TV-Tipp für den 8. März: Heat

März 8, 2019

Da empfehle ich fröhlich die ganze Woche Filme mit starken Frauen und dann, am Internationalen Frauentag (der ab diesem Jahr in Berlin ein Feiertag ist), gibt es nur Männerfilme (dreimal Jason Statham, zweimal Keanu Reeves, einmal Clint Eastwood). Daher, mit schlechtem Gewissen, ein Film, der kein Frauenversteherfilm ist:

3sat, 22.25

Heat (Heat, USA 1995)

Regie: Michael Mann

Drehbuch: Michael Mann

Die Story ist einfach und altbekannt: ein Polizist jagt einen ihm geistesverwandten Dieb.

Der Film ist sogar ein Remake. Michael Mann nahm einfach sein altes Drehbuch für „Showdown in L. A.“ (L. A. Takedown, 1989) und machte aus einem anderthalbstündigem TV-Piloten einen dreistündigen Kinofilm. Dank des größeren Budgets und guter Schauspieler (eine aus heutiger Sicht sehr beeindruckende Liste von Mann-Vertrauten, Stars und damals noch unbekannteren Namen) entstand ein Klassiker.

Berater bei dem Film waren Chuck Adamson (vor seinem Tod: Polizist und Autor für „Miami Vice“ und „Crime Story“), Dennis Farina (heute: Ex-Polizist und Schauspieler) und Andy McNab (heute: Ex-SAS und Schriftsteller).

mit Al Pacino, Robert De Niro, Val Kilmer, Jon Voight, Tom Sizemore, Amy Brenneman, Ashley Judd, Mykelti Williamson, Wes Studi, Diane Venora, Ted Levine, Dennis Haysbert, William Fichtner, Natalie Portman, Tom Noonan, Danny Trejo, Henry Rollins, Jeremy Piven, Xander Berkeley, Marty Ferrero, Rick Avery, Bud Curt (ungenannt, als Restaurantmanager Solenko)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Heat“

Wikipedia über „Heat“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Heat“ von Michael Mann (Fassung vom 3. März 1994)

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte

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TV-Tipp für den 4. August: American Gangster

August 3, 2018

ZDF, 23.00

American Gangster (American Gangster, USA 2007)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Steven Zaillian

LV: Mark Jacobson: The Return of Superfly (Reportage, New York Magazine, August 2000)

Biopic über den Aufstieg und Fall des Drogenbarons Frank Lucas in Harlem in den frühen Siebzigern.

Das Zeitkolorit ist toll, weniger toll ist, dass Denzel Washington als Drogenhändler Frank Lucas und Russell Crowe als den ihn jagenden Detective Richie Roberts erst am Ende eine gemeinsame Szene haben. Davor bekommen wir zwei Filme präsentiert: einen tollen Gangsterfilm (so als Best-of-Gangsterfilm), einen weniger tollen Polizeifilm und insgesamt einen doch ziemlich durchschnittlichen Film, der sich nie entscheiden kann welche Geschichte er erzählen soll und er deshalb in deutlich über zwei Stunden (Hey, früher gab’s für die Spielzeit auch zwei Filme) beide Geschichten erzählt. Das kommt dabei heraus, wenn man zwei Stars hat, die auf ihrer Filmzeit bestehen. Vielleicht hätte Ridley Scott Val Kilmer für die Rolle des Polizisten anfragen sollen.

mit Denzel Washington, Russell Crowe, Cuba Gooding jr., Josh Brolin, RZA, John Ortiz, Ted Levine, Chiwetel Eliofor, Armand Assante, Carla Gugino

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „American Gangster“

Rotten Tomatoes über „American Gangster“

Wikipedia über „American Gangster“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „American Gangster“ von Steven Zaillian

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Ridley Scott in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: In der Mitte einer neuen Trilogie: „Jurassic World: Das gefallene Königreich“

Juni 6, 2018

Drei Jahre nachdem eine Horde Dinosaurier auf Isla Nublar einen Freizeitpark mit ihnen als Attraktion verwüstete, ist die Insel verwaist. Bis auf die Dinosaurier, die dort ungestört von den Menschen leben. Als auf der Insel ein Vulkan ausbrechen soll, ist ihr Überleben fraglich.

Eli Mills (Rafe Spall), der Geschäftsführer des Lockwood Estate, möchte sie retten. Sein Chef, der kranke Benjamin Lockwood (James Cromwell), war, neben John Hammond, einer der beiden Hauptfinanziers des Freizeitparks. Die Dinosaurier sollen auf eine andere Insel gebracht werden. Claire Dearing (Bryce Dallas Howard) soll dabei helfen. Sie war früher die zahlenfixierte Leiterin des Parks. Jetzt kämpft sie für das Überleben der Dinos. Mills braucht sie, weil nur mit ihrem Handabdruck der Inselcomputer gestartet werden kann, mit dem die Dinos geortet werden können. Owen Grady (Chris Pratt) soll mitkommen, weil er ihnen helfen kann, Blue zu finden. Vor allem diesem besonders intelligenten Dino mit Führungsqualitäten (Dino! Nicht Affe.) gilt das Interesse der Expedition. Begleitet werden sie von einer kleinen Söldnerarmee, die das tut, was Söldnerarmee in solchen Filmen immer tun: schießen und eher illegale Aufträge erledigen.

Deshalb erfahren Grady und Dearing (inzwischen mit besserem Schuhwerk) schon auf der Insel, dass sie hereingelegt wurden. Mills will die Dinos nicht vor dem sicheren Tod retten, sondern sie meistbietend verkaufen.

Als der Vulkan ausbricht, sollen Grady und Dearing zu den Opfern der Katastrophe gehören. In letzter Sekunde gelingt ihnen die Flucht auf das rettende Transportschiff, das die Dinosaurier an einen anderen Ort bringen soll.

In diesem Moment ist noch nicht einmal die erste Stunde von J. A. Bayonas „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ um. Bayona, der Regisseur von „The Impossible“ und „Sieben Minuten nach Mitternacht“, übernahm die Regie, nachdem „Jurassic World“-Regisseur Colin Trevorrow keine Zeit hatte. Er sollte „Star Wars IX“ inszenieren. Das zerschlug sich später. Für „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ schrieb Trevorrow mit Derek Connolly das Drehbuch. Aktuell schreibt er, zusammen mit Emily Carmichael, das Drehbuch für den dritten „Jurassic World“-Film, der unter seiner Regie am 11. Juni 2021 die Trilogie global abschließen soll.

Unübersehbar ist bei Bayonas Film der Charakter eines Übergangswerk, das die Verbindung zwischen dem ersten und dritten Teil herstellen soll. Ohne große Erklärungen werden wir in die Handlung geworfen, die in der ersten Hälfte vor allem auf Isla Nublar, in der zweiten Hälfte auf dem riesigen Lockwood-Anwesen spielt. Es gibt viele Dialoge, die einfach nur Dinge erklären. Das ist nicht so wahnsinnig spannend. Es gibt reichlich Action und Spaß mit den Dinosaurier. Einige altbekannte, einige neue Dinosaurier. Insgesamt sind in „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ mehr Dinosaurier zu sehen als in allen anderen „Jurassic“-Filmen zusammen und sie sind in ihrer vollen Pracht schon von der ersten Minute an zu sehen. Aber die reichlich vorhandene Action packt nicht, weil uns die durchgehend ziemlich eindimensionalen Charaktere weitgehend egal sind. Suspense und eine damit verbundene Atmosphäre der Bedrohung. ist ebenfalls dünn gesät. Vor allem wenn man an Bayonas Tsunami-Film „The Impossible“ denkt, der anfangs sehr direkt die bedrohliche Atmosphäre von „Der weiße Hai“ zitiert und der später eindrücklich die Folgen der wahren Katastrophe zeigt. Aber in dem Film geht es um Menschen in einer realen Situation. In „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ geht es um Eskapismus im Blockbuster-Format, bei dem, so lange riesige Tiere aufeinander losgehen, eine persönliche Handschrift und mehrere erzählerische Ebenen nicht benötigt werden.

Es gibt in „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ auch keine richtige, in sich abgeschlossene Geschichte, sondern nur einen Mittelteil, der dazu dient, viele Menschen und Tieren in die richtige Position für die finale Schlacht zu bringen.

In dem Gewusel bleibt dann wenig Zeit, um die verschiedenen Personen genauer zu charakterisieren und sie auf eine emotionale Reise zu schicken. Alles muss immer schnell gehen. Außerdem sind inzwischen auch im „Jurassic World“-Universum so viele wichtige Charaktere dabei, dass, wie bei einer TV-Serie, für den einzelnen Charakter innerhalb des Films kaum Zeit bleibt. So hat Jeff Goldblum im Film als vor dem menschlichen Treiben warnender Wissenschaftler Ian Malcolm nur zwei Szenen, die er sitzend wahrscheinlich innerhalb eines Tages abdrehte.

Es ist auch ein Film, der ständig an andere Filme erinnert. Schießwütige Söldner und die irrwitzige Idee, Dinosaurier auf das Festland zu bringen, kennen wir bereits aus „Vergessene Welt: Jurassic Park“ und „Jurassic Park III“. Anderes aus etlichen Monsterheulern, den neuen „Planet der Affen“-Filmen, „King Kong“, bzw. „Kong“ und, zuletzt, „Rampage“; – – – eigentlich erzählt „Rampage“ eine sehr ähnliche Geschichte, die dank der Konzentration auf wenige Personen und Tiere, deutlich besser und vor allem mit mehr Augenzwinkern, vulgo vergnüglicher, erzählt wird.

Jurassic World: Das gefallene Königreich (Jurassic World: Fallen Kingdom, USA 2018)

Regie: J. A. Bayona

Drehbuch: Colin Trevorrow, Derek Connolly

LV: Charaktere von Michael Crichton

mit Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Rafe Spall, Justice Smith, Daniella Pineda, James Cromwell, Toby Jones, Ted Levine, Jeff Goldblum, Isabella Sermon, BD Wong, Geraldine Chaplin

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

DEnglische Homepage zum Film

Moviepilot über „Jurassic World: Das gefallene Königreich“

Metacritic über „Jurassic World: „Das gefallene Königreich“

Rotten Tomatoes über „Jurassic World: Das gefallene Königreich“

Wikipedia über „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Colin Trevorrows „Jurassic World“ (Jurassic World, USA 2015)

Meine Besprechung von Juan Antonio Bayonas „The Impossible“ (Lo imposible, USA/Spanien 2012)

Meine Besprechung von J. A. Bayonas „Sieben Minuten nach Mitternacht“ (A Monster calls, USA/Spanien 2016)


TV-Tipp für den 30. September: Heat

September 29, 2017

ZDFneo, 23.10

Heat (USA 1995, Regie: Michael Mann)

Drehbuch: Michael Mann

Die Story ist einfach und altbekannt: ein Polizist jagt einen ihm geistesverwandten Dieb.

Der Film ist sogar ein Remake. Michael Mann nahm einfach sein altes Drehbuch für „Showdown in L. A.“ (L. A. Takedown, 1989) und machte aus einem anderthalbstündigem TV-Piloten einen dreistündigen Kinofilm. Dank des größeren Budgets und guter Schauspieler (eine aus heutiger Sicht sehr beeindruckende Liste von Mann-Vertrauten, Stars und damals noch unbekannteren Namen) entstand ein Klassiker.

Berater bei dem Film waren Chuck Adamson (vor seinem Tod: Polizist und Autor für „Miami Vice“ und „Crime Story“), Dennis Farina (heute: Ex-Polizist und Schauspieler) und Andy McNab (heute: Ex-SAS und Schriftsteller).

mit Al Pacino, Robert De Niro, Val Kilmer, Jon Voight, Tom Sizemore, Amy Brenneman, Ashley Judd, Mykelti Williamson, Wes Studi, Diane Venora, Ted Levine, Dennis Haysbert, William Fichtner, Natalie Portman, Tom Noonan, Danny Trejo, Henry Rollins, Jeremy Piven, Xander Berkeley, Marty Ferrero, Rick Avery, Bud Curt (ungenannt, als Restaurantmanager Solenko)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Heat“

Wikipedia über „Heat“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Heat“ von Michael Mann (Fassung vom 3. März 1994)

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 22. Juni: American Gangster

Juni 22, 2017

Vox, 22.40

American Gangster (USA 2007, Regie: Ridley Scott)

Drehbuch: Steven Zaillian

LV: Mark Jacobson: The Return of Superfly (Reportage, New York Magazine, August 2000)

Biopic über den Aufstieg und Fall des Drogenbarons Frank Lucas in Harlem in den frühen Siebzigern.

Das Zeitkolorit ist toll, weniger toll ist, dass Denzel Washington als Drogenhändler Frank Lucas und Russell Crowe als den ihn jagenden Detective Richie Roberts erst am Ende eine gemeinsame Szene haben. Davor bekommen wir zwei Filme präsentiert: einen tollen Gangsterfilm (so als Best-of-Gangsterfilm), einen weniger tollen Polizeifilm und insgesamt einen doch ziemlich durchschnittlichen Film, der sich nie entscheiden kann welche Geschichte er erzählen soll und er deshalb in deutlich über zwei Stunden (Hey, früher gab’s für die Spielzeit auch zwei Filme) beide Geschichten erzählt. Das kommt dabei heraus, wenn man zwei Stars hat, die auf ihrer Filmzeit bestehen. Vielleicht hätte Ridley Scott Val Kilmer für die Rolle des Polizisten anfragen sollen.

mit Denzel Washington, Russell Crowe, Cuba Gooding jr., Josh Brolin, RZA, John Ortiz, Ted Levine, Chiwetel Eliofor, Armand Assante, Carla Gugino

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „American Gangster“

Rotten Tomatoes über „American Gangster“

Wikipedia über „American Gangster“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „American Gangster“ von Steven Zaillian

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Ridley Scott in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Bleed for this“ – Grandioses Biopic über das Comeback eines Boxers

April 21, 2017

Vinny Pazienza ist nicht Rocky Balboa. Aber im Gegensatz zu „The Italian Stallion“ gibt es „The Pazmanian Devil“ wirklich und sein Kampfgeist ist mindestens genauso groß wie der von Rocky. Von 1983, dem Beginn seiner Profikarriere, bis 2004 boxte der 1962 geborene Vinny Pazienza, seit 2001 nur noch Paz, professionell. Unterbrochen von einem Unfall, der im Mittelpunkt von Ben Youngers Boxerdrama „Bleed for this“ steht.

Nachdem Pazienza am 1. Oktober 1991 den Titelverteidiger Gilbert Delé besiegt, ist er WBA-Weltmeister im Halbmittelgewicht. Wenige Tage später verunglückt er bei einem Autounfall schwer. Sein Genick ist gebrochen. Sein Arzt sagt ihm, er habe Glück, wenn er jemals wieder gehen könne. Seine Familie und sein Trainer versuchen ihn zu überzeugen, dass er mit dem Boxen aufhören müsse.

Aber Pazienza denkt nicht daran. Für ihn ist, was uns ernsthaft an seiner Zurechnungsfähigkeit zweifeln lässt, Boxen sein einziger Lebensinhalt und er will wieder in den Ring steigen. Je schneller, desto besser.

Deshalb stimmt er einer gefährlichen Behandlung zu und muss mehrere Monate einen ‚Halo‘- Apparat tragen. Das ist eine Orthese, die seinen Kopf in einer genau fixierten Position festhält, indem Schrauben in den Schädel des Patienten gebohrt werden. Das klingt übel und das Anbringen und Entfernen der riesigen Schrauben sind, weil man sich nur zu gut vorstellen kann, wie schmerzhaft und unangenehm das ist, für uns Zuschauer schlimmere Momente als die Schläge, die Pazienza im Ring einstecken muss. Mit dem ‚Halo‘- Apparat soll er sich nicht anstrengen, weil jede Anstrengung die Chancen auf Heilung ruinieren könnte. Pazienza beginnt trotzdem für seinen nächsten Kampf zu trainieren.

Dreizehn Monate nach dem Unfall, am 15. Dezember 1992, steht er wieder im Ring. Er kämpft gegen den WBC-Champion Luis Santana.

In der Geschichte des Boxsports zählt dieser Kampf zu den größten Comebacks der Boxgeschichte.

Selbstverständlich ist das eine Geschichte, die für Hollywood wie gemacht ist. Auch wenn es einige Jahre dauerte, bis sie verfilmt wurde. Von Ostküstenproduzenten, wie dem in Rhode Island lebendem Produzenten Chad A. Verdi, der die treibende Kraft hinter dem Film war, und Martin Scorsese, der als einer der Executive Producer fungiert, weil ihm das Drehbuch gefiel. Mit „Raging Bull“ hat er bereits 1980 seinen Boxerfilm gedreht.

Ben Youngers „Bleed for this“ reiht sich dabei, mit einem sympathischen Underdog-Gestus, nahtlos in die Reihe der großen Boxfilme ein. Auch wenn Pazienzas wahre Geschichte sich in ihren Grundzügen von Kampf, Verlust, Training für den aussichtslos erscheinenden Kampf und siegreichem Kampf nicht von all den anderen Boxerdramen unterscheidet, die wir in den vergangenen Jahrzehnten sehen konnten.

Aber das Drehbuch ist gut. Die Inszenierung ebenso. Und mit Miles Teller als Vinny Pazienza (wahrscheinlich muss jeder Schauspieler sich mindestens einmal im Ring verprügeln lassen), Aaron Eckhart als seinen Trainer Kevin Rooney, Ciarán Hinds als seinem Vater, Katey Sagal als seine Mutter, Amanda Clayton als seine Schwester, Daniel Sault als ihr Verlobter, Ted Levine als sein Box-Promoter Lou Duva und Jordan Gelber als Duvas Sohn Dan, der sein Geschäftspartner ist, ist er glänzend besetzt. Die Duvas sind dabei Box-Promoter vom alten Schlag, als das Boxgeschäft deutlich unglamouröser als heute, aber finanziell durchaus einträglich und die Mafia nur einen Tippelschritt entfernt war. Falls überhaupt.

Am deutlichsten wird die Veränderung des Boxgeschäfts in den vergangenen Jahren bei den Trainingshallen. Es sind keine aseptischen Fitness-Studios für alle Altersklassen und Geschlechter. In „Bleed for this“ wird in großen, schlecht gelüfteten Räume in alten Backsteingebäuden in denen die Innendekoration aus Männerschweiß besteht, trainiert. Oder im Keller des Elternhauses, der in erster Linie eine Rumpelkammer ist.

Gedreht wurde vor Ort in Cranston, Rhode Island, an Locations, an denen anscheinend die Zeit stehen geblieben ist. Die Wohnungen, eher klein als groß, haben alle ein verwohntes Aussehen. Entweder, weil, wie bei den Pazienzas, die ganze Familie unter einem Dach lebt, oder weil, wie bei den Duvas, das Haus und die Inneneinrichtung aus den Siebzigern stammen und seitdem nicht mehr groß erneuert wurden. Auch die Kleider und die Autos erinnern an eine andere Zeit.

Als Boxerdrama gibt es in „Bleed for this“ selbstverständlich auch mehrere Kampfszenen im Ring und sie sind, angesichts der Tradition der Boxerfilme, in denen die Kamera sich immer mehr in den Ring und in den Kampf begibt, der schwächste Teil des Films. Nicht weil Miles Teller sich nicht in das Training und in den Ring warf (er trainierte acht Monate für die Kampfszenen, verlor Gewicht und Körperfett), sondern weil sie aus der Beobachterperspektive außerhalb des Rings gefilmt sind.

Bleed for this (Bleed for this, USA 2016)

Regie: Ben Younger

Drehbuch: Ben Younger (nach einer Story von Ben Younger, Pippa Bianco und Angelo Pizzo)

mit Miles Teller, Aaron Eckhart, Katey Sagal, Ciarán Hinds, Ted Levine, Jordan Gelber, Amanda Clayton, Daniel Sault, Jordan Gelber, Roy Souza

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Facebook-Hashtag zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Bleed for this“

Metacritic über „Bleed for this“

Rotten Tomatoes über „Bleed for this“

Wikipedia über „Bleed for this“

History vs. Hollywood über „Bleed for this“ (Wie viele Schläge muss die Wahrheit zugunsten einer Hollywood-Geschichte einstecken?)


TV-Tipp für den 1. November: Shutter Island

November 1, 2016

Pro7, 23.00

Shutter Island (USA 2009, Regie: Martin Scorsese)

Drehbuch: Laeta Kalogridis

LV: Dennis Lehane: Shutter Island, 2003 (Shutter Island)

Shutter Island, 1954: U. S. Marshall Teddy Daniels und sein neuer Partner Chuck Aule sollen auf Shutter Island herausfinden, wie die Mehrfachmörderin und Patientin Rachel Solando aus dem streng abgesicherten Hospital entkommen konnte. Schnell ist Daniels einer größeren Verschwörung auf der Spur. Aber kann er seinen Sinnen noch trauen?

Und was kann bei dem Team Scorsese/DiCaprio schon schief gehen? Vor allem wenn sie als Spielmaterial einen spannenden Thriller von Dennis Lehane haben.

Nun, entgegen der allgemeinen Euphorie fand ich „Shutter Island“ todsterbenslangweilig und ungefähr so subtil wie Scorseses John-D.-MacDonald-Verfilmung „Kap der Angst“ (Cape Fear, USA 1991). Lehanes Roman ist dagegen grandios.

Mit Leonardo DiCaprio, Ben Kingsley, Mark Ruffalo, Max von Sydow, Michelle Williams, Emily Mortimer, Patricia Clarkson, Jackie Earle Haley, Ted Levine, John Carroll Lynch, Elias Koteas

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Shutter Island“

Metacritic über „Shutter Island“

Rotten Tomatoes über „Shutter Island“

Wikipedia über „Shutter Island“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Shutter Island“ von Laeta Kalogridis

The Boston Globe: Interview mit Dennis Lehane über “Shutter Island” (14. Februar 2010)

Kriminalakte über den Film „Shutter Island“

Homepage von Dennis Lehane

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010)

Meine Besprechung der Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Christian De Metter/Dennis Lehanes Comic „Shutter Island“ (Shutter Island, 2008)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Shutter Island“ (Shutter Island, 2003)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes “In der Nacht” (Live by Night, 2012)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „The Drop“ (The Drop, 2014) (Buch und Film)

Dennis Lehane in der Kriminalakte

Wikipedia über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Martin-Scorsese-Fanseite

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Martin Scorsese in der Kriminalakte

Bonushinweis

Die nächste Dennis-Lehane-Verfilmung „Live by Night“ startet am 19. Januar 2017 in unseren Kinos. Regie führte Ben Affleck, der auch das Drehbuch schrieb und die Hauptrolle übernahm.

Und der Trailer sieht verdammt gut aus:

Wie die Geschichte von Joe Coughlin weitergeht, erfahrt ihr in „Am Ende einer Welt“: 1943 ist Coughlin ein respektierter Unternehmer. Da erfährt er, dass ein Killer auf ihn angesetzt ist – und für uns ist nach den ersten Zeilen eine schlaflose Nacht vorprogrammiert.

lehane-am-ende-einer-welt

Dennis Lehane: Am Ende einer Welt

(übersetzt von Steffen Jacobs)

Diogenes, 2015

400 Seiten

24 Euro

Originalausgabe

World Gone By

William Morrow, New York 2015


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