TV-Tipp für den 12. September: Borg/McEnroe

September 12, 2019

Servus TV, 22.05

Borg/McEnroe (Borg/McEnroe, Dänemark/Finnland/Schweden 2017)

Regie: Janus Metz

Drehbuch: Ronnie Sandahl

Biopic über die Tennissuperstars Björn Borg und John McEnroe und ihr Duell in Wimbledon 1980.

TV-Premiere. Auch für Nicht-Tennisfans sehenswertes Sportlerbiopic mit viel Retro-Feeling.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Sverrir Gudnason, Shia LaBeouf, Stellan Skarsgård, Tuva Novotny, Ian Blackman, Robert Emms, Scott Arthur

Wiederholung: Freitag, 13. September, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Borg/McEnroe“

Metacritic über „Borg/McEnroe“

Rotten Tomatoes über „Borg/McEnroe“

Wikipedia über „Borg/McEnroe“ (deutsch, englisch) und das Wimbledon-Tennisspiel (deutsch, englisch – Achtung, der Artikel spoilt das Ende des Films!)

Meine Besprechung von Janus Metz‘ „Borg/McEnroe“ (Borg/McEnroe, Dänemark/Finnland/Schweden 2017)


TV-Tipp für den 6. Mai: Verräter wie wir

Mai 6, 2019

ZDF; 22.15

Verräter wie wir (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Regie: Susanna White

Drehbuch: Hossein Amini

LV: John le Carré: Our Kind of Traitor, 2010 (Verräter wie wir)

Während eines Urlaubs in Marrakesch lernen der rundum harmlose Oxford-Dozent für Poesie Perry und seine Frau Gail den feierwütigen Dima, der immer von einem Hofstaat begleitet wird, kennen. Dima bittet Perry um einen Gefallen. Er soll dem MI6 einen USB-Stick mit Daten überbringen. Denn Dima, der ein Geldwäscher für die Russenmafia ist, fürchtet um sein Leben und Perry und Gail sollen ihm den Weg in die Sicherheit ebnen.

Der ruhige Thriller ist eine weitere gelungene John-le-Carré-Verfilmung.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ewan McGregor, Stellan Skarsgård, Damian Lewis, Naomie Harris, Jeremy Northam, Khalid Abdallah, Mark Gatiss, Saskia Reeves, Alicia von Rittberg, John le Carré (sein Genehmigungs-Cameo)

Wiederholung: Mittwoch, 8. Mai, 00.50 Uhr (Taggenau!)

Die Vorlage

le Carre - Verräter wie wir - Movie-Tie-In 4

John le Carré: Verräter wie wir

(übersetzt von Sabine Roth)

Ullstein, 2016 (für die Filmausgabe)

416 Seiten

9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Ullstein, 2010

Originalausgabe

Our Kind of Traitor

Viking, London, 2010

Hinweise

Moviepilot über „Verräter wie wir“

Metacritic über „Verräter wie wir“

Rotten Tomatoes über „Verräter wie wir“

Wikipedia über „Verräter wie wir“ (deutsch ,englisch)

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung von John le Carrés „Das Vermächtnis der Spione“ (A Legacy of Spies, 2017)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der gesamten Miniserie

John le Carré in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Ist Terry Gilliam „The Man who killed Don Quixote“?

September 29, 2018

 

Dieser Film ist schon jetzt legendär und jeder, der in den vergangenen Jahren Nachrichten aus der Welt des Films verfolgte, hat schon von Terry Gilliams Don-Quixote-Film gehört. Jahrzehntelange Vorbereitungen, zum Running Gag werdende Projektpräsentationen, mehrere Drehstarts, unzählige Katastrophen beim Filmdreh und die Vorlage für die hochgelobte Doku „Lost in La Mancha“ (2003) über die katastrophalen Dreharbeiten hielten das Projekt im Gespräch. Eigentlich hätte die Doku über einen Filmdreh, der innerhalb weniger Tage zu einem frühzeitigen Ende führte, das Ende sein können. Aber Gilliam gab nicht auf. Mit seinem Co-Drehbuchautor Tony Grisoni arbeitete er weiter am Drehbuch. Im Schnitt überarbeiteten sie in den vergangenen Jahren zweimal im Jahr das Drehbuch. Wenn es wieder die Chance auf eine Verfilmung gab, auch öfter.

Daher dürfte das jetzt verfilmte Drehbuch nur noch wenig mit der ersten Fassung zu tun haben. Ob es besser wurde, ist unklar. Gilliam und Grisoni sind jedenfalls davon überzeugt.

In jedem Fall ist die jetzt vorliegende und endlich in unsere Kinos kommende Fassung von „The Man who killed Don Quixote“ ein zutiefst persönlicher, auf vielen Ebenen und Metaebenen spielender Film, der selbstverständlich auch eine ordentliche Portion Monty Python hat. Und es ist eine Reise in den Wahnsinn, die auch die Reise von Don Quixote und Terry Gilliam ist. Obwohl Gilliam in Interviews normal und gesund wirkt.

Der Film beginnt mit Dreharbeiten in Spanien. Weil nichts funktioniert, wie Regisseur Toby (Adam Driver) es plant, ist er verzweifelt. Die Finanziers hängen ihm im Nacken. Der despotische und eifersüchtige Hauptfinanzier, im Film nur ‚der Boss‘ genannt, vertraut eines Abends Toby seine gutaussehende Frau an, unter der strengen Auflage, sich ihr nicht zu nähern. Selbstverständlich hält Toby sich nicht dran; was ihn in die Bredouille bringt.

Als ein Zigeuner ihm eine Kopie seines verschollen geglaubten Studentenfilms über Don Quixote (Äh, bekannt? Der Ritter, der mit seinem Knappen Sancho Panza auszog, um Drachen zu besiegen und gegen Windmühlen kämpft.) gibt, erinnert Toby sich an die glücklichen Tage beim Dreh.

Er besucht das in der Nähe liegende Dorf, in dem er damals drehte. Erschrocken stellt er fest, dass von der damaligen Schönheit des Dorfes nichts mehr geblieben ist. Die wenigen Dorfbewohner sind auch nicht erfreut darüber, dass er sie besucht.

Toby trifft auch seinen damaligen Don-Quixote-Darsteller (Jonathan Pryce) wieder. Als Toby ihn kennen lernte, war er der Dorfschuster. Heute hält er sich für Don Quixote.

Durch einen dummen Zufall setzt Toby eine Reihe Ereignisse in Brand und Gang, die schnell der Logik eines Alptraums gehorchen und die Terry Gilliam präsentiert, als handele es sich um eine sommerlich leichte, absurde Komödie, die sich nicht sonderlich um Logik und Wahrscheinlichkeit kümmert. Schon während des Feuers reitet Don Quixote los. Im Schlepptau hat er seinen Sancho Panza. Der ist in der Realität ein verzweifelter Werberegisseur, der ein idealistischer Filmstudent war. In dem Moment sind wir schon, ohne es zu Wissen, im Kopf des Künstlers. Dass Gilliams einen Weg in den Wahnsinn zeigt, fällt bei all den Witzen und absurden Episoden lange nicht auf.

Das ist als Spiel mit vielen Ebenen und filmischen und außerfilmischen Bezügen, die mal mehr, mal weniger offensichtlich sind, anfangs sehr vergnüglich. Aber dieses Spiel wird zunehmend redundant. Auch weil eine das kreative Chaos bändigende Struktur fehlt. Und die lange Entstehungsgeschichte mit ihren unzähligen Überarbeitungen wirkt sich nachteilig aus. Denn Gilliam wollte wirklich alles in den Film, den er seit fast dreißig Jahren machen wollte, hineinstopfen und niemand hinderte ihn daran. Am Ende dauert das überbordende Werk über zwei Stunden, die sich sogar noch länger anfühlen.

The Man who killed Don Quixote (The Man who killed Don Quixote, Spanien/Frankreich/Belgien/Portugal 2018)

Regie: Terry Gilliam

Drehbuch: Terry Gilliam, Tony Grisoni

mit Adam Driver, Jonathan Pryce, Stellan Skarsgård, Olga Kurylenko, Joana Ribeiro, Oscar Jaenada, Jason Watkins, Sergi López, Rossy de Palma, Hovik Keuchkerian, Jordi Mollá

Länge: 134 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „The Man who killed Don Quixote“

Metacritic über „The Man who killed Don Quixote“

Rotten Tomatoes über „The Man who killed Don Quixote“

Wikipedia über „The Man who killed Don Quixote“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Terry Gilliams „The Zero Theorem – Das Leben passiert jedem“ (The Zero Theorem, Großbritannien/Rumänien 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: „Borg/McEnroe“ duellieren sich in Wimbledon

Oktober 20, 2017

Mein Desinteresse am Tennisinteresse begann erst später, aber Björn Borg und John McEnroe waren auch für Nicht-Sportfans Tennisstars, an denen man nicht vorbeikam. Schließlich kämpften sie um den ersten Platz auf der Weltrangliste. Und John McEnroes Wutanfällen auf dem Platz waren schon damals legendär. In den Achtzigern berichtete die Presse immer wieder darüber. Dass beide Sportler gleich reihenweise die wichtigsten Preise abräumten interessierte in dem Moment vor allem die Sport- und Tennisfans.

Außerdem waren beide, im Gegensatz zu heutigen Sportlern, echte Charaktere, die in diesem Fall ihre unterschiedlichen Stile und Feindschaften auch in der Öffentlichkeit pflegten. Wobei das Pflegen von publikumswirksamen Feindschaften auch in anderen Sportarten, vor allem im Boxen, dazu gehört und gut für die Quoten ist. Damals waren Quoten, vor allem TV-Quoten, noch nicht so wichtig.

Erstmals trafen Björn Borg und John McEnroe 1980 in Wimbledon aufeinander. Borg war damals ein großer Star. Ein vierfacher Wimbledon-Gewinner, der mit einem fünften Sieg Tennisgeschichte schreiben könnte. Er ist ein ruhiger, überlegter Spieler. Ein Eisberg, der keine Gefühle zeigt.

Früher war er im Training unbeherrscht wie John McEnroe und wie ihm sein Trainer Lennart Bergelin diese Unbeherrschtheit austreibt, geschieht in Janus Metz‘ Film „Borg/McEnroe“ mit einer Gardinenpredigt Bergelins etwas zu schnell. Hier hätte Metz Borg ein, zwei Szenen mehr gönnen können. Schließlich zeichnet er Borgs Aufstieg an die Weltspitze und sein Privatleben detailverliebt und, wie man hört, auch sehr faktengetreu nach.

Borg pflegt während des 1980er Wimbledon-Turniers auch seine Marotten: er besteht auf dem immergleichen Auto und Hotelzimmer. In der bis zum Waschlappen immergleichen Ausstattung. Jeden Abend prüft er in einer langwierigen Prozedur mit Bergelin die Spannung seiner Schläger. Von dem ganzen Rummel um ihn herum und dass seine Mitarbeiter für ihn sein Leben von Tennisturnieren bis zur Hochzeit durchplanen, ist er genervt.

John McEnroe ist in dem Moment das junge aufstrebende Talent aus New York. Er kann sich noch unbeobachtet durch die Stadt bewegen und sein billiges Hotelzimmer mühelos in eine typische Studentenbude verwandeln. Auch auf dem Platz ist er das genaue Gegenteil von Björn Borg. McEnroe ist ein unbeherrschter Choleriker, der alles und jeden beleidigt. Der Zwanzigjährige ist kein beliebter, aber ein sehr guter Tennisspieler, der jetzt den vierundzwanzigjährigen Björn Borg besiegen will.

Diese beiden unterschiedlichen Charaktere und die klare Struktur des Wettkampfs bieten das erzählerische Gerüst für „Borg/McEnroe“, das allein schon spannend genug ist. Das Zeitkolorit (die Kleider, die Frisuren, das Design, die Autos) erledigt den Rest. Hier liefert der Däne Janus Metz, der bislang vor allem als Dokumentarfilmer arbeitete, alles, was man erwartet. Über Björn Borg und seine Lehrjahre erfährt man auch einiges. Im Gegensatz zu John McEnroe halfen er und seine Familie den Filmemachern mit Hintergrundinformationen.

Dagegen erfährt man im Film wenig bis nichts über John McEnroes Weg nach Wimbledon.

Auch über das Spiel, die Spielregeln und das spezifische Denken eines Tennisspielers erfährt man fast nichts.

Das gelang Ron Howard in seinem fantastischen Formel-1-Thriller „Rush“ (über Niki Lauda und James Hunt) und Edward Zwick in seinem ebenso fantastischem Schach-Thriller „Bauernopfer – Spiel der Könige“ (über Bobby Fisher und Boris Spassky) besser.

In „Borg/McEnroe“ geht es mehr um die Herausforderungen des Ruhms, den unbedingten Willen zu Siegen und unterschiedliche Wege, ans Ziel zu kommen. Insofern unterscheiden sich Björn Borg und John McEnroe kaum von Niki Lauda und James Hunt, der den Ruhm als Formel-1-Fahrer genießt.

Insgesamt ist „Borg/McEnroe“ auch für Nicht-Tennsfans ein mitreisender Sportfilm und ein Retro-Fest.

Am 23. November startet mit „Battle of the Sexes“ ein weiterer Tennisfilm in unseren Kinos. Dann geht es um das Aufeinandertreffen von Bobby Riggs und Billie Jean King 1973. Er behauptet, dass Männer auf dem Tennisplatz besser als Frauen sind und er jede Frau mühelos besiegen könne. Die erfolgreiche Spielerin King (u. a. zwanzig Titel in Wimbledon und mehrere Grand-Slams) nahm die Herausforderung an. In dem ebenfalls sehenswertem Film geht es dann auch um „Sex“.

Borg/McEnroe (Borg/McEnroe, Dänemark/Finnland/Schweden 2017)

Regie: Janus Metz

Drehbuch: Ronnie Sandahl

mit Sverrir Gudnason, Shia LaBeouf, Stellan Skarsgård, Tuva Novotny, Ian Blackman, Robert Emms, Scott Arthur

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Borg/McEnroe“

Metacritic über „Borg/McEnroe“

Rotten Tomatoes über „Borg/McEnroe“

Wikipedia über „Borg/McEnroe“ (deutsch, englisch) und das Wimbledon-Tennisspiel (deutsch, englisch – Achtung, der Artikel spoilt das Ende des Films!)

Die TIFF-Pressekonferenz


Neu im Kino/Filmkritik: Über Volker Schlöndorffs „Rückkehr nach Montauk“

Mai 12, 2017

 

Schriftsteller Max Zorn (Stellan Skarsgård) besucht für einige Tage New York, um dort seinen neuen, autobiographisch beeinflussten Romans vorzustellen. Dabei erinnert er sich an Rebecca. Mit der Ostdeutschen verbrachte er vor gut zwanzig Jahren in New York glückliche Tage, ehe er sie verließ. Jetzt fragt er sich, ob er sich damals richtig entschieden hat oder ob sie die Liebe seines Lebens war.

Inzwischen arbeitet sie, wie er herausfindet, erfolgreich als Anwältin und sie lebt noch immer in New York.

Er versucht sie zu treffen. Aber sie (Nina Hoss) verhält sich ziemlich zickig, ist reserviert und will zuerst nichts von Max wissen. Trotzdem nimmt sie ihn mit nach Montauk, dem kleinen Dorf an der äußersten Spitze von Long Island mit dem bekannten Leuchtturm

Sie will sich dort ein Haus ansehen, das sie vielleicht kaufen möchte. Schnell erinnern sie sich während des Wochenendes an ihre gemeinsamen Tage in Montauk, während wir uns fragen, warum die beiden sich jemals ineinander verliebt haben und warum Rebecca, die ihr Leben im Sekundentakt durchgetaktet hat, so zickig und grundsätzlich genervt ist. Wobei Max in seinem egozentrischen Künstlergestus auch nicht der Traummann des Jahrhunderts ist. Er verarbeitet ohne Gewissensbisse sein Leben und das seiner Frauen zu Literatur. Dabei übersieht er die Dinge des normalen Lebens und die Probleme und Gefühle seiner aktuellen Freundin.

Literarisch versierte Geister kennen Montauk nicht nur als die Stadt mit dem Leuchtturm, sondern auch und vor allem von Max Frischs autobiographischem Roman „Montauk“, der Volker Schlöndorffs zu seinem neuen Film „Rückkehr nach Montauk“ inspirierte. 1991 verfilmte er Max Frischs Roman „Homo Faber“ und er war mit dem schweizer Autor befreundet. Seinen neuen Film widmete er ihm und es gibt in dem Film zahlreiche Anspielungen auf den Roman, der eine ähnliche Geschichte erzählt. Dabei hielten Schlöndorff und Frisch den Roman für unverfilmbar, weil er zu autobiographisch und zu essayistisch sei. Später fragte Schlöndorff sich, wie es wäre, wenn man nur die Grundkonstellation übernähme. Ausgehend von dieser Idee feilte er über mehrere Jahre mit Colm Tóibín („Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten“) am Drehbuch, das dann immer persönlicher wurde. Für ihn und Tóibín. Schlöndorff nennt das endgültige Drehbuch „fast eine Art Doppelporträt von Colm und mir“.

Das führt dazu, dass in jeder Sekunde die persönliche Betroffenheit Schlöndorffs erkennbar ist. Es ist, im Gegensatz zu seiner Max-Frisch-Verfilmung „Homo Faber“, bei der ich mich während des gesamten Films fragte, warum Schlöndorff so viel Zeit und Energie in das Porträt eines langweiligen Mannes steckte, immer spürbar, warum er sich für diese Geschichte und die damit zusammenhängenden Themen und Fragen interessierte. Und ich meine das nicht auf der platten Das-ist-mir-genauso-passiert-Ebene in der der Schriftsteller Zorn eine Kopie von Regisseur Schlöndorff ist und Rebecca eine sofort und eindeutig erkennbare Frau aus Schlöndorffs Leben ist. Rebecca muss noch nicht einmal ein direktes Vorbild im realen Leben haben, um Schlöndorffs Betroffenheit von der Filmgeschichte zu zeigen. Er hätte das auch nicht in zahlreichen Interviews betonen müssen.

Schlöndorff (und Tóibín und Frisch) beschäftigen sich hier mit Themen und Fragen, die sie interessieren und die dann mehr an einen Tagebucheintrag als an einen herkömmlichen Film erinnern. Auch weil „Rückkehr nach Montauk“ nur einige Tage aus dem Leben des Schriftstellers Max Zorn erzählt. Es ist eine Episode, die keinen richtigen Anfang und auch kein Ende hat. Außer man sieht Ankunft und Abreise in New York als Anfang und Ende der Geschichte, in der Zorn zwar einer alten Liebe wieder begegnet, die Begegnung aber keinen unmittelbaren Einfluss auf sein Leben hat. Er wird sie höchstens als kaum verhüllten Rohstoff für seinen nächsten Roman nehmen.

Rückkehr nach Montauk“ blickt als Charakterstudie in die Seele eines Mannes, der Frauen nur als Objekte für seine Arbeit sieht. Das ist durchaus interessant, aber, um auf „Homo Faber“ zurückzukommen, fragte ich mich hier nie, warum Schlöndorff diesen Film drehte, sondern wem ich ihn empfehlen könnte.

Rückkehr nach Montauk (Deutschland 2017)

Regie: Volker Schlöndorff

Drehbuch: Colm Tóibín, Volker Schlöndorff

mit Stellan Skarsgård, Nina Hoss, Susanne Wolff, Isi Laborde, Bronagh Gallagher, Mathias Sanders, Malcolm Adams, Niels Arestrup

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Rückkehr nach Montauk“

Moviepilot über „Rückkehr nach Montauk“

Rotten Tomatoes über „Rücckehr nach Montauk“

Wikipedia über „Rückkehr nach Montauk“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Rückkehr nach Montauk“

„Die Zeit“ unterhält sich mit Volker Schlöndorff über den Film

Homepage von Volker Schlöndorff (derzeit etwas veraltet)


Neu im Kino/Filmkritik: Über die gelungene John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“

Juli 8, 2016

Ein Bestsellerautor, ein unantastbarer Säulenheiliger und Doyen des Spionageromans ist John le Carré schon seit Jahrzehnten, aber bis vor einigen Jahren war die Zahl der Verfilmungen seiner Agententhriller überschaubar. Bis zur Jahrtausendwende gab es für das Kino eigentlich nur „Der Spion, der aus der Kälte kam“ und „Das Russland-Haus“. In den letzten fünfzehn Jahren, vor allem in den letzten fünf Jahren, gab es dann mehrere le-Carré-Verfilmungen, die alle gelungen waren: „Der Schneider von Panama“, „Der ewige Gärtner“, „Dame, König, As, Spion“, „A most wanted man“, „The Night Gardener“ (für das Fernsehen) und jetzt „Verräter wie wir“, inszeniert von Susanna White („Eine zauberhafte Nanny“,„Parade’s End“), nach einem Drehbuch von Hossein Amini („Drive“, „Die zwei Gesichter des Januars“ [auch Regie]), der sich anstandslos in die Reihe der gelungenen le-Carré-Verfilmungen einreiht.

In Marrakesch lernt Perry (Ewan McGregor), ein harmloser Oxford-Dozent für Poesie, Dima (Stellan Skarsgård), einen russischen Lebemann mit riesigem Hofstaat, kennen. Dima mag den Engländer und seine Frau Gail (Naomie Harris), einer Anwältin, die beide erkennbar aus einer vollkommen anderen Welt stammen. Er spielt mit Perry Tennis, lädt ihn zu einer Party ein und bittet ihn um einen Gefallen. Denn Dima ist auch Geldwäscher für die russische Mafia. Er befürchtet, dass er demnächst im Auftrag des Kopfs der Vory umgebracht werden soll. Der britische Geheimdienst soll ihn und seine Familie beschützen. Deshalb möchte er, dass Perry dem englischem Geheimdienst einen USB-Stick mit Daten über von ihm getätigte Transaktionen, die auch britische Banken und Politiker belasten, übergibt.

Perry ist einverstanden. Es ist ja nur ein kleiner Gefallen für den potentiellen Überläufer und er tut doch offensichtlich ein gutes Werk. Aber es ist auch der erste Schritt, der ihn in die Welt der Geheimdienste führt.

Hossein Amini folgt zwar mit wenigen Abweichungen John le Carrés Geschichte, aber während le Carré die Geschichte bis weit über die Hälfte des Romans mit einer enervierenden Langsamkeit erzählt, hat Amini hier all die Fehler der Vorlage beseitigt. Die uninteressanten Stellen kürzte er ordentlich. Die Plot Points verschieben sich an die richtigen Stellen. Die Spannungskurve steigt stärker. Die wirkliche Geschichte, die ja erst beginnt, als Perry dem MI6-Agenten Hector Meredith (Damian Lewis) den USB-Stick übergibt, entwickelt sich schneller. Perry und seine Frau Gail geraten mit ihren Entscheidungen, die als einzelne Entscheidung ohne große Folgen, vernünftig und harmlos sind (Warum soll man nicht die Einladung zu einer Party annehmen? Warum soll man nicht dem Geheimdienst einen USB-Stick geben und so einer Urlaubsbekanntschaft helfen?), schnell in die von Misstrauen und Verrat geprägte Welt der Geheimdienste und des Großverbrechens, in der ein Menschenleben nicht mehr zählt als ein Bauer in einem Schachspiel. Dabei ist fraglich, ob Perry überhaupt so wichtig wie ein Bauer ist oder ob Dima der Bauer ist.

Kameramann Anthony Dod Mantle („28 Days Later“, „Slumdog Millionär“, „Rush – Alles für den Sieg“) inszeniert diese Welt als eine elegante Welt der Schatten und Spiegelungen, was der Geschichte eine latente Atmosphäre der Ungewissheit verleiht. Auch wenn wir Zuschauer genauer als Perry wissen, in welche Richtung sich die Geschichte bewegen wird.

Verräter wie wir“ lebt nämlich nicht von der pulstreibenden Spannung eines Action-Thrillers mit überraschenden Wendungen, sondern von der mahlstromartigen Spannung einer sich fatal entwickelnden Geschichte, aus der es für die Protagonisten kein Entkommen gibt.

Eines der Themen von le Carrés Arbeit ist, dass Großbritannien als Weltmacht zwar beinahe alles verloren hat, aber immer noch die klassischen britischen Werte hat, die aus einer Zeit stammen, als Großbritannien an der Spitze der Welt stand und eine moralische Verpflichtung hatte. Während die Macht langsam verschwand, hat sich die dazugehörige Moral eher in eine Art Kompromiss verwandelt. John le Carré ist sehr interessiert an dem Einfluss, den der Abstieg der britischen Macht auf das moralische System hat. Das ist der Kern unseres Films. Es gibt jene, die es riskieren, die russische Autoritäten zu verärgern, um Dima zur Flucht zu verhelfen, und es gibt jene, die sich dem entgegen stellen und möglicherweise mit den Russen zusammenarbeiten, all das innerhalb des britischen Systems.“ (Hossein Amini)

Verräter wie wir - Plakat

Verräter wie wir (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Regie: Susanna White

Drehbuch: Hossein Amini

LV: John le Carré: Our Kind of Traitor, 2010 (Verräter wie wir)

mit Ewan McGregor, Stellan Skarsgård, Damian Lewis, Naomie Harris, Jeremy Northam, Khalid Abdallah, Mark Gatiss, Saskia Reeves, Alicia von Rittberg, John le Carré (sein Genehmigungs-Cameo)

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage, jetzt mit Filmcover

le Carre - Verräter wie wir - Movie-Tie-In 4

John le Carré: Verräter wie wir

(übersetzt von Sabine Roth)

Ullstein, 2016 (für die Filmausgabe)

416 Seiten

9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Ullstein, 2010

Originalausgabe

Our Kind of Traitor

Viking, London, 2010

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Verräter wie wir“

Metacritic über „Verräter wie wir“

Rotten Tomatoes über „Verräter wie wir“

Wikipedia über „Verräter wie wir“ (englisch)

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

John le Carré in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Susanne Biers „Serena“ (Serena, USA/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Susanne Biers „Zweite Chance“ (Un chance til, Dänemark 2014)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der ganzen Serie


Neu im Kino/Filmkritik: Colin Firth trifft Nicole Kidman, „Die Liebe seines Lebens“

Juni 28, 2015

Natürlich ist ein Film mit Colin Firth und Nicole Kidman nicht ganz schlecht und natürlich ist die Lebensgeschichte von Eric Lomax (1919 – 2012), die mit den beiden Stars verfilmt wurde, durchaus beeindruckend. In England, nachdem Lomax vor zwanzig Jahren seine Autobiographie veröffentlichte und zu einer Berühmtheit wurde, ist sie auch allgemein bekannt. Lomax war im Zweiten Weltkrieg in Asien Kriegsgefangener und, nachdem er seine Frau kennen lernte, begann er sich Jahrzehnte später seinen Kriegserlebnissen zu stellen. Und dennoch wirkt „Die Liebe seines Lebens“, was auch ein einigen Freiheiten liegt, die die Macher sich im dritten Akt nahmen, wie ein psychologisch nicht stimmig ausgedachtes Gedankenkonstrukt.
Das beginnt schon mit der ersten Begegnung des späteren Paares. Während einer Bahnfahrt lernt Patti (Nicole Kidman als das schönste Mauerblümchen Englands, über deren Vergangenheit wir absolut nichts erfahren) 1980 Eric Lomax (Colin Firth) kennen. Er ist ein sympathischer Zausel, der die Fahrpläne in- und auswendig kennt, weshalb er ihr gleich einige Tipps für Zugverbindungen und Sehenswürdigkeiten geben kann. Sie verlieben sich, sie heiraten und Patti entdeckt, dass Eric doch keine so gute Partie ist. Er hat einen Ordnungsfimmel. Sie darf bei ihm wohnen, aber sie darf – was ihr vorher überhaupt nicht aufgefallen ist – nichts verändern. Er hat, weil er seine Rechnungen nicht bezahlt, finanzielle Probleme und er hat – auch das bemerkt sie erst in der Hochzeitsnacht – Alpträume, über die er nicht reden will.
Nur langsam erfährt Patti, dass ihr Mann immer noch von einen Kriegserlebnissen verfolgt wird. Er (in den Rückblenden von Jeremy Irvine gespielt) geriet 1942 mit seinen Kameraden nach dem Fall von Singapur in japanische Kriegsgefangenschaft. Dank eines mathematischen Verständnisses findet er anhand weniger Zeichen, die alle etwas mit Zügen zu tun haben, heraus, wohin sie mit dem Zug befördert werden. Sie sollen in Thailand durch unwegsames Dschungelände eine Eisenbahnstrecke bauen. Als Gefangene sind sie billiges Arbeitsmaterial. Wenn sie nicht während des Baus sterben, sterben sie durch die Folter. Lomax wird, nachdem ein von ihm im Geheimen gebautes Radio entdeckt wird, von dem japanischen Offizier und Übersetzer Takashi Nagase gefoltert.
Als Patti herasfindet, dass Nagase immer noch lebt und in Thailand in einem Museum über den Eisenbahnbau arbeitet, macht Lomax sich auf den Weg.
Die erste Begegnung zwischen Lomax und seinem damaligem Folterer gehört dann zu den unglaubwürdigsten Szenen des ganzen Films. Denn der introvertierte Lomax wird innerhalb einer Sekunde zu einem foltergeneigtem Racheengel, der Takashi Nagase töten will. Auch wenn Firth diese Szene im schönstens „Kingsman“-Stil spielt, passt sie einfach nicht zu seinem Charakter.
Jonathan Tepliztkys „Die Liebe seines Lebens“ will mit seiner Rückblendenstrutkur, gleichzeitig ein Kriegsdrama über tapfere Engländer in der Gefangenschaft im Dschungel und ein psychologischer Liebesfilm über ein mittelaltes Paar, bei dem der Ehemann seelische Probleme hat, sein. Aber keine Geschichte packt wirklich.
Dabei hätte man die Probleme wahrscheinlich mit einigen zusätzlichen Szenen und erklärenden Sätzen beheben können.
Ein anderes Problem ist der irreführende deutsche Titel von „The Railway Man“. Denn es geht weniger um die Beziehung von Eric Lomax zu seiner Frau, sondern um seine Kriegserlebnisse (die Rückblenden machen ungefähr die Hälfte des Films aus) und wie er sie verarbeitet.

Die Liebe seines Lebens - Plakat

Die Liebe seines Lebens (The Railway Man, Australien/Großbritannien 2013)
Regie: Jonathan Teplitzky
Drehbuch: Andy Paterson, Frank Cottrell Boyce
LV: Eric Lomax: The Railway Man, 1995
mit Colin Firth, Nicole Kidman, Jeremy Irvine, Stellan Skarsgård, Hiroyuki Sanada, Sam Reid, Tanroh Ishida
Länge: 108 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Die Liebe seines Lebens“
Moviepilot über „Die Liebe seines Lebens“
Metacritic über „Die Liebe seines Lebens“
Rotten Tomatoes über „Die Liebe seines Lebens“
Wikipedia über „Die Liebe seines Lebens“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Die Liebe seines Lebens“


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