TV-Tipp für den 25. Oktober: Shootout – Keine Gnade

Oktober 25, 2016

Pro7 Maxx, 22.25

Shootout – Keine Gnade (Bullet to the Head, USA 2013)

Regie: Walter Hill

Drehbuch: Alessandro Camon

LV: Alexis Nolent: Du plomb dans la tête (Graphic Novel)

Feines Alterswerk von Walter Hill, der hier, wie schon in „Nur 48 Stunden“ und „Red Heat“, letztendlich einfach noch einmal die Geschichte von zwei gegensätzlichen Charakteren erzählt, die gegen einen Verbrecher zusammen arbeiten müssen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Sylvester Stallone, Sung Kang, Sarah Shahi, Adewale Akinnouye-Agabje, Christian Slater, Jon Seda, Jason Momoa

Wiederholung: Mittwoch, 26. Oktober, 01.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Film-Zeit über „Shootout – Keine Gnade“

Metacritic über „Shootout – Keine Gnade“

Rotten Tomatoes über „Shootout – Keine Gnade“

Wikipedia über „Shootout – Keine Gnade“ (deutsch, englisch) und  Walter Hill (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Walter Hills “Straßen in Flammen” (Streets on Fire, USA 1984)

Meine Besprechung von Walter Hills “Shoutout – Keine Gnade” (Bullet to the Head, USA 2013)

Walter Hill in der Kriminalakte

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Neu im Kino/Filmkritik: „Fast & Furious 7“ – die Abschiedsvorstellung von Paul Walker

April 2, 2015

Als Paul Walker am 30. November 2013 tödlich verunglückte, gab es viele Gerüchte und Meldungen über „Fast & Furious 7“ und wie sein Tod die Dreharbeiten, die Filmgeschichte und damit auch den Film beeinflusste. Denn es waren noch nicht alle Szenen mit ihm gedreht. Seine Brüder Caleb und Cody würden und wurden als Doubles eingesetzt. Es sollte auch mit CGI gearbeitet werden. Es wurde über Veränderungen am Drehbuch gesprochen und gesagt, dass dieser Film, der sein letzter Film ist, ein würdiger Abschied von ihm sein solle. Immerhin wurde er mit der „The Fast and the Furious“-Serie zum Star.
Jetzt, wo der Film in den Kinos anläuft, kann man nachvollziehen, wie groß die nötigen Umarbeiten waren und, ohne jetzt etwas über die Handlung zu verraten, Paul Walker hat etliche beeindruckende Actionszenen, die an Spannung gewinnen, weil er dieses Mal jederzeit sterben kann.
Die Story von „Fast & Furious 7“ knüpft unmittelbar an den vorherigen Film an: Deckard Shaw (Jason Statham) will seinen schwer verletzt im Krankenhaus liegenden Bruder Owen rächen. Als großer Bruder will er sich die Männer vorknöpfen, die seinen Bruder umbringen wollten. Als ersten bringt er in Tokio Han (Sung Kang) um. Zur gleichen Zeit platziert er vor Dominic Torettos Haus eine Bombe. In letzter Sekunde können sich Dominic ‚Dom‘ Toretto (Vin Diesel), sein bester Freund Brian O’Conner (Paul Walker), Brians Frau und sein Sohn retten.
Durch ihren FBI-Freund Luke Hobbs (Dwayne Johnson), der nach einer Begegnung mit Shaw mit einigen gebrochenen Knochen im Krankenhaus liegt, erfährt Dom, wer sie jagt – und die Jagd über den halben Globus ist eröffnet.
Überraschende Hilfe erhält die Toretto-Verbrecherbande mit einem Faible für schnelle Autos, die inzwischen fast im Staatsdienst ist (naja, ihr kennt ja die vorherigen Filme), von Mr. Nobody (Kurt Russell), einem Geheimagenten der sehr geheimen Sorte. Sozusagen Nick Fury von S. H. I. E. L. D., aber ohne dessen Avengers-Superheldenteam. Deshalb bittet Mr. Nobody Dom und seine verbrecherischen Freunde um Hilfe bei bei der Jagd nach dem Computergenie Ramsey. Ramsey hat einen Supercode entwickelt, mit dem man alle Computer auf der Welt gleichzeitig ansteuern kann. Neben dem guten Mr. Nobody will auch der skrupellose Terrorist Jakande (Djimon Hounsou, der nur sein Gesicht präsentieren durfte) den Code haben.
Und viel mehr muss man über die Story nicht wissen. Denn sie ist erschreckend vernachlässigbar, absolut unlogisch und wird mit jedem Nachdenken noch abstruser. Aber James Wan erzählt dieses Best-of von Action- und Agentenfilmtopoi ziemlich flott über alle Unwahrscheinlichkeiten hinweg mit einem Blick auf das, was die Ticketkäufer wollen: eine leinwandsprengende Version von „Alarm für Cobra 11“.
Es gibt spärlich bekleidete Schönheiten, getunte Autos, atemberaubende Autostunts, Faustkämpfe, Explosionen, einige Witzeleien, viel Kameradie in der Familie Toretto und fotogene Schauplätze. Angeordnet wurden die Elemente, die den Erfolg der „Fast & Furious“-Serie ausmachen, dann in einer Comic-Manier, in der es nur auf das nächste Panel, das nächste Episödchen in einer scheinbar furchtbar komplexen Mythologie (die Toretto-Familie, ihre Beziehungen, die früheren Filme), ankommt.
Am Ende von „Fast & Furious 7“ sind dann erstaunlich wenige Menschen gestorben. Also von den Helden und den Hauptbösewichtern. Kollateralschäden gibt es dann einige. Wenn irgendwo im aserbaidschanischen Gebirge ein Militärkonvoi überfallen wird, in Abu Dhabi ein teurer Flitzer von einem Hochhaus zum nächsten fliegen darf und in Los Angeles die halbe Innenstadt zerstört wird, dann sterben etliche größtenteils gesichtslose Bösewichter und es gehen etliche Autos zu Bruch, während auch nach den längsten Faustkämpfen Dominics weißes Langarm-Shirt immer noch blütenweiß ist und Hobbs‘ überdimensionale Muskeln auch nach einem Krankenhausaufenthalt jungfräulich glänzen.
Allerdings ist die Action unglaublich konfus geschnitten. Damit steht Horrorfilm-Regisseur James Wan in der neuen Actionfilm-Tradition, in der die Abläufe der Kämpfe und Stunts kaum noch erahnbar sind. Viel zu oft wird geschnitten. Die Kamera ist zu nah. Wan wählt auch oft so ungewöhnliche Perspektiven, dass die Orientierung schwerfällt, sie aber wie Comic-Panels aussehen. Er setzt die Zeitlupe immer wieder falsch ein und immer wieder, zum Beispiel bei den zahlreichen Explosionen, verschenkt er potentielle Schauwerte. Sowieso hinterlässt kein Action-Set-Pieces bleibenden Eindruck und die besten Momente sind, wie das Umsteigen von einem Auto zum anderen Auto bei voller Fahrt und die legendär-unmöglichen Sprüngen, fast immer Reminiszensen an frühere „Fast & Furious“-Filme. Am Ende des über zweistündigen Comic-Films ist man geschüttelt, aber nicht gerührt.

Fast and Furious 7 - Plakat

Fast & Furious 7 (Furious 7, USA 2015)
Regie: James Wan
Drehbuch: Chris Morgan
mit Vin Diesel, Paul Walker, Dwayne Johnson, Michelle Rodriguez, Djimon Hounsou, Kurt Russell, Jason Statham, Jordana Brewster, Tyrese Gibson, Ludacris, Kurt Russell, Nathalie Emmanuel, Elsa Pataky, Gal Gadot, John Brotherton, Lucas Black, Luke Evans, Sung Kang, Ronda Rousey
Länge: 137 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Fast & Furios 7“
Moviepilot über „Fast & Furios 7“
Metacritic über „Fast & Furios 7“
Rotten Tomatoes über „Fast & Furios 7“
Wikipedia über „Fast & Furious 7“ (deutsch, englisch) – Achtung: Das Ende wird verraten!

Meine Besprechung von Justin Lins „Fast & Furious Five“ (Fast Five, USA 2011)

Meine Besprechung von Justin Lins „Fast & Furios 6“ (Furios Six; Fast & Furious Six, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „The Conjuring“ (The Conjuring, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „Insidious: Chapter 2 (Insidious: Chapter 2, USA 2013)

Kurz nachgesehen: zwei Teile aus der legendären Safe-Szene aus „Fast & Furious Five“, die auch eine gute Action-Szene ist:

 


Neu im Kino/Filmkritik: Die Motoren röhren immer noch in „Fast & Furious 6“

Mai 23, 2013

Schon vor dem offiziellen Kinostart jubelt Universal Pictures. Am Pfingstmontag, dem ersten Previewtag von „Fast & Furious 6“, sahen 230.000 Menschen den Film und für das „Fast & Furious“-Franchise und Universal Pictures bedeutet das: „Bester Starttag des Franchise“, „Bestes Tagesergebnis des Franchise“, „Bestes Previewergebnis an einem Tag in 2013“, „Bester Starttag in 2013“ (und dabei ist der Film noch gar nicht gestartet) und „Umsatzstärkster Universal-Starttag aller Zeiten“.

Aber Zahlen sagen nichts über die Qualität eines Films aus. Sie verraten höchstens einiges über die Erwartungen. Immerhin war „Fast & Furious Five“ der bislang beste Teil der Serie, der als Heist-Movie auch eine vollkommen neue Richtung einschlug. Nämlich weg von den Straßenrennfilmen mit Krimibeigabe hin zu einem Action-Thriller, mit einem Pflicht-Straßenrennen und viel grandioser Action, deren Höhepunkt der Diebstahl eines Safes war.

Am Ende des Films konnten Dominic Toretto (Vin Diesel) und seine Gang sich mit einer Millionenbeute zur Ruhe setzten.

Fast & Furios 6“ beginnt wenige Monate später: Doms Freund Brian O’Conner (Paul Walker), der ihn im ersten „The Fast & The Furious“-Film als Polizist verfolgte, ist inzwischen glücklicher Vater. Die anderen genießen das sorglose Luxusleben und Dom erhält Besuch von Luke Hobbs (Dwayne Johnson). Der Polizist verfolgt über die halbe Welt eine von Owen Shaw (Luke Evans) angeführte skrupellose Gangsterbande, die die Teile für eine Superwaffe zusammenklaut. Zu der Bande gehört auch Letty Ortiz (Michelle Rodriguez), Doms große Liebe, die eigentlich tot sein sollte.

Dom beschließt die Familie wieder zusammen zu führen. Dafür ruft er die alte Gang wieder zusammen und es geht, mit Hobbs‘ Zusicherung, dass, wenn sie erfolgreich sind, ihr Strafregister gereinigt wird, nach London, wo Shaws nächster Coup stattfinden soll.

Nach dem grandiosen „Fast & Furious Five“ ist „Fast & Furious 6“ eine leichte Enttäuschung, weil die Geschichte der Familienzusammenführung sich zwischen vorhersehbaren Witzen, fast schon normaler Ermittlerarbeit bei der Suche nach dem Versteck des Bösewichts und dem Ort seines nächsten Coups und ziemlich grandiosen Actionszenen eher schleppend entwickelt. So sind die Macher einerseits stolz darauf, die meisten Action-Szenen fast vollständig „real“ gedreht zu haben, andererseits werden sie oft so zerschnitten, dass sie kaum nachvollziehbar sind. Außerdem spielen sie ziemlich oft Nachts. So ist von der ersten Begegnung der beiden Gangs, einer langen und ziemlich spektakulären Autoverfolgungsjagd durch London, kaum etwas zu sehen. Auch der Höhepunkt, wenn Doms Gang ein Flugzeug am Starten hindern will, spielt mitten in der Nacht. Immerhin verfolgen sie den Panzer, in dem die Bösewichter mit einem wichtigen Teil entkommen wollen, tagsüber und gerade in dem Moment, als ich mich fragte, ob denn keine Menschen in den Autos sitzen, die von dem Panzer auf der Autobahn zerquetscht werden, lässt Regisseur Justin Lin viele Menschen panisch aus ihren Autos flüchten. Dennoch ist gerade diese Szene so gaga und vom Set-Up so unlogisch, dass sie kaum noch Spaß macht.

Die von Chris Morgan erfundene Geschichte, der auch für die vorherigen „Fast & Furious“-Filme die Bücher schrieb, koppelt den Kampf zwischen Dom und Shaw, ziemlich plakativ, zurück an widerstreitende Prinzipien von heimeliger Familie (vulgo Emotion) und eiskaltem Zweck-Egoismus (vulgo Rationalität). Denn Shaw hat, wie es sich für einen richtigen Bösewicht gehört, ein rein instrumentelles Verhältnis zu seinen Leuten und der ehemalige SAS-Soldat ordnet alles dem Erfolg der Mission unter. Dummerweise ist diese hier nur ein austauschbarer MacGuffin, der als Entschuldigung für Action dient. Und Dom will ja auch vor allem Letty wieder zurück in die Familie holen.

Der sechste Teil der Serie liefert letztendlich ziemlich genau das, was man von einem „Fast & Furious“-Film, die nie mit tiefsinnigen Geschichte beeindruckten, erwartet: eher altmodische Action, vor allem mit hochgetunten Autos, Faustkämpfe, knapp bekleidete Frauen, Männerfreundschaft, Testeron, einige Witze – und inzwischen auch einige sehr schlagkräftige Frauen.

Am Ende, wenn unsere Helden dann ihr Feierabendbier genießen, gibt es einen Hinweis auf den Gegner des siebten „Fast & Furious“-Films, der schon in Arbeit ist, und das Thema des Films (nämlich Rache). Das könnte wieder spannender als die Familienzusammenführung werden.

Fast and Furious Six - Plakat

Fast & Furious 6 (Fast & Furious 6, USA 2013)

Regie: Justin Lin

Drehbuch: Chris Morgan

mit Vin Diesel, Dwayne Johnson, Paul Walker, Luke Evans, Tyrese Gibson, Chris ‚Ludacris‘ Bridges, Michelle Rodriguez, Sung Kang, Gina Carano, Gal Gadot, Jordana Brewster, John Ortiz

Länge: 130 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

Film-Zeit über „Fast & Furious 6“

Metacritic über „Fast & Furious 6“

Rotten Tomatoes über „Fast & Furious 6“

Wikipedia über „Fast & Furious 6“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Fast & Furious Five“ (Fast Five, USA 2011)


Neu im Kino/Filmkritik: Walter Hill meldet sich mit „Shootout – Keine Gnade“ zurück

März 8, 2013

Schon die ersten Minuten, mit den nächtlichen Bildern von New Orleans, den satten, nach Ry Cooder klingenden Gitarren (und dabei ist die Musik von Steve Mazzaro) und dem eingeblendeten Schriftzug „Regie: Walter Hill“, zeigen, wohin die Reise geht: in die Vergangenheit, als Walter Hill – soviel Geschichte muss sein – mit Genrefilmen wie „Driver“ (The Driver, USA 1978), „Die Warriors“ (The Warriors, USA 1979), „Die letzten Amerikaner“ (Southern Comfort, USA 1981), „Nur 48 Stunden“ (48 Hrs., USA 1982), „Straßen in Flammen“ (Streets of Fire, USA 1984), „Ausgelöscht“ (Extreme Prejudice, USA 1987), „Red Heat“ (Red Heat, USA 1988), dem ebenfalls in New Orleans spielenden Noir „Johnny Handsome“ (Johnny Handsome, USA 1989) und „Last Man Standing“ (Last Man Standing, USA 1996) das Action-Genre bestimmte. Sein letzter Spielfilm „Undisputed – Sieg ohne Ruhm“ (Undisputed, USA 2002) liegt schon über zehn Jahre zurück und erlebte hier nur eine DVD-Premiere.

Mit „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ (Alien, GB/USA 1979), den er mitproduzierte, und, auch wenn sein Anteil am Film teilweise kleiner als der Credit waren, den Drehbüchern für Sam Peckinpahs Jim-Thompson-Verfilmung „Getaway“ (The Getaway, USA 1972), John Hustons Desmond-Bagley-Verfilmung „Der Mackintosh-Mann“ (The Mackintosh Man, USA 1973) und Stuart Rosenbergs Ross-Macdonald-Verfilmung „Unter Wasser stirbt man nicht“ (The drowning Pool, USA 1975) hinterließ er weitere Spuren im Genrekino.

In den letzten Jahren war er, im TV, in die Western-Serie „Deadwood“ involviert und drehte den dreistündigen, unter anderem für 16 Emmys nominierten TV-Western „Broken Trail“.

Jetzt kehrt der 71-jährige wieder ins Kino zurück mit einem Action-Thriller, der nahtlos an seine Buddy-Filme aus den Achtzigern anknüpft: In New Orleans verschont der Profikiller Jimmy Bobo (Sylvester Stallone) bei einem Auftrag eine zufällig anwesende Zeugin. Kurz darauf wird sein Partner ermordet und aus Washington fliegt der junge Detective Taylor Kwong (Sung Kang) nach New Orleans. Denn Bobos Opfer war ein Ex-Polizist und Partner von Kwong. Der alte Killer und der junge, sehr gesetzestreue Polizist schließen eine Zweckallianz, weil sie herausfinden wollen, wer den Mord beauftragte. Dabei stoßen sie auf den skrupellosen Immobilienhai Nkomo Morel (Adewale Akinnuoye-Agbaje), dessen schmierigen Adlatus Marcus Baptiste (Christian Slater) und den von ihm beauftragten rücksichtslosen Auftragkiller Keegan (Jason Momoa), der Bobo und Kwong umbringen soll.

Diese überschaubare Geschichte erzählt Walter Hill in seinem gewohnt ökonomischen Stil, in dem die einzelnen Szenen die Geschichte bis zum finalen Aufeinandertreffen der Gegner vorantreiben, die Charaktere sich aus ihren aktuellen Taten und nicht aus episch langen Erzählungen über ihr bisheriges Leben erschließen und er noch einmal seine bekannten Themen und Obsessionen präsentiert.

Das ist nichts neues, sondern eine Wiederbelebung der von ihm vor allem in den Achtzigern gedrehten Action-Filme. In den Neunzigern wandte er sich, auch wenn er alle seine Filme letztendlich als Quasi-Western sieht, dem Western zu. Natürlich knüpft Walter Hill auch in seinem neuesten Film an das klassische Hollywoodgenrekino und alte Erzähltugenden an, die vor ihm schon Regisseure wie John Ford, Howard Hawks, Raoul Walsh, Anthony Mann, Don Siegel und Sam Peckinpah hoch hielten.

Mit dem aktuellen Action-Kino hat das nichts zu tun. Wie Don Siegel in dem Spätwestern „Der letzte Scharfschütze“ (The Shootist, USA 1976), dem letzten Spielfilm von John Wayne, fasst er einfach noch einmal die Genretopoi zusammen, untersucht sie und bestätigt sie. Und wie Don Siegel in seinem Film alte Aufnahmen von John Wayne verwandte, verwendet Walter Hill in „Shootout – Keine Gnade“ bei den Polizeifotos alte Bilder von Sylvester Stallone.

Shootout – Keine Gnade“ ist in jedem Fall ein gelungenes Alterswerk, das den Bogen zu seinem Debütfilm schlägt. Denn der Schlusskampf des komplett in und um New Orleans gefilmten Films ist in dem leerstehenden Kraftwerk an der Market Street, in dem Hill auch Szenen für „Ein stahlharter Mann“ (Hard Times, USA 1975), einem während der Wirtschaftskrise spielendem Boxerdrama mit Charles Bronson, drehte.

Shootout - Plakat

Shootout – Keine Gnade (Bullet to the Head, USA 2013)

Regie: Walter Hill

Drehbuch: Alessandro Camon

LV: Alexis Nolent: Du plomb dans la tête (Graphic Novel)

mit Sylvester Stallone, Sung Kang, Sarah Shahi, Adewale Akinnouye-Agabje, Christian Slater, Jon Seda, Jason Momoa

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Film-Zeit über „Shootout – Keine Gnade“

Metacritic über „Shootout – Keine Gnade“

Rotten Tomatoes über „Shootout – Keine Gnade“

Wikipedia über „Shootout – Keine Gnade“ (deutsch, englisch)

Walter Hill in der Kriminalakte

Buchtipp

Ritzer - Walter Hill

Ein amerikanischer Filmemacher, ein amerikanischer Künstler. Walter Hill zählt zu den zentralen Protagonisten im US-Genre-, aber auch Autoren-Kino, seit nunmehr über dreißig Jahren. Heute finden seine Filme zwar noch immer regelmäßig Eingang in Kinos, Videotheken oder TV, gelten oft aber als anachronistisch. Dabei gehörte Hill noch in den 1980er Jahren nicht nur zu den kommerziell erfolgreichsten, sondern auch zu den von der intellektuellen Filmkritik am enthusiastischsten gewürdigten Regisseuren: als ‚einzigartiger Stilist und großer Erzähler‘. Umso erstaunlicher mutet es an, dass über die Jahre hinweg weder im englischen respektive amerikanischen Sprachraum eine umfassende Werkanalyse seiner Filme entstanden ist“, schreibt Ivo Ritzer am Anfang von „Walter Hill – Welt in Flammen“, seiner umfassenden Studie über Walter Hill, die diese Lücke schließt. Auf knapp dreihundert Seiten (wobei die kleine Schrift über die Länge der Arbeit täuscht) analysiert er jeden von Hills Filmen, seinen Stil und verortet sein Werk zwischen Autoren- und Genre-Kino.

Ein feines Buch und eine gute Ergänzung zu seinem neuesten Film „Shootout – Keine Gnade“.

Ivo Ritzer: Walter Hill – Welt in Flammen (Deep Focus 2)

Bertz + Fischer, 2009

288 Seiten

25 Euro

Hinweise

Seite von Ivo Ritzer

Meine Besprechung von Ivo Ritzers „Fernsehen wider die Tabus“ (2011)


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