TV-Tipp für den 23. Juli: Ipcress – Streng geheim

Juli 22, 2018

Arte, 20.15

Ipcress – Streng geheim (The Ipcress File, Großbritannien 1965)

Regie: Sidney J. Furie

Drehbuch: Bill Canaway, James Doran

LV: Len Deighton: The IPCRESS File, 1962 (Ipress – Streng geheim)

Der britische Geheimagent Harry Palmer soll herausfinden, warum Top-Forscher plötzlich Gedächtnislücken haben. Stecken die Russen dahinter?

Mit dem ersten von drei Harry Palmer-Filmen legte Bond-Produzent Harry Saltzman einen erfolgreichen Gegenentwurf zu James Bond vor. Denn Harry Palmer – in Deightons Romanen hat er noch nicht einmal einen Namen – ist ein ganz gewöhnlicher Beamter mit einem Kassengestell und billigen Anzügen. Er ist eher ein Privatdetektiv, der hartnäckig eine Spur verfolgt und sich nicht auf die schützende Hand seiner Regierung verlassen kann.

Das Drehbuch des spannenden Agententhrillers erhielt den Edgar-Allan-Poe-Preis.

Für Michel Caine ist Harry Palmer eine seiner klassischen Rollen. Insgesamt spielte er dreimal den Geheimagenten. Nach „Ipcress – Streng geheim“ gab es das „Finale in Berlin“ (Funeral in Berlin, 1966, Regie: Guy Hamilton) und „Das Milliarden-Dollar-Gehirn (Billion Dollar Brain, 1967, Regie: Ken Russell). 1995 und 1996 spielte Caine wieder Harry Palmer in den zu Recht vergessenen TV-Filmen „Peking Express“ (Bullet to Beijing) und in „Herren der Apocalypse“ (Midnight in Saint Petersburg), die nicht auf Romanen von Len Deighton basieren und auch sonst nichts mit Deighton zu tun haben.

Mit Michael Caine, Nigel Green, Guy Doleman, Sue Lloyd, Gordon Jackson

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Ipcress – Streng geheim“

Wikipedia über „Ipcress – Streng geheim“ (deutsch, englisch) und Len Deighton (deutsch, englisch)

The Deighton Dossier

Krimi-Couch über Len Deighton

Meine Besprechung von Sidney J. Furies „Boomer – Überfall auf Hollywood“ (The Taking of Beverly Hills, USA 1991)

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TV-Tipp für den 3. April: Südwest nach Sonora

April 3, 2014

Marlon Brando (3. April 1924 – 1. Juli 2004)


MDR,, 23.35
Südwest nach Sonora (USA 1966, Regie: Sidney J. Furie)
Drehbuch: James Bridges, Roland Kibbee
LV: Robert McLeod: The Appaloosa, 1963
Mexiko, 1870: Matt will seinen ihm geklauten Appaloosa-Hengst zurückhaben. Doch das ist gar nicht so einfach.
Damals kam der Rache-Western mit seiner exaltierten Bildsprache gar nicht gut an.
Brando verhielt sich während der Dreharbeiten anscheinend unmöglich, aber später gefiel ihm der Film wegen seiner Bilder so gut, dass er wieder mit Furie zusammen arbeiten wollte. Furie verzichtete.
Der Western erhielt den Bronze Wrangler der Western Heritage Awards als bester Western des Jahres.
„Südwest nach Sonora“ ist „partiell ein bemerkenswerter Film (…): Er spiegelt die Krise Hollywoods und die seines immer noch größten männlichen Stars, und er zeigt, wenn auch maniriert, die Suche Hollywoods nach einer neuen Ästhetik.“ (Bernhard Kiefer: The Appaloosa, in Marli Feldvoß/Marion Löhndorf u. a.: Marlon Brando)
Mit Marlon Brando, Anjanette Comer, John Saxon, Rafael Campos, Miriam Colon
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Südwest nach Sonora“
TCM über „Südwest nach Sonora“
Wikipedia über „Südwest nach Sonora“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Sidney J. Furies „Boomer – Überfall auf Hollywood“ (The Taking of Beverly Hills, USA 1991)
Marlon Brando in der Kriminalakte


DVD-Kritik: „Boomer – Überfall auf Hollywood“ lässt es mächtig krachen

September 12, 2013

 

Ein „Cinema Treasure“ ist „Boomer – Überfall auf Hollywood“ wahrlich nicht. Der zerstörungswütige Actionfilm gehört zu den Spätwerken von Sidney J. Furie, der in den sechziger Jahren mit dem Harry-Palmer-Spionagethriller „Ipcress – Streng geheim“ (The Ipcress File, mit Michael Caine) und dem Western „Südwest nach Sonora“ (The Appaloosa, mit Marlon Brando) vielversprechend seine Karriere startete und irgendwann in den achtziger Jahren im Feld von prinzipiell uninteressanten, politisch indiskutablen, teilweise kommerziell erfolgreichen Produktionen wie „Der stählerne Adler“ und den Fortsetzungen landete.

Es ist auch der letzte Film von Ken Wahl, der in den frühen achtziger Jahren ein aufstrebender Star mit Filmen wie „The Wanderers“ und „The Bronx“ war, und der 1992 einen Motorradunfall mit lebensgefährlichen Verletzungen hatte, der seine Filmkarriere (abgesehen von drei weiteren Filmauftritten) beendete. 2004 sagte er in einem Interview, dass die Geschichte mit dem Motorradunfall nicht stimmte, sondern er bei der Freundin von Rodney Dangerfield eine Treppe hinuntergefallen war. An den gesundheitlichen Problemen, die er nach dem Unfall hatte, änderte das nichts.

Das dürften die filmhistorisch wichtigen Punkte bei „Boomer – Überfall auf Hollywood“ sein; einer ziemlich ärmlichen „Stirb langsam“-Variation, die ihr Story-Potential grundlos in einer explosionshaltigen Zerstörungsorgie verschenkt. Denn die Dialoge sind zu einfältig. Die Story ist einfach zu unlogisch. Der Plan der Bösewichter erscheint nicht besonders durchdacht. Und dass Boomer sofort beginnt, gegen die Bösewichter zu kämpfen, ist vor allem dem Drehbuch geschuldet. Es gibt zu viele lose Enden. So verschwindet der Beverly-Hills-Polizeichef aus dem Film, nachdem er sich im Hotel mit einem der Bösewichter, der sich sehr amateurhaft als Polizist ausgab, ein sehr seltsames Gespräch führte, das eigentlich jeden Polizisten in Alarmbereitschaft versetzen sollte.

Also, die Story: In Beverly Hills leben die Schönen und Reichen. Eines Tages beschließen einige ehemalige Polizisten und ein Mastermind im Hintergrund (keine Überraschung: es ist James-Bond-Bösewicht Robert Davi) in einer Nacht den gesamten Ort auszurauben. Dafür inszenieren sie einen Chemieunfall, sperren Beverly Hills ab und evakuieren die Bewohner in ein naheliegendes Hotel. Durch einen dummen Zufall bekommt Football-Spieler und Frauenschwarm Boomer Hayes (Ken Wahl) die Evakuierung nicht mit. Er und ein Polizist (Matt Frewer), der bei dem Überfall mitmachte und plötzlich sein Gewissen entdeckt, versuchen jetzt, weil alle Telefone gekappt sind (und es 1991 noch keine Handys gab), aus Beverly Hills zu flüchten und von draußen Hilfe zu holen. Die Gangster verfolgen sie gnadenlos – und dabei werden jede Menge Gebäude und Luxusautos zerstört. Teils von einem Panzer überrollt, teils fotogen in die Luft gejagt.

Eben diese handgemachten Actionszenen erfreuen dann auch das Herz des Nostalgikers.

Jan Hammer schrieb die Musik.

 

Zwei zeitgenössische Stimmen

Pyromanen-Inferno (…) Eine der größten Materialschlachten des Action-Kino-Jahres, in der ungefähr jede Minute ein Straßenzug in die Luft geht. (Fischer Film Almanach 1993 – und das trotz „Brennpunkt L. A. 3 – Die Profis sind zurück“ [Lethal Weapon 3] und „Terminator II“)

 

Spannungsarm, dafür explosionsreich bleibt der Film lediglich für unbedingte unkritische Fans des Actiongenres unterhaltsam. (multimedia)

Boomer - Überfall auf Hollywood - DVD-Cover

Boomer – Überfall auf Hollywood (The Taking of Beverly Hills, USA 1991)

Regie: Sidney J. Furie

Drehbuch: Rick Natkin, David Fuller, David J. Burke (nach einer Geschichte von Sidney J. Furie, Rick Natkin und David Fuller)

mit Ken Wahl, Robert Davi, Matt Frewer, Harley Jane Kozak, Lee Ving James, Branscombe Richmond, Lyman Ward

DVD

Ascot Elite (Cinema Treasures)

Bild: 2,35:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS 2.0 Stereo, Dolby Digital 2.0 Stereo), Englisch (Dolby Digital 2.0 Mono)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Trailer, Wendecover

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Boomer – Überfall auf Hollywood“

Wikipedia über „Boomer – Überfall auf Hollywood“

 

 


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