Neu im Kino/Filmkritik: Zurück ist der „Terminator: Dark Fate“ für die Menscheit?

Oktober 24, 2019

Ein schnelles „Was bisher geschah“ für alle, die die vergangenen Monate mit Comicverflmungen beschäftigt waren und das Internet nach digitalen Brotkrumen über den neuen „Star Wars“-Film absuchen:

Nachdem der fünfte „Terminator“-Film „Genysis“ mit seiner verschwurbelten Story nicht so wahnsinnig gut ankam, der vierte „Terminator“-Film „Salvation“ (Die Erlösung) ganz schlecht ankam, der dritte „Terminator“-Film „Rise of the Machines“ (Rebellion der Maschinen) immer noch weitgehend mit Nichtachtung bestraft wird (wobei ich den ganz okay fand und mit ihm als Abschluss der „Terminator“-Reihe gut hätte leben können) und die „Terminator“-TV-Serie vor zehn Jahren sehr kurzlebig war (aber immerhin gut für zwei Staffeln war), ist jetzt „Terminator“-Erfinder James Cameron wieder an Bord und er verkündete sofort, dass all die eben erwähnten „Terminator“-Werke nicht zum Kanon gehören. Der Kanon sind die ersten beiden „Terminator“-Filme, die allgemein beliebt sind und die James Cameron inszenierte.

Es hieß außerdem, dass der neue „Terminator“-Film den Abschluss einer Trilogie bilden soll, weil inzwischen halt alles zu einer Trilogie gemacht wird. Sarah Connors Geschichte solle in diesem Film zu Ende erzählt werden. Zuletzt sagte Cameron, dass „Dark Fate“ auch der Auftakt für eine neue Trilogie sein könne. In dem gleichen Interview sagte er, dass sie vor dem Dreh schon Ideen für die nächsten Filme skizziert hätten. Damit wäre „Dark Fate“ dann, wenn wir das Denken in Trilogien mal links liegen lassen, eine Staffelübergabe von den alten „Terminator“-Helden zu neuen „Terminator“-Heldinnen. Doch auch wenn „Dark Fate“ der letzte „Terminator“-Film wäre, ist er ein in sich abgeschlossener Film, der ohne Probleme für sich allein stehen kann.

Weil Cameron mit seinen „Avatar“-Filmen beschäftigt ist, übergab er die Regie an Tim Miller. Der hatte es mit „Deadpool“ ja ordentlich krachen gelassen.

Außerdem sind, und das ist auch dank des Plakats kein Spoiler, Arnold Schwarzenegger und Linda Hamilton wieder dabei. Während der Dreharbeiten wurde auch bekannt, dass Edward Furlong dabei ist. Er ist John Connor, der Sohn von Sarah Connor (Linda Hamilton). Er wird in der Zukunft zum Anführer des Widerstands gegen die Roboter, die die Welt beherrschen und alle Menschen töten wollen. In „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ wird er vom Terminator T-800 (Arnold Schwarzenegger), der nach einer Neuprogrammierung nicht mehr der böse, sondern der gute Terminator ist, beschützt.

Über die Geschichte von „Terminator: Dark Fate“ wurde vorher nicht viel verraten.

Die offizielle Synopsis liest sich so:

Über zwei Jahrzehnte sind vergangen, seit Sarah Connor den Tag der Abrechnung verhindert, die Zukunft verändert und das Schicksal der Menschheit neu geschrieben hat. Dani Ramos (Natalia Reyes) lebt zusammen mit ihrem Bruder (Diego Boneta) und ihrem Vater ein einfaches Leben in Mexiko City, als ein hochentwickelter, tödlicher neuer Terminator – ein Rev-9 (Gabriel Luna) – zurück durch die Zeit reist, um sie aufzuspüren und zu töten. Danis Leben liegt nun in den Händen von zwei Kämpferinnen, mit denen sie sich verbündet: Grace (Mackenzie Davis), eine weiterentwickelte Super-Soldatin aus der Zukunft, und die kampferprobte Sarah Connor (Linda Hamilton). Als der Rev-9 auf der Jagd nach Dani alles und jeden vernichtet, der ihm in die Quere kommt, werden die drei Frauen zu einem T-800 (Arnold Schwarzenegger) aus Sarahs Vergangenheit geführt, der ihre letzte Hoffnung sein könnte.“

Dem kann noch hinzugefügt werden, dass die in der Gegenwart spielende Geschichte innerhalb von 36 Stunden spielt und unsere Heldinnen erst mühsam über die schwer bewachte Grenze in die USA müssen, wo sie den friedlich im Wald lebenden T-800 treffen.

Die Story selbst ist letztendlich ein kaum kaschiertes Remake von „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ mit einigen Bildern aus dem ersten „Terminator“-Film. Neu ist nur der Handlungsort, zuerst Mexiko, später Texas, und die stärkere Rolle der Frauen.

Die Action ist immer ein etwas zu hektisch geschnittenes CGI-Gewitter. Mehr über sie zu sagen, würde dann schon wichtige Teile der Handlung verraten. Der Humor ist teils beabsichtigt (den ersten richtigen Lacher gab es, als Arnold Schwarzenegger mit ausdrucksloser Stimme sagt, er habe viel Humor), teils unbeabsichtigt (wenn es die „Superheldenlandung“ [Deadpool] gibt) und teils peinlich. Das gilt für jeden von Linda Hamilton mit heiligem Ernst gesprochenem Harter-Mann-Satz. Das sind Sätze, die schon in den Achtzigern bei den muskelbepackten Actionhelden idiotisch waren. Inzwischen taugen sie noch nicht einmal zur Selbstparodie. Wobei sie in „Terminator: Dark Fate“ teilweise ein Selbstzitat sind.

Aber im Gegensatz zu den ersten beiden „Terminator“-Filmen beeindruckt hier nichts nachhaltig und nichts überrascht.

Der Actionthriller ist letztendlich weder gut, noch schlecht, sondern einfach nur belangloser Fanservice, der keine Trilogie abschließt (das hat „Terminator 3 – Rebellion der Maschinen“ besser getan), sondern nur das „Terminator“-Franchise in die nächsten Filme bringen soll. Das gelingt ihm, indem er noch einmal die bekannte Geschichte erzählt.

Terminator: Dark Fate (Terminator: Dark Fate, USA 2019)

Regie: Tim Miller

Drehbuch: David Goyer, Justin Rhodes, Billy Ray (nach einer Geschichte von James Cameron, Charles Eglee, Josh Friedman, David Goyer und Justin Rhodes)

mit Linda Hamilton, Arnold Schwarzenegger, Mackenzie Davis, Natalia Reyes, Gabriel Luna, Diego Boneta, Edward Furlong

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Terminator: Dark Fate“

Metacritic über „Terminator: Dark Fate“

Rotten Tomatoes über „Terminator: Dark Fate“

Wikipedia über „Terminator: Dark Fate“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von James Camerons „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ (Terminator 2: Judgment Day, USA 1991)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters Filmroman „Terminator: Die Erlösung“ (Terminator Salvation: The Official Movie Novelisation, 2009)

Meine Besprechung von Alan Taylors „Terminator: Genisys“ (Terminator: Genisys, USA 2015)

Meine Besprechung von Tim Millers „Deadpool“ (Deadpool, USA 2016)


Einige Werbeclips mit Spoilern, Filmschnipsel und Statements von den Schauspielern, Tim Miller und James Cameron

 


TV-Tipp für den 23. September: Deadpool

September 23, 2018

Pro7, 20.15

Deadpool (Deadpool, USA 2016)

Regie: Tim Miller

Drehbuch: Rhett Reese, Paul Wernick

LV: Charakter von Rob Liefeld und Fabian Nicieza

Wade Wilson sagt, dass „Deadpool“ der beste Superheldenfilm aller Zeiten ist und dass man, wenn man nur einen Superheldenfilm sehen will, „Deadpool“ sehen muss.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ryan Reynolds, Morena Baccarin, Ed Skrein, T. J. Miller, Gina Carano, Brianna Hildebrand, Leslie Uggams, Stan Lee (sein Cameo)

Wiederholung: Montag, 24. September, 00.50 Uhr (Taggenau!) (dann wahrscheinlich ungeschnitten. Denn „Deadpool“ ist ein FSK-16-Film und nach der Ankündigung dürften heute Abend etliche Minuten fehlen.)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „Deadpool“
Metacritic über „Deadpool“
Rotten Tomatoes über „Deadpool“
Wikipedia über „Deadpool“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Deadpool

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Bong Dazo (Zeichner): Deadpool – Der Söldner mit der großen Klappe: Kopfsprung (Band 1 von 2) (Deadpool: Merc with a Mouth 1 – 6: Headtrip, 2009/2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Bong Dazo (Zeichner)/Kyle Baker (Zeichner): Deadpool – Der Söldner mit der großen Klappe (Band 2 von 2) (Deadpool: Merc with a Mouth 7: Are you there? It’s me, Deadpool; Deadpool: Marc with a Mouth 8 – 15: Next Stop: Zombieville, 2010)

Meine Besprechung von Daniel Way (Autor)/ Shawn Crystal (Zeichner)/Paco Medina (Zeichner): Deadpool 1 (Deadpool 13/14: Wave of Mutilation; Deadpool 15: Want you to want me, Part 1: The complete idiot’s guide to metaphers, 2009)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Jason Pearson (Zeichner): Deadpool: Weiber, Wummen & Wade Wilson! (Sonderband 1) (Deadpool: Wade Wilson’s War, Vol. 1 – 4, 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Rob Liefeld/Whilce Portacio/Philip Bond/Paco Medina/Kyle Baker (Zeichner) „Deadpool Corps (Deadpool Sonderband 2)“(Prelude to Deadpool Corps, Vol. 1 – 5, März 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Rob Liefeld/Marat Mychaels (Zeichner) “Deadpool Corps 2 (Deadpool Sonderband 3)” (Deadpool Corps 1 – 6, Juni 2010 – November 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)Rob Liefeld/Marat Mychaels (Zeichner) “Deadpool Corps 3: You say you want a Revolution (Deadpool Sonderband 4)” (Deadpool Corps 7 – 12: You say you want a Revolution (Part 1 – Part 6), Dezember 2010 – Mai 2011)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Leandro Fernandez (Zeichner): Deadpool: Das Film-Special (X-Men Origins: Deadpool: The Major Motion Picture, 2010)

Meine Besprechung von Cullen Bunn/Ramon Rosanas „Night of the Living Deadpool“ (Night of the Living Deadpool # 1 – 4, März 2014 – Mai 2014)

Meine Besprechung von Cullen Bunn/Nik Virellas „Return of the Living Deadpool“ (Return of the Living Deadpool # 1 – 4, April 2015 – Juli 2015)

Meine Besprechung von „Deadpool: Greatest Hits – Die Deadpool-Anthologie“ (2016, Sammelband mit vielen Deadpool-Geschichten)

Meine Besprechung von Mike Benson/Adam Glass/Laurence Campbells „Deadpool Pulp“ (Deadpool Pulp 1 – 4, 2010/2011)

Meine Besprechung von Tim Millers „Deadpool“ (Deadpool, USA 2016)

Meine Besprehung von David Leitchs „Deadpool 2“ (Deadpool 2, USA 2018)


TV-Tipp für den 1. Januar: Deadpool

Dezember 31, 2017

Pro7, 20.15

Deadpool (Deadpool, USA 2016)

Regie: Tim Miller

Drehbuch: Rhett Reese, Paul Wernick

LV: Charakter von Rob Liefeld und Fabian Nicieza

Wade Wilson sagt, dass „Deadpool“ der beste Superheldenfilm aller Zeiten ist und dass man, wenn man nur einen Superheldenfilm sehen will, „Deadpool“ sehen muss.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ryan Reynolds, Morena Baccarin, Ed Skrein, T. J. Miller, Gina Carano, Brianna Hildebrand, Leslie Uggams, Stan Lee (sein Cameo)

Wiederholung: Mittwoch, 3. Januar, 22.25 Uhr (dann ohne Schnitte. Denn „Deadpool“ ist ein FSK-16-Film und nach der Ankündigung dürften heute Abend etliche Minuten fehlen. Möglicherweise sogar über zehn Minuten!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film
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Moviepilot über „Deadpool“
Metacritic über „Deadpool“
Rotten Tomatoes über „Deadpool“
Wikipedia über „Deadpool“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Deadpool

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Bong Dazo (Zeichner): Deadpool – Der Söldner mit der großen Klappe: Kopfsprung (Band 1 von 2) (Deadpool: Merc with a Mouth 1 – 6: Headtrip, 2009/2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Bong Dazo (Zeichner)/Kyle Baker (Zeichner): Deadpool – Der Söldner mit der großen Klappe (Band 2 von 2) (Deadpool: Merc with a Mouth 7: Are you there? It’s me, Deadpool; Deadpool: Marc with a Mouth 8 – 15: Next Stop: Zombieville, 2010)

Meine Besprechung von Daniel Way (Autor)/ Shawn Crystal (Zeichner)/Paco Medina (Zeichner): Deadpool 1 (Deadpool 13/14: Wave of Mutilation; Deadpool 15: Want you to want me, Part 1: The complete idiot’s guide to metaphers, 2009)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Jason Pearson (Zeichner): Deadpool: Weiber, Wummen & Wade Wilson! (Sonderband 1) (Deadpool: Wade Wilson’s War, Vol. 1 – 4, 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Rob Liefeld/Whilce Portacio/Philip Bond/Paco Medina/Kyle Baker (Zeichner) „Deadpool Corps (Deadpool Sonderband 2)“(Prelude to Deadpool Corps, Vol. 1 – 5, März 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Rob Liefeld/Marat Mychaels (Zeichner) “Deadpool Corps 2 (Deadpool Sonderband 3)” (Deadpool Corps 1 – 6, Juni 2010 – November 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)Rob Liefeld/Marat Mychaels (Zeichner) “Deadpool Corps 3: You say you want a Revolution (Deadpool Sonderband 4)” (Deadpool Corps 7 – 12: You say you want a Revolution (Part 1 – Part 6), Dezember 2010 – Mai 2011)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Leandro Fernandez (Zeichner): Deadpool: Das Film-Special (X-Men Origins: Deadpool: The Major Motion Picture, 2010)

Meine Besprechung von Cullen Bunn/Ramon Rosanas „Night of the Living Deadpool“ (Night of the Living Deadpool # 1 – 4, März 2014 – Mai 2014)

Meine Besprechung von Cullen Bunn/Nik Virellas „Return of the Living Deadpool“ (Return of the Living Deadpool # 1 – 4, April 2015 – Juli 2015)

Meine Besprechung von „Deadpool: Greatest Hits – Die Deadpool-Anthologie“ (2016, Sammelband mit vielen Deadpool-Geschichten)

Meine Besprechung von Tim Millers „Deadpool“ (Deadpool, USA 2016)

 


Neu im Kino/Filmkritik mit Bonushinweis: „Deadpool“ Wade Wilson hat jetzt seine große Marvel-Verfilmung

Februar 11, 2016

Der Film war jahrelang, mal mehr, mal weniger, in Planung. Er war ein Traumprojekt von Hauptdarsteller Ryan Reynolds, dessen „Green Lantern“ bei den Fans, der Kritik und dem Publikum nicht besonders gut ankam. In den vergangenen Jahren trat er, nachdem er schon einen kurzen Auftritt als Deadpool in „X-Men Origins: Wolverine“ hatte, in mehreren guten Filmen auf. Zuletzt in dem Spieler-Drama „Dirty Trip – Mississippi Grind“ (Besprechung folgt; DVD erschien bei Ascot Elite), „The Voices“, „Woman in Gold“ und „Self/Less“.
Trotzdem blieb „Deadpool“ sein Traumprojekt und wie das mit Träumen so geht. Meistens bleiben sie besser Träume.
Entsprechend skeptisch hoffnungsvoll sah ich mir den Film an und es ist wirklich ein „Deadpool“-Film, der das Wesen der Comicfigur und der Comics trifft. Was, ironischerweise, ein Vor- und Nachteil ist.
Die Filmgeschichte ist, mit zahlreichen Rückblenden (was in Comics ja ein gern benutztes Stilmittel ist), eine Origin-, Rache- und Liebesgeschichte, die von dem titelgebendem Söldner mit der großen Klappe ständig und in jeder Beziehung respektlos kommentiert wird, was dazu führt, dass die Handlung immer wieder stoppt, weil Deadpool uns im Kinosaal noch schnell irgendetwas erklärt, das mehr oder weniger wichtig für die Handlung ist.
Nachdem der Söldner Wade Wilson (Ryan Reynolds) erfährt, dass er unheilbar an Krebs erkrankt ist, verlässt er seine große Liebe Vanessa Carlysle (Morena Baccarin) und nimmt an einem geheimen Programm teil, das ihn heilen soll. Mad-Scientist Ajax (Ed Skrein, hier wesentlich überzeugender als in „The Transporter Refueled“) verantwortet mit sadistischer Lust die schmerzhafte Operation. Danach ist Wilson vom Krebs geheilt, hat übermenschliche Selbstheilkräfte und sieht absolut abstoßend aus. Nur seine große Klappe übersteht die Operation unverändert. Er will, dass Ajax das mit dem Aussehen rückgängig macht und er will sich an ihm für die ihm zugefügten Schmerzen rächen; was eigentlich zwei sich widerstrebende Ziele sind. Und dann, als Zugabe, entführt der Bösewicht auch noch Wilsons Freundin.
Gut, das ist nicht wirklich die stärkste „Deadpool“-Geschichte. Denn gerade die Origin-Story und Liebesgeschichten interessierten „Deadpool“-Fans nie wirklich. Im Gegensatz zu anderen Superhelden hat Deadpool auch keine immer wiedergekäute Origin-Story und was man als Comicleser über Deadpools Vergangenheit weiß, kann auch ein Hirngespinst von Wade Wilson sein. Eine Nachwirkung der Operation, die ihn zu Deadpool machte.
Aber diese beiden Geschichten und auch alles andere wird in Tim Millers Spielfilmdebüt „Deadpool“ angenehm konsequent gegen den Strich gebürstet. Jedes Superheldenklischee, das es gibt, wird durch den Kakao gezogen und mit mindestens drei Sprüchen von Deadpool garniert. Dabei ist sein Humor meist pubertär, immer respektlos und damit auch erfrischend. Vor allem natürlich im bierernsten Superheldengenre, das schon in der Titelsequenz ordentlich parodiert wird und auch dem Hauptdarsteller gleich einige Klatschen gibt. Und so geht es weiter. Wade Wilsons große Liebe ist eine Prostituierte, die ihre Arbeit liebt. Seine Wohnung ist kein Abklatsch von Wayne Manor, sondern eine billige Mietwohnung, in der er Untermieter ist. Seine Gehilfin ist kein distinguierter Batman-Butler Alfred, sondern eine alte, blinde Afroamerikanerin, die auf jeden Cent angewiesen ist. Die Söldner treffen sich in einer quasi frauenfreien Kellerspelunke, die „Sister Margaret’s Home for Wayward Girls“ heißt. Undsoweiterundsofort wird Szene an Szene, Witz an Witz gereiht, während die eh schon nebensächliche Geschichte immer mehr zur absoluten Nebensache wird. „Deadpool“ funktioniert vor allem als Abfolge von Episoden und Szenen, in denen die Beteiligten sich ebenso kräftig wie liebevoll über das Superheldengenre lustig machen.
Dieser Spaß ist in jeder Sekunde spürbar und macht „Deadpool“ zu einem kurzweiligen Jungs-Vergnügen. Bis hin zur Marvel-typischen Szene nach dem Abspann dieses etwas anderen Superheldenfilms mit einem latent unzurechnungsfähigem, von psychischen Problemen und hehren Zielen angenehm unbelasteten Helden, der mindestens in jedem zweiten Satz eine popkulturelle Referenz unterbringt.
P. S.: Der läuft auch im IMAX in 2D. Und das ist gut so.

Deadpool - Plakat

Deadpool (Deadpool, USA 2016)
Regie: Tim Miller
Drehbuch: Rhett Reese, Paul Wernick
LV: Charakter von Rob Liefeld und Fabian Nicieza
mit Ryan Reynolds, Morena Baccarin, Ed Skrein, T. J. Miller, Gina Carano, Brianna Hildebrand, Leslie Uggams, Stan Lee (sein Cameo)
Länge: 109 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „Deadpool“
Metacritic über „Deadpool“
Rotten Tomatoes über „Deadpool“
Wikipedia über „Deadpool“ (deutsch, englisch)

Aber das ist noch nicht alles. Ergänzend, aber vollkommen unabhängig vom Film, hat Panini „Die Deadpool-Anthologie“ (Untertitel) herausgeben. „Deadpool – Greatest Hits“ enthält elf Geschichten mit dem Söldner mit der großen Klappe, die eine gute, ziemlich kurze und sehr kurzweilige Einführung in die Welt von Deadpool sind. Denn die Bildergeschichten, die eine Bogen spannen von Deadpools erstem Auftritt (1991 in „The New Mutants 98: Der Anfang vom Ende“) bis zur Gegenwart („Deadpool 27: Die Hochzeit von Deadpool“ [wer’s glaubt]) werden ergänzt durch informative Vorbemerkungen, die die Geschichten in jeder Beziehung in die Deadpool-Welt einordnen. Vorbildlich und für Neueinsteiger und Altfans sehr informativ.
Wer es kürzer haben will, kann sich „Das Film-Special“ zulegen, das die ebenfalls in „Deadpool: Greatest Hits“ enthaltene Geschichte „Der große Kinofilm“ enthält. Thriller-Autor Duane Swierczynski schrieb 2010 diese Geschichte, in der Wade Wilson sein Leben gerne als Hollywood-Film sehen möchte. Dafür erzählt er einem Drehbuchautor seine Lebensgeschichte und wir erfahren einiges über Hollywood und auch einiges über die Herkunft von Wade Wilson. Denn das ist für einen Hollywood-Film wichtig.

Deadpool - Greatest Hits
Deadpool: Greatest Hits – Die Deadpool-Anthologie
Panini, 2016
324 Seiten
24,99 Euro
Deadpool - Das Film-Special
Duane Swierczynski (Autor)/Leandro Fernandez (Zeichner): Deadpool: Das Film-Special
(übersetzt von Jürgen Petz)
Panini, 2016
52 Seiten
3,99 Euro

Originalausgabe
X-Men Origins: Deadpool: The Major Motion Picture
Marvel, September 2010

Hinweise

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Bong Dazo (Zeichner): Deadpool – Der Söldner mit der großen Klappe: Kopfsprung (Band 1 von 2) (Deadpool: Merc with a Mouth 1 – 6: Headtrip, 2009/2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Bong Dazo (Zeichner)/Kyle Baker (Zeichner): Deadpool – Der Söldner mit der großen Klappe (Band 2 von 2) (Deadpool: Merc with a Mouth 7: Are you there? It’s me, Deadpool; Deadpool: Marc with a Mouth 8 – 15: Next Stop: Zombieville, 2010)

Meine Besprechung von Daniel Way (Autor)/ Shawn Crystal (Zeichner)/Paco Medina (Zeichner): Deadpool 1 (Deadpool 13/14: Wave of Mutilation; Deadpool 15: Want you to want me, Part 1: The complete idiot’s guide to metaphers, 2009)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Jason Pearson (Zeichner): Deadpool: Weiber, Wummen & Wade Wilson! (Sonderband 1) (Deadpool: Wade Wilson’s War, Vol. 1 – 4, 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Rob Liefeld/Whilce Portacio/Philip Bond/Paco Medina/Kyle Baker (Zeichner) „Deadpool Corps (Deadpool Sonderband 2)“(Prelude to Deadpool Corps, Vol. 1 – 5, März 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Rob Liefeld/Marat Mychaels (Zeichner) “Deadpool Corps 2 (Deadpool Sonderband 3)” (Deadpool Corps 1 – 6, Juni 2010 – November 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)Rob Liefeld/Marat Mychaels (Zeichner) “Deadpool Corps 3: You say you want a Revolution (Deadpool Sonderband 4)” (Deadpool Corps 7 – 12: You say you want a Revolution (Part 1 – Part 6), Dezember 2010 – Mai 2011)


P. P. S.: Die beiden „Deadpool“-Drehbuchautoren Rhett Reese und Paul Wernick sitzen bereits am Drehbuch für den zweiten „Deadpool“-Film. Regisseur Tim Miller soll auch wieder dabei sein. Ryan Reynolds sowieso.


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