DVD-Kritik: „Bauernopfer – Spiel der Könige“ zwischen Bobby Fisher und Boris Spassky

September 18, 2016

Zum Kinostart schrieb ich ziemlich begeistert unter der Überschrift „’Bauernopfer – Spiel der Könige‘, Kampf der Systeme 1972 in Island“, die ich deshalb jetzt nicht wieder verwenden konnte:

Schach im Fernsehen? Heute gibt es so etwas vielleicht in irgendeinem Sportkanal, der halt sein Programm füllen muss. Früher war Schach auch nicht das Material für die samstägliche Sportschau. Aber 1972 gab es das Schachduell zwischen Bobby Fischer und Boris Spassky, das auch im Fernsehen übertragen wurde und eine weltweite Schachbegeisterung auslöste.

Bauernopfer – Spiel der Könige“ von Edward Zwick („Blood Diamond“), nach einem straffen Drehbuch von Steven Knight („Eastern Promises“, „Madama Mallory und der Duft von Curry“), erzählt jetzt, nah an den Fakten, die Geschichte von diesem Schachduell, das auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, auch ein Kampf der Systeme war. Und es ist ein Biopic über Bobby Fischer (1943 – 2008), das sich auf die 1972er Schach-Weltmeisterschaft in Reykjavik, Island, und die Jahre davor konzentriert. Das spätere Leben von Bobby Fischer, das, höflich formuliert, nicht unproblematisch war, wird dann in einigen Texttafeln abgehandelt, während wir Bobby Fischer auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn verlassen.

Bis dahin erleben wir einen spannenden Film über einen hochintelligenten Menschen, der schon früh ein erfolgreicher Schachspieler war und der sein ganzes Leben auf das Spiel konzentrierte, weshalb er auch gegen jede Ablenkung, egal ob echt oder nur gefühlt, harsch vorging. Schon in den Sechzigern war er in den USA als Schachgenie bekannt. Seine Anti-Establishment-Haltung half. Er wird, nachdem seine Mutter als Teil der jüdisch-kommunistischen Gemeinschaft in Brooklyn in den Fünfzigern vom FBI überwacht wurde, zunehmend paranoid. Er fühlt sich ständig beobachtet. Er fühlt sich von Kameras, die damals lauter als heute waren, und dem Publikum in seiner Konzentration gestört und er setzte bei den Turnieren seine Wünsche nach Ruhe und einer entsprechenden Gestaltung der Räume gnadenlos durch.

Gleichzeitig wird das Spiel und die 1972er Schach-Weltmeister zu einem Duell der Systeme hochgejazzt. So als könnte der Kalte Krieg am Schachbrett besiegt werden (Sylvester Stallone tat es einige Jahre später in „Rocky IV – Der Kampf des Jahrhunderts“ im Boxring). Damals war Fischer gut genug, um die jahrzehntelange Dominanz der Sowjetunion im Schach brechen zu können. Außerdem waren, nach einem erzürnten Artikel von Fischer, die Regeln, die von der Sowjetunion zu ihrem Vorteil ausgelegt wurden, geändert worden. Jetzt hatte Fischer eine Chance, den Titel zu gewinnen.

Edward Zwick inszenierte diese Geschichte als Schauspielerkino, das sich auf das Drehbuch und sein Ensemble verlässt. „Spider Man“ Tobey Maguire überzeugt als zunehmend paranoides Schachgenie Bobby Fischer. Liev Schreiber als von der Sowjetunion geförderter Schachspieler Boris Spassky, der am Schachbrett die Überlegenheit des Kommunismus demonstrieren soll, ist ein ebenbürtiger Gegner, der fast während des gesamten Film nichts sagt. Gerade dadurch wirkt er noch bedrohlicher.

Am Ende der faszinierenden Charakterstudie hat man zwar nichts gelernt, was einem beim nächsten Schachspiel hilft (soweit man überhaupt die Bedeutung der Schachfiguren kennt), aber man hat einen ebenso spannenden, wie lehrreichen Ausflug in die Vergangenheit gemacht, als jeder wusste, wer die Guten und wer die Bösen sind.

Die DVD-Ausgabe enthält, wie die Blu-ray, als Bonusmaterial lediglich ein dreiminütiges 08/15-Werbebeaturette. Für ein Biopic ist das arg wenig. Denn neben dem normalen Making-of zum Film hätte sich natürlich auch eine Doku zu den wahren Hintergründen angeboten.

Bauernopfer – Spiel der Könige“ ist ein Topfilm.

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Bauernopfer – Spiel der Könige (Pawn Sacrifice, USA 2014)

Regie: Edward Zwick

Drehbuch: Steven Knight

mit Tobey Maguire, Liev Schreiber, Peter Sarsgaard, Michael Stuhlbarg, Edward Zinoviev, Alexandre Gorchkov, Lily Rabe, Robin Weigert, Seamus Davey-Fitzpatrick, Aiden Lovekamp, Sophie Nelisse

DVD

Studiocanal

Technische Angaben

Bild: 2,40:1 anamorph

Ton: Deutsch, Englisch (5.1 Dolby Digital)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Featurette: Bobby Fischer: Der Kalte Krieg und das Schachspiel des Jahrhunderts, Wendecover

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Bauernopfer“

Metacritic über „Bauernopfer“

Rotten Tomatoes über „Bauernopfer“

Wikipedia über „Bauernopfer“ (englisch)

History vs. Hollywood über „Bauernopfer“ (der Faktencheck)

Meine Besprechung von Edward Zwicks „Bauernopfer – Spiel der Könige“ (Pawn Sacrifice, USA 2014)

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Neu im Kino/Filmkritik: „Bauernopfer – Spiel der Könige“, Kampf der Systeme 1972 in Island

April 29, 2016

Schach im Fernsehen? Heute gibt es so etwas vielleicht in irgendeinem Sportkanal, der halt sein Programm füllen muss. Früher war Schach auch nicht das Material für die samstägliche Sportschau. Aber 1972 gab es das Schachduell zwischen Bobby Fischer und Boris Spassky, das auch im Fernsehen übertragen wurde und eine weltweite Schachbegeisterung auslöste.

Bauernopfer – Spiel der Könige“ von Edward Zwick („Blood Diamond“), nach einem straffen Drehbuch von Steven Knight („Eastern Promises“, „Madama Mallory und der Duft von Curry“), erzählt jetzt, nah an den Fakten, die Geschichte von diesem Schachduell, das auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, auch ein Kampf der Systeme war. Und es ist ein Biopic über Bobby Fischer (1943 – 2008), das sich auf die 1972er Schach-Weltmeisterschaft in Reykjavik, Island, und die Jahre davor konzentriert. Das spätere Leben von Bobby Fischer, das, höflich formuliert, nicht unproblematisch war, wird dann in einigen Texttafeln abgehandelt, während wir Bobby Fischer auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn verlassen.

Bis dahin erleben wir einen spannenden Film über einen hochintelligenten Menschen, der schon früh ein erfolgreicher Schachspieler war und der sein ganzes Leben auf das Spiel konzentrierte, weshalb er auch gegen jede Ablenkung, egal ob echt oder nur gefühlt, harsch vorging. Schon in den Sechzigern war er in den USA als Schachgenie bekannt. Seine Anti-Establishment-Haltung half. Er wird, nachdem seine Mutter als Teil der jüdisch-kommunistischen Gemeinschaft in Brooklyn in den Fünfzigern vom FBI überwacht wurde, zunehmend paranoid. Er fühlt sich ständig beobachtet. Er fühlt sich von Kameras, die damals lauter als heute waren, und dem Publikum in seiner Konzentration gestört und er setzte bei den Turnieren seine Wünsche nach Ruhe und einer entsprechenden Gestaltung der Räume gnadenlos durch.

Gleichzeitig wird das Spiel und die 1972er Schach-Weltmeister zu einem Duell der Systeme hochgejazzt. So als könnte der Kalte Krieg am Schachbrett besiegt werden (Sylvester Stallone tat es einige Jahre später in „Rocky IV – Der Kampf des Jahrhunderts“ im Boxring). Damals war Fischer gut genug, um die jahrzehntelange Dominanz der Sowjetunion im Schach brechen zu können. Außerdem waren, nach einem erzürnten Artikel von Fischer, die Regeln, die von der Sowjetunion zu ihrem Vorteil ausgelegt wurden, geändert worden. Jetzt hatte Fischer eine Chance, den Titel zu gewinnen.

Edward Zwick inszenierte diese Geschichte als Schauspielerkino, das sich auf das Drehbuch und sein Ensemble verlässt. „Spider Man“ Tobey Maguire überzeugt als zunehmend paranoides Schachgenie Bobby Fischer. Liev Schreiber als von der Sowjetunion geförderter Schachspieler Boris Spassky, der am Schachbrett die Überlegenheit des Kommunismus demonstrieren soll, ist ein ebenbürtiger Gegner, der fast während des gesamten Film nichts sagt. Gerade dadurch wirkt er noch bedrohlicher.

Am Ende der faszinierenden Charakterstudie hat man zwar nichts gelernt, was einem beim nächsten Schachspiel hilft (soweit man überhaupt die Bedeutung der Schachfiguren kennt), aber man hat einen ebenso spannenden, wie lehrreichen Ausflug in die Vergangenheit gemacht, als jeder wusste, wer die Guten und wer die Bösen sind.

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Bauernopfer – Spiel der Könige (Pawn Sacrifice, USA 2014)

Regie: Edward Zwick

Drehbuch: Steven Knight

mit Tobey Maguire, Liev Schreiber, Peter Sarsgaard, Michael Stuhlbarg, Edward Zinoviev, Alexandre Gorchkov, Lily Rabe, Robin Weigert, Seamus Davey-Fitzpatrick, Aiden Lovekamp, Sophie Nelisse

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Bauernopfer“

Metacritic über „Bauernopfer“

Rotten Tomatoes über „Bauernopfer“

Wikipedia über „Bauernopfer“ (englisch)

History vs. Hollywood über „Bauernopfer“ (der Faktencheck)


Die ersten 73 Minuten der 93-minütigen Doku „Zug um Zug in den Wahnsinn“ (The World against Bobby Fischer, 2011) von Liz Garbus über Bobby Fischer


TV-Tipp für den 29. November: The Good German

November 29, 2015

Tele 5, 20.15

The Good German – In den Ruinen von Berlin (USA 2006, Regie: Steven Soderbergh)

Drehbuch: Paul Attanasio

LV: Joseph Kanon: The Good German, 2001 (In den Ruinen von Berlin)

Als der in Schwarzmarktgeschäfte verwickelte Fahrer des US-Journalisten Jake Geismar umgebracht wird und die Alliierten den Mord nicht aufklären wollen, beginnt er auf eigene Faust den Mörder zu suchen.

Soderbergh verfilmte den Roman im Noir-Stil der vierziger Jahre. “The Good German” unterscheidet sich dann auch nicht von einem damaligen Hollywood-Film. Nur wer braucht das heute?

Mit George Clooney, Tobey Maguire, Cate Blanchett, Beau Bridges

Wiederholung: Montag, 30. November, 01.5 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Good German“

Rotten Tomatoes über “The Good German”

Wikipedia über Joseph Kanon (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte

Bonushinweis

Kanon - Leaving Berlin - 4
Mit seinem neuen Roman „Leavin Berlin“ kehrt Joseph Kanon zurück in das Nachkriegsberlin. Im Januar 1949 wird der deutsch-jüdische Schriftsteller Alex Meier wegen seiner prokommunistischen Ansichten aus den USA ausgewiesen. Da bietet ihm die CIA eine Möglichkeit zur Rückkehr an. Meier muss über seine Jugendliebe, die inzwischen mit einem russischen Major liiert ist, an Informationen über den Uranabbau im Erzgebirge kommen.
Das hört sich doch ganz spannend an.
Auch wenn ich nicht verstehen kann, warum irgendjemand Berlin verlassen möchte.

Joseph Kanon: Leaving Berlin
(übersetzt von Elfriede Peschel)
C. Bertelsmann, 2015
448 Seiten
19,99 Euro

Originalausgabe
Leaving Berlin
Simon & Schuster, London, 2014

Hinweise

Homepage von Joseph Kanon

Wikipedia über Joseph Kanon (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 9. Dezember: The Good German

Dezember 9, 2014

Tele 5, 20.15

The Good German – In den Ruinen von Berlin (USA 2006, Regie: Steven Soderbergh)

Drehbuch: Paul Attanasio

LV: Joseph Kanon: The Good German, 2001 (In den Ruinen von Berlin)

Als der in Schwarzmarktgeschäfte verwickelte Fahrer des US-JOurnalisten Jake Geismar umgebracht wird und die Alliierten den Mord nicht aufklären wollen, beginnt er auf eigene Faust den Mörder zu suchen.

Soderbergh verfilmte den Roman im Noir-Stil der vierziger Jahre. “The Good German” unterscheidet sich dann auch nicht von einem damaligen Hollywood-Film. Nur wer braucht das heute?

Mit George Clooney, Tobey Maguire, Cate Blanchett, Beau Bridges

Wiederholung: Mittwoch, 10. Dezember, 02.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Good German“

Rotten Tomatoes über „The Good German“

Wikipedia über Joseph Kanon (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte

Bonushinweis

Kanon - Die Istanbul Passage - 4
In seinem neuen Roman „Die Istanbul Passage“, der 1946 in Istanbul spielt, erzählt Joseph Kanon von Leon Bauer, einem amerikanischen Geschäftsmann, der während des Krieges kleine Aufträge für die Alliierten erledigte und der jetzt einem osteuropäischen Überläufer bei der Flucht helfen soll. Ein Routineauftrag, der aus dem Ruder läuft.
Graham Greene, Eric Ambler und Alan Furst lassen grüßen und Lee Child und Olen Steinhauer sind begeistert von diesem Spionagethriller, der sich sicher gut auf dem weihnachtlichen Gabentisch macht.

Joseph Kanon: Die Istanbul Passage
(übersetzt von Elfriede Peschel)
C. Bertelsmann, 2014
480 Seiten
19,99 Euro

Originalausgabe
Istanbul Passage
Simon & Schuster, 2012


TV-Tipp für den 5. September: Wer mit dem Teufel reitet

September 5, 2014

ServusTV, 22.15

Wer mit dem Teufel reitet (USA 1999, Regie: Ang Lee)

Drehbuch: James Schamus

LV: Daniel Woodrell: Woe to live on, 1987 (Zum Leben verdammt)

USA, 1860: Jake Roedel und Jack Bull ziehen auf Seiten der Südstaaten in den Krieg. In einer Guerillagruppe beteiligen sie sich an einem zunehmend sinnlosen Vernichtungsfeldzug bei dem keine Gefangenen gemacht werden.

Wie so oft: aus einem hochgelobten Buch wurde ein – nun – mittelmäßiger Film.

Martin Compart halt Woodrells zweiten Roman “Woe to live on” für einen der besten Bürgerkriegs-Romane: “Mit jedem zündenden Satz verbrennt Woodrell die Hollywoodklischees über den Sezessionskrieg. Der Roman folgt dem jungen Ich-Erzähler auf seiner blutigen Spur an der Seite der Freischärler unter dem berüchtigten Quantrill. In den West Plains tobte ein brutaler Partisanenkrieg, der noch Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges Opfer forderte…Die Sprache des Romans ist filmisch und hypnotisch.“

Woodrell zu seinem Buch: „Die Amerikaner haben sich über das Buch zu Tode erschreckt, weil es vom Standpunkt der Südstaaten geschrieben ist. Ich bekam keine Rezension nördlich der Dixon-Linie. Keiner wollte wissen, was hier wirklich los war. Es war wie in Bosnien.“ Die Erstausgabe war ein Flop – und ist heute ziemlich teuer.

Woodrell zur Verfilmung: „I was merely the writer of the novel. That is, the one who created the story, characters, dialogue and structure from scratch. Once the movie started I was more or less blotted from the scene. I did enjoy watching actors mouth my words and so on, and did learn plenty from that experience. As to the process of making the film, all I can say is, if it happens again, I won’t make nice so much. I deferred to their arguments (I had no power to do anything) since I thought maybe they know more about narrative for film than I-and they don’t. Everything is clouded by,”If we show this scene in a truthful manner we think twelve people will walk out in Encino, so we will substitute a phony as shit scene we got from a can of old movies we found sitting open back in the vault.” And so on.“

Der Film war kein Kassenerfolg; was hier allerdings – im Gegensatz zum Buch – an der Qualität des Werkes liegt: „Eine Enttäuschung“ (Zitty), „Der Film wirkt mitunter so langatmig, als würde man den Bürgerkrieg in Echtzeit miterleben.“ (Berliner Zeitung). Und, was sicher auch zu seiner Unbeliebtheit beigetragen hat: „Ride with the Devil“ ist ein Film „über Männer, die für die falsche Sache auf der falschen Seite in einem schrecklichen Krieg kämpfen…Man könnte auch behaupten, dass dieser Film eine Feldstudie über galoppierende Dummheit ist.“ (Berliner Zeitung)

Eine der wenigen positiven Stimmen: “Ang Lee’s film, Ride with the Devil, is the best western since Clint Eastwood’s Unforgiven (1992)… Ride with the Devil displays a care and intelligence increasingly rare in mainstream American cinema. While there are suitably memorable images of violence there is also a lot of memorable talk. Wonderful cinematography from Frederick Elmes, excellent performances from its (then mostly) young, up-and-coming cast of actors, and the acting debut of pop star Jewel should have brought new, younger viewers to this old genre. The film deserved a better commercial fate because it is as “stone brilliant” as the writing from which it is derived, and making such a fine film also “required some genius”.” (Noel King, Senses of Cinema – eine sehr informative Web-Seite)

Mit Skeet Ulrich, Tobey Maguire, Jewel Kilcher, Jonathan Rhys, James Caviezel

Kinotitel: „Ride with the Devil“

Wiederholung: Samstag, 6. September, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Kaliber.38 über Daniel Woodrell

Mordlust über Daniel Woodrell

Wikipedia über Daniel Woodrell

The Richmond Review interviewt Daniel Woodrell zum Film

The Southeast Review interviewt Daniel Woodrell (1. April 2009)

River Cities’ Reader über Daniel Woodrell (8. April 2010)

Daniel Woodrell bei Mulholand Books

Meine Besprechung von Daniel Woodrells „Winters Knochen“ (Winter’s Bone, 2006)

Meine Besprechung von Daniel Woodrells “Der Tod von Sweet Mister” (The Death of Sweet Mister, 2001)

Meine Besprechung von Daniel Woodrells “Im Süden – Die Bayou-Trilogie” (The Bayou Trilogy, 2011)

Meine Besprechung von Daniel Woodrells „In Almas Augen“ (The Maid’s Version, 2013)

Daniel Woodrell in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Labor Day“ praktiziert Familienhilfe mittels Geiselnahme

Mai 11, 2014

1987 geht in der Kleinstadt Holton Mills in New Haven alles seinen geregelten Gang. Die Nachbarn sind höflich, bringen Äpfel rüber, die Türen sind sowieso nie abgeschlossen und manchmal vergißt man vor dem Eintreten auch das Anklopfen. Man kennt sich ja im Dorf. Auch wenn Adele Wheeler (Kate Winslet) und ihr damals dreizehnjähriger Sohn Henry (Gattlin Griffith) wohl so etwas wie Exoten sind. Sie ist geschieden und hat sich seitdem vollständig in ihr Haus, das auch schon etwas heruntergekommen ist, zurückgezogen. Es fehlt halt der Mann für die nötigen Arbeiten am Haus und an ihrer Psyche.
Vor dem Labor-Day-Wochenende überredet Henry seine Mutter, ihn zum Einkaufen in die Shopping Mal zu begleiten. Dort trifft Henry auf einen geheimnisvollen, blutenden Mann, der zuerst ihn und dann seine Mutter als Geisel nimmt und sich bei ihnen in ihrem Haus versteckt. Er ist der flüchtige Schwerverbrecher Frank Chambers (Josh Brolin), der sich schnell als liebevoller Vater- und Ehemann-Ersatz entpuppt, der in Adele wieder die Lebensgeister weckt und Henry das Backen von Obstkuchen beibringt, während vor ihrer Haustür die Polizei ihn sucht und auch über Zeitung und Fernsehen nach ihm fahndet. Kurz: der skrupellose Mörder ist das Ortsgespräch.
Aber trotz des flüchtigen Verbrechers, der eine Frau und ihren Sohn als Geisel nimmt, ist Ivan Reitmans neuer Film „Labor Day“ kein Kriminalfilm, sondern eine Schnulze im Nicholas-Sparks-Stil, veredelt durch die guten Schauspieler und immer wieder auf den nackten Boden der Tatsachen zurückgeholt. Denn es gelingt Reitman nie, die hochgradig künstliche Prämisse glaubhaft zu gestalten. Vor allem weil die eine gute Woche dauernde Geiselnahme mitten in der Kleinstadt stattfindet, freundliche Nachbarn immer wieder an die Tür klopfen, mit einem behinderten Nachbarjungen ein Nachmittag im Garten verbracht wird und der Flüchtling am hellichten Tag einige Reperaturen am Haus durchführt und Henry endlich die richtige Wurftechnik im US-amerikanischen Nationalsport beibringt. Aber die furchtbar aufmerksamen Nachbarn bemerken nicht, dass der gutaussehende Mann der skrupellose Mörder ist, dessen Bild es auf die erste Seite der Tageszeitungen und ins Fernsehen gebracht hat.
Und wenn Henry zur Schule geht, sich mit einer neuen Schulfreundin trifft oder einige Einkäufe erledigen muss, verrät er Frank auch nicht an die Polizei. Immerhin ist der Gast ja ein verständnisvoller Superdaddy, der wirklich alles kann, und ein feinfühliger Liebhaber. Wenn er kein gesuchter Schwerverbrecher wäre (aber auch das Problem wird gelöst), wäre er der perfekte Mann. Und in Rückblenden erfahren wir, was uns nicht wirklich überrascht, dass er kein kaltblütiger Mörder ist. Eigentlich ist er ein Pechvogel.
Nein, wenn die Schauspieler und die Regie nicht so gut wären, wäre „Labor Day“ ein ungenießbares Kitsch-Fest. So ist es ein zäh erzähltes, ironiefreies und wirklichkeitsfernes Kitsch-Fest, das besser ist, als es die im Kern unglaubwürdige Geschichte verdient hat.

Labor Day - Plakat

Labor Day (Labor Day, USA 2013)
Regie: Jason Reitman
Drehbuch: Jason Reitman
LV: Joyce Maynard: Labor Day, 2009 (Der Duft des Sommers)
mit Kate Winslet, Josh Brolin, Gattlin Griffith, Tobey Maguire, Tom Lipinski, Clark Gregg, Brighid Fleming, J. K. Simmons
Länge: 111 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Labor Day“
Moviepilot über „Labor Day“
Metacritic über „Labor Day“
Rotten Tomatoes über „Labor Day“
Wikipedia über „Labor Day“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Jason Reitmans „Young Adult“ (Young Adult, USA 2011)
Homepage von Joyce Maynard

Das DP/30-Gespräch mit Jason Reitman

Das DP/30-Gespräch mit Josh Brolin

Und das ist eher Freestyle mit Kate Winslet, Josh Brolin und Jason Reitman


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