Neu im Kino/Filmkritik: „Predator – Upgrade“ wirklich nötig?

September 14, 2018

Auf den ersten Blick ist Shane Black der richtige Mann, um die doch arg vor sich hin siechende, eigentlich tote „Predator“-Reihe auf den neuesten Stand und in eine glorreiche Zukunft zu schicken. Immerhin war sein erstes Drehbuch „Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis“ (Leathal Weapon) ein Wahnsinnserfolg. Drei weitere „Leathal Weapon“-Actionkomödien mit Mel Gibson und Danny Glover folgten. Seit 2016 gibt es eine TV-Serie. Seine nächsten Drehbücher waren an der Kinokasse ähnlich erfolgreich. Hollywood zahlte damals Millionen für seine Bücher. Nach einer alkoholbedingten Auszeit kehrte er 2005 mit der Noir-Komödie „Kiss Kiss Bang Bang“ zurück. Der von ihm inszenierte Film war kein Kassenhit, aber unter Noir- und Filmfans ist er sehr beliebt. „The Nice Guys“ (2016) war dann eine, nun, nennen wir es erfolgreiche Variation davon. Dazwischen schrieb und drehte er „Iron Man 3“. Ein Erfolg bei der Kritik und dem Publikum, das sich jeden Marvel-Film begeistert ansieht.

Schon im Juni 2014 kündigte Fox ein Remake von „Predator“ (Predator, USA 1987) an. Mit Black, der im ersten „Predator“-Film auch eine kleine Rolle hatte (er ist der erste Tote im Film), als Drehbuchautor und Regisseur. Aus dem Remake oder Reboot wurde schnell eine Fortsetzung, die von Anfang an auf eine hohe Freigabe spekulierte. Entsprechend blutig wird jetzt in „Predator – Upgrade“ getötet.

Als vor wenigen Monaten Meldungen über umfangreiche Nachdrehs auftauchten, machte sich Skepsis breit. So soll nach Testvorführungen der gesamte dritte Akt neu gedreht worden sein. Nach einer alten Hollywood-Weisheit sind Nachdrehs ein Zeichen für massive Probleme beim Film.

Aber am Ende zählt das Ergebnis und nicht der Weg, auf dem die Macher dahin gelangten. Meistens erfährt man eh nichts darüber.

Black lässt seinen „Predator“-Film gleich mit dem Absturz eines Raumschiffs beginnen. Es stört damit in Mexiko einen nächtlichen Einsatz von dem Söldner Quinn McKenna (Boyd Holbrook) und seinem Team. Der Predator tötet erst einmal alle Menschen, die seinen Weg kreuzen. McKenna schnappt sich einige Teile der Alien-Rüstung und verschwindet.

Damit der Beweis für sein Erlebnis an einem sicheren Ort ist, schickt er die Gegenstände in einem Paket an seine mit ihm zerstrittene Frau und seinem autistischen Sohn Rory (Jacob Tremblay). Der beginnt gleich mit den Gegenständen zu spielen. Er löst ein Signal aus, das andere Predatoren zu ihm führt. Immerhin wollen sie ihr Eigentum zurückhaben.

Währenddessen wird McKenna vom Geheimdienst gefangen genommen und verhört. Während des Verhörs bricht aus dem gleichen Gebäude ein Predator aus. Auf seiner Flucht tötet er, wieder äußerst blutig, jeden Menschen, der seinen Weg kreuzt. McKenna, der gerade mit einigen anderen Militär-Gefangenen (sozusagen die Truppe der Wahnsinnigen und Verrückten) an einen anderen Ort befördert werden sollte, mischt sich ein.

Die Evolutionsbiologin Dr. Casey Brackett (Olivia Munn), die ebenfalls vor Ort ist und die verdammt gut mit Waffen umgehen kann, stößt zu ihnen.

Ab diesem Moment sind alle für den SF-Actionfilm wichtigen Charaktere eingeführt. Ab diesem Moment kämpft eine Gruppe verrückter Soldaten gegen den Predator. Dabei versuchen sie gleichzeitig McKennas Sohn zu retten.

Bis zum Abspann ist „Predator – Upgrade“ dann nur noch eine ermüdende Abfolge von blutigen Kämpfen und Kameradie unter Soldaten. Dabei – und das unterscheidet „Predator – Upgrade“ von anderen aktuellen Actionfilmen wie „Mission: Impossible – Fallout“ oder „Avengers: Infinity War“ – verraten die Actionszenen nichts über den Charakter, das man nicht schon beim ersten Mal wusste (sie sind alle sehr tapfer), und sie steigern sich in ihrer Dramatik nicht. Es ist immer rennen, ballern und aufschlitzen in dunklen Locations. Das ist einerseits verständlich, weil der Film vor allem nach Sonnenuntergang spielt. Andererseits sieht man erschreckend wenig. Jedenfalls in der 3D-Fassung, die zwischen dunkel und sehr dunkel schwankt (und viel dunkler als der Trailer ist).

Während man in dem ersten „Predator“-Film über das außerirdische Raubtier nur erfuhr, dass es fast unbesiegbar ist, erfährt man jetzt, warum die Predatoren auf der Erde jagen: sie tun es, weil die Menschen die besten Jäger im Universum sind. Durch Upgrades mit menschlicher DNA wollen die Predatoren zu besseren Jägern werden. Diese Erklärung ist so bescheuert, dass man sie sofort vergessen kann.

Predator – Upgrade“ ist eine schon lange vor dem Finale ermüdende, dumme Schlachtplatte, die mehr 1988 als 2018 ist. Von Shane Black hätte ich mehr erwartet.

Predator – Upgrade (The Predator, USA 2018)

Regie: Shane Black

Drehbuch: Fred Dekker, Shane Black (basierend auf den Charakteren von Jim Thomas und John Thomas)

mit Boyd Holbrook, Trevante Rhodes, Jacob Tremblay, Keegan-Michael Key, Olivia Munn, Thomas Jane, Alfie Allen, Sterling K. Brown, Augusto Aguilera, Jake Busey

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Predator – Upgrade“

Metacritic über „Predator – Upgrade“

Rotten Tomatoes über „Predator – Upgrade“

Wikipedia über „Predator – Upgrade“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Shane Blacks „Iron Man 3“ (Iron Man 3, USA 2013)

Meine Besprechung von Shane Blacks „The Nice Guys“ (The Nice Guys, USA 2016) und der Blu-ray

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TV-Tipp für den 15. Juli: Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis

Juli 14, 2017

Sat.1, 22.30

Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis (USA 1987, Regie: Richard Donner)

Drehbuch: Shane Black

Erster Auftritt der Cops Martin Riggs (Mel Gibson), suizidgefährder und vollkommen durchgeknallter Single, und Roger Murtaugh (Danny Glover), besonnener, den Ruhestand herbeisehnender, glücklich verheirateter Familienvater. Sie untersuchen den Tod eines Callgirls, stoßen auf einen von Vietnam-Veteranen organisierten Drogenring und hinterlassen zu unserer Freude, gepfeffert mit flotten Sprüchen, ein Meer der Verwüstung.

Der Actionthriller war ein Kassenknüller und beeinflusste das Actionkino der späten achtziger und neunziger Jahre. In vier Fortsetzungen wurden die Sprüche und die Action noch weiter gesteigert.

„‚Zwei stahlharte Profis‘ ist ein hochgezüchtetes Action-Spektakel, das sich weniger um die stimmige Entwicklung von Charakteren oder Story bemüht, sondern effektvolle Szenen aneinanderreiht, in denen die Stuntmen ihre Waghalsigkeit beweisen können.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms – Völlig überarbeitete Neuausgabe, 1993)

mit Mel Gibson, Danny Glover, Gary Busey, Mitchell Ryan, Tom Atkins

Wiederholung: Sonntag, 16. Juli, 02.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Lethal Weapon“

Wikipedia über „Lethal Weapon“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Shane Blacks „Iron Man 3“ (Iron Man 3, USA 2013)

Meine Besprechung von Shane Blacks „The Nice Guys“ (The Nice Guys, USA 2016) und der Blu-ray


TV-Tipp für den 14. Juli: Kiss Kiss Bang Bang

Juli 14, 2017

Pro 7, 22.35

Kiss Kiss Bang Bang (USA 2005, Regie: Shane Black)

Drehbuch: Shane Black

LV: Brett Halliday: Bodies are where you find them, 1941

Zuerst stolpert Einbrecher Harry Lockhart auf seiner Flucht vor der Polizei in einen Vorsprechtermin und erhält prompt eine Filmrolle. Als er über eine Hollywood-Party stolpert, trifft er seine Jugendliebe Harmony Faith Lane und, als er zwecks Rollenstudium, mit einem knallharten PI Gay Perry (schwul) durch die Straßen Hollywoods schlendert, stolpern sie alle in einen undurchsichtigen Komplott, der direkt aus einem Film der Schwarzen Serie stammen könnte.

Köstliche Liebeserklärung an die Pulps, der natürlich nur lose auf dem Mike-Shayne-Roman basiert, aber dafür ausführlich Chandler zitiert (Zwischentitel, Voice-Over,…).

“first significant neo-noir of the twenty-first century” (Alexander Ballinger/Danny Graydon: The Rough Guide to Film Noir, 2007)

mit Robert Downey Jr., Val Kilmer, Michelle Monaghan, Corbin Bernsen, Rockmond Dunbar

Wiederholung: Samstag, 15. Juli, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Kiss Kiss Bang Bang“

Rotten Tomatoes über „Kiss Kiss Bang Bang“

Wikipedia über „Kiss Kiss Bang Bang“ (deutsch, englisch)

Spike: Interview mit Shane Black (17. Oktober 2005)

Drehbuch „Kiss, Kiss, Bang, Bang“ von Shane Black (Fassung vom 21. November 2003)

Meine Besprechung von Shane Blacks „Iron Man 3“ (Iron Man 3, USA 2013)

Meine Besprechung von Shane Blacks „The Nice Guys“ (The Nice Guys, USA 2016) und der Blu-ray

Wikipedia über Brett Halliday

Kirjasto über Brett Halliday

Mordlust über Brett Halliday

Thrilling Detective über Michael Shayne


DVD-Kritik: Nice, „The Nice Guys“ beim Hausbesuch

Oktober 17, 2016

Zum Kinostart schrieb ich ziemlich begeistert:

Los Angeles, siebziger Jahre, als Philip Marlowe schon den long goodbye eingeläutet hat und Jim Rockford in seinem Büro am Strand (mit Anrufbeantworter!) auf Kundschaft wartet, treffen Holland March (Ryan Gosling) und Jackson Healy (Russell Crowe) aufeinander. Eigentlich bricht Healy, ein Mann fürs Grobe, March den Arm. Rein beruflich. March ist ein glückloser Privatdetektiv mit, was weder Marlowe noch Rockford passiert wäre, pubertierender, Nancy Drew spielender Tochter. Manchmal, wenn sie sich nicht gerade in den nicht jugendfreien Fall einmischt, liest Holly (Angourie Rice) auch ein Buch von Agatha Christie.

Kurz darauf wird Healy höchst unprofessionell von einigen Typen zusammengeschlagen, die seine inzwischen spurlos verschwundene Auftraggeberin suchen.

Healy engagiert March, der Amelia bereits im Auftrag einer anderen Person gesucht hat, für diese Suche und gemeinsam versuchen sie herauszufinden, was der Tod eines Pornostars mit einer vermissten jungen Frau und politischen Ränkespielen zu tun hat. Die mit viel Humor gewürzte, labyrinthische Handlung lässt „Tote schlafen fest“ wie ein Kinderrätsel wirken; – wobei schon damals die Atmosphäre wichtiger als der nach dem Lehrbuch aufgebaute, strikt logische Plot war.

Los Angeles war in den 1970er Jahren von Verfall geprägt. Smog bedeckte die ganze Stadt und aus dem Hollywood Boulevard war ein Pfuhl der Pornographie geworden. Vor diesem Hintergrund entfaltet sich die Geschichte zweier Schwachköpfe, die in eine Sache hineinstolpern, der sie nicht gewachsen sind, als sie versuchen eine gewaltige Verschwörung aufzudecken. Es gibt in dieser Story also Korruption und Dekadenz, und es stellte sich für mich die Frage, wie beunruhigend ungeeignet und überfordert man diese beiden Typen für diese Aufgabe zeichnen und zeigen durfte, auf die sie sich eingelassen hatten.“ (Shane Black)

The Nice Guys“ ist in seiner großen Lust, jedes Privatdetektiv-Klischee aus Buch und Film zu zitieren und gegen den Strich zu bürsten, ein großer Spaß für die Freunde des Genres. Und Shane Black ist einer. Er schrieb die Drehbücher für „Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis“, „Last Boy Scout“, „Last Action Hero“ und „Tödliche Weihnachten“, die als Actionkomödien immer dann besonders gut waren, wenn sie auch ein Buddy-Movie waren. Das war schon bei dem ersten „Lethal Weapon“-Film keine neue Formel, aber Shane Black erfüllte sie besser, gewitzter und intelligenter als die meisten anderen Autoren. Die brachiale Action half dann beim Kassenerfolg.

Zuletzt inszenierte er „Iron Man 3“ und auch der war letztendlich ein Buddy-Movie.

Aber die Blaupause für „The Nice Guys“ ist „Kiss Kiss Bang Bang“. Diese noirische Actionkomödie/Buddy-Movie war vor elf Jahren, nachdem man lange nichts von ihm hörte, sein Regiedebüt und seine Rückkehr nach Hollywood. Mit Robert Downey Jr. und Val Kilmer als Freunde wider Willen, die in Los Angeles ein vollkommen undurchschaubares Komplott aufklären müssen. „Kiss Kiss Bang Bang“ basiert offiziell auf einem Roman von Brett Halliday, der wahrscheinlich sein Buch nicht mehr erkannte. Er war vor Jahrzehnten ein enorm erfolgreicher Pulp-Autor, der mit dem Privatdetektiv Michael ‚Mike‘ Shayne einen langlebigen Privatdetektiv erschuf, der – jedenfalls in den Romanen, an die ich mich noch erinnere – in einer Nacht mehr Abenteuer erlebte als Jack Bauer in einer Handvoll „24“-Staffeln. In „The Nice Guys“ gibt es im Abspann einen ‚besonderen Dank‘ den 1977 verstorbenen Erfinder von Mike Shayne.

Das ist die Welt, in der „The Nice Guys“ existiert und der gerade wegen des liebevollen Porträts dieser Welt, Zeit und Charaktere ein großer Spaß ist. Auch wenn „The Nice Guys“ letztendlich „Kiss Kiss Bang Bang“ in den Siebzigern ist.

Störend in diesem 1977 spielendem Retro-Fest ist eigentlich nur Kim Basinger als Leiterin des kalifornischen Justizministeriums. Die alterslose Schönheit, die hier mehr einem Avatar als einem Menschen ähnelt, spielt den Bösewicht, den Quasi-Strippenzieher, der in einem Amt ist, in das damals niemals eine Frau gekommen wäre. Immerhin hat sie eine afroamerikanische Sekretärin, die nicht nur in die Tasten der Schreibmaschine schlagkräftig bedienen kann.

Und die Chemie zwischen den Buddys Russell Crowe und Ryan Gosling, beide mit Mut zur Hässlichkeit, ist, wenn sie zwischen Schießereien und Kloppereien Einzeiler austauschen, glänzend.

 

Beim zweiten Ansehen, und auch nach der Lektüre von Charles Ardais Filmroman (der einiges umstellte, was die Story nachvollziehbarer und nacherzählbarer macht, aber den lakonischen Humor des Films vermissen lässt), fällt auf, wie gut die Chemie zwischen den drei Hauptdarstellern, also Russell Crowe, Ryan Gosling und seiner Filmtochter Angourie Rice ist. Das kann einfach nicht in einen Roman (der nicht übersetzt wurde und der auch nie übersetzt wird) übertragen werden. Dazu kommen im Film feinste Retro-Optik, knackiger Seventies-Soul, glänzend aufgelegte Schauspieler, die alle ihre unvergesslichen Auftritt haben und lakonische Einzeiler. „The Nice Guys“ ist eine wundervoll kurzweilige Liebeserklärung an das Privatdetektiv-Genre.

Im Bonusmaterial erfährt man zwar ein, zwei interessante Details (vor allem in dem Featurette „Die schlechtesten Detektive aller Zeiten. Making The Nice Guys“), aber insgesamt sind die zwei Featurettes (insgesamt knapp zwölf Minuten) und die Interviews mit Russell Crowe, Ryan Gosling, Kim Basinger, Matt Bomer und Margaret Qualey (insgesamt ebenfalls knapp zwölf Minuten) enttäuschend.

Oh, und es gibt insgesamt sieben Trailer zum Film.

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The Nice Guys (The Nice Guys, USA 2016)

Regie: Shane Black

Drehbuch: Shane Black, Anthony Bagarozzi

mit Russell Crowe, Ryan Gosling, Angourie Rice, Matt Bomer, Margaret Qualley, Keith David, Yaya DaCosta, Beau Knapp, Kim Basinger, Lois Smith, Murielle Telio, Gil Gerard

Blu-ray

Concorde

Bild: 1080p High Definition, 2,35:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS-HD Master Audio 5.1, DD 2.0), Englisch (DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Featurettes, Interviews, Trailer

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Der Roman zum Film

Wie es sich für einen schundigen 70er-Jahre-Retro-PI-Film gehört, gibt es auch einen pulpigen Roman zum Film, veröffentlicht in dem Verlag, der darauf spezialisiert ist.

Ardai - The Nice Guys

Charles Ardai: The Nice Guys

Hard Case Crime, 2016

288 Seiten

7,99 US-Dollar (derzeit bei Amazon 7,64 Euro)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Nice Guys“

Metacritic über „The Nice Guys“

Rotten Tomatoes über „The Nice Guys“

Wikipedia über „The Nice Guys“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Shane Blacks „Iron Man 3“ (Iron Man, USA 2013)

Meine Besprechung von Shane Blacks „The Nice Guys“ (The Nice Guys, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Kiss Kiss Bang Bang mit den „Nice Guys“

Juni 1, 2016

Los Angeles, siebziger Jahre, als Philip Marlowe schon den long goodbye eingeläutet hat und Jim Rockford in seinem Büro am Strand (mit Anrufbeantworter!) auf Kundschaft wartet, treffen Holland March (Ryan Gosling) und Jackson Healy (Russell Crowe) aufeinander. Eigentlich bricht Healy, ein Mann fürs Grobe, March den Arm. Rein beruflich. March ist ein glückloser Privatdetektiv mit, was weder Marlowe noch Rockford passiert wäre, pubertierender, Nancy Drew spielender Tochter. Manchmal, wenn sie sich nicht gerade in den nicht jugendfreien Fall einmischt, liest Holly (Angourie Rice) auch ein Buch von Agatha Christie.

Kurz darauf wird Healy höchst unprofessionell von einigen Typen zusammengeschlagen, die seine inzwischen spurlos verschwundene Auftraggeberin suchen.

Healy engagiert March, der Amelia bereits im Auftrag einer anderen Person gesucht hat, für diese Suche und gemeinsam versuchen sie herauszufinden, was der Tod eines Pornostars mit einer vermissten jungen Frau und politischen Ränkespielen zu tun hat. Die mit viel Humor gewürzte, labyrinthische Handlung lässt „Tote schlafen fest“ wie ein Kinderrätsel wirken; – wobei schon damals die Atmosphäre wichtiger als der nach dem Lehrbuch aufgebaute, strikt logische Plot war.

Los Angeles war in den 1970er Jahren von Verfall geprägt. Smog bedeckte die ganze Stadt und aus dem Hollywood Boulevard war ein Pfuhl der Pornographie geworden. Vor diesem Hintergrund entfaltet sich die Geschichte zweier Schwachköpfe, die in eine Sache hineinstolpern, der sie nicht gewachsen sind, als sie versuchen eine gewaltige Verschwörung aufzudecken. Es gibt in dieser Story also Korruption und Dekadenz, und es stellte sich für mich die Frage, wie beunruhigend ungeeignet und überfordert man diese beiden Typen für diese Aufgabe zeichnen und zeigen durfte, auf die sie sich eingelassen hatten.“ (Shane Black)

The Nice Guys“ ist in seiner großen Lust, jedes Privatdetektiv-Klischee aus Buch und Film zu zitieren und gegen den Strich zu bürsten, ein großer Spaß für die Freunde des Genres. Und Shane Black ist einer. Er schrieb die Drehbücher für „Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis“, „Last Boy Scout“, „Last Action Hero“ und „Tödliche Weihnachten“, die als Actionkomödien immer dann besonders gut waren, wenn sie auch ein Buddy-Movie waren. Das war schon bei dem ersten „Lethal Weapon“-Film keine neue Formel, aber Shane Black erfüllte sie besser, gewitzter und intelligenter als die meisten anderen Autoren. Die brachiale Action half dann beim Kassenerfolg.

Zuletzt inszenierte er „Iron Man 3“ und auch der war letztendlich ein Buddy-Movie.

Aber die Blaupause für „The Nice Guys“ ist „Kiss Kiss Bang Bang“. Diese noirische Actionkomödie/Buddy-Movie war vor elf Jahren, nachdem man lange nichts von ihm hörte, sein Regiedebüt und seine Rückkehr nach Hollywood. Mit Robert Downey Jr. und Val Kilmer als Freunde wider Willen, die in Los Angeles ein vollkommen undurchschaubares Komplott aufklären müssen. „Kiss Kiss Bang Bang“ basiert offiziell auf einem Roman von Brett Halliday, der wahrscheinlich sein Buch nicht mehr erkannte. Er war vor Jahrzehnten ein enorm erfolgreicher Pulp-Autor, der mit dem Privatdetektiv Michael ‚Mike‘ Shayne einen langlebigen Privatdetektiv erschuf, der – jedenfalls in den Romanen, an die ich mich noch erinnere – in einer Nacht mehr Abenteuer erlebte als Jack Bauer in einer Handvoll „24“-Staffeln. In „The Nice Guys“ gibt es im Abspann einen ‚besonderen Dank‘ den 1977 verstorbenen Erfinder von Mike Shayne.

Das ist die Welt, in der „The Nice Guys“ existiert und der gerade wegen des liebevollen Porträts dieser Welt, Zeit und Charaktere ein großer Spaß ist. Auch wenn „The Nice Guys“ letztendlich „Kiss Kiss Bang Bang“ in den Siebzigern ist.

Störend in diesem 1977 spielendem Retro-Fest ist eigentlich nur Kim Basinger als Leiterin des kalifornischen Justizministeriums. Die alterslose Schönheit, die hier mehr einem Avatar als einem Menschen ähnelt, spielt den Bösewicht, den Quasi-Strippenzieher, der in einem Amt ist, in das damals niemals eine Frau gekommen wäre. Immerhin hat sie eine afroamerikanische Sekretärin, die nicht nur in die Tasten der Schreibmaschine schlagkräftig bedienen kann.

Und die Chemie zwischen den Buddys Russell Crowe und Ryan Gosling, beide mit Mut zur Hässlichkeit, ist, wenn sie zwischen Schießereien und Kloppereien Einzeiler austauschen, glänzend.

The Nice Guys - Plakat

The Nice Guys (The Nice Guys, USA 2016)

Regie: Shane Black

Drehbuch: Shane Black, Anthony Bagarozzi

mit Russell Crowe, Ryan Gosling, Angourie Rice, Matt Bomer, Margaret Qualley, Keith David, Yaya DaCosta, Beau Knapp, Kim Basinger

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Der Roman zum Film

Wie es sich für einen schundigen 70er-Jahre-Retro-PI-Film gehört, gibt es auch einen pulpigen Roman zum Film, veröffentlicht in dem Verlag, der darauf spezialisiert ist.

Da kann ich nur sagen, auch ohne das Buch gelesen zu haben und ohne irgendeine deutsche Übersetzung in Sichtweite: Lesebefehl.

Ardai - The Nice Guys

Charles Ardai: The Nice Guys

Hard Case Crime, 2016

288 Seiten

7,99 US-Dollar (derzeit bei Amazon 7,69 Euro)

Hinweise

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Moviepilot über „The Nice Guys“

Metacritic über „The Nice Guys“

Rotten Tomatoes über „The Nice Guys“

Wikipedia über „The Nice Guys“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Shane Blacks „Iron Man 3“ (Iron Man, USA 2013)


TV-Tipp für den 26. April: Kiss Kiss, Bang Bang

April 26, 2014

Eins Festival, 21.45

Kiss Kiss, Bang Bang (USA 2005, Regie: Shane Black)

Drehbuch: Shane Black

LV: Brett Halliday: Bodies are where you find them, 1941

Zuerst stolpert Einbrecher Harry Lockhart auf seiner Flucht vor der Polizei in einen Vorsprechtermin und erhält prompt eine Filmrolle. Als er über eine Hollywood-Party stolpert, trifft er seine Jugendliebe Harmony Faith Lane und, als er zwecks Rollenstudium, mit einem knallharten PI Gay Perry (schwul) durch die Straßen Hollywoods schlendert, stolpern sie alle in einen undurchsichtigen Komplott, der direkt aus einem Film der Schwarzen Serie stammen könnte.

Köstliche Liebeserklärung an die Pulps, der natürlich nur lose auf dem Mike-Shayne-Roman basiert, aber dafür ausführlich Chandler zitiert (Zwischentitel, Voice-Over,…).

first significant neo-noir of the twenty-first century” (Alexander Ballinger/Danny Graydon: The Rough Guide to Film Noir, 2007)

mit Robert Downey Jr., Val Kilmer, Michelle Monaghan, Corbin Bernsen, Rockmond Dunbar

Wiederholung: Sonntag, 27. April, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Kiss Kiss Bang Bang“

Rotten Tomatoes über „Kiss Kiss Bang Bang“

Wikipedia über „Kiss Kiss Bang Bang“ (deutsch, englisch)

Spike: Interview mit Shane Black (17. Oktober 2005)

Drehbuch „Kiss, Kiss, Bang, Bang“ von Shane Black (Fassung vom 21. November 2003)

Meine Besprechung von Shane Blacks „Iron Man 3“ (Iron Man 3, USA 2013)

Wikipedia über Brett Halliday

Kirjasto über Brett Halliday

Mordlust über Brett Halliday

Thrilling Detective über Michael Shayne


Neu im Kino/Filmkritik: „Lethal Weapon“ Shane Black macht mit Tony Stark in „Iron Man 3“ „Kiss Kiss Bang Bang“

Mai 1, 2013

 

Iron Man, aka Tony Stark, ist sicher der unernsteste Superheld im Kino und Robert Downey Jr. gelingt es diesen eigentlich sehr unsympathischen Charakter als einen coolen Kumpel erscheinen zu lassen und den teilweise doch sehr militaristischen Hintergrund vergessen zu lassen. Naja fast. Denn auch in „Iron Man 3“ geht es um milliardenschwere Rüstungsaufträge.

Im ersten „Iron Man“-Film, der ein Überraschungserfolg war, ist Tony Stark ein skrupelloser, egomanisch-egozentrischer Waffenhersteller und exzentrischer Playboy, der, als er gerade in Afghanistan dem US-Militär sein neuestes Waffensystem verkaufen will, von der internationalen Terroristengruppe „Die zehn Ringe“ gefangen genommen wird. Er baut sich die Iron-Man-Rüstung und kämpft anschließend auch gegen konzerninterne Gegner.

Im zweiten „Iron Man“-Film ist dann Justin Hammer (Sam Rockwell), Chef einer konkurrierenden Rüstungsfirma, sein Gegner. Und Ivan Vanko (Mickey Rourke), dessen Vater von Tonys Vater ausgebootet wurde, will sich an Tony Stark rächen.

Und im dritten „Iron Man“-Film ist Aldrich Killian (Guy Pearce) sein Gegner. Er hat den „Extremis“-Virus, der Menschen quasi unbesiegbar, macht, weiterentwickelt und er möchte mit Stark Industries optimierte Iron Männer herstellen. Weil Tony Stark sich aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen und Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) die Leitung übertragen hat, führt Killian die Gespräche mit ihr und er versucht dabei alte Gefühle wieder wachzurufen. Außerdem wurde er vor Jahren auf einer Silvesterfeier von Tony in dessen typisch arroganter Manier versetzt – und er scheint darüber immer noch serhr verärgert zu sein.

Aber Tonys Hauptgegner ist der Mandarin (Sir Ben Kingsley), ein international gesuchter Terrorist und Anführer der „Zehn Ringe“, der den USA mit seinen Anschlägen Lehren erteilen will und eine Mischung aus Osama bin Laden und Dr. Fu Manchu ist. Ein wahrer Anti-Gandhi, dessen erste Lehrstunde für Tony Stark, nachdem der sich ihm gegenüber unflätig äußerte (es war so etwas wie „ich werde dich vernichten“), die Vernichtung von Tony Starks mondänem Anwesen ist, das ja schon in den vorherigen „Iron Man“-Filmen nicht gerade pfleglich behandelt wurde. Tony kann in seinem neuesten Iron-Man-Anzug entkommen. Nach einer Bruchlandung in dem Ort Rose Hill, Tennessee (nicht gerade Kansas, aber fast), beginnt er, mit der Hilfe des achtjährigen Harley Keener (Ty Simkins), den Anzug zu reparieren und den Mandarin zu suchen. Denn nur Tony Stark hat die Lizenz, das eigene Haus zu zerstören.

Iron Man 3“, standesgemäß und ziemlich überflüssig in 3D, knüpft gelungen an die vorherigen beiden „Iron Man“-Filme an. Die vertrauten Charaktere sind dabei. Es gibt Action, Humor, köstliche Screwball-Dialoge zwischen Tony Stark und Pepper Potts, seiner ehemaligen Privatsekretärin und jetzigen Firmenleiterin und Quasi-Lebensgefährtin (für sie scheinen Wortgefechte der Ersatz für Sex zu sein), und Happy Hogan ist auch wieder dabei. Zuerst als überpenibler und absolut humorloser Sicherheitschef, danach schwer lädiert im Krankenbett.

Happy-Hogan-Darsteller Jon Favreau gab dieses Mal die Regie an Shane Black ab, der in den Achtzigern und Neunzigern als Drehbuchautor von Action-Krachern „Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis“, „Last Boy Scout – Das Ziel ist überleben“, „Last Action Hero“ (auch da spielte ein kleiner Junge mit, der seinem Superhelden begegnet) und „Tödliche Weihnachten“ Geld wie Heu verdiente und einer der wenigen Drehbuchautoren war, dessen Namen einem breiteren Publikum bekannt war. 2005 hatte er mit seinem Regiedebüt „Kiss Kiss Bang Bang“ eine triumphale Rückkehr, die für ihn in den nächsten Jahren trotzdem nicht zu weiteren Filmen in Hollywood führte, aber den Karriereneustart von Robert Downey Jr. einläutete.

Auch in „Iron Man 3“ ist Shane Blacks Handschrift, soweit bei einem Blockbuster und einem Film aus einer Serie davon gesprochen werden kann, zu erkennen. So gibt es für einen Action-Film erstaunlich wenig Action. Dafür widmet Black sich ziemlich ausführlich den Charakteren und auch die Beziehung von Tony Stark zu Harley, der ihn als Helden verehrt, nimmt viel Platz ein. Er wird für ihn zu einem Quasi-Vater.

Die Action, auch wenn die Iron-Man-Anzüge oft genug benutzt werden, erinnert eher an die 80er-Jahre-Action-Filme, in denen es ordentlich im Mann-gegen-Mann-Kampf krachte und wenn am Ende Robert Downey Jr. und Don Cheadle, nur bewaffnet mit ihren Pistolen, auf ein Schiff stürmen, dann sind wohlige Erinnerungen an Mel Gibson und Danny Glover und ihre „Lethal Weapon“-Wortgefechte nicht fern.

Und weil in „Iron Man 3“ Nick Fury und S.H.I.E.L.D. nicht auftreten und die Ereignisse in New York mit den Avengers nicht angesprochen werden (Tony will darüber nicht reden und kriegt, wenn er sich doch daran erinnert oder darauf angesprochen wird, Panikattacken; – hm, wie Martin Riggs in „Lethal Weapon“), knüpft „Iron Man 3“ an den ersten „Iron Man“-Film an und ist deutlich weniger militaristisch als „Iron Man 2“, der teilweise wie eine kaum getarnte Leistungsschau des Militärs aussieht..

Iron Man 3“ ist gutes Blockbuster-Kino mit selbstironischen Tönen, einem altmodischen Erzählduktus ohne 25 überraschende Plotwendungen am Ende und einer bedeutungsschwer vor sich hin getragenen Botschaft. Dafür ist Tony dann doch der falsche Charakter, auch wenn er einige neue Facetten erhält.

Der Film liefert genau das, was man inzwischen von einem „Iron Man“-Film erwartet und nach dem erfreulich kurzen Abspann gibt es noch eine kleine Sequenz und den Hinweis, dass es einen weiteren „Iron Man“-Film geben wird.

Iron Man 3 - Hauptplakat

Iron Man 3 (Iron Man 3, USA 2013)

Regie: Shane Black

Drehbuch: Drew Pearce, Shane Black

mit Robert Downey Jr., Gwyneth Paltrow, Don Cheadle, Sir Ben Kingsley, Guy Pearce, Jon Favreau, Ty Simpkins, Rebecca Hall, James Badge Dale, Stephanie Szostak, William Sadler, Miguel Ferrer, Dale Dickey

Länge: 131 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Iron Man 3“

Metacritic über „Iron Man 3“

Rotten Tomatoes über „Iron Man 3“

Wikipedia über „Iron Man 3“ (deutsch, englisch)

Collider: Interview mit Shane Black und Kevin Feige zum Film

Den of Geek: Interview mit Shane Black zum Film

 

 


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