Neu im Kino/Filmkritik: „Predator – Upgrade“ wirklich nötig?

September 14, 2018

Auf den ersten Blick ist Shane Black der richtige Mann, um die doch arg vor sich hin siechende, eigentlich tote „Predator“-Reihe auf den neuesten Stand und in eine glorreiche Zukunft zu schicken. Immerhin war sein erstes Drehbuch „Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis“ (Leathal Weapon) ein Wahnsinnserfolg. Drei weitere „Leathal Weapon“-Actionkomödien mit Mel Gibson und Danny Glover folgten. Seit 2016 gibt es eine TV-Serie. Seine nächsten Drehbücher waren an der Kinokasse ähnlich erfolgreich. Hollywood zahlte damals Millionen für seine Bücher. Nach einer alkoholbedingten Auszeit kehrte er 2005 mit der Noir-Komödie „Kiss Kiss Bang Bang“ zurück. Der von ihm inszenierte Film war kein Kassenhit, aber unter Noir- und Filmfans ist er sehr beliebt. „The Nice Guys“ (2016) war dann eine, nun, nennen wir es erfolgreiche Variation davon. Dazwischen schrieb und drehte er „Iron Man 3“. Ein Erfolg bei der Kritik und dem Publikum, das sich jeden Marvel-Film begeistert ansieht.

Schon im Juni 2014 kündigte Fox ein Remake von „Predator“ (Predator, USA 1987) an. Mit Black, der im ersten „Predator“-Film auch eine kleine Rolle hatte (er ist der erste Tote im Film), als Drehbuchautor und Regisseur. Aus dem Remake oder Reboot wurde schnell eine Fortsetzung, die von Anfang an auf eine hohe Freigabe spekulierte. Entsprechend blutig wird jetzt in „Predator – Upgrade“ getötet.

Als vor wenigen Monaten Meldungen über umfangreiche Nachdrehs auftauchten, machte sich Skepsis breit. So soll nach Testvorführungen der gesamte dritte Akt neu gedreht worden sein. Nach einer alten Hollywood-Weisheit sind Nachdrehs ein Zeichen für massive Probleme beim Film.

Aber am Ende zählt das Ergebnis und nicht der Weg, auf dem die Macher dahin gelangten. Meistens erfährt man eh nichts darüber.

Black lässt seinen „Predator“-Film gleich mit dem Absturz eines Raumschiffs beginnen. Es stört damit in Mexiko einen nächtlichen Einsatz von dem Söldner Quinn McKenna (Boyd Holbrook) und seinem Team. Der Predator tötet erst einmal alle Menschen, die seinen Weg kreuzen. McKenna schnappt sich einige Teile der Alien-Rüstung und verschwindet.

Damit der Beweis für sein Erlebnis an einem sicheren Ort ist, schickt er die Gegenstände in einem Paket an seine mit ihm zerstrittene Frau und seinem autistischen Sohn Rory (Jacob Tremblay). Der beginnt gleich mit den Gegenständen zu spielen. Er löst ein Signal aus, das andere Predatoren zu ihm führt. Immerhin wollen sie ihr Eigentum zurückhaben.

Währenddessen wird McKenna vom Geheimdienst gefangen genommen und verhört. Während des Verhörs bricht aus dem gleichen Gebäude ein Predator aus. Auf seiner Flucht tötet er, wieder äußerst blutig, jeden Menschen, der seinen Weg kreuzt. McKenna, der gerade mit einigen anderen Militär-Gefangenen (sozusagen die Truppe der Wahnsinnigen und Verrückten) an einen anderen Ort befördert werden sollte, mischt sich ein.

Die Evolutionsbiologin Dr. Casey Brackett (Olivia Munn), die ebenfalls vor Ort ist und die verdammt gut mit Waffen umgehen kann, stößt zu ihnen.

Ab diesem Moment sind alle für den SF-Actionfilm wichtigen Charaktere eingeführt. Ab diesem Moment kämpft eine Gruppe verrückter Soldaten gegen den Predator. Dabei versuchen sie gleichzeitig McKennas Sohn zu retten.

Bis zum Abspann ist „Predator – Upgrade“ dann nur noch eine ermüdende Abfolge von blutigen Kämpfen und Kameradie unter Soldaten. Dabei – und das unterscheidet „Predator – Upgrade“ von anderen aktuellen Actionfilmen wie „Mission: Impossible – Fallout“ oder „Avengers: Infinity War“ – verraten die Actionszenen nichts über den Charakter, das man nicht schon beim ersten Mal wusste (sie sind alle sehr tapfer), und sie steigern sich in ihrer Dramatik nicht. Es ist immer rennen, ballern und aufschlitzen in dunklen Locations. Das ist einerseits verständlich, weil der Film vor allem nach Sonnenuntergang spielt. Andererseits sieht man erschreckend wenig. Jedenfalls in der 3D-Fassung, die zwischen dunkel und sehr dunkel schwankt (und viel dunkler als der Trailer ist).

Während man in dem ersten „Predator“-Film über das außerirdische Raubtier nur erfuhr, dass es fast unbesiegbar ist, erfährt man jetzt, warum die Predatoren auf der Erde jagen: sie tun es, weil die Menschen die besten Jäger im Universum sind. Durch Upgrades mit menschlicher DNA wollen die Predatoren zu besseren Jägern werden. Diese Erklärung ist so bescheuert, dass man sie sofort vergessen kann.

Predator – Upgrade“ ist eine schon lange vor dem Finale ermüdende, dumme Schlachtplatte, die mehr 1988 als 2018 ist. Von Shane Black hätte ich mehr erwartet.

Predator – Upgrade (The Predator, USA 2018)

Regie: Shane Black

Drehbuch: Fred Dekker, Shane Black (basierend auf den Charakteren von Jim Thomas und John Thomas)

mit Boyd Holbrook, Trevante Rhodes, Jacob Tremblay, Keegan-Michael Key, Olivia Munn, Thomas Jane, Alfie Allen, Sterling K. Brown, Augusto Aguilera, Jake Busey

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Predator – Upgrade“

Metacritic über „Predator – Upgrade“

Rotten Tomatoes über „Predator – Upgrade“

Wikipedia über „Predator – Upgrade“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Shane Blacks „Iron Man 3“ (Iron Man 3, USA 2013)

Meine Besprechung von Shane Blacks „The Nice Guys“ (The Nice Guys, USA 2016) und der Blu-ray

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Neu im Kino/Filmkritik: „Before I wake“ sollte ich einschlafen

November 11, 2016

Cody (Jacob Tremblay) hat Angst vor dem Einschlafen. Dabei hat der achtjährige Waisenknabe es gut erwischt. Nach dem Unfalltod ihres Kindes nehmen Jessie (Kate Bosworth) und Mark (Thomas Jane) Cody bei sich auf und sie bemühen sich wirklich, die Traumeltern zu sein, die sich jedes Kind wünscht.

Codys Einschlafunwille hat aber einen sehr nachvollziehbaren Grund: wenn er schläft, werden seine Träume Realität. Nicht immer eine unbedingt schöne Realität. Vor allem nachdem durch Codys Träume Jessies in der heimischen Badewanne ertrunkener Sohn zurückkehrt – und wir wissen alle, was für Probleme zurückkehrende Tote verursachen. Egal in welcher Form.

Bevor Mike Flanagan den gelungenen Sechziger-Jahre-Horrorfilm „Ouija: Ursprung des Bösen“, der vor einigen Tagen in unseren Kinos anlief, drehte, drehte er „Before I wake“, den er eine „Gute-Nacht-Geschichte für Erwachsene“ nennt. Das Drehbuch schrieb er mit seinem Standard-Schreibpartner Jeff Howard. Mit Kate Bosworth und Thomas Jane konnte er für die Hauptrollen auch zwei bekannte Namen verpflichten. Jacob Tremblay, der das Pflegekind spielt, ist bekannt aus „Raum“, wo er die männliche Hauptrolle spielt. Demnächst spielt er in dem Horrorfilm „Shut in“ neben Naomi Watts – und festigt seinen Ruf als Junge, den man nicht in sein Haus lassen sollte.

In „Before I wake“ geht die Bedrohung für das trauernde Ehepaar nämlich von ihm aus. Obwohl er selbst eine gequälte Seele ist. Die Idee von Träumen, die Realität werden, ist natürlich faszinierend, aber auch etwas idiotisch. Denn ohne Schlaf kann niemand lange leben. Aber jedes Mal, wenn Cody einschläft, werden seine Träume und Alpträume, die mehr oder weniger seine Träume sind, Realität. Und, ja, Träume haben in diesem Fall auch etwas mit Verdrängung zu tun.

Before I wake“ ist ein netter kleiner, nicht besonders spektakulärer oder länger im Gedächtnis bleibender Horrorfilm, der sich nicht auf den bekannten Schockmomenten ausruht. Die sind, weil Flanagan seinen Film auch eher als übernatürliches Drama sieht, rar. Stattdessen versucht er wirklich etwas über die Auswirkungen eines tragischen Unfalls – der Sohn von Jessie und Mark ertrinkt in der Badewanne, während Jessie einen kurzen Moment weg ist – auf eine glückliche, normale Familie zu zeigen. Gleichzeitig, was erst im Finale wirklich wichtig wird, hat Cody seine Eltern verloren. Im dritten Akt gibt es dann den erwartbaren Kampf der Mutter gegen das Monster.

before-i-wake-plakat

Before I wake (Before I wake, USA 2015)

Regie: Mike Flanagan

Drehbuch: Mike Flanagan, Jeff Howard

mit Kate Bosworth, Thomas Jane, Jacob Tremblay, Annabeth Gish

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Facebook-Seite  zum Film

Moviepilot über „Before I wake“

Metacritic über „Before I wake“

Rotten Tomatoes über „Before I wake“

Wikipedia über „Before I wake“

Meine Besprechung von Mike Flanagans „Ouija: Ursprung des Bösen“ (Ouija: Origin of Evil, USA 2016)

Ein „Collider“-Gespräch mit Mike Flanagan und seiner Frau und Partnerin Kate Siegel über „Ouija: Ursprung des Bösen“, „Before I wake“ und, vor allem, „Hush“


TV-Tipp für den 8. März: Killshot – Gnadenlose Jagd

März 8, 2014

RBB, 22.25

Killshot – Gnadenlose Jagd (USA 2008, R.: John Madden)

Drehbuch: Hossein Amini

LV: Elmore Leonard: Killshot, 1989 (Beruf: Killer; Killshot)

Carmen und Wayne Colson beobachten den indianischstämmigen Auftragskiller Armand bei einem Verbrechen. Sie werden in des Zeugenschutzprogramm des FBI gesteckt. Aber Armand sucht sie weiter.

Ein interessanter Torso, der den Ton von Elmore Leonard ziemlich gut trifft und der nach dem Dreh so heftig umgeschnitten wurde, dass unklar ist, ob die Fehler des Films schon in der ersten Fassung vorhanden waren oder erst später hinzu kamen. Jedenfalls würde ich von diesem Film gerne einen Director’s Cut sehen.

mit Mickey Rourke, Diane Lane, Thomas Jane, Joseph Gordon-Levitt, Hal Holbrook, Rosario Dawson

Hinweise

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leoanrds “Raylan” (Raylan, 2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards “Raylan” (2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Dschibuti“ (Djibouti, 2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Meine Meldung von Elmore Leonards Tod

Elmore Leonard in der Kriminalakte


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