TV-Tipp für den 29. März: The A-Team

März 29, 2019

Pro7, 20.15

Das A-Team (The A-Team, USA 2010)

Regie: Joe Carnahan

Drehbuch: Joe Carnahan, Skip Wood, Brian Bloom

Eine Gruppe von unschuldig verurteilten Elite-Soldaten, das A-Team, will seine Unschuld beweisen und verursacht dabei beträchtliche Kollateralschäden.

Die kurzweilige Kinoversion der gleichnamigen 80er-Jahre-Serie „Das A-Team“ ist natürlich in jeder Beziehung einige Nummern größer als das Original und passt sich den zeitgenössischen Sehgewohnheiten an.

Joe Carnahan, der zuvor den düsteren Cop-Thriller „Narc“ und das krachige Jungskino „Smokin’ Aces“ inszenierte, nahm den Job an, weil er mit seinen beiden anderen Projekten, dem Pablo-Escobar-Biopic „Killing Pablo“ und der James-Ellroy-Verfilmung „White Jazz“, nicht weiterkam. „Das A-Team“ richtet sich, wenig überraschend, vor allem an die „Smokin’ Aces“-Fans.

Ebenfalls wenig überraschend ist, dass „Das A-Team“ jahrelang in Hollywood entwickelt wurde und wahrscheinlich jeder bekannte Regisseur und Schauspieler irgendwann im Gespräch war.

Mit Liam Neeson arbeitete Joe Carnahan auch bei seinem nächsten Film “The Grey – Unter Wölfen” zusammen.

mit Liam Neeson, Bradley Cooper, Jessica Biel, Quinton ‘Rampage’ Jackson, Sharlto Copley, Patrick Wilson, Gerald McRaney

Wiederholung: Samstag, 30. März, 00.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das A-Team“

Wikipedia über „Das A-Team“ (deutsch, englisch)

IndieLondon: Interview mit Joe Carnahan (kurz, nach der Premiere in London)

Meine Besprechung von Joe Carnahans “The Grey – Unter Wölfen” (The Grey, USA 2012)

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Neu im Kino/Filmkritik: Der „Gringo“ nervt

April 7, 2018

Harold Soyinka (David Oyelowo) ist ein vorbildlicher Angestellter. Ehrlich, zuverlässig und glücklich verheiratet mit Bonnie (Thandie Newton). Er arbeitet in Chicago in einer Pharmafirma, die auch eine Zweigstelle in Mexico hat. Ihr neuestes Produkt ist, dank neuer Gesetze legal, ein medizinisches Marihuana-Produkt. Seine Vorgesetzten – Richard (Joel Edgerton), ein Universitätsfreund, und Elaine (Charlize Theron) – schicken ihn nach Mexiko City, um dort mit den Herstellern ihres neues Produkts zu verhandeln.

Überraschend begleiten sie ihn nach Mexiko. Denn Richard und Elaine, beides Arschlöcher vor dem Herrn, haben noch ein kleines illegales Geschäft am Laufen, das sie gerne beenden möchten, weil eine Firmenfusion geplant ist (die Harold arbeitslos machen würde) und weil sie dank der Legalisierung nicht mehr auf die Hilfe des Kartells beim Import ihres Produkts angewiesen sind. Außerdem haben sie eine sexuelle Beziehung. Das wäre kein Problem, wenn Richard nicht auch mit Bonnie Sex hätte. Diese Beziehung sorgt im Verlauf von Nash Edgertons Actionkomödie „Gringo“ für zusätzliche Probleme.

Denn der Kartellboss, ein Pablo-Escobar-Lookalike mit vergleichbarem Geschäftsgebaren, möchte nicht auf das lukrative Geschäft verzichten. Er schickt seine Männer los. Sie sollen Harold zu ihm bringen.

Ungefähr zur gleichen Zeit erhält Richard in Chicago einen Anruf: Harold wurde entführt.

In diesem Moment wissen wir, dass Harold seine Entführung vortäuscht. Er hat nämlich davor erfahren, dass die Firma verkauft werden soll und seine Frau ihn verlässt. Kurz gesagt: sein gesamtes Leben ist zerstört. Jetzt möchte er seinen Teil vom Kuchen.

Allerdings weiß er nicht, dass in diesem Moment der Drogenboss ihn auf seine Abschussliste gesetzt hat und dass Richard das Lösegeld nicht bezahlen will. Vor allem nachdem ihm, nach einem Blick in verschiedene Verträge und Versicherungen, die die Firma für seine Angestellten abschlossen hat, eine wesentlich lukrativere Option präsentiert wird.

Auf dem Papier ist „Gringo“ eine starbesetzte, schwarzhumorige Actionkomödie, in der jeder jeden betrügt und alle Pläne, die grandiosen und die weniger grandiosen, kläglich scheitern.

In der Realität ist „Gringo“ dann ein ziemlicher Langweiler, der mit gut zwei Stunden eine halbe Stunde zu lang ist. Jede Szene ist zu lang geraten. Vieles ist witzig gemeint, aber nicht witzig. Die Pointen zünden nicht. Situationen, wie Harolds Anruf bei Richard, in dem er behauptet, entführt worden zu sein, lesen sich vielleicht witzig. Im Film sind sie es nicht. Alle Figuren sind eine Spur zu eindimensional geraten, um zu überzeugen. Joel Edgerton, der als fieser Vorgesetzter eine wichtige Rolle hat, wirkt immer so, als würde er am liebsten sofort seinen Anzug gegen seine „Jane got a Gun“-Cowboykluft tauschen. Charlize Theron übertreibt als skrupellose Femme Fatale so sehr, dass sie nur noch die Cartoonversion einer Femme Fatale ist. Immerhin ist David Oyelowo nett.

Und wer jetzt, – durchaus zutreffend -, meint, bei einer Komödie käme es nicht unbedingt auf vielschichtige Charaktere an, dem sie gesagt, dass in diesem Fall auch das Timing nicht stimmt. Das ist bei einer Komödie allerdings sehr wichtig. Es unklar ist, um was es dieser Komödie geht.

Außer dass einige Filmstars in Mexiko ihren Spaß haben wollten.

Gringo (Gringo, USA/Australien 2018)

Regie: Nash Edgerton

Drehbuch: Anthony Tambakis, Matthew Stone (nach einer Geschichte von Matthew Stone)

mit David Oyelowo, Charlize Theron, Joel Edgerton, Amanda Seyfried, Thandie Newton, Sharlto Copley, Harry Treadaway, Kenneth Choi, Alan Ruck

Länge: 111 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Gringo“

Metacritic über „Gringo“

Rotten Tomatoes über „Gringo“

Wikipedia über „Gringo“


Neu im Kino/Filmkritik: „Free Fire“ oder eine wenig intelligente Art der Konfliktlösung

April 7, 2017

Eine Nacht in Boston in den siebziger Jahren: in einer Lagerhalle im Hafen wollen einige Iren von einigen Amerikanern Schusswaffen kaufen. Natürlich illegal, weil die Waffen in Irland gegen die verhassten Briten eingesetzt werden sollen. Doch bevor der Handel abgeschlossen wird, gibt es ein kleines Missverständnis, etwas gekränkte Eitelkeit und die Waffen werden exzessiv in der verlassenen, abgelegenen Lagerhalle ausprobiert.

Nach der SF-Sozialsatire „High-Rise“ ist Ben Wheatleys neuer Film „Free Fire“ eine mit Einzeilern garnierte Ballerorgie ohne Sinn und Verstand, in der die Schauspieler – immerhin bekannte Namen und gestandene Schauspieler wie Brie Larson (die einzige Frau unter Jungs), Armie Hammer, Cillian Murphy, Sam Riley, Jack Reynor, Michael Smiley und Patrick Bergin – die meiste Zeit auf dem Boden liegen und durch den Dreck kriechen –, etwas eingeschränkt von diversen Schussverletzungen, die sie nicht daran hindern, munter weiter in Richtung Feind zu ballern. Und alle beweisen eine erstaunliche Überlebensfähigkeit.

Das ist durchaus vergnüglich, aber auch etwas blutleer geraten. Denn abgesehen von dem reichlich vorhandenen zeit- und popkulturellen Anspielungen (Die Kleider. Die Frisuren. Die herzliche Abneigung zwischen den verschiedenen Gruppen.) ist „Free Fire“ vor allem eine selbstgenügsame Übung im Schusswaffengebrauch. Auch wenn später noch andere, ähem, Waffen zum Einsatz kommen, ändert sich nichts an dem gnadenlos bis zur letzten Minute durchgezogenen Prinzip des gegenseitigen Tötens.

Die nicht besonders intelligenten Schießbudenfiguren stehen sich während des gesamten Films in zwei klar abgegrenzten Gruppen unversöhnlich gegenüber. Wechselnde Koalitionen oder Loyalitäten, vulgo Überraschungen, gibt es nicht. Nur kurz, als plötzlich eine dritte Partei sie erschießen will, arbeiten sie zusammen. Um die Störung zu beseitigen.

Da waren, weil „Free Fire“ sicher öfter mit Quentin Tarantinos „Reservoir Dogs“ verglichen wird, die Charaktere in „Reservoir Dogs“ deutlich vielschichtiger. Tarantinos mehr redselige als bleihaltige Geschichte ebenso. Die Charaktere hatten keine Einzeiler, sondern Monologe und durch die zahlreichen Rückblenden wurde auch die Einheit von Handlungsort und -zeit aufgebrochen. In „Free Fire“ spielt die gesamte Geschichte in der Lagerhalle, es gibt keine Rückblende, es gibt keinen Versuch, den Charakteren eine größere Tiefe zu verteilen und Einzeiler haben eine begrenzte Halbwertzeit. Vor allem wenn die Loyalitäten betonhart feststehen.

Free Fire“ ist eine hirnlose Retro-Ballerorgie, die nur aus einer Idee besteht. Das ist okay, aber bei Ben Wheatley, dem Regisseur von „Sightseers“, „A Field in England“ und „High-Rise“, hätte ich noch eine zweite Ebene, einen Subtext, erwartet. Der geht hier im Kugelhagel unter.

Free Fire (Free Fire, Großbritannien/Frankreich 2016)

Regie: Ben Wheatley

Drehbuch: Ben Wheatley, Amy Jump

mit Armie Hammer, Brie Larson, Cillian Murphy, Sam Riley, Sharlto Copley, Jack Reynor, Babou Ceesay, Enzo Cilenti, Michael Smiley, Noah Taylor, Patrick Bergin, Mark Monero

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Free Fire“

Metacritic über „Free Fire“

Rotten Tomatoes über „Free Fire“

Wikipedia über „Free Fire“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „Sightseers“ (Sightseers, Großbritannien 2012)

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „High-Rise“ (High-Rise, Großbritannien 2015) und der DVD


TV-Tipp für den 21. April: Das A-Team – Der Film

April 21, 2016

Vox, 20.15

Das A-Team (The A-Team, USA 2010)

Regie: Joe Carnahan

Drehbuch: Joe Carnahan, Skip Wood, Brian Bloom

Eine Gruppe von unschuldig verurteilten Elite-Soldaten, das A-Team, will seine Unschuld beweisen und verursacht dabei beträchtliche Kollateralschäden.

Die kurzweilige Kinoversion der gleichnamigen 80er-Jahre-Serie „Das A-Team“ ist natürlich in jeder Beziehung einige Nummern größer als das Original und passt sich den zeitgenössischen Sehgewohnheiten an.

Joe Carnahan, der zuvor den düsteren Cop-Thriller „Narc“ und das krachige Jungskino „Smokin’ Aces“ inszenierte, nahm den Job an, weil er mit seinen beiden anderen Projekten, dem Pablo-Escobar-Biopic „Killing Pablo“ und der James-Ellroy-Verfilmung „White Jazz“, nicht weiterkam. „Das A-Team“ richtet sich, wenig überraschend, vor allem an die „Smokin’ Aces“-Fans.

Ebenfalls wenig überraschend ist, dass „Das A-Team“ jahrelang in Hollywood entwickelt wurde und wahrscheinlich jeder bekannte Regisseur und Schauspieler irgendwann im Gespräch war.

Mit Liam Neeson arbeitete Joe Carnahan auch bei seinem nächsten Film “The Grey – Unter Wölfen” zusammen.

mit Liam Neeson, Bradley Cooper, Jessica Biel, Quinton ‘Rampage’ Jackson, Sharlto Copley, Patrick Wilson, Gerald McRaney

Wiederholung: Freitag, 22. April, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Das A-Team“

BR-Online: Interview mit Joe Carnahan (10. August 2010)

IndieLondon: Interview mit Joe Carnahan (kurz, nach der Premiere in London)

FilmSchoolRecects: Interview mit Joe Carnahan (11. Juni 2010)

UGO: Interview mit Joe Carnahan (kurz, 14. Juni 2010)

Cinematical: Interview mit Joe Carnahan (20. Januar 2010)

Meine Besprechung von Joe Carnahans “The Grey – Unter Wölfen” (The Grey, USA 2012)


Neu im Kino/Filmkritik: „Chappie“ – oder „Robocop“ in Johannesburg

März 6, 2015

„Chappie“ – damit wir diese Blödelei gleich hinter uns haben – hat nichts mit dem Hundefutter zu tun. „Chappie“ ist der neue Film von Neill Blomkamp, der mit „District 9“ und „Elysium“ zwei überzeugende Science-Fiction-Filmen ablieferte, in denen es neben satten Portionen Action auch immer eine sozialkritische Botschaft gab. Die hat „Chappie“ auch. Allerdings nur in homöopathischen Dosen. Denn im Kern ist er, wie „Real Steel“ (ebenfalls mit Hugh Jackman), eine Kindergeschichte über richtige und falsche Vorbilder mit für Kindern zu brutalen Kampfszenen.
Gleich bei dem ersten Einsatz der wie menschliche Skelette aussehenden Polizeiroboter, die in Johannesburg, Südafrika, gegen Verbrecher eingesetzt werden, gibt es von beiden Seiten keine Gnade. Die Roboter knallen die Verbrecher ab. Die Verbrecher wehren sich ebenso gnadenlos und jagen schon einmal mit einer Panzerfaust einen Roboter durch mehrere Wände.
Danach wird Modell 22 (Sharlto Copley) als Totalverlust von Deon Wilson (Dev Patel) abgeschrieben. Deon ist der Erfinder und Programmierer dieser Droiden. Er forscht auch in Richtung Künstlicher Intelligenz und als er ein Programm fertig stellt, das aus den Droiden lernfähige Wesen machen könnte, blockiert seine Vorgesetzte Michelle Bradley (Sigourney Weaver) seinen Wunsch nach Tests mit Robotern ab. Zu teuer und ihre Auftraggeber, die Stadt Johannesburg und die Polizei, sind mit den bisherigen Modellen von Tetra Vaal vollauf zufrieden.
Also – wir ahnen es – stiehlt Deon den abgeschriebenen und zur Verschrottung freigegebenen Droiden und die notwendigen Ersatzteile. Bei sich zu Hause will er an Modell 22 sein Programm ausprobieren.
Dummerweise wird er auf dem Heimweg entführt. Das Verbrechertrio, das wie ein Überbleibsel aus einem „Mad Max“-Film aussieht, möchte an die Programmcodes für die Roboter kommen. Das ist aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen unmöglich, aber Deon kann Modell 22 wieder herrichten. Mit seinem Programm als Software. Gesagt. Getan. Und jetzt müssen die Verbrecher dem Roboter, den sie Chappie nennen, alles für sein Leben wichtiges beibringen. Ninja und Yo-Landi (die im echten Leben als Ninja und Yo-Landi das Rap-Duo „Die Antwoord“ sind) wollen ihn zum besten Streetgangster der Stadt machen. Chappie ist lernwillig und ein auf Gangster machender Roboter ist immer einen Lacher wert. Auch, dass er von Anfang an Fähigkeiten und Kräfte hat, die seine beiden Adoptiveltern nicht haben. Yo-Landi entdeckt ihre mütterliche Seite und Ninja versucht der Vater zu sein, der seinem Sohn aus seiner Sicht alles für das Leben wichtige beibringt, wie Schießen, den richtigen Gang und die richtige Sprache. Ihr Kumpel Yankie (Jose Pablo Cantillo) ist da nur der stille Beobachter.
Gleichzeitig ist das schnell lernende Roboter-Kind zwischen seiner Loyalität zu seinen Zieheltern, Ninja und Yo-Landi, und seinem Erschöpfer Deon, der ihm auch ein moralisches Bewußtsein vermitteln will, hin und her gerissen.
Und während Chappie immer mehr lernt, hat Deon immer mehr Ärger mit seinem Arbeitskollegen Vincent Moore (Hugh Jackman mit gruseliger Haartracht), der als alter Militär an menschliche Intelligenz und überdimensionierte Waffen glaubt. Seine neueste Erfindung, die er unbedingt an die Polizei verkaufen möchte, ist der Moose, eine zweibeinige Version der AT-AT-Walker aus „Das Imperium schlägt zurück“ oder eine Kopie einiger Robotermodelle aus „Robocop“, wie dem ED-209.
Böswillig gesprochen ist „Chappie“ eine Nacherzählung von „Robocop“ mit kleinen Änderungen und ohne die ätzende Gesellschaftskritik, viel „Mad Max“-Endzeitästhetik bei den Bösewichtern und, bei den Roboterkämpfen, etwas „Transformers“. Allerdings in der dreckigen Straßenkampfversion. Was auch daran liegen kann, dass „Chappie“ vor Ort in Johannesburg auf der Straße gedreht wurde und die Geschichte auch wirklich, wie Neill Blomkamps Debüt „District 9“, mit diesem Ort verbunden ist.
In dieser Hinsicht schöpft „Chappie“ vor allem aus dem Bekannten und verleiht ihm mit der Idee eines lernfähigen Roboter-Kindes, das in der falschen Umgebung aufwächst, einen neuen Twist. Blomkamp erzählt diese Geschichte nach seinem Drehbuch, das er mit „District 9“-Autorin Terri Tatchell schrieb, mit einem Blick auf die durch die Situation entstehenden absurden Züge. Denn so kindisch, naiv, begeisterungsfähig und gefährlich war schon lange kein Roboter mehr.
Allerdings ist „Chappie“ auch Blomkamps unpolitischster Film, der ohne Not all die politischen, moralischen, gesellschaftskritischen und ethischen Implikationen und Fragen zugunsten einer banalen, mit Filmzitaten, Gewalt und zwiespältigem Humor gewürzten Erziehungsgeschichte links liegen lässt.

Chappie - Plakat

Chappie (Chappie, USA/Mexiko 2014)
Regie: Neill Blomkamp
Drehbuch: Neill Blomkamp, Terri Tatchell
mit Sharlto Copley, Dev Patel, Ninja, Yo-Landi Visser, Jose Pablo Cantillo, Sigourney Weaver, Hugh Jackman, Brandon Auret, Johnny Selema
Länge: 120 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Chappie“
Moviepilot über „Chappie“
Metacritic über „Chappie“
Rotten Tomatoes über „Chappie“
Wikipedia über „Chappie“ (deutsch, englisch) und „Die Antwoord“

All Music über „Die Antwoord“

Eigentlich gefällt mir das Teaser-Plakat besser

Chappie - Teaser

„Die Antwoord“ bei ihrer normalen Arbeit

 


TV-Tipp für den 18. September: Das A-Team – Der Film

September 17, 2014

Vox, 20.15

Das A-Team (The A-Team, USA 2010)

Regie: Joe Carnahan

Drehbuch: Joe Carnahan, Skip Wood, Brian Bloom

Eine Gruppe von unschuldig verurteilten Elite-Soldaten, das A-Team, will seine Unschuld beweisen und verursacht dabei beträchtliche Kollateralschäden.

Die kurzweilige Kinoversion der gleichnamigen 80er-Jahre-Serie „Das A-Team“ ist natürlich in jeder Beziehung einige Nummern größer als das Original und passt sich den zeitgenössischen Sehgewohnheiten an.

Joe Carnahan, der zuvor den düsteren Cop-Thriller „Narc“ und das krachige Jungskino „Smokin’ Aces“ (läuft anschließend um 22.35 Uhr und um 02.50 Uhr) inszenierte, nahm den Job an, weil er mit seinen beiden anderen Projekten, dem Pablo-Escobar-Biopic „Killing Pablo“ und der James-Ellroy-Verfilmung „White Jazz“, nicht weiterkam. „Das A-Team“ richtet sich, wenig überraschend, vor allem an die „Smokin’ Aces“-Fans.

Ebenfalls wenig überraschend ist, dass „Das A-Team“ jahrelang in Hollywood entwickelt wurde und wahrscheinlich jeder bekannte Regisseur und Schauspieler irgendwann im Gespräch war.

Mit Liam Neeson arbeitete Joe Carnahan auch bei seinem nächsten Film „The Grey – Unter Wölfen“ zusammen.

mit Liam Neeson, Bradley Cooper, Jessica Biel, Quinton ‘Rampage’ Jackson, Sharlto Copley, Patrick Wilson, Gerald McRaney

Wiederholung: Freitag, 19. September, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Das A-Team“

BR-Online: Interview mit Joe Carnahan (10. August 2010)

IndieLondon: Interview mit Joe Carnahan (kurz, nach der Premiere in London)

FilmSchoolRecects: Interview mit Joe Carnahan (11. Juni 2010)

UGO: Interview mit Joe Carnahan (kurz, 14. Juni 2010)

Cinematical: Interview mit Joe Carnahan (20. Januar 2010)

Meine Besprechung von Joe Carnahans „The Grey – Unter Wölfen“ (The Grey, USA 2012)


Neu im Kino/Filmkritik: Die Märchenverfilmung „Maleficent – Die dunkle Fee“ und Dornröschen

Juni 2, 2014

Wahrscheinlich wird den meisten der Name Maleficent oder die deutsche Version davon, Malefiz, nichts sagen. Mir sagte er jedenfalls nichts. Aber als ich das Märchen zuletzt las, war ich noch deutlich jünger und den Disney-Zeichentrickfilm „Dornröschen“ von 1959 habe ich, glaube ich, nie gesehen. Malefiz ist nämlich die böse Fee, die in dem Film Dornröschen verflucht.
Für die jetzt im Kino gestartete, von Disney produzierte Neuverfilmung des Märchens „Maleficent – Die dunkle Fee“ wurde von dem bekannten Märchen, das es in mehreren Versionen gibt, dann auch nur der Fluch übernommen: An ihrem sechzehnten Geburtstag soll die Prinzessin in einen hundertjährigen Schlaf verfallen. Der Rest der Geschichte konzentriert sich auf Maleficent und das könnte durchaus interessant sein. Als erstes sollte man allerdings alle Erinnerungen an das Märchen tilgen. Denn Robert Stromberg, der Produktionsdesigner von „Avatar“, „Alice im Wunderland“ und „Die fantastische Welt von Oz“, erzählt in seinem Regiedebüt nicht eine Spiegelversion der bekannten Geschichte, sondern eine vollkommen andere Geschichte, die mit dem Märchen nur noch den Fluch, in einer deutlich abgemilderten Form, gemeinsam hat.
In dem Film ist Maleficent eine junge, lebenslustige Fee, die sich in den Menschen Stefan verliebt. Um an die Macht zu kommen, verrät er sie und schneidet ihr die Feenflügel ab. Ohne Flügel wird Maleficent zu einer hasserfüllten Frau, die auf dem Fest zu Ehren der gerade geborenen Tochter von König Stefan auftaucht und das Baby verflucht. An ihrem sechzehnten Geburtstag soll Aurora in einen hundertjährigen Schlaf verfallen; – was für eine hasserfüllte Frau, die von einem Mann um ihr Lebensglück gebracht wurde, doch ein ziemlich moderater Fluch ist.
Der König beauftragt drei Feen, seine Tochter an einem einsamen Ort groß zu ziehen und sie bis nach ihrem sechzehnten Geburtstag zu beschützen.
Maleficent beobachtet das Kind beim Älter werden, beschützt es auch (es wäre ja schade, wenn das Balg frühzeitig sterben würde) und sie freunden sich an, was dann dazu führt, dass Maleficent spätestens im finalen Akt des Films gar nicht mehr böse ist, aber immer noch einen sehr dunklen Kleidungsstil hat.
Ein großes Problem bei „Maleficent – Die dunkle Fee“ ist, dass die böse Fee zugleich böse und gut sein soll. Eigentlich ist sie als Bösewicht überhaupt nicht böse, sondern die gute Schwiegermutter mit einem leicht abseitigem Humor und Kleidungsstil.
Das Problem, dass die Macher einen guten Bösewicht haben wollen, zeigt sich schon im zweiten Akt, wenn Maleficent, nachdem sie ihren Fluch ausgesprochen hat, die Prinzessin beobachtet und abwartet. Sechzehn Jahre! Anstatt irgendetwas zu unternehmen, um ihren Rachedurst möglichst schnell, möglichst lange und möglichst gemein zu stillen. Zum Beispiel indem sie Aurora entführt, ihr Schmerzen zufügt oder – was eigentlich das naheliegendste wäre – sich direkt an ihrem Peiniger zu rächt. Das wäre psychologisch glaubwürdig, wäre aber auch ein vollkommen anderer Film. Die Macher wollten aber, im Kern die Geschichte von Maleficent und Aurora und die Vorgeschichte erzählen, ohne wirkliche Konsequenzen aus ihrer Prämisse zu ziehen.
Das führt dazu, dass die einzelnen Teile eher unverbunden nebeneinander stehen. Die Liebesgeschichte und der Verrat von Stefan, die zu dem von Maleficent ausgesprochenem Fluch führen, haben nichts mit den Folgen des Fluchs zu tun. Denn die danach erzählte Mutter-Tochter-Geschichte hat nichts mit mit der Liebesgeschichte zu tun. Und wenn es dann im dritten Akt zur Konfrontation zwischen ihr und Stefan kommt, wirkt das wieder wie aus einem anderen Film. Einem Actionfilm, bei dem es kein Problem gibt, das nicht mit einer ordentlichen Schlägerei und Gebäudevernichtung erledigt werden kann. Nur: warum hat Maleficent das nicht vorher getan? Und warum hat sie sich über Jahre von ihrem eigentlichem Ziel, der Rache an dem Mann, der sie um ihr Leben betrogen hat, abhalten lassen? Und warum rächt sie sich nicht auf eine intelligentere Art? Zum Beispiel, indem sie ihn verflucht?
Dass König Stefan in der Zwischenzeit wahnsinnig wurde und von Paranoia und Angst zerfressen ist, hat ebenfalls keinen Einfluss auf die Filmgeschichte. Dabei läge hier eine weitere potentielle Geschichte, die auch mit seinem Verrat an Maleficent zusammenhängt. Doch die Macher wollten eine Geschichte mit Maleficent und Aurora erzählen, in der auch irgendwann, weil in Märchen immer ein Prinz auftaucht, ein Prinz auftaucht, der aber letztendlich nur durch das Bild reitet.
Ein weiteres Problem ist, dass der Film als Märchenfilm für Kinder erstaunlich düster geraten ist. Da hilft es auch nicht, dass für die deutsche Ab-6-Jahre-Freigabe einige Sekunden aus dem Film herausgeschnitten wurden. Die Bilder aus dem dunklen Wald, der Kampf zwischen Stefans Welt der Menschen und der magischen Welt von Maleficent und der Schlusskampf sind sehr düster geraten.
Und „Maleficent“ wirkt immer wie ein Animationsfilm, in den sich zufällig einige Schauspieler hinein verirrten. Angelina Jolie, die nach einer vierjährigen Leinwandabstinenz als Schauspielerin (der 2010er Film „The Tourist“ war ihr letzter Film), die dunkle Fee spielt, hat ein absolut makellos-künstliches Gesicht, in dem dann auch keine Gefühlsregung erkennbar ist. Die anderen Schauspieler dürfen zwar ab und an die Stirn runzeln, aber gegen die Bilder aus dem Computer haben sie keine Chance.
Und so ist „Maleficent – Die dunkle Fee“ dann kein märchenhafter Märchenfilm, sondern ein CGI-Exzess, der gerade das märchenhafte vermissen lässt.

Maleficent - Plakat

Maleficent – Die dunkle Fee (Maleficent, USA 2014)
Regie: Robert Stromberg
Drehbuch: Linda Woolverton
mit Angelina Jolie, Sharlto Copley, Elle Fanning, Sam Riley, Imelda Staunton, Juno Temple, Lesley Manville, Janet McTeer (Erzählerin in der Originalversion)
Länge: 96 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
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Film-Zeit über „Maleficent – Die dunkle Fee“
Moviepilot über „Maleficent – Die dunkle Fee“
Metacritic über „Maleficent – Die dunkle Fee“
Rotten Tomatoes über „Maleficent – Die dunkle Fee“
Wikipedia über „Maleficent – Die dunkle Fee“ (deutsch, englisch)


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