitten“ (2012)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Nachtwandler“ (2013)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Joshua-Profil“ (2015)

Meine Besprechung von Max Rhodes (Pseudonym von Sebastian Fitzek) „Die Blutschule“ (2015)

Meine Besprechung von Christian Alvarts Sebastian-Fitzek-Michael-Tsokos-Verfilmung „Abgeschnitten“ (Deutschland 2018)

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Neu im Kino/Filmkritik: „Abgeschnitten“ – ein Thriller von Sebastian Fitzek und Michael Tsokos, ein Film von Christian Alvart

Oktober 11, 2018

Die Thriller von Sebastian Fitzek sind echte Pageturner. Es sind Thriller, die man innerhalb weniger Stunden oder einer kurzen Nacht bis zum Morgengrauen durchliest.

Die bisherigen Fitzek-Verfilmungen „Das Kind“ und „Das Joshua-Profil“ waren nicht so gelungen.

Abgeschnitten“ ist daher nicht nur die bislang beste Fitzek-Verfilmung, sondern auch ein ziemlich gelungener Thriller. Wenn man über einige Unwahrscheinlichkeiten und schlechte Dialoge hinwegsieht. Und über den zähen Anfang, in dem die Hauptpersonen in jeder Beziehung arg umständlich und ziemlich verkrampft vorgestellt und einige Plots angedeutet werden, die später vollkommen unwichtig sind. Hier hätte ruhig einiges abgeschnitten werden können.

Letztendlich beginnt die Geschichte in der Gerichtsmedizin in Berlin. Rechtsmediziner Paul Herzfeld (Moritz Bleibtreu) entdeckt in einer grausam zugerichteten Leiche in einer kleinen, gut im Körper versteckten Kapsel einen Zettel mit der Telefonnummer seiner Tochter. Durch einen Anruf bei ihr erfährt er, dass sie entführt wurde und er unter keinen Umständen mit der Polizei reden soll.

Er macht sich in sturmumtoster Nacht (mit wunderbar stabiler Handyverbindung) auf den Weg nach Helgoland, um dort eine in einer Leiche eine weitere Spur zur Rettung seiner Tochter zu finden. Weil er nicht schnell genug auf der Insel sein kann, überzeugt er die aus Berlin vor ihrem Stalker nach Helgoland geflohene Comic-Zeichnerin Linda (Jasna Fritzi Bauer) die Leiche zu obduzieren. Unter seiner telefonischer Anleitung. Diese Szene, die im Buch und im Film durch ihre Detailgenauigkeit beeindruckt, ist im Kino dann auch ein schwarzhumorig-absurder Comic-Höhepunkt.

Für diese Detailgenauigkeit bei den gerichtsmedizinischen Details war im Roman Michael Tsokos zuständig. Er ist der Leiter des Instituts für Rechtsmedizin der Charité und des Landesinstituts für gerichtliche und soziale Medizin in Berlin. Die von ihm und Sebastian Fitzek dazu erfundene Geschichte ist dann eine ziemlich vorhersehbare Serienkiller-Geschichte, in der der durchgeknallte Killer den tapferen Helden auf eine Schnitzeljagd schickt. Das kennt man aus unzähligen US-Krimis und will es eigentlich seit Jahren nicht mehr lesen.

Im Film nimmt Christian Alvart sich dann zugunsten einer Thriller-Filmdramaturgie Freiheiten. Es gibt immer noch etliche irrwitzige Wendungen, aber alles erscheint organischer und nicht so formelhaft wie im Roman. Die Schauspieler harmonisieren und schnell entsteht eine ordentliche Thriller-Spannung, die man so in deutschen Filmen selten sieht. Aufgelockert wird sie durch etliche witzige Szenen. Wobei der Witz sich meistens aus der Situation ergibt. Denn die verschiedenen Charaktere müssen immer wieder Dinge tun, die sie unter keinen Umständen tun wollen. Zum Beispiel eine Leiche befördern oder sie aufschneiden.

Das ist spannend, wenn man die zahlreichen Unwahrscheinlichkeiten und Zufälle hinnimmt. Ohne sie würde der Plan des Bösewichts nicht funktionieren. Allein schon, dass Herzfeld die erste Botschaft findet, dass er dann niemand von seinen zahlreichen Polizistenfreunden informiert und dass auf Helgoland jemand ein herrenlos bei einer Leiche herumliegendes Handy findet und gleich die Anrufwiederholung ausprobiert, sind Zufälle, die so unwahrscheinlich sind, dass in der Realität der grandios ausgetüftelte Plan des Bösewichts schon an der ersten Hürde gescheitert wäre. Denn damit sein Plan funktioniert, muss Herzfeld die Kapsel finden und das Telefon bedienen.

Auch die Dialoge, vor allem am Anfang, sind teils peinlich, teils reinstes Schriftdeutsch und die Charaktere sind arg eindimensionale Funktionsträger.

Das kann alles – zu Recht – gegen Christian Alvarts Thriller eingewandt werden. Aber das kann auch gegen die Romane von Sebastian Fitzek gesagt werden. Und die machen Spaß. Wie der Film.

Abgeschnitten (Deutschland 2018)

Regie: Christian Alvart

Drehbuch: Christian Alvart

LV: Sebastian Fitzek/Michael Tskokos: Abgeschnitten, 2012

mit Moritz Bleibtreu, Jasna Fritzi Bauer, Lars Eidinger, Fahri Yardim, Enno Hesse, Christian Kuchenbuch, Urs Jucker, Barbara Prakopenka, Michael Tsokos, Sebastian Fitzek (beide, in verschiedenen Szenen, mit einem Cameo, ziemlich am Filmanfang)

Länge: 132 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Der Roman

zum Filmstart mit einem neuen Cover

Sebastian Fitzek/Michael Tsokos: Abgeschnitten

Knaur, 2018 (Filmausgabe)

400 Seiten

9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Droemer, 2012

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Abgeschnitten“

Moviepilot über „Abgeschnitten“

Meine Besprechung von Christian Alvarts „Banklady“ (Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Christian Alvarts „Halbe Brüder“ (Deutschland 2015)

Meine Besprechung von Christian Alvarts „Steig. Nicht. Aus!“ (Deutschland 2018)

Homepage von Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Kind“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Splitter“ (2009)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augensammler” (2010)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augenjäger” (2011)

Meine Besprechung der Sebastian-Fitzek-Verfilmung “Das Kind” (Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzek/Michael Tsokos‘ „Abgeschnitten“ (2012)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Nachtwandler“ (2013)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Joshua-Profil“ (2015)

Meine Besprechung von Max Rhodes (Pseudonym von Sebastian Fitzek) „Die Blutschule“ (2015)

Meine Besprechung von Michael Tsokos‘ „Dem Tod auf der Spur“ (2009)


Sebastian Fitzek erstellt „Das Joshua-Profil“, Max Rhode besucht „Die Blutschule“ und das hat etwas miteinander zu tun

Dezember 12, 2015

Dass Sebastian Fitzek produktiv ist, wissen wir. Seit seinem Debüt „Die Therapie“ veröffentlichte er jedes Jahr mindestens einen Roman, der sofort zum Bestseller wird.
Dass er einfallsreich ist, wissen wir von seinen Lesungen und Buchpräsentationen, die immer ein Event sind (ich war bei mehreren). Oder er probiert, vor der Veröffentlichung, einmal ein Alternate-Reality-Game aus und ist von der überaus positiven Reaktion überrascht. Auch sein neuer Thriller „Das Joshua-Profil“ hat eine besondere Beigabe.
In „Das Joshua-Profil“ erhält Max Rhode, dessen erster Roman „Die Blutschule“ ein kleiner Bestseller war, einen seltsamen Anruf aus dem Krankenhaus. Er fährt hin und trifft auf einen aufgrund seiner Verbrennungen im Sterben liegenden Unbekannten, der ihm sagt, dass er von Joshua auserwählt sei und sich unter keinen Umständen strafbar machen dürfe.
Zwei Monate später besucht die Frau vom Jugendamt Rhode. Sie will Rhode und seiner Frau Kim ihre von ihm über alles geliebte Pflegetochter Jola wegnehmen, weil Jolas leiblichen Eltern, ein Junkiepärchen, sie wieder haben wollen und deren Antrag nach mehreren vergeblichen Versuchen jetzt bewilligt wurde. Außerdem habe Rhode die letzten Wochen auf keinen ihrer Anrufe und Anschreiben reagiert. Rhode flüchtet mit Jola, wird kurz darauf in einen Unfall verwickelt und wacht im Krankenhaus in einem waschechten Fitzek-Alptraum auf. Denn die Polizei und seine Frau glauben, dass er Jola entführt hat. Da hört er eine Stimme in seinem Kopf (es ist ein Ohrstöpsel), die ihm befiehlt, eine Handgranate aus dem Nachttisch zu holen und aus dem Krankenhaus zu flüchten. Sonst werde Jola sterben. Rhode tut es und fügt seinen bisherigen Straftaten noch eine weitere hinzu.
Es wird nicht die letzte sein. Denn wie man es von Sebastian Fitzek kennt, folgt auch „Das Joshua-Profil“ der Methode, dass die Geschichte für den Protagonisten immer die unglaublichste Wendung nimmt. Und als Leser folgt man ihm, während man durch die Seiten rast, gerne, weil es am Ende eine durchaus plausible Erklärung für den ganzen Wahnsinn gibt. Auch in „Das Joshua-Profil“ gibt es eine rationale Erklärung. Wobei Fitzek sich hier auch mit Predictive Policing beschäftigt. Diese computerbasierten Vorhersage künftiger Verbrechensorte, die bislang noch nicht unabhängig untersucht wurde, ist derzeit bei Sicherheitsfirmen und der Polizei, die diese Computerprogramme schon an einigen Orten ausprobiert, das nächste große Ding und damit ein potentiell großes Geschäft. Denn die Verkäufer versprechen Wunderdinge.
Allerdings beschäftigt Fitzek sich im Rahmen einer Thriller-Geschichte nur sehr oberflächlich mit diesem Thema. Seine Geschichte soll vor allem Pageturner-Qualitäten haben. Die hat sie auch unbestreitbar, auch wenn dieses Mal die Schlußpointe schon früh absehbar ist.

Der erste Roman von Max Rhode hieß „Die Blutschule“ und wer mehr lesen möchte als nur die wenigen Ausschnitte und Andeutungen über den Roman, die in „Das Joshua-Profil“ abgedruckt sind, kann sogar den ganzen Roman, der jetzt ebenfalls bei Lübbe erschien, lesen. Damit ist „Die Blutschule“, der natürlich von Sebastian Fitzek unter einem Pseudonym geschrieben wurde, das mit der Veröffentlichung von „Das Joshua-Profil“ enttarnt wurde, in erster Linie ein kleiner Spaß für Fitzek. Für seine Fans ist es als Buch zum Buch eine nette Ergänzung. So wie es auch in Comic- und Romanform verschiedene Vorgeschichten zu erfolgreichen Filmen gibt und die oft etwas überflüssig sind, weil sie im schlechtesten Fall nur Informationen liefern, die zum Verständnis der eigentlichen Geschichte überflüssig sind. Es gibt Ausnahmen, wie Greg Keyes‘ „Planet der Affen – Revolution: Feuersturm“, der eine eigenständige Geschichte erzählt, die zwischen den beiden neuen „Planet der Affen“-Filmen spielt. Oder die Romane von Richard Castle.
Auch Max Rhode/Sebastian Fitzek erzählt in „Die Blutschule“ eine eigenständige Geschichte, die nichts mit „Das Joshua-Profil“ zu tun hat. Obwohl die Bemerkungen von Rhodes Bruder in „Das Joshua-Profil“ über den Wahrheitsgehalt von „Die Blutschule“ und wie Rhode in dem Roman wahre Ereignisse, die er jahrelang verdrängte, in seinem Roman verarbeitete, spaßig sind.
In „Die Blutschule“ kehrt die Familie Zambrowski im Sommer 1993 von Berlin nach Wendisch Rietz am Storkower See zurück in das halb verfallene elterliche Haus des liebevollen Vaters Vitus. Dessen Baufirma ging vor einem halben Jahr pleite. Der dreizehnjährige Simon, der jetzt in der Psychiatrie in Sicherungsverwahrung sitzende Erzähler der Geschichte, und sein ein Jahr älterer Bruder Mark beginnen durch die Gegend zu streunen. Sie begegnen Stotter-Peter, einem stadtbekanntem Kinderschänder, der sich als eigentlich netter Kerl entpuppt, und den Dorfjugendlichen, die sich als nicht so nett entpuppen. Vor allem Sandy ist ein wahres Luder. Und sie hören die Geschichte vom Storkower Seelenspiegel. Wer in ihn hineinblickt, wird unsterblich und er verändert sich. Aus einem guten Menschen wird ein Biest. Und umgekehrt. Der durch den Spiegel Verfluchte kann nur durch einen Suizid sein leben beenden. Und Simon hat Visionen, die aus einem unappetitlichen Horrorfilm stammen könnten.
Als Sandy einen tödlichen Unfall hat, kann Simons Vater sie wieder beleben. Während Vitus das tut, sieht Simon in einer weiteren Vision, wie ein Schwarm Spinnen aus Sandys Körper in den seines Vaters hinübergeht.
Kurz darauf fordert Vitus seine beiden Söhne auf, mit ihm einen Ausflug auf eine einsame Insel zu unternehmen. In der Blutschule will er ihnen das beibringen, was sie nicht in der Schule lernen, wozu auch das Töten von Menschen gehört.
Die beiden Kinder haben keine Ahnung, wie sie vor ihrem durchgeknallten Vater flüchten können.
Bislang gab es in den Thrillern von Sebastian Fitzek keine übernatürlichen Elemente. Für den Horrorroman „Die Blutschule“ sind sie mit seiner alptraumhaften Stimmung und der Geschichte des Seelenspiegels konstitutiv, weshalb der Roman dann auch eher an die Werke von Stephen King erinnert. Spontan fällt einem Kings „Friedhof der Kuscheltiere“ ein. In dem Horrorroman können auf einem einsam im Wald gelegenem Friedhof tote Tiere wieder zum Leben erweckt werden. Sie kehrten verändert zurück.
In der zweiten Hälfte der „Blutschule“, wenn Simon und Mark mit ihrem Vater auf der Insel sind, bewegt sich die Geschichte in Richtung Torture Porn, weshalb diese Hälfte dann auch eher spekulativ als spannend ist und nie stellt sich das typische Fitzek-Lesegefühl ein. – Was auch daran liegen kann, dass „Die Blutschule“ von Max Rhode geschrieben wurde und, wie wir aus „Das Joshua-Profil“ wissen, waren die Romane, die Rhode nach seinem Debüt schrieb, keine Bestseller.

Fitzek - Das Joshua-Profil - 2Rhode - Die Blutschule - 2

Sebastian Fitzek: Das Joshua-Profil
Lübbe Hardcover, 2015
432 Seiten
19,99 Euro

Max Rhode: Die Blutschule
Lübbe, 2015
256 Seiten
12,99 Euro

Hinweise

Homepage von Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Kind“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Splitter“ (2009)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augensammler” (2010)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augenjäger” (2011)

Meine Besprechung der Sebastian-Fitzek-Verfilmung “Das Kind” (D 2012)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzek/Michael Tsokos‘ „Abgeschnitten“ (2012)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Nachtwandler“ (2013)


„Der Nachtwandler“ Sebastian Fitzek ist auch „Abgeschnitten“ von dem Langeweile-Gen

April 30, 2013

 

Dass Sebastian Fitzek seine lesehungrigen Fans, wie Dan Brown, darben lässt, kann nicht behauptet werden. Normalerweise erscheinen seine Psychothriller ungefähr im Jahrestakt, aber vor einem halben Jahr erschien sein mit Michael Tsokos geschriebener Thriller „Abgeschnitten“, dann hatte die Verfilmung von „Das Kind“ Premiere und jetzt erschien „Der Nachtwandler“, das, wie schon „Der Seelenbrecher“, nur in einem Haus spielt. Und damit hören die Gemeinsamkeiten zwischen dem Nachtwandler und dem Seelenbrecher auch schon auf.

 

Fitzek - Der Nachtwandler - 2

 

Denn in „Der Nachtwandler“ fragt sich der 28-jährige Leon, ob er wieder im Schlaf wandelt und dabei auch seine Freundin verprügelte. Nachdem sie ihn, in Tränen aufgelöst, verlässt und er sie nicht für ein klärendes Gespräch erreicht, besorgt Leon sich eine Kamera, die er auf seinem Kopf befestigt und die aufnimmt, was er im Schlaf tut.

 

Am nächsten Tag sieht er auf den Aufnahmen, dass es in seiner Mietwohnung hinter einem Schrank eine Tür gibt, die er vorher noch nicht kannte. Die Tür führt in ein Gewirr von Gängen, durch die er in die anderen Wohnungen gelangen kann.

 

Und viel mehr soll jetzt von der Geschichte nicht verraten werden. Immerhin ist „Der Nachtwandler“ ein typischer Fitzek-Roman, in dem immer wieder unklar ist, wie zurechnungsfähig Leon noch ist und ob er gerade wach ist oder schläft. Ich glaube, dass Fitzek das am Ende nicht ganz sauber aufgelöst hat, aber bis zu dem überraschenden, Fitzek-typischen Ende ist so für ordentlich Spannung in dem verwunschenem Mietshaus mit seinen seltsamen Bewohnern, ihren mysteriösen Warnungen, den geheimen Gängen und Räumen gesorgt. Es ist natürlich auch eine reine, leicht atemlose Oberflächenspannung, weil die Charaktere sich immer der Handlung, vor allem der Schlußpointe, unterordnen müssen und, um des Thrills wegen, es dann doch immer wieder absurde Wendungen gibt. So sind die verborgenen Gänge in dem Haus fast schon größer als das in einer x-beliebigen größeren Stadt stehende Haus.

 

Aber man will schon wissen, wie es ausgeht und so wird man in der Nacht, in der man „Der Nachtwandler“ liest, garantiert nicht zum Nachtwandler.

 

Die Auflösung, auch wenn Sebastian Fitzek auf der Buchvorstellung sagte, er plane keine „Fortsetzung“ von „Der Nachtwandler“, liefert eigentlich die Idee für einen weiteren Roman im „Nachtwandler“-Kosmos. Jedenfalls hätte ich mindestens zwei Ideen.

 

Fitzek - Tsokos - Abgeschnitten

 

Abgeschnitten“, das Gemeinschaftswerk von Sebastian Fitzek und Michael Tsokos, ist dagegen ein ziemlich vorhersehbarer Thriller über einen in Scheidung lebenden Rechtsmediziner, der seine entführte Tochter, die bei ihrer Mutter lebt und zu der er eigentlich keinen Kontakt mehr hat, retten will und dabei nicht bei Nacht und Nebel, sondern bei Sturm und Schneetreiben von Berlin in Richtung Helgoland hetzt. Denn auf der durch einen Orkan vom Festland abgeschnittenen Insel gibt es in einer Leiche einen weiteren Hinweis, den er innerhalb einer bestimmten Zeit finden und entschlüsseln muss und der ihn zu dem Versteck seiner Tochter oder einer weiteren Leiche führen kann.

 

Weil Paul Herzfeld nicht rechtzeitig auf der Insel sein kann, leitet er die Comiczeichnerin Linda, die sich vor ihrem gewälttätigen, sie stalkenden Freund auf die Insel zurückzog und die die Leiche entdeckte, zu einer fachgerechten Obduktion an. Und dank der Mitwirkung von Michael Tsokos, Leiter des Instituts für Rechtsmedizin an der Charité und des Landesinstituts für gerichtliche und soziale Medizin in Berlin, stimmen auch die Details der Obduktion. Einige Anekdoten aus Herzfelds Leben und einige von Herzfeld erzählten Todesfälle sind auch aus Tsokos‘ Leben.

 

Der Roman selbst leidet daran, dass der Bösewicht sich einen furchtbar komplizierten Plan ausgedacht hat, in dem er in mehreren Leichen sorgfältig versteckte Hinweise platziert und er davon ausgeht, dass Herzfeld sich in einer bestimmten Art und Weise verhält. Dass Herzfeld diesen Anweisungen dann doch nicht bedingungslos folgt, bringt seinen Plan nur geringfügig durcheinander und alles läuft ziemlich geradlinig auf die Konfrontation zwischen Gut und Böse auf der Insel hinaus.

 

Abgeschnitten“ fesselt zwar, hat Pageturner-Qualitäten, aber so richtig packend ist der Roman nie und die den Roman einrahmenden vier Zeitungsartikel über Fälle, in denen Wirtschaftskriminelle eine hohe und Sexualstraftäter eine niedrige Strafe erhielten, und das damit verbundene Motiv des Bösewichts, hinterlassen in ihrer biertischhaften Moral einen reaktionären Nachgeschmack, den ich so bei Sebastian Fitzek und Michael Tsokos nicht vermutet hätte.

 

 

Sebastian Fitzek: Der Nachtwandler

 

Knaur, 2013

 

320 Seiten

 

9,99 Euro

 

 

Sebastian Fitzek/Michael Tsokos: Abgeschnitten

 

Droemer, 2012

 

400 Seiten

 

19,99 Euro

 

 

 

Hinweise

Homepage von Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Kind“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Splitter“ (2009)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augensammler” (2010)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augenjäger” (2011)

Meine Besprechung der Sebastian-Fitzek-Verfilmung “Das Kind” (D 2012)

 

Meine Besprechung von Michael Tsokos‘ „Dem Tod auf der Spur“ (2009)


Kleine Fitzek-mania

April 4, 2013

Fitzek - Der Nachtwandler - 3

Sebastian Fitzek hat einen neuen Psychothriller veröffentlicht.

„Der Nachtwandler“ heißt das Werk – und es ist ein typischer Pageturner-Fitzek mit einem überraschendem Ende.

Die Story: Der Schlafwandler Leon glaubt, dass er im Schlaf seine Freundin geschlagen hat. Er will herausfinden, was er im Schlaf tut und schnallt sich eine Kamera um. Als er am nächsten Tag die nächtlichen Aufnahmen ansieht, entdeckt er hinter einem Schrank eine Tür – und das ist nicht das einzige Geheimnis, das das noble Mietshaus beherbergt.

Zur Buchveröffentlichung unternimmt Sebastian Fitzek eine Unplugged-Lesetour. Denn dieses Mal gibt es nur den Mann, das Buch und ein Mikrofon. In einer Buchhandlung.

Am Dienstag war der Tourauftakt hier in Berlin in der SoSch-Buchhandlung (in den Gropius-Passagen) vor über zweihundert Fans. Fitzek las während der über neunzigminütigen Lesung mehrere Ausschnitte aus dem Roman (mehr als bei seinen vorherigen Lesungen), erzählte gewohnt kurzweilig Geschichten aus seinem Leben, beantwortete Fragen aus dem Publikum und signierte Bücher. Kurz gesagt: eine Lesung, die, bis auf die Sache mit dem Bücher signieren, auch einem Nicht-Fitzek-Fan gefallen kann.

Die weiteren Tourdaten (wobei etliche Lesungen bereits ausverkauft sein dürften) sind (schamlos kopiert von Sebastian-Fitzeks-Homepage):

04. April 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Delmenhorst
05. April 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Dülmen
08. April 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Kleinmachnow
11. April 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Erlangen
12. April 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Pforzheim
15. April 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Berlin
20. April 2013 Theaterstück Leverkusen
02. Mai 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Lübeck
03. Mai 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Hannover
06. Mai 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Schwerin
07. Mai 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Haldensleben
08. Mai 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Erfurt
10. Mai 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Neuenhagen bei Berlin
13. Mai 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Wunstorf
14. Mai 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Gescher
15. Mai 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Dortmund
25. Mai 2013 Theaterstück München

Während der Lesung war auch das ZDF anwesend und nahm einige Bilder für ein kurzes Porträt auf, das am Freitag (also Morgen) im ZDF Morgenmagazin ausgestrahlt wird und danach in der Mediathek zu finden ist.

Bis dahin kann man sich diese einstündige Vorstellung von „Abgeschnitten“, dem Gemeinschaftswerk von Sebastian Fitzek und Michael Tsokos ansehen (ja, die Macher hätten einen kleineren Bildausschnitt wählen können und sie hätten die Autoren nicht auf eine Couch setzen müssen):

Sebastian Fitzek: Der Nachtwandler

Knaur, 2013

320 Seiten

9,99 Euro

Hinweise

Homepage von Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Kind“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Splitter“ (2009)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augensammler” (2010)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augenjäger” (2011)

Meine Besprechung der Sebastian-Fitzek-Verfilmung „Das Kind“ (D 2012)


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