Neu im Kino/Filmkritik: Extrem sportlich zum „Point Break“

Januar 21, 2016

Gut, Ericson Core, Kameramann von „The Fast and the Furious“ (ihr wisst schon: der Actionthriller, in dem ein junger Undercover-Polizist sich mit einem autoverrücktem Verbrecher befreundet), hat wirklich einige Namen und ein, zwei Details von Kathryn Bigelows Actionthriller „Gefährliche Brandung“(Point Break, USA 1991), der die Blaupause für etliche weitere Thriller war, übernommen, aber zu einem Remake macht ihn das nicht. Eher zu einer sehr freien Interpretation bekannter Elemente, die behauptet, etwas mit dem Original zu tun zu haben. So wie Paul Schraders „Katzenmenschen“ nicht mehr viel mit Jacques Tourneurs „Katzenmenschen“ oder F. Gary Grays „The Italien Jobs“ kaum Gemeinsamkeiten mit Peter Collinsons „Charlie staubt Millionen ab“ (so der deutsche Titel des ersten „Italien Jobs“) zu tun hat. Beides sind auch gute Filme, was man über „Point Break“ nicht unbedingt sagen kann.
In Cores „Point Break“ (nach einem Drehbuch von Kurt Wimmer [„Equilibrium“, „Ultraviolet“ und „Total Recall“]) begibt sich der junge FBI-Agent Johnny Utah (Luke Bracey), der gerade seine Agenten-Ausbildung beendet, auf einen gefährlichen Undercover-Einsatz. Denn er glaubt, dass die Verantwortlichen für mehrere spektakuläre Überfälle an verschiedenen abgelegenen Orten auf unserem Globus eine Gruppe Extremsportler sind. Angeführt werden sie von Bodhi (Edgar Ramirez). Da ist es gut, dass der FBIler selbst eine Vergangenheit als Extremsportler hat und das gut gefüllte Spesenkonto des FBI ihm einen Trip quer durch Europa und Südamerika gestattet.
Das ist auch nötig, weil der Bösewicht ihn zuerst einmal prüft. Weniger, ob er zum Verbrecher taugt, sondern ob er sportlich ist. Denn, das hat der junge FBI-Agent Johnny Utah durch Aktenstudium herausgefunden: der Bösewicht Bodhi verfolgt bei seinen Verbrechen einen viel größeren Plan. Ihm geht es nicht um Geld. Mit seinen Verbündeten will er die acht Prüfungen von Ono Ozaki absolvieren. Der legendäre Extremsportler und Öko-Krieger überlegte sich diese Prüfungen als Weg zur spirituellen Erleuchtung und Aussöhnung mit Mutter Erde. Ozaki starb bei der dritten Prüfung. Und nachdem wir diese Information verdaut haben, wird der Ozaki-Weg zu einem beliebig austauschbarem MacGuffin für eine muntere Weltreise. Auch wenn der Film hauptsächlich in Europa spielt.
Diese mit etwas esoterischem Geschwurbel verkleisterten Mutproben, – Big-Wave-Surfing vor der französischen Küste (die im Film zu bestaunenden Wellen wurden vor Tahiti gefunden), Freeclimbing in Venezuela, Wingsuit-Fliegen und Snowboarden in den Alpen, undsoweiter -, stehen im Mittelpunkt des Films, der auch noch etwas konventionellere Action bietet, während die Krimihandlung noch nicht einmal halbherzig mitgeschleift wird und mit der Logik so freizügig umgegangen wird, wie wir es aus der Luc-Besson-Fabrik kennen, wenn sie gerade einen schlechten Tag hat.
So wird aus dem Versprechen eines Actionthrillers schnell ein banales Werbevideo für Extremsport, das als überlanger Werbeclip bei den Landschaftsaufnahmen und Actionszenen natürlich einige Schauwerte hat. Nur eine Handlung und damit ein nachvollziehbarer Grund, in diesen Spielfilm zu gehen, existiert nicht.

Point Break - Plakat

Point Break (Point Break, USA/Deutschland 2015)
Regie: Ericson Core
Drehbuch: Kurt Wimmer (nach einer Idee von Rick King und W. Peter Iliff)
mit Luke Bracey, Edgar Ramirez, Teresa Palmer, Clemens Schick, Ray Winstone, Delroy Lindo, Matias Varela, Tobias Santelmann, Max Thieriot, Nikolai Kinski
Länge: 114 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „Point Break“
Metacritic über „Point Break“
Rotten Tomatoes über „Point Break“
Wikipedia über „Point Break“ (deutsch, englisch)

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Neu im Kino/Filmkritik: Der Söldner „Hercules“ tötet alle

September 4, 2014

Was haben wir als Kinder nicht die italienischen „Hercules“-Filme geliebt. Von diesen Sandalenfilmen erwarteten wir nur neunzig Minuten Spaß ohne höheren Anspruch, auch ohne Logik und gute Schauspieler. Herrje, Hercules (oder wie der muskelbepackte Held gerade hieß) wurde meistens von einem Bodybuilder gespielt, der während des Drehs vielleicht bekannt war, aber den zwanzig, dreißig Jahre später niemand mehr kannte und dessen Filmkarriere aus einigen dieser bunten Sandalenfilme bestand. Echte Schauspieler verirrten sich nie auf das Set und das Budget war auch nicht hoch. Aber es machte Spaß.

Bei „Hercules“ ist das Budget höher. Offiziell so um die 100 Millionen Dollar. Die Schauspieler sind bekannter. Dwayne ‚The Rock‘ Johnson, Ian McShane, Rufus Sewell, Joseph Fiennes (verschenkt in ungefähr drei Auftritte) und John Hurt sind dabei. Die Regie übernahm Brett Ratner, der die drei „Rush Hour“-Filme, „After the Sunset“, „X-Men – Der letzte Widerstand“ und „Aushilfsgangster“ drehte. Alles keine große Kunst, aber immer spaßige und oft auch kommerziell erfolgreiche Unterhaltung.

Allerdings macht sein „Hercules“ keinen Spaß. Es ist letztendlich eine düster-blutige, angenehm kurze Söldner-Geschichte die im alten Griechenland spielt. Hercules (Dwayne Johnson) ist der Anführer einer kleinen Söldner-Gruppe. Mit einem Geschichtenerzähler, der die Taten von Hercules hübsch ausschmückt zu göttlichen Heldentaten. Schon bei den alten Griechen gehörte Öffentlichkeitsarbeit zum guten Ton. Und eine sexy Amazone ist auch dabei. Jetzt sollen sie für König Cotys (John Hurt) eine feindliche Armee schlagen. Danach stellen sie fest, dass Cotys sie über die Ursachen des Konflikts belog, weshalb der skrupellose Hercules dann doch einige Gewissenkonflikte hat, und dass Cotys sie nicht bezahlen will, verschlechtert seine Laune weiter. Das führt dann zu einigen weiteren, ziemlich vorhersehbaren Konflikten und Kloppereien vor konsequent dunkler Kulisse, weil in heutigen Blockbustern die poppigen Farben der Sandalenfilme und von „Conan, der Barbar“ nicht mehr existieren.

Wegen der vorhersehbaren und uninteressanten Story, die dieses Mal auf einem Comic von dem am 16. März 2014 verstorbenem Steve Moore basiert, wird allerdings niemand in „Hercules“ gehen. Eher schon wegen der Action. Aber die wird von Brett Ratner, als hätte er nichts von seinen Jackie-Chan-Filmen gelernt, so zerschnippelt, dass die natürlich mit CGI aufgepimpten Kampfszenen vor allem ein großes Chaos sind, was sicher die chaotische Stimmung in einem Kampf angemessen wiederspiegelt, allerdings auch nichts über die Arbeit der Stuntmänner und wenig über die Abläufe der Schlacht verrät. Und natürlich ist ein so inszeniertes Schlachtgetümmel nicht sonderlich beeindruckend. Das vergisst man schon beim Ansehen.

Weil „Hercules“ in 3D präsentiert wird, muss auch etwas zum 3D-Bild gesagt werden: es ist mal wieder gruselig mit all den Nachteilen, die man von 3D kennt und die in einem IMAX noch potenziert werden. Jedenfalls ärgerte mich das 3D-Bild so sehr, dass ich gefühlt alle zwei Minuten aus dem Film gerissen wurde, weil irgendetwas nicht stimmte, wie ein Ghosting-Effekt im Vorder- oder Hintergrund des Bildes, während der Rest korrekt dargestellt wurde, oder schlichtweg falsche Größenverhältnisse bei Körpern, Räumen und Waffen. Viele scheint das nicht zu stören, aber mich störte es dieses Mal so sehr, dass es mir letztendlich den gesamten Film verdarb.

Hercules - Plakat

 

Hercules (Hercules, USA 2014)

Regie: Brett Ratner

Drehbuch: Ryan Condal, Evan Spiliotopoulos

LV: Steve Moore/Chris Bolsin: Hercules: The Thracian War, 2008

mit Dwayne Johnson, Ian McShane, Rufus Sewell, Aksel Hennie, Ingrid Bolsø Berdal, Reece Ritchie, Tobias Santelmann, Joseph Fiennes, Peter Mullan

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Hercules“

Moviepilot über „Hercules“

Metacritic über „Hercules“

Rotten Tomatoes über „Hercules“

Wikipedia über „Hercules“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Brett Ratners „Aushilfsgangster“ (Tower Heist, USA 2011)


Neu im Kino/Filmkritik: „Chasing the Wind“, auf den Fjord blickend

Juni 13, 2014

Zuerst will die in Berlin lebende Anna nicht zurück nach Norwegen. Aber ihr Verlobter Mathias meint, sie würde es später bereuen, wenn sie nicht zur Beerdigung ihrer Großmutter gehen würde. Also macht sie sich auf den langen Weg zu dem kleinen norwegischen Dorf am Meer und wir wissen schnell, warum sie nicht mehr zurück in das Kaff wollte. Der Großvater schweigt die meiste Zeit und er ist ein rechter Stoffel, der es sich anscheinend zur Lebensaufgabe machte, möglichst viele Menschen zu verärgern. Auch gegenüber Anna, der er still einiges vorwirft, verhält Johannes sich feindselig.
Kurz nach ihrer Ankunft trifft sie ihren Ex-Freund Håvard, der inzwischen alleinerziehender Vater ist. Er ist überhaupt nicht erfreut über das Auftauchen seiner Jugendliebe. Dennoch erklärt er sich, nachdem Johannes alle im Katalog stehenden Särge ablehnte, bereit, einen Sarg für Annas Großmutter zu zimmern und die alten Gefühle flammen wieder auf.
Gleichzeitig erfährt sie einiges über ihre Großmutter und die Beziehung zu ihrem Großvater verändert sich.
„Chasing the Wind“ ist ein langsam erzählter Film der schönen Landschaftsaufnahmen (die Trøndelag-Küste ist schon sehr fotogen), der sarkastischen Bemerkungen (vor allem der Großvater, der aus vollkommen ungeklärten Gründen die Deutschen liebt und mit Zitaten um sich wirft), des absurden Humors (Håvards Tochter inszeniert verschiedene katastrophale Tote), der schweigsamen Menschen und damit der unausgesprochenen Dinge. Denn Rune Denstad Langlos zweiter Spielfilm nach „Nord“ ist natürlich eine Versuchsanordnung mit überdeutlichen Bildern und Symbolen, in der Anna und ihr Großvater ihre verkorkste Beziehung aufarbeiten müssen. Allerdings ist der Grund für ihr Zerwürfnis nicht, dass sie vor zehn Jahren wegzog und sie nicht mehr besuchte, sondern eine viel ältere Geschichte, die erst am Ende auf eine verquere Art und Weise angesprochen wird und dem Film jede Glaubwürdigkeit raubt.
Auch die vorher enthüllten Gründe für Johannes‘ Schweigsamkeit, seinen stillen Hass auf den Nachbarn und seine, nun, problematische Beziehung zu seiner verstorbenen Frau überzeugen nicht sonderlich, weil nie erklärt wird, warum zum Beispiel Johannes bei seiner Frau blieb, obwohl er sich auch hätte scheiden lassen können.
So bleibt am Ende von „Chasing the wind“ nur eine hochgradig konstruierte Geschichte mit humoristischen, gut gespielten, aber ins Leere laufenden Szenen, vor einer prächtigen Kulisse.

Chasing the Wind - Plakat

Chasing the Wind (Jag etter vind, Norwegen 2013)
Regie: Rune Denstad Langlo
Drehbuch: Rune Denstad Langlo
mit Marie Blokhus, Sven-Bertil Taube, Tobias Santelmann, Anders Baasmo Christiansen, Frederik Meldal Nørgaard, Marte Aunemo, Per Tofte
Länge: 90 Minuten
FSK: ab 0 Jahre (OmU)

Hinweise
Norwegisches Filminstitut über den Film
Deutsche Homepage zum Film (Seite des Verleihs mit den Spielstätten)
Film-Zeit über „Chasing the Wind“
Moviepilot über „Chasing the Wind“
Wikipedia über „Chasing the Wind“

 

 


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