TV-Tipp für den 28. Januar: Tarzan – Dem Affenmenschen auf der Spur

April 28, 2017

Arte, 21.45

Tarzan – Dem Affenmenschen auf der Spur (Frankreich 2016)

Regie: Robert de Young, Eric Ellena

Drehbuch: Robert de Young, Eric Ellena

Fünfzigminütige Doku über Tarzan, der als Romanfigur von Edgar Rice Burroughs seinen ersten Auftritt hatte und seitdem, in verschiedenen Medien, mehrmals dem Zeitgeist angepasst wurde.

Hinweis

Arte über die Doku (Mediathek)

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Neu im Kino/Filmkritik: Die „Legend of Tarzan“ kehrt zurück

Juli 28, 2016

Tarzan, der Herrscher des Urwalds ist zurück – und „Legend of Tarzan“ ist viel besser als der letzte Tarzan-Film „Tarzan 3D“, bei dem nur die computergenerierten Bilder als Leistungsschau der Hersteller überzeugten. Manchmal.

Davor gab es in den letzten Jahrzehnten einige Tarzan-Filme, die sich – auch wenn „Greystoke – Die Legende von Tarzan“ (Großbritannien 1984, von Hugh Hudson) und „Tarzan – Herr des Urwalds“ (USA 1981, von John Derek mit Bo Derek als sexy Dame in ständig feuchter Bekleidung) die Grenzen zwischen Kunst und Trash markierten – bei weiten nicht so in das kollektive Gedächtnis einbrannten wie die legendären Tarzan-Filme mit Johnny Weissmuller.

Legend of Tarzan“, der kein naiver Abenteuerfilm sein will, wird das gleiche Schicksal des schnellen Vergessens ereilen. Daran ändert auch die lange Entwicklungsgeschichte des Films (wobei das 2006er Tarzan-Projekt von Guillermo del Toro mit diesem Film sicher nichts mehr zu tun hat) und das exorbitante Budget von offiziell 180 Millionen US-Dollar nichts.

Dieses Mal lebt Tarzan (Alexander Skarsgård) schon seit längerem unter seinem bürgerlichem Namen John Clayton III, fünfter Lord Greystoke, auf seinem Landsitz und er erledigt klaglos seine Pflichten als Lord und Hausherr. Da wird er vom Parlament gebeten, als Sonderbotschafter für Handelsfragen in den Kongo zu reisen.

Auf seiner Fahrt in seine alte Heimat begleiten ihn seine Freundin Jane (Margot Robbie), die ebenfalls alte Bekanntschaften auffrischen will, und der US-Amerikaner George Washington Williams (Samuel L. Jackson als doofer, alle Klischees bestätigender Sidekick), der Beweise für einen florierenden Sklavenhandel finden will.

In Afrika werden, kurz nach ihrer Ankunft in seinem Heimatdorf, Jane und etliche Dorfbewohner bei einem nächtlichen Überfall entführt und das Dorf verwüstet.

Verantwortlich dafür ist der Belgier Leon Rom (Christoph Waltz). Der Händler und Bösewicht des Films wollte in der Nacht eigentlich den legendären Tarzan entführen.

Lord Greystoke, der entkommen konnte, reißt sich seine Kleider vom Leib und beginnt als Tarzan Rom und seine Bande quer durch den Dschungel und die Steppe und Steinwüsten und Gewässer und Seen zu jagen, weil in Afrika alle Landschaften in Lianenentfernung sind.

Es gibt in „Legend of Tarzan“ zwischen all den CGI-Effekten (so sehen wir nur CGI-Tiere, die auch fast immer so aussehen) einige Momente, die schmerzlich zeigen, was für ein grandioser Film aus dem Stoff hätte werden können. So in Richtung Sam Peckinpahs Spätwestern „The Wild Bunch“. Allerdings n Afrika spielend und den Kolonialismus, die Zerstörung von Menschen, Tieren und Natur, der Ausbeutung eines Kontinents und der Grundsteinlegung von noch heute virulenten Konflikte ansprechend. In dem Wissen, dass der von Tarzan und Jane und seinen afrikanischen Freunden, in trauter Einheit mit den Tieren, gelebte glückliche Naturzustand (der natürlich auch immer nur eine Fiktion war) schon damals nicht mehr existierte. Es hätte also ein bildgewaltiger Abenteuerfilm mit einer ernsten Grundierung werden können.

Entstanden ist ein von einem Komitee gemachter Film. Nichts fügt sich sinnvoll zusammen, weil jeder eine Idee in den Film einbringen durfte. Es gibt immer wieder haarsträubende erzählerische Mängel und inszenatorische Schwächen. So erfahren wir wichtige Teile von Roms Plan erst viel zu spät, teilweise erst am Ende. Auch den Grund für den Konflikt zwischen Tarzan und Häuptling Mbonga (Djimon Hounsou) erfahren wir viel zu spät. Wenn man das alles (ja, Spoilervermeidung) am Anfang weitgehend verraten hätte, hätte man in diesem Moment den Grundstein für eine kraftvolle Geschichte gelegt. Denn in diesem Moment wäre der Grundkonflikt zwischen Tarzan, Rom und Mbonga etabliert gewesen und man hätte ausgehend von dieser Prämisse ein Netz von Konflikten und Beziehungen zwischen den Charakteren aufgespannt. So plätschert der Film vor sich hin, während er erzählt, wie Tarzan seine Frau retten will.

Die zahlreichen Rückblenden, die David Yates wild über den Film verteilt, sind bestenfalls manieristisch, schlimmstenfalls nervig. Der Geschichte hätten sie mehr gedient, wenn sie an den wenigen Punkten in der Geschichte, in der sie erzählerisch Sinn machen, präsentiert worden wären. Also wenn Tarzan von Vertretern des Parlaments gebeten wird, nach Afrika zurückzukehren, hätte man eine große Rückblende mit seiner Geschichte, wie seine Eltern sterben, er von Affen großgezogen wird, Jane kennen lernt und nach England zurückkehrt, einfügen können. Denn in diesem Moment steht John Clayton vor der Frage, ob er wieder in seine Vergangenheit zurückkehren will. Yates verteilt diese Hintergrundgeschichte auf mehrere Rückblenden, die dann nur unnötig die Haupthandlung verlangsamen. Denn letztendlich kenne wir doch alle die Geschichte von Tarzan.

Und dann etabliert „Harry Potter“-Regisseur mehrmals Ort so ungeschickt und auch unlogisch, dass man glaubt, gerade habe man eine Szene verpasst zu haben. So scheint, um nur ein Beispiel zu nenne, das Dorf, in dem Tarzan seine alten Freunde nach einem langen Fußmarsch durch trockenes Grasland, mitten in einer wasserlosen Gegend zu liegen. In der Nacht werden sie von Roms Männern überfallen und Jane wird auf einen Dampfer entführt, der anscheinend wenige Meter neben dem Dorf anlegte.

Wo „Legend of Tarzan“ schon auf der erzählerischen Ebene Schiffbruch erleidet, bringen die überall eingesetzten CGI-Effekte das Schiff dann endgültig zum Sinken. Und im Finale wird dann, während eine Horde CGI-Tiere eine Hafenstadt verwüstetet, auch munter Schiffe versenken gespielt. Das ist visuell selten überzeugend, meistens spektakulär langweilig und wenig beeindruckend.

Legend of Tarzan“ ist wohl der Tarzan-Film mit den meisten verpassten Chancen.

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Legend of Tarzan (The Legend of Tarzan, USA 2016)

Regie: David Yates

Drehbuch: Adam Cozad, Craig Brewer (nach einer Geschichte von Craig Brewer und Adam Cozad, basierend auf den „Tarzan“-Geschichten von Edgar Rice Burroughs)

mit Alexander Skarsgård, Christoph Waltz, Samuel L. Jackson, Margot Robbie, Djimon Hounsou, Sidney Ralitsoele, Osy Ikhile, Mens-Sana Tamakloe, Rory J. Saper, Christian Stevens, Jim Broadbent, Ben Chaplin

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Lesetipp

Die Johnny-Weismuller-“Tarzan“-Filme laufen ja immer wieder und für mich sind sie die klassischen und definitiven „Tarzan“-Filme. Immerhin sah ich sie als Kind.

Aber man kann die jetzige Verfilmung auch als Gelegenheit nehmen, einen Blick in die Vorlage, die „Tarzan“-Romane von Edgar Rice Burroughs zu werfen. Denn der Heyne-Verlag bietet, mit einem kundigen Nachwort von Georg Seeßlen, einen Sammelband mit drei „Tarzan“-Romanen an. Enthalten sind die Ursprungsgeschichte „Tarzan bei den Affen“ (Tarzan of the Apes, 1912) und die beiden deutlich kürzeren „Tarzan“-Romane „Tarzan und die Schiffbrüchigen“ (Tarzan and the Castaways, 1940/1941/1964) und „Tarzan und der Verrückte“ (Tarzan and the Madman, 1964) und die ersten Seiten lesen sich verdammt gut.

Burroughs - Tarzan - 4

Edgar Rice Burroughs: Tarzan – Drei Romane in einem Band

Heyne, 2013

688 Seiten

11,99 Euro

Taschenbuch-Ausgabe entspricht der Ausgabe von Walde & Graf, Zürich 2012.

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Legend of Tarzan“

Metacritic über „Legend of Tarzan“

Rotten Tomatoes über „Legend of Tarzan“

Wikipedia über „Legend of Tarzan“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Tarzan 3D“, aber ohne Tiefe

Februar 20, 2014

Sicher ist nicht jeder „Tarzan“-Film ein Werk von überragender filmischer Bedeutung, aber „Tarzan 3D“ dürfte mühelos einen der Top-Plätze der misslungenen „Tarzan“-Filme erreichen, wegen der vollkommen abstrusen, in der Gegenwart spielenden Geschichte, die das schlechteste aus der Ursprungsgeschichte und einem Einzelabenteuer vereint, und der durchgängig höchst irritierenden Animation mit einem 3D zum Weglaufen.

Denn nach einem Hubschrauberabsturz, bei dem seine Eltern starben, muss der fünfjährige John Greystoke Jr. allein im Dschungel überleben. Eine Äffin zieht ihn groß. Er befreundet sich mit den Affen und erlernt ihre Sprache. Währenddessen vergisst er flugs die Sprache der Menschen.

Einige Jahre später trifft er auf Greystokes Forschungskollegen Jim Porter, der inzwischen als Reiseleiter eine kleine Gruppe Touristen durch die Gegend führt und immer noch einen legendären Meteoriten, der die Energieprobleme der Welt lösen könnte, sucht. Dieses Mal wird er von seiner Tochter Jane begleitet. Tarzan, wie John Greystoke Jr. sich jetzt nennt, verliebt sich in sie.

Und wieder einige Jahre später, – Tarzan ist inzwischen neunzehn Jahre alt -, wird zufällig das Notsignal des Hubschraubers ausgelöst. William Clayton, der Manager von Greystoke Energies (dem Unternehmen von Tarzans Vater), rüstet eine Expedition aus. Denn er will wissen, ob das Signal ihn zu dem Meteoriten führt. Greystoke suchte ihn damals erfolglos. Tja, mit einem Hubschrauber kann man wirklich ein im Dschungel liegendes Schwarzes Ding von der Größe des Saarlandes entdecken. Vor allem, wenn man direkt davor steht. Das ist ungefähr so glaubwürdig wie die Entdeckung eines Einhorns in einem Zoo.

Jedenfalls will Clayton den Meteoriten plündern. Jim und Jane Porter, die nichts von seinen wahren Absichten ahnen, begleiten ihn.

Als Tarzan, der sich bislang mit seinen Affenfreunden vergnügte, davon erfährt, muss er seine Welt gegen den bösen Kapitalisten verteidigen.

Zu der logikbefreiten Geschichte kommt noch die Animation. Denn „Tarzan 3D“ ist ein „Real-3D CGI-Animationsfilm“ für den Schauspieler im Motion-Capture-Verfahren die Rohdaten lieferten, die dann zu mehr oder weniger gezeichneten Menschen und Affen wurden. Allerdings stimmen die Proportionen nie. Meistens sind Arme und Beine zu lang. Die Menschen sind zu dünn, die Affengesichter sehen wie Überbleibsel aus „Planet der Affen: Prevolution“ aus. Einzelne Haare sind detailgenau abgebildet. Die Gesichter hätte auch ein Fünfjähriger malen können. Die Hintergründe, vor allem die reichhaltige Vegetation des Dschungels und das schwarze Innere des Meteoriten sind dann wieder fotorealistisch geraten.

Diese Mischung macht keinen Spaß.

Kinder – für die ist der Film ja in erster Linie gedacht – sollten davor geschützt werden. Unter allen Umständen.

Tarzan - Plakat

Tarzan 3D (Deutschland 2013)

Regie: Reinhard Klooss

Drehbuch: Reinhard Klooss

mit (Motion Capture Performance) Kellan Lutz, Spencer Locke, Anton Zetterholm, Les Bubb, Trevor St. John, Jaime Ray Newman, Mark Deklin, Brian Huskey

(Sprecher) Alexander Fehling, Lena Meyer-Landrut, Wigald Boning, Kai Wiesinger, Ben Becker

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Lesetipp

Die Johnny-Weismuller-“Tarzan“-Filme laufen ja immer wieder und für mich sind sie die klassischen und definitiven „Tarzan“-Filme. Immerhin sah ich sie als Kind.

Aber man kann die jetzige Verfilmung auch als Gelegenheit nehmen, einen Blick in die Vorlage, die „Tarzan“-Romane von Edgar Rice Burroughs zu werfen. Denn der Heyne-Verlag bietet gerade, mit einem kundigen Nachwort von Georg Seeßlen, einen Sammelband mit drei „Tarzan“-Romanen an. Enthalten sind die Ursprungsgeschichte „Tarzan bei den Affen“ (Tarzan of the Apes, 1912) und die beiden deutlich kürzeren „Tarzan“-Romane „Tarzan und die Schiffbrüchigen“ (Tarzan and the Castaways, 1940/1941/1964) und „Tarzan und der Verrückte“ (Tarzan and the Madman, 1964) und die ersten Seiten lesen sich verdammt gut.

Burroughs - Tarzan - 4

Edgar Rice Burroughs: Tarzan – Drei Romane in einem Band

Heyne, 2013

688 Seiten

11,99 Euro

Taschenbuch-Ausgabe entspricht der Ausgabe von Walde & Graf, Zürich 2012.

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Tarzan“

Moviepilot über „Tarzan“

Rotten Tomatoes über „Tarzan“

Wikipedia über den Charakter Tarzan (deutsch, englisch) und Edgar Rice Burroughs (deutsch, englisch)

Meine Besprechung der Edgar-Rice-Burroughs-Verfilmung „John Carter zwischen zwei Welten“ (John Carter, USA 2012)


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