Verfilmte Bücher: „Immer Ärger mit Harry“ ist „Immer Ärger mit Harry“

März 26, 2018

Auf der Jagd stolpert der vierjährige Abie an einem heißen Sommertag, mitten in der malerischsten Natur, über eine Leiche. Harry heißt der mittelalte Tote und er wurde offensichtlich ermordet. Aber anstatt sofort die Polizei zu rufen und den Mörder zu suchen, sind die Bewohner des verschlafenen Provinzstädtchens, die die Leiche unabhängig voneinander entdecken, vor allem daran interessiert, die Leiche möglichst schnell verschwinden zu lassen.

So beginnt Jack Trevor Storys sehr kurzer Roman „Immer Ärger mit Harry“, der eher eine lange Kurzgeschichte oder Novelle ist. Die Geschichte spielt in dem englischen Dorf Sparrowswick Heath, das mit seinen spleenigen Bewohnern schnell das Bild eines heilen Englands heraufbeschwört, das es heute höchstens in einem „Inspector Barnaby“-Krimi gibt. Auch dort ist der Anblick einer Leiche kein Grund, panisch zu werden.

Alfred Hitchcock verlegte 1955 die Geschichte nach Vermont und drehte seine schwarze Komödie „Immer Ärger mit Harry“.

In dem Film entspinnt sich schnell ein farbenfroh ausgemaltes, wunderschön gesittet moralbefreites Spiel mit der Leiche. Denn niemand trauert um den Toten, der, wie man im Verlauf der Geschichte erfährt, zwar nur einen Tod gestorben ist, aber anscheinend von einem halben Dutzend Menschen auf verschiedene Arten ermordet wurde. Jeder, der sich für Harrys Mörder hält, möchte die Leiche gerne möglichst schnell loswerden. Es war ja nur ein blöder Unfall und der Tote war keine Zierde für die Menschheit. Auch Abies Mutter, die mit Harry, den sie ewig nicht gesehen hat, verheiratet war, ist über seinen Tod hocherfreut.

Aber dann verliebt sie sich im Lauf des Sommertages in einen anderen Mann – und Harry sorgt für noch mehr Ärger.

Dieser jede Totenruhe missachtende Umgang mit Harrys Körper, etliche Dialoge und den Humor haben Hitchcock und sein Drehbuchautor John Michael Hayes (gemeinsam auch „Das Fenster zum Hof“, „Über den Dächern von Nizza“ und „Der Mann, der zuviel wusste“) aus der Romanvorlage übernommen. Außerdem haben sie die Story gestärkt und schlüssiger gemacht.

Aus heutiger Sicht ist die von Jack Trevor Story geschriebene Geschichte vor allem eine arg betulich erzählte Schnurre mit Situationskomik und einigen wunderschön abgedrehten Dialoge. Aber die Charaktere bleiben blass und es entwickelt sich keine richtige Geschichte. Außer dass Harry mehrmals vergraben und ausgegraben wird, während die Bewohner von Sparrowswick Heath darüber reden, ob Harry nun besser vergraben oder ausgegraben wird. In einem Tonfall, als redeten sie über das Wetter.

Jetzt erschien, – unglaublich, aber wahr -, fast siebzig Jahre nach der Erstveröffentlichung, Storys Roman erstmals auf Deutsch. Die Übersetzung schließt für den fanatischen Alfred-Hitchcock-Fan eine Lücke, die er wahrscheinlich nicht bemerkte.

Jack Trevor Story: Immer Ärger mit Harry

(übersetzt von Miriam Mandelkow)

Dörlemann, 2018

192 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

The Trouble with Harry

Boardman, London, 1949

Die Verfilmung

Immer Ärger mit Harry (The Trouble with Harry, USA 1955)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: John Michael Hayes

LV: Jack Trevor Story: The trouble with Harry, 1949 (Immer Ärger mit Harry)

Mit Shirley MacLaine, John Forsythe, Edmund Gwenn, Mildred Natwick, Jerry Mathers, Mildred Dunnock, Royal Dano

Hinweise

Homepage über Jack Trevor Story

Wikipedia über Jack Trevor Story


TV-Tipp für den 31. Januar: Das erstaunliche Leben des Walter Mitty

Januar 31, 2018

Sat.1, 20.15
Das erstaunliche Leben des Walter Mitty (The Secret Life of Walter Mitty, USA 2013)
Regie: Ben Stiller
Drehbuch: Steven Conrad
LV: James Thurber: The Secret Life of Walter Mitty, 1939 (Walter Mittys Geheimleben, Kurzgeschichte, Erstveröffentlichung in „The New Yorker“)
Walter Mitty arbeitet im Fotoarchiv des „Life Magazine“ und in seiner Fantasie erlebt er die tollsten Abenteuer. Sein Leben ändert sich, als auf dem Titelbild der letzten Ausgabe des Magazins ein von dem wagemutigem Fotografen Sean O’Connell gemachtes Bild erscheinen soll. Denn dummerweise findet Mitty das Negativ nicht. Also macht er sich auf den Weg. Er sucht O’Connell und erlebt dabei die erstaunlichsten Abenteuer.
Wunderschöne, gelungen zwischen Fantasie und Realität wechselnde Komödie über Träume und ihre Erfüllung. Von James Thurbers klassischer Kurzgeschichte wurde nur die Grundidee übernommen.
mit Ben Stiller, Kirsten Wiig, Sean Penn, Shirley MacLaine, Adam Scott, Kathryn Hahn, Patton Oswalt, Adrian Martinez
Wiederholung: Donnerstag, 1. Februar, 00.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Moviepilot über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Metacritic über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Rotten Tomatoes über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Wikipedia über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ben Stillers „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ (The Secret Life of Walter Mitty, USA 2013)


TV-Tipp für den 17. Januar: Das erstaunliche Leben des Walter Mitty

Januar 17, 2016

Pro7, 20.15
Das erstaunliche Leben des Walter Mitty (The Secret Life of Walter Mitty, USA 2013)
Regie: Ben Stiller
Drehbuch: Steven Conrad
LV: James Thurber: The Secret Life of Walter Mitty, 1939 (Walter Mittys Geheimleben, Kurzgeschichte, Erstveröffentlichung in „The New Yorker“)
Walter Mitty arbeitet im Fotoarchiv des „Life Magazine“ und in seiner Fantasie erlebt er die tollsten Abenteuer. Sein Leben ändert sich, als auf dem Titelbild der letzten Ausgabe des Magazins ein von dem wagemutigem Fotografen Sean O’Connell gemachtes Bild erscheinen soll. Denn dummerweise findet Mitty das Negativ nicht. Also macht er sich auf den Weg. Er sucht O’Connell und erlebt dabei die erstaunlichsten Abenteuer.
Wunderschöne, gelungen zwischen Fantasie und Realität wechselnde Komödie über Träume und ihre Erfüllung. Von James Thurbers klassischer Kurzgeschichte wurde nur die Grundidee übernommen.
mit Ben Stiller, Kirsten Wiig, Sean Penn, Shirley MacLaine, Adam Scott, Kathryn Hahn, Patton Oswalt, Adrian Martinez
Wiederholung: Montag, 18. Januar, 08.50 Uhr

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Moviepilot über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Metacritic über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Rotten Tomatoes über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Wikipedia über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ben Stillers „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ (The Secret Life of Walter Mitty, USA 2013)


TV-Tipp für den 7. Dezember: Immer Ärger mit Harry

Dezember 7, 2015

Arte, 20.15

Immer Ärger mit Harry (USA 1955, Regie: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: John Michael Hayes

LV: Jack Trevor Story: The trouble with Harry, 1949

Einige anständige Menschen im beschaulichen, herbstlichen Vermont fühlen sich für Harrys Tod verantwortlich und wollen seine Leiche verschwinden lassen. Aber Harry taucht immer wieder auf, – besonders in den unpassendsten Momenten.

Hitchcocks Lieblingsfilm hält sich eng an das Buch; eine brillante satirische Untersuchung menschlichen Verhaltens. Entsprechend schwarz ist der Humor. Das Understatement des Films wird auch durch Bernard Herrmans Musik (seine erste Zusammenarbeit mit Hitchcock) unterstützt

Mit Shirley MacLaine, John Forsythe, Edmund Gwenn, Mildred Natwick, Jerry Mathers

Wiederholung: Dienstag, 8. Dezember, 13.45 Uhr

Hinweise

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thily Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)


Neu im Kino/Filmkritik: Erstaunlich, „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Januar 1, 2014

Mediensatire und Mediengroteske heißt es in einigen Kritiken über Ben Stillers gelungenen neuen Film „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ und nichts könnte falscher sein. Jedenfalls nach meinem Verständnis von Satire und Groteske. Ich denke dann an Filme wie „Network“, „Schtonk!“ oder auch Stillers Hollywood-Satire „Tropic Thunder“. Nein, „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ ist ein feinfühliges, durchaus humoristisches Drama, fast schon ein Frank-Capra-Film, aber ohne eine eindeutige Antwort oder platte Botschaft am Ende. Im Gegenteil: gerade weil das Ende dem vorherigen Film so schön und elegant widerspricht, beschäftigt man sich auch nach dem warmherzigem Film weiter mit der Frage, was der Sinn des Lebens ist und ob wirklich das Bild von Fotograf O’Connell die Quintessenz von „Life“ (und damit auch des Lebens) abbildet.

Aber davor musste Walter Mitty seine Wohlfühlzone verlassen und sich auf eine Schnitzeljagd um die Welt begeben.

Walter Mitty, erfunden von James Thurber in einer kurzen, klassischen Kurzgeschichte, die eigentlich nur eine Situation beschreibt und für den Film, der bis auf den Charakter nichts mehr mit der Geschichte zu tun hat, aber deren Stimmung genau trifft, ist Fotoarchivar beim legendären „Life“-Magazin, das für seine Bildreportagen bekannt war (die Druckausgabe wurde 2007 eingestellt; danach gab es eine elektronische Ausgabe). Er ist Single, hat keine Ahnung, welche spannenden Erlebnisse er auf seiner Dating-Seite eintragen soll, heimlich verliebt in seine Arbeitskollegin Cheryl Melhoff (Kristen Wiig) von der Buchhaltung und ein unverbesserlicher Tagträumer. In seinen Träumen lebt er das Leben, das er sonst nur auf Bildern sieht, und er verwandelt sich auch, immerhin leben wir im 21. Jahrhundert, in einen Superhelden, der für seine Mission halb New York zerstört. Und er ist stolz darauf, dass er in all den Jahren nie ein Negativ verschlampt hat.

Deshalb ist es für ihn ein Schock, der sein gesamtes bisheriges Leben in Frage stellt, als er erfährt, dass das von Sean O’Connell (Sean Penn), einem Fotograf, der sich an die gefährlichsten und entlegensten Orte der Welt begibt, kein Handy hat und auch sonst chronisch nicht erreichbar ist, als spektakuläres Bild angekündigte Negativ Nummer 25 nicht da ist. Das Negativ fehlt! Aber gerade dieses Bild will sein neuer Chef, ein rechtes Arschloch, das nur eingestellt wurde, um das „Life“-Magazin zu liquidieren, als Titelbild der letzten Ausgabe des Magazins haben.

Walter Mitty, der nie seine gewohnten Pfade in New York verlässt, man kann sogar die Subway nach ihm stellen, macht sich auf den Weg. Er muss O’Connell finden und mit ihm über das Bild reden.

Dabei erlebt (?) Walter Mitty mehr Abenteuer, als er sich in den vergangenen Jahren zusammenfantasierte.

Mit dem optimistischen Drama „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ beginnt das Kinojahr verheißungsvoll. Immerhin hat Ben Stiller, mit beeindruckenden Bilder von Walter Mittys Reisen um den halben Globus, einem schicken Fünfziger-/Sechziger-Jahre-Retro-Design (Billy Wilders „Das Apartment“ wird von Stiller als Einfluss genannt) und guten Schauspielern eine zeitlose Geschichte neu interpretiert und dabei jongliert er so elegant zwischen Fantasie und Realität und mit den Plot-Points, wie eine gute Jazzband, die einen Standard in ihren Improvisationen zu ihrem Stück macht und sich auch Zeit für Um- und Abwege nimmt, mit fast schon kindischer Freude die Stile wechselt, Anspielungen und Hommagen unterbringt, und dabei immer wieder, bis zur letzten Note, eine überraschende Wendung parat hat. Wie das Larger-than-Life-Leben, das Walter Mitty jetzt leben muss.

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty - Plakat

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty (The Secret Life of Walter Mitty, USA 2013)

Regie: Ben Stiller

Drehbuch: Steven Conrad

LV: James Thurber: The Secret Life of Walter Mitty, 1939 (Walter Mittys Geheimleben, Kurzgeschichte, Erstveröffentlichung in „The New Yorker“)

mit Ben Stiller, Kirsten Wiig, Sean Penn, Shirley MacLaine, Adam Scott, Kathryn Hahn, Patton Oswalt, Adrian Martinez

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Moviepilot über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Metacritic über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Rotten Tomatoes über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Wikipedia über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ (deutsch, englisch)

Einige schöne Walter-Mitty-Plakate

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty - Berg

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty - Gebäude

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty - Teaser


TV-Tipp für den 7. September: Immer Ärger mit Harry

September 7, 2013

RBB, 23.45

Immer Ärger mit Harry (USA 1955, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: John Michael Hayes

LV: Jack Trevor Story: The trouble with Harry, 1949

Einige anständige Menschen im beschaulichen, herbstlichen Vermont fühlen sich für Harrys Tod verantwortlich und wollen seine Leiche verschwinden lassen. Aber Harry taucht immer wieder auf, – besonders in den unpassendsten Momenten.

Hitchcocks Lieblingsfilm hält sich eng an das Buch; eine brillante satirische Untersuchung menschlichen Verhaltens. Entsprechend schwarz ist der Humor. Das Understatement des Films wird auch durch Bernard Herrmans Musik (seine erste Zusammenarbeit mit Hitchcock) unterstützt

Mit Shirley MacLaine, John Forsythe, Edmund Gwenn, Mildred Natwick, Jerry Mathers

Hinweise

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thily Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic „Hitchcock“ (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)


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