Neu im Kino/Filmkritik: „Pacific Rim: Uprising“ – wieder gibt es Ärger mit den Kaijus

März 22, 2018

Zehn Jahre nach den Ereignissen von Pacific Rim (und fünf Jahre nach dem Spielfilm „Pacific Rim“) spielt „Pacific Rim: Uprising“. In „Pacific Rim“ wehrte die Menscheit einen letzten Angriff der Kaiju, Urviecher aus einer anderen Galaxis, erfolgreich ab. Jaeger-Marshal Stacker Pentecost, der die Jaeger-Piloten in die Schlacht führte, starb dabei.

Jetzt, im Jahr 2035, genießt sein Sohn Jake Pentecost (John Boyega) sein Leben zwischen Partys in mondänen, verlassenen, teilzerstörten Luxusvillen und kleinen Diebstählen, bevorzugt von verwertbaren Teilen aus an den Kampfplätzen zurückgelassenen Jaeger-Teilen. Er ist wie Han Solo; nur ohne Weltraumerfahrung, Raumschiff und Chewbacca.

Währenddessen trainieren die jungen Soldaten des Pan Pacific Defense Corps (PPDC) immer noch für einen möglichen weiteren Angriff der Kaiju.

In einem gesperrten Gebiet trifft Jake die fünfzehnjährige Amara (Cailee Spaeney), die dort ebenfalls auf Diebestour ist. Als sie erwischt werden, werden sie vor die Wahl gestellt: Gefängnis oder, für Jake, die Rückkehr zum PPDC, und, für Amara, die Teilnahme am Jaeger-Pilotenprogramm des PPDC. Sie, die in Heimarbeit bereits einen kleinen Jaeger gebaut hat, ist begeistert über ihren Zwangseinzug beim Militär.

Und dann begibt sich Steven S. DeKnight, der vorher Showrunner für die TV-Serien „Spartacus“ und „Daredevil“ war, in seinem Spielfilmdebüt in das Fahrwasser von „Top Gun“, garniert mit Kämpfen zwischen den verschiedenen bis zu 25 Stockwerke großen Jaeger-Modellen, die sehr fotogen japanische Millionenstädte zerstören.

Etwaige tiefergehende Fragen werden zwischen der Ausbildung der Kadetten im Moyulan Shatterdome, Angriffen von anderen Jaegern und etwas Streit um die Weiterentwicklung des Jaeger-Programms, noch nicht einmal angedacht.

Denn „Pacific Rim: Uprising“ ist, wie „Pacific Rim“, vor allem eine Liebeserklärung an den japanischen Science-Fiction-Film, als Godzilla und andere Monster im Wochentakt Millionenstädte zertrampelten. Auch da fragte niemand nach Logik und Wahrscheinlichkeit. Wegen der schlechten Spezialeffekte, schlechten Synchronisation und schlechten Schauspieler genoss man diese Monsterheuler als rundum kindisches Vergnügen an verregneten Samstagnachmittagen. Bei DeKnight sind dann die Effekte deutlich besser, die Schauspieler auch, die Dialoge zweckdienlich ohne den Zwölfjährigen in uns zu überfordern und die Logik wird immer noch höflich ignoriert.

Die Idee der Jaeger und ihrer Steuerung ist nämlich vollkommen bescheuert. Sie sind riesige roboterähnliche Blechrüstungen, die aufgrund ihrer Größe von zwei oder manchmal sogar drei Menschen gesteuert müssen, weil ein Mensch damit geistig überfordert ist. Diese Menschen sind mental miteianander verbunden, wissen daher alles (!) übereinander und haben so die nötige Gehirnmasse, um die Jaeger zu bewegen. Das war in den fünfziger Jahren vielleicht eine nette Fantasie für Kinder. Heute würde man andere Lösungen für das Problem finden, als zwei Steuermänner, die sich synchron bewegen müssen. Bei den Actionszenen läuft es dann sowieso auf zwei oder mehrere Roboter, die sich verprügeln, hinaus.

Erst am Ende von „Pacific Rim: Uprising“ tauchen die Kaiju, die etwas anders aussehen als in „Pacific Rim“, auf. Sie leiten einen epischen Schlusskampf ein, der am helllichten Tag in Japan zwischen einer Großstadt und einem Vulkan stattfindet. Diese lange Sequenz erfreut das Herz jedes Actionfilmfans, der bei den „Transformers“-Filmen an der kruden Story verzweifelte und bei den Actionszenen schnell jeden Überblick verlor. Beides wird ihm bei DeKnights Film nicht passieren. Er erzählt seine durchgängig nachvollziehbare und nacherzählbare Geschichte, die gerade in der ersten Hälfte aus viel letztendlich verzichtbarer Exposition besteht, in unter zwei Stunden. Die Actionszenen, die einen großen Teil des Films ausmachen, sind dabei immer nachvollziehbare und spielen tagsüber, was dazu führt, dass man das Geschehen wirklich sieht und nicht erahnt.

Letztendlich, und soll nicht verschwiegen werden, ist „Pacific Rim: Uprising“ militaristischer Murks, der junge Menschen an die Waffen führt. „Top Gun“ reloaded eben. Nur dieses Mal mit einem deutlich diverserem und jüngeren Cast, ohne Liebesgeschichte und folgerichtig ohne Schnulzen.

Pacific Rim: Uprising (Pacific Rim Uprising, USA 2018)

Regie: Steven S. DeKnight

Drehbuch: Steven S. DeKnight, Emily Carmichael, Kira Snyder, T. S. Nowlin (basierend auf Charakteren von Travis Beacham)

mit John Boyega, Scott Eastwood, Tian Jing, Cailee Spaeny, Rinko Kikuchi, Burn Gorman, Arja Ardona, Charlie Day, Karan Brar, Wesley Wong

Länge: 111 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Pacific Rim: Uprising“

Metacritic über „Pacific Rim: Uprising“

Rotten Tomatoes über „Pacific Rim: Uprising“

Wikipedia über „Pacific Rim: Uprising“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Guillermo del Toros „Pacific Rim“ (Pacific Rim, USA 2013)

Werbeanzeigen

Neu im Kino/Filmkritik: „The Great Wall“, die Chinesische Mauer, Matt Damon, der Namenlose Orden und viele, sehr viele, viel zu viele Tao Teis

Januar 13, 2017

China im 12. Jahrhundert: Der Söldner William Garin (Matt Damon) und sein Freund Pero Tovar (Pedro Pascal) suchen das legendäre, in Europa damals noch unbekannte Schießpulver. Sie entdecken die Chinesische Mauer und den Namenlosen Orden (das ist doch einmal ein Name!), der sich auf einen großen Kampf vorbereitet. Alle sechzig Jahre greifen die Tao Tei aus den Jadebergen an. Die Bestien töten acht Tage lang Menschen, um sie für ihre Gier zu bestrafen.

Der nächste Angriff steht unmittelbar bevor und nach dieser kurzen Einführung folgt „The Great Wall“ den bekannten Mustern von Angriffen der Fremden/Invasoren/Monster/Indianer (soviel zu einer möglichen politischen Lesart des Films) und der Verteidigung der Festung bzw. hier, des Landes. In diesem Fall mit vielen einfallsreich und überraschend eingesetzten Waffen und todesmutigen Kriegern. Historisch faktengetreu ist diese amerikanisch-chinesische Produktion nicht. Sie spielt in einer Fantasy-Welt, in der es Monster gibt, die wie Filmmonster aussehen und wie eine wildgewordene Amseisenhorde angreifen.

Die Idee für den Film und der Hauptdarsteller kamen aus Hollywood, Regie, eigentlich alle anderen Schauspieler und die vielen, vielen bunt gekleideten Soldatendarsteller aus China. Die CGI-Macher arbeiteten, wie man aus dem sehr langen Abspann erfährt, rund um den Globus und sie hatten viel zu tun. Daran änderten auch die vielen Statisten nichts, die als Soldaten treppauf, treppab laufen und Pfeile, Speere, Öl und andere Dinge gegen die Tao Teis schleudern.

Die Regie übernahm Zhang Yimou, der vor fünfzehn Jahren „Hero“ inszenierte, und der für seinen ersten englischsprachigen Film anscheinend alles verlernte. „Hero“ ist ein hoch budgetiertes Prestigeprodukt, das damals Publikum und Kritik überzeugte. Zhang Yimous erster Martial-Arts-Film beeindruckt mit moralischen Ambivalenzen, tollen Kampfszenen und leinwandfüllenden Bildern, die man sich oft auch als Poster vorstellen kann.

In „The Great Wall“ gibt es dagegen nur die Eindeutigkeiten einer banalen Geschichte mit Dialogen zum Vergessen und Charakteren ohne jegliche Tiefe. Das gilt auch für Matt Damon, der hier in einer Mischung aus Langeweile und Desorientierung in die Kamera blickt, während auch auf seinen Schultern der Anspruch des Films ruht, gleichzeitig das westliche und das chinesische Publikum zu begeistern.

Auch optisch ist „The Great Wall“ eine große Enttäuschung. In „Hero“ bleiben, auch nachdem man die Geschichte vergessen hat, die Bilder und einzelne Sequenzen im Gedächtnis. Auch für „The Great Wall“ wurde ein gigantischer Aufwand betrieben. Offiziell kostete der Film 150 Millionen Dollar, was ihn zum bislang teuersten chinesischen Film macht. Armeen von Statisten wurden engagiert und 13140 Kostüme für sie geschneidert. Sie wurden durch CGI-Soldaten ergänzt. Es wurde unter anderem in Huangdao, am Ufer des Gelben Meeres, und im Zhangye-Danxia-Geopark gedreht. Es wurde ein 152 Meter langes, zwölf Meter hohes Mauer-Set aufgebaut; als Teil eines der größten Green-Screen-Sets im Außenbereich, die es bislang für einen Spielfilm gab.

Aber anstatt diesen Aufwand bildgewaltig auf der Leinwand zu präsentieren, geht in „The Great Wall“ alles in einem hektischem IMAX-3D-Schnittgewitter unter, das von einem gleichbleibend lautem, von „Game of Thrones“-Komponist Ramin Djawadi geschriebenem Soundtrack aus der bombastischen Hans-Zimmer-Schule begleitet wird, die aus allen IMAX-Boxen dröhnt.

The Great Wall“ ist ein durch und durch durchschnittliches Werk bei dem alle Beteiligten gerade so Dienst-nach-Vorschrift leisten. Da beeindruckt nichts; – was angesichts der Beteiligten dann wiederum beeindruckend ist.

In einigen Jahren wird der Abenteuerfilm sicher regelmäßig an Sonntagnachmittagen im Fernsehen laufen und zwölfjährigen Jungs, die sich über die nicht vorhandene Liebesgeschichte freuen werden, gefallen.

the-great-wall-plakat

The Great Wall (The Great Wall, China/USA 2017)

Regie: Zhang Yimou

Drehbuch: Carlo Bernard, Doug Miro, Tony Gilroy (nach einer Geschichte von Max Brooks, Edward Zwick und Marshall Herskovitz)

mit Matt Damon, Pedro Pascal, Tian Jing, Willem Dafoe, Andy Lau, Numan Acar, Johnny Cicco

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Great Wall“

Metacritic über „The Great Wall“

Rotten Tomatoes über „The Great Wall“

Wikipedia über „The Great Wall“ (deutsch, englisch)


%d Bloggern gefällt das: